Insektenfreundliche Stauden: Bedeutung, Maßnahmen und Praxis

Naturnahe, artenreiche Stadtnatur zum Thema Insektenfreundliche Stauden
Weiße und violette Blüten in selektiver Schärfe – ein stimmungsvoller Gartenmoment. (Foto: yungserif / Unsplash)

Insektenfreundliche Stauden sind weit mehr als eine ästhetische Entscheidung im Freiraum: Sie bilden das Rückgrat einer funktionalen, ökologisch wirksamen Bepflanzung in Stadtparks, Straßenbegleitgrün, Wohnumfeld und öffentlichem Freiraum. Wer versteht, welche Pflanzeneigenschaften Insekten tatsächlich nutzen, welche Planungsprinzipien eine dauerhafte Wirkung sichern und wie sich Artenwahl, Strukturvielfalt und Pflege zu einem kohärenten Konzept verbinden, kann Freiräume gestalten, die ökologische Funktion und gestalterische Qualität nicht gegeneinander ausspielen, sondern vereinen.

  • Was insektenfreundliche Stauden auszeichnet und wie sie sich von anderen Pflanzungen unterscheiden
  • Welche ökologischen Mechanismen hinter der Insektenfreundlichkeit stehen und warum nicht jede Blüte gleich wirkt
  • Wie Nektarwert, Pollenverfügbarkeit, Blühzeitpunkt und Strukturvielfalt zusammenspielen
  • Welche Staudenarten und Artengruppen besonders hohe ökologische Wirkung entfalten
  • Wie Pflanzplanung, Artenauswahl und Standortanpassung in der Praxis funktionieren
  • Welche Rolle Wildstauden, Kultivare und Züchtungen im Vergleich spielen
  • Wie Pflege und Rückschnitt die Insektenfreundlichkeit erhalten oder gefährden
  • Wie insektenfreundliche Staudenpflanzungen in den Kontext urbaner Biodiversitätsförderung eingebettet werden

Was insektenfreundliche Stauden sind: Definition und ökologische Einordnung

Insektenfreundliche Stauden sind krautige, mehrjährige Pflanzen, die durch ihre morphologischen und phänologischen Eigenschaften Insekten als Nahrungsquelle, Lebensraum oder Fortpflanzungshabitat dienen. Der Begriff ist in der Planungspraxis weit verbreitet, aber selten präzise definiert. Insektenfreundlichkeit ist keine binäre Eigenschaft, sondern ein Spektrum: Eine Pflanze kann für bestimmte Insektengruppen hochwertig sein, für andere kaum relevant. Für eine fachlich belastbare Einschätzung müssen mindestens drei Dimensionen unterschieden werden: der Nahrungswert durch Nektar und Pollen, die strukturelle Funktion als Lebensraum und Überwinterungshabitat sowie die Bindung an spezifische Pflanzen-Insekten-Beziehungen, wie sie bei oligolektischen Wildbienen vorkommen, die auf bestimmte Pflanzengattungen angewiesen sind.

Stauden als Pflanzenkategorie umfassen alle ausdauernden, krautigen Pflanzen, die in der Regel oberirdisch einziehen und aus einem dauerhaften Wurzel- oder Rhizomsystem neu austreiben. Sie unterscheiden sich von Gehölzen durch das Fehlen dauerhafter verholzter Triebe und von Annuellen durch ihre Mehrjährigkeit. Diese Eigenschaft macht sie für die Freiraumplanung besonders wertvoll: Einmal etabliert, liefern sie über viele Jahre stabile ökologische Leistungen, ohne jährlichen Neuaufwand. Insektenfreundliche Stauden im Planungskontext sind demnach Arten, die nachweislich von blütenbesuchenden Insekten, Larven oder überwinternden Tieren genutzt werden und dabei einen messbaren Beitrag zur lokalen Biodiversität leisten.

