Riad goes Resilient – wie Saudi-Arabiens Hauptstadt sich auf +50°C vorbereitet

eine-hauserzeile-mit-bewolktem-himmel-im-hintergrund-MQKn_JFfVlM
Städtische Gebäudereihe unter wolkenverhangenem Himmel – Fotografie von Wolfgang Weiser

Riad steht vor der urbanen Feuerprobe: Was tun, wenn die Temperaturen regelmäßig über 50 Grad Celsius klettern? Die Hauptstadt Saudi-Arabiens will nicht nur überleben, sondern als Modell für klimaresiliente Megastädte der Zukunft glänzen. Zwischen Hightech, Tradition und Wüstenwind zeigt Riad, wie Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und soziale Innovation gemeinsam der extremen Hitze die Stirn bieten – und damit auch für Fachleute im deutschsprachigen Raum zum spannenden Lehrstück werden.

  • Analyse der klimatischen Herausforderungen in Riad und deren Bedeutung für die Stadtentwicklung
  • Vorstellung von Riads umfassender Resilienzstrategie gegen extreme Hitze
  • Innovative Maßnahmen in Freiraumgestaltung, Begrünung, Wassermanagement und Mobilitätsplanung
  • Integration von Technologie, Smart-City-Konzepten und traditionellem Wissen
  • Erfolgsfaktoren und Stolpersteine bei der Umsetzung von Hitzeresilienz in Megastädten
  • Vergleich mit europäischen Städten und Übertragbarkeit relevanter Ansätze
  • Rolle von Partizipation, Governance und internationalen Partnerschaften
  • Kritische Reflexion von Nachhaltigkeit, sozialer Gerechtigkeit und kultureller Identität
  • Ausblick: Wie Riads Erfahrungen die Debatte um klimaresiliente Stadtentwicklung im DACH-Raum inspirieren können

Klimaextreme als urbanes Labor: Die Ausgangslage in Riad

Riad, die Hauptstadt Saudi-Arabiens, ist seit jeher ein Lebensraum der Extreme. Mit über sieben Millionen Einwohnern und einer der weltweit am schnellsten wachsenden Urbanisierungsraten steht die Metropole längst nicht mehr nur für Öl und glitzernde Hochhäuser, sondern auch für die ganz reale Herausforderung, eine Stadt inmitten einer gnadenlosen Wüste zu managen. Die meteorologischen Daten sprechen eine deutliche Sprache: Bereits heute klettern die Temperaturen in den Sommermonaten regelmäßig auf über 45 Grad Celsius, zukünftig werden Hitzewellen mit mehr als 50 Grad nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein. Urbanes Leben, wirtschaftliche Produktivität und soziale Kohärenz stehen dadurch vor einer Zerreißprobe, die weit über das hinausgeht, was in Mitteleuropa bislang Realität ist.

Die Ursachen für diese Entwicklung sind vielfältig. Neben dem globalen Klimawandel und der daraus resultierenden Häufung von Extremwetterlagen spielt der sogenannte Urban Heat Island Effect eine zentrale Rolle. Die massive Versiegelung, der hohe Anteil an dunklen Oberflächen und der rapide Verlust traditioneller Begrünungsstrukturen führen dazu, dass Riad nachts oft kaum abkühlt. Die Wärmespeicherung in Beton, Asphalt und Glas sorgt für eine Dauerbelastung der Bevölkerung, verschärft durch die geringe Luftfeuchtigkeit und den geringen natürlichen Schattenwurf. Hinzu kommt eine demografische Dynamik, die den urbanen Raum immer dichter und komplexer macht.

Die Stadtverwaltung hat diese Herausforderungen erkannt – nicht zuletzt, weil sie in Form explodierender Energiekosten, wachsender gesundheitlicher Risiken und sinkender Lebensqualität längst im Alltag spürbar sind. Doch die Antwort darauf ist alles andere als ein simples „Weiter so“ mit mehr Klimaanlagen und Wasserimporten. Vielmehr setzt Riad auf eine ambitionierte, ganzheitliche Resilienzstrategie, die die Schnittstellen zwischen Stadtplanung, Landschaftsarchitektur, Technologie und Gesellschaft neu definiert. Die Stadt wird zum Experimentierfeld – nicht aus purem Innovationsdrang, sondern aus schierer Notwendigkeit.

