Japanischer Garten für Zuhause: Definition, Geschichte und Beispiele

Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema Japanischer Garten für Zuhause
Wasseranlagen und Pavillonarchitektur im Landschaftsgarten – ein harmonisches Zusammenspiel. Foto: terminath0r/Unsplash

Ein japanischer Garten für zuhause ist kein dekoratives Zitat aus dem Fernen Osten, das man mit ein paar Kieseln und einer Steinlaterne herbeiführen kann. Er ist ein räumliches Konzept mit eigenem philosophischen Fundament, einer jahrtausendealten Gestaltungstradition und präzisen Prinzipien, die sich auch auf kleinstem Grundstück konsequent umsetzen lassen. Wer diese Prinzipien versteht, plant nicht nur einen ästhetisch überzeugenden Außenraum, sondern schafft einen Ort, der Ruhe, Konzentration und ein tiefes Gespür für Natur und Jahreszeit vermittelt.

  • Was einen japanischen Garten für zuhause ausmacht und wie er sich von anderen Gartenstilen unterscheidet
  • Die wichtigsten historischen Gartentypen Japans und ihre Übertragbarkeit auf private Außenräume
  • Welche Gestaltungsprinzipien wie Ma, Wabi-Sabi und Shakkei die Planung leiten
  • Welche Pflanzen, Materialien und Elemente typisch sind und wie sie fachgerecht eingesetzt werden
  • Wie ein Karesansui-Garten, ein Tee-Garten oder ein Staudenteich-Garten auf kleiner Fläche realisiert werden kann
  • Welche Fehler bei der Umsetzung häufig auftreten und wie sie sich vermeiden lassen
  • Welche Pflegeaufwände realistisch sind und was Planung und Unterhalt unterscheidet
  • Wie der japanische Garten in den Kontext europäischer Freiraumplanung und Klimaanpassung eingeordnet werden kann

Definition: Was ist ein japanischer Garten für zuhause?

Ein japanischer Garten für zuhause ist ein privater Außenraum, der nach den ästhetischen, philosophischen und räumlichen Prinzipien der japanischen Gartenkunst gestaltet ist. Er unterscheidet sich fundamental von einem westlichen Zier- oder Nutzgarten, weil er nicht primär auf Blütenpracht, geometrische Ordnung oder Repräsentation ausgerichtet ist, sondern auf die Darstellung von Natur in ihrer konzentrierten, idealisierten Form. Japanische Gärten bilden keine Natur ab, sie interpretieren sie: Ein Steinhaufen repräsentiert ein Gebirge, eine Kiesfläche steht für Wasser, ein einzelner Baum verkörpert einen Wald. Diese Verdichtung von Bedeutung auf kleinstem Raum ist das eigentliche Merkmal, das den japanischen Garten von allen anderen Gartenstilen trennt.

Der Begriff „japanischer Garten“ umfasst dabei keine einheitliche Gestaltungsform, sondern eine Familie von Gartentypen, die sich über Jahrhunderte in Japan entwickelt haben und jeweils unterschiedliche räumliche, funktionale und spirituelle Qualitäten besitzen. Für private Außenräume in Europa sind vor allem drei Typen relevant: der Karesansui-Garten (der sogenannte Trockengarten oder Zen-Garten), der Tee-Garten (Roji) und der Teich-Garten (Chisen-Kaiyu-Shiki). Jeder dieser Typen folgt eigenen Regeln, lässt sich aber auf unterschiedliche Grundstücksgrößen und klimatische Bedingungen anpassen. Das Wissen um diese Typen ist die Voraussetzung für jede seriöse Planung.

Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner, die mit dem Thema befasst sind, ist es wichtig, zwischen einer authentischen Anlehnung an japanische Gestaltungsprinzipien und einer oberflächlichen Verwendung japanisch wirkender Versatzstücke zu unterscheiden. Letzteres, also das wahllose Kombinieren von Steinlaternen, Bambus, Kies und Kirschbaum ohne konzeptionellen Zusammenhang, ist in der Praxis leider häufig anzutreffen und führt zu Ergebnissen, die weder ästhetisch noch funktional überzeugen. Ein echter japanischer Garten für zuhause entsteht aus dem Verständnis der Prinzipien, nicht aus dem Einkauf von Requisiten.

