Hitzebeständigkeit von Spielgeräten – Sicherheit in heißen Sommern

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Lebendiges Stadtleben: Menschen kühlen sich an einem heißen Tag im Brunnen ab. Foto von Martin Krchnacek

Hitzewellen sind längst keine Ausnahme mehr, sondern der neue Normalzustand in den Städten des deutschsprachigen Raums. Doch während Erwachsene Schatten suchen, bleibt der Kinderspielplatz oft gnadenlos der Sonne ausgesetzt. Wie hitzebeständig müssen Spielgeräte heute sein, damit sie nicht zur Gefahr werden? Und wie steht es um Materialwahl, Sicherheitsstandards und innovative Lösungen im Zeitalter des Klimawandels? Dieser Artikel liefert Antworten für Profis, die Verantwortung übernehmen – und zeigt, wie kluge Planung Kindern auch im Hochsommer sicheres Spielvergnügen garantiert.

  • Analyse der zunehmenden Sommerhitze und deren Auswirkungen auf städtische Spielplätze
  • Technische und rechtliche Anforderungen an die Hitzebeständigkeit moderner Spielgeräte
  • Materialkunde: Holz, Metall, Kunststoff – Vor- und Nachteile unter Extremtemperaturen
  • Innovative Planungs- und Gestaltungsansätze für hitzesichere Spielplätze
  • Normen und Richtlinien: Welche Standards gelten in Deutschland, Österreich und der Schweiz?
  • Praktische Beispiele aus der kommunalen Praxis und aktuellen Forschungsprojekten
  • Sicherheitsaspekte: Verbrennungsgefahr, UV-Strahlung und Präventionsmaßnahmen
  • Beteiligung von Planern, Verwaltung und Herstellern für zukunftsfähige Spielräume
  • Herausforderungen und Chancen für nachhaltige, resiliente Stadtentwicklung
  • Fazit: Warum das Thema Hitzebeständigkeit Schlüsselkompetenz für urbane Planungsprofis ist

Heiße Zeiten, heiße Geräte: Warum Hitzeschutz auf Spielplätzen zur Pflicht wird

Die Sommer der letzten Jahre haben eindrücklich vor Augen geführt, was Klimamodelle seit Jahrzehnten prognostizieren: Extreme Hitzeperioden werden in Mitteleuropa zur neuen Realität. Städte wie Berlin, Wien oder Zürich verzeichnen deutlich mehr Hitzetage mit Höchsttemperaturen jenseits der 35 Grad Celsius. Für Kinder auf Spielplätzen bedeutet das nicht nur Sonnenbrandgefahr, sondern auch eine oft unterschätzte Gefahr durch aufgeheizte Spielgeräte. Während Erwachsene sich intuitiv vor heißen Metallflächen schützen, ist das kindliche Spielverhalten von Neugier und Bewegungsdrang geprägt – schmerzhafte Verbrennungen an Klettergerüsten, Rutschen oder Schaukeln sind daher keine seltene Folge.

Die öffentliche Wahrnehmung dieses Risikos hinkt der klimatischen Entwicklung meist hinterher. Während Hitzeschutz in der Gebäudetechnik und im Städtebau zunehmend thematisiert wird, bleiben Spielplätze oft ungeschützt. Besonders kritische Situationen entstehen auf frei stehenden Plätzen ohne natürlichen oder baulichen Schatten. Hier können sich insbesondere Metall- und Kunststoffoberflächen bis auf Temperaturen von 60 Grad Celsius oder mehr aufheizen – genug, um bei direktem Hautkontakt in Sekundenbruchteilen Verbrennungen zweiten Grades zu verursachen. Diese Risiken treffen vor allem kleine Kinder, deren Haut empfindlicher und deren Reaktionsvermögen geringer ist.

Die Verantwortung für sichere Spielräume liegt jedoch nicht allein bei den Eltern. Planer, Landschaftsarchitekten und Kommunen müssen sich der Herausforderung stellen, hitzebeständige und zugleich attraktive Spielplätze zu schaffen. Das ist keine rein technische Aufgabe, sondern ein interdisziplinäres Feld, das bautechnische, pädagogische und gesundheitliche Aspekte verbindet. Die Hitzebeständigkeit von Spielgeräten wird damit zu einem zentralen Thema nachhaltiger Stadtentwicklung und zum Prüfstein für die Zukunftsfähigkeit urbaner Freiräume.

Gleichzeitig wächst der gesellschaftliche Druck: Kommunalpolitiker und Verwaltungen sehen sich zunehmend mit Beschwerden und Schadensmeldungen konfrontiert. Auch die Versicherungswirtschaft beobachtet das Thema aufmerksam, denn die Zahl der hitzebedingten Unfälle auf Spielplätzen nimmt zu. Für Planungsprofis ist klar: Proaktiver Hitzeschutz ist ein Qualitätsmerkmal und kein freiwilliges Extra mehr.

