Hitze-Resilienz durch Farbe – städtische Oberflächen thermisch neu denken

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Stimmungsvolle Häuserreihe mit eindrucksvollem Wolkenhimmel in der Stadtlandschaft, fotografiert von Wolfgang Weiser.

Ein frischer Anstrich für die Hitze-Resilienz? Farbe ist weit mehr als ein ästhetisches Stilmittel – sie wird zum strategischen Werkzeug gegen urbane Überhitzung. Wer städtische Oberflächen thermisch neu denkt, entdeckt überraschende Potenziale jenseits klassischer Klimaanpassung. Welche Rolle spielt der Farbton von Asphalt, Pflaster, Dächern und Fassaden im Kampf gegen die Hitze? Wie lassen sich Farbräume, Reflexionsgrade und Materialinnovationen intelligent verbinden? Und: Was müssen Planer wirklich wissen, um Städte nicht nur bunt, sondern auch klimaresilient zu machen?

  • Einführung in die Bedeutung von Oberflächenfarben für die thermische Resilienz urbaner Räume
  • Physikalische Grundlagen: Albedo, Absorption und die Rolle von Farbtönen im Stadtklima
  • Praktische Beispiele und internationale Best Practices für hitzereduzierende Farbgestaltung
  • Innovative Materialien, Beschichtungen und Farbsysteme für klimaangepasste Stadtentwicklung
  • Wirkungsanalyse: Messbare Effekte auf Mikroklima, Aufenthaltsqualität und Gesundheit
  • Relevanz für Stadtplanung, Architektur und Freiraumgestaltung im deutschsprachigen Raum
  • Herausforderungen und Missverständnisse bei der Umsetzung von Farbstrategien
  • Vorschläge für Planung, Ausschreibung und interdisziplinäre Zusammenarbeit
  • Zukunftsausblick: Farbe als Baustein ganzheitlicher Klimaanpassung in der Stadt

Warum Farbe zählt: Städtische Oberflächen im Klimastress

Städte ächzen unter Hitzewellen. Was vor wenigen Jahrzehnten noch als seltenes Extrem galt, ist heute Sommeralltag in deutschen, österreichischen und Schweizer Städten. Der Klimawandel treibt die Temperaturen nach oben, das Phänomen der urbanen Wärmeinseln verschärft die Lage zusätzlich. Doch während Baumkronen, Wasserelemente und Verschattung längst als Werkzeuge der Klimaanpassung etabliert sind, wird eine zentrale Stellschraube oft übersehen: die Farbe städtischer Oberflächen. Sie entscheidet maßgeblich darüber, wie viel Sonnenstrahlung aufgenommen und wie viel reflektiert wird – und damit, wie heiß es auf Straßen, Plätzen und an Fassaden tatsächlich wird.

Hier kommt die sogenannte Albedo ins Spiel – ein physikalischer Begriff, der den Rückstrahlungsgrad einer Oberfläche beschreibt. Je höher die Albedo, desto mehr Sonnenlicht wird reflektiert und desto weniger Energie wird in Wärme umgewandelt. Dunkle Flächen wie herkömmlicher Asphalt oder Ziegel nehmen besonders viel Strahlung auf und speichern sie, während helle Oberflächen einen Großteil zurückwerfen. Der Unterschied ist dramatisch: Während schwarzer Asphalt Albedowerte von gerade einmal 0,05 bis 0,15 aufweist, können helle Betone oder spezielle Farbbeschichtungen Werte von 0,4 bis 0,6 erreichen. Das wirkt sich direkt auf die Oberflächentemperatur aus – und damit auf das Mikroklima vor Ort.

Die Folgen sind messbar und spürbar. Studien zeigen, dass helle Straßenbeläge an heißen Sommertagen bis zu 20 Grad Celsius weniger Oberflächentemperatur aufweisen als ihre dunklen Pendants. Für das Wohlbefinden der Menschen, die Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum und die Belastung für Flora, Fauna und Infrastruktur ist das ein entscheidender Unterschied. Gerade in dicht bebauten Quartieren, in denen Begrünung oft an Grenzen stößt, wird die Farbgestaltung zur wirkungsvollen Notbremse gegen Überhitzung.