Die internationale Aufmerksamkeit für Riads Transformationsprozess ist groß. Während Städte wie Dubai oder Doha oft als Paradebeispiele für Wüstenmetropolen im Glanz der Moderne gelten, rückt Riad zunehmend als Testlabor für klimaresiliente Stadtentwicklung ins Zentrum der Fachdiskussion. Für Planer, Architekten und urbane Strategen im deutschsprachigen Raum lohnt sich deshalb der Blick gen Süden: Welche Maßnahmen sind tatsächlich wirksam? Wo liegen die Fallstricke und was lässt sich auf mitteleuropäische Städte übertragen?

Die Ausgangslage in Riad ist also ambivalent: Hier treffen extreme Klimarisiken auf enorme Ressourcen, politischer Gestaltungswille auf gesellschaftliche Herausforderungen, Hightech auf traditionelle Lebensweisen. In dieser Gemengelage entstehen Lösungen, die auch für Hamburg, Wien oder Zürich hochrelevant werden könnten – spätestens dann, wenn Hitzerekorde auch bei uns zum neuen Alltag gehören.

Resilienz als Masterplan: Wie Riad die Stadt der +50°C neu denkt

Was in vielen europäischen Städten als schrittweiser Anpassungsprozess läuft, wird in Riad mit beeindruckender Konsequenz als Masterplan orchestriert. Bereits 2019 rief die saudische Führung das „Riyadh Green Program“ ins Leben, flankiert von ambitionierten Zielen wie dem „Saudi Green Initiative“. Ziel ist nichts weniger als eine vollständige Transformation des Stadtraums – von der wasserhungrigen Wüstenstadt zur resilienten, lebenswerten Metropole. Im Zentrum steht dabei die Erkenntnis: Resilienz ist keine Einzelmaßnahme, sondern ein systemisches Prinzip, das alle Aspekte der Stadtentwicklung durchdringen muss.

Ein Herzstück der Strategie ist die großflächige Begrünung Riads. Bis 2030 sollen über sieben Millionen Bäume gepflanzt und mehr als 3.300 öffentliche Parks und Gärten geschaffen werden. Diese grüne Infrastruktur dient nicht nur als Schattenspender, sondern auch als Instrument zur Kühlung des Mikroklimas, zur Verbesserung der Luftqualität und zur Förderung sozialer Interaktion. Dabei setzt Riad gezielt auf hitzeresistente, regionale Pflanzenarten und intelligente Bewässerungssysteme, die mit Sensorik und KI-Unterstützung den Wasserbedarf optimieren. Die Stadt wird zur urbanen Oase – ohne dabei in die Falle eines künstlichen, ressourcenfressenden Grüns zu tappen.

Architektonisch und städtebaulich geht Riad neue Wege. Fassadenbegrünungen, helle Dachflächen, verschattete Fußwege und strukturierte Windkorridore werden gezielt eingesetzt, um Hitzeinseln zu entschärfen. Die Planung orientiert sich dabei an traditionellen Bauweisen, die schon vor Jahrhunderten in der Region das Überleben bei hohen Temperaturen sicherten: Enge Gassen mit Überdachungen, Innenhöfe mit Wasserbecken, dichte Baumreihen entlang der Straßen. Diese Prinzipien werden nun mit moderner Technik kombiniert, etwa durch den Einsatz von reflektierenden Baumaterialien oder „Cool Pavements“, die das Sonnenlicht stärker zurückwerfen.

Ein weiteres zentrales Element ist das Wassermanagement. Riad setzt auf den Ausbau von Grauwasser-Recycling, die Nutzung von entsalztem Meerwasser und hochmoderne Verteilersysteme, um die kostbare Ressource Wasser effizient zu nutzen. Gleichzeitig werden Regenwassergärten, unterirdische Speichersysteme und begrünte Retentionsflächen geschaffen, um auch auf Starkregenereignisse und Dürren flexibel reagieren zu können. Die Stadt als Schwamm – ein Konzept, das international Schule macht, wird hier zur Überlebensfrage.

