Wie Basel grenzüberschreitend Klimaanpassung plant

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Modernes Hochhaus vor einer grünen Wiese im Tageslicht, fotografiert von Jack Dong

Klimaanpassung als grenzüberschreitende Teamleistung? Basel macht vor, was für viele Städte noch wie eine Vision klingt: Klimaanpassung funktioniert nicht an Stadtgrenzen – und schon gar nicht am Rheinufer. Die Region Basel setzt auf Kooperation, Datenintelligenz und mutige Planung über Ländergrenzen hinweg. Das Ergebnis: Ein Modellfall, der Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und urbane Strategen im gesamten deutschsprachigen Raum inspiriert – und herausfordert.

  • Wie Basel Klimaanpassung als integrale, grenzüberschreitende Aufgabe neu denkt und organisiert.
  • Welche konkreten Projekte und Kooperationen im Dreiländereck umgesetzt werden – mit Fokus auf Resilienz, Wasser, Grünräume und Hitze.
  • Warum Governance, Datenmanagement und Beteiligung zentrale Stellschrauben für den Erfolg sind.
  • Wie technische Innovationen, digitale Werkzeuge und wissenschaftliche Expertise ineinandergreifen.
  • Welche Herausforderungen bei Recht, Finanzierung und Planungskultur auftreten – und wie Basel sie angeht.
  • Was andere Städte von Basels Ansatz lernen können und welche übertragbaren Modelle existieren.
  • Wie die Region Basel mit ambitionierten Zielen und pragmatischem Handeln eine Blaupause für eine klimaangepasste Stadtregion liefert.

Basel als Labor für grenzüberschreitende Klimaanpassung: Warum hier die Zukunft gebaut wird

Die Region Basel steht wie kaum eine andere für urbane Transformation unter besonderen Bedingungen. Einerseits die dichte Stadt mit ihrer historischen Altstadt, innovativen Bauten und weltbekannten Museen. Andererseits die Lage im Dreiländereck, wo Deutschland, Frankreich und die Schweiz aufeinandertreffen – und der Rhein als Lebensader, Verkehrsweg und Risikofaktor durch die Stadt mäandert. Gerade diese Konstellation macht Basel zu einem Hotspot der Klimaanpassung. Denn Klimarisiken wie Hitzewellen, Starkregen oder Trockenperioden halten sich bekanntermaßen nicht an administrative Linien. Und so ist Klimaanpassung in Basel per Definition eine grenzüberschreitende Aufgabe – räumlich, institutionell und kulturell.

Schon aus geografischer Notwendigkeit hat die Region früh begonnen, Klimaanpassung als gemeinsames Projekt zu begreifen. Die Stadt Basel, das Umland in Deutschland (Landkreis Lörrach) und Frankreich (Département Haut-Rhin) sowie zahlreiche Kommunen arbeiten seit Jahren in interkommunalen Netzwerken zusammen. Diese Kooperationen sind nicht nur Lippenbekenntnisse, sondern manifestieren sich in konkreten Programmen, gemeinsamen Strategien und abgestimmten Maßnahmen – von der Hochwasservorsorge bis zur Grünflächengestaltung. Die Metropolregion Basel versteht sich mittlerweile als Reallabor für eine neue Generation klimarobuster Städte, die Grenzen als Chance statt als Hürde begreifen.

Das Grundprinzip dieser Zusammenarbeit ist radikal einfach und doch selten: Probleme werden gemeinsam analysiert, Daten werden in bi- und trilateralen Teams geteilt, Lösungen werden abgestimmt entwickelt. Statt Kirchturmpolitik dominiert der Pragmatismus der Notwendigkeit. In der Praxis bedeutet das etwa, dass die Hochwassergefahr nicht nur auf Basler Stadtgebiet, sondern entlang des gesamten Rheinverlaufs betrachtet wird. Oder dass neue stadtnahe Parks so geplant werden, dass sie auch den Bewohnern von Weil am Rhein oder Saint-Louis zugutekommen. Klimaanpassung wird damit zur regionalen Gemeinschaftsaufgabe – und das mit einer Professionalität, die in Europa ihresgleichen sucht.

