In Städten treffen viele Menschen aufeinander – junge und alte Menschen, Personen mit und ohne Einwanderungs­ geschichte, verschiedene soziale Gruppen. Daraus ergibt sich eine Vielfalt an Nutzungsansprüchen, Bedürfnissen und Interessen an öffentliche Räume. Wie sich diese gestalten lassen und ob der öffentliche Raum auch dazu beitragen kann, Integration zu fördern, diskutieren wir in diesem Heft mit verschiedenen Expert*innen. Coverfoto: He Junhui auf Unsplash

Während die Diskussionen um Migration und Integration in Deutschland hitziger werden, bleiben Freiräume als Orte der Begegnung oft ungenutzt. Eine WZB-Studie von 2023 zeigt, dass Armutssegregation in einigen Teilen Deutschlands in den vergangenen Jahren zugenommen hat – die Schere zwischen armen und reichen Vierteln also wächst. Ein weiteres Ergebnis: Wo besonders viele arme Personen wohnen, leben auch besonders viele Menschen mit nicht deutscher Staatsangehörigkeit. Wir fragen, inwiefern  städtebauliche Maßnahmen im öffentlichen Raum zu Integration beitragen können, wie durch gezielte Freiraumplanung soziale Barrieren abgebaut und Begegnungsorte geschaffen werden können und auf welche Herausforderungen man hierbei stößt.

Hitzige Sachlichkeit

In den aktuellen Debatten um Migration und Integration fehlt häufig eine wesentliche Komponente: die Sachlichkeit. Gesellschaft und Politik führen die damit verbundenen Diskussionen hitzig, Forderungen wie gegenseitige Vorwürfe überschlagen sich. Vorab: Von solch meinungsmachenden Argumentationslinien – in alle Richtungen – distanzieren wir uns im vorliegenden Heft ganz bewusst.

Verbindung mit Ziel

Erwarten Sie also bitte keine halbstarken Parolen in diesem Heft. Das Ziel der G+L-Redaktion war es vielmehr, sich im Rahmen fakten- und quellenbasierter Recherchearbeit einem der akuten Themen der deutschen, aber auch europäischen Stadtgesellschaft zu widmen: der Integration. Einem Thema, das uns derzeit wohl kaum stärker spalten könnte und gleichzeitig immense Auswirkungen auf das Zusammenleben in unseren Städten hat.
Eine WZB-Studie von 2023 zeigt, dass Armutssegregation in einigen Teilen Deutschlands in den vergangenen Jahren zugenommen hat – die Schere zwischen armen und reichen Vierteln also wächst. Ein weiteres Ergebnis der Studie: Wo besonders viele arme Personen wohnen, leben auch besonders viele Menschen mit nicht deutscher Staatsangehörigkeit. Was genau das für unsere Städte zu bedeuten hat, erklärt uns Soziologe Marcel Helbig, der die Studie erstellte, im Interview. Zudem diskutieren wir im vorliegenden Heft mit Birgit Glorius, Erol Yildiz, Noa K. Ha und weiteren Expert*innen , welche Auswirkungen erfolgreiche sowie fehlende Integrationsmaßnahmen auf unsere Gesellschaft und Städte haben. Zudem wollen wir wissen, welche Möglichkeiten Stadtentwicklung und Freiraumgestaltung überhaupt haben, um soziale Barrieren abzubauen, Menschen unterschiedlicher Herkunft miteinander zu verbinden, ob das überhaupt zielführend ist und wo die Grenzen der Integration im öffentlichen Freiraum liegen.

Stadt-Spezial 2025

Vielleicht haben Sie das kleine „Stadt-Spezial“-Logo auf dem Cover entdeckt? Diese G+L ist die dritte Ausgabe des diesjährigen Stadt-Spezials. Das machen wir inzwischen seit mehreren Jahren. In drei Ausgaben beschäftigen wir uns mit drei besonders akuten Themen, denen sich unsere Städte aktuell stellen müssen. Dieses Jahr im Fokus: Sicherheit, Bürokratie und Integration.

