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Jakarta entwirft ein zweites Stadtzentrum im Dschungel

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Bunte Häuser am Ufer des Inns vor einer beeindruckenden Alpenkulisse in Innsbruck, fotografiert von Wolfgang Weiser.
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Jakarta entwirft ein zweites Stadtzentrum im Dschungel – Eine urbane Revolution zwischen Vision, Planung und Realität


Wenn eine Megastadt wie Jakarta beschließt, ihr Zentrum im Dschungel neu zu erfinden, steht nicht weniger als die Zukunft des urbanen Lebens auf dem Spiel. Zwischen tropischer Wildnis, explodierender Bevölkerung und steigenden Fluten setzen Stadtplaner, Architekten und Politiker zu einem der größten Stadtexperimente des 21. Jahrhunderts an – mit Chancen und Risiken, die weit über Indonesien hinausweisen.

Zusammenfassung

  • Jakarta plant ein zweites Stadtzentrum im Dschungel Kalimantans – ein Projekt von globaler Tragweite.
  • Die Gründe: Überbevölkerung, Bodensenkung, Klimawandel und infrastruktureller Kollaps in der bisherigen Hauptstadt.
  • Stadtplanerische Vision: Nachhaltige, resiliente, multifunktionale Metropole mit Hightech-Elementen und ökologischer Einbindung.
  • Unvergleichliche Herausforderungen: Natur, indigene Rechte, soziale Gerechtigkeit und politische Steuerung.
  • Technische Innovationen: Digitale Stadtmodelle, Klimaanpassung, smarte Mobilitätskonzepte, Wasser- und Energiemanagement.
  • Vergleich mit internationalen Beispielen – von Brasília bis Songdo und Neom.
  • Chancen für die Landschaftsarchitektur: Integration von Natur, Wasser und Biodiversität auf höchstem Niveau.
  • Relevanz für deutschsprachige Planer: Was lässt sich lernen, was bleibt Utopie?
  • Kritische Reflexion ökologischer, sozialer und governancebezogener Risiken.
  • Fazit: Jakartas Dschungelzentrum als Testlabor für die Stadt von morgen – mit Lehren für die ganze Welt.

Der Ausgangspunkt: Warum Jakarta ein neues Zentrum braucht

Die indonesische Hauptstadt Jakarta steht sinnbildlich für die Herausforderungen des globalen Urbanismus: Mit über 30 Millionen Menschen im Ballungsraum ist sie nicht nur eine der größten, sondern auch eine der am stärksten gefährdeten Städte der Welt. Bodensenkung, Überschwemmungen, Verkehrsinfarkt, Luftverschmutzung und eine fragile Infrastruktur machen das Leben in Jakarta zunehmend zur täglichen Herausforderung. Der Klimawandel verschärft diese Probleme dramatisch – die steigenden Meeresspiegel bedrohen nicht nur einzelne Viertel, sondern die Existenz der gesamten Stadt.

Die indonesische Regierung hat deshalb das Undenkbare beschlossen: Jakarta soll als politisches und administratives Zentrum abgelöst werden. Die neue Hauptstadt – Nusantara – wird mitten auf Borneo, im ostkalimantanischen Dschungel, aus dem Nichts gestampft. Doch warum dieser radikale Schritt? Die Gründe sind vielschichtig und reichen von der Entlastung Jakartas über die Förderung regionaler Entwicklung bis hin zur geopolitischen Positionierung Indonesiens als zukunftsorientierte Nation.

Die Bodensenkung Jakartas ist ein Paradebeispiel für die Wechselwirkungen urbaner Fehlplanung und natürlicher Dynamik. Übermäßige Grundwasserentnahme, Versiegelung und fehlende Entwässerungssysteme führen dazu, dass die Stadt buchstäblich im Meer zu versinken droht. Prognosen gehen davon aus, dass bis 2050 rund 95 Prozent der Stadt unter dem Meeresspiegel liegen könnten – ein Szenario, das kein verantwortlicher Planer ignorieren kann.