Doch Basel wäre nicht Basel, wenn es nur um pragmatische Zweckbündnisse ginge. Die Stadt ist auch ein Ort für Experimente und Innovationen. Sei es die Nutzung von Echtzeitdaten zur Steuerung von Wassermanagementsystemen, die Entwicklung digitaler Stadtmodelle für die Risikovorsorge oder die konsequente Einbindung universitärer Forschung in die Planungspraxis – Basel setzt auf einen Dreiklang aus Technik, Governance und Bürgerbeteiligung. Dadurch entsteht ein neues Selbstverständnis: Klimaanpassung ist kein punktuelles Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess, der an vielen Stellen gleichzeitig ansetzt.

Die Ergebnisse sprechen für sich: Basel hat nicht nur einzelne Pilotprojekte vorzuweisen, sondern ein umfassendes, skalierbares System für Klimaanpassung etabliert. Das reicht von der Umgestaltung urbaner Plätze für mehr Verschattung und Wasserretention über die Vernetzung von Grünflächen bis hin zu grenzüberschreitenden Frühwarnsystemen. So wird Basel zum Vorbild für Städte, die sich nicht mit nationalen Grenzen aufhalten wollen, sondern die Herausforderungen des Klimawandels als gemeinsame Aufgabe annehmen.

Instrumente, Projekte und Partnerschaften: So arbeitet Basel an der Resilienz der Stadtregion

Klimaanpassung ist in Basel alles andere als ein Buzzword. Vielmehr ist sie zentraler Bestandteil der Stadt- und Regionalentwicklung – mit einem beeindruckenden Instrumentarium, das weit über klassische Planungsansätze hinausgeht. Im Zentrum steht der sogenannte „Klimaanpassungsplan Basel“, der gemeinsam mit Partnerkommunen und Experten aus Wissenschaft, Verwaltung und Zivilgesellschaft entwickelt wurde. Dieser Plan definiert Leitlinien, Ziele und konkrete Maßnahmen – von der Stärkung der Schwammstadtprinzipien bis zur Verbesserung des städtischen Mikroklimas.

Ein zentrales Element ist die Wassermanagement-Strategie. Basel liegt am Rhein, und der Fluss ist Segen und Risiko zugleich. Die Stadt setzt daher auf eine Kombination aus technischen Hochwasserschutzanlagen, ökologischer Flussraumgestaltung und digitaler Überwachung. Sensoren messen Pegelstände, Temperaturen und Durchflussmengen in Echtzeit und speisen diese Daten in ein grenzüberschreitendes Frühwarnsystem ein. So können Hochwassergefahren früh erkannt und abgestimmte Maßnahmen in allen beteiligten Kommunen ausgelöst werden. Das ist nicht nur effizient, sondern auch ein Musterbeispiel für datengetriebene, kooperative Resilienzplanung.

Auch die Hitzevorsorge wird konsequent angegangen. In enger Zusammenarbeit zwischen Landschaftsarchitekten, Stadtklimatologen und Planungsämtern werden urbane Hitzeinseln identifiziert und Gegenmaßnahmen entwickelt. Dazu gehören die Entsiegelung von Flächen, die Pflanzung hitzeresistenter Bäume und die Schaffung von kühlen Rückzugsorten im Stadtraum. Besonders spannend ist der Ansatz, diese Maßnahmen nicht nur auf Basler Stadtgebiet zu beschränken, sondern sie auch auf deutsche und französische Nachbargemeinden auszuweiten. So entsteht ein zusammenhängendes Netz aus grünen Korridoren und Frischluftschneisen, das über die Stadtgrenzen hinauswirkt.

