Hoai Grundleistungen: Grundlagen, Ablauf und Praxis

Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Hoai Grundleistungen
Textiles Material in Weiß, Grün und Braun – ein Blick auf natürliche Werkstoffe im Außenraum. Foto: plhnk

Wer Architekten, Ingenieure oder Landschaftsarchitekten beauftragt, bewegt sich in einem Honorarrecht, das seit Jahrzehnten die Grundlage für die Vergütung planerischer Leistungen bildet. Die HOAI Grundleistungen sind dabei das Herzstück: Sie definieren, welche Tätigkeiten zum Standardumfang eines Planungsauftrags gehören, wie diese Leistungen in Phasen gegliedert sind und wie das Honorar daraus abgeleitet wird. Wer dieses System versteht, kann Planungsverträge lesen, Leistungsbilder beurteilen und Honorarangebote sachkundig einordnen.

  • Was HOAI Grundleistungen sind und wie sie sich von Besonderen Leistungen unterscheiden
  • Wie das Leistungsbild in Leistungsphasen gegliedert ist und was jede Phase inhaltlich umfasst
  • Wie das Honorar auf Basis der anrechenbaren Kosten, Honorarzonen und Leistungsphasenanteile berechnet wird
  • Welche Rolle die HOAI im Planungsvertrag spielt und was seit der Novellierung 2021 gilt
  • Wie Grundleistungen in der Praxis abgegrenzt, dokumentiert und abgerechnet werden
  • Welche typischen Fehler und Missverständnisse bei der Anwendung auftreten
  • Wie das Leistungsbild der Objektplanung sich von dem der Freianlagenplanung unterscheidet
  • Welche Bedeutung die HOAI für Ausschreibungen, Vergaben und Qualitätssicherung hat

Was HOAI Grundleistungen sind: Definition und systematische Einordnung

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, ist eine deutsche Rechtsverordnung, die die Honorare für Planungsleistungen regelt. Sie gilt für alle Leistungen, die in Deutschland erbracht werden, und zwar unabhängig von der Staatsangehörigkeit oder dem Sitz des Planers. Innerhalb dieser Verordnung nehmen die HOAI Grundleistungen eine zentrale Stellung ein: Sie beschreiben den Leistungsumfang, der für eine ordnungsgemäße Erfüllung eines Planungsauftrags als notwendig und üblich gilt. Grundleistungen sind also nicht das Minimum, das man erbringen kann, sondern der definierte Standardumfang, der dem Auftraggeber eine vollständige und fachgerechte Planung sichert.

Die HOAI unterscheidet zwei Kategorien von Leistungen: Grundleistungen und Besondere Leistungen. Grundleistungen sind im Leistungsbild der jeweiligen Fachrichtung abschließend aufgeführt und bilden die Berechnungsgrundlage für das Honorar. Besondere Leistungen gehen über diesen Standardumfang hinaus, sind nicht im Honorar für Grundleistungen enthalten und müssen gesondert vereinbart und vergütet werden. Typische Besondere Leistungen sind etwa die Erstellung von Betriebskonzepten, die Durchführung von Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen oder die Planung von Innenräumen, wenn diese nicht ohnehin zum Leistungsbild gehören. Die Abgrenzung ist in der Praxis nicht immer scharf und führt regelmäßig zu Diskussionen zwischen Auftraggebern und Planern.

Die HOAI gilt für verschiedene Fachrichtungen, darunter Gebäude und Innenräume, Freianlagen, Ingenieurbauwerke, Verkehrsanlagen, Tragwerksplanung, technische Ausrüstung sowie Stadtplanung und Flächennutzungsplanung. Jede Fachrichtung hat ein eigenes Leistungsbild mit eigenen Grundleistungen. Für Landschaftsarchitekten ist das Leistungsbild der Freianlagen besonders relevant, das in der HOAI gesondert geregelt ist und sich in wesentlichen Punkten vom Leistungsbild der Gebäudeplanung unterscheidet. Gemeinsam ist allen Leistungsbildern die Gliederung in neun Leistungsphasen, auch wenn nicht jede Fachrichtung alle neun Phasen umfasst.