Hinzu kommen soziale und wirtschaftliche Erwägungen: Jakarta platzt aus allen Nähten, die Lebensqualität sinkt, die Kluft zwischen Arm und Reich wächst. Die Regierung will mit dem Dschungelprojekt nicht nur ein Zeichen für Nachhaltigkeit setzen, sondern auch einen „Reset“ wagen – eine neue Stadt, frei von den Fehlern der Vergangenheit, offen für Innovation und Inklusion.

Für die internationale Planungs- und Architekturszene ist das Vorhaben ein Weckruf: Hier entsteht kein weiteres Retortenprojekt, sondern ein Labor für die Stadt der Zukunft. Die Frage ist nicht mehr, ob man ein zweites Zentrum braucht, sondern wie es gelingt, dieses im Einklang mit Mensch, Natur und Technologie zu realisieren.

Stadtplanung im Dschungel: Visionen, Konzepte und Herausforderungen

Die Planung einer neuen Hauptstadt im Dschungel ist ein Unterfangen, das alles Gewohnte sprengt. Schon die Standortwahl ist ein Politikum: Ostkalimantan liegt fernab der traditionellen Wirtschaftszentren, ist jedoch weniger erdbebengefährdet und klimatisch günstiger als Java. Aber: Die Region ist Heimat indigener Völker, einer einzigartigen Flora und Fauna und riesiger Regenwaldgebiete, die zu den letzten ihrer Art zählen.

Die Vision für Nusantara liest sich wie ein urbanes Märchenbuch: Eine „Smart Forest City“ mit selbstversorgenden Quartieren, grünen Hochhäusern, autofreien Zonen, Hightech-Infrastruktur, urbaner Landwirtschaft und maximaler Durchgrünung. Ziel ist es, 75 Prozent der Fläche als Grün, Wasser oder Naturlandschaft zu erhalten und die Stadt als Katalysator für ökologische und soziale Innovationen zu nutzen.

Doch zwischen Konzeptpapier und Realität liegen Welten. Die Herausforderungen sind monumental: Wie integriert man fragile Ökosysteme in eine Millionenstadt? Wie schützt man indigene Rechte, wenn Großinvestoren und politische Interessen aufeinandertreffen? Wie verhindert man, dass das Projekt zur reinen Prestigebühne wird – oder schlimmer noch, zur ökologischen Katastrophe?

Der Planungsprozess ist daher hochgradig interdisziplinär: Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Ingenieure, Sozialwissenschaftler und Vertreter indigener Gruppen arbeiten Hand in Hand – zumindest auf dem Papier. Im Zentrum steht die Idee der Resilienz: Die Stadt muss nicht nur ökologisch, sondern auch sozial und ökonomisch widerstandsfähig sein. Klimaanpassung, Biodiversität, Wassermanagement und soziale Teilhabe sind keine Add-ons, sondern Grundpfeiler der Planung.

Gleichzeitig stellen sich Fragen, die auch europäische Planer vertraut sind: Wie lässt sich Partizipation im Megamaßstab organisieren? Welche Governance-Modelle eignen sich für eine Stadt, die noch gar nicht existiert? Und wie können digitale Werkzeuge wie Urban Digital Twins oder Echtzeit-Simulationen helfen, den Dschungel nicht bloß zu besiedeln, sondern intelligent mit ihm zu kooperieren?

Technische Innovationen: Von digitalen Zwillingen bis Klimaanpassung

Die Planung eines zweiten Stadtzentrums im Dschungel verlangt nach technischer Exzellenz – und nach einer gehörigen Portion Innovationsmut. Digitale Zwillinge, also dynamische, datengetriebene Stadtmodelle, bilden das Rückgrat der Planungsprozesse. Sie ermöglichen es, urbane Szenarien in Echtzeit durchzuspielen: Wie verändern sich Flüsse, wenn neue Quartiere entstehen? Welche Auswirkungen haben veränderte Windmuster auf Mikroklima und Biodiversität? Und wie lassen sich Verkehr, Energie und Wasserverbrauch intelligent steuern?

Die Integration von Geoinformationssystemen, Sensorik und Big Data-Analytik erlaubt es, den Dschungel nicht als Feind, sondern als Partner im Städtebau zu begreifen. Statt Kahlschlag und Beton setzt Jakarta auf ein Miteinander von gebauter und natürlicher Umwelt. So werden etwa Grünachsen, Retentionsflächen und Biodiversitätskorridore von Beginn an in die Planung eingebettet – unterstützt durch Simulationen, die Klima, Wasserhaushalt und Artenvielfalt in nie gekannter Präzision abbilden.