Die Resilienzstrategie Riads ist damit kein technokratisches Projekt, sondern ein komplexes Zusammenspiel von Planung, Bau, Betrieb und sozialer Innovation. Entscheidend ist die Governance-Struktur, die verschiedene Akteure – von Behörden über Forschungseinrichtungen bis zu lokalen Communities – in den Prozess einbindet. Transparenz, Partizipation und eine langfristige, datenbasierte Steuerung gelten als Schlüssel zum Erfolg. Der Anspruch ist hoch: Riad will nicht nur Anpassung, sondern Vorbild sein – und damit auch ein Stück weit das Image Saudi-Arabiens neu definieren.

Freiraum, Technik, Tradition: Die Instrumente der Hitzeresilienz

Die Praxis der Hitzeresilienz in Riad ist ein faszinierender Mix aus Hightech, traditionellem Know-how und urbaner Experimentierfreude. Im Fokus stehen Freiraumgestaltung, Gebäudekühlung, intelligente Mobilität und nicht zuletzt die soziale Nutzung des Stadtraums. Der Anspruch: Jeder Quadratmeter Stadt soll auf seine Klimafunktion und Resilienzfähigkeit überprüft und optimiert werden – vom Megapark bis zur Bushaltestelle.

Das Rückgrat bildet die systematische Begrünung. Entlang der Hauptverkehrsachsen entstehen lineare Parks, die als „Green Fingers“ in die Quartiere hineinragen und so für Frischluftaustausch und Verschattung sorgen. Diese Korridore werden nach mikroklimatischen Gesichtspunkten ausgerichtet und mit unterschiedlich dichten Pflanzungen ausgestattet, um sowohl Wind als auch Schatten intelligent zu steuern. In den Wohnvierteln setzen Planer auf Innenhöfe mit Wasserflächen, Pergolen und schattenspendenden Gehölzen. Die Gestaltung orientiert sich an den Bedürfnissen verschiedener Nutzergruppen – von spielenden Kindern über ältere Menschen bis zu abendlichen Flaneuren, die den öffentlichen Raum erst nach Sonnenuntergang nutzen können.

Technologie spielt eine zentrale Rolle. Sensorbasierte Steuerungen messen Temperatur, Feuchtigkeit und Bodenbeschaffenheit in Echtzeit und passen Bewässerung und Pflege automatisch an. Digitale Zwillinge der Stadt – also virtuelle Abbilder, die laufend mit Umweltdaten gefüttert werden – machen es möglich, verschiedene Szenarien durchzuspielen: Wie verändert sich die Aufenthaltsqualität, wenn eine neue Allee gepflanzt wird? Wo entstehen neue Hitzeinseln bei künftiger Bebauung? Durch diese datengetriebene Planung können Investitionen gezielt dort eingesetzt werden, wo sie den größten Effekt erzielen – ein Ansatz, der auch für Städte im deutschsprachigen Raum zunehmend interessant wird.

Doch Riad setzt nicht allein auf Technik. Vielmehr werden alte Bauweisen und kulturelle Praktiken neu interpretiert und mit modernen Standards kombiniert. So entstehen etwa multifunktionale Plätze, die tagsüber verschattet und nachts belebt sind, oder modulare Pavillons, die flexibel auf unterschiedliche Temperaturen reagieren können. Auch die Wiederbelebung von Wasserarchitekturen – von traditionellen Brunnen bis zu modernen Nebelkühlanlagen – gehört zum Repertoire. Die Stadt als Bühne, auf der Vergangenheit und Zukunft gleichermaßen präsent sind.

Die Mobilitätswende ist ein weiteres Puzzlestück. Riad investiert massiv in den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, insbesondere der Metro, und schafft durch gezielte Verschattung, kurze Wege und klimatisierte Wartebereiche Anreize, das Auto stehen zu lassen. Gleichzeitig werden Rad- und Fußwege ausgebaut, wobei die Aufenthaltsqualität und Hitzeschutz immer mitgedacht werden. Ziel ist ein urbanes System, das auch bei 50 Grad noch funktioniert – und die Bevölkerung nicht in klimatisierte Shoppingmalls oder Autos treibt.

All diese Maßnahmen greifen nur, wenn sie sozial akzeptiert und genutzt werden. Deshalb setzt Riad auf umfangreiche Beteiligungsformate, Bildungsprogramme und Kooperationen mit internationalen Experten. Die Resilienz der Stadt ist damit nicht nur eine Frage der Technik oder des Designs, sondern auch der sozialen Innovation und kulturellen Identität.