Die neun Leistungsphasen: Aufbau, Inhalt und Gewichtung

Das Herzstück der HOAI Grundleistungen ist die Gliederung des Planungsprozesses in neun aufeinander aufbauende Leistungsphasen, abgekürzt LPH 1 bis LPH 9. Diese Phasen bilden den gesamten Planungs- und Realisierungsprozess von der ersten Idee bis zur Inbetriebnahme ab. Jeder Phase ist ein prozentualer Anteil am Gesamthonorar zugeordnet, der die relative Bedeutung und den Aufwand der jeweiligen Phase widerspiegelt. Diese Prozentwerte sind in der HOAI festgelegt und können vertraglich nur in engen Grenzen verändert werden.

Die Leistungsphase 1 umfasst die Grundlagenermittlung. Hier klärt der Planer die Aufgabenstellung, berät den Auftraggeber zu Grundsatzfragen und stellt die Planungsvoraussetzungen zusammen. Es geht um die Erfassung des Bestands, die Klärung der Ziele und die erste Einschätzung der Machbarkeit. Diese Phase wird häufig unterschätzt, ist aber die Grundlage für alle weiteren Entscheidungen. In der Leistungsphase 2 folgt die Vorplanung, in der Lösungsansätze erarbeitet, Varianten untersucht und ein abgestimmtes Planungskonzept entwickelt wird. Hier werden auch erste Kostenschätzungen nach DIN 276 erstellt, die dem Auftraggeber eine frühe Orientierung über den finanziellen Rahmen geben.

Die Leistungsphase 3 ist die Entwurfsplanung. Sie vertieft das Konzept zu einem durchgearbeiteten Entwurf, der alle wesentlichen Teile des Bauvorhabens erfasst und eine Kostenberechnung nach DIN 276 ermöglicht. Die Leistungsphase 4 umfasst die Genehmigungsplanung, also die Erstellung der Unterlagen für das Baugenehmigungsverfahren oder vergleichbare Zulassungsverfahren. In der Leistungsphase 5 wird die Ausführungsplanung erstellt: zeichnerische und textliche Darstellungen in einem Detaillierungsgrad, der die Ausführung der Bauleistungen ermöglicht. Diese Phase ist besonders aufwendig und trägt beim Leistungsbild Gebäude einen entsprechend hohen Honoraranteil.

Die Leistungsphasen 6 und 7 betreffen die Vorbereitung und Mitwirkung bei der Vergabe. Der Planer erstellt Leistungsverzeichnisse, wertet Angebote aus und wirkt bei der Auftragserteilung mit. In der Leistungsphase 8, der Bauoberleitung oder Objektüberwachung, überwacht der Planer die Ausführung der Bauleistungen auf Übereinstimmung mit den Planungsunterlagen, koordiniert die beteiligten Fachplaner und dokumentiert den Baufortschritt. Diese Phase ist in der Praxis besonders haftungsrelevant. Die Leistungsphase 9 schließlich umfasst die Objektbetreuung: die Begehung zur Feststellung von Mängeln vor Ablauf der Verjährungsfristen sowie die Überwachung der Mängelbeseitigung.

Honoraranteile und ihre Bedeutung für die Vertragsgestaltung

Die prozentualen Honoraranteile der einzelnen Leistungsphasen sind in der HOAI für jede Fachrichtung separat festgelegt. Beim Leistungsbild Gebäude entfällt beispielsweise ein erheblicher Anteil auf die Leistungsphasen 3 und 5, also Entwurfsplanung und Ausführungsplanung, während die frühen Phasen 1 und 2 zusammen nur einen kleinen Teil des Gesamthonorars ausmachen. Für die Vertragsgestaltung hat dies eine wichtige Konsequenz: Wenn ein Auftraggeber nur einzelne Leistungsphasen beauftragt, erhält der Planer nur den entsprechenden Anteil des Gesamthonorars. Werden Leistungsphasen nicht beauftragt oder nach Beginn der Planung abgebrochen, entstehen Fragen zur Honorarfälligkeit und zu Abzügen für ersparte Aufwendungen, die in der Rechtsprechung umfangreich behandelt werden.