Geschichte: Von den Hofgärten Japans zum privaten Außenraum in Europa

Die Geschichte der japanischen Gartenkunst reicht bis in das frühe erste Jahrtausend zurück und ist eng mit dem Einfluss chinesischer Kultur, dem Shintoismus und später dem Buddhismus verknüpft. Die ältesten bekannten Gartenanlagen Japans entstanden im Umfeld des kaiserlichen Hofes in Nara und Kyoto und orientierten sich zunächst stark an chinesischen Vorbildern: große Teichanlagen mit Inseln, Pavillons und Brücken, die als Kulisse für höfische Feste dienten. Diese frühen Teichgärten, wie sie in der Heian-Zeit (794 bis 1185) ihren Höhepunkt erreichten, sind der Ursprung der bis heute lebendigen Tradition des japanischen Gartens.

Mit dem Aufstieg des Zen-Buddhismus im Mittelalter Japans, besonders ab dem 13. Jahrhundert, entstand eine neue Gartenform: der Karesansui, der Trockengarten. Dieser Gartentyp, wie er in den Klostergärten Kyotos bis heute in vollendeter Form erhalten ist, verzichtet vollständig auf Wasser und Pflanzen als Hauptelemente. Stattdessen werden Kies oder feiner Schotter zu Mustern geharkt, die Wasseroberflächen, Wellen oder Strömungen evozieren, während sorgfältig platzierte Steine Inseln, Gebirge oder spirituelle Präsenz symbolisieren. Der Ryoan-ji in Kyoto, dessen Karesansui-Garten aus fünfzehn Steinen auf einer gerechten Kiesfläche besteht, gilt als bekanntestes Beispiel dieser Tradition und hat weltweit Generationen von Gartengestaltern beeinflusst.

Der Tee-Garten, die Roji, entwickelte sich im 16. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Teezeremonie (Chado) und dem Teeweg. Die Roji ist kein Schaugarten, sondern ein Weg: Sie führt den Besucher durch einen bewusst gestalteten Übergang vom Alltag zur kontemplativen Stille des Teehauses. Trittsteine (Tobi-ishi), Wasserbecken (Tsukubai), Steinlaternen (Toro) und eine bewusst natürlich wirkende Bepflanzung aus Moosen, Farnen und immergrünen Gehölzen prägen diesen Typus. Der Tee-Garten ist in seiner Grundstruktur für private Außenräume besonders gut geeignet, weil er auch auf schmalen Grundstücken und in Vorgartensituationen eine kohärente räumliche Erzählung entwickeln kann.

Nach Europa gelangten Kenntnisse der japanischen Gartenkunst zunächst durch Reiseberichte und Stiche im 17. und 18. Jahrhundert, blieben aber lange auf eine exotisierende Rezeption beschränkt. Erst nach der Öffnung Japans in der Meiji-Zeit (ab 1868) und insbesondere nach den Weltausstellungen des späten 19. Jahrhunderts, auf denen Japan seine Gartenkunst einem breiten Publikum vorstellte, begann eine ernsthafte Auseinandersetzung mit den Gestaltungsprinzipien. Im 20. Jahrhundert entstanden in Europa zahlreiche öffentliche japanische Gärten, darunter der Japanische Garten in Leverkusen, der Japangarten im Kaiserslauterer Japanischen Garten und der Japanische Garten in Hasselt (Belgien), die als Referenzanlagen für Planer und Interessierte bis heute bedeutsam sind.