Gemeinsam mitgestalten

Konkret werfen wir dafür noch jeweils Blicke nach Bonn, Duisburg, Kiel, Köln, Mannheim und München – sowohl auf aktuelle Projekte sowie auf solche, die bereits ein paar Jahre bestehen und deren Wirkung in die jeweiligen Stadtviertel hinein sich nun abzeichnet. Was wir uns in der Redaktion aus diesem Heft mitnehmen: Auch wenn eine Freiraumgestaltung bestimmte Probleme nicht abschließend zu lösen vermag, kann der öffentliche Raum gesellschaftliche Integration mitgestalten und wichtige Orte der Begegnung schaffen.

Theresa Ramisch, Chefredaktion
t.ramisch@georg-media.de

und

Anna Martin, Redaktion
a.martin@georg-media.de

Das Heft gibt es hier im Shop.

Hier können Sie das diesjährige StadtSpezial vorbestellen.

In unserer Mai-Ausgabe drehte sich alles um Bürokratie. Lesen Sie hier mehr davon.

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Was ist Fine-Tuning – wenn KI auf die Stadt spezialisiert wird

KI-Chip in Computerverbauung als Symbol für Fine-Tuning, das KI auf Stadtplanung spezialisiert.
Hardware für gezieltes KI-Training aus Daten zu Stadtexpertise.

Künstliche Intelligenz, die für Städte denkt? Fine-Tuning macht genau das möglich: Aus generischer KI wird Stadtexpertise, aus Daten wird urbanes Wissen. Wer Stadtplanung, Mobilität oder Klimaanpassung auf das nächste Level heben will, kommt am gezielten Training von KI nicht mehr vorbei. Doch was steckt hinter dem Buzzword Fine-Tuning – und wie wird künstliche Intelligenz wirklich zur Spezialistin für urbane Herausforderungen?

  • Definition und Grundlagen: Was ist Fine-Tuning und warum ist es relevant für die Stadtplanung?
  • Technische Hintergründe: So werden KI-Modelle auf urbane Daten und Fragestellungen spezialisiert.
  • Anwendungsbeispiele: Von Mobilitätsprognosen bis Klimaanalyse – Fine-Tuning im städtischen Alltag.
  • Chancen und Risiken: Welche Potenziale und Fallstricke bringt der Einsatz feinjustierter KI-Modelle in Kommunen?
  • Governance, Transparenz und Ethik: Wer kontrolliert die KI und wie bleibt Stadtplanung demokratisch?
  • Ausblick: Wie verändert KI mit Fine-Tuning das Selbstverständnis der Planer und die Zukunft der urbanen Entwicklung?

Fine-Tuning: Die Kunst, Künstliche Intelligenz zur Stadtmacherin zu machen

Fine-Tuning klingt nach Feinarbeit, nach Präzision und nach einer gewissen Eleganz – und tatsächlich trifft das den Kern. Denn Fine-Tuning beschreibt nichts anderes als die gezielte Anpassung eines bestehenden KI-Modells an spezifische Anforderungen und Daten. Während große Sprachmodelle wie GPT oder Bild-KI-Systeme wie Stable Diffusion ursprünglich auf gigantischen, allgemeinen Datensätzen trainiert werden, ist ihre allgemeine Intelligenz für urbane Fachfragen oft zu vage, zu unspezifisch, zu brav. Genau hier kommt Fine-Tuning ins Spiel: Die KI wird mit gezielten, hochwertigen und urban relevanten Beispielen nachtrainiert. So lernt sie, nicht nur generisch zu antworten, sondern urbane Komplexität und Kontext zu verstehen, zu simulieren und zu bewerten.

Für die Stadtplanung bedeutet das: KI kann lernen, Bebauungspläne zu interpretieren, Mobilitätsdaten zu analysieren, Klimaszenarien für spezifische Stadtteile zu simulieren oder gar Vorschläge für die Quartiersentwicklung zu generieren – und zwar nicht auf dem Niveau „Stadt ist gleich Stadt“, sondern mit tiefem Verständnis für lokale Besonderheiten, rechtliche Rahmenbedingungen und planerische Leitbilder. Fine-Tuning ist damit der entscheidende Schritt, um KI aus dem Elfenbeinturm generischer Modelle in die Werkstatt der urbanen Praxis zu holen.