Nicht alle Leistungsphasen müssen zwingend beauftragt werden. Es ist vertraglich möglich, nur Teile des Leistungsbilds zu vereinbaren, etwa nur die Leistungsphasen 1 bis 4 für eine Genehmigungsplanung ohne Ausführungsplanung und Bauüberwachung. In solchen Fällen ist eine klare vertragliche Regelung unerlässlich, da sonst Unklarheiten über den geschuldeten Leistungsumfang entstehen, die zu Streitigkeiten führen können.

Honorarberechnung: Anrechenbare Kosten, Honorarzonen und Mindestsätze

Das Honorar für HOAI Grundleistungen wird nicht pauschal festgelegt, sondern nach einem definierten System berechnet, das auf drei Parametern beruht: den anrechenbaren Kosten, der Honorarzone und dem Honorarsatz innerhalb der Honorartafel. Die anrechenbaren Kosten sind die Kosten der Bauleistungen, die für die Honorarberechnung herangezogen werden. Sie entsprechen nicht zwingend den Gesamtbaukosten, sondern einem definierten Anteil davon, der in der HOAI für jede Fachrichtung geregelt ist. Bei der Gebäudeplanung sind dies im Wesentlichen die Kosten der Kostengruppen 300 und 400 nach DIN 276, also Baukonstruktion und technische Anlagen.

Die Honorarzone beschreibt die Schwierigkeit und den Planungsaufwand eines Projekts. Die HOAI unterscheidet in der Regel fünf Honorarzonen, wobei Honorarzone I einfache Anforderungen und Honorarzone V sehr hohe Anforderungen beschreibt. Die Einordnung erfolgt anhand von Bewertungsmerkmalen, die in der HOAI für jede Fachrichtung aufgeführt sind. Beim Leistungsbild Freianlagen für Landschaftsarchitekten sind dies etwa die Anzahl der Funktionsbereiche, die Geländemodellierung, die Ausstattung und die Einbindung in den städtebaulichen Kontext. Die Honorarzone hat erheblichen Einfluss auf das Honorar: Ein Projekt in Honorarzone IV kann ein deutlich höheres Honorar erzielen als ein vergleichbares Projekt in Honorarzone II, selbst bei identischen anrechenbaren Kosten.

Innerhalb der Honorarzone legt die HOAI Honorartafeln fest, die für verschiedene Stufen anrechenbarer Kosten Mindest- und Höchstsätze ausweisen. Zwischen diesen Sätzen können Auftraggeber und Planer das Honorar frei vereinbaren. Wird keine Vereinbarung getroffen, gilt nach der aktuellen Rechtslage der Mindestsatz als vereinbart. Die Frage, ob Mindestsätze zwingend sind oder unterschritten werden dürfen, war lange umstritten und ist durch ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2019 sowie die nachfolgende Novellierung der HOAI im Jahr 2021 neu geregelt worden: Seitdem sind die Honorartafeln nicht mehr verbindlich im Sinne eines zwingenden Preisrechts, sondern dienen als Orientierungsrahmen, von dem vertraglich abgewichen werden kann. Diese Änderung hat erhebliche Auswirkungen auf die Praxis der Honorarvereinbarung.

Besonderheiten beim Leistungsbild Freianlagen

Das Leistungsbild Freianlagen, das für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner zentral ist, weist gegenüber dem Leistungsbild Gebäude einige Besonderheiten auf. Die anrechenbaren Kosten umfassen hier die Herstellungskosten der Freianlagen einschließlich der Pflanzarbeiten, jedoch ohne die Kosten für Kunstwerke und besondere Ausstattungsgegenstände, sofern diese nicht zum Leistungsbild gehören. Die Honorarzonen I bis V werden anhand von Merkmalen wie der Vielfalt der Nutzungsanforderungen, der Geländemodellierung, der Einbindung in den Bestand und der Komplexität der Bepflanzung bestimmt. Ein einfacher Parkplatz liegt in der Regel in Honorarzone I oder II, ein komplexer Stadtplatz mit Wasserflächen, Bepflanzung und Beleuchtung in Honorarzone IV oder V.