Gestaltungsprinzipien: Ma, Wabi-Sabi, Shakkei und die Logik des Weglassens

Das Verständnis der japanischen Gartenkunst setzt die Kenntnis einiger zentraler Konzepte voraus, die keine direkten Entsprechungen im europäischen Gestaltungsdenken haben. Das wichtigste ist das Konzept des Ma (間), das sich am ehesten mit „Zwischenraum“ oder „bedeutungsvoller Leere“ übersetzen lässt. Ma bezeichnet nicht das Nichts, sondern den bewusst gestalteten Raum zwischen Elementen, der diesen Elementen erst ihre Wirkung verleiht. Eine einzelne Pflanze auf einer Kiesfläche wirkt durch das Ma, den freien Raum um sie herum, der ihre Form und Präsenz betont. Im europäischen Gartendenken wird Fläche häufig als zu füllender Raum verstanden; im japanischen Garten ist die Fläche selbst ein Gestaltungselement.

Wabi-Sabi (侘寂) ist ein ästhetisches Prinzip, das die Schönheit des Unvollkommenen, Vergänglichen und Unvollendeten beschreibt. Im Garten äußert sich Wabi-Sabi in der Wertschätzung von verwitterten Steinen, bemoostem Holz, unregelmäßigen Formen und dem sichtbaren Einfluss von Zeit und Witterung. Ein Stein, der von Moos überwachsen ist, ist im japanischen Verständnis schöner als ein frisch gesetzter, weil er Tiefe, Geschichte und die Verbindung mit dem Ort zeigt. Für die Planung bedeutet das: Materialien werden nicht auf Hochglanz gehalten, sondern in ihrer natürlichen Alterung akzeptiert und gefördert. Neue Steine werden nicht als Makel betrachtet, aber das Ziel ist immer die Patina.

Shakkei (借景), wörtlich „geliehene Landschaft“, bezeichnet die Technik, den Blick aus dem Garten auf Elemente außerhalb seiner Grenzen zu lenken und diese scheinbar in den Garten einzubeziehen. Ein Bergpanorama, ein alter Baum auf dem Nachbargrundstück oder eine Kirchturmspitze können durch gezielte Rahmung mit Gehölzen oder Mauern zu einem Teil der Gartenkomposition werden, ohne dass sie zum Grundstück gehören. Shakkei erweitert den wahrgenommenen Raum des Gartens weit über seine physischen Grenzen hinaus und ist besonders für kleine Grundstücke eine wertvolle Strategie.

Das Prinzip der Asymmetrie (Fu-Kinsei) ist ein weiteres Grundmerkmal. Japanische Gärten vermeiden Symmetrie und Achsen, weil diese als künstlich und leblos empfunden werden. Stattdessen werden Elemente in ungeraden Zahlen (drei, fünf, sieben) und in dynamischen, unregelmäßigen Anordnungen gesetzt, die Bewegung und Lebendigkeit suggerieren. Auch die Dreiteilung von Elementen nach dem Prinzip Ten-Chi-Jin (Himmel, Erde, Mensch) spielt bei der Komposition von Steingruppen eine Rolle: ein hohes, ein mittleres und ein niedriges Element bilden zusammen eine vollständige, ausgewogene Gruppe.

Gartentypen und ihre Umsetzung auf privatem Grundstück

Der Karesansui-Garten ist der Typus, der in Europa am häufigsten als Vorbild für den japanischen Garten für zuhause dient, weil er auf kleinstem Raum realisierbar ist und keinen Wasseranschluss erfordert. Ein Karesansui besteht im Kern aus einer Fläche aus gerechtem Kies oder feinem Schotter, in der Steine platziert und Muster geharkt werden. Für die Kiesfläche wird in Japan traditionell Shirakawa-Kies verwendet, ein weißer Granit-Schotter aus der Region Kyoto. In Europa sind helle Granit- oder Quarzite-Kiese geeignete Alternativen. Die Körnung sollte zwischen sechs und zwanzig Millimetern liegen, um ein gleichmäßiges Harken zu ermöglichen.

Die Steinauswahl für den Karesansui ist keine Frage des Zufalls. Steine werden nach Form, Farbe, Textur und Gewicht ausgewählt und in ihrer Ausrichtung sorgfältig positioniert. Jeder Stein hat eine „Vorderseite“ (Omote) und eine „Rückseite“ (Ura), eine natürliche Standfläche und eine Hauptansichtsrichtung. Er wird so eingesetzt, dass er stabil wirkt, als sei er aus dem Boden gewachsen, nicht hingestellt. Für einen privaten Karesansui-Garten empfehlen Fachleute, mit wenigen, qualitativ hochwertigen Steinen zu beginnen, statt viele mittelmäßige zu verwenden. Drei bis fünf sorgfältig gewählte Steine sind überzeugender als zwanzig beliebige.

