Ideen für Gabionen: Eigenschaften, Verlegung und Einsatz

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Ideen für Gabionen
Weißes Gebäude mit Blattmotiv-Wandbild auf einer Steinmauer. Foto: yi2026 / Unsplash

Gabionen gehören zu den vielseitigsten Bauelementen im Freiraum: Als Stützkonstruktion, Sichtschutz, Lärmschutzwall, Sitzelement oder gestalterischer Akzent verbinden sie technische Funktion mit einer Materialästhetik, die im Außenraum kaum ein anderes System erreicht. Wer Ideen für Gabionen entwickelt, bewegt sich an der Schnittstelle von Ingenieurbau, Vegetationstechnik und Freiraumgestaltung. Dabei ist das Prinzip denkbar einfach: Drahtgitterkörbe, gefüllt mit Steinen oder anderen Materialien, bilden durch ihre Masse und Flexibilität ein System, das statische Lasten aufnimmt, Wasser durchlässt und sich ästhetisch in nahezu jede Freiraumsituation einfügen lässt.

  • Was Gabionen sind, wie sie konstruktiv aufgebaut sind und welche Typen es gibt
  • Welche Materialien für Körbe und Füllungen geeignet sind und worauf bei der Auswahl zu achten ist
  • Wie Gabionen fachgerecht geplant, gegründet und verlegt werden
  • Welche Einsatzfelder im öffentlichen und privaten Freiraum typisch sind
  • Wie Gabionen begrünt und mit Vegetation kombiniert werden können
  • Welche Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen relevant sind
  • Welche Fehler bei Planung und Ausführung häufig auftreten und wie man sie vermeidet
  • Wie Gabionen in den größeren Kontext von Stadtklima, Biodiversität und Freiraumgestaltung eingebettet werden können

Was sind Gabionen? Definition, Aufbau und Typen

Der Begriff Gabione leitet sich vom italienischen Wort „gabbione“ ab, was so viel wie großer Käfig bedeutet. Gemeint sind damit Drahtgitterkörbe, die mit Steinen oder anderen Materialien gefüllt werden und so ein stabiles, druckfestes Bauelement bilden. Das Prinzip ist uralt: Bereits im Festungsbau des 16. Jahrhunderts wurden mit Erde gefüllte Weidenkörbe als schnell errichtbare Schutzwälle eingesetzt. Die moderne Gabione, wie sie heute in der Landschaftsarchitektur und im Ingenieurbau verwendet wird, besteht aus verzinktem oder kunststoffummanteltem Stahldrahtgeflecht, das zu quaderförmigen, zylindrischen oder anderen Körpern geformt wird.

Der konstruktive Grundaufbau ist immer derselbe: Ein Drahtkorb aus Doppeldrallgeflecht oder geschweißtem Gitter bildet die Außenhülle. Diaphragmen, also eingebaute Zwischenwände aus demselben Drahtmaterial, unterteilen längere Körbe in Kammern und verhindern, dass sich das Füllmaterial unter Last verlagert und der Korb sich ausbeult. Die Maschenweite des Gitters richtet sich nach der Korngröße des Füllmaterials: Übliche Maschenweiten liegen zwischen 60 und 100 Millimetern, was Füllsteine mit einem Mindestdurchmesser von etwa 80 bis 120 Millimetern erfordert. Für Ideen für Gabionen mit feineren Füllmaterialien wie Kies oder Splitt werden engmaschigere Innengitter oder Geotextileinlagen verwendet.

In der Praxis unterscheidet man mehrere Grundtypen. Kastenförmige Gabionen, auch als Mattengabionen bezeichnet, sind die häufigste Form: Sie werden als Einzelelemente gestapelt und bilden Mauern oder Stützkonstruktionen. Steinschlagschutznetze und Drahtmatratzen (flache, breite Gabionen mit geringer Höhe) werden im Wasserbau zur Ufersicherung und Sohlbefestigung eingesetzt. Zylindrische Gabionen finden sich als Einzelelemente in der Gartengestaltung. Sogenannte Gabionenkörbe mit Sichtfüllung werden speziell für repräsentative Anwendungen produziert, bei denen die äußere Schicht aus handverlesenem, formatiertem Naturstein besteht, während der Kern günstiger gefüllt wird.