Doch Farbe ist mehr als Physik. Sie ist kulturelle Codierung, Identitätsmarker und Kommunikationsmittel. Stadtbilder werden durch Farbtöne geprägt. Die Herausforderung besteht darin, gestalterische Freiheit mit funktionaler Klimaresilienz zu verbinden, ohne in langweilige „Weißmalerei“ zu verfallen. Hier eröffnet sich ein faszinierendes Feld für innovative Planung, intelligente Materialwahl und neue Formen der Zusammenarbeit zwischen Architekten, Landschaftsarchitekten und Behörden.

Der Blick nach vorne: Die nächste Generation urbaner Oberflächen muss thermische, funktionale und ästhetische Anforderungen gleichermaßen erfüllen. Wer Farbe strategisch denkt, kann Stadtklima, Stadtraum und Stadtbild gleichzeitig optimieren – und so die Lebensqualität im Hitzesommer nachhaltig sichern.

Physik trifft Gestaltung: Albedo, Farbräume und thermische Effekte

Um die Wirkung von Farbe auf das Mikroklima wirklich zu verstehen, lohnt sich ein Ausflug in die Physik. Der zentrale Begriff, die Albedo, beschreibt den Anteil des einfallenden Sonnenlichts, der von einer Fläche reflektiert wird. Eine Albedo von 1 bedeutet vollständige Reflexion, eine Albedo von 0 vollständige Absorption. Im städtischen Kontext bedeutet das: Je heller und reflektierender die Oberfläche, desto kühler bleibt sie bei Sonneneinstrahlung. Doch so einfach ist es nicht – denn Farbe ist nicht gleich Farbe. Der visuelle Farbeindruck und die tatsächliche Reflexionsfähigkeit können sich erheblich unterscheiden.

Maßgeblich für die thermische Wirkung ist nicht nur der sichtbare Farbraum, sondern das gesamte Spektrum elektromagnetischer Strahlung, insbesondere im nahen und mittleren Infrarotbereich. Hier offenbaren sich große Unterschiede zwischen klassischen Pigmenten, modernen Beschichtungen und innovativen Materialien. Während Weiß traditionell als Nonplusultra der Reflexion gilt, bieten heute spezielle „Cool Colors“ – also pigmentierte Beschichtungen mit optimierter Infrarot-Reflexion – die Möglichkeit, selbst dunkle Farbtöne hitzeresilient zu gestalten. Asphalt kann beispielsweise mit hellgrauen oder sogar blauen Pigmenten ausgerüstet werden, die im sichtbaren Bereich dezent bleiben, aber dennoch hohe Albedowerte erreichen.

Die Materialwahl spielt dabei eine ebenso große Rolle wie die Farbauswahl. Beton, Stein, Holz, Kunststoff und Metall reagieren unterschiedlich auf Farbauftrag, Verwitterung und thermische Belastung. Gerade bei intensiv genutzten Flächen wie Straßen, Plätzen und Dachlandschaften muss die Farbschicht nicht nur reflektieren, sondern auch mechanisch und chemisch resistent sein. Hier setzen neue Produktentwicklungen an, die Farbstabilität, Selbstreinigung und Langlebigkeit kombinieren. Der Trend geht zu multifunktionalen Beschichtungen, die Albedo, Lichtlenkung und sogar Luftreinigung koppeln.

Auch die Oberflächenstruktur beeinflusst das thermische Verhalten. Glatte Flächen reflektieren effizienter als raue oder poröse. Gleichzeitig entstehen durch Textur und Relief interessante Licht- und Schattenspiele, die das subjektive Temperaturempfinden beeinflussen. Wer Farbräume, Materialtexturen und Reflexionsgrade gezielt kombiniert, kann mikroklimatische Effekte gezielt steuern – etwa, indem Wege, Sitzbereiche oder Fassaden zoniert und unterschiedlich behandelt werden.

