Japanischer Garten Gestalten: Definition, Geschichte und Beispiele

Eine gestaltete Garten- und Parkanlage zum Thema Japanischer Garten Gestalten
Wasseranlagen und Pavillons als gestalterische Elemente im Außenraum. Foto: terminath0r / Unsplash

Wer einen japanischen Garten gestalten möchte, betritt ein Feld, das weit über Ästhetik hinausgeht: Es geht um eine jahrtausendealte Raumphilosophie, die Natur, Spiritualität und handwerkliche Präzision zu einer eigenständigen Kunstform verdichtet. Der japanische Garten ist kein dekoriertes Stück Land, sondern ein sorgfältig komponiertes Abbild kosmischer Ordnung, das mit Fels, Wasser, Pflanze und Leere arbeitet. Für Landschaftsarchitekten, Freiraumplaner und Bauherren, die sich diesem Typus annähern, ist das Verständnis seiner historischen Wurzeln, seiner Formensprache und seiner planerischen Logik unerlässlich, bevor die erste Schaufel Erde bewegt wird.

  • Was einen japanischen Garten definiert und welche Grundprinzipien ihn von europäischen Gartenformen unterscheiden
  • Wie sich die japanische Gartenkunst historisch entwickelt hat und welche Epochen die wichtigsten Typen hervorgebracht haben
  • Welche Haupttypen des japanischen Gartens existieren und wie sie sich in Funktion und Gestalt unterscheiden
  • Welche Gestaltungselemente, Materialien und Pflanzen für einen japanischen Garten charakteristisch sind
  • Wie man einen japanischen Garten planerisch und technisch korrekt anlegt
  • Welche Fehler bei der Übertragung auf europäische Standorte und Klimabedingungen häufig gemacht werden
  • Welche bedeutenden Beispiele japanischer Gärten weltweit als Referenz dienen können
  • Wie Pflege, Unterhalt und langfristige Entwicklung eines japanischen Gartens professionell zu organisieren sind

Definition und Grundprinzipien: Was einen japanischen Garten ausmacht

Der japanische Garten ist eine eigenständige Gartentypologie mit einer kohärenten philosophischen Grundlage, die sich von allen anderen Gartentraditionen der Welt unterscheidet. Sein Kernprinzip ist nicht die Beherrschung der Natur, sondern ihre Verdichtung und Interpretation: Der Garten soll Natur nicht imitieren, sondern ihr Wesen destillieren. Japanisch heißt dieses Konzept „Shizen“, Natürlichkeit, die durch menschliche Kunst erst vollständig zur Erscheinung kommt. Wer einen japanischen Garten gestalten will, muss diesen scheinbaren Widerspruch zwischen Kunstfertigkeit und Natürlichkeit als Grundspannung akzeptieren und produktiv machen.

Drei philosophische Strömungen haben die japanische Gartenkunst nachhaltig geprägt: der Shintoismus mit seiner Verehrung der Natur als Wohnort göttlicher Kräfte, der Buddhismus mit seiner Betonung von Vergänglichkeit, Stille und Kontemplation sowie der Taoismus, der das Prinzip des Nicht-Erzwungenen, das „Wu Wei“, in die Gestaltungslogik einbrachte. Diese Einflüsse sind nicht historische Relikte, sondern aktive Gestaltungsprinzipien: Sie erklären, warum ein japanischer Garten asymmetrisch komponiert ist, warum Leere als positiver Raumwert gilt, warum Steine nicht dekoriert, sondern als Charakterwesen behandelt werden.

Formale Merkmale, die einen japanischen Garten von anderen Typen unterscheiden, sind die bewusste Asymmetrie aller Kompositionen, der Einsatz von Fels und Kies als primäre Raumelemente, die Reduktion der Pflanzenpalette auf wenige, symbolisch aufgeladene Arten, die Einbeziehung von Wasser oder seiner abstrakten Darstellung sowie die Schichtung von Vorder-, Mittel- und Hintergrund zur Erzeugung räumlicher Tiefe. Hinzu kommt das Prinzip „Ma“, das die Bedeutung des Zwischenraums, der Pause und der Leere als gleichwertige Gestaltungskomponente beschreibt. Wer einen japanischen Garten gestalten möchte, arbeitet also mit dem Nichts ebenso bewusst wie mit dem Etwas.