Materialien: Drahtkorb, Füllung und Geotextil

Die Qualität einer Gabionenkonstruktion steht und fällt mit der Dauerhaftigkeit des Drahtmaterials. Für den Außeneinsatz sind verzinkte Drähte nach DIN EN 10244 Standard, wobei die Zinkauflage die Korrosionsbeständigkeit bestimmt. In aggressiven Umgebungen, also bei Salzwassereinfluss, im Straßenbereich mit Tausalzbelastung oder in industriell belasteten Gebieten, empfiehlt sich eine zusätzliche Kunststoffummantelung aus Polyvinylchlorid (PVC) oder Polyethylen (PE). Edelstahlgitter aus nichtrostendem Stahl bieten die höchste Dauerhaftigkeit und werden eingesetzt, wenn ein langfristiger Wartungsaufwand minimiert werden soll oder wenn ästhetische Anforderungen eine sichtbare Metalloberfläche verlangen. Der Drahtdurchmesser liegt bei tragenden Konstruktionen typischerweise zwischen 2,7 und 4 Millimetern für das Hauptgeflecht sowie etwas stärker für Kantdrähte und Verbindungsdrähte.

Die Füllung ist das gestalterisch und funktional entscheidende Element. Für tragende Gabionenmauern werden frostsichere, druckfeste Natursteine verwendet: Granit, Gneis, Basalt, Grauwacke und Kalkstein sind bewährte Materialien. Weiche Gesteine wie Sandstein oder Schiefer sind weniger geeignet, weil sie unter Frosteinwirkung und mechanischer Belastung zerfallen können. Die Steinform beeinflusst sowohl die Ästhetik als auch die Packungsdichte: Gebrochenes, kantiges Material verzahnt sich besser und ergibt eine stabilere Füllung als gerundete Flussgerölle, die optisch aber oft attraktiver wirken. Für Ideen für Gabionen als Gestaltungselement bieten sich auch Recyclingmaterialien an: Betonbruch, Ziegelbruch, Glasscheiben in Sonderkörben oder Holzscheite in temporären Konstruktionen erweitern die Palette erheblich.

Zwischen Gabionenkonstruktion und anstehendem Boden wird in der Regel ein Geotextil (Filtervlies) eingebaut. Es trennt den Boden von der Füllung, verhindert das Einspülen von Feinmaterial in die Gabione und in die Drainage, lässt aber Wasser ungehindert passieren. Die Wahl des Geotextils richtet sich nach dem anstehenden Boden: Bei feinen, schluffigen Böden sind engmaschige Vliese mit entsprechendem Filterwirkungsgrad erforderlich. Ohne diesen Trennlagenaufbau können Gabionenkonstruktionen durch Materialmigration langfristig ihre Stabilität verlieren.

Planung und Verlegung: Gründung, Statik und Ausführung

Ideen für Gabionen werden erst dann zu dauerhaften Konstruktionen, wenn die Planung die standortspezifischen Randbedingungen sorgfältig berücksichtigt. Der erste Schritt ist immer die Beurteilung des Baugrundes. Gabionenmauern sind flexible, nicht starre Konstruktionen: Sie können geringe Setzungen ausgleichen, ohne zu reißen. Dennoch erfordern höhere Stützmauern ab etwa einem Meter Höhe eine tragfähige, frostsichere Gründung. Üblich ist eine Fundamentschicht aus Schotter oder Magerbeton, die unterhalb der Frosttiefe liegt. In Deutschland wird die Frosttiefe je nach Region mit 80 bis 120 Zentimetern angesetzt. Eine unzureichende Gründung ist die häufigste Ursache für Schiefstellungen und Ausbeulen von Gabionenmauern.

Für die Standsicherheit von Gabionenstützmauern sind mehrere Faktoren maßgeblich: die Wandhöhe, die Wanddicke, der Böschungswinkel des Geländes, der Erddruck des anstehenden Bodens sowie eventuelle Auflasten durch Verkehr oder Bebauung. Als Faustregel gilt, dass die Wanddicke mindestens die Hälfte der Wandhöhe betragen sollte. Bei Stützmauern über einem Meter Höhe ist eine statische Berechnung durch einen Fachingenieur erforderlich; die einschlägigen Normen, insbesondere DIN EN 1997 (Eurocode 7, Geotechnik) sowie die Empfehlungen des Deutschen Instituts für Bautechnik (DIBt), sind zu beachten. Für Gabionen im öffentlichen Raum und bei Stützmauern mit Personensicherungsaufgabe gelten erhöhte Anforderungen an Nachweis und Dokumentation.