Das Prinzip ist dabei so einfach wie wirkungsvoll: Ein bereits trainiertes Modell wird gezielt mit urbanen Fachtexten, Plandaten, Verkehrsdaten, Klimaaufzeichnungen oder Bürgerbeteiligungsprotokollen weitertrainiert. Die KI verfeinert ihre neuronalen Verknüpfungen, entwickelt Spezialwissen und kann so auf Fragen reagieren, die vorher außerhalb ihres Horizonts lagen. Statt allgemeiner Floskeln liefert sie belastbare Analysen, konkrete Prognosen oder kreative Entwurfsvarianten – und das oft in einer Geschwindigkeit, die klassische Planungsinstrumente alt aussehen lässt.

Natürlich ist Fine-Tuning kein Zaubertrick, sondern ein anspruchsvoller Balanceakt. Die richtige Auswahl und Aufbereitung der Trainingsdaten entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. Wer der KI nur fehlerhafte, veraltete oder politisch gefärbte Beispiele füttert, bekommt am Ende eine schiefe Sicht auf die Stadt zurück. Doch mit Sorgfalt, Expertise und einem klaren Zielbild wird Fine-Tuning zum Gamechanger: Die KI wird zum urbanen Co-Piloten, stets auf dem neuesten Stand, lernfähig und anpassbar.

Die Auswirkungen sind bereits sichtbar – zumindest dort, wo mutige Kommunen und Planungsbüros KI nicht nur als Experiment, sondern als integralen Bestandteil moderner Stadtentwicklung begreifen. Fine-Tuning ist dabei der Schlüssel, um aus dem technologischen Hype echte Mehrwerte für die urbane Praxis zu schaffen. Wer heute versteht, wie KI gezielt auf die Stadt spezialisiert wird, gestaltet morgen nicht nur effizienter, sondern auch kreativer, inklusiver und resilienter.

Von der Theorie zur Praxis: Wie Fine-Tuning urbane KI-Modelle entstehen lässt

Die technische Grundlage von Fine-Tuning ist ebenso faszinierend wie herausfordernd. Im Kern handelt es sich um ein Verfahren des Transfer-Lernens: Ein großes, bereits auf allgemeine Muster trainiertes KI-Modell wird mit zusätzlichen, spezifischen Daten weiter trainiert, um Domänenwissen zu erwerben. Für die Stadtplanung bedeutet das, dass ein Sprachmodell wie GPT nicht nur allgemeines Wissen über Städte enthält, sondern gezielt mit Plänen, Verordnungen, Datensätzen und lokalem Wissen gefüttert wird. Das Modell lernt so, typische Fragen, Begriffe und Aufgabenstellungen der urbanen Planung zu verstehen und zu verarbeiten.

Der Prozess beginnt mit der Auswahl der Trainingsdaten. Hier trennt sich die Spreu vom Weizen: Nur qualitativ hochwertige, aktuelle und diversifizierte Daten führen zu einem leistungsfähigen Spezialmodell. In der Praxis bedeutet das beispielsweise, dass Bebauungspläne, GIS-Daten, Mobilitäts- und Umweltdaten, Bürgerbeteiligungsprotokolle und rechtliche Texte in strukturierter Form aufbereitet werden. Diese Daten müssen nicht nur korrekt, sondern auch repräsentativ für die Vielfalt urbaner Kontexte sein. Ein KI-Modell, das nur Münchner Daten sieht, wird Hamburger Probleme kaum lösen können.

Im nächsten Schritt erfolgt das eigentliche Fine-Tuning mit Hilfe spezialisierter Software und Hochleistungsrechnern. Hier werden die neuronalen Netze der KI so angepasst, dass sie die Eigenheiten der Stadtplanung erkennen – etwa die Bedeutung von Flächennutzungsplänen, die Dynamik von Verkehrsströmen oder die Besonderheiten lokaler Klimazonen. Die Herausforderung besteht darin, das Modell nicht zu „überfitten“, also nicht so stark auf die Trainingsdaten zu spezialisieren, dass es für neue oder ungewöhnliche Situationen unbrauchbar wird. Ein ausgewogenes Fine-Tuning sorgt dafür, dass die KI flexibel bleibt und dennoch präzise auf urbane Fragestellungen reagiert.