Geschichte der japanischen Gartenkunst: Von den Ursprüngen bis zur Gegenwart

Die Geschichte des japanischen Gartens beginnt nicht in Japan selbst, sondern auf dem asiatischen Festland. Über Korea gelangten im 6. und 7. Jahrhundert chinesische Gartenideen auf die japanischen Inseln, zunächst als Bestandteil buddhistischer Tempelanlagen. Die frühen Gärten der Nara-Zeit orientierten sich an chinesischen Vorbildern mit Teichen, Inseln und Pavillons, die kosmologische Vorstellungen von der Welt als Insel im Ozean verkörperten. Die Insel im Teich, „Shima“ genannt, gilt als eines der ältesten und beständigsten Motive der japanischen Gartengeschichte.

Die Heian-Zeit, die von Ende des 8. bis ins späte 12. Jahrhundert reichte, brachte den ersten eigenständig japanischen Gartenstil hervor: den Teichgarten des Hofadels, „Shinden-Zukuri“ genannt. Diese Gärten umgaben repräsentative Palastanlagen und dienten als Bühne für höfische Feste, Bootsfahrten und Dichterwettbewerbe. Der Teich war Mittelpunkt, die Ufer waren mit geschwungenen Wegen, Steinen und Kiefern gestaltet, und die Gesamtanlage war auf das Erleben vom Wasser aus konzipiert. Das Werk „Sakuteiki“ aus dem 11. Jahrhundert gilt als ältester erhaltener Gartenratgeber der Welt und beschreibt detailliert die Regeln für Steinsetzen, Wasserführung und Pflanzenwahl.

Mit dem Aufstieg der Kriegerklasse in der Kamakura- und Muromachi-Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt. Der Zen-Buddhismus, der von China importiert worden war, beeinflusste die Gartenkunst tiefgreifend. Es entstanden die trockenen Landschaftsgärten, „Karesansui“, in denen Wasser durch Kies oder Sand und Felsen durch Steine symbolisch dargestellt wurden. Der Ryoanji-Tempel in Kyoto, dessen Steingarten aus dem späten 15. Jahrhundert stammt, ist das bekannteste Beispiel dieser Tradition und bis heute ein Referenzpunkt für jeden, der einen japanischen Garten gestalten möchte. Fünfzehn Steine, in Gruppen auf weißem Kies arrangiert, von keinem Standpunkt aus vollständig sichtbar: die Komposition ist eine Meditation über Vollständigkeit und Unvollständigkeit zugleich.

Die Momoyama- und frühe Edo-Zeit brachten den Teegarten hervor, „Roji“ genannt, der den Weg zum Teehaus als spirituelle Vorbereitung auf die Teezeremonie gestaltet. Moose, Trittplatten, Steinlaternen und Wasserbecken, „Tsukubai“, sind die charakteristischen Elemente dieses Typs. Die späte Edo-Zeit schließlich entwickelte den großen Spazierganggarten, „Kaiyushiki-Teien“, der verschiedene Szenerien entlang eines Rundwegs verknüpft und dabei Landschaften aus ganz Japan oder China als miniaturisierte Zitate einbezieht. Diese Gärten, wie der Katsura Rikyu in Kyoto oder der Kenroku-en in Kanazawa, sind Meisterwerke räumlicher Narration.

Haupttypen des japanischen Gartens: Karesansui, Teegarten, Teichgarten und mehr

Die Typologisierung japanischer Gärten folgt nicht allein formalen Kriterien, sondern auch ihrer Funktion und ihrem spirituellen Kontext. Der Karesansui, der trockene Landschaftsgarten, ist der abstrakteste Typ. Er verzichtet auf echtes Wasser und ersetzt es durch gerechten Kies oder feinen Sand, der mit Harken in Muster gezogen wird, die Wasseroberflächen, Wellen oder Strömungen evozieren. Steine stehen für Berge, Inseln oder Lebewesen. Dieser Typ ist eng mit Zen-Klöstern verbunden und auf Betrachtung aus einem festen Standpunkt, meist einer Veranda, ausgerichtet. Er ist der Typ, der am häufigsten missverstanden und als bloßes Dekor reduziert wird.

Der Teegarten, Roji, ist kein Garten im Sinne einer Gesamtkomposition, sondern ein Weg: ein choreografierter Übergang zwischen der Alltagswelt und dem Raum der Teezeremonie. Seine Elemente sind funktional und symbolisch zugleich. Die Trittplatten, „Tobi-ishi“, regulieren das Tempo des Gehens und lenken den Blick. Das Steinbecken, Tsukubai, zwingt den Besucher zum Bücken, zur körperlichen Demut, bevor er das Teehaus betritt. Steinlaternen, „Toro“, markieren den Weg und verweisen auf Licht als spirituelle Metapher. Moos und niedrige Pflanzen erzeugen eine Atmosphäre des Zurückgezogenen, Feuchten, Alten.

