Kalkstein Trockenmauer: Material, Detail und Praxis

Ein Detail von Belag und Freiraummaterial zum Thema Kalkstein Trockenmauer
Trockensteinmauer in weiter Landschaft unter bewölktem Himmel. Foto: jonathanborba / Unsplash

Kalkstein ist eines der ältesten Baumaterialien der Menschheit, und die Trockenmauer aus Kalkstein gehört zu den technisch anspruchsvollsten wie ökologisch wertvollsten Konstruktionen im Freiraum. Sie kommt ohne Mörtel aus, hält Jahrzehnte oder Jahrhunderte, bietet Lebensraum für eine außergewöhnliche Artenvielfalt und fügt sich in Kulturlandschaften ein wie kaum ein anderes Bauwerk. Wer eine Kalkstein Trockenmauer plant, baut oder pflegt, bewegt sich an der Schnittstelle von Geologie, Statik, Vegetationskunde und Denkmalpflege.

  • Was eine Kalkstein Trockenmauer definiert und wie sie sich von anderen Trockenmauern unterscheidet
  • Welche geologischen und materialkundlichen Eigenschaften Kalkstein als Baustoff auszeichnen
  • Welche statischen und konstruktiven Grundprinzipien das Mauerwerk ohne Mörtel tragen
  • Wie Fundament, Schichtung, Neigung und Abschluss fachgerecht ausgeführt werden
  • Welche Normen, Regelwerke und Fachstandards für Trockenmauern relevant sind
  • Welche ökologischen Funktionen Kalkstein-Trockenmauern im Freiraum übernehmen
  • Wie Trockenmauern in der Landschaftsarchitektur und im Freiraum eingesetzt werden
  • Welche Fehler beim Bau häufig auftreten und wie sie sich vermeiden lassen

Definition und Einordnung: Was eine Kalkstein Trockenmauer ist

Eine Trockenmauer ist eine Mauer aus Naturstein, die ohne Bindemittel, also ohne Mörtel, Zement oder Beton, errichtet wird. Der Zusammenhalt entsteht ausschließlich durch das Eigengewicht der Steine, ihre formschlüssige Verzahnung und die innere Reibung der Kontaktflächen. Der Begriff „trocken“ bezieht sich nicht auf den Feuchtigkeitsgehalt des Materials, sondern auf den Verzicht auf nasse Bindemittel. Eine Kalkstein Trockenmauer ist folglich eine Trockenmauer, deren Steine aus kalkhaltigem Sedimentgestein bestehen, also aus Kalkstein, Muschelkalk, Jurakalk, Dolomit oder verwandten Gesteinen der Karbonatgesteinsgruppe.

Innerhalb der Trockenmauertypologie lassen sich freistehende Mauern, die beidseitig sichtbar sind und keine Erdlast aufnehmen, von Stützmauern unterscheiden, die einseitig an Erdreich anliegen und Geländesprünge sichern. Letztere sind statisch anspruchsvoller, weil sie neben dem Eigengewicht auch den Erddruck des Hinterfüllmaterials aufnehmen müssen. In der Praxis der Landschaftsarchitektur und des Freiraumbaus überwiegen Stützmauern aus Kalkstein, weil sie in Hanglagen, Terrassengärten, Weinbergen und Böschungssicherungen seit Jahrhunderten bewährt sind. Freistehende Kalkstein-Trockenmauern finden sich als Einfriedungen, Wegebegleitungen oder als gestalterische Elemente in der Parkanlage.

Historisch sind Kalkstein-Trockenmauern in Europa eng mit der Kulturlandschaft verknüpft. In den Weinbaugebieten an Mosel, Rhein, Nahe und Ahr, in der schwäbischen Alb, im Fränkischen Jura, in der Toskana, auf Malta oder in den Trockenmauerlandschaften der Mittelmeerinseln prägen sie ganze Regionen. Die FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau) hat mit ihren Empfehlungen für Trockenmauern einen fachlichen Rahmen geschaffen, der auch für die Kalkstein Trockenmauer maßgeblich ist. Das Wissen um den Bau dieser Mauern wurde 2018 von der UNESCO als immaterielles Kulturerbe anerkannt, was die kulturelle Dimension dieser Bautechnik unterstreicht.