Nach dem Training folgt die Testphase: Hier wird geprüft, ob die KI tatsächlich das gewünschte Wissen erworben hat. Typische Aufgaben sind etwa die Analyse von Mobilitätsdaten, die Simulation von Klimaszenarien, die Erkennung von Nutzungskonflikten in Bebauungsplänen oder die Generierung von Planungsalternativen auf Basis vorgegebener Rahmenbedingungen. Je breiter und anspruchsvoller die Tests, desto robuster und vertrauenswürdiger das Modell.

Erst wenn die KI in der Lage ist, auch komplexe, mehrschichtige urbane Probleme zu adressieren, wird sie in die Praxis eingeführt. Hier beginnt der eigentliche Mehrwert: Fine-Tuning ermöglicht nicht nur punktuelle Analysen, sondern kontinuierliches Lernen und Anpassen an neue Herausforderungen. Die KI wird so zum lernenden Partner der Stadtmacher – immer auf der Suche nach besseren Lösungen, immer offen für neue Daten und Erkenntnisse.

Urbane Anwendungsfelder: Was Fine-Tuning in der Stadtplanung wirklich kann

Die Möglichkeiten, KI durch Fine-Tuning auf urbane Szenarien zu trimmen, sind nahezu grenzenlos – vorausgesetzt, die Datenbasis stimmt und die Ziele sind klar definiert. Bereits heute werden in internationalen Pilotprojekten beeindruckende Anwendungen realisiert, die das Potenzial von spezialisierter KI eindrucksvoll demonstrieren. Im Bereich der Mobilitätsplanung etwa ermöglichen feinjustierte Modelle die Echtzeitprognose von Verkehrsflüssen und die Simulation von Baustellenfolgen auf das gesamte Stadtgefüge. Städte wie Singapur, Zürich oder Kopenhagen setzen KI ein, um Staus zu vermeiden, Umwelteffekte zu berechnen und sogar adaptive Ampelschaltungen zu steuern.

Auch im Bereich der Klimaanpassung entfaltet Fine-Tuning seine Stärken. KI-Modelle, die mit lokalen Wetter- und Umweltdaten trainiert wurden, können Hitzestress in dicht bebauten Quartieren vorhersagen, effektive Maßnahmen zur Begrünung vorschlagen oder die Wirkung von Entsiegelungsmaßnahmen bewerten. Besonders spannend ist die Kombination aus Sensorik, Satellitendaten und KI: So entstehen hochdynamische Stadtmodelle, die als Frühwarnsystem im Katastrophenschutz dienen oder die Planung klimaresilienter Infrastruktur unterstützen.

Ein weiteres zukunftsträchtiges Anwendungsfeld ist die Beteiligung und Kommunikation. Fine-Tuning erlaubt es, KI-gestützte Chatbots oder Visualisierungstools so zu trainieren, dass sie Bürgerfragen zu komplexen Planungsprozessen verständlich und korrekt beantworten. Dies fördert nicht nur die Transparenz, sondern auch die Akzeptanz von Bauvorhaben. In Wien etwa werden KI-basierte Assistenzsysteme eingesetzt, um Rückmeldungen aus Bürgerbeteiligungen automatisch zu clustern, auszuwerten und in Planungsprozesse einzuspeisen.

Auch die Quartiersentwicklung profitiert von spezialisierter KI. Fine-Tuning ermöglicht es, Szenarien für die Nachverdichtung zu simulieren, Nutzungskonflikte zu erkennen oder die Auswirkungen neuer Verkehrsanbindungen auf die soziale Infrastruktur abzuschätzen. In Pilotprojekten werden bereits KI-Systeme getestet, die auf Basis von lokalen Daten und Beteiligungsfeedbacks Vorschläge für alternative Bebauungsvarianten generieren – schneller, transparenter und datengetriebener als je zuvor.

Schließlich eröffnet Fine-Tuning neue Möglichkeiten für Monitoring und Controlling. Mit KI lassen sich Entwicklungsziele kontinuierlich überprüfen, Abweichungen frühzeitig erkennen und Steuerungsmaßnahmen dynamisch anpassen. Die Stadtplanung wird so vom einmaligen Entwurf zur kontinuierlichen Prozesssteuerung – und die KI wird zum aktiven Partner in der urbanen Governance.

Chancen, Risiken und Governance: Wie bleibt die spezialisierte KI urban, offen und demokratisch?