Ein weiteres Highlight ist das Projekt „3Land“ – eine gemeinsame Entwicklungsinitiative von Basel, Weil am Rhein und Huningue. Ziel ist die Transformation des Rheinufers in einen attraktiven, klimaangepassten Landschaftsraum, der sowohl Aufenthaltsqualität als auch Hochwasserschutz bietet. Hier werden neue Parkanlagen, Uferpromenaden und Freizeitflächen geschaffen, die explizit auf die Bedürfnisse der Bevölkerung auf beiden Seiten des Rheins eingehen. Dabei werden Planungsprozesse, Bürgerbeteiligung und Finanzierung grenzüberschreitend organisiert – eine logistische und kommunikative Meisterleistung.

Nicht zuletzt setzt Basel auf eine enge Verzahnung mit der Wissenschaft. Die Universität Basel, das ETH-Netzwerk und zahlreiche Forschungsinstitute liefern die notwendigen Daten, Modelle und Methoden, um Klimaanpassung auf wissenschaftlich fundierte Beine zu stellen. Digitale Stadtmodelle, Klimasimulationen und Szenarienrechnungen werden in die Planung integriert und helfen, Risiken und Potenziale präzise zu bewerten. So wird Klimaanpassung von einer abstrakten Policy zur gelebten Praxis – nachvollziehbar, überprüfbar und fortlaufend optimierbar.

Governance, Daten und Partizipation: Die verborgenen Erfolgsfaktoren der Basler Klimastrategie

Die eigentliche Innovation Basels liegt weniger in einzelnen Projekten als vielmehr im Governance-Design. Klimaanpassung wird hier als Querschnittsaufgabe verstanden, die klassische Ressortgrenzen sprengt. Es gibt keine „Klimaanpassungsinsel“, sondern ein Netzwerk von Akteuren aus Stadt, Region, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Entscheidungsprozesse werden transparent gestaltet, Verantwortlichkeiten klar definiert, und die Umsetzung wird laufend überprüft. Gerade im Dreiländereck ist das eine enorme Herausforderung: Unterschiedliche Rechtssysteme, Planungsphilosophien und Verwaltungspraktiken müssen harmonisiert werden. Basel begegnet dieser Komplexität mit einer Mischung aus institutioneller Flexibilität und pragmatischer Zusammenarbeit.

Ein Schlüssel zum Erfolg sind die gemeinsamen Datenplattformen. Die Region Basel hat früh damit begonnen, Klimadaten, Geoinformationen und Umweltdaten zu standardisieren und über digitale Schnittstellen auszutauschen. So entsteht eine gemeinsame Wissensbasis, die für alle Partner zugänglich ist – von der Planungsbehörde bis zum engagierten Bürger. Diese Offenheit ist kein Selbstzweck, sondern Voraussetzung für eine effektive, grenzüberschreitende Steuerung von Risiken und Ressourcen. Und sie ermöglicht es, Simulationen, Szenarien und Monitoring in Echtzeit zu betreiben – ein Quantensprung gegenüber klassischen Planungsverfahren.

Partizipation wird in Basel nicht als lästige Pflicht, sondern als strategischer Vorteil begriffen. Die Bevölkerung wird von Anfang an in die Entwicklung von Maßnahmen eingebunden – sei es über klassische Beteiligungsformate, digitale Plattformen oder temporäre Interventionen im Stadtraum. Das fördert Akzeptanz, bringt lokales Wissen ein und schafft eine breite Basis für die Umsetzung. Gerade bei grenzüberschreitenden Projekten ist diese Einbindung entscheidend, um kulturelle Unterschiede zu überbrücken und gemeinsame Ziele zu formulieren. Basel zeigt, dass Beteiligung und Professionalität keine Gegensätze sein müssen, sondern sich gegenseitig beflügeln.

Eine weitere Stärke der Basler Strategie ist die iterative Planungskultur. Klimaanpassung wird als lernendes System verstanden: Maßnahmen werden laufend evaluiert, Erfolge und Misserfolge transparent kommuniziert, und Strategien werden flexibel angepasst. Diese Offenheit für Fehler und Veränderung ist im deutschen Planungskontext noch immer selten – und gerade deshalb so wirkungsvoll. Sie sorgt dafür, dass Klimaanpassung in Basel nicht im Aktenordner verschwindet, sondern im Alltag der Stadt und Region lebt.