Lessons Learned: Chancen, Übertragbarkeit und kritische Fragen

Riad lehrt uns, dass klimaresiliente Stadtentwicklung eine Daueraufgabe und kein einmaliges Großprojekt ist. Die Erfahrungen zeigen: Es braucht einen langen Atem, einen breiten Werkzeugkasten und vor allem einen echten Paradigmenwechsel im Planungsverständnis. Während in vielen europäischen Städten noch über einzelne Maßnahmen wie grüne Dächer oder Kühltrinkwasserbrunnen diskutiert wird, denkt Riad längst in Systemen – und nimmt dabei auch Rückschläge und Zielkonflikte in Kauf.

Ein zentraler Erfolgsfaktor ist die konsequente Verknüpfung von Freiraumplanung, Gebäudetechnik und Mobilitätsmanagement. Einzelmaßnahmen verpuffen schnell, wenn sie nicht in ein übergreifendes Resilienzkonzept eingebettet sind. Besonders relevant ist dies für Städte mit starkem Wachstum, sozialer Diversität und begrenzten Ressourcen – also auch für viele Kommunen im deutschsprachigen Raum, die sich künftig mit neuen Hitzerekorden auseinandersetzen müssen.

Die Übertragbarkeit der Riader Ansätze ist jedoch begrenzt. Die Verfügbarkeit finanzieller Mittel, die politische Steuerungsfähigkeit und die gesellschaftlichen Rahmenbedingungen unterscheiden sich grundlegend von mitteleuropäischen Städten. Dennoch lassen sich Prinzipien wie mikroklimatische Steuerung, datenbasierte Planung, Integration von traditionellem Wissen und die Betonung sozialer Kohäsion adaptieren – vorausgesetzt, sie werden an die lokalen Gegebenheiten angepasst und partizipativ entwickelt.

Kritisch zu hinterfragen ist die ökologische und soziale Nachhaltigkeit. Die massive Begrünung und Bewässerung kann nur funktionieren, wenn Wasser effizient genutzt und langfristig gesichert wird. Hier droht ein Zielkonflikt zwischen kurzfristiger Kühlung und langfristigem Ressourcenschutz. Auch die soziale Dimension bleibt herausfordernd: Wer profitiert von den neuen Parks und Korridoren? Werden alle Quartiere gleichermaßen einbezogen oder entstehen neue Ungleichheiten? Transparenz und Teilhabe sind deshalb keine Randthemen, sondern zentrale Bausteine erfolgreicher Resilienzpolitik.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der kulturellen Identität: Wie gelingt es, Resilienzmaßnahmen so zu gestalten, dass sie nicht als technokratische Fremdkörper wahrgenommen werden, sondern die lokale Geschichte, Ästhetik und Lebensweise stärken? Hier kann Riad mit seiner Verbindung aus Tradition und Innovation durchaus als Vorbild dienen – auch für Städte, die sich bislang vor radikalen Veränderungen scheuen.

Fazit: Riad als Blaupause – Inspiration und Warnung zugleich

Die Transformation Riads zur resilienten Stadt der +50°C ist ein urbanes Großexperiment, das weltweit Aufmerksamkeit auf sich zieht. Die saudische Hauptstadt demonstriert, wie entschlossene Stadtplanung, innovative Landschaftsarchitektur, smarte Technologie und partizipative Governance gemeinsam die Extreme des Klimawandels adressieren können. Riad zeigt Mut zum Systemwandel, zur Verbindung von Tradition und Hightech und zum Dialog zwischen Planung, Bevölkerung und Politik.

Für Fachleute in Deutschland, Österreich und der Schweiz bietet Riads Weg wichtige Impulse – und zugleich Anlass zur kritischen Reflexion. Die Zukunft der Stadt liegt nicht in Einzelmaßnahmen, sondern in resilienten, flexiblen und inklusiven Systemen, die auf lokale Besonderheiten eingehen und dennoch globale Herausforderungen adressieren. Die Hitzeextreme von Riad sind ein Vorgeschmack auf das, was auch mitteleuropäischen Städten bevorsteht. Wer jetzt lernt, kann vorbereitet sein – wer abwartet, wird von der Realität überholt.