So verheißungsvoll die Möglichkeiten von Fine-Tuning sind, so groß sind auch die Herausforderungen – insbesondere im Hinblick auf Transparenz, Kontrolle und Ethik. Denn wer mit Daten arbeitet, trägt Verantwortung: Ein KI-Modell, das auf unausgewogenen, unvollständigen oder verzerrten Daten trainiert wird, kann bestehende Ungleichheiten in der Stadtplanung nicht nur spiegeln, sondern sogar verstärken. Algorithmische Verzerrungen, der berühmte „Bias“, sind keine abstrakte Gefahr, sondern reale Stolpersteine. Gerade bei sensiblen Themen wie Wohnungsbau, Mobilitätsgerechtigkeit oder Klimaanpassung ist es essenziell, dass die Trainingsdaten vielfältig, aktuell und nachvollziehbar sind.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Kontrolle über spezialisierte KI-Modelle. Wer entscheidet, welche Daten zum Training verwendet werden? Wer prüft die Ergebnisse? Und wie bleibt das System offen für Nachvollziehbarkeit und Beteiligung? Hier sind Governance-Modelle gefragt, die nicht auf Technikzentrierung, sondern auf Kooperation, Transparenz und Mitsprache setzen. Open-Source-Modelle, offene Schnittstellen und nachvollziehbare Dokumentationen sind erste Schritte, um aus der Black Box KI ein Werkzeug für die Gemeinschaft zu machen.

Auch rechtlich und organisatorisch sind viele Fragen offen. Während in einigen Ländern bereits Leitlinien für den KI-Einsatz in der Verwaltung existieren, herrscht in Deutschland, Österreich und der Schweiz noch großer Nachholbedarf. Es braucht verbindliche Standards für Datensicherheit, Datenschutz und algorithmische Fairness – aber auch pragmatische Lösungen, um Innovation nicht im Keim zu ersticken. Hier ist Mut gefragt: Wer sich hinter Vorschriften versteckt, verpasst die Chance, KI aktiv und gestaltend für die Stadt einzusetzen.

Eine besondere Herausforderung ist die Balance zwischen technischer Exzellenz und demokratischer Kontrolle. Je spezialisierter eine KI, desto größer das Risiko, dass ihr Wissen und ihre Entscheidungen für Außenstehende undurchschaubar werden. Deshalb sollte Fine-Tuning immer mit begleitender Dokumentation, kontinuierlicher Evaluation und Möglichkeiten zur menschlichen Korrektur erfolgen. Die KI soll nicht den Planer ersetzen, sondern ihn entlasten, inspirieren und für neue Perspektiven öffnen.

Schließlich stellt sich die Frage, wie die Akzeptanz in Verwaltung, Politik und Bevölkerung gefördert werden kann. Fine-Tuning wird erst dann zum Erfolgsmodell, wenn es gelingt, Vertrauen aufzubauen und die Potenziale der KI für alle sichtbar und nutzbar zu machen. Transparenz, Beteiligung und eine offene Fehlerkultur sind dabei die besten Verbündeten – denn die Stadt der Zukunft lebt vom Zusammenspiel aus Mensch, Maschine und Gemeinschaft.

Ausblick: Fine-Tuning als neues Paradigma der urbanen Intelligenz

Fine-Tuning ist mehr als ein technischer Kniff – es ist ein Paradigmenwechsel in der Art und Weise, wie urbane Räume gedacht, geplant und gesteuert werden. Künstliche Intelligenz wird durch gezieltes Training nicht nur zur Expertin für städtische Prozesse, sondern auch zur lernfähigen, anpassbaren und kreativen Partnerin im Alltag der Stadtplanung. Die ersten erfolgreichen Anwendungen zeigen: Fine-Tuning macht aus generischer Technologie einen echten Mehrwert für Städte, Kommunen und Planungsbüros.

Natürlich bleibt die Technologie kein Allheilmittel. Ohne kluge Datenstrategie, ohne klare Governance-Strukturen und ohne ein Bewusstsein für die Fallstricke von algorithmischer Verzerrung läuft auch die beste KI Gefahr, an der urbanen Realität vorbeizuarbeiten. Doch wer den Mut hat, Fine-Tuning als kontinuierlichen Lernprozess zu begreifen und alle relevanten Akteure einzubinden, erschließt sich neue Horizonte der Planung. Die Stadt als lernendes System – das ist kein ferner Traum mehr, sondern eine reale, greifbare Perspektive.