Die Abgrenzung zu anderen Pflanzenkategorien ist für die Praxis relevant. Gehölze, Gräser und Zwiebelpflanzen können ebenfalls insektenfreundlich sein, aber Stauden bilden in strukturierten Pflanzungen oft die artenreichste und visuell präsenteste Schicht. In der Staudenplanung nach dem Lebensbereich-Konzept, das von Richard Hansen und Friedrich Stahl systematisiert und von späteren Autoren wie Cassian Schmidt weiterentwickelt wurde, werden Stauden nach ihren natürlichen Standortansprüchen in Lebensbereiche eingeteilt. Dieses Konzept ist nicht nur gärtnerisch relevant, sondern auch ökologisch: Pflanzen, die an ihrem standortgerechten Platz wachsen, sind vitaler, blühen üppiger und bieten Insekten damit eine verlässlichere Ressource.

Ökologische Mechanismen: Nektar, Pollen, Blühzeit und Pflanzen-Insekten-Bindung

Die Insektenfreundlichkeit einer Staude hängt von mehreren funktionalen Merkmalen ab, die sich gegenseitig ergänzen oder begrenzen. Nektar ist der primäre Energielieferant für viele blütenbesuchende Insekten, darunter Bienen, Hummeln, Schmetterlinge, Schwebfliegen und zahlreiche Käferarten. Nektarmenge und Nektarkonzentration variieren stark zwischen Arten und sogar zwischen Individuen derselben Art, abhängig von Standort, Witterung und Pflanzengesundheit. Pollen dagegen ist die wichtigste Proteinquelle, besonders für Wildbienen, die ihn als Larvenproviant sammeln. Eine Pflanze, die reichlich Nektar, aber kaum zugänglichen Pollen bietet, ist für pollensammelnde Insekten weniger wertvoll als eine, die beides in zugänglicher Form bereitstellt.

Die Blütenarchitektur entscheidet maßgeblich darüber, welche Insektengruppen eine Pflanze nutzen können. Offene, flache Blüten mit leicht zugänglichem Nektar, wie sie viele Doldenblütler (Apiaceae) und Korbblütler (Asteraceae) zeigen, sind für ein breites Insektenspektrum zugänglich, einschließlich kurzzüngiger Wildbienen und Schwebfliegen. Röhrenblüten, wie sie bei Salbei (Salvia), Ehrenpreis (Veronica) oder Natternkopf (Echium) vorkommen, sind auf langrüsselige Insekten spezialisiert und fördern damit gezielt bestimmte Bienenarten. Gefüllte Blüten, die durch züchterische Selektion entstanden sind, können Nektar und Pollen vollständig unzugänglich machen, weil die Blütenorgane von Kronblättern überdeckt werden. Dieses Merkmal ist eines der wichtigsten Ausschlusskriterien bei der Artenwahl für insektenfreundliche Pflanzungen.

Der Blühzeitpunkt ist eine weitere Schlüsselvariable. Insekten benötigen über die gesamte Aktivitätssaison hinweg Nahrungsquellen, von frühen Hummelköniginnen im März bis zu spät fliegenden Schwebfliegen und Tagfaltern im Oktober. Eine Pflanzung, die nur im Hochsommer blüht, deckt dieses Spektrum nicht ab. Für die Planung bedeutet das, Arten mit gestaffelten Blühzeiten zu kombinieren, sodass eine kontinuierliche Ressourcenverfügbarkeit entsteht. Frühjahrsblüher wie Lungenkraut (Pulmonaria), Blaustern-Stauden oder Taubnessel (Lamium) schließen die Lücke nach dem Winter. Herbstblüher wie Astern (Symphyotrichum, Aster), Fetthenne (Hylotelephium, früher Sedum) und Sonnenhut (Rudbeckia) sind für spät fliegende Insekten und die Vorbereitung auf die Überwinterung unverzichtbar.

Oligolektische Wildbienen stellen eine besondere Anforderung dar. Diese Bienenarten sammeln Pollen ausschließlich von bestimmten Pflanzengattungen oder -familien. Die Glockenblumen-Scherenbiene (Chelostoma rapunculi) etwa ist auf Glockenblumen (Campanula) angewiesen; ohne diese Pflanzengattung im Umkreis kann sie sich nicht fortpflanzen. Für eine Planung, die gezielt seltene oder spezialisierte Wildbienen fördern will, reicht ein allgemeines Angebot blühender Stauden nicht aus. Hier müssen die Wirtspflanzen der Zielarten bekannt sein und bewusst in die Pflanzung integriert werden. Diese Ebene der Planung geht über allgemeine Insektenfreundlichkeit hinaus und berührt den Bereich des gezielten Artenschutzes.