Der Teichgarten, „Chi-sen Kaiyushiki-Teien“ in seiner entwickelten Form, ist der raumgreifendste Typ und erlaubt die größte Bandbreite an Elementen. Teich, Inseln, Brücken, Pavillons, Hügel, Wäldchen und Rasenflächen werden zu einem Rundgang verknüpft, der dem Besucher wechselnde Perspektiven und Stimmungen bietet. Dieser Typ eignet sich am ehesten für die Übertragung in öffentliche Parks und größere Privatgärten im europäischen Kontext. Bekannte Beispiele außerhalb Japans sind der Japanische Garten im Kurpark Bad Langensalza, der Japanische Garten in Hasselt (Belgien) oder der Garten der Botschaft Japans in Berlin.

Daneben existieren Hausgärten, „Tsubo-niwa“, die auf kleinstem Raum, oft in Innenhöfen oder zwischen Gebäuden, eine vollständige Gartenkomposition entwickeln. Sie sind die direkteste Parallele zum modernen Stadtgarten und zeigen, dass japanischer Garten gestalten auch auf wenigen Quadratmetern möglich und sinnvoll ist, wenn die Prinzipien konsequent angewendet werden.

Gestaltungselemente, Materialien und Pflanzen: Die Sprache des japanischen Gartens

Steine sind das wichtigste Gestaltungsmittel des japanischen Gartens. Sie werden nicht als Dekoration eingesetzt, sondern als Charakterwesen mit eigener Persönlichkeit, Ausrichtung und Energie. Das Sakuteiki beschreibt detailliert, wie Steine „stehen“, „liegen“ oder „lehnen“ können und welche Kombinationen harmonisch oder dissonant wirken. Für das professionelle Gestalten eines japanischen Gartens bedeutet das: Steine werden einzeln ausgewählt, ihre natürliche Lagerungsrichtung wird respektiert, und ihre Anordnung folgt einer kompositorischen Logik, die Spannung und Ruhe zugleich erzeugt. Bevorzugte Materialien sind Granit, Schiefer, Sandstein und vulkanische Gesteine mit verwitterter, moosiger Oberfläche.

Wasser, ob real oder symbolisch dargestellt, ist das zweite Hauptelement. In Teichgärten wird es durch natürliche Zuläufe oder Umwälzpumpen in Bewegung gehalten; Wasserfall und Bach sind eigenständige Kompositionselemente mit eigenen Regeln für Steinführung und Gefälle. Im Karesansui wird Wasser durch Kies ersetzt, der mit Harken in Wellenmuster gezogen wird. Die Pflege dieser Muster ist eine meditative Praxis und zugleich ein handwerklicher Anspruch, der regelmäßige Kompetenz erfordert.

Die Pflanzenpalette des japanischen Gartens ist bewusst reduziert und symbolisch aufgeladen. Folgende Pflanzen und Pflanzengruppen sind charakteristisch:

  • Kiefern (Pinus thunbergii, Pinus densiflora): Symbol für Langlebigkeit und Beständigkeit, durch Schnitt in charakteristische Formen gebracht
  • Bambus (Phyllostachys-Arten, Fargesia-Arten): Sichtschutz, Bewegung im Wind, Symbol für Flexibilität und Stärke
  • Japanischer Ahorn (Acer palmatum): Herbstfärbung als saisonaler Höhepunkt, Leichtigkeit der Blattstruktur
  • Kirsche (Prunus serrulata und Verwandte): Blüte als Symbol der Vergänglichkeit, „Mono no Aware“
  • Azaleen und Rhododendren (Rhododendron-Arten): Formschnitt zu runden Hügeln, „Karikomi“
  • Moos (verschiedene Arten): Bodenbelag, der Alter und Feuchtigkeit evoziert, schwierig in kontinentalen Klimaten zu etablieren
  • Bambusgras (Hakonechloa macra): Bodendecker mit Bewegungsqualität
  • Seerosen und Iris (Nymphaea, Iris ensata): Wasserrand und Teichgestaltung

Wege, Brücken, Zäune und Pavillons sind architektonische Elemente, die aus natürlichen Materialien gefertigt werden: Holz, Bambus, Naturstein und Rinde. Der Bogenbrücke, „Taiko-bashi“, kommt eine besondere symbolische Bedeutung zu: Sie verbindet zwei Welten und spiegelt sich im Wasser zu einem vollständigen Kreis. Steinlaternen, Toro, sind keine Beleuchtungskörper im funktionalen Sinne, sondern räumliche Markierungen mit spirituellem Gehalt.