Die Verlegung selbst folgt einem klaren Ablauf. Zunächst wird der Untergrund auf die erforderliche Tiefe ausgehoben und verdichtet. Die Gründungsschicht aus Schotter (Körnung 0/45 oder ähnlich) wird eingebaut und abgezogen. Dann werden die Gabionenkörbe aufgestellt, miteinander verdrahtet und mit Verbindungsdrähten (Bindedraht oder Spiralen) gesichert. Die Füllung erfolgt lagenweise: Zunächst wird die Sichtseite von Hand mit ausgewählten Steinen belegt, dann der Kern maschinell oder von Hand gefüllt. Diaphragmen werden in vorgeschriebenen Abständen eingebaut. Nach jeder Lage werden die Körbe mit Verbindungsdrähten gegen Aufbeulen gesichert. Abschließend wird das Geotextil an der Erdseite angelegt und der Hinterfüllungsboden lagenweise verdichtet.

Ein häufiger Ausführungsfehler ist das Überfüllen der Körbe: Wird zu viel Material eingefüllt, lassen sich die Deckel nicht mehr schließen, und die Körbe beulen seitlich aus. Ebenso problematisch ist das Unterfüllen, das zu Hohlräumen und instabiler Packung führt. Die Füllung sollte so erfolgen, dass die Steine möglichst dicht gepackt sind, ohne Zwang auf das Gitter auszuüben.

Einsatzfelder: Von der Stützmauer bis zum Stadtmöbel

Die Bandbreite der Ideen für Gabionen im Freiraum ist außergewöhnlich groß. Im Ingenieurbau dominiert die Anwendung als Stützmauer und Böschungssicherung: Gabionen nehmen Erddruck auf, ermöglichen steile Geländemodellierungen ohne massive Betonkonstruktionen und fügen sich durch ihre natürliche Materialität besser in die Landschaft ein als Betonwände. Im Straßen- und Wegebau werden Gabionen zur Hangsicherung entlang von Einschnitten eingesetzt, im Wasserbau zur Uferbefestigung und Sohlsicherung an Fließgewässern.

Im Bereich der Freiraumgestaltung eröffnen Gabionen ein breites Spektrum. Als Sichtschutzwand ersetzen sie Holzzäune oder Betonelemente und bieten dabei eine deutlich längere Lebensdauer sowie eine unvergleichlich reichere Oberflächenstruktur. Als Lärmschutzwand entlang von Verkehrswegen nutzen sie die schallabsorbierende Wirkung der unregelmäßigen Steinoberfläche und der Hohlräume im Füllkörper. Als Sitzmauer, Tischkonstruktion oder Pflanztrog werden Gabionen zu Stadtmöbeln, die robust, vandalismussicher und wartungsarm sind. Gerade im öffentlichen Raum, in Parks, auf Schulhöfen, in Stadtplätzen und Wohnquartieren, haben sich Gabionen als dauerhaftes Gestaltungselement bewährt.

Für private Gärten bieten Gabionen ebenfalls vielfältige Möglichkeiten. Eine Gabionenmauer als Grundstücksabgrenzung kombiniert Sichtschutz, Windschutz und gestalterischen Akzent in einem Element. Als Terrassenstützmauer ermöglicht sie die Anlage von Hangterrassen ohne aufwendige Betonarbeiten. Als Hochbeet-Einfassung bietet sie eine langlebige Alternative zu Holzrahmen. Kleinere Gabionenkörbe als Einzelelemente, gefüllt mit dekorativem Kies oder farbigem Glas, setzen gestalterische Akzente in der Gartengestaltung. Wichtig ist dabei, auch im privaten Bereich die statischen Grundregeln zu beachten: Eine Gabionenmauer, die kippt oder ausbeucht, ist nicht nur unschön, sondern kann eine echte Gefährdung darstellen.

