Hydrologische Planungsmatrix – wie Planungsämter Wasserkreisläufe berücksichtigen können

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Farbenprächtige Häuser am Fluss vor Bergkulisse in einem urbanen Stadtviertel. Foto von Wolfgang Weiser.

Wasser in der Stadt ist längst kein bloßes Gestaltungselement mehr – es ist die geheime Steuerungsinstanz des urbanen Lebens. Wer glaubt, dass Hydrologie nur ein Randthema für Spezialisten ist, hat die Zeichen der Zeit verschlafen. Mit der Hydrologischen Planungsmatrix eröffnen sich Planungsämtern neue Horizonte: weg von reaktiven Maßnahmen, hin zu einer proaktiven, kreislauforientierten Stadtentwicklung, in der Wassermanagement zur Grundlage kluger Stadtgestaltung wird.

  • Begriff und Funktionsweise der Hydrologischen Planungsmatrix – ein praxisnaher Einstieg für Stadt- und Landschaftsplaner
  • Warum Wasserkreisläufe zum Rückgrat urbaner Nachhaltigkeit in Deutschland, Österreich und der Schweiz werden
  • Planungsrechtliche Einbindung: Schnittstellen zwischen Wasserhaushaltsgesetz, Bauleitplanung und Klimaanpassung
  • Instrumente und Datengrundlagen: Von GIS bis IoT-basierter Sensorik – wie digitale Tools Wassermanagement revolutionieren
  • Praxisbeispiele: Wie Kommunen die Matrix nutzen, um Überflutung, Trockenheit und Hitzeinseln vorzubeugen
  • Stolpersteine auf dem Weg zur hydrologischen Planungskultur – und wie sie sich elegant umschiffen lassen
  • Die Rolle der Bürgerbeteiligung und interdisziplinärer Zusammenarbeit in der Anwendung
  • Zukunftsausblick: Wie die Hydrologische Planungsmatrix urbane Resilienz und Lebensqualität hebt

Was ist die Hydrologische Planungsmatrix? Grundlagen und Bedeutung für die Stadtentwicklung

Wer heute Städte plant, muss Wasser als das denken, was es ist: Lebenselixier, Risikofaktor und strategische Ressource zugleich. Die Hydrologische Planungsmatrix ist das planerische Werkzeug, das diesen Perspektivwechsel ermöglicht. Sie ist ein systematisches Analyse- und Bewertungsraster, das sämtliche wasserbezogenen Prozesse und Wechselwirkungen im urbanen Raum sichtbar macht – und zwar von der Versickerung über die Verdunstung bis zur Ableitung und Nutzung. Planungsämter, die sie anwenden, verlassen das Reich der Einzelmaßnahmen und betreten die Arena der integrativen Kreislaufbetrachtung. Plötzlich werden Flächen nicht mehr nur nach Bebauungsdichte oder Grünanteil bewertet, sondern nach ihrer Fähigkeit, Wasser zu speichern, zu regulieren und ökologisch nutzbar zu machen.

Die Matrix funktioniert dabei nicht als starres Tabellenwerk, sondern als flexibles, kontextsensibles Instrument. Sie kann sowohl in frühen Planungsphasen als auch bei der Detailausarbeitung eingesetzt werden. Ihre Stärke liegt darin, hydrologische Kenngrößen – wie Niederschlagsabfluss, Retentionspotenzial, Verdunstungsleistung oder Grundwasserneubildung – in Beziehung zu städtebaulichen, landschaftsarchitektonischen und technischen Parametern zu setzen. Das Ergebnis: differenzierte Szenarien, die Planer in die Lage versetzen, Auswirkungen verschiedener Entwürfe auf das urbane Wassersystem zu simulieren – und zwar auf Quartiers-, Stadtteil- oder sogar Gebäudeebene.

