Wasserverbrauchsoptimierung im Parkbetrieb durch KI

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Spektakuläre Luftaufnahme einer Stadt mit Flusslauf, aufgenommen von Carrie Borden

Wasser ist das neue Gold im städtischen Grün – und wer Parks effizient bewässern will, kommt an Künstlicher Intelligenz längst nicht mehr vorbei. Automatisierte Systeme, lernende Algorithmen und smarte Sensoren revolutionieren den Umgang mit dem nassen Element. Aber wie genau funktioniert die Wasserverbrauchsoptimierung im Parkbetrieb durch KI? Wo liegen die Chancen, die Tücken – und was bedeutet das konkret für Planung, Betrieb und nachhaltige Stadtentwicklung? Willkommen bei der nächsten Stufe urbaner Ressourceneffizienz.

  • Einführung in die Wasserverbrauchsproblematik städtischer Parks und die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI) bei deren Optimierung.
  • Darstellung aktueller KI-Technologien und Sensorik zur Bewässerungssteuerung im Parkbetrieb.
  • Analyse realer Anwendungsbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – von Pilotprojekten bis zu etablierten Best Practices.
  • Vertiefte Betrachtung der Wechselwirkung zwischen Datenqualität, KI-Modellierung und nachhaltigem Wassermanagement.
  • Diskussion zu Herausforderungen wie Datenschutz, Standardisierung, Interoperabilität und kulturellem Wandel im Betrieb.
  • Klarstellungen zu technischen Begriffen wie IoT-Sensorik, Predictive Analytics und Machine Learning im Kontext der öffentlichen Grünflächenpflege.
  • Zukunftsausblick: Integration von KI in den gesamten Lebenszyklus von Parkanlagen – von der Planung bis zur Bewirtschaftung.
  • Reflexion über gesellschaftliche und demokratische Aspekte: Wem gehören die Daten, und wie transparent bleibt der Einsatz von KI?
  • Abschließende Bewertung: Wie viel Potenzial, wie viel Risiko – und wie gelingt der Sprung von der Pilotierung zur urbanen Exzellenz?

Wasser im Park: Luxusgut oder planbare Ressource? Die neue urbane Realität

Städtische Parks sind längst keine grünen Selbstläufer mehr, sondern hochkomplexe Systeme, deren Bewirtschaftung zunehmend im Spannungsfeld zwischen ökologischen Ansprüchen, Kostendruck und Klimastress steht. Gerade der Wasserverbrauch entwickelt sich in Zeiten fortschreitender Urbanisierung, häufiger Dürreperioden und steigender Temperaturen zu einer der größten Herausforderungen für Kommunen, Landschaftsarchitekten und Parkbetreiber. Die Zeiten, in denen beliebig viel Wasser aus dem Hahn floss, sind vorbei – nicht nur aus Kostengründen, sondern auch, weil Wassermanagement zum zentralen Baustein nachhaltiger Stadtentwicklung geworden ist.

Historisch wurden Parks oft nach Bauchgefühl oder fixen Zeitplänen bewässert. Ob die Rasenflächen wirklich durstig waren oder der Boden längst gesättigt, spielte dabei eine untergeordnete Rolle. Die Folge: unnötiger Wasserverbrauch, punktuell sogar Übernässung, und im schlimmsten Fall ökologisch kontraproduktive Effekte. Mit dem wachsenden Druck, effizienter zu wirtschaften und Ressourcen gezielt einzusetzen, rückt das Thema Wasserverbrauchsoptimierung immer stärker in den Fokus professioneller Parkbewirtschaftung.

Insbesondere in mitteleuropäischen Städten wie München, Stuttgart oder Zürich, wo sowohl die Ansprüche an die Aufenthaltsqualität als auch die ökologischen Standards hoch sind, stellt sich die Frage: Wie lässt sich der Wasserverbrauch so steuern, dass Parks vital und attraktiv bleiben – und gleichzeitig ein Minimum an Ressourcen verbraucht wird? Die Antwort liegt, wie so oft, in der Digitalisierung. Aber nicht in Form des nächsten Bewässerungskalenders, sondern als datengetriebenes, intelligentes System, das flexibel auf Wetter, Bodenbeschaffenheit und Pflanzenbedürfnisse reagieren kann.