Gabionen und Vegetation: Begrünung, Biodiversität und Stadtklima

Eine der interessantesten Dimensionen bei Ideen für Gabionen ist ihre Kombinierbarkeit mit Vegetation. Die Hohlräume zwischen den Steinen bieten Lebensraum für Pflanzen, Insekten und Kleintiere. Mauerpflanzen wie Mauerpfeffer (Sedum-Arten), Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Mauerraute (Asplenium ruta-muraria) oder Steinbrech (Saxifraga-Arten) besiedeln Gabionenwände spontan oder können gezielt eingebracht werden. Diese Pioniervegetation erhöht die ökologische Wertigkeit der Konstruktion erheblich und macht Gabionen zu einem Baustein urbaner Biodiversität.

Für eine gezielte Begrünung von Gabionenwänden gibt es mehrere Ansätze. Kletterpflanzen wie Efeu (Hedera helix), Wilder Wein (Parthenocissus-Arten) oder Kletterhortensie (Hydrangea anomala subsp. petiolaris) können an der Wandoberfläche hochgezogen werden und überziehen die Gabione mit einem lebendigen Grünmantel. Hinter der Gabionenwand gepflanzte Sträucher und Stauden durchwurzeln langfristig den Hinterfüllungsbereich und stabilisieren die Konstruktion zusätzlich durch Wurzelverzahnung. In Kombination mit einem Substratstreifen an der Oberkante der Mauer können auch Dachbegrünungen oder Staudenpflanzungen auf der Mauerkrone realisiert werden.

Aus stadtplanerischer und klimaökologischer Perspektive sind begrünte Gabionenwände ein Beitrag zur grünen Infrastruktur im urbanen Raum. Die Steinmasse der Gabionen speichert tagsüber Wärme und gibt sie nachts ab, was lokale Temperaturspitzen abpuffern kann. Die Vegetation kühlt durch Verdunstung und beschattet Oberflächen. Die Hohlräume der Füllung bieten Nistmöglichkeiten für Wildbienen, Eidechsen und andere Kleintiere, die in der dichten Stadt selten gewordene Habitatstrukturen suchen. Wer Gabionen in der Freiraumplanung mit einem ökologischen Konzept verknüpft, schafft Mehrwerte, die weit über die reine Stütz- oder Abgrenzungsfunktion hinausgehen.

Allerdings ist nicht jede Gabionenkonstruktion automatisch ökologisch wertvoll. Gabionen mit glatter, dichter Sichtfüllung aus großformatigem, poliertem Naturstein bieten kaum Hohlräume und wenig Lebensraum. Gabionen aus Recyclingbeton oder Ziegelbruch können, je nach Herkunft des Materials, Schadstoffe in den Boden einbringen. Eine sorgfältige Materialwahl und eine bewusste Gestaltung der Fugen und Hohlräume sind Voraussetzung dafür, dass Gabionen ihre ökologischen Potenziale tatsächlich entfalten.

Häufige Fehler und Missverständnisse bei Planung und Ausführung

Trotz ihrer scheinbaren Einfachheit werden Gabionen in der Praxis häufig falsch geplant oder ausgeführt. Ein verbreitetes Missverständnis ist die Annahme, Gabionen seien wartungsfrei. Tatsächlich erfordern sie regelmäßige Kontrollen: Verbindungsdrähte können rosten und reißen, Körbe können sich durch Setzungen verformen, und Füllsteine können bei ungeeignetem Material zerfallen. Eine jährliche Sichtprüfung und bei Bedarf das Nachbinden gerissener Verbindungen sind Mindestanforderungen an die Unterhaltung.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Unterschätzung des Erddrucks. Wer eine Gabionenmauer als reine Sichtschutzwand plant, ohne den Erddruck des anstehenden Bodens zu berücksichtigen, riskiert, dass die Wand sich neigt oder ausbeucht. Besonders kritisch ist die Situation, wenn hinter der Mauer Wasser aufstaut: Gabionen sind zwar wasserdurchlässig, aber wenn der Hinterfüllungsboden verdichtet oder durch Feinmaterial verstopft ist, kann sich Stauwasser bilden, das erhebliche Druckkräfte erzeugt. Eine ordnungsgemäße Dränage hinter der Gabionenwand ist deshalb bei Stützkonstruktionen unverzichtbar.