Japanischen Garten gestalten: Planerische und technische Grundlagen

Wer einen japanischen Garten gestalten möchte, beginnt nicht mit der Auswahl von Pflanzen oder Steinen, sondern mit der Analyse des Ortes. Die japanische Gartenphilosophie kennt das Konzept „Miegakure“, das Prinzip des Verbergens und Enthüllens: Elemente werden so angeordnet, dass sie nicht auf einmal sichtbar sind, sondern schrittweise entdeckt werden. Das setzt eine genaue Kenntnis der Sichtachsen, der Bewegungslinien und der Blickpunkte voraus. Ein Geländemodell und eine Sichtachsenanalyse sind deshalb Grundlage jeder ernsthaften Planung.

Die Topografie des Geländes wird im japanischen Garten aktiv eingesetzt. Hügel, „Tsukiyama“, werden künstlich aufgeschüttet, um Tiefe und Maßstab zu erzeugen. Ihre Form orientiert sich an natürlichen Bergformen, ist aber nie symmetrisch. Die Böschungsneigung muss so gewählt werden, dass Erosion vermieden wird und Moos oder Bodendecker sich etablieren können; in der Praxis haben sich Neigungen unter 30 Grad als pflegbar erwiesen. Für die Unterbodenkonstruktion von Teichen gelten dieselben technischen Anforderungen wie bei anderen Wasserbauwerken: Folie oder Betonwanne, Filtration, Belüftung und Überlauf müssen fachgerecht geplant werden, damit das Ökosystem stabil bleibt.

Die Auswahl und Setzung von Steinen erfordert handwerkliche Erfahrung und sollte nicht delegiert werden. Steine werden in ihrer natürlichen Lagerungsrichtung gesetzt, das heißt, die Schichtung des Gesteins verläuft horizontal, wie in der Natur. Steine, die „falsch herum“ stehen, also mit der natürlichen Schichtung senkrecht, wirken im japanischen Garten als Fehler und stören die kompositorische Ruhe. Für größere Steine ist schweres Gerät erforderlich; die Planung muss Zufahrtswege und Lastpunkte berücksichtigen, bevor Pflanzen gesetzt werden.

Für europäische Standorte ist die Klimaanpassung eine zentrale planerische Aufgabe. Moos, das in Japan auf feuchten, schattigen Böden mit hoher Luftfeuchtigkeit gedeiht, ist in kontinentalen oder trockenen Klimaten kaum zu etablieren. Alternativen sind Thymian, Mazus reptans oder niedrige Sedumarten, die optisch ähnliche Bodendeckerteppiche bilden. Japanischer Ahorn verträgt kontinentale Winterfröste in der Regel gut, leidet aber unter Spätfrösten und trockenem Ostwind; Standortwahl und Windschutz sind deshalb entscheidend. Bambus muss in Bezug auf seine Ausbreitungstendenz kontrolliert werden: Laufbambus-Arten (Phyllostachys) benötigen eine tief eingebrachte Rhizomsperre, Horstig wachsende Arten (Fargesia) sind in dieser Hinsicht unproblematischer.

Häufige Fehler und Missverständnisse beim Gestalten japanischer Gärten

Der verbreitetste Fehler beim Versuch, einen japanischen Garten zu gestalten, ist die Reduktion auf Symbole ohne Verständnis ihrer Logik. Steine werden wahllos platziert, Steinlaternen als Dekoration aufgestellt, Kies geharkt, ohne dass eine kompositorische Idee dahintersteht. Das Ergebnis ist kein japanischer Garten, sondern eine Ansammlung japanischer Motive, die ohne innere Ordnung nebeneinander stehen. Fachleute sprechen hier von „Japonismus“ als oberflächlicher Stilimitation, die dem Original nicht gerecht wird.

Ein weiterer häufiger Fehler ist die Überfüllung. Der japanische Garten lebt von Reduktion und Leere; jedes Element muss seinen Platz rechtfertigen. Wer zu viele Pflanzenarten, zu viele Steine, zu viele Accessoires kombiniert, zerstört das Prinzip „Ma“ und erzeugt Unruhe statt Kontemplation. Weniger ist hier nicht nur ästhetisch, sondern philosophisch gemeint: Jedes Element, das entfernt werden kann, ohne dass die Komposition leidet, sollte entfernt werden.