Für Landschaftsarchitekten ist es wichtig zu wissen, dass die HOAI Grundleistungen im Leistungsbild Freianlagen auch Leistungen umfassen, die im Gebäudebereich selbstverständlich sind, im Freiraumbereich aber häufig unterschätzt werden: die Erstellung von Ausführungszeichnungen im Maßstab 1:50 oder größer, die Aufstellung von Leistungsverzeichnissen für alle Gewerke der Freianlage und die Bauüberwachung einschließlich der Dokumentation. Wer diese Leistungen nicht vollständig erbringt, riskiert nicht nur Honorarminderungen, sondern auch Haftungsrisiken bei Mängeln der ausgeführten Anlage.

HOAI Grundleistungen in der Planungspraxis: Abgrenzung, Dokumentation und Abrechnung

Die Anwendung der HOAI Grundleistungen in der täglichen Planungspraxis erfordert eine sorgfältige Abgrenzung des Leistungsumfangs, eine lückenlose Dokumentation der erbrachten Leistungen und eine korrekte Honorarermittlung. Häufige Fehler entstehen bereits bei der Vertragsgestaltung: Wenn der Vertrag den Leistungsumfang nicht klar definiert, entsteht Streit darüber, ob eine bestimmte Tätigkeit zu den Grundleistungen gehört oder eine Besondere Leistung darstellt, die gesondert zu vergüten ist. Fachleute empfehlen, den Vertrag auf Basis des HOAI-Leistungsbilds zu formulieren und dabei explizit festzulegen, welche Leistungsphasen beauftragt werden und ob einzelne Grundleistungen ausgeschlossen oder durch Besondere Leistungen ergänzt werden.

Die Dokumentation der erbrachten Leistungen ist nicht nur für die Abrechnung wichtig, sondern auch für den Haftungsfall. Wenn ein Auftraggeber später geltend macht, der Planer habe eine bestimmte Grundleistung nicht erbracht, muss der Planer nachweisen können, dass er sie erbracht hat. Besprechungsprotokolle, Planlieferlisten, Schriftwechsel und Übergabeprotokolle sind dabei unverzichtbar. Die Leistungsphase 8, die Bauüberwachung, ist besonders dokumentationsintensiv: Bautagebücher, Fotodokumentationen und Mängelberichte sind Teil der geschuldeten Grundleistungen und gleichzeitig wichtige Beweismittel im Streitfall.

Die Honorarschlussrechnung nach Abschluss der Leistungen muss die anrechenbaren Kosten auf Basis der tatsächlichen Baukosten ermitteln, die Honorarzone begründen und die erbrachten Leistungsphasen mit ihren Prozentwerten ausweisen. Weichen die tatsächlichen Baukosten erheblich von den ursprünglich geschätzten Kosten ab, verändert sich auch das Honorar, weil die anrechenbaren Kosten neu berechnet werden müssen. Kostensteigerungen führen also grundsätzlich zu einem höheren Honorar, Kostensenkungen zu einem niedrigeren. Dieser Mechanismus ist für Auftraggeber manchmal überraschend, ist aber ein wesentliches Merkmal des HOAI-Systems.

Typische Fehler und Missverständnisse bei der Anwendung der HOAI

Eines der häufigsten Missverständnisse besteht darin, die HOAI als Preisliste zu verstehen, aus der man einfach einen Betrag abliest. Tatsächlich ist die Honorarermittlung ein mehrstufiger Prozess, der eine genaue Kenntnis der anrechenbaren Kosten, der Honorarzone und der beauftragten Leistungsphasen voraussetzt. Wer diese Schritte überspringt und nur mit Pauschalen arbeitet, riskiert, entweder zu wenig zu verlangen oder einen Vertrag zu schließen, der nicht dem tatsächlichen Aufwand entspricht.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Verwechslung von Grundleistungen und Besonderen Leistungen. Viele Auftraggeber gehen davon aus, dass alles, was ein Planer im Rahmen eines Projekts tut, mit dem Grundhonorar abgegolten ist. Das ist falsch: Besondere Leistungen wie die Erstellung von Betreiberkonzepten, die Planung von Kunstobjekten oder die Durchführung von Bürgerbeteiligungsverfahren sind nicht im Grundhonorar enthalten und müssen gesondert vereinbart und vergütet werden. Wenn diese Vereinbarung fehlt, entsteht ein Streit, der häufig vor Gericht endet.