Auch bei der Materialwahl werden Fehler gemacht. Frostempfindliche Steine wie bestimmte Sandstein- oder Schieferarten zerfallen nach wenigen Frostperioden und hinterlassen eine instabile, optisch unattraktive Füllung. Kalkstein ist in manchen Anwendungen problematisch, weil er unter Witterungseinfluss ausgewaschen wird und den pH-Wert des angrenzenden Bodens verändert, was die Vegetation beeinflussen kann. Recyclingmaterialien wie Betonbruch sind grundsätzlich geeignet, sollten aber auf Schadstofffreiheit geprüft werden, bevor sie in Bereichen mit empfindlicher Vegetation oder in der Nähe von Gewässern eingesetzt werden.

Gabionen im Kontext zeitgenössischer Freiraumplanung

Gabionen sind kein modischer Trend, sondern ein bewährtes, technisch ausgereiftes Bauelement mit einer langen Geschichte im Ingenieur- und Landschaftsbau. Ihre Stärke liegt in der Verbindung von Funktion und Gestalt: Sie erfüllen statische und hydraulische Aufgaben, bieten ökologische Potenziale und fügen sich durch ihre natürliche Materialität in eine Vielzahl von Freiraumkontexten ein. Ideen für Gabionen, die über die reine Stützmauer hinausgehen, zeigen, wie ein konstruktives Element zum gestalterischen Träger eines Freiraumkonzepts werden kann.

In der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur werden Gabionen zunehmend als Teil integrierter Freiraumkonzepte eingesetzt, die Stützkonstruktion, Sitzgelegenheit, Pflanzfläche und Lebensraum in einem Element vereinen. Die Kombination mit Wasserelementen, Beleuchtung oder Bepflanzung eröffnet gestalterische Möglichkeiten, die weit über das Bild der schlichten Steinwand hinausgehen. Gleichzeitig bleibt das Grundprinzip immer dasselbe: Masse, Flexibilität und Durchlässigkeit als konstruktive Tugenden, die in einer Vielzahl von Situationen funktionieren.

Wer Gabionen plant, sollte sie von Anfang an als Gesamtsystem denken: Gründung, Korb, Füllung, Geotextil, Hinterfüllung, Dränage und Vegetation gehören zusammen und müssen aufeinander abgestimmt sein. Nur dann entfalten Gabionen ihre volle Leistungsfähigkeit als langlebige, ökologisch wertvolle und gestalterisch überzeugende Elemente des Freiraums. Die Vielfalt der Ideen für Gabionen, die sich in der Praxis bewährt haben, belegt, dass dieses einfache Prinzip außerordentlich anpassungsfähig ist, wenn es mit Sachkenntnis und Gestaltungswillen eingesetzt wird.

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Into the wild – Entwurfsstudio zum Volkspark Prenzlauer Berg

Blick auf einen Kurve eines betonierten Wegs, der in einem dicht bewachsenen Wald einen Hügel hinaufführt. Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der TU Berlin mit dem Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin auseinander. Foto: Stefan Reimann
Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der TU Berlin mit dem Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin auseinander. Foto: Stefan Reimann

Der Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin entstand auf dem Trümmerschutt des Alexanderplatzes. Nur wenige Menschen verirren sich heute mehr in das Dickicht des wild erscheinenden Parks – für zahlreiche Wildtiere ist er ein wertvoller Lebensraum. Im Wintersemester 2022/23 setzten sich Masterstudierende der Landschaftsarchitektur und Umweltplanung der TU Berlin in einem Entwurfsstudio mit dem Park auseinander. Professor Stefan Reimann, der das Studio gemeinsam mit Professorin Barbara Hutter leitete, führt in den Hintergrund der Studienarbeiten ein.

Nicht nur in unserer Septemberausgabe 2023 machen wir Raum für Projekte aus dem Studium. Auch hier, auf unserer Webseite, stellen Studierende ihre eigenen Arbeiten selbst vor. Die Projekte finden Sie alle auf unserer Themenseite „Studium“ – und die Septemberausgabe gibt’s in unserem Shop.