Klimaanpassung ist kein Lippenbekenntnis, sondern Planungsmaxime: Gebäude und Infrastruktur werden so konzipiert, dass sie mit extremen Wetterereignissen, Hitzeperioden und Starkregen klarkommen. Smarte Mobilitätskonzepte – von autonomen Fahrzeugen bis zu Wasserbussen – sollen den Individualverkehr minimieren und die Stadtluft sauber halten. Energiegewinnung und -verteilung basieren auf erneuerbaren Quellen und intelligenter Netzsteuerung.

Besonders spannend für Landschaftsarchitekten ist die Integration von Wasser in die Stadtstruktur. Jakarta leidet unter Überschwemmungen, in Nusantara jedoch wird Wasser als Lebensader verstanden und genutzt: Offene Kanäle, urbane Feuchtgebiete, Retentionsflächen und wassersensible Gestaltung sorgen dafür, dass das Wasser nicht zum Problem, sondern zur Ressource wird. Hier zeigt sich, wie technische und landschaftsarchitektonische Innovationen Hand in Hand gehen können.

All dies geschieht in einem politischen und wirtschaftlichen Kontext, der alles andere als einfach ist. Investoren, internationale Architekturbüros, lokale Verwaltungen und indigene Gemeinschaften haben oft widersprüchliche Interessen. Digitale Transparenz und partizipative Prozesse sind daher keine Kür, sondern überlebenswichtig – nicht nur für die Legitimität des Projekts, sondern für sein Gelingen.

Globale Vergleiche: Was Jakarta von anderen Mega-Projekten unterscheidet

Jakarta ist nicht die erste Stadt, die im großen Stil ein neues Zentrum aus dem Boden stampft. Brasília, Songdo, Astana, Neom – die Liste der urbanen Utopien ist lang, und die Ergebnisse sind gemischt. Was also unterscheidet das Dschungelprojekt von seinen Vorgängern, und was können deutschsprachige Planer daraus lernen?

Erstens: Die Einbettung in eine der artenreichsten Regionen der Erde macht Nusantara einzigartig. Während viele andere Retortenstädte auf der grünen Wiese oder in der Wüste entstehen, zwingt der Dschungel zu einem Umdenken. Hier geht es nicht um die Überwindung der Natur, sondern um ihre Integration und Bewahrung. Das stellt höchste Ansprüche an Landschaftsarchitektur, Umweltplanung und Governance.

Zweitens: Die politische Zielsetzung ist ambivalent. Nusantara soll Symbol nationaler Einheit und Modernität sein, aber auch regionale Entwicklung und soziale Gerechtigkeit fördern. Das unterscheidet das Projekt von rein wirtschaftlich motivierten Stadtgründungen wie Songdo oder den visionären Fantasien von Neom in Saudi-Arabien. Der Anspruch ist also umfassender – und die Fallhöhe entsprechend größer.

Drittens: Technisch setzt Jakarta auf eine intelligente Verknüpfung von Hightech und Lowtech. Während Songdo auf totale Durchdigitalisierung und Automatisierung setzt, liegt der Fokus in Nusantara auf Resilienz, Biodiversität und anpassungsfähigen Stadtstrukturen. Das zeigt, wie wichtig es ist, Technologie als Werkzeug zu begreifen, nicht als Selbstzweck.

Viertens: Die Fehler der Vergangenheit sind präsent. Brasília etwa leidet bis heute unter sozialer Segregation und fehlender Urbanität, weil die Stadt am Reißbrett entstand und den Menschen zu wenig Platz ließ. Nusantara will diese Fehler vermeiden – mit flexiblen Quartieren, vielfältigen Nutzungsmischungen und einer konsequenten Orientierung an menschlichen Maßstäben. Ob das gelingt, bleibt abzuwarten.