Auch die Frage der Vollständigkeit der Grundleistungen wird oft unterschätzt. Grundleistungen sind nicht beliebig teilbar: Wer als Planer nur einen Teil der Grundleistungen einer Phase erbringt, schuldet dennoch die vollständige Phase, wenn er sie vertraglich übernommen hat. Umgekehrt kann ein Auftraggeber, der den Planer an der vollständigen Leistungserbringung hindert, etwa durch vorzeitigen Abbruch des Projekts oder durch Entzug von Planungsunterlagen, das Honorar nicht einfach kürzen. Die Rechtsprechung hat hierzu eine umfangreiche Kasuistik entwickelt, die Planern und Auftraggebern gleichermaßen bekannt sein sollte.

Schließlich wird die Bedeutung der Honorarzone für die Honorarhöhe häufig unterschätzt oder bewusst ignoriert. Manche Auftraggeber neigen dazu, Projekte in niedrigere Honorarzonen einzustufen, um das Honorar zu drücken. Planer, die einer falschen Einordnung zustimmen, ohne die Bewertungsmerkmale sorgfältig zu prüfen, verschenken Honorar und setzen sich dem Risiko aus, für einen Aufwand zu arbeiten, der nicht angemessen vergütet wird. Die Honorarzone ist kein Verhandlungsgegenstand, sondern eine sachliche Einordnung anhand definierter Kriterien.

HOAI Grundleistungen im Kontext von Vergabe, Wettbewerb und Qualitätssicherung

Die HOAI Grundleistungen haben nicht nur eine honorarrechtliche Funktion, sondern auch eine qualitätssichernde Wirkung. Indem sie den Mindestumfang einer ordnungsgemäßen Planung definieren, schaffen sie einen Standard, an dem die Leistungserbringung gemessen werden kann. Auftraggeber der öffentlichen Hand, die Planungsleistungen nach dem Vergaberecht ausschreiben, nutzen das HOAI-Leistungsbild als Grundlage für die Leistungsbeschreibung. Die Grundleistungen bilden dabei den Kern des ausgeschriebenen Leistungsumfangs, der durch Besondere Leistungen ergänzt werden kann.

Bei Planungswettbewerben, die nach der Richtlinie für Planungswettbewerbe (RPW) durchgeführt werden, spielen die HOAI Grundleistungen ebenfalls eine Rolle: Der Gewinner eines Wettbewerbs hat in der Regel Anspruch auf Beauftragung mit den Planungsleistungen, wobei das Honorar nach HOAI berechnet wird. Die Wettbewerbsleistung selbst ist nicht Teil der HOAI Grundleistungen, sondern wird durch die Preisgelder des Wettbewerbs vergütet. Diese Abgrenzung ist wichtig, um Doppelvergütungen zu vermeiden und gleichzeitig sicherzustellen, dass der Planer für seine Wettbewerbsarbeit angemessen entschädigt wird.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner, die häufig an öffentlichen Projekten beteiligt sind, ist die Kenntnis der HOAI Grundleistungen eine Grundvoraussetzung für die professionelle Praxis. Wer das Leistungsbild der Freianlagen nicht kennt, kann weder einen fairen Vertrag aushandeln noch seinen Leistungsumfang gegenüber dem Auftraggeber klar kommunizieren. Die HOAI ist kein bürokratisches Hindernis, sondern ein Instrument, das Planern und Auftraggebern gleichermaßen Sicherheit gibt: Planern durch eine definierte Vergütungsstruktur, Auftraggebern durch einen klar beschriebenen Leistungsumfang.