Der Tee-Garten (Roji) eignet sich besonders für Grundstücke mit einem klaren Wegebezug, etwa als Verbindung zwischen Straße und Hauseingang oder als Übergang zwischen zwei Gartenbereichen. Die Roji wird traditionell in eine äußere (Soto-Roji) und eine innere Zone (Uchi-Roji) unterteilt, die durch ein Tor (Chumon) getrennt sind. Für private Anlagen kann diese Zweiteilung vereinfacht werden, das Prinzip des bewusst geführten Weges mit wechselnden Blickachsen, Trittsteinfolgen und Ruhepunkten bleibt jedoch konstitutiv. Trittsteine werden so gesetzt, dass sie einen natürlichen Gehrhythmus erzwingen: zu nah gesetzt, wirkt der Weg gehetzt; zu weit, wirkt er unkomfortabel. Der Abstand von Mitte zu Mitte liegt in der Regel zwischen fünfundfünfzig und fünfundsechzig Zentimetern.

Teichgärten sind auf privaten Grundstücken aufwendiger, aber auch auf mittlerer Fläche realisierbar. Ein japanischer Teich folgt keiner geometrischen Form, sondern ahmt die unregelmäßigen Konturen natürlicher Gewässer nach. Ufer werden mit Steinen, Moosen und niedrigen Gräsern gestaltet; Übergänge zwischen Wasser und Land sind fließend, nicht abrupt. Koi-Teiche, die in Europa häufig mit japanischen Gärten assoziiert werden, sind historisch eher Teil der chinesisch beeinflussten Palastgärten als der klassischen japanischen Gartenkunst, haben sich aber als eigenständige Tradition etabliert. Für die Wasserqualität und das ökologische Gleichgewicht eines Koi-Teiches gelten spezifische technische Anforderungen an Filtration, Belüftung und Bepflanzung, die in der Planungsphase berücksichtigt werden müssen.

Pflanzen und Materialien: Auswahl, Verwendung und klimatische Anpassung

Die Pflanzenwahl im japanischen Garten folgt dem Prinzip der Reduktion und der Jahreszeiten-Sensibilität. Immergrüne Gehölze wie Japanische Schwarzkiefer (Pinus thunbergii), Japanische Weißkiefer (Pinus parviflora), Azaleen (Rhododendron-Arten, besonders Satsuki-Azaleen) und verschiedene Ilex-Arten bilden das strukturelle Rückgrat. Sie werden durch sommergrüne Gehölze ergänzt, die den Jahreszeiten-Wechsel sichtbar machen: Japanischer Ahorn (Acer palmatum) mit seiner Herbstfärbung, Zierkirschen (Prunus-Arten) mit ihrer Frühlingsblüte und Bambus (Phyllostachys- und Fargesia-Arten) als immergrünes, bewegliches Element. Moos spielt eine besondere Rolle als Bodendecker: Er verbindet Elemente, dämpft den Raum optisch und verkörpert Wabi-Sabi in reinster Form.

In europäischem Klima sind nicht alle traditionellen japanischen Pflanzen problemlos kultivierbar. Japanische Schwarzkiefer ist in kontinentalen Lagen frostempfindlich; Satsuki-Azaleen benötigen sauren Boden und Schutz vor Wintersonne. Für Planer, die einen japanischen Garten für zuhause in mitteleuropäischem Klima konzipieren, empfiehlt sich eine Kombination aus authentischen japanischen Arten, die klimatisch geeignet sind, und europäischen Arten mit ähnlicher Wuchsform und Ästhetik. Europäische Kiefern (Pinus sylvestris) können in der Wuchsform durch Schnitt und Formgebung an japanische Vorbilder angenähert werden; heimische Moosarten sind in feuchten Lagen oft leichter zu etablieren als importierte Arten.