Chancen und Risiken für die Zukunft: Lehren für den deutschsprachigen Raum

Was kann die Planungs- und Landschaftsarchitekturszene im deutschsprachigen Raum aus Jakartas Dschungelprojekt lernen? Erstens: Mut zur Vision ist gefragt, aber er muss durch technische Exzellenz, partizipative Governance und ökologisches Verantwortungsbewusstsein flankiert werden. Großprojekte sind nie Selbstzweck – sie müssen auf soziale, ökologische und wirtschaftliche Resilienz ausgerichtet sein.

Zweitens: Die Integration von digitalen Stadtmodellen, Echtzeitsimulationen und partizipativen Prozessen ist keine Spielerei, sondern Grundvoraussetzung für nachhaltige Stadtentwicklung. Urban Digital Twins, wie sie in Jakarta eingesetzt werden, ermöglichen eine neue Qualität von Szenarien, Transparenz und Beteiligung – ein Ansatz, den auch deutsche, österreichische und schweizerische Städte stärker nutzen sollten.

Drittens: Die Verbindung von Hightech und Lowtech, von Innovation und Tradition, ist entscheidend. Auch in Europa gibt es fragile Ökosysteme, soziale Spannungen und die Notwendigkeit, Stadtentwicklung im Einklang mit Natur und Geschichte zu denken. Die Erfahrungen aus Jakarta können helfen, eigene Projekte kritisch zu reflektieren und neue Impulse zu setzen.

Viertens: Die Risiken dürfen nicht unterschätzt werden. Großprojekte wie Nusantara sind politisch, ökonomisch und ökologisch hochkomplex. Sie können zu sozialer Segregation, Umweltzerstörung und politischer Entfremdung führen, wenn Partizipation und Transparenz fehlen. Gerade in Demokratien ist daher eine offene Debatte über Ziele, Mittel und Grenzen solcher Projekte unerlässlich.

Schließlich: Der globale Süden wird zum Labor für die Stadt der Zukunft. Wer als Planer, Architekt oder Politiker in Mitteleuropa nicht hinschaut, verpasst entscheidende Entwicklungen. Jakarta zeigt: Die große Transformation ist im Gange – und die Fragen, die dort gestellt werden, sind auch unsere Fragen.

Fazit: Jakarta im Dschungel – Labor für die urbane Zukunft

Jakartas Plan, ein zweites Stadtzentrum im Dschungel zu errichten, ist mehr als ein ambitioniertes Bauprojekt. Es ist ein Experimentierfeld für eine neue Art von Urbanität, in der Natur, Technik und Gesellschaft auf bislang unerprobte Weise zusammenspielen. Die Herausforderungen sind enorm: Bodensenkung, Klimawandel, soziale Gerechtigkeit, indigenes Erbe und ökologische Resilienz verlangen nach mutigen, aber auch klugen Lösungen.

Technische Innovationen wie digitale Zwillinge, smarte Infrastruktur und wassersensible Stadtgestaltung bieten Werkzeuge, die das scheinbar Unmögliche möglich machen. Doch sie sind nur so gut wie die Governance, die sie steuert – und die Menschen, die sie nutzen. Ohne Partizipation, Transparenz und Respekt vor natürlichen und sozialen Grenzen bleibt jede Vision hohl.

Für die Planungs- und Landschaftsarchitekturszene im deutschsprachigen Raum bietet das indonesische Projekt wertvolle Impulse: Mehr Mut zur Innovation, mehr Offenheit für interdisziplinäre Ansätze und ein geschärftes Bewusstsein für die Balance zwischen Technik und Natur sind gefragt. Die Mega-Stadt im Dschungel ist kein Modell zum Kopieren, aber ein Spiegel für die eigenen Ambitionen und Ängste.

Am Ende bleibt festzuhalten: Die Zukunft der Stadt wird nicht im Elfenbeinturm entworfen, sondern im Dickicht von Widersprüchen, Interessen und Möglichkeiten. Jakarta zeigt, wie Urbanismus im 21. Jahrhundert aussehen könnte – visionär, riskant, aber auch voller Chancen. Wer jetzt hinschaut, mitdenkt und mitlernt, kann die Lehren aus dem Dschungel in die eigene Stadt tragen. Und damit vielleicht verhindern, dass das nächste Zentrum im eigenen Sumpf versinkt.


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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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