Die jüngsten Dürresommer haben vielerorts gezeigt, wie schnell traditionelle Methoden an ihre Grenzen stoßen. Es sind vor allem die extremen Schwankungen – Starkregen gefolgt von wochenlanger Trockenheit –, die klassische Bewirtschaftungsmodelle ins Wanken bringen. Genau hier setzen moderne KI-basierte Lösungen an: Sie versprechen, den Wasserverbrauch im Parkbetrieb nicht nur zu senken, sondern ihn auch bedarfsgerecht und vorausschauend zu steuern. Doch was ist Hype, was ist Substanz? Und wie funktioniert das Zusammenspiel aus Sensorik, Algorithmen und menschlicher Expertise in der Praxis?

Mit der Integration von KI-Technologien in die Wasserwirtschaft urbaner Grünflächen beginnt eine neue Ära der Parkpflege. Es reicht nicht mehr, einzelne Sektoren gezielt zu bewässern oder smarte Ventile zu verbauen. Die Herausforderung besteht darin, ein ganzheitliches System zu schaffen, das nicht nur Daten sammelt, sondern diese auch intelligent auswertet, Muster erkennt und auf dieser Basis Entscheidungen trifft. Kurz: Der Park wird zur lernenden Infrastruktur – und Wasserverbrauch zur planbaren Ressource.

KI und Sensorik: Das smarte Nervensystem moderner Bewässerung

Der Kern jeder KI-basierten Wasserverbrauchsoptimierung ist ein Netzwerk aus Sensoren, Aktoren und lernenden Algorithmen – das digitale Nervensystem des Parks. Intelligente Bodenfeuchtesensoren messen in Echtzeit, wie viel Wasser tatsächlich im Wurzelbereich ankommt, und liefern damit die Grundlage für jede Entscheidung zur Bewässerung. Gepaart mit Wetterdaten, Verdunstungsraten und Pflanzenarten entsteht ein differenziertes Bild, das weit über das hinausgeht, was per Augenschein oder manuelle Protokolle zu erfassen wäre.

Die Integration von IoT-Technologien (Internet of Things) eröffnet dabei völlig neue Spielräume: Sensoren kommunizieren drahtlos mit zentralen Steuerungseinheiten, die wiederum mit Cloud-basierten KI-Plattformen verbunden sind. Diese Plattformen analysieren kontinuierlich die eingehenden Daten, erkennen Muster und Anomalien und geben situationsabhängige Steuerungsbefehle an die Bewässerungsanlage. Der Vorteil: Das System lernt mit jeder Saison hinzu, passt sich an neue Pflanzenbestände, Bodenverdichtungen oder geänderte Klimabedingungen an – und optimiert so den Wasserverbrauch laufend.

Ein Schlüsselaspekt ist die Nutzung von sogenannten Predictive Analytics. Dabei handelt es sich um Methoden, mit denen Wahrscheinlichkeiten für zukünftige Ereignisse – etwa eine bevorstehende Trockenphase oder einen Starkregen – berechnet werden. KI-Modelle ziehen dabei historische Daten, aktuelle Wetterprognosen und die spezifischen Bedürfnisse einzelner Parkbereiche heran, um die Bewässerung proaktiv zu steuern. Das Ziel ist nicht nur, Wasser zu sparen, sondern auch Stresssituationen für Pflanzen zu minimieren und die Vitalität der Grünflächen langfristig zu sichern.

Für den Betrieb bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Statt starrer Zeitpläne oder manueller Kontrollen tritt ein dynamisches System, das eigenständig Entscheidungen trifft – natürlich immer unter der Aufsicht erfahrener Fachkräfte. Die Rolle der Parkbetreiber wandelt sich vom reinen Ausführenden zum Supervisor, der das System überwacht, Feineinstellungen vornimmt und im Ausnahmefall eingreift. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und die Möglichkeit zur manuellen Korrektur bleiben dabei essenziell, um das Vertrauen in die Technologie zu sichern und Fehlsteuerungen zu vermeiden.