Schließlich ist die Finanzierung ein zentrales Thema. Klimaanpassung kostet – und gerade im grenzüberschreitenden Kontext ist die Mittelbeschaffung eine Herausforderung. Basel nutzt eine breite Mischung aus kommunalen Mitteln, nationalen Förderprogrammen, europäischen Fonds (wie Interreg) und privaten Partnerschaften. Entscheidend ist dabei die Fähigkeit, Projekte so aufzusetzen, dass sie für alle Partner einen Mehrwert bieten und als Gemeinschaftsaufgabe wahrgenommen werden. Diese Kunst der Kooperation ist vielleicht die wichtigste Ressource der Basler Klimaanpassung – und ein Vorbild für andere Städte.

Herausforderungen, Lehren und Potenziale: Was deutsche Städte von Basel übernehmen können

Basel hat beeindruckende Fortschritte gemacht, doch der Weg zur klimaresilienten Stadtregion ist auch hier kein Selbstläufer. Die Herausforderungen sind zahlreich – und viele davon kennen auch deutsche Städte nur allzu gut. Da ist zum einen die Komplexität der Zusammenarbeit über unterschiedliche Verwaltungsebenen hinweg. Unterschiedliche Gesetze, Planungsinstrumente und Prioritäten müssen in Einklang gebracht werden. Basel zeigt, dass dies mit klaren Strukturen, regelmäßigen Abstimmungen und einer gemeinsamen Vision gelingen kann – aber es braucht Geduld, Verhandlungsgeschick und den Willen, auch unbequeme Kompromisse einzugehen.

Ein weiteres Lernfeld ist das Datenmanagement. Der Aufbau gemeinsamer Plattformen und die Standardisierung von Datenformaten sind anspruchsvolle Aufgaben, die technisches Know-how und institutionelle Offenheit erfordern. Der Basler Weg zeigt: Ohne eine solide Datenbasis bleibt Klimaanpassung Stückwerk. Für deutsche Städte bedeutet das, frühzeitig in Dateninfrastruktur, Schnittstellen und Kompetenzen zu investieren – und den Mut zu haben, auch mit Nachbarstädten und Regionen zu kooperieren, selbst wenn die IT-Landschaften unterschiedlich sind.

Auch die Frage der Beteiligung ist übertragbar. Basel beweist, dass frühe, transparente und echte Einbindung der Bevölkerung nicht nur möglich, sondern erfolgskritisch ist. Die Erfahrung zeigt: Wer Bürger bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen mitnimmt, kann auf breite Unterstützung bauen – und profitiert vom lokalen Wissen, das in keiner Expertenrunde zu finden ist. Deutsche Städte können hier von den vielfältigen Basler Beteiligungsformaten lernen und eigene, kontextspezifische Wege gehen.

Ein besonders relevantes Thema für viele Kommunen ist die Finanzierung. Basel nutzt geschickt nationale, europäische und private Mittel, um Projekte zu realisieren. Der Schlüssel liegt darin, Klimaanpassung als Querschnittsaufgabe zu definieren und Synergien mit anderen Politikfeldern zu nutzen – von der Stadtentwicklung über den Katastrophenschutz bis zur Biodiversitätsförderung. Für deutsche Städte bedeutet das, Fördermöglichkeiten kreativ zu kombinieren und Klimaanpassung als Bestandteil jeder Investition zu denken.

Nicht zuletzt ist die Planungskultur entscheidend. Basel lebt eine Kultur des Experimentierens, Lernens und Anpassens. Fehler werden nicht versteckt, sondern als Chance zur Verbesserung begriffen. Diese Offenheit ist im deutschen Kontext noch nicht flächendeckend angekommen, birgt aber enormes Potenzial für effektive Klimaanpassung. Die Lehre aus Basel: Mut zum Handeln, Offenheit für Kooperation und die Bereitschaft, eingefahrene Planungsprozesse zu hinterfragen, sind die wahren Treiber der Transformation.