Artenauswahl: Wildstauden, Kultivare und die Frage der Herkunft

In der Diskussion über insektenfreundliche Stauden ist die Frage nach Wildformen gegenüber Züchtungen und Kultivaren zentral. Wildstauden, also Arten, die ohne züchterische Veränderung ihrer natürlichen Erscheinungsform entsprechen, gelten als ökologisch zuverlässiger, weil ihre Blütenstruktur, ihr Nektarangebot und ihre Pollenproduktion nicht durch Selektion auf rein ästhetische Merkmale verändert wurden. Heimische Wildstauden haben zudem den Vorteil, dass sie in langen Ko-Evolutionsprozessen mit der einheimischen Insektenfauna entstanden sind. Viele Insekten erkennen heimische Pflanzen über chemische Signale, die in Züchtungen verändert oder abgeschwächt sein können.

Kultivare, also durch gezielte Züchtung oder Selektion entstandene Sorten, sind nicht pauschal insektenfeindlich. Es gibt Kultivare, die ihre Blütenarchitektur und Nektarproduktion vollständig erhalten haben und lediglich in Farbe, Wuchshöhe oder Blühzeitpunkt variieren. Andere Kultivare dagegen weisen gefüllte Blüten, stark veränderte Blütenfarben oder reduzierte Pollenproduktion auf, die ihre ökologische Wirkung erheblich mindern. Für die Praxis empfiehlt es sich, Kultivare anhand ihrer Blütenstruktur zu beurteilen: Ist der Nektar zugänglich? Sind Staubbeutel sichtbar und erreichbar? Ist die Blüte offen oder geschlossen? Diese Fragen lassen sich bei den meisten Arten durch Inaugenscheinnahme beantworten.

Besonders wertvolle Staudenarten für insektenfreundliche Pflanzungen umfassen eine breite Palette. Zu den ökologisch hochwertigsten Gruppen zählen:

  • Doldenblütler wie Wilder Kerbel (Anthriscus sylvestris), Engelwurz (Angelica sylvestris) und Bärenklaue (Heracleum sphondylium) für ein breites Insektenspektrum
  • Korbblütler wie Sonnenhut (Echinacea, Rudbeckia), Astern (Symphyotrichum), Schafgarbe (Achillea) und Rindsauge (Buphthalmum)
  • Lippenblütler wie Salbei (Salvia pratensis, S. nemorosa), Thymian (Thymus), Oregano (Origanum) und Katzenminze (Nepeta)
  • Glockenblumen (Campanula) in verschiedenen Arten als Wirtspflanzen oligolektischer Bienen
  • Fetthenne (Hylotelephium spectabile und Verwandte) als Spätsommertracht
  • Natternkopf (Echium vulgare) als eine der nektarreichsten heimischen Pflanzen überhaupt
  • Lungenkraut (Pulmonaria officinalis und Verwandte) als frühe Hummelnahrung
  • Wiesenknopf (Sanguisorba) als Wirtspflanze für spezialisierte Falterarten

Die Herkunft des Pflanzenmaterials gewinnt in der Fachpraxis zunehmend an Bedeutung. Gebietseigenes Saatgut und Pflanzen aus regionaler Produktion, wie sie unter dem Qualitätsmerkmal „Regiosaaten“ oder vergleichbaren Zertifizierungen angeboten werden, sind genetisch an die regionalen Bedingungen angepasst und fördern die Vernetzung lokaler Insektenpopulationen. Für großflächige Pflanzungen im öffentlichen Raum, besonders in Schutzgebieten oder deren Umfeld, ist die Verwendung gebietseigenen Materials fachlich geboten und in manchen Bundesländern planungsrechtlich vorgeschrieben.

Planung und Standortanpassung: Wie insektenfreundliche Staudenpflanzungen gelingen

Eine insektenfreundliche Staudenpflanzung beginnt nicht mit der Artenliste, sondern mit der Standortanalyse. Boden, Wasserversorgung, Licht und Mikroklima bestimmen, welche Arten dauerhaft vital bleiben und damit ihre ökologische Funktion erfüllen können. Eine Pflanze, die am falschen Standort kämpft, blüht spärlich, ist anfällig für Krankheiten und bietet Insekten weniger Ressourcen als eine vitale Pflanze am richtigen Platz. Das Lebensbereich-Konzept liefert hier den systematischen Rahmen: Steppenpflanzen auf durchlässigem, nährstoffarmem Boden, Waldrandstauden in halbschattiger Lage mit frischem Substrat, Feuchtwiesenstauden in Bereichen mit höherer Bodenfeuchte.

