Internationales Gartenfestival 2026: Fünf visionäre Gärten erforschen die Landschaft der Sinne

Das Internationale Gartenfestival 2026 in Grand-Métis präsentiert innovative Garteninstallationen, die Landschaftsarchitektur, Kunst und Natur auf einzigartige Weise verbinden. Photo credit: bureau60a via v2com
Das Internationale Gartenfestival 2026 in Grand-Métis präsentiert innovative Garteninstallationen, die Landschaftsarchitektur, Kunst und Natur auf einzigartige Weise verbinden. Photo credit: bureau60a via v2com

Wie erleben Menschen einen Ort wirklich? Nicht als Punkt auf einer Landkarte, sondern durch Erinnerungen, Gerüche, Licht, Geräusche und Emotionen. Mit dieser Fragestellung widmet sich das Internationale Gartenfestival 2026 in Grand-Métis (Québec) einem hochaktuellen Thema der zeitgenössischen Landschaftsarchitektur. Unter dem Motto „Mapping Sensitivity“ präsentieren fünf ausgewählte Garteninstallationen neue Perspektiven darauf, wie Landschaft gestaltet, wahrgenommen und erlebt werden kann.

Vom 20. Juni bis 4. Oktober 2026 verwandeln sich die historischen Reford Gardens erneut in eine internationale Bühne für experimentelle Gartenkunst, innovative Landschaftsarchitektur und nachhaltiges Design.

Mapping Sensitivity: Gärten als emotionale Landkarten

Die 27. Ausgabe des Internationalen Gartenfestivals knüpft an den 2025 gestarteten Themenzyklus an. Während sich die vorherige Ausstellung mit geografischen Grenzen beschäftigte, rückt nun die subjektive Wahrnehmung eines Ortes in den Mittelpunkt.

Der Begriff „Sensitive Mapping“ beschreibt eine Kartografie, die nicht Straßen oder Grenzen dokumentiert, sondern persönliche Erfahrungen und emotionale Beziehungen zu Landschaften sichtbar macht. Faktoren wie Kultur, Erinnerung, Sinneswahrnehmung oder individuelle Erlebnisse fließen dabei ebenso ein wie ökologische Zusammenhänge.

Gerade in Zeiten des Klimawandels und einer zunehmenden Urbanisierung gewinnt dieser Ansatz innerhalb der modernen Landschaftsarchitektur immer mehr an Bedeutung.

Aus insgesamt 204 Einreichungen aus 29 Ländern wählte die internationale Jury fünf Projekte aus, die das diesjährige Festival prägen werden.

Again, a Garden – Kreisläufe der Natur erleben

Der Entwurf des kanadisch-amerikanischen Designers Hugh Taylor interpretiert den klassischen ummauerten Garten neu. Eine Pavillonstruktur aus gefallenen Baumstämmen bildet den Rahmen für heimische Blühpflanzen und Bestäuber.

Im Mittelpunkt stehen natürliche Kreisläufe. Verfall und neues Leben werden nicht als Gegensätze verstanden, sondern als untrennbare Bestandteile eines funktionierenden Ökosystems.

Frame – Architektur verändert unsere Wahrnehmung

Der deutsche Landschaftsarchitekt Ulli Heckmann untersucht mit seiner Installation, wie Architektur den Blick auf Landschaften beeinflusst.

Skulpturale Rahmen lenken gezielt die Aufmerksamkeit der Besucher und schaffen unterschiedliche Grade von Offenheit und Intimität. Dadurch entstehen ständig neue Perspektiven auf dieselbe Umgebung und machen deutlich, dass Wahrnehmung stets subjektiv ist.

Mentho-artemision – Landschaft mit allen Sinnen erfahren

Der französische Designer Etienne Lapleau verdichtet unterschiedliche Landschaftsräume auf engstem Raum.

Minze und Beifuß wachsen normalerweise unter völlig verschiedenen Standortbedingungen. Durch ihre ungewöhnliche Kombination entstehen intensive Übergänge zwischen trocken und feucht, die Besucher über Geruch, Berührung und visuelle Eindrücke unmittelbar erleben können.

Tainai-Meguri – Zwischen digitaler Welt und Natur

Das Team von Measured Architecture Inc., Tamotsu Tongu und Kumpei Wakino beschäftigt sich mit der Frage, wie digitale Räume unsere Wahrnehmung verändern.

Eine geschwungene Holzstruktur erinnert an eine begehbare Höhle, in der Wasser, Licht und Vegetation zu einer meditativen Landschaft verschmelzen. Das Projekt lädt dazu ein, die Verbindung zwischen innerer Wahrnehmung und natürlicher Umgebung neu zu entdecken.