Ausblick: Basel als Blaupause – und warum Klimaanpassung über Grenzen hinaus gedacht werden muss

Die Region Basel hat vorgemacht, wie Klimaanpassung in komplexen urbanen Räumen funktionieren kann – vorausgesetzt, man nimmt die Herausforderung ernst, denkt räumlich über Grenzen hinweg und schafft die institutionellen, technischen und sozialen Grundlagen für Kooperation. Was hier gelingt, ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis jahrelanger, zielgerichteter Arbeit an Schnittstellen. Basel beweist: Klimaanpassung ist keine rein technische Herausforderung, sondern eine Frage von Governance, Vertrauen und der Bereitschaft, neue Wege zu gehen.

Andere Städte und Regionen im deutschsprachigen Raum können und sollten von Basel lernen. Die Übertragbarkeit ist kein Selbstläufer, aber die Prinzipien – Kooperation, Datenintelligenz, Partizipation und iterative Planung – sind universell. Es geht darum, Klimaanpassung nicht als Zusatzaufgabe, sondern als integralen Bestandteil jeder Stadtentwicklung zu begreifen. Und es geht darum, die eigenen Stadtgrenzen nicht als Limit, sondern als Anstoß für Zusammenarbeit zu sehen.

Die Herausforderungen des Klimawandels machen vor administrativen Linien keinen Halt. Hochwasser, Hitze, Trockenheit und Biodiversitätsverlust sind regionale beziehungsweise globale Phänomene. Basel zeigt, wie man darauf professionell, innovativ und partizipativ reagieren kann – und liefert damit eine Blaupause für die klimaangepasste Stadtregion der Zukunft.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und urbane Strategen im gesamten deutschsprachigen Raum ist Basel ein wertvoller Referenzfall. Die dort entwickelten Instrumente, Kooperationsformen und Projekte bieten eine reiche Quelle an Inspiration und Handlungsoptionen. Wer die Zukunft der Klimaanpassung gestalten will, muss nicht alles neu erfinden – aber bereit sein, von erfolgreichen Beispielen zu lernen und sie an den eigenen Kontext anzupassen.

Das Fazit: Klimaanpassung ist mehr als Technik und Maßnahmenkataloge. Sie ist ein Prozess des gemeinsamen Lernens, der Offenheit und der kreativen Kooperation. Basel hat vorgemacht, wie es geht – jetzt liegt es an anderen Städten, nachzuziehen. Denn der Klimawandel wartet nicht auf nationale Zuständigkeiten. Wer heute Grenzen überwindet, gestaltet die resiliente Stadtregion von morgen.

Zusammenfassend zeigt das Beispiel Basel eindrucksvoll, wie Klimaanpassung als grenzüberschreitende, integrative und lernende Aufgabe funktionieren kann. Die Region setzt Maßstäbe bei Kooperation, Datenmanagement, Partizipation und Planungskultur. Deutsche, österreichische und schweizerische Städte können aus dem Basler Modell wertvolle Impulse ziehen: Klimaanpassung verlangt neue Allianzen, Offenheit für Innovation – und vor allem den Mut, Stadtgrenzen als Einladung zur Zusammenarbeit zu begreifen. Das Ergebnis ist eine Stadtregion, die nicht nur auf den Klimawandel reagiert, sondern ihn aktiv gestaltet. Wer Zukunft will, muss jetzt über Grenzen denken – Basel hat vorgemacht, wie es geht.

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Das Quartett – Entwurfsstudio „Into the Wild“

Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Perspektiven: Lautes Plateau, Weite Wiese, Lichter Schatten und Waldgalerie, Grafik: Johanna König
Der Berliner Volkspark Prenzlauer Berg erscheint wild und robust – und bietet Platz für Aneignung. In ihrem Entwurf möchte Johanna König die vorhandenen Qualitäten des Parks weiterentwickeln. In ihrem Konzept beschreibt sie vier Bereiche für unterschiedliche Nutzungen. Wo neue Treffpunkte entstehen sollen und wo Besucher*innen mit Flora und Fauna in Kontakt kommen, erläutert Sie im Folgenden selbst in ihrer Projektvorstellung. Die Arbeit entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Dabei bearbeitete Johanna König von den drei im Studio vorgegebenen, zugespitzten Szenarien die Variante „Human Nature“.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch auf unserer Webseite stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor – zum Beispiel in diesem Beitrag. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Annäherung

Der Volkspark Prenzlauer Berg überzeugt besonders durch seinen wilden, ungepflegten sowie robusten Charakter. Durch die freien, offenen und scheinbar ungeplanten Flächen bietet er seinen Besucher*innen ungestörte Räume und ausreichend Platz für Aneignung. Diese Qualitäten machen den Park in Berlin einzigartig.