Pflegetechnisch unterschätzen viele Bauherren den Aufwand, der für die Erhaltung eines japanischen Gartens erforderlich ist. Der charakteristische Formschnitt von Kiefern, „Niwaki“ genannt, ist eine hochspezialisierte handwerkliche Technik, die Jahre der Einarbeitung erfordert. Azaleen-Karikomi müssen zweimal jährlich präzise geschnitten werden, um ihre runden Formen zu erhalten. Kies und Sand müssen regelmäßig geharkt, von Laub befreit und bei Bedarf nachgefüllt werden. Wer diese Pflegeanforderungen nicht in die Betriebskosten einplant, wird feststellen, dass ein japanischer Garten ohne konsequente Pflege schnell seinen Charakter verliert.

Schließlich ist die unkritische Übertragung japanischer Pflanzenarten auf europäische Böden und Klimata ein planerisches Risiko. Nicht alle in Japan verwendeten Arten sind in Europa winterhart oder invasiv unbedenklich. Staudenknöterich (Reynoutria japonica), der in Japan als Pioniergehölz ökologisch eingebettet ist, gilt in Europa als eine der problematischsten invasiven Arten und darf in Gärten keinesfalls verwendet werden. Die Pflanzenwahl muss immer die lokale Ökologie und die geltenden Regelungen zu invasiven Arten berücksichtigen.

Bedeutende Beispiele japanischer Gärten als Referenz für die Planung

Für jeden, der professionell einen japanischen Garten gestalten möchte, ist das Studium bedeutender Originalanlagen unverzichtbar. In Japan selbst sind der Kenroku-en in Kanazawa, der Kokedera (Moostempel) in Kyoto und der Shinjuku Gyoen in Tokio drei grundlegend verschiedene Referenzpunkte: Der Kenroku-en ist ein klassischer Spazierganggarten der Edo-Zeit mit Teich, Hügeln und sorgfältig geformten Kiefern; der Kokedera zeigt, was Moos als Hauptgestaltungsmittel leisten kann; der Shinjuku Gyoen verbindet japanische, englische und französische Gartenelemente zu einer modernen Hybridanlage.

Außerhalb Japans sind der Japanische Garten in Portland (Oregon, USA), der von Kengo Osaki und später von Sadafumi Uchiyama gepflegt und weiterentwickelt wurde, sowie der Japanische Garten in Hasselt (Belgien) bedeutende Referenzen für die Übertragung japanischer Gartenkunst in andere Klimazonen und Kulturkontexte. In Deutschland sind der Japanische Garten in Leverkusen, der im Rahmen der Bundesgartenschau 1964 angelegt wurde, und der Japanische Garten im Kurpark Bad Langensalza bekannte Beispiele, die zeigen, wie unterschiedlich die Qualität solcher Übertragungen ausfallen kann.

Diese Referenzanlagen sollten nicht als Vorlagen kopiert, sondern als Studienobjekte analysiert werden: Wie ist das Verhältnis von Wasser zu Land? Wie sind Sichtachsen aufgebaut? Welche Pflanzen wurden für das jeweilige Klima gewählt? Wie ist die Pflege organisiert? Diese Fragen führen zu einem tieferen Verständnis der Prinzipien, das dann auf den eigenen Planungskontext übertragen werden kann.

Pflege, Unterhalt und langfristige Entwicklung: Der japanische Garten als Daueraufgabe

Ein japanischer Garten ist kein Zustand, sondern ein Prozess. Diese Aussage ist keine Metapher, sondern eine praktische Planungsrealität: Pflanzen wachsen, Steine verwittern, Kies verschmutzt, Moos breitet sich aus oder stirbt zurück. Die Pflege eines japanischen Gartens ist deshalb keine Unterhaltungsmaßnahme im Sinne des Erhalts eines statischen Zustands, sondern eine kontinuierliche gestalterische Tätigkeit, die Kompetenz und Kontinuität erfordert.

Für öffentliche Anlagen und größere Privatgärten empfehlen Fachleute die Erstellung eines Pflegeplans, der die saisonalen Pflegeschritte, den Personalaufwand und die erforderlichen Spezialkenntnisse dokumentiert. Niwaki-Schnitt, Karikomi-Formschnitt, Kiesharken, Moospflege und Wasserpflege sind Tätigkeiten, die unterschiedliche Qualifikationen erfordern und nicht beliebig kombinierbar sind. Die Beauftragung eines auf japanische Gärten spezialisierten Gartenbauunternehmens oder die Zusammenarbeit mit japanischen Gartenmeistern, die in Europa tätig sind, ist für anspruchsvolle Anlagen die professionell sinnvollste Lösung.