Ein entscheidender Vorteil der Hydrologischen Planungsmatrix ist ihre Anschlussfähigkeit an andere Planungsinstrumente. Sie lässt sich mit gängigen GIS-Systemen, digitalen Zwillingen und Umweltinformationssystemen koppeln. Damit wird sie zum Bindeglied zwischen klassischer Stadtplanung, technischer Infrastruktur und ökologischer Stadtentwicklung. Gerade in Zeiten von Starkregen, Dürresommern und sich verschärfenden Klimarisiken ist dies Gold wert – denn die Matrix liefert die belastbaren Daten, die für resilientere Städte dringend benötigt werden.

Die Bedeutung der Hydrologischen Planungsmatrix reicht weit über den Hochwasserschutz hinaus. Sie legt die Grundlage für eine neue Planungskultur, in der Wasser nicht mehr als Störfaktor, sondern als Leitmedium urbanen Lebens verstanden wird. Stadtquartiere, Straßenräume, Parks und Plätze werden so gestaltet, dass sie Wasser aufnehmen, speichern, reinigen und als Ressource zugänglich machen. Die Matrix hilft dabei, Zielkonflikte frühzeitig sichtbar zu machen: Wo konkurrieren Versiegelung und Retention? Welche Flächen haben ein Potenzial für Blau-Grüne Infrastrukturen? Wie lassen sich Nutzung, Ästhetik und Funktionalität harmonisieren?

Letztlich ist die Hydrologische Planungsmatrix ein Paradigmenwechsel für Planungsämter – weg von der Defizitorientierung, hin zu einer Potenzialsicht. Wasser wird nicht mehr nur „abgeleitet“, sondern strategisch verortet, gestaltet und bewirtschaftet. Der Gewinn ist eine Stadt, die nicht nur besser aussieht, sondern auch besser funktioniert – und das in einer Welt, in der Wetterextreme zur neuen Normalität werden.

Rechtliche und technische Einbindung: Schnittstellen zu bestehenden Planungsinstrumenten

Die Implementierung der Hydrologischen Planungsmatrix ist kein Selbstläufer, sondern verlangt den Spagat zwischen rechtlichen Vorgaben und technischer Innovation. In Deutschland gibt das Wasserhaushaltsgesetz die Stoßrichtung vor: Der natürliche Wasserkreislauf soll erhalten, gestärkt und möglichst wenig gestört werden. Bei der Bauleitplanung wiederum schreibt das Baugesetzbuch seit der Novelle 2011 vor, dass Belange des Wasserhaushalts frühzeitig und systematisch zu berücksichtigen sind. Die Hydrologische Planungsmatrix bietet hier die Möglichkeit, diese abstrakten Vorgaben in operative Planungsentscheidungen zu übersetzen.

In der Praxis bedeutet das: Bereits bei der Aufstellung von Flächennutzungs- und Bebauungsplänen können mithilfe der Matrix verschiedene Szenarien durchgespielt werden. Welche Auswirkungen hat eine höhere Versiegelungsrate auf den lokalen Wasserhaushalt? Wie verändert sich das Retentionspotenzial bei alternativen Grünflächennutzungen? Wo bestehen besondere Risiken für Überflutung oder Grundwasserabsenkung? Die Matrix liefert Antworten, die nicht nur planerisch relevant, sondern auch rechtssicher dokumentierbar sind – ein nicht zu unterschätzendes Argument gegenüber Genehmigungsbehörden und politischen Entscheidungsträgern.

Technisch gesehen lebt die Matrix von guten Daten. Hydrologische Kenngrößen müssen zuverlässig, möglichst kleinräumig und aktuell erhoben werden. Hier kommt ein ganzes Arsenal an digitalen Werkzeugen zum Einsatz: GIS-Systeme für Flächenanalysen, IoT-Sensorik für Echtzeitmessungen von Niederschlag, Bodenfeuchte oder Abflussraten, Fernerkundung für Vegetations- und Bodenbedeckung. Moderne Planungsämter koppeln diese Datenquellen zunehmend mit Urban Data Platforms und – für die besonders Mutigen – sogar mit Urban Digital Twins. Letztere ermöglichen es, die Simulationsergebnisse der Matrix nicht nur tabellarisch, sondern visuell und interaktiv erfahrbar zu machen.