Worm’s Eye – Die Landschaft aus neuer Perspektive

Mit Worm’s Eye entwickelt die US-amerikanische Designerin Ellen Harris eine bewusste Gegenposition zur klassischen Vogelperspektive.

Statt Landschaft von oben zu betrachten, rückt die Installation lokale, intime Blickwinkel in den Vordergrund. Inspiriert von den Überlegungen des Anthropologen James C. Scott hinterfragt das Projekt traditionelle Formen kartografischer Ordnung und eröffnet einen persönlicheren Zugang zum Ort.

Internationale Plattform für innovative Landschaftsarchitektur

Das Internationale Gartenfestival zählt seit seiner Gründung im Jahr 2000 zu den bedeutendsten Veranstaltungen seiner Art in Nordamerika. Über 180 zeitgenössische Garteninstallationen wurden bereits realisiert und machten Grand-Métis zu einem wichtigen Treffpunkt für Landschaftsarchitekten, Architekten, Künstler und Designer aus aller Welt.

Jährlich entstehen mehr als 20 temporäre Gärten, die aktuelle gesellschaftliche, ökologische und gestalterische Fragestellungen aufgreifen und innovative Lösungen für den öffentlichen Raum präsentieren.

Austragungsort des Festivals sind die Reford Gardens (Les Jardins de Métis), eine der renommiertesten Gartenanlagen Nordamerikas. Die zwischen 1926 und 1958 von der Gartenpionierin Elsie Reford angelegte Anlage gilt heute als National Historic Site of Canada und zählt zu den weltweit bedeutenden historischen Gärten.

Das Jahr 2026 markiert zugleich den Auftakt der hundertjährigen Jubiläumsfeierlichkeiten der Reford Gardens – ein passender Rahmen für ein Festival, das Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Gartenkunst miteinander verbindet.

Mehr Informationen hier

Das könnte Sie auch interessieren
Stadtbild von Kairo mit den ikonischen Pyramiden im Vordergrund – Beispiel für urbane Resilienz und informelle Stadtentwicklung.
Kairo und die städtische Resilienz der Informalität
Gasometer in Wien Simmering: Nebenan entsteht die Bricolage City. Quelle: Friedrich Böhringer, CC BY-SA 3.0 AT , via Wikimedia Commons
Ein neuer Park in Wien Simmering
Die Luftaufnahme zeigt im Hintergrund mehrstöckige Gebäude. Davor einen hell belegten Platz, der Karen Blixen Plads, aus dem sich künstliche Hügel wölben. Im Vordergrund ein Übergang in die Landschaft mit grünen Pflanzinseln.
Karen Blixens Plads in Kopenhagen
Wettbewerbsergebnisse im Oktober 2020: Teil 2
EUROPAN 16: Standorte Deutschland
kuratiert von Kulturprojekte Berlin
Unvergessener Bewegungsmoment
Vom Staub befreit
Green Varnish
WGF Nürnberg gewinnen Wettbewerb für ein neues Wohnquartier an der Hainstraße, ein Leuchtturmprojekt in der Stadtentwicklung Nürnberg. Visualisierung © Gräßel ARCHITEKTEN
Stadtentwicklung Nürnberg: Ökologisches Leuchtturmprojekt
Bild von Klimademonstration mit Menschen
Neuer IPCC Bericht 2022

Zwei unterschiedliche, durch eine Bundesstraße voneinander getrennte Areale verbinden, und einen großen See schaffen – die Herausforderungen der Landesgartenschau in Lahr meisterte das Büro club L94 ohne große Hindernisse. Burkhard Wegener führt uns vor Ort durchs Gelände.

Herr Wegener, was war Ihre Motivation, 2011 am Wettbewerb zur Landesgartenschau in Lahr teilzunehmen?
Es war die Auslobung mit der Aufgabe, einen existierenden Park zu überarbeiten und Ackerflächen eine neue Identität zu geben, sie zu einem Park zu entwickeln. Und darüber hinaus: beide Teilbereiche über zwei Bundesstraßen hinweg mit einer Brücke zu verbinden – alles in allem eine komplexe Aufgabe. Zudem hat es in unseren Kalender gepasst …

Haben Sie die Vorgaben im Planungsprogramm als einengend empfunden – etwa den Wunsch nach einem See, neuen Kleingärten und einem Landschaftspark, in den ein bestehendes Pappelwäldchen mit Krähenhabitat integriert werden sollte?
Eigentlich nicht, eher als Herausforderung. Zumal wir viel Freiraum bei der Ideenfindung hatten und angehalten wurden, Neues zu entwickeln, das sich mit Vorhandenem verbinden sollte.