Lageplan, Grafik: Johanna König
Lageplan, Grafik: Johanna König

Vier Intensitäten. Ein Park.

Ziel meines Konzeptes ist es, die vorhandenen Qualitäten des Parks aufzunehmen, weiter zu denken und aus dem Bestand heraus zu entwickeln. Die zukünftigen Nutzungen sollen den Park wieder stärker erlebbar und sichtbar machen. Zudem sollen sie es besonders Kindern und Jugendlichen ermöglichen, den verwilderten und naturnahen Charakter dieses Ortes zu entdecken.

Um im Park dauerhaft Erfahrungsräume für Kinder und Jugendliche zu gewährleisten, muss die bestehende Vegetation geschützt und schonend genutzt werden. Dazu werden aus der bestehenden Vegetation vier Bereiche entwickelt, die sich in ihrer Nutzungsintensität unterscheiden. Der schattige, ruhigere Wald wird ausschließlich extensiv genutzt, während die zwei Plateaus und die neue Wiesenbühne zu bunten und stark frequentierten Treffpunkten im Park werden.

Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König
Piktogramm und konzeptioneller Schnitt zu den vier Nutzungsintensitäten im Park, Grafik: Johanna König

Der Wald.

Beobachten und Lauschen von Flora und Fauna steht im dichten Waldbereich im Vordergrund. Die Nutzung erfolgt hier ausschließlich auf und entlang der Waldwege, sodass der naturnahe Charakter weiterhin geschützt bleibt. Durch Nischen und Balkone entlang der Wege entsteht eine Waldgalerie, die zu einer Pause zwischen dem Schlendern einlädt, zeitgleich bewusste Blicke in den Wald zulässt und den Besucher*innen die Möglichkeit zur Umweltbildung bietet.

Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König
Konzept für die Waldgalerie im schattigen und ruhigen Waldbereich des Parks. Grafik: Johanna König

Im lichten Schatten.

Hier sind vor allem Kinder und Jugendliche explizit eingeladen, den Wald mit seiner Topografie und seinem verwilderten Unterholz zu erkunden und zu erforschen. Naturnahe Spielelemente aus Holz, Hangrutschen und Baumhäuser zum Klettern machen hier den Charakter der locker baumbestandenen Fläche aus.

Auf der blühenden Wiese.

Die offene Spiel- und Liegewiese lädt zum Sporttreiben, Frisbee- oder Ballspielen sowie zu jeglicher Form der Aneignung ein. Dieser Bereich soll bewusst offen und frei bleiben. Die blühenden Wieseninseln und vereinzelte lockere Gruppen von Sitz- und Liegemöbeln sowie Wiesenschaukeln bieten Möglichkeit zum längeren Verweilen.

Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König
Piktogramm zur Raumbildung und Vegetation. Durch die unterschiedliche Intensität der Vegetation, von dichter Gehölzstruktur bis zu Solitärgehölzen, werden die vier Parkbereiche räumlich unterschiedlich ausformuliert. Grafik: Johanna König

Die bunten Plateaus.

Hier entstehen neue Treffpunkte im Park. Das laute Plateau verfügt über eine großzügige Rundbank, die Kommunikation nach innen und Aussicht nach außen vereint. Gemeinsam am Lagerfeuer dürfen hier bis in die Abendstunden Geschichten erzählt werden. Die neue Wiesenbühne gestaltet sich als Tribüne und Bühne zugleich, die frei für Performance, Musik oder Tanz angeeignet werden soll. Das leise Plateau ist ein grünes Klassenzimmer und liegt verborgen auf der Bergspitze, sodass beispielsweise Schulklassen dort ungestört lernen können.