Nährstoffarme Standorte sind für insektenfreundliche Pflanzungen besonders wertvoll, weil sie die Artenvielfalt fördern und konkurrenzstarke Gräser und Nitrophyten zurückhalten. Viele der ökologisch wertvollsten Staudenarten, darunter Natternkopf, Schafgarbe, Thymian, Salbei und zahlreiche Korbblütler, stammen aus mageren Standorten und verlieren auf nährstoffreichen Böden ihre Vitalität und Blühfreudigkeit zugunsten von Blattmasse. Für die Anlage neuer insektenfreundlicher Pflanzungen auf ehemaligen Intensivstandorten kann daher ein gezielter Bodenabschub oder die Einmischung von Kies und Sand in das Substrat sinnvoll sein, um die Nährstoffverfügbarkeit zu reduzieren.

Die Strukturvielfalt einer Pflanzung ist ein weiteres Planungsprinzip mit direkter ökologischer Wirkung. Unterschiedliche Wuchshöhen, Blütenformen und Blühzeiten erhöhen die Habitatqualität für verschiedene Insektengruppen gleichzeitig. Hohe Stauden mit markanten Stängeln, wie Königskerze (Verbascum), Eisenhut (Aconitum) oder Fingerhut (Digitalis), bieten Nistmöglichkeiten für markbewohnende Wildbienen. Niedrige, dicht wachsende Polsterstauden schaffen Mikrohabitate am Boden. Offene Bodenstellen zwischen Pflanzen, die in einer naturnahen Pflanzung bewusst erhalten werden, sind für bodennistende Wildbienen unverzichtbar, da rund siebzig Prozent aller heimischen Wildbienenarten ihre Nester im Boden anlegen.

Die räumliche Einbettung einer insektenfreundlichen Staudenpflanzung in das Umfeld bestimmt ihre Vernetzungsfunktion. Isolierte Pflanzinseln in einer ansonsten versiegelten oder intensiv gepflegten Umgebung haben eine begrenzte Wirkung, weil viele Insekten nur geringe Aktionsradien haben und auf ein kontinuierliches Netz von Habitaten angewiesen sind. Lineare Strukturen wie Straßenbegleitgrün, Böschungen und Gewässerränder können als Korridore fungieren, die Pflanzungen miteinander verbinden. In der städtischen Freiraumplanung ist die Vernetzung insektenfreundlicher Flächen daher ebenso wichtig wie die Qualität der einzelnen Fläche.

Pflege und Rückschnitt: Was Insekten das ganze Jahr brauchen

Die Pflege insektenfreundlicher Staudenpflanzungen unterscheidet sich grundlegend von der konventionellen Staudenpflege. Das wichtigste Prinzip ist der Verzicht auf den vollständigen Herbstrückschnitt. Abgestorbene Stängel, Samenstände und Blattrosetten sind keine Unordnung, sondern Winterhabitat: Hohle oder markige Stängel werden von zahlreichen Wildbienenarten als Nistplatz genutzt. Samenstände bieten Vögeln Nahrung und schützen die Pflanzenbasis vor Frost. Blattrosetten und Laubschichten am Boden beherbergen überwinternde Insekten, Spinnen und andere Kleintiere. Ein Rückschnitt im Herbst vernichtet diese Strukturen und reduziert die ökologische Winterleistung der Pflanzung drastisch.

Der Rückschnitt sollte idealerweise im späten Winter oder frühen Frühjahr erfolgen, wenn die Temperaturen dauerhaft über fünf bis acht Grad steigen und die überwinternden Insekten die Stängel verlassen haben. Selbst dann empfiehlt es sich, nicht alle Stängel auf einmal zu entfernen, sondern einen Teil stehen zu lassen oder in einer Ecke der Pflanzung zu deponieren, damit spät ausschlüpfende Arten nicht obdachlos werden. Diese Praxis ist in der Fachpflege insektenfreundlicher Anlagen heute Standard und findet sich in den Empfehlungen der Deutschen Gartenbau-Gesellschaft ebenso wie in den Pflegehinweisen der Deutschen Wildtier Stiftung.