Langfristig verändert sich ein japanischer Garten durch das Wachstum seiner Gehölze. Kiefern, die als junge Bäume leicht formbar sind, werden mit zunehmendem Alter zu prägenden Charakterbäumen, deren Schnitt immer anspruchsvoller wird. Azaleen wachsen aus ihrer Form heraus, wenn der Schnitt auch nur wenige Jahre unterbleibt. Diese Dynamik muss in der Planung antizipiert werden: Pflanzabstände, Wuchspotenziale und Pflegeintervalle sind von Anfang an so zu wählen, dass der Garten in seiner Reife schöner wird, nicht unbeherrschbarer.

Der japanische Garten im Kontext zeitgenössischer Freiraumplanung

Die Relevanz des japanischen Gartens für die zeitgenössische Landschaftsarchitektur liegt nicht in seiner Exotik, sondern in seiner konzeptuellen Tiefe. Prinzipien wie Reduktion, Asymmetrie, die Einbeziehung von Leere als Raumwert und die Choreografie von Bewegung und Wahrnehmung sind universelle Werkzeuge, die weit über den japanischen Garten hinaus anwendbar sind. Viele Landschaftsarchitekten der Moderne, von Isamu Noguchi bis zu zeitgenössischen Büros wie Kengo Kuma Associates, haben diese Prinzipien in ihre Arbeit integriert, ohne dabei japanische Motive zu imitieren.

Für die Freiraumplanung in dichten Städten bietet der japanische Garten ein besonders relevantes Modell: Er zeigt, dass auf kleinstem Raum eine vollständige räumliche Erfahrung möglich ist, wenn die Komposition präzise ist. Tsubo-niwa, die Hof- und Zwischenraumgärten, sind direkte Vorläufer des modernen Stadtgartens und des begrünten Innenhofs. Ihre Logik, wenige Elemente mit maximaler Präzision zu setzen, ist auf zeitgenössische Aufgaben wie die Gestaltung von Dachgärten, Atrien oder Stadtplätzen übertragbar.

Wer einen japanischen Garten gestalten möchte, übernimmt damit eine Verantwortung: die Verantwortung gegenüber einer Tradition, die über Jahrhunderte verfeinert wurde, gegenüber dem Ort, der seine eigene Logik mitbringt, und gegenüber den Nutzern, die in diesem Garten Stille, Schönheit und Orientierung suchen. Diese Verantwortung ist keine Last, sondern eine Einladung zur Präzision, zum Nachdenken und zur Bescheidenheit gegenüber dem, was Natur und Kultur gemeinsam hervorbringen können.

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Petra Kahlfeldt im Interview zu der Kritik an ihrer Person

Foto: Sebastian Gabsch
Foto: Sebastian Gabsch

Die Startvoraussetzungen für die neue Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt waren von Anfang an schwierig. Bereits im Vorfeld der Ernennung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin hatten zahlreiche Architekt*innen öffentlich ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung der Position gefordert. Als dann die Berliner SPD die Architektin Petra Kahlfeldt im Dezember 2021 als neue Berliner Senatsbaudirektorin vorstellte, hagelte es Kritik. Allen voran von einer Gruppe von acht Architekt*innen. Wir sprachen im Interview mit Petra Kahlfeldt: was die Kritik mit ihr macht und ob sie zum Dialog mit ihren Kritiker*innen bereit ist.

„Ich bekleide nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Petra Kahlfeldt, zunächst einmal Glückwunsch zur Ernennung als neue Senatsbaudirektorin. Welche Herausforderungen der Berliner Stadtentwicklung gehen Sie jetzt als erstes an?

Ich freue mich, als Senatsbaudirektorin an der Gestaltung Berlins aktiv mitwirken zu können. Stadtentwicklung ist ein ständiger Prozess und bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Im Moment stehen im Fokus der Neubau bezahlbarer Wohnungen Schulneubau und Sanierung der bestehenden Schulen, der Kultur- und Wissenschaftsbauten, die Gestaltung wichtiger Ort, wie der ehemalige Flughafen Tegel, die Qualifizierung des Hermannplatzes oder die Entwicklung des Molkenmarkts als ein dichtes, sozial und funktional gemischtes Quartier in Berlins historischer Mitte, um nur einige zu nennen. Unser Ziel ist, schneller von der Planung zum Bauen zu kommen – das ist eine große Herausforderung, aber notwendig, wenn wir sicherstellen wollen, dass unsere Nachbarschaften und Quartiere lebendig und lebenswert bleiben.