Die Frage nach der Hitzebeständigkeit von Spielgeräten ist daher nicht nur eine Frage des guten Willens oder der Kostenoptimierung. Sie betrifft die Kernkompetenzen moderner Freiraumplanung: Materialwahl, Standortanalyse, Gestaltung, Partizipation und nicht zuletzt die Fähigkeit, auf neue klimatische Realitäten mit innovativen Konzepten zu reagieren. Wer hier nur auf Sicht fährt, riskiert nicht nur Haftungsfälle, sondern die langfristige Akzeptanz und Nutzbarkeit öffentlicher Spielplätze.

Es ist also an der Zeit, Hitzeschutz konsequent mitzudenken – von der ersten Entwurfsskizze bis zur laufenden Wartung. Denn die klimatische Zukunft ist schon jetzt auf unseren Spielplätzen angekommen.

Materialwahl und Technik: Was macht Spielgeräte wirklich hitzebeständig?

Die Materialwahl ist das Herzstück jeder Diskussion um die Hitzebeständigkeit von Spielgeräten. Während robuste Metalle wie Edelstahl oder verzinkter Stahl jahrzehntelang als langlebige und vandalismussichere Klassiker galten, zeigen sie unter direkter Sonneneinstrahlung ihre Schwächen. Metallflächen, insbesondere wenn sie dunkel lackiert sind, speichern und leiten Wärme besonders effizient. Messungen auf sonnigen Spielplätzen belegen regelmäßig Temperaturen um die 70 Grad Celsius – für Kinderhände und -beine eine ernsthafte Gefahr. Auch Aluminium, oft als leichtgewichtige Alternative eingesetzt, bietet hier keine wirkliche Verbesserung.

Kunststoffe, das zweite große Standbein moderner Spielgeräte, bringen eine andere Problematik mit: Sie heizen sich zwar meist etwas weniger stark auf als Metalle, können aber unter UV-Strahlung spröde, rissig oder verfärbt werden. Hochwertige Polyethylen- oder Polypropylenmischungen mit UV-Stabilisatoren schaffen hier Abhilfe, sind jedoch nicht immer Standard. Billige Kunststoffe altern schneller und verlieren ihre Schutzfunktion, was nicht nur die Hitzebeständigkeit, sondern auch die mechanische Sicherheit beeinträchtigt.

Holz galt lange als das Material der Wahl für naturnahe, kindgerechte Spielplätze. Tatsächlich erhitzt sich Holz bei direkter Sonneneinstrahlung deutlich weniger als Metall oder Kunststoff. Allerdings hängt die Hitzebeständigkeit stark von der Holzart, der Oberflächenbehandlung und dem Alterungszustand ab. Nadelhölzer wie Kiefer oder Fichte sind günstiger, aber weniger widerstandsfähig gegen UV und Feuchtigkeit als Robinie oder Lärche. Splitterbildung und Pilzbefall sind zusätzliche Risiken, die regelmäßige Wartung erfordern. Thermisch modifiziertes Holz und innovative Beschichtungen versprechen hier mehr Schutz, müssen aber sorgfältig ausgewählt und verbaut werden.

Eine spannende Entwicklung sind hybride Bauweisen: Kombinationen aus Holz, Metall und Kunststoff, bei denen gezielt die jeweiligen Materialvorteile genutzt und Nachteile minimiert werden. So entstehen Spielgeräte, deren Griffe und Sitzflächen aus Holz oder speziell beschichtetem Kunststoff gefertigt sind, während tragende Teile aus Metall bestehen. Diese Bauweise erlaubt es, besonders exponierte Flächen gezielt gegen Hitze zu schützen, ohne auf die statische Sicherheit moderner Metallsysteme zu verzichten.

Last but not least spielt die Farbe eine kaum zu unterschätzende Rolle. Helle Oberflächen reflektieren mehr Sonnenlicht und heizen sich weniger stark auf als dunkle. Das gilt sowohl für Lackierungen als auch für die Materialauswahl selbst. Hersteller bieten mittlerweile spezielle Farbrezepturen und Beschichtungen an, die sowohl UV-stabil als auch hitzeabweisend sind. Für Planer ergibt sich damit eine zusätzliche Stellschraube, um die thermische Belastung von Spielgeräten gezielt zu reduzieren. Perfekt ist keine Lösung – aber die Kombination aus kluger Materialwahl, innovativer Technik und durchdachtem Design macht den Unterschied.