Unkrautmanagement in insektenfreundlichen Staudenpflanzungen erfordert Fingerspitzengefühl. Nicht jede spontan aufkommende Pflanze ist unerwünscht: Brennnessel (Urtica dioica) ist Wirtspflanze für zahlreiche Schmetterlingsraupen, Vogelmiere (Stellaria media) bietet frühe Pollenressourcen, und Wegerich (Plantago) ist Wirtspflanze für den Roten Scheckenfalter. Eine differenzierte Beurteilung spontaner Vegetation, die zwischen invasiven Problemarten und wertvollen Begleitpflanzen unterscheidet, ist Bestandteil einer fachgerechten Pflege. Chemische Unkrautbekämpfung ist in insektenfreundlichen Pflanzungen grundsätzlich kontraindiziert, da Herbizide nicht nur Pflanzen, sondern auch Insekten und deren Nahrungsgrundlagen schädigen.

Bewässerung sollte in standortgerecht geplanten Pflanzungen nach der Etablierungsphase, die in der Regel zwei bis drei Vegetationsperioden umfasst, weitgehend entbehrlich sein. Übermäßige Bewässerung fördert üppiges Blattwachstum auf Kosten der Blütenbildung und verändert die Standortbedingungen zugunsten konkurrenzstarker Arten. Für die Pflege großflächiger Pflanzungen im öffentlichen Raum ist die Reduktion des Pflegeaufwands nach der Etablierung ein wichtiges wirtschaftliches Argument, das insektenfreundliche Staudenpflanzungen gegenüber konventionellen Wechselbepflanzungen oder Rasenflächen klar bevorzugt.

Insektenfreundliche Stauden im urbanen Kontext: Potenziale und Grenzen

Städte sind keine ökologischen Wüsten. Zahlreiche Untersuchungen belegen, dass urbane Räume eine überraschend hohe Wildbienenvielfalt beherbergen können, wenn ausreichend Nahrungsressourcen und Nisthabitate vorhanden sind. Insektenfreundliche Staudenpflanzungen sind in diesem Kontext ein wirksames Instrument, das auf vergleichsweise kleinen Flächen große Wirkung entfalten kann. Straßenbegleitgrün, Kreisverkehrbepflanzungen, Parkanlagen, Schulhöfe, Friedhöfe und Wohnumfeldgrün bieten zusammen eine erhebliche potenzielle Habitatfläche, die durch gezielte Artenauswahl und angepasste Pflege ökologisch aufgewertet werden kann.

Die Grenzen insektenfreundlicher Staudenpflanzungen liegen dort, wo strukturelle Defizite des urbanen Raums nicht durch Pflanzenwahl allein kompensiert werden können. Fehlende Nisthabitate, Lichtverschmutzung, Pestizideintrag aus dem Umfeld, Bodenverdichtung und Hitzeinseln sind Faktoren, die die Wirksamkeit auch gut geplanter Pflanzungen einschränken. Eine umfassende Strategie zur Förderung urbaner Insekten muss daher über die Pflanzenwahl hinausgehen und Aspekte wie Bodenqualität, Lichtmanagement, Vernetzung und die Reduktion von Pestiziden im gesamten Planungsgebiet einbeziehen.

Kommunikation und Akzeptanz sind in der Praxis unterschätzte Faktoren. Insektenfreundliche Staudenpflanzungen sehen in bestimmten Phasen, besonders im Winter mit stehenden Stängeln und im Frühjahr vor dem Neuaustrieb, für ungeübte Augen ungepflegt aus. Informationstafeln, Bürgerbeteiligung und die gezielte Gestaltung von Eingangsbereichen mit ordnenden Elementen wie Wegen, Einfassungen oder immergrünen Begleitpflanzen können helfen, die gesellschaftliche Akzeptanz zu sichern. Ohne Akzeptanz werden selbst ökologisch wertvolle Pflanzungen durch Beschwerden und politischen Druck zurückgeschnitten oder entfernt, bevor sie ihre volle Wirkung entfalten können.