Ihre Ernennung hat nicht nur Jubel in der Architekturszene ausgelöst. Eine Initiative von acht Architekt*innen spricht Ihnen öffentlich die Eignung für das Amt ab, fordert die Zurücknahme Ihrer Benennung, der BDA definiert in einer Stellungnahme die Neubesetzung der Senatsbaudirektion als „intransparent und ohne Vision“. Was macht das mit Ihnen?

Das Amt der Senatsbaudirektorin hat immer Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan gerufen, das ist vor allem in Berlin nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch die Heftigkeit der öffentlichen Angriffe, bevor ich überhaupt auch nur eine inhaltliche Entscheidung habe treffen können. Ich bin Senatsbaudirektorin, aber auch Staatssekretärin für Stadtentwicklung, bekleide also nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt. Das wird immer vergessen, wenn einige Architektinnen und Architekten die Art der Neubesetzung kritisieren. Ich bin jetzt vier Wochen im Amt und übernehme viele, bereits laufenden Projekte. Vieles kann ich prozessual und gestalterisch mittragen, in einigen Projekten werde ich eigene Akzente und neue Impulse setzen.

„Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im ‘Elfenbeinturm sitzt’.“

Arno Lederer wiederum stellte sich öffentlich gegen die „Diffamierungen“ Ihrer Person. Er forderte den BDA Berlin auf, für einen konstruktiven Dialog einzutreten. Lederer befürwortet aber auch die vorangegangene gemeinsame Forderung der Profession für ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung. Petra Kahlfeldt, hätte man das Verfahren Ihrer Meinung nach anders aufbauen sollen?

Arno Lederer hat recht, wir müssen nicht Vergangenes bewerten, sondern gemeinsam Zukünftiges schaffen. Es wird immer Menschen geben, die einer Entscheidung widersprechen, obwohl das Regelwerk zur Besetzung einer Position festgelegt ist. Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im „Elfenbeinturm sitzt“. Was immer für das Erscheinungsbild unserer Stadt entschieden wird, ist das Ergebnis von Diskussionsprozessen. Deshalb wird auch die Arbeit des Baukollegiums, werden die Begleitkreise und Partizipationsprozesse fortgeführt.

„Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Laut Arno Lederer habe die gemeinsame Forderung nach mehr Transparenz in der Neubesetzung zudem gezeigt, dass die deutsche Architekturszene mit einer Stimme sprechen könne. Von der Seitenlinie betrachtet: Sowohl die gemeinsame Forderung als auch die öffentliche Kritik, die nun folgte, sprechen wiederum dafür, dass Personen der Profession politische Entscheidungen hinterfragen und nicht nur hinnehmen. Über die Art und Weise kann man streiten, aber: Hat das Ganze Ihrer Meinung nach auch etwas Positives im Sinne einer gelebten Demokratie?

Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen. Solange öffentliche Kritik zum Wohl unserer Stadt geäußert wird, setze ich mich gern damit auseinander, auch das gehört zu den Aufgaben einer Senatsbaudirektorin. Nicht nur die Planerinnen und Planer sowie die Architektinnen und Architekten haben unterschiedliche Auffassungen und Interessen; auch die Bürgerinnen und Bürger wollen mit Ihren Meinungen und Bedürfnissen wahrgenommen werden und Gehör finden. Deshalb gibt es in Berlin die gesetzlichen Leitlinien für die Beteiligung der Bevölkerung. Ich werde die bereits gut etablierte Beratungs- und Prozesskultur weiterführen, um möglichst viele Interessen einzubinden.

Petra Kahlfeldt ist bereit für den Dialog mit ihren Kritiker*innen

Wie gehen Sie nun weiter? Werden Sie das Gespräch mit Ihren Kritiker*innen suchen?

Einem konstruktiven Dialog habe ich mich nie verschlossen und natürlich werde ich bei meiner Arbeit auch Kritikerinnen und Kritikern gegenüberstehen. Wenn es um konkrete Projekte geht, bin ich gern zur Diskussion bereit, denn dann geht es um die Sache und nicht mehr um Entscheidungen, die getroffen wurden und feststehen.

Was bisher geschah, haben wir Ihnen in einem Übersichtsartikel zusammengefasst. Hier lesen Sie alles zu der Kritik, aber auch zu der Unterstützung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt.

Corona und die Städte

Advertorial Artikel Parallax Article

In ihrem Buch analysiert Ingrid Karl, welchen Einfluss die dichten, stets wachsenden Städte auf die Corona-Pandemie und die erodierende Demokratie haben und wie die fortschreitende Globalisierung das Virus begünstigt. Warum der Untertitel “Suche nach einer neuen Normalität” nicht hält was er verspricht, aber wieso das Buch trotzdem absolut lesenswert ist, erklärt Anne Fischer. Eine Buchrezension.