Ein unterschätzter Aspekt ist die Wechselwirkung von Farbe und Lichtverschmutzung. Helle Flächen können bei künstlicher Beleuchtung zu unerwünschten Reflexionen führen, was sowohl für die Biodiversität als auch für die Orientierung im Stadtraum problematisch sein kann. Hier ist Fingerspitzengefühl gefragt: Farbkombinationen müssen tagsüber kühlen und nachts dezent bleiben – ein Balanceakt, der Know-how und Erfahrung erfordert.

Fazit: Die Physik der Farbe ist komplex, aber planbar. Wer Albedo, Pigmenttechnologie und Materialkunde intelligent verknüpft, kann hitzeresiliente Stadtflächen schaffen, ohne auf gestalterische Vielfalt zu verzichten. Hier liegt enormes Potenzial für innovative Stadtentwicklung – und ein weites Feld für Experiment und Exzellenz.

Best Practice: Hitzeresiliente Farbstrategien im internationalen Vergleich

Ein Blick über den deutschsprachigen Tellerrand zeigt: Farbe als Werkzeug der Klimaanpassung ist längst kein Nischenthema mehr. Metropolen wie Los Angeles, Athen, Singapur oder Paris setzen gezielt auf helle Oberflächen, um die Folgen von Hitzewellen und urbanen Wärmeinseln abzumildern. Besonders eindrucksvoll: Das „Cool Pavement“-Programm in Los Angeles, bei dem mehrere hundert Kilometer Straßen und Parkplätze mit reflektierenden Beschichtungen überzogen wurden. Die gemessene Senkung der Oberflächentemperatur liegt bei bis zu 12 Grad Celsius im Tagesmittel – ein Wert, der nicht nur messbar, sondern vor allem spürbar ist.

Auch in europäischen Städten wächst das Bewusstsein für das Potenzial der Farbe. In Paris werden bei der Sanierung öffentlicher Plätze zunehmend helle Pflastersteine und Spezialbetone eingesetzt, die den städtischen Albedo-Wert systematisch erhöhen. Das Ergebnis: Weniger Hitzestress, verbesserte Aufenthaltsqualität und eine deutliche Reduktion der nächtlichen Abstrahlung – ein entscheidender Faktor für erholsamen Schlaf in dichten Quartieren. In Athen, wo die Temperaturen regelmäßig weit über 35 Grad steigen, sind weiße und pastellfarbene Beschichtungen für Dächer und Fassaden längst Standard – unterstützt durch kommunale Förderprogramme und strenge Bauvorschriften.

Singapur wiederum kombiniert innovative Farbsysteme mit digitaler Echtzeitanalyse. Sensoren messen kontinuierlich Temperatur, Strahlung und Luftqualität an unterschiedlich gefärbten Oberflächen. Die Daten fließen in die Planung neuer Quartiere ein und ermöglichen präzise Steuerung der stadtklimatischen Effekte. Besonders spannend: Auch vertikale Flächen, etwa Fassadenbegrünungen mit farbigen Trägerstrukturen, werden systematisch eingesetzt, um Hitzeinseln zu entschärfen und das Stadtbild aufzuwerten.

Im deutschsprachigen Raum gibt es erste Pilotprojekte, etwa in Wien, Zürich und München. Hier werden helle Fahrbahndecken getestet, Fassaden mit wärmereflektierenden Anstrichen versehen und Dachflächen mit speziellen Beschichtungen ausgestattet. Die Ergebnisse sind ermutigend: Neben der messbaren Temperaturreduktion berichten Kommunen von einer höheren Akzeptanz bei Bürgern und Planern – insbesondere, wenn die Farbgestaltung mit partizipativen Prozessen und gestalterischen Leitbildern kombiniert wird.

Best Practice zeigt: Erfolgreiche hitzeresiliente Farbstrategien sind interdisziplinär, datenbasiert und gestalterisch ambitioniert. Sie verbinden Technik, Planung und Stadtbildpflege – und schaffen so Mehrwerte für Klima, Umwelt und Gesellschaft. Wer heute mutig experimentiert, setzt neue Standards für die Stadt von morgen.