Eine besondere Herausforderung ist die Schnittstelle zur technischen Infrastrukturplanung. Kanalnetz, Regenwasserrückhaltung, Speicherteiche oder Versickerungsanlagen müssen mitgedacht und in die Matrix integriert werden. Nur so lassen sich Synergien und Zielkonflikte erkennen: Ist das Kanalsystem auf Starkregenereignisse ausgelegt? Gibt es Flächen für temporäre Überflutung? Wie lassen sich Maßnahmen wirtschaftlich und funktional priorisieren? Die Matrix zwingt dazu, in Systemen zu denken – und das ist nicht immer bequem, aber immer produktiv.

Schließlich verlangt die Anwendung der Hydrologischen Planungsmatrix eine enge Verzahnung mit anderen Fachdisziplinen. Landschaftsarchitekten, Bauingenieure, Klimaforscher und Stadtsoziologen müssen an einen Tisch. Nur so gelingt es, technische, ökologische und soziale Anforderungen an das städtische Wassermanagement auszubalancieren. Kurzum: Wer die Matrix einsetzt, muss Teamplayer sein – und bereit, sich auf einen multidimensionalen Planungsprozess einzulassen.

Best-Practice aus D-A-CH: Wie Kommunen die Hydrologische Planungsmatrix in der Praxis nutzen

Der Sprung von der Theorie in die Praxis ist herausfordernd, aber lohnend – und viele Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz machen es bereits vor. In Hamburg etwa wurde im Rahmen der „Blau-Grünen Stadt“ eine Hydrologische Planungsmatrix entwickelt, um das gesamte Wassermanagement eines neuen Stadtteils – von der Dachbegrünung über die Mulden-Rigolen-Systeme bis zur offenen Wasserfläche – zu koordinieren. Das Ergebnis: Eine signifikant verbesserte Retention, geringere Belastung des Kanalnetzes und ein deutlich verbessertes Mikroklima. Die Matrix diente dabei nicht nur als Planungsinstrument, sondern auch als Kommunikationsplattform zwischen Verwaltung, Planern und Investoren. Plötzlich wurde Wasser zum zentralen Entwurfsparameter und nicht zum lästigen Restposten am Ende der Planung.

In Zürich hat man die Matrix in ein digitales Stadtmodell integriert und kann nun in Echtzeit simulieren, wie sich Starkregenereignisse auf verschiedene Quartiere auswirken. Die Resultate fließen direkt in die Entwicklung neuer Wohngebiete ein. So werden Flächen gezielt so gestaltet, dass sie im Ernstfall als temporäre Überflutungsräume dienen können. Aber auch Trockenperioden werden abgebildet – etwa wenn es darum geht, wie viel Wasser zur Bewässerung von Stadtbäumen zur Verfügung steht oder wie sich die Verdunstungsleistung von Grünflächen auf das lokale Klima auswirkt.

In Wien wiederum ist die Hydrologische Planungsmatrix Teil des umfassenden Klimaanpassungskonzepts der Stadt. Hier wird sie eingesetzt, um die Auswirkungen von Entsiegelungsmaßnahmen, Fassadenbegrünung und öffentlicher Wasserflächen auf Grundwasserneubildung, Hitzeinseln und Biodiversität zu analysieren. Die Stadt nutzt die Matrix gezielt, um Zielkonflikte zwischen Wohnraumschaffung, Verkehrsflächen und Erholungsräumen transparent zu machen – und mit belastbaren Daten zu moderieren. Das hat nicht nur die Qualität der Planung verbessert, sondern auch das Vertrauen der Bevölkerung gestärkt.

Auch kleinere Kommunen profitieren: In Baden-Württemberg wurde die Hydrologische Planungsmatrix bei der Entwicklung von Neubaugebieten eingesetzt, um das Risiko von Überflutung infolge versiegelter Flächen zu minimieren. Dabei zeigte sich, dass bereits mit einfachen Maßnahmen wie dezentralen Versickerungsmulden, Retentionsflächen und der gezielten Begrünung von Parkplätzen erhebliche Effekte erzielt werden können – sofern die Maßnahmen von Anfang an in den Planungsprozess integriert werden.