HOAI Grundleistungen als Fundament professioneller Planungsarbeit

Die HOAI Grundleistungen sind weit mehr als ein honorarrechtliches Regelwerk. Sie beschreiben den Prozess, den eine qualitätvolle Planung durchlaufen muss, von der ersten Grundlagenermittlung bis zur abschließenden Objektbetreuung. Wer diesen Prozess kennt und konsequent anwendet, liefert nicht nur eine rechtlich korrekte Leistung, sondern auch eine fachlich vollständige. Die Leistungsphasen sind keine bürokratische Gliederung, sondern spiegeln die tatsächliche Logik des Planens und Bauens wider: Erst klären, dann entwerfen, dann detaillieren, dann ausschreiben, dann überwachen, dann dokumentieren.

Die Novellierung der HOAI im Jahr 2021 hat die Verbindlichkeit der Honorartafeln gelockert, das Leistungsbild selbst aber nicht grundlegend verändert. Die Grundleistungen bleiben der Maßstab für eine ordnungsgemäße Planungsleistung, auch wenn die Honorarvereinbarung nun flexibler gestaltet werden kann. Diese Flexibilität ist eine Chance für Planer, die ihren Leistungsumfang und ihre Qualität klar kommunizieren und entsprechend honorieren können. Sie ist aber auch ein Risiko für Planer, die unter Wettbewerbsdruck Honorare vereinbaren, die den tatsächlichen Aufwand nicht decken.

Für alle, die in der Planung tätig sind, gilt: Die HOAI Grundleistungen zu kennen bedeutet nicht, ein Regelwerk auswendig zu lernen, sondern den eigenen Berufsalltag in einem strukturierten Rahmen zu verstehen. Wer weiß, was in welcher Leistungsphase geschuldet ist, wer die Honorarzone seines Projekts sachlich begründen kann und wer den Unterschied zwischen Grundleistungen und Besonderen Leistungen sicher beherrscht, ist nicht nur honorarrechtlich auf der sicheren Seite, sondern auch fachlich in der Lage, seinen Auftraggebern gegenüber transparent und überzeugend aufzutreten. Das ist der eigentliche Wert dieses Systems.

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Böschungsmatten: Kokos statt Kunststoff

Verformte Schildkrötenpanzer und der Mageninhalt von Walkadavern zeigen uns deutlich, dass Plastik im Meer verheerende Schäden anrichtet. Aber auch an Land leidet Flora und Fauna unter den verschiedenen Formen von Plastik im Ökosystem. Und Delfine sind nicht die einzigen Tiere, deren Leben in Plastiknetzen ein Ende findet. Prof. Dr. habil. Ulrich Walz plädiert für Böschungsmatten ohne Kunststoff.

 

Im Landschaftsbau verwendete Matten zur Böschungsstabilisierung enthalten teilweise Kunststoffnetze. In diesen können sich jedoch Tiere verfangen und qualvoll verenden, wie der Fund einer toten Ringelnatter in Sachsen belegt. Das Tier hatte sich beim Versuch durch diese Matte zu schlüpfen, mit den Schuppen in den feinen Kunststofffäden verheddert.

Darüber hinaus ist die Verwendung solcher Matten vor dem Hintergrund der Vermeidung von Kunststoffrückständen (Mikroplastik) im Ökosystem höchst bedenklich. Im Gegensatz zu den mittlerweile verbotenen Trinkhalmen, Wattestäbchen etc. werden solche Kunststoffnetze direkt in naturnahe Ökosysteme eingebracht. Alleine schon aus diesem Grund sollte man überdenken, ob diese Matten eine geeignete Lösung darstellen.

Die Verwendung dieser Matten im Landschaftsbau im Vegetationsbereich ist daher insgesamt als sehr kritisch zu bewerten und abzulehnen. Es stehen genügend alternative Materialien wie zum Beispiel Kokos- oder Jutematten, Direktansaat-Verfahren oder Ähnliches zur Verfügung.

G+L im Juni 2019: Politische Freiräume

Berlin: Teilnehmer einer Aktion der Bewegung Extinction Rebellion Deutschland gegen die Klimakrise liegen auf dem Gendarmenmarkt. Durch ein symbolisches Sterben wird das Massensterben durch die Klimakrise dargestellt. Foto: Christoph Soeder/dpa | Verwendung weltweit

Wie fördern Freiräume die politische Haltung ihrer Nutzer?