Zusammengefasst gilt: Riad ist keine Kopiervorlage, aber eine inspirierende Blaupause. Die Stadt beweist, dass Resilienz weit mehr ist als ein technischer Begriff – sie ist eine Haltung, die Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Gesellschaft in den Mittelpunkt rückt. Und sie erinnert uns daran, dass die großen Herausforderungen von morgen nur im kreativen Zusammenspiel aller Disziplinen zu meistern sind. In diesem Sinne: Hitzewellen sind keine Katastrophe – sie sind der Anstoß für die nächste Generation urbaner Innovation.

Das könnte Sie auch interessieren
Städtebaupreis 2014 ausgelobt
ein-gruner-mulleimer-am-strassenrand-Cq-L6_muWZs
Vernetzte Mülltonnen mit KI-Auswertung – saubere Stadt, sauber gedacht
Seit November ist die Münzzahlung in deutschen Telefonzellen nicht mehr möglich. Foto: succo via Pixabay
Telefonzelle in Deutschland: Eine Ära geht zu Ende
Ein neuer Gründungsdirektor für die Bundesstiftung Bauakademie
G+L im Oktober: Tiere in der Stadt
luftaufnahme-einer-stadt-durch-die-ein-fluss-fliesst-P2d8SKdbjEE
Urban Soil Management – Bodenaufwertung als Planungsauftrag
eine-grune-pflanze-spriesst-aus-einer-ritze-im-boden-i19ybtJ9L50
Tageszeitenbezogene Hitzekarten – Planung mit stündlicher Präzision
Über 40 Bürgermeister*innen unterzeichneten die Brussels Declaration of European Mayors 2024 im Januar in Brüssel. Credit: flickr
Die Brussels Declaration of European Mayors 2024
Neubau der Marieluise-Fleißer-Realschule mit Schulhof: Klare Gebäudestrukturen treffen auf vielseitige Freiflächen mit Spiel-, Sport- und Aufenthaltsbereichen in einem grünen Rahmen. Foto: Florian Holzherr
Marieluise-Fleißer-Realschule München
eine-stadtstrasse-voller-verkehr-neben-hohen-gebauden-L7RbsRIG7DQ
Die gerechte Stadt gestalten – sozialräumliche Planung im 21. Jahrhundert

Frankfurt Mertonviertel – Wettbewerb entschieden

Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe, Treibhaus und c/o Zukunft
Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Sieger*innen des städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs stehen fest. Am 21. Oktober wählte das Preisgericht einstimmig den Entwurf von Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung.

Ideenwettbewerb „Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee“

Der Ideenwettbewerb zur Zukunft des Mertonviertels in Frankfurt ist entschieden: In seiner Sitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht den ersten Preis einstimmig an den Entwurf der Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus aus Berlin. Auch Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg und c/o Zukunft – Stadtplanung und Stadtentwicklung aus Hamburg gehören zum Gewinnerteam.

Laut der Jury steht der Büro- und Gewerbestandort Mertonviertel im Norden von Frankfurt vor strukturellen Herausforderungen und großen Veränderungen. Der Abbruch des ehemaligen Lurgihauses hat ein großes Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung geschaffen. Für den Wettbewerb suchte Planungsdezernent Mike Josef nach Vorschlägen, die die Themen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung, Lebensqualität und Umwelt kombinierten.

Der Siegervorschlag bietet „die beste Lösung für ein vielfältiges und Identifikation stiftendes Quartier nördlich der Lurgiallee“, so Josef. „Durch diese Neuentwicklung wird es auch einen positiven Impuls für das gesamte Mertonviertel als attraktiven und lebendigen Arbeits- und Wohnstandort geben.“

Der Wettbewerb wurde vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main ausgelobt. Die AGB Frankfurt Holding und die gsp Städtebau sind darüber hinaus wesentliche Stakeholder. Die Geschäftsführer beider Institutionen erklärten, dass sie ein neues, urbanes, durchmischtes Stadtquartier mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität anstreben.

Eine neue Grüne Mitte – Lovely Lurgi

Der Entwurf der Sieger*innen trägt den Titel „Lovely Lurgi – Ein neues Herz für das Mertonviertel“. Er überzeugte die Jury durch die Entwicklung des eigentlichen Baugrundstückes aus den Strukturen und Konzeptvorschlägen für das Viertel. Im Herzen der neuen Entwicklung entsteht ein großzügiger grüner Freiraum, der viele Nutzungsmöglichkeiten und außerdem eine hohe Identitätskraft bietet.

