19.05.2022

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IG BAU fordert mehr Know-how für Sanierungen

von Juliane von Hagen
Der CO2-Ausstoß im Bereich von Gebäuden verfehlt die Klimaziele bei weitem. Die IG Bau fordert mehr Know-how

Der CO2-Ausstoß im Bereich von Gebäuden verfehlt die Klimaziele bei weitem. Die IG Bau fordert mehr Know-how

Das Umweltbundesamt zieht Bilanz. Und die sieht schlecht aus. Der CO2-Ausstoß im Bereich von Gebäuden verfehlt die Klimaziele. Daher fordert die IG Bau mehr Wissen. Insbesondere für Sanierungen bedarf es eines besseren Know-hows.

Das Umweltbundesamt hat neue Zahlen veröffentlicht, die Grund zur Sorge bieten. Denn im Gebäudesektor sind die Ziele zur Einsparung von CO2 deutlich verfehlt worden. Daher fordert die Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt, kurz die IG BAU, mehr Anstrengungen. Insbesondere bei der Sanierung von alten Gebäuden ist auf Klimaschutz zu achten. Dabei geht es nicht nur um das Erreichen der Klimaziele. Auch vor dem Hintergrund der aktuell steigenden Energiepreise, gewinnt die energetische Sanierung von Häusern an Bedeutung. Die IG Bau fordert daher, die bisher nicht sanierten alten Bauten so schnell wie möglich zu modernisieren. Das sieht die Gewerkschaft auch als ein sozialpolitisches Anliegen. Denn häufig leben Menschen mit geringem Einkommen in alten Gebäuden mit schlechter Energieeffizienz. Und wenn diese nicht saniert sind, tragen vor allem die Geringverdienenden einen großen Teil der Lasten. Das sieht die IG Bau kritisch und fordert vor diesem Hintergrund in diesem Handlungsfeld aktiver zu werden. 

Der CO2-Ausstoß im Bereich von Gebäuden verfehlt die Klimaziele bei weitem. Die IG Bau fordert mehr Know-how
Häufig leben Menschen mit geringem Einkommen in Gebäuden mit schlechter Energieeffizienz. (Foto: Pawel Czerwinski / Unsplash)

Sanierung alter Gebäude

Die Sanierung in die Jahre gekommener Häuser ist in mehrfacher Hinsicht wichtig. Zum einen sind die CO2-Werte im Gebäudesektor allgemein noch immer zu hoch. Zum anderen sieht die IG Bau aus sozialpolitischer Perspektive Handlungsbedarf. Da in schlecht sanierten Bauten vor allem Menschen mit kleinem Einkommen leben, sind sie von den aktuell steigenden Energiepreisen besonders betroffen. Um hier Abhilfe zu schaffen, setzt die IG Bau auf konsequentes und schnelleres Sanieren. Da sieht sie jedoch ein Problem: fehlendes Know-how. Insbesondere im Bereich von Sanierungen fehlt es den Betrieben im Baugewerbe oft an Wissen und Kapazitäten. 

Bauboom bindet Kapazitäten

Durch den noch immer anhaltenden Bauboom sind viele Unternehmen sehr gut ausgelastet. Da bleibt vielerorts kaum Zeit, das Personal zu schulen und weiterzubilden. Aber genau das wäre wichtig. Die IG Bau erachtet es als dringend notwendig, dass Beschäftigte in der Baubranche Fachwissen im Umgang mit neuen Materialien, Technologien und Vorschriften erwerben. Das betrifft laut IG Bau das Gewerk der Dachdecker*innen genauso wie das der Estrichleger*innen. Während auf dem Dach der Umgang mit Solaranlagen eine immer größere Rolle spielt, ist im Bereich des Fußbodenbaus der Umgang mit Dämmstoffen zunehmend von Bedeutung. Hier, aber auch in vielen weiteren Bereichen des Bauens, sind also qualifizierte Mitarbeitende unverzichtbar. Um diese zu qualifizieren, plädiert die IG Bau für eine Weiterbildungsoffensive. 

Solarpanele helfen, die CO2-Bilanz eines Gebäudes zu verbessern. (Foto: Bill Mead / Unsplash)

Weiterbildung kostet

Weiterbildung kostet nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Das sieht auch der Chef der IG Bau klar. Deshalb schlägt er vor, eine Offensive zur Weiterbildung über die Sozialkassen der Bauwirtschaft zu organisieren. Dabei orientiert sich die Gewerkschaft an der umlagefinanzierten Berufsausbildung. Die hat sich im Bauhauptgewerbe bereits bewährt und wird im Dachdecker- und Gerüstbauerhandwerk bereits praktiziert. Vor dem Hintergrund der guten Erfahrungen könnte das System nun ein Vorbild für die Ausbildung von Klima-Know-how sein.  Während große Betriebe Weiterbildungen noch einigermaßen gut tragen können, kommen insbesondere Kleinbetriebe an ihre Grenzen. Die Kosten für die Bildungsmaßnahmen und der Ausfall des Personals hemmen sie sehr. Hier kann das Modell der Umlage für die Sozialkassen der Bauwirtschaft besonders attraktiv sein. Es würde genau dort helfen, wo kleine Betriebe durch Kosten für die Fortbildung ihrer Beschäftigten überfordert sind.

Know-how ist nicht alles

Obwohl die Idee einer umlagefinanzierten Fortbildung dem IG Bau hilfreich erscheint, mahnt die Gewerkschaft jedoch. Sie ruft auch die Politik auf, die Baubranche stärker zu unterstützen. Denn selbst mit einem innovativen Ansatz für die Weiterbildung, ist eine flächendeckende, energetische Sanierung noch nicht gestemmt. Dafür sind auch zusätzliche Fördermittel wichtig. Es bedarf Anreize um das Sanieren von alten Gebäuden attraktiv zu machen und damit den Verbrauch von Energie zu reduzieren. Das sieht nicht nur die IG Bau so.

Auch das Umweltbundesamt sieht Handlungsbedarf im Gebäudesektor. Nach deren Berechnungen stießen Häuser in Deutschland im vergangenen Jahr 115 Millionen Tonnen Treibhausgase aus. Das sind zwar 3,3 Prozent weniger als im Jahr davor. Dennoch verfehlt der Bausektor damit weiterhin die Einsparziele der Bundesregierung. Und nicht nur geringfügig, sondern jährlich um 113 Millionen Tonnen CO2. Bei der Sanierung von Gebäuden gilt es also insgesamt besser zu werden. Das Ziel ist derzeit, dass 2045 alle Gebäude emissionsfrei sind. Das ist ehrgeizig. Vor dem Hintergrund gehen Expert*innen davon aus, dass jedes Jahr etwa zwei Prozent des Bestands modernisiert werden muss. Von dieser Quote sind wir aktuell weit entfernt. Im Augenblick liegt sie bei nur etwa einem Prozent. Kein Wunder, dass die IG Bau nun Alarm schlägt. 

 

Wie der Bund Kommunen finanziell bei der Klimaanpassung unterstützt, lesen sie hier.

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