Insektenfreundliche Staudenpflanzungen als Planungsaufgabe mit Zukunft

Insektenfreundliche Stauden sind kein Trend, der sich nach einigen Saisons erschöpft. Sie sind Ausdruck eines grundlegenden Wandels im Verständnis von Freiraumplanung: weg von rein ästhetischer Gestaltung, hin zu multifunktionalen Flächen, die ökologische Leistungen erbringen und gleichzeitig gestalterisch überzeugen. Dieser Wandel ist durch den wissenschaftlich belegten Rückgang von Insektenpopulationen, durch politische Zielsetzungen auf europäischer und nationaler Ebene sowie durch ein wachsendes gesellschaftliches Bewusstsein für Biodiversität getrieben.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner bedeutet das eine erweiterte fachliche Verantwortung. Die Kenntnis ökologischer Zusammenhänge, die Fähigkeit zur standortgerechten Artenauswahl und das Verständnis für die Dynamik naturnaher Pflanzungen gehören heute zum Kernkompetenzbereich des Berufsfelds. Gleichzeitig bietet die wachsende Nachfrage nach insektenfreundlichen Lösungen im öffentlichen und privaten Freiraum eine Chance, Planungsqualität und ökologische Wirksamkeit als untrennbare Einheit zu positionieren.

Die Praxis zeigt, dass gut geplante insektenfreundliche Staudenpflanzungen langfristig pflegeleichter, kostengünstiger und stabiler sind als konventionelle Bepflanzungen, sofern die Standortanpassung stimmt und die Pflege konsequent auf die ökologischen Ziele ausgerichtet ist. Sie sind damit nicht nur ein Beitrag zum Artenschutz, sondern auch ein wirtschaftlich rationales Argument für eine andere Art des Planens und Pflegens von Freiräumen. Wer insektenfreundliche Stauden als Planungsinstrument beherrscht, verfügt über ein Werkzeug, das ästhetische, ökologische und wirtschaftliche Qualitäten in sich vereint und damit den Anforderungen einer zukunftsfähigen Freiraumplanung vollständig entspricht.

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In unserer November-Ausgabe drehte sich alles um das Thema Stadtbäume. Lesen Sie hier mehr davon.

Lokale Regenwasserbewirtschaftung „Kirkebjerg“

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In der circa 10 Hektar großen Wohnsiedlung „Kirkebjerg“ in Ballerup, Dänemark gab es in der Vergangenheit immer wieder Probleme mit Überschwemmungen und feuchten Kellern. Gleichzeitig hatten die lokalen Entsorgungsbetriebe ein Interesse daran die örtliche Kanalisation zu entlasten, um Kanalüberläufe im weiteren Verlauf des Kanalnetzes zu reduzieren. So entstand ein Projekt zur lokalen Regenwasserbewirtschaftung und Starkregenvorsorge in den weitläufigen Rasenflächen der Wohnsiedlung.

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Gemeinsam mit einem Anwohnerarbeitskreis hat gruppe F Landschaftsarchitekten aus Berlin über mehrere Workshops ein Gestaltungskonzept für die Flächen entwickelt. Inspiration dafür gab das Bild von Wassertropfen auf einer glatten Oberfläche. Die überschüssige Erde aus dem Aushub von Versickerungsmulden wurde zu kreisrunden Hügel verschiedener Größe modelliert. Auf diese Art und Weise musste keine Erde abgefahren werden und es entstand eine schlichte grüne Rasenlandschaft mit kleinen Becken und Hügeln, die je nach Wasserstand ihr Aussehen ändert. Kleine „Wasserpfützen“ in einer grünen Rasenlandschaft werden bei starken Regenereignissen zu großen blauen „Seen“ mit runden grünen Inseln.

In dieser Landschaft liegen verstreut kleine „Oasen“ für die Bewohner mit einfachen Spielelementen, Bepflanzungen und Aufenthaltsbereichen.

Das Projekt wurde von gruppe F Landschaftsarchitekten gemeinsam mit dem dänischen Büro Gaihede a/s bearbeitet und wird seit 2018 schrittweise durch das dänische Büro vor Ort realisiert.

Den Beitrag zum Kurt-Schumacher Quartier in Berlin finden Sie in der G+L 04/2019.