Kalkstein als Baustoff: Geologie, Eigenschaften und Materialauswahl

Kalkstein ist ein Sedimentgestein, das überwiegend aus Calciumcarbonat (CaCO3) besteht. Er entsteht durch die Ablagerung von Schalenresten mariner Organismen, durch chemische Ausfällung aus kalkhaltigem Wasser oder durch eine Kombination beider Prozesse. Je nach Entstehungsgeschichte, Diagenese und regionaler Geologie variieren Kalksteine erheblich in ihrer Dichte, Druckfestigkeit, Wasseraufnahme, Frostbeständigkeit und Spaltbarkeit. Diese Varianz ist für die Materialauswahl bei der Kalkstein Trockenmauer von zentraler Bedeutung.

Muschelkalk, der in Mitteleuropa weit verbreitet ist, zeigt eine charakteristische Schichtung und lässt sich entlang der Schichtflächen gut spalten. Er liefert plattige bis blockige Steine mit relativ ebenen Lagerflächen, die für den Mauerbau günstig sind. Jurakalk aus der Schwäbischen und Fränkischen Alb ist dichter, oft heller und enthält häufig Hornsteinknollen oder Versteinerungen. Dolomit, ein Karbonatgestein mit erhöhtem Magnesiumanteil, ist in der Regel härter und frostbeständiger als reiner Kalkstein, aber auch spröder. Für den Freiraumbau in frostexponierten Lagen ist die Frostbeständigkeit des gewählten Kalksteins eine der wichtigsten Prüfgrößen.

Die Frostbeständigkeit von Kalkstein hängt von seiner Porosität und Wasseraufnahme ab. Dichte, niedrigporöse Kalksteine mit geringer Wasseraufnahme sind frostbeständig; poröse, saugfähige Varietäten können durch Frostsprengung zerstört werden, wenn Wasser in den Poren gefriert und expandiert. Für die Materialprüfung empfiehlt sich die Beurteilung nach einschlägigen Prüfnormen für Naturwerkstein, etwa der DIN EN 12371 (Frostbeständigkeit) oder der DIN EN 1926 (Druckfestigkeit). In der Praxis des Trockenmauerbaus wird die Materialeignung häufig durch regionale Erfahrung und die Kenntnis lokaler Steinbrüche beurteilt, was bei der Kalkstein Trockenmauer in traditionellen Weinbauregionen über Generationen weitergegeben wurde.

Die Steinform beeinflusst die Qualität des Mauerwerks erheblich. Bruchsteine aus dem Steinbruch, die entlang natürlicher Kluftflächen gebrochen werden, sind unregelmäßig, aber oft mit gut nutzbaren Lagerflächen versehen. Gespaltene Kalksteine bieten planere Oberflächen und erleichtern das Schichten. Behauene oder gesägte Kalksteinquader ermöglichen ein regelmäßigeres Mauerwerk, sind aber aufwendiger in der Herstellung und teurer. Für eine handwerklich hochwertige Kalkstein Trockenmauer ist eine Mischung aus verschiedenen Steingrößen ideal: große Steine als tragende Schicht, mittlere als Füllsteine, kleine als Keile und Ausgleich.

Konstruktive Grundlagen: Statik, Schichtung und Detailausführung

Das statische Prinzip der Trockenmauer beruht auf der Schwerkraft und der inneren Reibung. Jeder Stein liegt auf dem darunter liegenden auf, und die Gesamtmasse des Mauerwerks hält die Konstruktion in Position. Bei Stützmauern kommt der Erddruck des Hinterfüllmaterials als horizontale Kraft hinzu, die durch die Neigung der Mauer (Anlehnung oder Böschungsneigung) und durch die Eigengewichtskraft des Mauerwerks aufgenommen wird. Eine Kalkstein Trockenmauer als Stützmauer wird deshalb nicht senkrecht, sondern mit einer Neigung von in der Regel fünf bis zwanzig Prozent in Richtung des Erdreichs gebaut. Diese Anlehnung, auch Anzug genannt, erhöht die Standsicherheit erheblich.

Das Fundament ist die wichtigste Einzelkomponente jeder Trockenmauer. Es muss frostfrei gegründet werden, was in Mitteleuropa je nach Region eine Gründungstiefe von achtzig bis hundert Zentimetern erfordert. Das Fundament besteht bei Kalkstein-Trockenmauern häufig aus einer Lage grober Bruchsteine oder Schotter, die auf gewachsenem Boden oder einer verdichteten Tragschicht aufliegen. Ein Betonfundament ist bei kleinen Mauern nicht zwingend erforderlich, bei größeren Stützmauern aber empfehlenswert, um Setzungen zu vermeiden. Entscheidend ist, dass das Fundament drainagefähig ist, damit kein Stauwasser unter der Mauer entsteht, das bei Frost zur Hebung führen könnte.