Bei den Materialien gilt das Prinzip der Natürlichkeit und der regionalen Herkunft. Stein, Holz, Bambus und Wasser sind die klassischen Materialien des japanischen Gartens. Beton, Kunststoff und industriell gefertigte Elemente haben in einem authentisch gestalteten japanischen Garten keinen Platz, auch wenn sie funktional gleichwertig wären. Für Wege und Einfassungen werden Natursteine bevorzugt, deren Oberfläche rau und unbehandelt ist. Holz wird als Pfosten, Pergola oder Zaun (Yotsume-Gaki, Kenninji-Gaki) eingesetzt und bewusst der Verwitterung überlassen. Steinlaternen (Toro) sind funktionale Elemente, ursprünglich zur Beleuchtung von Tempel- und Teegartenwegen gedacht, und sollten in ihrer Verwendung auf wenige, sinnvoll platzierte Exemplare beschränkt bleiben.

Häufige Fehler und Missverständnisse bei der Umsetzung

Der verbreitetste Fehler beim Anlegen eines japanischen Gartens für zuhause ist die Überfüllung. Wer versucht, möglichst viele japanisch wirkende Elemente auf einer Fläche unterzubringen, verfehlt das Kernprinzip des Ma. Fünf Steinlaternen, drei Bambusbrunnen, ein Kiesgarten, ein Teich und ein Bonsai-Regal auf fünfzig Quadratmetern ergeben keinen japanischen Garten, sondern ein Sammelsurium. Japanische Gartenkunst ist Kunst des Weglassens: Jedes Element muss seinen Platz verdienen, und der Raum zwischen den Elementen ist genauso wichtig wie die Elemente selbst.

Ein weiterer häufiger Irrtum betrifft die Pflege. Japanische Gärten wirken mühelos und natürlich, sind aber das Ergebnis intensiver, regelmäßiger Pflege. Kiese müssen geharkt, Gehölze nach japanischen Schnittprinzipien (Niwaki) geformt, Moos von Unkraut freigehalten und Steine von Algen gereinigt werden. Wer einen japanischen Garten anlegt, ohne den Pflegeaufwand realistisch einzuschätzen, wird nach wenigen Jahren einen verwilderten, unkenntlichen Außenraum vorfinden. Für Planer bedeutet das: Die Pflegbarkeit muss von Anfang an in die Konzeption einbezogen werden, und Bauherren müssen über den tatsächlichen Aufwand informiert werden.

Auch der unkritische Einsatz von Bambus ist ein häufiges Problem. Viele Phyllostachys-Arten (Laufbambus) sind in europäischen Klimaten hochinvasiv und können benachbarte Flächen, Fundamente und Leitungen durch ihr aggressives Rhizomwachstum schädigen. Ohne Rhizomsperre aus hochwertigem Polyethylen (mindestens zwei Millimeter stark, mindestens siebzig Zentimeter tief) sollte Laufbambus in privaten Gärten nicht verwendet werden. Horst-bildende Fargesia-Arten sind in den meisten Situationen die sicherere und pflegeleichtere Alternative, auch wenn sie eine andere Wuchsform aufweisen.

Der japanische Garten im Kontext europäischer Freiraumplanung

Aus der Perspektive der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung ist der japanische Garten für zuhause nicht nur ein ästhetisches Phänomen, sondern auch ein funktionales Konzept mit Relevanz für aktuelle Planungsaufgaben. Karesansui-Gärten sind versiegelungsarme oder vollständig unversiegelte Außenräume, die bei fachgerechter Ausführung mit wasserdurchlässigem Kiesbelag und ohne Folie unter dem Substrat zur Regenwasserversickerung beitragen können. Teichgärten fördern die Biodiversität und schaffen kleinklimatische Ausgleichsflächen in dichten urbanen Strukturen. Moosbedeckte Flächen haben eine hohe Verdunstungsleistung und tragen zur Kühlung von Mikroklimata bei.