Woran hatten Sie am meisten zu knabbern? Was hat Ihnen die größten Probleme beim Planen und Bauen gemacht?
Das war der See. Er sollte mehrere Hektar groß werden, aber wir konnten ihn nicht – wie anfangs gedacht – durch den Aushub von Boden realisieren. Es stellte sich schnell heraus, dass es Probleme mit dem Grund­wasser gegeben hätte. So kamen wir auf die Idee, den See auf das bestehende Gelände aufzusetzen. Als Landschaftssee konzipiert, ist er nun rund 2,7 Hektar groß, aber nur zwei bis drei Meter tief. Insgesamt haben wir rund 100 000 Kubikmeter Füllboden im Gelände verarbeitet.

Der See wird diagonal von einem Steg gequert, dadurch scheint er zweigeteilt. Hat das eine tiefere Bedeutung?
Ja. Offziell ist der See ein Badesee und braucht dazu eine entsprechend hohe Wasserqualität. Das erreichen wir, indem wir das Wasser umwälzen, über eine Pflanzenkläranlage filtern und fehlendes Wasser über Pumpen aus dem Grundwasser zuführen. Der Steg über den See sitzt wiederum auf einer Mauer auf, die den Badesee vom Landschaftssee trennt und ihn aus einer anderen Perspektive als von den Ufern aus erlebbar macht. Die Ufer sind bewusst unterschiedlich gestaltet: im Badebereich mit einer harten, urbanen Kante samt Badestrand, im Landschaftsteil mit weichen Übergängen, die sich aus der Bepflanzung der Uferbereiche mit Röhricht und Wasserpflanzen ergeben.

Gab es noch andere Themen, die Ihnen beim Entwurf der Landesgartenschau besonders wichtig waren?
Zum Beispiel, dass auf der langen Seite des Sees eine Promenade entstehen sollte. Diese haben wir mit einer einreihigen Allee aus Trauerweiden bepflanzt, deren hängende Zweige wir lieben.

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

Sie haben noch nicht das Krähennest angesprochen, das ja auch eine Besonderheit darstellt …
Genau, das war uns auch von Anfang an wichtig. Zwar in etwas anderer Form als es nach dem dafür ausgelobten Wett­bewerb geworden ist, aber wir finden es dennoch gut. Es steht vor dem Pappel­wäldchen, in dem zahlreiche Krähennester zu finden sind, die den Anstoß zur Idee gegeben haben. Konkret liegt es in dem neuen Auenwäldchen, in dem sich Lichtungen, Pfade aus Rindenmulch und Farninseln finden, die die Basis für ökologische Vielfalt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere darstellen und zeigen.

Was waren die Maximen und Ziele für die Überarbeitung des Bürgerparks? Der kam in unserer Unterhaltung bislang etwas zu kurz …
Der Bürgerpark liegt direkt am Schul­quartier und wurde von uns konzeptionell als Teil der Stadt interpretiert. Im Gegensatz zum landschaftlichen Seepark ist der Spiel-­ und Sportpark urban gestaltet. Die Konzeptionen für die neuen Gebäude dort – Kita, römisches Streifen­haus und Sporthalle – entwickelten wir in der städtebaulichen Findungsphase zusammen mit dem Architekturbüro Aldinger. Die neue Kita mit der tonnen­förmigen Dachstruktur, die ich mitsamt den Spielbereichen für sehr gelungen halte, markiert den Parkzugang im Osten. Zu einem besonderen gestalterischen Element wurde auch die „via ceramica“, die sich – obwohl sprachlich nicht ganz korrekt – auf die keramischen Funde der Römer in Lahr bezieht.


05 IMG_8290
Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

05 IMG_8290
Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
Die Zusammenarbeit war – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – in der Tat ganz gut. Das gilt sowohl für die Verantwort­lichen der Stadt, als auch für die LGS GmbH und andere Architekten und Planer. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Ausstellungsbei­träge – vor allem im Seepark – etwas mehr in die Grundkonzeption der Daueranlage eingefügt und einen etwas weniger lauten Auftritt gemacht hätten. Im Kleingartenpark am jetzigen Haupteingang der LGS wurden sie mit dem Landschaftsbau und dessen Gärten deutlich besser in die Grund­struktur der Anlage integriert.