Der Entwurf entstand im Rahmen des Entwurfsstudios „Into the Wild“ an der TU Berlin. Mehr über die Hintergründe des Studios und den Volkspark Prenzlauer Berg lesen Sie hier, und weitere Entwürfe von Studierenden gibt’s hier zu entdecken.

Der Firmensitz der GEFÄSSERIE, umgeben von 6.171 heimischen Pflanzen, wurde mit dem BuGG-Award 2024 für die beste Fassadenbegrünung ausgezeichnet.Quelle: Mobilane
Der Firmensitz der GEFÄSSERIE, umgeben von 6.171 heimischen Pflanzen, wurde mit dem BuGG-Award 2024 für die beste Fassadenbegrünung ausgezeichnet.Quelle: Mobilane

Nachhaltige Architektur und Gebäudebegrünung stehen im Mittelpunkt des BuGG-Award 2024. Zwei herausragende Projekte, der Firmensitz der GEFÄSSERIE und die Innenraumbegrünung im Timberjacks Köln, wurden ausgezeichnet und setzen neue Maßstäbe in der grünen Bauweise.

Der BuGG-Award, verliehen vom Bundesverband GebäudeGrün e.V. (BuGG), zeichnet jährlich die besten Projekte in den Kategorien Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung aus. 2024 wurden insgesamt 55 Projekte eingereicht, von denen die besten durch eine öffentliche Abstimmung gewählt wurden. Die diesjährigen Gewinner zeigen eindrucksvoll, wie Begrünung die Architektur nachhaltig transformieren kann.

Gewinnerprojekt: Firmensitz der GEFÄSSERIE

Die grünste Fassade 2024

Der neue Firmensitz der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt hat die BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres 2024 gewonnen. Mit einer beeindruckenden Fläche von 172 m² wandgebundener Begrünung, die 6.171 heimische Pflanzen umfasst, setzt das Projekt neue Maßstäbe. Die Pflanzen sind nicht nur ein ästhetisches Highlight, sondern sie leisten auch einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und verbessern das Stadtklima erheblich.

Technische Innovation

Das Unternehmen entschied sich für das modulare MobiPanel-System von Mobilane, das die Verwendung vorkultivierter Pflanzkassetten ermöglicht. Diese Kassetten vereinfachen die Installation und Pflege der Begrünung. Ein kapillares Bewässerungssystem sorgt für eine gleichmäßige Versorgung der Pflanzen, wodurch der Pflegeaufwand minimiert wird. Das System überzeugt nicht nur durch seine Funktionalität, sondern auch durch seine umweltfreundliche Struktur.

Dach- und Innenraumbegrünung als Ergänzung

Neben der Fassadenbegrünung wurde das Projekt durch ein 140 m² großes Gründach und 23,5 m² Innenraumbegrünung ergänzt. Diese Maßnahmen tragen zu einer besseren Isolierung des Gebäudes bei und schaffen gleichzeitig ein angenehmes Arbeitsumfeld. Die Kombination aus Dach-, Fassaden- und Innenraumbegrünung zeigt, wie ganzheitliche Nachhaltigkeit in der Architektur umgesetzt werden kann.

Freudige Übergabe des BuGG-Awards 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: (v.l.n.r.) Kathrin Stein, Annelies Kieboom, Dr. Gunter Mann, Heike Schneider und Achim Eilingsfeld (GEFÄSSERIE).Quelle: Bundesverband GebäudeGrün
Freudige Übergabe des BuGG-Awards 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: (v.l.n.r.) Kathrin Stein, Annelies Kieboom, Dr. Gunter Mann, Heike Schneider und Achim Eilingsfeld (GEFÄSSERIE).Quelle: Bundesverband GebäudeGrün
Gewinner 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: Das Betriebsgebäude der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt, ausgezeichnet für seine beeindruckende grüne Fassade. Quelle: Mobilane
Gewinner 2024 in der Kategorie „BuGG-Fassadenbegrünung des Jahres“: Das Betriebsgebäude der GEFÄSSERIE in Fuchsstadt, ausgezeichnet für seine beeindruckende grüne Fassade. Quelle: Mobilane