Die technische Komplexität ist dabei nicht zu unterschätzen. Neben der Auswahl geeigneter Sensorik und zuverlässiger Datenübertragung steht insbesondere die Anbindung an bestehende Bewässerungsinfrastrukturen im Fokus. Viele Parks verfügen über gewachsene Systeme, die nachgerüstet oder schrittweise modernisiert werden müssen. Ebenso wichtig ist die Schulung des Personals, das mit neuen Technologien und digitalen Tools umgehen können muss. Hier entscheidet sich, ob KI-basierte Lösungen ihr volles Potenzial entfalten – oder an der Praxis scheitern.

Von Pilotprojekten zu Best Practices: Wie KI den Parkbetrieb verändert

Die Theorie klingt vielversprechend, doch wie sieht die Praxis aus? In den vergangenen Jahren sind zahlreiche Pilotprojekte in deutschen, österreichischen und Schweizer Städten gestartet, um die Möglichkeiten der KI-gestützten Wasserverbrauchsoptimierung auszuloten. München etwa setzt im Westpark auf ein intelligentes Bewässerungssystem, das Bodenfeuchte, Wetterdaten und Pflanzenarten in Echtzeit analysiert und die Wassergabe automatisch anpasst. Die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Der Wasserverbrauch konnte um bis zu 30 Prozent reduziert werden, ohne dass die Vegetation gelitten hätte. Gleichzeitig verbesserte sich die Resilienz der Parkflächen gegenüber Extremwetterereignissen.

In Zürich arbeitet das Tiefbauamt mit einem System, das nicht nur die Bewässerung steuert, sondern auch langfristige Daten zur Bodenphysik sammelt. Die KI wertet diese Daten aus und erkennt, ob einzelne Parkbereiche überdurchschnittlich viel Wasser benötigen – etwa durch Bodenverdichtungen, Hanglagen oder besonders anspruchsvolle Pflanzenarten. Auf dieser Basis werden gezielt Maßnahmen ergriffen, etwa die Lockerung des Bodens oder die Umgestaltung von Pflanzflächen. Das Ergebnis: nachhaltige Wassereinsparungen und ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, der traditionelle Gießkannenstrategien obsolet macht.

Auch kleinere Städte wie Ulm oder Linz experimentieren mit KI-basierten Systemen, setzen aber verstärkt auf partizipative Ansätze. Hier werden nicht nur Technik und Algorithmen optimiert, sondern auch die Erfahrungen und das Wissen des Personals in die Programmierung einbezogen. Das Ziel: ein System, das nicht nur automatisch steuert, sondern auch die Expertise der Parkteams nutzt und kontinuierlich weiterentwickelt. Die Transparenz der Algorithmen und die Möglichkeit zur manuellen Übersteuerung sind zentrale Erfolgsfaktoren – nur so entsteht Akzeptanz und Vertrauen in die neue Technologie.

Deutlich wird: Die Einführung von KI im Parkbetrieb ist kein Selbstläufer. Sie erfordert Investitionen, Mut zum Experiment und ein hohes Maß an interdisziplinärer Zusammenarbeit. Landschaftsarchitekten, IT-Spezialisten, Gärtner und Verwaltungsfachleute müssen an einem Strang ziehen, um die Systeme zu planen, zu implementieren und kontinuierlich zu verbessern. Die größten Hürden sind dabei weniger technischer als vielmehr organisatorischer und kultureller Natur: Der Wechsel von klassischen Routinen hin zu datengetriebenen, flexiblen Prozessen ist ein Kraftakt, der nicht von heute auf morgen gelingt.

Trotzdem zeigt sich in den fortschrittlichsten Projekten, dass sich der Aufwand lohnt. Parks werden nicht nur wasser- und kosteneffizienter, sondern auch widerstandsfähiger gegenüber Klimarisiken und attraktiver für die Nutzer. Die gewonnene Datenbasis eröffnet zudem neue Perspektiven für die langfristige Entwicklung urbaner Grünflächen – vom Monitoring der Biodiversität bis hin zur Integration in stadtweite Klimaanpassungsstrategien. KI wird so vom reinen Steuerungsinstrument zum zentralen Baustein nachhaltiger Stadtentwicklung.