Was diese Beispiele eint, ist der Mut, Wasser nicht als Problem, sondern als Chance zu begreifen. Die Matrix wird dabei zum Werkzeug, das die Komplexität des Wasserkreislaufs beherrschbar macht – und Planern die Sicherheit gibt, auch in Zeiten klimatischer Extreme verlässliche, belastbare Entscheidungen zu treffen.

Stolpersteine und Erfolgsfaktoren: Wie gelingt die Transformation zur hydrologisch informierten Planung?

So verheißungsvoll die Hydrologische Planungsmatrix klingt – ihr Weg in die tägliche Planungspraxis ist mit Hürden gespickt. Ein klassischer Stolperstein ist die Datenlage: Ohne aktuelle, präzise und kleinräumige hydrologische Daten wird die Matrix zum Papiertiger. Viele Kommunen verfügen zwar über eine Fülle von Messwerten, aber diese sind oft verstreut, nicht kompatibel oder schlichtweg nicht zugänglich. Die Herausforderung liegt darin, Datensilos aufzubrechen, offene Schnittstellen zu schaffen und unterschiedliche Quellen zu harmonisieren. Hier ist interkommunale Zusammenarbeit gefragt – und ein gewisses Maß an Pragmatismus, um nicht im Datenperfektionismus zu erstarren.

Ein weiteres Hindernis ist die organisatorische Verankerung. Die Hydrologische Planungsmatrix verlangt, dass Fachämter, die traditionell nebeneinanderher arbeiten, gemeinsam an Lösungen tüfteln. Das setzt eine neue Planungskultur voraus, in der Wassermanagement nicht als „Sonderaufgabe“ betrachtet wird, sondern als Querschnittsthema, das alle betrifft. Führungskräfte in Planungsämtern sind gefordert, diesen Wandel zu moderieren und eine Atmosphäre zu schaffen, in der interdisziplinäre Zusammenarbeit zum Alltag wird – und nicht zum Ausnahmefall.

Auch rechtlich lauern Fallstricke. Die Matrix kann nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn ihre Ergebnisse in die verbindliche Bauleitplanung einfließen. Das setzt eine sorgfältige Dokumentation, transparente Entscheidungsprozesse und eine klare Kommunikation gegenüber politischen Gremien und Öffentlichkeit voraus. Wer hier schludert, riskiert nicht nur juristischen Ärger, sondern auch Akzeptanzprobleme – gerade wenn Maßnahmen wie Flächenentsiegelung, Einschränkung von Bebauungsrechten oder Investitionen in teure Infrastruktur auf der Agenda stehen.

Nicht zu unterschätzen ist der Faktor Mensch. Die Anwendung der Hydrologischen Planungsmatrix verlangt Fachwissen, Erfahrung und – ja, auch das – eine gewisse Lust am Experimentieren. Schulungen, Weiterbildungen und der Austausch mit anderen Kommunen sind unerlässlich. Nur so kann eine Planungskultur entstehen, in der die Matrix nicht als lästiges Zusatztool, sondern als Chance zur Qualitätssteigerung begriffen wird. Der Schlüssel liegt in der Motivation: Wer erlebt, wie die Matrix zu besseren, resilienteren und schöneren Stadtquartieren führt, wird sie nicht mehr missen wollen.

Zuletzt spielt die Kommunikation eine entscheidende Rolle. Die Hydrologische Planungsmatrix ist kein Hexenwerk, aber sie verlangt Offenheit und Transparenz – sowohl gegenüber Fachleuten als auch gegenüber der Bevölkerung. Beteiligung zahlt sich aus: Bürger, die verstehen, warum Flächen entsiegelt, Bäume gepflanzt oder temporäre Wasserflächen geschaffen werden, unterstützen die Maßnahmen eher. Die Matrix kann daher zum Katalysator für eine neue, dialogorientierte Planungskultur werden – sofern sie nicht im Elfenbeinturm der Fachleute bleibt, sondern als Brücke zwischen Experten, Verwaltung und Öffentlichkeit genutzt wird.