Zum Interviewpartner: Burkhard Wegener ist einer der vier Gründer und Geschäftsführer des Kölner Büros club L94 Landschaftsarchitekten. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Objektplanung und Wettbewerbe. Am FB Architektur der Hochschule Bochum lehrt er als Honorarprofessor.

 

 

Alle Fotos: Karl H.C. Ludwig.

Sie haben noch nicht das Krähennest angesprochen, das ja auch eine Besonderheit darstellt …
Genau, das war uns auch von Anfang an wichtig. Zwar in etwas anderer Form als es nach dem dafür ausgelobten Wett­bewerb geworden ist, aber wir finden es dennoch gut. Es steht vor dem Pappel­wäldchen, in dem zahlreiche Krähennester zu finden sind, die den Anstoß zur Idee gegeben haben. Konkret liegt es in dem neuen Auenwäldchen, in dem sich Lichtungen, Pfade aus Rindenmulch und Farninseln finden, die die Basis für ökologische Vielfalt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere darstellen und zeigen.

Was waren die Maximen und Ziele für die Überarbeitung des Bürgerparks? Der kam in unserer Unterhaltung bislang etwas zu kurz …
Der Bürgerpark liegt direkt am Schul­quartier und wurde von uns konzeptionell als Teil der Stadt interpretiert. Im Gegensatz zum landschaftlichen Seepark ist der Spiel-­ und Sportpark urban gestaltet. Die Konzeptionen für die neuen Gebäude dort – Kita, römisches Streifen­haus und Sporthalle – entwickelten wir in der städtebaulichen Findungsphase zusammen mit dem Architekturbüro Aldinger. Die neue Kita mit der tonnen­förmigen Dachstruktur, die ich mitsamt den Spielbereichen für sehr gelungen halte, markiert den Parkzugang im Osten. Zu einem besonderen gestalterischen Element wurde auch die „via ceramica“, die sich – obwohl sprachlich nicht ganz korrekt – auf die keramischen Funde der Römer in Lahr bezieht.


05 IMG_8290

Blick über den See.


12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

05 IMG_8290
Blick über den See.

12 Via Ceramika Image club
Via Ceramica.

08 Seeprromenade01
Seepromenade.

Das alles klingt nach dem Ergebnis einer guten Zusammenarbeit mit anderen Planern und der Stadt.
Die Zusammenarbeit war – von einzelnen Ausnahmen abgesehen – in der Tat ganz gut. Das gilt sowohl für die Verantwort­lichen der Stadt, als auch für die LGS GmbH und andere Architekten und Planer. Grundsätzlich hätten wir uns gewünscht, dass sich die Ausstellungsbei­träge – vor allem im Seepark – etwas mehr in die Grundkonzeption der Daueranlage eingefügt und einen etwas weniger lauten Auftritt gemacht hätten. Im Kleingartenpark am jetzigen Haupteingang der LGS wurden sie mit dem Landschaftsbau und dessen Gärten deutlich besser in die Grund­struktur der Anlage integriert.

Zum Interviewpartner: Burkhard Wegener ist einer der vier Gründer und Geschäftsführer des Kölner Büros club L94 Landschaftsarchitekten. Seine Arbeitsschwerpunkte sind Objektplanung und Wettbewerbe. Am FB Architektur der Hochschule Bochum lehrt er als Honorarprofessor.

Die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung und die Wüstenrot Stiftung schreiben seit fast 40 Jahren den Deutschen Städtebaupreis aus. Alle zwei Jahre zeichnet der Preis nachhaltige und innovative Gestaltungsvorschläge für den öffentlichen Raum aus. Dieses Jahr ist es wieder soweit.

Architekten, Landschaftsarchitekten und Städteplaner können bis zum 15. April Projekte einreichen, die seit dem 1. Januar 2013 in der Bundesrepublik Deutschland realisiert worden sind. Am 27. September 2018 werden die Wettbewerbsgewinner bekannt gegeben. Den Preisträger erwartet ein Preisgeld von 15 000 Euro und wird in einer Wanderausstellung präsentiert.

Der parallel dazu ausgelobte Sonderpreis widmet sich dem Thema ‚Orte der Bildung und Kultur im städtebaulichen Kontext‘. Im Rahmen des ‚European Year of Cultural Heritage 2018‘ werden Projekte ausgezeichnet die städtebauliche Ensembles zwischen 1949 und 1989 behandeln. Der Sonderpreis ist mit 5 000 Euro dotiert.

Weitere Informationen zu dem Deutschen Städtepreis findet ihre hier.