Herausforderungen, Risiken und der Weg zur urbanen Exzellenz

So überzeugend die Vorteile der KI-basierten Wasserverbrauchsoptimierung auch sind, der Weg von der Pilotierung zur urbanen Exzellenz ist steinig. Zu den größten Herausforderungen zählen Datenschutz, Standardisierung und die Interoperabilität der Systeme. Da in Parks sensible Umwelt- und Nutzungsdaten erhoben werden, müssen klare Regeln für die Speicherung, Verarbeitung und Weitergabe dieser Daten geschaffen werden. Wer darf auf die Daten zugreifen? Wie werden sie gesichert? Und wie werden die Rechte von Nutzern und Betreibern gewahrt? Diese Fragen sind nicht nur juristisch, sondern auch ethisch und politisch brisant.

Ein weiteres Problemfeld ist die Vielfalt der bestehenden Infrastrukturen. Viele Städte verfügen über historisch gewachsene Bewässerungssysteme, die nur schwer mit moderner Sensorik und KI-Plattformen kompatibel sind. Die Integration erfordert Fachwissen, kreative Lösungen und oft auch Investitionen in die Erneuerung der Technik. Hinzu kommt, dass die Systeme nicht isoliert betrachtet werden können: Eine wirklich effiziente Steuerung gelingt nur, wenn Daten aus allen relevanten Bereichen – von der Wetterstation bis zur Pflanzenkartierung – zusammengeführt und einheitlich ausgewertet werden. Hier fehlen häufig Standards und Schnittstellen, die eine reibungslose Zusammenarbeit ermöglichen.

Auch die Qualität der Daten ist ein kritischer Faktor. Sensoren können ausfallen, Algorithmen falsch kalibriert oder Prognosen durch unvorhergesehene Ereignisse verfälscht werden. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit für robuste Kontrollmechanismen, regelmäßige Überprüfungen und eine enge Zusammenarbeit zwischen Technik und Betrieb. Wer blind auf die KI vertraut, riskiert Fehlentscheidungen mit potenziell gravierenden Folgen für Vegetation und Infrastruktur. Die menschliche Expertise bleibt deshalb unerlässlich – KI ist Werkzeug, nicht Ersatz für fundiertes Fachwissen.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der gesellschaftlichen Akzeptanz. KI im Parkbetrieb ist für viele noch Neuland, die Angst vor Entfremdung oder Kontrollverlust groß. Nur wenn die Systeme transparent, nachvollziehbar und erklärbar bleiben, kann das notwendige Vertrauen entstehen. Öffentliche Kommunikation und Beteiligung werden damit zu Schlüsselfaktoren für den Erfolg – nicht zuletzt, weil die Parks allen gehören und deren Bewirtschaftung im öffentlichen Interesse liegt.

Umso wichtiger ist es, die Einführung von KI nicht als rein technisches Projekt zu begreifen, sondern als umfassenden Transformationsprozess. Es geht darum, Organisationen zu befähigen, neue Technologien sinnvoll zu nutzen, Prozesse neu zu denken und den Spagat zwischen Innovation und Bewahrung zu meistern. Nur dann gelingt der Sprung von der Pilotierung zur urbanen Exzellenz – und der Park wird zum Vorreiter für intelligente, nachhaltige Stadtentwicklung.

Zukunftsausblick: Die lernende Stadt und das Wasser von morgen

Mit der fortschreitenden Digitalisierung und dem Siegeszug der KI stehen Parks und Grünflächen an der Schwelle zu einer neuen Ära. Die Vision: ein vollständig vernetztes, lernfähiges System, das nicht nur die Bewässerung steuert, sondern den gesamten Lebenszyklus urbaner Grünflächen begleitet – von der Planung über die Pflege bis hin zur langfristigen Entwicklung. Die Daten, die heute im Betrieb gesammelt werden, fließen morgen in die Planung neuer Anlagen, verbessern Prognosen und ermöglichen eine noch gezieltere, ressourcenschonende Bewirtschaftung.

Städte wie Wien oder Basel gehen bereits in diese Richtung: Dort werden KI-basierte Systeme genutzt, um nicht nur Wasser zu sparen, sondern auch Biodiversität zu fördern, Pflanzengesundheit zu überwachen und die Aufenthaltsqualität für die Nutzer zu steigern. Die Systeme lernen ständig dazu, passen sich an neue Herausforderungen an und werden mit jeder Saison präziser. Der Traum vom Park als lebendigem, intelligentem Organismus rückt damit in greifbare Nähe.