Die Prinzipien des japanischen Gartens, besonders Shakkei, Ma und die Reduktion auf das Wesentliche, sind auch auf größere Planungsmaßstäbe übertragbar. In der Gestaltung von Innenhöfen, Dachgärten, Eingangsbereichen von Verwaltungsgebäuden oder kleinen Stadtplätzen können diese Prinzipien zu Außenräumen führen, die trotz geringer Fläche eine starke räumliche Qualität und hohe Aufenthaltsqualität besitzen. Die japanische Gartenkunst hat in dieser Hinsicht eine Aktualität, die weit über den privaten Garten hinausgeht.

Wer einen japanischen Garten für zuhause plant, ob als Landschaftsarchitekt, als informierter Bauherr oder als Freiraumplaner, tut gut daran, sich zunächst mit den historischen Vorbildern und den philosophischen Grundlagen auseinanderzusetzen, bevor er mit der Materialauswahl beginnt. Die Überzeugungskraft eines gelungenen japanischen Gartens entsteht nicht aus dem Budget oder der Größe der Anlage, sondern aus der Konsequenz, mit der seine Prinzipien angewendet werden. Ein kleiner, sorgfältig gestalteter Karesansui-Garten von zehn Quadratmetern kann mehr Tiefe und Wirkung entfalten als eine weitläufige Anlage, die nur die Oberfläche der Tradition streift.

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Petra Kahlfeldt im Interview zu der Kritik an ihrer Person

Foto: Sebastian Gabsch
Foto: Sebastian Gabsch

Die Startvoraussetzungen für die neue Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt waren von Anfang an schwierig. Bereits im Vorfeld der Ernennung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin hatten zahlreiche Architekt*innen öffentlich ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung der Position gefordert. Als dann die Berliner SPD die Architektin Petra Kahlfeldt im Dezember 2021 als neue Berliner Senatsbaudirektorin vorstellte, hagelte es Kritik. Allen voran von einer Gruppe von acht Architekt*innen. Wir sprachen im Interview mit Petra Kahlfeldt: was die Kritik mit ihr macht und ob sie zum Dialog mit ihren Kritiker*innen bereit ist.

„Ich bekleide nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Petra Kahlfeldt, zunächst einmal Glückwunsch zur Ernennung als neue Senatsbaudirektorin. Welche Herausforderungen der Berliner Stadtentwicklung gehen Sie jetzt als erstes an?

Ich freue mich, als Senatsbaudirektorin an der Gestaltung Berlins aktiv mitwirken zu können. Stadtentwicklung ist ein ständiger Prozess und bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Im Moment stehen im Fokus der Neubau bezahlbarer Wohnungen Schulneubau und Sanierung der bestehenden Schulen, der Kultur- und Wissenschaftsbauten, die Gestaltung wichtiger Ort, wie der ehemalige Flughafen Tegel, die Qualifizierung des Hermannplatzes oder die Entwicklung des Molkenmarkts als ein dichtes, sozial und funktional gemischtes Quartier in Berlins historischer Mitte, um nur einige zu nennen. Unser Ziel ist, schneller von der Planung zum Bauen zu kommen – das ist eine große Herausforderung, aber notwendig, wenn wir sicherstellen wollen, dass unsere Nachbarschaften und Quartiere lebendig und lebenswert bleiben.

Ihre Ernennung hat nicht nur Jubel in der Architekturszene ausgelöst. Eine Initiative von acht Architekt*innen spricht Ihnen öffentlich die Eignung für das Amt ab, fordert die Zurücknahme Ihrer Benennung, der BDA definiert in einer Stellungnahme die Neubesetzung der Senatsbaudirektion als „intransparent und ohne Vision“. Was macht das mit Ihnen?

Das Amt der Senatsbaudirektorin hat immer Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan gerufen, das ist vor allem in Berlin nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch die Heftigkeit der öffentlichen Angriffe, bevor ich überhaupt auch nur eine inhaltliche Entscheidung habe treffen können. Ich bin Senatsbaudirektorin, aber auch Staatssekretärin für Stadtentwicklung, bekleide also nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt. Das wird immer vergessen, wenn einige Architektinnen und Architekten die Art der Neubesetzung kritisieren. Ich bin jetzt vier Wochen im Amt und übernehme viele, bereits laufenden Projekte. Vieles kann ich prozessual und gestalterisch mittragen, in einigen Projekten werde ich eigene Akzente und neue Impulse setzen.

„Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im ‘Elfenbeinturm sitzt’.“

Arno Lederer wiederum stellte sich öffentlich gegen die „Diffamierungen“ Ihrer Person. Er forderte den BDA Berlin auf, für einen konstruktiven Dialog einzutreten. Lederer befürwortet aber auch die vorangegangene gemeinsame Forderung der Profession für ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung. Petra Kahlfeldt, hätte man das Verfahren Ihrer Meinung nach anders aufbauen sollen?

Arno Lederer hat recht, wir müssen nicht Vergangenes bewerten, sondern gemeinsam Zukünftiges schaffen. Es wird immer Menschen geben, die einer Entscheidung widersprechen, obwohl das Regelwerk zur Besetzung einer Position festgelegt ist. Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im „Elfenbeinturm sitzt“. Was immer für das Erscheinungsbild unserer Stadt entschieden wird, ist das Ergebnis von Diskussionsprozessen. Deshalb wird auch die Arbeit des Baukollegiums, werden die Begleitkreise und Partizipationsprozesse fortgeführt.

„Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Laut Arno Lederer habe die gemeinsame Forderung nach mehr Transparenz in der Neubesetzung zudem gezeigt, dass die deutsche Architekturszene mit einer Stimme sprechen könne. Von der Seitenlinie betrachtet: Sowohl die gemeinsame Forderung als auch die öffentliche Kritik, die nun folgte, sprechen wiederum dafür, dass Personen der Profession politische Entscheidungen hinterfragen und nicht nur hinnehmen. Über die Art und Weise kann man streiten, aber: Hat das Ganze Ihrer Meinung nach auch etwas Positives im Sinne einer gelebten Demokratie?

Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen. Solange öffentliche Kritik zum Wohl unserer Stadt geäußert wird, setze ich mich gern damit auseinander, auch das gehört zu den Aufgaben einer Senatsbaudirektorin. Nicht nur die Planerinnen und Planer sowie die Architektinnen und Architekten haben unterschiedliche Auffassungen und Interessen; auch die Bürgerinnen und Bürger wollen mit Ihren Meinungen und Bedürfnissen wahrgenommen werden und Gehör finden. Deshalb gibt es in Berlin die gesetzlichen Leitlinien für die Beteiligung der Bevölkerung. Ich werde die bereits gut etablierte Beratungs- und Prozesskultur weiterführen, um möglichst viele Interessen einzubinden.

Petra Kahlfeldt ist bereit für den Dialog mit ihren Kritiker*innen

Wie gehen Sie nun weiter? Werden Sie das Gespräch mit Ihren Kritiker*innen suchen?

Einem konstruktiven Dialog habe ich mich nie verschlossen und natürlich werde ich bei meiner Arbeit auch Kritikerinnen und Kritikern gegenüberstehen. Wenn es um konkrete Projekte geht, bin ich gern zur Diskussion bereit, denn dann geht es um die Sache und nicht mehr um Entscheidungen, die getroffen wurden und feststehen.

Was bisher geschah, haben wir Ihnen in einem Übersichtsartikel zusammengefasst. Hier lesen Sie alles zu der Kritik, aber auch zu der Unterstützung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt.

Corona und die Städte

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In ihrem Buch analysiert Ingrid Karl, welchen Einfluss die dichten, stets wachsenden Städte auf die Corona-Pandemie und die erodierende Demokratie haben und wie die fortschreitende Globalisierung das Virus begünstigt. Warum der Untertitel “Suche nach einer neuen Normalität” nicht hält was er verspricht, aber wieso das Buch trotzdem absolut lesenswert ist, erklärt Anne Fischer. Eine Buchrezension.