Für Planer, Stadtentwickler und Entscheidungsträger ergibt sich daraus ein klarer Auftrag: Die Zeit des Abwartens ist vorbei. Wer heute die Weichen für eine feingetunte, urbane KI stellt, profitiert morgen von schnelleren Prozessen, besseren Prognosen und einer höheren Lebensqualität in der Stadt. Gleichzeitig bleibt die Gestaltungshoheit beim Menschen – denn nur im Zusammenspiel von Daten, Technologie und Erfahrung entsteht echte Stadtqualität.

Die Herausforderungen sind nicht zu unterschätzen, aber die Chancen überwiegen. Fine-Tuning ist das Werkzeug, mit dem urbane KI-Modelle endlich den Sprung von der Theorie in die Praxis schaffen. Es ermöglicht eine neue Offenheit, eine höhere Anpassungsfähigkeit und eine viel größere Transparenz im gesamten Planungsprozess. Kurz: Fine-Tuning macht die Stadt smarter, ohne ihre Seele zu verkaufen.

Am Ende steht die Erkenntnis: Die Zukunft der Stadt ist nicht rein digital, aber ohne digitale Intelligenz bleibt sie Stückwerk. Fine-Tuning ist der Schlüssel, um KI wirklich urban, relevant und verantwortungsvoll zu machen. Wer ihm die Tür öffnet, gestaltet die Stadt von morgen – intelligenter, nachhaltiger und lebenswerter als je zuvor.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Fine-Tuning eine Revolution für die urbane KI darstellt. Es verwandelt generische Modelle in spezialisierte Stadtmacher, ermöglicht neue Formen der Planung und Beteiligung und eröffnet Chancen für eine demokratischere, effizientere und lebenswertere Stadtentwicklung. Doch der Weg ist anspruchsvoll: Nur mit kluger Datenstrategie, Transparenz und Mut zur Innovation wird Fine-Tuning zum Erfolgsfaktor für die Städte von morgen. G+L bleibt dabei Ihr zuverlässiger Wegweiser durch das Dickicht aus Daten, Algorithmen und urbaner Praxis.

Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig wird zur Klimakomfortinsel

Der Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platz soll von einer Brachfläche zu einem klimafreundlichen, lebhaften Platz südlich der Innenstadt werden. Bildquelle: Atelier Loidl GmbH

Der Wilhelm-Leuschner-Platz in Leipzig ist eine große Brachfläche, wie sie heutzutage nur noch selten inmitten einer deutschen Großstadt vorkommt. Aber in den nächsten Jahren wird sich dies durch Neubauten und neu gestaltete Freiflächen ändern. Atelier Loidl aus Berlin hat den ersten Preis für den Freiflächenwettbewerb gewonnen und plant eine Klimakomfortinsel.

Am 8. März 2024 hat sich das Preisgericht unter dem Vorsitz von Professor Burkhard Wegener, Landschaftsarchitekt aus Köln, für den Entwurf von Atelier Loidl Berlin entschieden. Das Landschaftsarchitekturstudio hat den Freiflächenwettbewerb zur Neugestaltung des Leipziger Wilhelm-Leuschner-Platzes im Süden der Altstadt gewonnen. Derzeit besteht der Platz aus einer wenig attraktiven Brachfläche. Die Stadt hat bereits Pläne für Neubauten in der östlichen Hälfte des Areals. Und auch der laufende künstlerische Wettbewerb für das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal, das auf dem Wilhelm-Leuschner-Platz entstehen soll, musste bei der Freiraumgestaltung berücksichtigt werden.

Damit all diese Angebote gut eingebunden sind, ist auch eine überzeugende freiraumplanerische Gestaltung gefragt. Diese wird vermutlich das Atelier Loidl übernehmen. Ihr Entwurf für eine grüne Klimakomfortinsel überzeugte in dem nichtoffenen, einphasigen Realisierungswettbewerb.