Die Schichtung des Mauerwerks folgt dem Prinzip: Jede Fuge muss von der darüber liegenden Steinreihe überdeckt werden. Durchgehende Vertikalfugen, die sogenannten Läufer, schwächen das Mauerwerk und müssen vermieden werden. Binderstein, also Steine, die quer zur Mauerrichtung eingebaut werden und tief ins Mauerwerk reichen, verzahnen die äußere Schale mit dem inneren Füllkern und erhöhen die Stabilität. Bei einer Kalkstein Trockenmauer sollte alle ein bis zwei Steinlagen mindestens ein Binderstein pro laufendem Meter eingebaut werden. Die Lagerflächen der Steine werden leicht nach innen geneigt, sodass das Eigengewicht die Steine in Richtung der Mauermitte drückt.

Der Mauerabschluss, die sogenannte Kronenabdeckung, schützt das Mauerwerk vor eindringendem Niederschlag und mechanischer Beanspruchung. Bei Kalkstein-Trockenmauern werden häufig flache, breite Decksteine verwendet, die die gesamte Mauerbreite überspannen. Diese Decksteine sollten möglichst schwer und formschlüssig verlegt sein, damit sie nicht durch Frost, Wind oder mechanische Einwirkung verschoben werden. In manchen Regionen wird die Krone mit Mörtel gesetzt, was den Charakter der Trockenmauer technisch verändert, aber die Dauerhaftigkeit erhöht. Aus ökologischer Sicht ist eine ungefügte Krone vorzuziehen, weil sie Hohlräume für Tiere bietet.

Drainage und Hinterfüllung bei Stützmauern

Bei Stützmauern aus Kalkstein ist die Drainage des Hinterfüllbereichs von entscheidender Bedeutung. Staut sich Wasser hinter der Mauer, erhöht sich der hydrostatische Druck erheblich, was zur Destabilisierung führen kann. Zwischen dem gewachsenen Boden und der Mauer wird deshalb eine Drainageschicht aus grobkörnigem, nicht bindigem Material eingebaut, typischerweise Schotter oder Kies. Diese Drainageschicht leitet Sickerwasser seitlich ab und verhindert Staudruck. Bei langen Mauern können zusätzlich Entwässerungsöffnungen, sogenannte Speier, in die Mauer integriert werden. Das Hinterfüllmaterial selbst sollte möglichst grobkörnig und durchlässig sein; bindige Böden wie Lehm oder Ton sind als direkte Hinterfüllung ungeeignet, weil sie Wasser speichern und bei Frost quellen.

Ökologische Funktion: Kalkstein-Trockenmauern als Lebensraum

Kalkstein-Trockenmauern gehören zu den artenreichsten Strukturen im Freiraum. Die Kombination aus Kalksubstrat, Hohlräumen, extremen Mikroklimabedingungen und der Abwesenheit von Bodenkonkurrenz schafft Lebensraum für eine Vielzahl von Pflanzen, Tieren und Pilzen, die in der intensiv genutzten Kulturlandschaft sonst kaum Rückzugsräume finden. Für die Landschaftsarchitektur ist diese ökologische Funktion ein zentrales Argument für den Einsatz von Kalkstein-Trockenmauern in der Freiraum- und Grünplanung.

Die Fugen und Hohlräume der Mauer bieten Nistplätze für solitäre Wildbienen und Wespen, Überwinterungsquartiere für Reptilien wie Zauneidechse (Lacerta agilis) und Schlingnatter (Coronella austriaca), Verstecke für Kleinsäuger und Feuchtigkeit speichernde Nischen für Moose und Farne. Die Südseite einer Kalkstein Trockenmauer erwärmt sich durch Sonneneinstrahlung stark und bietet wärmeliebenden Arten einen Lebensraum, der in der Fläche kaum zu finden ist. Die Nordseite dagegen ist kühler und feuchter und beherbergt eine andere, ebenfalls spezialisierte Artengemeinschaft. Diese Exposition bedingte Differenzierung macht eine einzige Mauer zu einem ökologisch vielfältigen Lebensraumkomplex.