Gewinnerprojekt: Timberjacks Köln

Innenraumbegrünung als Wohlfühlfaktor

Das Timberjacks BBQ-Restaurant in Köln erhielt den Titel „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres 2024“. Die 41 m² große grüne Wand, realisiert durch das LivePanel Indoor System von Mobilane, verbessert das Raumklima und sorgt für ein angenehmes Ambiente.

Technische Herausforderungen gemeistert

Die Integration der Begrünung war komplex, da sie in eine bestehende Architektur mit Treppe und Wanddurchbruch integriert werden musste. Dank des modularen Systems konnten diese Herausforderungen gemeistert werden, ohne die Ästhetik oder Funktionalität der Begrünung zu beeinträchtigen.

Gewinner des BuGG-Award 2024 in der Kategorie „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres“: Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln. Quelle: Mobilane
Gewinner des BuGG-Award 2024 in der Kategorie „BuGG-Innenraumbegrünung des Jahres“: Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln. Quelle: Mobilane
Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln, ausgezeichnet mit dem BuGG-Award 2024, schafft eine grüne Wohlfühlatmosphäre für Gäste. Quelle: Mobilane
Die beeindruckende Innenbegrünung im Timberjacks Restaurant Köln, ausgezeichnet mit dem BuGG-Award 2024, schafft eine grüne Wohlfühlatmosphäre für Gäste. Quelle: Mobilane

Warum der BuGG-Award wichtig ist

Förderung von Nachhaltigkeit

Der BuGG-Award würdigt Projekte, die zeigen, wie Begrünung zur nachhaltigen Stadtentwicklung beitragen kann. Gewinnerprojekte wie die GEFÄSSERIE und das Timberjacks inspirieren Architekten und Stadtplaner, innovative Lösungen umzusetzen.

Öffentliche Aufmerksamkeit für Gebäudebegrünung

Erstmals war die Abstimmung zum BuGG-Award 2024 für die Öffentlichkeit zugänglich. Diese Entscheidung sorgte für breitere Aufmerksamkeit und zeigte, wie wichtig Gebäudebegrünung in der öffentlichen Wahrnehmung geworden ist.

Die Vorteile von Begrünung: Was die Gewinnerprojekte beweisen

Klimaschutz und Energieeffizienz

Gebäudebegrünung reduziert den Energieverbrauch durch natürliche Isolation und senkt die Temperaturen in urbanen Räumen. Dies hilft, den Hitzeinseleffekt in Städten zu bekämpfen.

Ästhetik und Wohlbefinden

Grüne Fassaden und Innenräume steigern die Lebensqualität, indem sie eine beruhigende Atmosphäre schaffen und die Luftqualität verbessern. Projekte wie das Timberjacks zeigen, wie Begrünung das Wohlbefinden von Nutzern steigern kann.

Biodiversität fördern

Begrünte Gebäude schaffen Lebensräume für Insekten, Vögel und andere Tiere. Besonders in städtischen Gebieten fördern sie die Biodiversität und tragen zum ökologischen Gleichgewicht bei.

Der BuGG-Award 2024 als Inspiration für die Zukunf

Die Gewinner des BuGG-Award 2024, der Firmensitz der GEFÄSSERIE und das Timberjacks Köln, sind herausragende Beispiele für die transformative Kraft der Begrünung. Sie zeigen, wie innovative Begrünungslösungen nicht nur die Ästhetik, sondern auch die Funktionalität und Nachhaltigkeit von Gebäuden verbessern können.

Mit Projekten wie diesen setzt der BuGG-Award neue Maßstäbe und inspiriert Architekten, Städteplaner und Unternehmen, Begrünung als festen Bestandteil moderner Architektur zu betrachten. Die Zukunft der Bauweise ist grün – und der BuGG-Award 2024 ist ein Beweis dafür.

 

 

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