Doch Technik allein reicht nicht: Die beste Materialauswahl muss von Anfang an ins Gesamtkonzept integriert werden. Nur so entstehen Spielplätze, die auch bei 40 Grad im Schatten sicher und attraktiv bleiben.

Normen, Richtlinien und Recht: Was ist Pflicht, was Kür?

Die Hitzebeständigkeit von Spielgeräten ist kein Thema, das dem freien Ermessen von Planern oder Herstellern überlassen bleibt. In Deutschland, Österreich und der Schweiz regeln eine Vielzahl von Normen, technischen Richtlinien und gesetzlichen Vorgaben die Anforderungen an die Sicherheit von Spielplätzen. Das Herzstück bildet die europäische Norm EN 1176, die in nationalen Ausgaben (zum Beispiel DIN EN 1176 in Deutschland oder ÖNORM EN 1176 in Österreich) verbindlich umgesetzt wird. Sie definiert nicht nur Anforderungen an die mechanische Stabilität, sondern explizit auch an den Schutz vor Verbrennungsgefahr durch aufgeheizte Oberflächen.

Konkret schreibt die Norm vor, dass Oberflächen von Spielgeräten, auf denen Kinder regelmäßig sitzen, greifen oder rutschen, bei üblicher Nutzung keine Temperaturen erreichen dürfen, die zu Verbrennungen führen. Als Grenzwert gilt in der Regel eine Oberflächentemperatur von 60 Grad Celsius. Überschreiten einzelne Bauteile diesen Wert, sind entweder konstruktive Maßnahmen zu treffen (zum Beispiel Abschattung, Materialtausch, Beschichtung) oder die betroffenen Geräte sind während Hitzeperioden temporär zu sperren. Die Verantwortung für die Einhaltung dieser Vorgaben liegt bei den Betreibern, also meist den Kommunen oder privaten Trägern.

Allerdings bleibt die Norm in manchen Punkten vage, etwa wenn es um die konkrete Ausführung von Beschattungen oder die Auswahl spezieller Materialien geht. Hier sind Fachwissen, Erfahrung und Fingerspitzengefühl der Planer gefragt. Auch die Rechtsprechung entwickelt sich weiter: Zahlreiche Urteile und Gutachten belegen, dass Kommunen und Betreiber im Schadensfall haftbar gemacht werden können, wenn sie bekannte Risiken nicht angemessen berücksichtigen. Die regelmäßige Inspektion und Wartung der Spielgeräte, insbesondere während Hitzewellen, ist daher unerlässlich – und wird von Versicherern zunehmend überprüft.

Zusätzliche Empfehlungen geben Verbände wie der Bundesverband für Spielplatzgeräte und Freizeitanlagen (BSFH), die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) oder das Schweizer Bundesamt für Gesundheit (BAG). Sie fordern unter anderem den verstärkten Einsatz von natürlichen Beschattungen, den Verzicht auf dunkle Metalle und die Entwicklung von Informationssystemen für Eltern und Aufsichtspersonen. Auch innovative Ansätze wie smarte Sensorik zur Temperaturüberwachung finden zunehmend Eingang in Leitfäden und Förderprogramme.

Für Planer ist die Herausforderung damit doppelt: Einerseits müssen sie die Einhaltung aller gesetzlichen und normativen Vorgaben sicherstellen, andererseits innovative Lösungen entwickeln, die über das Mindestmaß hinausgehen. Denn klar ist: Die rechtlichen Standards hinken der klimatischen Realität oft hinterher. Wer heute zukunftssichere Spielplätze plant, muss die Hitzebeständigkeit als Qualitätsmerkmal verstehen und kommunizieren – gegenüber Auftraggebern, Nutzern und der Öffentlichkeit.

Die Einhaltung der Vorgaben ist Pflicht. Die Entwicklung besserer, hitzefester Freiräume dagegen ist die Kür – und die Chance, sich als Planungsprofi mit Weitblick zu positionieren.

Gestaltungsstrategien und Innovationen: Wie sieht der hitzebeständige Spielplatz der Zukunft aus?

Die Planung hitzebeständiger Spielplätze ist weit mehr als eine Frage des Materials. Sie beginnt mit einer klugen Standortevaluierung: Wo ist natürliche Verschattung durch Baumbestand möglich? Wie verlaufen Sonnenbahnen und Schattenwürfe im Tages- und Jahresverlauf? Schon in der Konzeptphase können Simulationen helfen, kritische Zonen zu identifizieren und gezielt zu entschärfen. Die Integration von Baumpflanzungen, Pergolen, Sonnensegeln oder begrünten Dächern ist heute Stand der Technik – vorausgesetzt, sie werden von Anfang an als funktionale und gestalterische Elemente mitgedacht.