Zukunftsperspektiven: Hydrologische Planungsmatrix als Schlüssel zu urbaner Resilienz

Die urbanen Herausforderungen der nächsten Jahrzehnte sind klar: mehr Menschen, mehr Flächenbedarf, mehr Wetterextreme – und damit eine nie dagewesene Komplexität im Umgang mit Wasser. Die Hydrologische Planungsmatrix ist das Instrument, das diese Komplexität nicht nur abbildet, sondern steuert. Sie ermöglicht Planungsämtern, proaktiv auf den Klimawandel zu reagieren, statt nur hinterherzuräumen. Flächen werden gezielt so entwickelt, dass sie Wasser speichern, filtern und nutzbar machen. Hitzeinseln werden entschärft, Überflutungsrisiken minimiert, die Biodiversität gefördert. Die Matrix wird damit zum Rückgrat einer klugen, zukunftsfähigen Stadtentwicklung.

Technologisch steht die Matrix vor einer goldenen Zukunft. Mit der fortschreitenden Digitalisierung, der Verfügbarkeit von Echtzeitdaten und der Integration in Urban Digital Twins eröffnen sich neue Möglichkeiten. Simulationen werden nicht mehr nur in der Planungsphase, sondern auch im Betrieb genutzt: Der Zustand von Kanälen, Grünflächen und Wasserflächen lässt sich laufend überwachen und steuern. Städte werden zu lernenden Systemen, die sich an veränderte Klimabedingungen anpassen können – und das auf Basis belastbarer Daten statt auf Verdacht.

Auch gesellschaftlich hat die Matrix das Potenzial, die Stadtplanung zu demokratisieren. Je transparenter und zugänglicher die Methoden, desto größer die Akzeptanz. Bürger können in Planungsprozesse eingebunden, lokale Wissensbestände genutzt und Entscheidungen nachvollziehbar gemacht werden. Die Hydrologische Planungsmatrix wird so zum Bindeglied zwischen Expertenwissen und Alltagsrealität – und trägt dazu bei, dass Städte nicht nur für, sondern mit den Menschen entwickelt werden.

Nicht zuletzt fördert die Matrix eine neue Ästhetik des Urbanen. Wasserflächen, Retentionsräume und begrünte Dächer werden zu Identitätsmerkmalen moderner Städte. Sie prägen das Stadtbild, steigern die Aufenthaltsqualität und machen Städte widerstandsfähig gegen die Launen des Klimas. Was früher als technische Notwendigkeit galt, wird zum Gestaltungselement – und zur Visitenkarte einer vorausschauenden, lebenswerten Stadt.

Der Weg dahin ist anspruchsvoll, aber alternativlos. Wer die Hydrologische Planungsmatrix nutzt, setzt auf Innovation, Nachhaltigkeit und Lebensqualität. Und das Beste: Sie ist kein Hexenwerk, sondern ein praxisnahes Werkzeug, das sich in jeder Kommune – ob groß oder klein – anwenden lässt. Es braucht nur den Mut, den ersten Schritt zu machen.

Fazit: Die Hydrologische Planungsmatrix ist weit mehr als ein technisches Analysewerkzeug. Sie ist der Schlüssel zu einer Stadtplanung, die Wasser als gestaltende, lebensspendende und resilienzstiftende Kraft begreift. Sie hilft, Risiken frühzeitig zu erkennen, Chancen zu nutzen und Zielkonflikte transparent zu machen. Dabei verbindet sie technische Präzision mit planerischer Kreativität und gesellschaftlicher Teilhabe. Wer heute auf diese Matrix setzt, baut die Stadt von morgen – klug, schön und robust gegen die Unwägbarkeiten des Klimas. Die Zeit der Einzelmaßnahmen ist vorbei. Es lebe der Wasserkreislauf – und die Stadt, die ihn versteht.

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„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

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