Materialien, Innovationen und Planungspraxis: Farbe richtig einsetzen

Die Umsetzung hitzeresilienter Farbstrategien beginnt mit der Wahl des richtigen Materials. Asphalt, Beton, Pflaster, Metall oder Dachabdichtungen – jedes Material bringt spezifische Herausforderungen und Möglichkeiten mit sich. Helle Betone und Pigmente sind langlebig und wartungsarm, während spezielle Beschichtungen auf Asphalt regelmäßig erneuert werden müssen, um ihre Wirkung zu behalten. Neue Entwicklungen setzen auf Nanotechnologie und keramische Pigmente, die sowohl im sichtbaren als auch im infraroten Bereich hohe Reflexion bieten und gleichzeitig resistent gegen Verschmutzung und Abrieb sind.

In der Praxis stoßen Planer jedoch schnell auf Zielkonflikte. Helle Oberflächen neigen etwa stärker zur Verschmutzung, was die Albedo im Zeitverlauf reduziert. Gleichzeitig sind nicht alle Farbtöne für alle Anwendungen zulässig – technische Regelwerke, Denkmalschutz und gestalterische Leitlinien setzen oft enge Grenzen. Hier sind innovative Lösungen gefragt, etwa selbstreinigende Oberflächen oder modulare Farbsysteme, die sich an lokale Anforderungen anpassen lassen. Auch die Kombination mit Begrünung, Beschattung und Wasserflächen eröffnet neue Optionen für nachhaltige Stadtraumentwicklung.

Ein entscheidender Erfolgsfaktor liegt in der integralen Planung. Farbstrategien dürfen nicht als spätes Add-on verstanden werden, sondern müssen von Anfang an in die Stadtgestaltung, den Straßenbau und die Freiraumplanung integriert werden. Nur so lassen sich Synergien zwischen Funktionalität, Ästhetik und Klimaresilienz heben. Ausschreibungen sollten thermische Kennwerte, Wartungszyklen und gestalterische Kriterien gleichermaßen berücksichtigen. Digitale Simulationen, etwa mit City Information Modeling oder urbanen Digital Twins, helfen, die Wirkung unterschiedlicher Farbszenarien realitätsnah zu bewerten.

Partizipation spielt eine weitere Schlüsselrolle. Die Akzeptanz neuer Farbkonzepte hängt oft von der Einbindung lokaler Akteure ab – von Bürgerinitiativen über Einzelhandel bis zu Denkmalschützern. Gute Prozesse ermöglichen Mitsprache, schaffen Transparenz und fördern eine gemeinsame Vision für das Stadtbild. Gerade in historisch gewachsenen Quartieren ist Fingerspitzengefühl gefragt, um Identität und Innovation ins Gleichgewicht zu bringen.

Am Ende entscheidet die Qualität der Umsetzung. Fachgerechte Verarbeitung, regelmäßige Kontrolle und Pflege sind unerlässlich, damit die thermische Wirkung langfristig erhalten bleibt. Hier sind spezialisierte Unternehmen, klare Wartungspläne und kontinuierliche Schulung der Beteiligten gefragt. Wer Farbe als strategisches Werkzeug versteht, investiert in die Zukunft der Stadt – und schafft messbaren Mehrwert für alle.

Farbe als Baustein der klimarobusten Stadt: Herausforderungen und Potenziale

Die Integration von Farbstrategien in die Stadtplanung ist kein Selbstläufer. Widerstände gibt es viele – von technischen Unsicherheiten über gestalterische Vorbehalte bis hin zu politischen Bedenken. Häufig werden helle Flächen als zu auffällig empfunden, Bedenken hinsichtlich Blendwirkung, Verschmutzung oder Vandalismus geäußert. Gleichzeitig fehlt es oft an einheitlichen Standards und klaren Leitbildern für die Anwendung. Die Herausforderung besteht darin, Farbe als Teil einer ganzheitlichen Klimaanpassungsstrategie zu etablieren – nicht als isolierte Maßnahme, sondern als integralen Baustein im Zusammenspiel mit Begrünung, Wasser und Architektur.