Die Vegetation auf und an Kalkstein-Trockenmauern ist hochspezialisiert. Mauerraute (Asplenium ruta-muraria), Zerbrechlicher Blasenfarn (Cystopteris fragilis), Mauer-Zimbelkraut (Cymbalaria muralis), Fetthenne-Arten (Sedum spp.) und verschiedene Polsterpflanzen wie Steinkraut (Alyssum spp.) oder Blaukissen (Aubrieta spp.) sind typische Vertreter. Diese Arten sind an die extremen Bedingungen des Kalksubstrats, die geringe Wasserverfügbarkeit und die starken Temperaturschwankungen angepasst. In der Planungspraxis kann die Besiedelung durch gezielte Einbringung von Pflanzenmaterial in die Fugen beschleunigt werden, wobei Moose und Farne oft auch spontan einwandern, wenn die Bedingungen stimmen.

Aus Sicht der Biodiversitätsstrategie und der grünen Infrastruktur sind Kalkstein-Trockenmauern als lineare Strukturen besonders wertvoll, weil sie als Korridore für Tierarten in der Landschaft dienen. In Weinbaugebieten, wo Trockenmauern terrassenweise den Hang gliedern, entstehen vernetzte Lebensraumketten, die für die Ausbreitung von Reptilien, Insekten und Kleinsäugern von erheblicher Bedeutung sind. Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner, die Kalkstein-Trockenmauern in ihre Entwürfe integrieren, leisten damit einen messbaren Beitrag zur Biotopvernetzung.

Planung und Anwendung in der Landschaftsarchitektur

In der Landschaftsarchitektur und im professionellen Freiraumbau wird die Kalkstein Trockenmauer für eine breite Palette von Aufgaben eingesetzt. Sie dient der Böschungssicherung und Terrassierung von Hanglagen, der Einfriedung und Raumgliederung in Parks und Gärten, der Fassung von Wegen und Plätzen, der Gestaltung von Spielbereichen und Aufenthaltszonen sowie der ökologischen Aufwertung von Grünflächen. In der Denkmalpflege ist die fachgerechte Instandsetzung historischer Kalkstein-Trockenmauern eine eigenständige Disziplin, die besondere Kenntnisse der traditionellen Bautechnik erfordert.

Bei der Planung einer Kalkstein Trockenmauer sind mehrere Faktoren frühzeitig zu klären. Die Geländetopografie bestimmt Lage, Länge und Höhe der Mauer sowie die Notwendigkeit einer Drainage. Die Bodenverhältnisse beeinflussen die Fundamenttiefe und die Hinterfüllstrategie. Die Verfügbarkeit von regionalem Kalkstein ist aus ökologischen, gestalterischen und wirtschaftlichen Gründen zu prüfen, da kurze Transportwege die Ökobilanz verbessern und regionales Material zur Einbindung in die Kulturlandschaft beiträgt. Die Mauerhöhe bestimmt die statischen Anforderungen: Mauern über einem Meter Höhe erfordern in der Regel eine ingenieurmäßige Beurteilung der Standsicherheit.

Die FLL-Empfehlungen für Trockenmauern und Natursteinmauern geben Orientierung für Planung, Ausschreibung und Ausführung. Sie definieren Anforderungen an Material, Schichtung, Fundament und Drainage und bilden die fachliche Grundlage für Leistungsbeschreibungen im Wettbewerb und in der Vergabe. Für die Ausschreibung ist die genaue Beschreibung des Steinmaterials, der Steingrößen, der Mauerneigung und der Fugensituation entscheidend, weil diese Parameter die Qualität des Mauerwerks maßgeblich bestimmen und erhebliche Preisunterschiede zwischen Angeboten erklären können.

Instandhaltung und Sanierung

Kalkstein-Trockenmauern sind wartungsarm, aber nicht wartungsfrei. Die häufigsten Schäden entstehen durch Frostsprengung einzelner Steine, durch Wurzeldruck von Gehölzen, die in die Fugen einwachsen, durch Erosion des Hinterfüllmaterials bei unzureichender Drainage sowie durch mechanische Einwirkung. Die Instandhaltung umfasst das Nachsetzen herausgefallener Steine, das Entfernen von Gehölzaufwuchs in der Mauerfuge (Moose und krautige Pflanzen sind dagegen erwünscht), die Kontrolle der Drainage und gegebenenfalls die Erneuerung der Kronenabdeckung. Bei der Sanierung historischer Mauern ist die Verwendung von Originalstein oder zumindest von Material gleicher Herkunft und Qualität anzustreben, um die gestalterische und ökologische Kontinuität zu wahren.