Ideen für den Umgang mit Regenwasser gefragt

Der Wettbewerb mit anschließendem Verhandlungsverfahren fand Anfang März 2024 in Leipzig statt. Schubert + Hort Architekten aus Dresden betreuten das Verfahren. Insgesamt gab es 23 Bewerbungen. Die folgenden Preise und Anerkennungen wurden vom Preisgericht vergeben:

  • Preis:Atelier Loidl Landschaftsarchitekten (Berlin)
  • Preis:Planorama Landschaftsarchitektur, Maik Böhmer (Berlin)
  • Preis: Därr Landschaftsarchitekten (Halle an der Saale)
  • Anerkennung:hoch C Landschaftsarchitekten (Berlin)
  • Anerkennung: Lohaus Carl Köhlmos (Hannover)

Neben Professor Burkhard Wegener von club L94 Landschaftsarchitekten, dem Vorsitz, saßen auch der Leipziger Baubürgermeister Thomas Dienberg, die Kulturbürgermeisterin Dr. Skadi Jennicke sowie Vertreter*innen des Stadtrats in der Fachjury. Interessierte können alle Entwürfe aus dem Freiflächenwettbewerb seit dem 14. März 2024 im Leipziger Stadtbüro  am Burgplatz 1 anschauen.

Seit 2023 steht der Bebauungsplan für den Wilhelm-Leuschner-Platz. Die Entwürfe aus dem Wettbewerb sollten die geplante Bebauung aufnehmen, aber darüber hinaus auch Aufenthaltsflächen, Bewegungsangebote und gestaltete Grünflächen sowie Ideen zum Umgang mit Regenwasser vorschlagen. Der Entwurf gibt außerdem den Rahmen für das neu entstehende Freiheits- und Einheitsdenkmal vor, dessen Wettbewerb im Oktober 2024 entschieden wird. Dabei soll ein*e Vertreter*in des Atelier Loidl in der Jury sitzen.

Baumrigolen, naturnahe Spielelemente, Wasserspiele und urbane Artenvielfalt: Der Siegerentwurf ist ökologisch orientiert. Bildquelle: Atelier Loidl GmbH
Baumrigolen, naturnahe Spielelemente, Wasserspiele und urbane Artenvielfalt: Der Siegerentwurf ist ökologisch orientiert. Bildquelle: Atelier Loidl GmbH

Amöbenförmige Grünbereiche und Denkmal-Insel

Atelier Loidl beschreibt den Entwurf für einen grüneren Platz wie folgt: „Als ein neuartiges städtisches Ökotop mit den Orten für Tiere, Pflanzen und Mensch stellt sich der künftige Wilhelm-Leuschner-Platz den klimatischen Veränderungen unserer Zukunft“. Die Jury lobte diese selbstbewusste Antwort auf aktuelle Herausforderungen. Unter dem Titel „Ökotopia“ schlagen die Landschaftsarchitekt*innen großzügige Spiel- und Sportmöglichkeiten, grüne Aufenthaltsräume und urbane Plätze für die Öffentlichkeit vor. Baumrigolen und überflutbare Mulden helfen beim Regenwassermanagement.

Der Entwurf bezieht sich auf 3,8 Hektar Fläche, die überplant werden sollen. Die Stadt Leipzig fragte nach einem grünen Platz, der als zukunftsweisende Klimakomfortinsel sowie als kommunales Pilotprojekt für klimaangepasstes Bauen dienen soll. Der Umgang mit Niederschlagswasser ist dabei besonders wichtig und sollte laut Ausschreibung „in erster Linie als Gestaltungselement betrachtet werden“.

Mit dem siegreichen Entwurf von Atelier Loidl hat ein Vorschlag für einen modernen, parkähnlichen Stadtraum mit Alleinstellungsmerkmalen gewonnen. Unter anderem war die Jury von dem hohen unversiegelten Anteil, der „landschaftlich locker verteilten Baumstruktur“ und dem intelligent integrierten Regenwassermanagement im Schwammstadt-Prinzip überzeugt. Die vorgeschlagene Struktur für den neuen Wilhelm-Leuschner-Platz besteht aus mehreren amöbenförmigen Grünbereichen und einer südwestlichen Insel, auf der sich möglicherweise das neue Denkmal befinden wird.