Ein weiteres Hindernis ist die mangelnde Datengrundlage. Viele Kommunen und Planungsbüros verfügen bislang nur über rudimentäre Kenntnisse zu Albedo, thermischer Wirkung und Materialverhalten im Realbetrieb. Hier braucht es mehr Forschung, Monitoring und Wissenstransfer – idealerweise in Kombination mit Pilotprojekten und digitalen Werkzeugen, die Effekte mess- und erfahrbar machen. Erfolgreiche Beispiele zeigen: Transparente Kommunikation, partizipative Prozesse und kontinuierliche Evaluation sind der Schlüssel zur dauerhaften Verankerung.

Gleichzeitig bietet die Farbgestaltung enorme Potenziale für Innovation und Differenzierung. Städte können sich über Farbleitbilder, temporäre Installationen oder experimentelle Pilotzonen als Vorreiter positionieren. Kooperationen mit Wissenschaft, Industrie und Kreativwirtschaft eröffnen neue Möglichkeiten für materialtechnologische Entwicklungen, gestalterische Experimente und Bürgerbeteiligung. Wer Farbe als flexibles, dynamisches Werkzeug versteht, kann schnell auf sich ändernde klimatische und gesellschaftliche Anforderungen reagieren.

Auch ökonomisch lohnt sich der Fokus auf hitzeresiliente Oberflächen. Reduzierte Kühlenergie, geringere Hitzebelastung für Infrastruktur und sinkende Gesundheitskosten sind messbare Vorteile, die sich in kommunalen Budgets und betriebswirtschaftlichen Kalkulationen niederschlagen. Förderprogramme, Wettbewerbe und Innovationspartnerschaften können den Rollout beschleunigen und neue Märkte schaffen – vom Straßenbau über die Wohnungswirtschaft bis zum Gewerbe.

Schließlich bietet die Farbgestaltung eine Chance, Stadtbilder neu zu denken. Weg vom grauen Einheitsbrei, hin zu differenzierten, identitätsstiftenden Stadträumen, die Klimaresilienz und Lebensqualität verbinden. Wer sich traut, Farbe als strategisches Leitmotiv zu begreifen, schafft bleibende Werte – für die Stadt, das Klima und die Gesellschaft.

Fazit: Farbe – das unterschätzte Werkzeug der urbanen Klimaanpassung

Städtische Hitzeresilienz ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis kluger Planung, innovativer Materialien und mutiger Gestaltung. Farbe spielt dabei eine Schlüsselrolle, die bislang viel zu wenig beachtet wird. Sie beeinflusst das Mikroklima, steuert Wohlbefinden und Aufenthaltsqualität und bietet enormes Potenzial für nachhaltige Stadtentwicklung. Wer Albedo, Pigmenttechnologie und Materialwahl gezielt einsetzt, kann nicht nur Hitzestress mindern, sondern auch neue Horizonte für Stadtbild, Identität und Innovation eröffnen.

Die Praxis zeigt: Erfolgreiche Farbstrategien sind interdisziplinär, datenbasiert und partizipativ. Sie verbinden Technik, Gestaltung und Nutzererfahrung zu einem schlüssigen Ganzen. Herausforderungen wie Verschmutzung, Wartung und Akzeptanz lassen sich durch Forschung, Pilotprojekte und Kommunikation überwinden. Die Zukunft gehört Städten, die Farbe als strategischen Hebel für Klimaanpassung und Lebensqualität begreifen – und mutig neue Wege gehen.

Am Ende ist Farbe viel mehr als ein Anstrich. Sie ist ein Statement für die Stadt von morgen: widerstandsfähig, lebendig und klug gestaltet. Wer die thermische Wirkung von Oberflächen richtig plant, denkt urbanen Raum neu – und gestaltet die Hitze von heute zur Lebensqualität von morgen um. Garten und Landschaft bleibt dabei der Ort, an dem Wissen, Vision und Praxis zusammenfinden – für eine Stadt, die nicht nur bunt, sondern auch cool bleibt.