Häufige Fehler und wie sie sich vermeiden lassen

Der verbreitetste Fehler beim Bau einer Kalkstein Trockenmauer ist ein unzureichendes oder falsch ausgeführtes Fundament. Wird die Mauer auf nicht frostfrei gegründetem Untergrund errichtet, entstehen durch Frostbewegungen Setzungen und Verschiebungen, die das Mauerwerk in wenigen Wintern zum Einsturz bringen können. Ein zweiter häufiger Fehler ist die Verwendung von ungeeignetem, zu porösem oder zu weichem Kalkstein, der der Frostbeanspruchung nicht standhält und nach wenigen Jahren zerfällt. Die Materialauswahl muss deshalb auf die klimatischen Bedingungen des Standorts abgestimmt sein.

Ein weiterer typischer Fehler ist das Fehlen von Bindersteinen. Mauern, die nur aus parallel zur Mauerfront geschichteten Steinen bestehen, ohne dass Binder quer eingebaut werden, sind strukturell schwach und neigen zum Auseinanderfallen. Ebenso problematisch ist eine zu steile oder gar senkrechte Ausführung von Stützmauern, die den Erddruck nicht ausreichend kompensiert. Die Neigung der Mauer in Richtung des Erdreichs ist kein gestalterischer Kompromiss, sondern eine statische Notwendigkeit.

Schließlich wird die Drainage des Hinterfüllbereichs häufig unterschätzt oder ganz vernachlässigt. Ohne funktionierende Drainage baut sich hinter der Mauer bei Starkregen oder Schneeschmelze ein Wasserdruck auf, der selbst gut gebaute Mauern destabilisieren kann. Die Kombination aus frostfestem Fundament, geeignetem Kalkstein, korrekter Schichtung mit Bindersteinen, ausreichender Neigung und funktionierender Drainage ist die Voraussetzung für eine dauerhaft standsichere Kalkstein Trockenmauer.

Kalkstein Trockenmauer im Kontext nachhaltiger Freiraumgestaltung

Die Kalkstein Trockenmauer ist weit mehr als eine technische Lösung für Böschungssicherung oder Geländemodellierung. Sie ist ein Bauwerk, das Material, Konstruktion, Ökologie und Kulturlandschaft auf eine Weise verbindet, die in der Freiraum- und Landschaftsarchitektur selten so dicht zusammenkommt. Ihre Dauerhaftigkeit, die bei fachgerechter Ausführung Jahrhunderte betragen kann, macht sie zu einer der nachhaltigsten Konstruktionen im Außenraum überhaupt. Sie kommt ohne energieintensive Bindemittel aus, verwendet ein regionales Naturmaterial, das in vielen Teilen Mitteleuropas verfügbar ist, und schafft dabei Lebensraum, den keine andere Stützmauerkonstruktion in vergleichbarer Qualität bieten kann.

Für die Landschaftsarchitektur und den Freiraumbau bedeutet das: Die Kalkstein Trockenmauer ist kein nostalgisches Relikt, sondern eine zeitgemäße Antwort auf die Anforderungen an Biodiversität, Ressourcenschonung und Klimaanpassung. In einer Planungskultur, die zunehmend auf grüne Infrastruktur, Biotopvernetzung und den Einsatz natürlicher Materialien setzt, gehört die Trockenmauer aus Kalkstein zu den Bausteinen, die Fachleute kennen, beherrschen und gezielt einsetzen sollten. Das handwerkliche Wissen um ihre Ausführung, das die UNESCO zu Recht als schützenswert eingestuft hat, muss in Ausbildung und Praxis lebendig gehalten werden.

Wer eine Kalkstein Trockenmauer plant und baut, braucht geologisches Verständnis für das Material, statisches Grundwissen für die Konstruktion, ökologisches Wissen für die Einbindung in den Lebensraum und gestalterisches Gespür für die Einbindung in die Landschaft. Diese Kombination macht den Bau einer Kalkstein Trockenmauer zu einer der komplexesten und zugleich befriedigendsten Aufgaben im Freiraumbau, einer Aufgabe, bei der handwerkliche Präzision und planerisches Denken untrennbar verbunden sind.