Der neue Wilhelm-Leuschner-Platz soll klimafreundlich, aber vor allem auch menschenfreundlich sein, anstatt wie bisher vor allem als Parkplatz zu dienen. Bildquelle: Atelier Loidl GmbH
Der neue Wilhelm-Leuschner-Platz soll klimafreundlich, aber vor allem auch menschenfreundlich sein, anstatt wie bisher vor allem als Parkplatz zu dienen. Bildquelle: Atelier Loidl GmbH

Wettbewerb für Freiheits- und Einheitsdenkmal folgt

Das Ziel der Stadt Leipzig besteht darin, weite Teile des Platzes zu entsiegeln. Die neuen Freiflächen sollen ökologisch wertvoller werden und eine hohe Aufenthaltsqualität anbieten. Zugleich waren im Wettbewerb Vorschläge für Klimaresilienz und variable Nutzbarkeit gefragt. Ein Bürgerbeteiligungsprozess zeigte, dass sich die Leipziger*innen mehr Grün wünschen. 52 Prozent stimmten für einen „bepflanzten, blumigen, kleinteiligen Ort“ als neue Gestaltung des Platzes.

Als Reaktion auf Stimmen aus der Bevölkerung wird der Leuschnerplatz künftig mehr Raum für Kinder bieten. Im Westen sollen ein Skatepark und ein großer Spielplatz entstehen. Auch wird der Raum vor der Stadtbibliothek autofrei und deutlich grüner. Bisher handelt es sich hier um eine Durchgangsstraße für den Kfz-Verkehr, die die Stadtbibliothek vom Platz abschneidet. Die Stadt hatte dies zu einer Bedingung beim Wettbewerb gemacht.

Für die Umsetzung steht ein Budget von 12 Millionen Euro netto für die Kostengruppen 500 zur Verfügung. Die nächsten Schritte für den Wilhelm-Leuschner-Platz werden sich nach der Wettbewerbsentscheidung um das Freiheits- und Einheitsdenkmal im Herbst 2024 klären.

Locker verteilte Baumstrukturen, amöbenartige Grünflächen und ein Bereich für das Denkmal, dessen Gestaltung sich im Herbst 2024 entscheiden wird, machen den Siegerentwurf aus. Bildquelle: Atelier Loidl GmbH
Locker verteilte Baumstrukturen, amöbenartige Grünflächen und ein Bereich für das Denkmal, dessen Gestaltung sich im Herbst 2024 entscheiden wird, machen den Siegerentwurf aus. Bildquelle: Atelier Loidl GmbH

Ausgleich des Baumverlustes im Westen des Wilhelm-Leuschner-Platzes

Als Nächstes wird die Stadt Leipzig gemeinsam mit dem Berliner Büro prüfen, ob die geplante Zwischenbegrünung umsetzbar ist. Diese würde aus einer etwa 2.000 Quadratmeter großen, temporären Bepflanzung des Wilhelm-Leuschner-Platzes bestehen. Das Ziel ist, schon ab Herbst 2024 erste Bäume und Sträucher im Norden des Citytunnel-Aufgangs zu pflanzen. Dies könnte im Einklang mit dem Siegerentwurf erfolgen. Außerdem wird diskutiert, wie genau der „Ökotopia“-Entwurf umgesetzt wird.

So wird der Wilhelm-Leuschner-Platz, der jahrelang einfach ein Parkplatz und in den 1990er Jahren sogar ein mehrstöckiges Parkhaus war, wieder ein Teil des lebendigen Leipziger Stadtzentrums. Dies folgt dem übergeordneten stadtentwicklungspolitischen Ziel, den städtischen Raum zwischen Zentrum und der Südvorstadt gestalterisch aufzuwerten und die bebauten Gebiete besser miteinander zu vernetzen. Dafür hat die große Brachfläche des Platzes eine strategische Bedeutung. Neben den geplanten Wohnungen, wissenschaftlichen und städtischen Einrichtungen, Büros und Einzelhandel wird die Grünfläche den Platz aufwerten. Zudem gleicht sie den massiven Baumverlust an der Westseite des Wilhelm-Leuschner-Platzes aus, der durch die Bebauung entsteht.

 

Übrigens: In Leipzig tut sich viel. Unter anderem probiert sich die Stadt an Superblocks, die bereits in Barcelona gut funktionieren.