Innovative Hersteller setzen verstärkt auf modulare Systeme, bei denen besonders hitzeexponierte Flächen austauschbar oder nachrüstbar gestaltet sind. Sensorik und digitale Überwachungslösungen ermöglichen es, Oberflächentemperaturen in Echtzeit zu messen und Warnhinweise zu geben. In einigen Pilotkommunen werden bereits smarte Spielplätze getestet, die Nutzer per App oder Display vor überhitzten Geräten warnen und alternative Spielflächen empfehlen. Der Spielplatz wird so zum adaptiven, lernenden System – ein Paradigmenwechsel in der Freiraumgestaltung.

Auch die Einbindung der Nutzer spielt eine immer größere Rolle. Partizipative Planungsprozesse, die Kinder, Eltern und Anwohner aktiv einbeziehen, sorgen nicht nur für höhere Akzeptanz, sondern fördern auch die Entwicklung kreativer, standortspezifischer Lösungen. Lokales Wissen über Mikroklima, Windverhältnisse und Verschattungsbedarfe fließt so direkt in die Entwurfsarbeit ein. Das stärkt die Resilienz und Nutzerorientierung der geplanten Spielräume.

Ein oft unterschätzter Aspekt ist die Gestaltung des Umfelds: Wasserflächen, helle Bodenbeläge und kühlende Vegetationsinseln senken die Umgebungstemperatur und verbessern das Mikroklima. Trinkwasserbrunnen, Sprühanlagen oder temporäre Wasserspiele bieten zusätzliche Abkühlungsmöglichkeiten. All diese Elemente machen den Spielplatz nicht nur sicherer, sondern auch attraktiver – für Kinder wie für Erwachsene.

Schließlich lohnt der Blick auf internationale Best-Practice-Beispiele: Städte wie Barcelona, Paris oder Kopenhagen investieren gezielt in hitzebeständige, multifunktionale Freiräume. Sie kombinieren innovative Materialtechnologien mit urbaner Begrünung, adaptiven Beschattungssystemen und digital gestütztem Management. Das Ergebnis: Spielplätze, die auch bei 40 Grad im Schatten genutzt werden – und als Vorbilder für den deutschsprachigen Raum dienen können.

Wer diese Entwicklungen ignoriert, wird von der Realität eingeholt. Wer sie aufnimmt, gestaltet die Spielplätze der Zukunft – sicher, attraktiv und resilient gegen die Herausforderungen des Klimawandels.

Fazit: Hitzebeständigkeit als Schlüsselkompetenz moderner Stadtplanung

Die Hitzebeständigkeit von Spielgeräten ist längst mehr als ein technisches Detail – sie ist ein zentrales Kriterium für die Lebensqualität, Sicherheit und Attraktivität urbaner Freiräume. Angesichts zunehmender Hitzewellen und extremer Wetterlagen wird sie zu einer Schlüsseldisziplin für alle, die öffentliche Räume planen, bauen und betreiben. Dabei geht es nicht nur um die Einhaltung von Normen, sondern um ein ganzheitliches Verständnis für die Wechselwirkungen zwischen Material, Gestaltung, Nutzung und Klima.

Moderne Planung verlangt die Integration von Hitzeschutz in alle Entwurfsphasen – von der Standortanalyse über die Materialwahl bis zur laufenden Wartung und Nutzerinformation. Die besten Lösungen entstehen, wenn technisches Know-how, partizipative Prozesse und innovative Konzepte Hand in Hand gehen. Kommunen, Planer und Hersteller sind gleichermaßen gefordert, Verantwortung zu übernehmen und das Thema Hitzebeständigkeit offensiv zu kommunizieren.

Die rechtlichen Rahmenbedingungen setzen Mindeststandards, doch die klimatische Realität verlangt mehr: Kreativität, Weitblick und die Bereitschaft, auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Ob smarte Sensorik, adaptive Beschattung oder partizipative Gestaltung – die Zukunft des sicheren Spielens liegt in der Verbindung von Hightech und gesundem Menschenverstand.

Spielplätze sind das Herz urbaner Kindheit. Ihre Sicherheit und Nutzbarkeit bei Hitze zu gewährleisten, ist keine Option, sondern Pflicht. Wer diese Aufgabe ernst nimmt, leistet einen entscheidenden Beitrag zur Resilienz und Lebensqualität der Städte von morgen – und zeigt, dass kluge Planung auch in heißen Zeiten kühlen Kopf bewahrt.

Der Sommer wird heiß – höchste Zeit, dass unsere Spielplätze es nicht werden. Denn der nächste Hitzerekord kommt bestimmt. Planen wir lieber gleich voraus.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).