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Jakarta von oben

Indonesien neue Hauptstadt – Details zu Nusantara enthüllt

6 000 Hektar Land sollen für die neue indonesische Hauptstadt auf der Insel Borneo gerodet werden. Insgesamt 28 Milliarden Euro will das indonesische Parlament für die „neue Hauptstadt im Regenwald“ ausgeben. Denn: Jakarta versinkt im Meer. Lesen Sie hier mehr über das Megaprojekt mit dem klangvollen Namen „Nusantara“.

Anfang Januar 2022 rückte der Plan Indonesiens, seine Hauptstadt an einen neuen Standort zu verlegen, einen Schritt näher heran. Das indonesische Parlament billigte ein Gesetz, das weitere Details zur Verlegung der Hauptstadt von Jakarta nach Ost-Kalimantan regelt. Auch die Details der Finanzierung und der Verwaltung werden immer klarer: Die neue Hauptstadt wird rund 28 Milliarden Euro kosten.

In Ost-Kalimantan, dem östlichen Teil Borneos, werden rund 6 000 Hektar Wald gerodet, um wichtige Gebäude wie den neuen Präsidentenpalast zu bauen. Die Maßnahme ist notwendig, da die derzeitige Hauptstadt auf der Insel Java schnell sinkt und bereits 2050 vollständig von Wasser bedeckt sein könnte.

Eine große Mehrheit der Parlamentsabgeordneten stimmte für das Gesetz über die neue Hauptstadt Indonesiens. Präsident Joko Widodo entschied sich für „Nusantara“ als Namen für die neue Hauptstadt. Dieses alte javanische Wort bedeutet „äußere Inseln“ und ist ein Synonym für den indonesischen Archipel.

Die ersten Behörden werden im Jahr 2024 nach Nusantara umziehen – kurz vor dem Ende der zweiten und letzten Amtszeit von Präsident Joko Widodo. Die neue Hauptstadt wird etwa 2 000 Kilometer nordöstlich von Jakarta liegen.

Eine grandiose Vision für die neue Hauptstadt Nusantara

 

Präsident Joko „Jokowi“ Widodo verkündete die Pläne für die Verlegung der Hauptstadt des Landes am 16. August 2019, was für viele eine Überraschung war. Seine Vision ist grandios: „Eine Hauptstadt ist nicht nur ein Symbol der nationalen Identität, sondern auch eine Repräsentation des Fortschritts der Nation“, sagte er im Jahr 2019. „Es geht um die Verwirklichung von wirtschaftlicher Gleichheit und Gerechtigkeit.“

Neben der Schaffung einer ökologisch sichereren Hauptstadt hofft die Regierung, mit der neuen Hauptstadt auch den Wohlstand in Indonesien umzuverteilen. Jakarta beherbergt derzeit 60 Prozent der Bevölkerung des Landes und mehr als die Hälfte der Wirtschaftstätigkeit. Während die Stadt das Handels- und Finanzzentrum Indonesiens bleiben wird, werden die Verwaltungsfunktionen der Regierung in die neue Hauptstadt in die Regionen Nord-Penajam Pser und Kutai Kartanegara verlegt, was eine Umverteilung der Investitionen ermöglicht.

Der Umsiedlungsplan sieht vor, dass 1,5 Millionen Einwohner*innen von Jakarta nach Nusantara umziehen. Dies ist nicht der erste Versuch, die indonesische Hauptstadt zu verlegen: Bereits in den 1950er-Jahren schlug Präsident Sukarno etwas Ähnliches vor. Die Idee kursierte jahrzehntelang, wurde aber aufgrund logistischer Schwierigkeiten immer wieder verworfen. Präsident Widodo hat trotz vieler Debatten und Zweifel an dieser Vision festgehalten.

Erleichterung der ökologischen Herausforderungen?