„Lovely Lurgi“ im Mertonviertel sieht eine neue Quartiersmitte vor, die von urbanen Gebäuden umgeben wird. Der grüne Mittelpunkt sowie andere Elemente des Projektes folgen zudem dem „Schwammstadtprinzip“, indem sie vielfältige Regenrückhalte- und Bewirtschaftungsflächen sowie Raum für Bäume mit echtem Bodenanschluss bieten.

Übrigens: Mehr über die Schwammstadt lesen Sie in der November 2021 Sonderausgabe der G+L.

Weitere Besonderheiten des neuen Quartiers sind die räumliche Zonierung mit ausgeprägter Nutzungsmischung sowie die kleinteilige Gestaltung des Stadtraums. Zudem gibt es Platz für eine neue Grundschule. Zu den geplanten Gebäuden gehören darüber hinaus Gewerbeflächen, Einzelhandel, gastronomische Angebote und zwei Kindertagesstätten. Somit soll es gelingen, zwischen dem bestehenden und dem neuen Quartier zu vermitteln.

Die Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus, Treibhaus Landschaftsarchitektur und c/o Zukunft erarbeiteten eine Rahmenplan für das Mertonviertel sowie ein städtebauliches Konzept für das Bebauungsplanverfahren Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee. Dabei handelt es sich um eine rund acht Hektar große Fläche. Künftig sollen hier etwa 900 Wohneinheiten nahe der U-Bahn-Station Riedwiesen/Mertonviertel und der Einkaufsgalerie „Merton’s Passage“ entstehen.

Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Preisverleihung

Die Jury war in diesen nichtoffenen städtebaulichen, freiraumplanerischen Ideenwettbewerb auf der Suche nach mutigen Ideen für die Zukunft des Mertonviertels inklusive eines stimmigen Konzeptes für das Gelände des ehemaligen Lurgihauses. Der Wettbewerb bestand dabei aus zwei Bearbeitungsphasen. Ursprünglich hatten sich zwölf qualifizierte Bewerbergemeinschaften aus Stadtplaner*innen sowie Städtebauarchitekt*innen beworben. Davon wählte die Jury am 21. Juli vier Arbeiten für die weitere Bearbeitung aus.

In der zweiten Preisgerichtssitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht neben dem ersten Platz auch drei dritte Preise. Diese gingen gleichrangig an die Bewerbergemeinschaften Karl Richter Architekten BDA, Frankfurt, mit KuBus Freiraumplanung, Wetzlar, Machleidt Städtebau und Stadtplanung, Berlin mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin sowie Stefan Forster, Frankfurt, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock, Hannover.

Zur Jury gehörten renommierte Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschaftsarchitekt*innen sowie Vertreter*innen der Stadt Frankfurt. Auch die Eigentümerin des Grundstücks des ehemaligen Lurgihauses, Sachverständige und Vertreter*innen politischer Fraktionen waren vertreten. Bis zum 3. November wurden die Wettbewerbsbeiträge im Atrium des Frankfurter Planungsdezernates ausgestellt.

Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Über das Frankfurt Mertonviertel

Das Mertonviertel ist ein Büro- und Wohnquartier im Norden von Frankfurt am Main. Es erhielt seinen Namen in Erinnerung an Wilhelm Merton, Gründer der Metallgesellschaft sowie des Instituts für Gemeinwohl. Dieses war ein Vorläufer der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Viertel ist recht neu. Es entstand ab Mitte der 1980er Jahre auf einem Gebiet von etwa 60 Hektar Größe, das bis zum Jahr 1982 zu den Industrieanlagen der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke gehörte. Das Erdreich im Mertonviertel war stark durch Kohlenwasserstoffe sowie Schwermetalle belastet und musste in einem aufwändigen Verfahren gereinigt werden. Dafür gab es eine eigens errichtete Entgiftungsanlage, die parallel zu den Bauarbeiten bis in die frühen 2000er Jahre vor Ort war.