Öffentliche Räume sind stets politische Räume. Im besten Fall sind sie im Sinne des demokratischen Ansatzes für alle frei zugänglich und verfügbar. In der Realität unterliegen sie aber immer administrativen, ökonomischen und sozialen Zwängen, die das Ideal einer freien Zugänglichkeit unterbinden. In der Juniausgabe der G+L diskutieren wir anhand aktueller Projekte, wie Städte die Entwicklung offener, urbaner Strukturen möglich machen und welche Faktoren eine freie Zugänglichkeit behindern. G+L-Redakteurin Theresa Ramisch stellt hier unser letztes Heft der Mini-Serie “Städte für Morgen” vor.

Dem Facebook-Account von Extinction Rebellion Deutschland folgen wir in der Redaktion seit Anfang diesen Jahres. Aus politischer Neugier, aber vor allem, weil wir die Form des Protests der internationalen Bewegung interessant finden. XR, so die Kurzform, reizt mit der Art, wie sie sich Stadtraum aneignet und stärkt ihn als Ort politischer Willensbildung.

Mit Trauermärschen, Theater-Flashmobs oder auch sogenannten Die-Ins (siehe Cover) protestieren die Aktivisten friedlich gegen die Klimakrise und fordern ein fundamentales Umdenken im System. Die XR-Performance-Demonstrationen schockieren und faszinieren. Sie geben dem urbanen Raum seine politische Bedeutung zurück. Plätze, Parks und Straßen werden wieder zu Versammlungsorten, der Stadtraum wird zur demokratischen Institution.

Öffentlicher Raum bildet sich durch das Verhalten seiner Nutzer.
 Im normativen Ansatz ist er dabei für jedermann stets frei nutzbar. Menschen formieren sich hier in Interaktion miteinander als Gesellschaft. Ohne soziale Kontrolle, ohne Konsumzwang, ohne staatliche Überwachung. In Realität unterliegt jeder Stadtraum jedoch stets administrativen, ökonomischen und sozialen Einschränkungen. Nutzungskonflikte sind Alltag.

Im vorliegenden Heft stellen wir die Frage, wie wir Planer Freiräume schaffen können, die die Gesellschaft und ihre politische Haltung nicht nur mitdenken, sondern aktiv fördern. Ein schweres Unterfangen, wenn nicht nahezu unmöglich. Schließlich war selbst die Agora nur ausgewählten Personen zugänglich: erwachsenen, freien und besitzenden Männern. Das Grundsätzliche hält sich bis heute. Es werden nie alle eine Stimme im Raum haben.

Nutzer als Bürger verstehen

Können wir aber trotz exklusiver Nutzungen Stadträume inklusiv gestalten und Raum für Begegnungen, Meinungsaustausch, Öffentlichkeit schaffen? Ja, definitiv. Wie, das macht der Skanderbeg-Platz in Tirana vor. Der 2018 mit dem „European Prize for Urban Public Space” ausgezeichnete Platz ist zum Großteil verkehrsberuhigte Zone. Er ist so gestaltet, dass Menschen sich dort gerne aufhalten und er ist das politische wie kulturelle Zentrum der albanischen Hauptstadt.

Was die Skanderbeg-Planer vom Architekturbüro 51N4E anders gemacht haben? Sie verstanden den öffentlichen Raum als Prozess, der den Nutzer zum Bürger erhebt. Indem sie seine Interessen, Ansprüche und Bedürfnisse abfragten. Denn erst wenn man so gestaltet, dass aus Nutzern Bürger werden, also politische Wesen, die ihre Werte und Normen mit dem Gegenüber friedlich in der gestalteten Umwelt verhandeln können, wenn die Gestaltung Vielfalt fördert, dann hat man als Planer alles richtig gemacht.

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Die letzte Ausgabe der Mini-Serie “Städte für Morgen” zum Thema “Tourismus” können Sie hier erwerbenauch als praktisches Mini-Abo.