Volkspark Prenzlauer Berg – Ein Park auf Trümmerschutt

Der Volkspark Prenzlauer Berg ist eine 29 Hektar große Parkanlage am östlichen Rand des Bezirks Pankow von Berlin – entstanden aus der früheren Oderbruchkippe. Mit diesem setzte sich eine Gruppe von 14 Masterstudierenden der TU Berlin am Institut für Landschaftsarchitektur und Umweltplanung (ILAUP), Fachgebiet Landschaftsbau/Objektbau (FG-LOB), auseinander. Das Entwurfsstudio „Into the wild“ fand unter der Leitung von Professorin Barbara Hutter und Professor Stefan Reimann im Wintersemester 2022/23 statt.

Den westlichen Teil des Parks bildet ein Trümmerberg-Doppelgipfel, der an der höchsten Stelle circa 90 Meter über dem Niveau der umgebenden Stadtquartiere aufragt. Ursprünglich entstanden hier, mit dem industriellen Aufschwung Berlins, ab 1871 Kleingärten und Einfamilienhäuser. Nach 1945, mit dem beginnenden Wiederaufbau, wurde der Trümmerschutt des Alexanderplatzes dort aufgebracht. So entstand die sogenannte „Oderbruchkippe“ aus rund 15 Millionen Kubikmeter Abraum. Auf dem so neumodellierten Gelände wurde Oberboden aufgetragen und Rasen angesät. Pioniergehölze (Pappeln, Eschen, Ahorn, Robinien, Weiden) wurden großflächig angepflanzt, später durch hochwertigere Bäume ergänzt.

Der Handlungsbedarf ist bekannt

1969 wurde der Park feierlich eingeweiht. In Folge entstand ein waldartiges Biotop mit 60 Prozent Gehölzanteil und 40 Prozent Wiesenflächen. Seit 1971 gibt es dort einen botanischen Lehrpfad, ab1979 gab es ein Feuchtbiotop (mittlerweile verlandet) und einen Abenteuerspielplatz (auch dieser nicht mehr existent). Ein Rodelhügel verblieb als schlichtes Nutzungsrelikt, Sandbienen siedelten sich dort in den Randbereichen an. Mit 57 Vogelarten und zahlreichen anderen Wildtieren ist er ein wertvoller Lebensraum.

Der Volkspark Prenzlauer Berg besticht – sommers wie winters – durch seine wilde, unprätentiöse, raue, aber atmosphärische Gestalt. Nur wenige Menschen verirren sich in das beindruckende Dickicht oder die hochgelegenen Wiesenplateaus. Die dichte Vegetation erlaubt keine Blickbezüge in die Umgebung. Der poröse Untergrund des Trümmerschutts lässt die Bäume im Sommer ausgedörrt, unter der zunehmenden Trockenheit leidend erscheinen. Totholz wird nicht entfernt, sondern dezidiert vor Ort belassen, zur Freude der Fauna, die Verkehrssicherheit gerade ausreichend sichergestellt. Die asphaltierten Wege sind teils aufgebrochen, sie heben und senken sich wellenförmig durch den Wurzeldruck der Bäume. Die karge, heruntergekommene Ausstattung verstärkt den vernachlässigten Eindruck. Ein Volkspark im Dornröschenschlaf, der darauf wartet entdeckt zu werden. Das Bezirksamt Pankow kennt den Handlungsbedarf, umfangreiche Kartierung von Flora und Fauna laufen bereits.

Der Ort hat die Teilnehmenden sofort und dauerhaft mit seiner speziellen Ausstrahlung sehr fasziniert.

Ein Thema konsequent bis ins Detail durcharbeiten

Sie haben den Park im strahlenden Herbstlaub, an grauen Tagen mit Regen und Nebel erlebt. Sie kennen ihn mit matschigem Laub, im Winter mit Schnee ebenso wie seine Savannenstimmung bei sengender Hitze und Trockenheit im August. Die Vielfalt der struppigen, vegetativen Strukturen und deren haptisch-sinnliche Qualitäten im urbanen Kontext überrascht, ebenso die tausenden Bäume und viele Tierarten, die bekannt sind aber für die Besuchenden größtenteils unsichtbar bleiben, genau wie die üppige Topografie des Parks.

Im Studio sollte dieser besonderen Aura des Ortes Rechnung getragen werden, durch den Versuch ihn in drei charakteristisch zugespitzten Varianten entwurflich zu bearbeiten. Die Varianten suchen keine Kompromisse zwischen den Interessenlagen, sondern zeigen bewusst klare Kante. Ein Thema sollte konsequent bis ins Detail durchgearbeitet werden.

Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin, Foto: Stefan Reimann
Volkspark Prenzlauer Berg in Berlin, Foto: Stefan Reimann

Mit diesen drei Szenarien konnten die Studierenden zum Volkspark Prenzlauer Berg arbeiten

Dazu wurden drei Szenarios für die entwurfliche Bearbeitung vorgegeben:

Animal Park: Ist das im urbanen Kontext erlaubt, macht das Sinn? Ein Park, bei dem die Tiere im Mittelpunkt stehen und nicht die Menschen, wo Lebensräume für Tiere nicht als Alibi, sondern bewusst gleichberechtigt, mindestens Koexistenz anstrebend entwickelt werden. Dabei spielen der behutsame Umgang mit dem wertvollen Bestand und die geschickte Besucherlenkung eine besondere Rolle.

Climatize: Klimatisieren, das große Thema unserer Zeit, stellt das zweite Szenario dar. Hier steht die Anpassung des Parks an den Klimawandel im Mittelpunkt. Wie kann der Baumbestand des Parks durch Transformation nachhaltig, also zukunftsfähig, entwickelt werden? Wie kann an dieser Stelle zeitgemäßes Regenwassermanagement aussehen?

Human Nature: Bei diesem Szenario stehen die Menschen und ihre (speziellen) Bedürfnisse an diesen Ort mit seinem besonderen Charakter im Mittelpunkt. Ein Park zugeschnitten auch auf außergewöhnliche Nutzungen, downhill-biking oder Kletterwald, nichts ist unmöglich, hier sind Pflanzen und Tiere eher nebensächlich.

Die Besonderheit: Videos repräsentieren die Entwürfe

Mit engagierter Unterstützung von Dipl.-Ing. Susanne Isabel Yacoub (laview) für den Bereich Landschaftsarchitektur und Video begann das Studio zunächst mit einer rationalen, klassischen Analyse zur Geschichte des Ortes, den Qualitäten des städtebaulich-freiraumplanerischen Umfeldes und des Volksparks selbst. Diese wurde komplementiert durch eine emotionale, sinnliche Analyse, dem Erspüren des Ortes mit Rundgängen und gemeinsamem Brainstorming, einer Foto- und Videodokumentation. Diese arbeiteten die Studierenden in Einzelarbeit dann in Form eines experimentellen Analysevideos, durch Collagen oder als Installation aus und überführten sie in einen ersten, schnellen Wochenstegreif.

Ganz klassisch entwickelten die Teilnehmer*innen daraus jeweils eine Konzeptidee und die darauf basierende entwurfliche Durcharbeitung in Einzelarbeit. Als Besonderheit entstanden auch Videos, die die Entwürfe der Studierenden repräsentieren, ein experimentelles Novum. So entstanden 14 sehr unterschiedliche Arbeiten, die im Entwurf bis ins Detail durchgearbeitet wurden und die Bandbreite der Möglichkeiten für diesen besonderen Ort ausloten. Die hier vorgestellten sechs Arbeiten repräsentieren ausschnitthaft die Vielfalt der Ideen und Entwürfe, die im Rahmen des Studios „Into the wild“ entstanden. Alle Videos sind auf Instagram unter @fg.lob zu finden.

Die Vertreter*innen des Bezirksamt Pankow zeigten sich zur Abschlusspräsentation begeistert. Sie möchten Ideen ankaufen und den Wunsch der Studioleitung aufgreifen, den Volkspark Prenzlauer Berg – im Rahmen eines Wettbewerbsverfahrens – zukunftsfähig aufzustellen.

 

 

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Sechs Arbeiten aus dem Entwurfsstudio „Into the Wild“ zum Volkspark Prenzlauer Berg

Hier geht es zu den Projekten der Studierenden, die sie selbst vorstellen:

Der Blick auf die Landschaft

F Rep. 290 Nr. 0083467 (Fotograf: Karl-Heinz Schubert)

Mit dem Hansaviertel wollte West-Berlin eine Alternative zu den dichten Gründerzeitvierteln bieten: Der Anteil an Grünflächen war um einiges höher als in den dicht bebauten Stadtteilen Berlins.