Jakarta steht vor vielen Herausforderungen. Am dringlichsten sind wohl die Umweltprobleme der derzeitigen Hauptstadt. Die elf Millionen Einwohner*innen sind bereits mit regelmäßigen Überschwemmungen konfrontiert, insbesondere in den Küstengebieten der Metropole. Aufgrund der übermäßigen Grundwasserentnahme sinkt die Stadt schnell ab. Teile der nördlichen Gebiete der Hauptstadt sinken bis zu 25 Zentimeter pro Jahr. Selbst der Schutzdeich sinkt, während der Meeresspiegel weiter steigt. Expert*innen zufolge könnte ganz Nord-Jakarta bis 2050 überflutet sein.

Indonesiens neue Hauptstadt wird an einem Ort liegen, der weniger anfällig für ein Absinken ist. Sie soll sich auch außerhalb der Reichweite von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis befinden. Allerdings liegt das Land immer noch auf dem pazifischen „Ring of Fire“ und ist damit zukünftigen Katastrophen ausgesetzt.

Tägliche Staus mit Verkehrskollapsen und eine zunehmende Luftverschmutzung sind weitere Probleme, die in Jakarta nur schwer zu bewältigen sind. Es bleibt abzuwarten, wie die neue Hauptstadt Verbesserung in diesen Bereichen bringen wird.

Kritik an der neuen Hauptstadt in einer Übersicht

 

Die neue Hauptstadt Indonesiens kommt nicht ohne Kritik aus. Umweltschützer*innen warnen, dass Nusantara die Umweltverschmutzung in Ost-Kalimantan beschleunigen wird. Die geplante Zerstörung des Regenwaldes rief viel Empörung hervor. Das Gebiet ist die Heimat von Orang-Utans, Sonnenbären und Langnasenäffchen. Eine weitere Sorge ist, dass die neue Hauptstadt die indigene Bevölkerung Kalimantans verdrängen könnte. Sogar der Name Nusantara wird kritisiert, da es sich dabei um ein javanisches Wort und nicht um ein Wort aus einer der zahlreichen lokalen Sprachen Kalimantans handelt.

Die neue Hauptstadt Indonesiens könnte zudem politischen Einfluss auf eine nicht verfassungsgemäße Weise zentralisieren: Rechtsexpert*innen der Mulawarman-Universität in Samarinda haben die Befürchtung geäußert, dass Nusantara von einer direkt vom Präsidenten gewählten Person regiert werden könnte. Jokowis Unterstützer Basuki „Ahok“ Tjahaja Prunama, ein ehemaliger Gouverneur von Jakarta, ist bereits ein Anwärter für diese Rolle. Beobachter*innen vermissen auch Transparenz und Partizipation bei Gesetzen und Plänen rund um Indonesiens neue Hauptstadt.

Die horrenden Kosten des Projekts sind ein weiterer Kritikpunkt an Indonesiens neuer Hauptstadt. Die Regierung soll etwa ein Fünftel der Kosten tragen. Der Rest wird von staatlichen Unternehmen und privaten Geldgeber*innen übernommen.

Indonesien neue Hauptstadt: die nächsten Schritte

Der Bau der neuen Hauptstadt Indonesiens wurde aufgrund der Pandemie verschoben. Der Baubeginn ist jedoch für 2022 vorgesehen, und der erste Umzug wird für 2024 erwartet. Die Waldrodung stellt den ersten Schritt dar.

Ähnliche Projekte – wie der Bau von Brasilia in Brasilien oder Canberra in Australien – haben Jahrzehnte in Anspruch genommen. Beide Städte wurden dafür kritisiert, wenig lebenswert und künstlich zu sein. Es bleibt abzuwarten, wie Indonesiens neue Hauptstadt die Herausforderungen der Lebensqualität meistern wird.

Die Planer*innen hoffen, eine indonesische Metropole zu schaffen, die so attraktiv ist wie beispielsweise Bangkok oder Hanoi. Derzeit ist Jakarta nicht gerade ein Touristenmagnet, was vielleicht daran liegt, dass es „die internationale Fantasie nicht anspricht“, wie Aljazeera es ausdrückt. Die Erwartungen an Nusantara sind groß.