Lurgihaus und Hundertwasser-Kindertagesstätte

Das Lurgihaus war schließlich lange das dominante Gebäude des Quartiers in Frankfurt-Heddernheim. Es entstand im Jahr 1987 als erster Neubau des Mertonviertels. Mit einer Bürofläche von fast 90 000 Quadratmetern gehörte es damals zu den größten Bürogebäuden Deutschlands. Es bestand aus einem viereckigen Hauptgebäude mit sieben stark gegliederten Nebengebäuden. Ursprünglich war es das Hauptquartier der Lurgi AG, einem Unternehmen für Großanlagenbau, und nahm über die Jahre auch weitere Mietparteien auf. 2014 verließ Lurgi das Bürogebäude. Weiteres Gebäude im Mertonviertel ist die Hundertwasser-Kindertagesstätte mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel, Bürogebäude und Wohnhäuser. Zeitweise gab es 5 000 Arbeitsplätze in diesem Viertel. In den letzten Jahren nahm die Anzahl an Arbeitsplätzen und Bewohner*innen ab, aber mit dem neuen Entwurf soll das Mertonviertel wieder belebt werden.

Mehr Planung aus der bevölkerungsreichsten Stadt Hessen gibt es mit einem Megaprojekt, das in etwa zehn Jahren fertig sein könnte, hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Easy Going mit der EasyBettung

Abbildung: iStock

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag revolutioniert das Verlegen von Platten und Pflastersteinen.

Wer kennt es nicht: Die Wartezeit, bis ein Produkt fertig zum Verarbeiten ist, frisst oft viele Kapazitäten. So ist es auch in den Abläufen beim Verlegen von Pflaster- und Plattenbelägen in Systembauweise. Doch tubag, die Premiummarke der Sievert SE für den Garten-, Landschafts- und Straßenbau, hat dagegen Abhilfe geschaffen – mit dem ersten drainfähigen Bettungsmörtel überhaupt: der EasyBettung.

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag basiert auf einer neu entwickelten Mörtel- und Bindemittelrezeptur, die nicht angemischt werden muss.  „Weil auf das bisher übliche Anmischen verzichtet werden kann, fällt ein kompletter Arbeitsgang weg. Somit werden die Arbeitsabläufe bedeutend effizienter und die Flächenleistung pro Mitarbeiter steigt an. Das bietet den Unternehmen neue Möglichkeiten bei der Planung, Kalkulation und vor allem auch der Ausführung ihrer Aufträge“, sagt Georg Zimmermann, Produktmanager für Garten-, Landschafts- und Straßenbau bei der Sievert SE. Zur Verdeutlichung: Die Ruhezeit nach dem Wässern des Belages beträgt 36 Stunden. Das bedeutet, dass nicht einmal zwei Tage nach der Erstellung der Flächen die Fugen mit den üblichen Fugenmörteln aus dem tubag-Programm geschlossen werden können.

Die gesamte Anwendung des neuen Produkts ist denkbar einfach. Die EasyBettung wird auf die vorbereitete ungebundene Tragschicht gegeben und nach der höhengerechten Ausnivellierung kurz mit Hilfe eines Wasser-Sprühnebels aktiviert. Um den Haftverbund zwischen Belag und Bettungsmörtel zu optimieren, werden die Platten oder Pflastersteine beim Verlegen an der Unterseite mit der tubag Haftschlämme TNH flex versehen. Das geschieht entweder über die Zahnkelle oder den Vorgang des Eintauchens. Nach dem hammerfesten Einbringen der Platten oder Steine wird der Belag komplett satt gewässert. „Die neuartige EasyLay-Bindemitteltechnologie verfügt über spezielle Leichtzuschläge, die das Saugverhalten so begünstigen, dass die EasyBettung komplett über das Wasser aktiviert wird, das über die Fugen eintritt“, erklärt Endrit Imeri, Entwicklungstechniker Mineralische Mörtelsysteme bei der Sievert Baustoffe. Worauf zu achten ist: Die Fugen müssen dabei mindestens fünf Millimeter breit sein, beim Verlegen von Platten darf die kurze Kantenlänge höchstens 80 Zentimeter betragen.

Welche Vorteile die EasyBettung außerdem hat? Nicht nur zeitlich, auch wirtschaftlich zahlt sich die Verwendung des tubag-Produktes aus: Gegenüber konventionellen Bettungsmörteln punktet die EasyBettung reaktiv mit einem ca. 25 Prozent niedrigeren Materialverbrauch. Alle weiteren Informationen zur Innovation Easy Bettung finden Sie unter www.tubag.de