Potenzial zum Klassiker

Worum es geht: Ingrid Krau analysiert, wie dicht bebaute, wachsende Städte die erodierende Demokratie und die Globalisierung den Pandemieverlauf begünstigen. Dabei richtet sie den Blick auf asiatische Megalopolen als wahrscheinlichen Virus-Ursprungsort, auf Urbanität als Lebensform, die dessen Ausbreitung begünstigt, und die Desorientierung vieler Bürger*innen durch soziale Medien, die dafür sorgt, dass im Lockdown giftige Debatten über die politische Entscheidungsgewalt ausbrechen. Im Zentrum ihrer planerischen Überlegungen stehen Städte, die sich, so die Autorin, trotz Klimakrise und daraus folgender Probleme „ihrer früheren Planungsmaxime ‚Licht, Luft und Sonne‘ in erstaunlichem Maß entledigt haben“ – und somit die perfekte Virenumgebung bieten.

Was die Autorin auszeichnet: Die Architektin und Autorin Ingrid Krau lehrte bis 2007 als Professorin für Städtebau und Stadtentwicklung an der TU München. Bereits zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit den Risiken, die extreme Bebauungen mit sich bringen. Krau schreibt vor allem über Städtewachstum und die Folgen fossiler Energiegewinnung.

Das ist die beste Aussage: „Die Vorstellung, wenn jetzt alle zusammen für eine kurze Zeit in den Shutdown gehen, wäre das Virus gebannt, ist ökonomisches Wunschdenken. Es bleibt wegen der Unordnung des Urbanen in den Nischen übersehener Populationen lebendig und tritt an unerwarteter Stelle wieder ans Tageslicht.“

Das erwartet die Leser*innen: Die Unterzeile „Suche nach einer neuen Normalität“ führt Erwartungen in die Irre – denn Krau seziert lediglich den Status quo. Das Buch bietet weniger Anleitung aus dem Schlamassel als präzise Analyse dazu, welchen Anteil der Städtebau an dessen Entstehung trägt. Erst auf den letzten 30 Seiten fordert sie konkrete Maßnahmen für die Zukunft, etwa Bodenfonds für Wohnzwecke, die Be- grenzung von Nachverdichtung, die Erweiterung von Grün- und Durchlüftungsräumen. Sie plädiert für „politischere“ Planung – ohne allerdings der Illusion zu erliegen, es sei einfach, den Boden der Städte „aus seiner Rolle als Spekulationsobjekt internationaler Transaktionen herauszuführen“.

Mehr Klassiker als Trend, weil … Pandemien und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Gesellschaft eigentlich genauso wenig neu sind wie planerische Anstrengungen, Antworten auf das Städtewachstum zu finden, die möglichst wenig Luft und Grün opfern – aber, wie Krau es formuliert: „Wachstum und Fortschritt verbinden sich mit Naturvergessenheit.“

Corona und die Städte – das Buch

Haptik: Die Planerin, der Nachhaltigkeit am Herzen liegt, hat sich folgerichtig einen Verlag gesucht, der mit Öko-Anspruch druckt – und auch auf E-Books setzt.

Design: Nicht vom futuristisch-platt geratenen Cover abschrecken lassen.

Lesefluss: Krau kombiniert umfangreiches Wissen mit präziser und geschliffener Sprache, hier und da wiederholt sie sich aber.

Fazit: Krau liefert eher meinungsstarkes Essay als lupenreines Sachbuch und zeigt Zusammenhänge im großen Erzählbogen auf: von historischen Pandemien über Kompaktwohnformen im frühen 20. Jahrhundert, die Nachverdichtung europäischer Metropolen und Lebensbiotope, die sich Menschen und Wildtiere durch zunehmende Urbanisierung teilen müssen, bis hin zur aktuellen Pandemielage, die öffentliche Räume, aber auch das Arbeiten ins Netz verlagert (und so nebenbei den Flächenbedarf verändert) und wohl langfristige Auswirkungen auf städtebauliche Konzepte haben wird. Das macht das Buch zur kurzweiligen Lektüre für Planer*innen.

Corona und die Städte. Suche nach einer neuen Normalität.

Ingrid Krau

120 Seiten
ISBN: 978-3-96238-291-9
Oekom Verlag, 2021

Print 16 Euro, E-Book 12,99 Euro

Mehr zum Thema Planung, Städte und Corona erfahren Sie in hier.