Quellen und weitere Informationen:
Welt: Nusantara statt Jakarta – Indonesien baut neue Hauptstadt im Regenwald
The Guardian: Indonesia names new capital Nusantara, replacing sinking Jakarta
Aljazeera: Progress or folly? Jokowi’s vision for Indonesia’s new capital

 

Auch in Saudi-Arabien ist das Thema der Mega-City aktuell. Mehr zu dem Projekt The Line lesen, Sie hier.

Webseite DIY Landschaftsarchitektur

Im Profil stellen sich die zwei jungen Landschaftsarchitekten näher vor …(Copyright: S2L Landschaftsarchitekten)

Wer ein eigenes Büro gründet, steht vor zahlreichen Herausforderungen. Eine davon: die eigene Webseite. Daia Stutz von S2L Landschaftsarchitekten erzählt, wie er die Homepage seines Büros kurzerhand selbst umsetzte.

Keine Zeit, kein Social Media

„Da potenzielle Auftraggeber als Erstes googeln und sich die Homepage anschauen, war eine der wichtigsten Fragen bei der Gründung die nach der eigenen Webseite“, erzählt Daia Stutz, Mitbegründer von S2L in Zürich. Aufgrund des begrenzten Budgets in der Anfangsphase beauftragten er und sein Partner Jan Stadelmann keine Agentur, sondern krempelten die Ärmel hoch und erstellten ihre Webseite in Eigenregie. Was bis vor wenigen Jahren nur Menschen mit Programmierkenntnissen umsetzen konnten, schaffen heute auch Technikfremde. Es gibt unzählige Templates, die man sich herunterladen und installieren kann. Diese Vorlagen beinhalten Design-Elemente und Redaktionssysteme, um die Inhalte eigenständig zu erstellen und zu verwalten.

“Den Schwerpunkt sollte unser Portfolio darstellen. Mit modernem Layout, großflächigen Fotos und wenig Text”, erklärt Stutz das Konzept. Also wählte der junge Landschaftsarchitekt mit Squarespace einen Template-Entwickler, der zahlreiche Vorlagen für Design, Architektur und Fotografie anbietet.” Zwar handelt es sich dabei um ein Produkt, mit dem schon viele Webseiten umgesetzt wurden und der Support kann nicht bei jeder Frage helfen, aber die Vorteile überwiegen dennoch“, erzählt Stutz. „Denn das System lässt sich aufgrund der klaren Struktur leicht umsetzen, es läuft auf allen Endgeräten und ist kostengünstig.” Auf eine Vernetzung mit Social Media-Profilen verzichtet das junge Büro, hauptsächlich aus Zeitgründen. Denn die komplette Eigenbetreuung und -aufbau einer Webseite verschlingt sehr viel Zeit, die neben der alltäglichen Berufspraxis freigeschaufelt werden muss.

Die Webseite als Visitenkarte

Stutz entschied sich gegen einen umfangreichen Webauftritt und für eine Art fotobasierte Visitenkarte. “Nach den ersten zwei Jahren können wir sagen, dass die Webseite ihren Zweck zufriedenstellend erfüllt. Die Fotos sprechen für sich, das genügt potenziellen Auftraggebern.” Hinzu kommt jeweils ein kurzer Lebenslauf der beiden Bürogründer. Stutz berücksichtigte beim Konzept sein eigenes Nutzerverhalten als Webseitenbesucher und verzichtete auf komplexe Inhalte und Animationen: ” Bei vielen Webseiten steht offensichtlich eine Agentur dahinter – mit entsprechend professionellem Erscheinungsbild. Zu uns als junges, dynamisches und auch mal etwas konfus organisiertes Büro in der Startphase passt dies jedoch – noch – nicht.”

 

Mehr zum Thema Gestaltung der eigenen Webseite lesen Sie in der Garten + Landschaft 07/2017: Beitrag “wie gestalte ich meine Webseite?”.

Die Webseite des Schweizer Landschaftsarchitekturbüros S2L finden Sie hier.