 

Der Blick auf die Stadt von einer Terrasse aus: In der Mitte fließt ein Fluss, seine Ufer gehören ganz der Natur und der Freizeit. Erst in gebührendem Abstand beginnt das städtische Leben. Autos, Lastkraftwagen, am Horizont die Hochhäuser für die neuen Städter, auch sie im Grünen. Menschen sieht man auf diesem Plakat mit der Überschrift „Die Stadt von morgen“ nur im Vordergrund. Sie stehen, als Zaunkönige, auf der Terrasse, ein kleiner Junge zeigt freudig auf das, was sich vor ihm ausbreitet.

Die Stadtlandschaft als Glücksmaschine: Die Zeichnung ziert eine Broschüre der Interbau von 1957. Mit der Westberliner Bauausstellung wollte der Senat der geteilten Stadt gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe schlagen: Dem Zuckerbäckerprotz der Stalin­allee im Ostteil Berlins das kosmopolitische Bauen gegenüberstellen, sich vom unmensch­lichen Wohnungskapitalismus der Gründerzeit distanzieren – und die Landschaft ins neue Bauen integrieren. Das Hansaviertel im Stadtteil Tiergarten sollte das erste Areal sein, in dem „die Stadt von morgen“ realisiert sein würde.
Wer heute durch das Viertel spaziert, sieht vor allem eines: Anders als die gründerzeitlichen Quartiere, die den Sprung in die neue Zeit ­mühelos bewältigt haben (und entsprechend gentrifiziert sind), hat das Hansaviertel Mühe, den Anschluss zu finden. Zwar sind die Bewohner – meist Eigentümer – zufrieden mit den Wohnungen, doch das Umfeld lässt zu wünschen übrig. Die Infrastruktur, Kaufhalle, ­U-Bahnhof, sind verwahrlost. Nur die Vögel zwitschern wie eh und je.

Hansaviertel: Das noble Quartier, vor dem Krieg dicht bebaut mit herrschaftlichen Gründerzeithäusern, war bei einem Bombenangriff 1943 weitgehend zerstört worden. Anfang der fünfziger Jahre wurde daraus so etwas wie der Testfall moderner Stadtplanung. Der Westberliner Senat lud international renommierte Architekten, darunter Oscar Niemeyer, Alvar Aalto, Walter Gropius oder Max Taut ein, unter Beweis zu stellen, dass Baukunst und sozialer Wohnungsbau kein Gegensatz sein müssen. Bis 1960 entstanden im Tiergarten Punkthochhäuser und Wohnscheiben, eine Bibliothek, ein Ladenzentrum, eine Kita und die Akademie der Künste. Zum Interbaujahr 1957 strömte eine Million Menschen auf die Baustelle und den Pavillon, ein Provisorium, das heute noch steht. Viele von ihnen nutzten die neue Gondelbahn, die vom Bahnhof Zoo zum Gelände führte. Das neue Bauen und seine Landschaft, das zeigte schon das Plakat „Die Stadt von morgen“, ist aus der Vogelperspektive am besten zu bestaunen.

„Ein Stil wird im Bauen fraglos sichtbar“, urteilte bereits damals in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Willi Grohmann. „Er ist so international wie alle Kunst heutzutage, die Wurzeln stecken im Erdreich, aber die Krone geht frei über alle Grenzen hinweg.“ Das hübsche Bild, das zeigen soll, dass auch die in den Himmel stürmende Moderne durchaus bodenständig und ihren Traditionen verhaftet ist, war zugleich auch eine Metapher für die neue Landschaftsverbundenheit der Städte­bauer. Und die ließ sich auch in Zahlen messen. Betrug in der Gründerzeit das Verhältnis zwischen bebauter und unbebauter Fläche das Verhältnis 1:1,5, wurde es im Hansaviertel auf 1:5,5 ausgeweitet. Was aber wird vom Hansaviertel und seiner Idee einer aufgelockerten, grünen Stadtlandschaft bleiben? Eine Alternative auch für künftige Architektengenerationen? Oder ein Irrtum der Baugeschichte, ein Auslaufmodell?

 

Den ganzen Beitrag lesen Sie in Garten + Landschaft 9/2015. Heft hier bestellen.