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Deshalb entschieden wir uns schon im Entwurf für eine Hybridlösung aus wiederverwendetem Altpflaster und chinesischem gelbgrauen Granit. Das vorhandene Quarzitpflaster aus unterschiedlichsten Größen, überwiegend polygonaler Formate, wurde mit großem Aufwand aussortiert, gesägt und in den „Gehwegen“ in „passe“ neu verlegt. Entstanden ist ein spannungsvoller, lebendiger Rahmen um die, mit chinesischem Großpflaster gepflasterten Fahrbahnen und Platzflächen. Der Kostenaufwand für das Aussortieren und Sägen des Pflasters, obwohl im Eigentum der Stadt, war wesentlich höher als die Verwendung importierten Materials. Dieses Vorgehen ermöglichte jedoch eine weitestgehend ressourcenschonende Nutzung der Materialien. Die Förderrichtlinien unterstützen Nachhaltigkeit indirekt, indem man eingesparte Fördergelder für andere Zwecke innerhalb des Projektes nutzen konnte. Das Bad-Lauchstädt-Projekt erhielt den Deutschen Natursteinpreis 2018 in der Sparte Freiraum unter anderem hinsichtlich seiner Nachhaltigkeitsaspekte.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Märzausgabe 2019 der G+L.

COP29: Die Finanz-Klimakonferenz

Bei der Eröffnungszeremonie der COP29 gaben sich die Staats- und Regierungschefs der Welt die Hand. Credit: President.az, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons
Bei der Eröffnungszeremonie der COP29 gaben sich die Staats- und Regierungschefs der Welt die Hand. Credit: President.az, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons

Am Sonntag, dem 24. November, ging die diesjährige COP29-Klimakonferenz zu Ende. Die Verhandlungen waren hart, brachten aber zumindest einen kleinen Erfolg: Die Mitgliedsländer einigten sich auf ein 300-Milliarden-Dollar-Abkommen zur Klimafinanzierung.

Um die Klimakrise zu bekämpfen, sind mindestens 1 Billion US-Dollar pro Jahr notwendig. Die COP29, die im November 2024 in Baku, Aserbaidschan, stattfindet, wurde als die Klimakonferenz der Finanzen angekündigt. Sie hatte die sehr schwierige Aufgabe, Mittel aufzubringen. Die meisten Teilnehmerländer waren sich zwar einig, dass mindestens eine Billion Dollar pro Jahr von den reicheren Ländern an die ärmeren fließen muss, aber sie waren nicht bereit, sich freiwillig zu melden. Schließlich kam es zu einem Abkommen, bei der die Regierungen der USA und der EU eine Finanzierung zusagten. Nach Ansicht von Expert*innen ist die versprochene Summe jedoch nicht hoch genug. Auch die Wiederwahl von Donald Trump gab Anlass zur Sorge, denn die USA könnten sich 2025 aus ihrer Verpflichtung zurückziehen.

Proteste und Unzufriedenheit

Nach Gesprächen, bei denen viel auf dem Spiel stand, einigte man sich auf der COP29 darauf, dass ein Klimafinanzierungsabkommen in Höhe von 1,3 Billionen Dollar notwendig ist. Vorerst legten sich die Unterhändler*innen jedoch darauf fest, den Geldfluss zu verdreifachen, um Entwicklungsländer bei der Umstellung auf sauberere Energie und der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen. Im Rahmen dieser Vereinbarung werden die wohlhabenden Nationen bis 2035 jährlich 300 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen – gegenüber dem früheren Ziel von 100 Milliarden.

Diese 300 Milliarden Dollar werden größtenteils in Form von Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen bereitgestellt. Wie das Ziel von 1,3 Billionen Dollar erreicht werden soll, ist noch unklar. Private Investor*innen und eine Reihe potenzieller neuer Geldquellen, wie mögliche Steuern auf fossile Brennstoffe und Vielflieger*innen, werden die Lücke füllen. Aber die COP-Mitglieder müssen dafür erst eine Einigung finden.

Entsprechend kochten die Emotionen hoch. Entwicklungsländer haben die Konferenz als eine Katastrophe für ärmere Länder und als Verrat der reichen Länder bezeichnet. Ein weiteres Problem ist die Frage, welche Staaten am bedürftigsten sind. Größere Schwellenländer wie Indien oder Länder wie Russland und China, die in manchen Definitionen noch als Entwicklungsländer eingestuft werden, sind nicht unbedingt die am meisten gefährdeten Nationen.

Zwei Gruppen solch gefährdeter Länder, die Allianz der kleinen Inselstaaten und die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder, verließen am Samstag aus Protest eine Sitzung. Später kehrten sie zurück, brachten aber dennoch ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck.