Potenzial zum Klassiker

Worum es geht: Ingrid Krau analysiert, wie dicht bebaute, wachsende Städte die erodierende Demokratie und die Globalisierung den Pandemieverlauf begünstigen. Dabei richtet sie den Blick auf asiatische Megalopolen als wahrscheinlichen Virus-Ursprungsort, auf Urbanität als Lebensform, die dessen Ausbreitung begünstigt, und die Desorientierung vieler Bürger*innen durch soziale Medien, die dafür sorgt, dass im Lockdown giftige Debatten über die politische Entscheidungsgewalt ausbrechen. Im Zentrum ihrer planerischen Überlegungen stehen Städte, die sich, so die Autorin, trotz Klimakrise und daraus folgender Probleme „ihrer früheren Planungsmaxime ‚Licht, Luft und Sonne‘ in erstaunlichem Maß entledigt haben“ – und somit die perfekte Virenumgebung bieten.

Was die Autorin auszeichnet: Die Architektin und Autorin Ingrid Krau lehrte bis 2007 als Professorin für Städtebau und Stadtentwicklung an der TU München. Bereits zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit den Risiken, die extreme Bebauungen mit sich bringen. Krau schreibt vor allem über Städtewachstum und die Folgen fossiler Energiegewinnung.

Das ist die beste Aussage: „Die Vorstellung, wenn jetzt alle zusammen für eine kurze Zeit in den Shutdown gehen, wäre das Virus gebannt, ist ökonomisches Wunschdenken. Es bleibt wegen der Unordnung des Urbanen in den Nischen übersehener Populationen lebendig und tritt an unerwarteter Stelle wieder ans Tageslicht.“

Das erwartet die Leser*innen: Die Unterzeile „Suche nach einer neuen Normalität“ führt Erwartungen in die Irre – denn Krau seziert lediglich den Status quo. Das Buch bietet weniger Anleitung aus dem Schlamassel als präzise Analyse dazu, welchen Anteil der Städtebau an dessen Entstehung trägt. Erst auf den letzten 30 Seiten fordert sie konkrete Maßnahmen für die Zukunft, etwa Bodenfonds für Wohnzwecke, die Be- grenzung von Nachverdichtung, die Erweiterung von Grün- und Durchlüftungsräumen. Sie plädiert für „politischere“ Planung – ohne allerdings der Illusion zu erliegen, es sei einfach, den Boden der Städte „aus seiner Rolle als Spekulationsobjekt internationaler Transaktionen herauszuführen“.

Mehr Klassiker als Trend, weil … Pandemien und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Gesellschaft eigentlich genauso wenig neu sind wie planerische Anstrengungen, Antworten auf das Städtewachstum zu finden, die möglichst wenig Luft und Grün opfern – aber, wie Krau es formuliert: „Wachstum und Fortschritt verbinden sich mit Naturvergessenheit.“

Corona und die Städte – das Buch

Haptik: Die Planerin, der Nachhaltigkeit am Herzen liegt, hat sich folgerichtig einen Verlag gesucht, der mit Öko-Anspruch druckt – und auch auf E-Books setzt.

Design: Nicht vom futuristisch-platt geratenen Cover abschrecken lassen.

Lesefluss: Krau kombiniert umfangreiches Wissen mit präziser und geschliffener Sprache, hier und da wiederholt sie sich aber.

Fazit: Krau liefert eher meinungsstarkes Essay als lupenreines Sachbuch und zeigt Zusammenhänge im großen Erzählbogen auf: von historischen Pandemien über Kompaktwohnformen im frühen 20. Jahrhundert, die Nachverdichtung europäischer Metropolen und Lebensbiotope, die sich Menschen und Wildtiere durch zunehmende Urbanisierung teilen müssen, bis hin zur aktuellen Pandemielage, die öffentliche Räume, aber auch das Arbeiten ins Netz verlagert (und so nebenbei den Flächenbedarf verändert) und wohl langfristige Auswirkungen auf städtebauliche Konzepte haben wird. Das macht das Buch zur kurzweiligen Lektüre für Planer*innen.

Corona und die Städte. Suche nach einer neuen Normalität.

Ingrid Krau

120 Seiten
ISBN: 978-3-96238-291-9
Oekom Verlag, 2021

Print 16 Euro, E-Book 12,99 Euro

Mehr zum Thema Planung, Städte und Corona erfahren Sie in hier.