Auf dem Weg zu 2,7 Grad Celsius

Die COP29 fand nur wenige Tage nach dem Sieg von Donald Trump bei den US-Wahlen statt. Er beabsichtigt, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen, wenn er im Januar sein Amt antritt, und wird wahrscheinlich keine Klimafinanzierung für Entwicklungsländer bereitstellen. Dieser zusätzliche Druck veranlasste die Länder zu der Entscheidung, dass es keine Option war, sich in Baku nicht auf eine Erhöhung der Klimafinanzierung zu einigen. Der Deal bedeutet jedoch keine sofortigen Mittel. Sie könnte auch die Verschuldung von ärmeren Ländern erhöhen.

Das Gastgeberland der COP, Aserbaidschan, wurde für seine Organisation und Moderation der Konferenz stark kritisiert. Das Land ist zu 90 Prozent von Öl und Gas abhängig, und die Lobbyisten der fossilen Brennstoffe waren bei den Gesprächen sehr präsent. Auch Saudi-Arabien spielte eine störende Rolle, unter anderem durch den Versuch, einen wichtigen Text ohne umfassende Konsultation zu ändern. Die beiden größten Volkswirtschaften und Treibhausgasemittenten der Welt, die USA und China, waren hingegen in Baku nur wenig präsent.

Neben der Klimafinanzierung befasste sich die COP auch mit der Reduzierung der heimischen Emissionen. Wenn die Staaten ihre derzeitigen Zusagen einhalten, ist die Welt noch weit von dem 2015 in Paris vereinbarten Ziel von 1,5 Grad Celsius entfernt – derzeit liegen wir laut einem UN-Bericht eher auf dem Weg zu 2,7 Grad Celsius. Die COP im vergangenen Jahr hatte Anlass zur Hoffnung gegeben, dass sich dies schneller ändern könnte, als es derzeit aussieht.

Das Gastgeberland der diesjährigen Klimakonferenz, Aserbaidschan, ist zu 90 Prozent von Öl und Gas abhängig. Foto: Teymur Mammadov via unsplash
Das Gastgeberland der diesjährigen Klimakonferenz, Aserbaidschan, ist zu 90 Prozent von Öl und Gas abhängig. Foto: Teymur Mammadov via unsplash

Besser als keine Einigung

Die nächste COP, Nummer 30, findet 2025 in der brasilianischen Stadt Belem statt, und bis dahin haben die Länder noch viel zu tun. Bis Februar 2025 müssen sie aktualisierte Zusagen zur Emissionsreduzierung vorlegen. Die Aufmerksamkeit der Medien wird nicht nachlassen, und mit dem Amtsantritt von Donald Trump wird es viele Fragen darüber geben, wie andere Länder den Schaden ausgleichen, den er anrichten könnte.

Einer der Tage auf der COP29 war den Städten und der städtischen Umwelt gewidmet. Zwei wichtige Erklärungen wurden veröffentlicht: die COP29 Map Declaration for Resilient and Healthy Cities und die COP29 Declaration on Enhanced Climate Action in Tourism. Erstere ruft zur sektorübergreifenden Zusammenarbeit auf, um inklusive, nachhaltige und klimaresistente Städte zu schaffen. Sie unterstreicht die Bedeutung der Handlungsbereiche nachhaltiger städtischer Verkehr, umweltfreundliches Bauen, naturbasierte Lösungen und Klimafinanzierung.

Parallel dazu hat der Global Covenant of Mayors for Climate & Energy ein Paket neuer Partnerschaften und Ressourcen zur Beschleunigung von Klimamaßnahmen auf mehreren Ebenen eingeführt. Diese Initiative unterstützt die städtische Klimafinanzierung, die Datennutzung und die Innovation, damit die Städte Klimapläne umsetzen können. Der Urbanisation Day verdeutlichte die Dringlichkeit, mit der die klimatischen Herausforderungen auf städtischer Ebene angegangen werden müssen.

Stadtverwaltungen, Stadtplaner*innen und viele verwandte Berufsgruppen werden weiter auf die Klimaziele hinarbeiten. Und obwohl die Einigung auf der COP29 enttäuschend war, ist sie immer noch besser als gar kein Deal.

Lesen Sie mehr darüber, wie die Klimafinanzierung von Milliarden auf Billionen erhöht werden kann.