Auch die Rolle der Landschaftsarchitektur verändert sich grundlegend. Künftig werden nicht mehr nur ästhetische und funktionale Aspekte geplant, sondern auch digitale Infrastrukturen, Datenflüsse und Schnittstellen. Der Beruf des Landschaftsarchitekten wird damit digitaler, interdisziplinärer – und noch anspruchsvoller. Wer heute die Potenziale von KI und Sensorik erkennt, kann Parks gestalten, die nicht nur schön und ökologisch wertvoll sind, sondern auch resilient, effizient und zukunftsfähig.

Gleichzeitig wächst die Verantwortung: Mit der zunehmenden Vernetzung steigt auch das Risiko von Fehlsteuerungen, Datenmissbrauch oder technokratischer Überformung. Es gilt, die Systeme so zu gestalten, dass sie offen, transparent und demokratisch bleiben. Die Stadt der Zukunft ist eine lernende Stadt – aber sie darf nie zur Black Box werden, deren Entscheidungen niemand mehr versteht oder hinterfragt.

Am Ende steht die Erkenntnis: Die Wasserverbrauchsoptimierung im Parkbetrieb durch KI ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für nachhaltige, lebenswerte Städte. Sie macht Parks fit für die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts – vorausgesetzt, Technik und Mensch arbeiten Hand in Hand, und Innovation wird mit Verantwortung und Weitblick gestaltet.

Fazit: KI macht Parks klüger, aber Exzellenz bleibt Handarbeit

Die Wasserverbrauchsoptimierung im Parkbetrieb durch Künstliche Intelligenz ist weit mehr als ein technisches Upgrade. Sie ist Ausdruck eines neuen Verständnisses urbaner Grünflächen – als dynamische, lernende Systeme, die auf Umwelt, Nutzer und Klima flexibel reagieren können. Die ersten Erfolge zeigen: KI kann den Wasserverbrauch signifikant senken, die Vitalität der Vegetation sichern und Parks widerstandsfähiger gegen Klimarisiken machen. Doch der Weg zur urbanen Exzellenz ist lang und erfordert mehr als nur Sensoren und Algorithmen. Es braucht Mut zum Wandel, Investitionen in Technik und Köpfe, einen offenen Umgang mit Daten und eine neue Kultur der Zusammenarbeit. Nur dann wird aus smarter Technik echte Nachhaltigkeit – und aus Parks werden Vorbilder für die Stadt von morgen. Wer als Planer, Betreiber oder Entscheider heute in KI-basierte Systeme investiert, gestaltet nicht nur effizientere Parks, sondern setzt Maßstäbe für eine intelligente, lebenswerte und zukunftsfähige urbane Landschaft. Bei aller Begeisterung gilt jedoch: Exzellenz bleibt Handarbeit – Technik ist Werkzeug, Mensch bleibt Maßstab. Und das ist auch gut so.

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Für Roth bei Nürnberg schreitet das größte Städtebauprojekt der letzten Jahrzehnte voran. Es handelt sich hierbei um die Konversion des stillgelegten Leoni-Fabrikgeländes in das sogenannte Rother Neuland. Dafür lobte die Stadt dieses Jahr einen städtebaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb aus. Jetzt stehen der Siegerentwurf fest.

KlimaQuartier statt Fabrikgelände

Her mit der Transformation vom brachen Industriestandort zum lebendigen Zukunftsquartier Rother Neuland! Für dieses Vorhaben wird Roth seit 2022 durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr innerhalb „Landstadt Bayern“ gefördert. Des Weiteren gab es Anfang diesen Jahres eine enthusiastisch aufgenommene Büger*innenbeteiligung. Dabei kristallisierten sich die wichtigsten Themen heraus, zum Beispiel Mobilität und Ökologie. Darüber hinaus hat das Gelände eine besondere Lage. Es befindet sich im Stadtzentrum. Mit sieben Hektar liegt es außerdem zwischen Bahnhof und Marktplatz sowie an zwei Fließgewässern. Jetzt ging das Team um SCHIRMER Architekten + Stadtplaner, planetz Architektenpartnerschaft und deBuhr LA Landschaftsarchitektur als Sieger hervor. Wie überzeugte also der Entwurf „klimaPARKquartier“? 

Schwarz-Grün-Plan. Quelle: Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Schwarz-Grün-Plan. Quelle: Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Lageplan. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Lageplan. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Städtebauliche Struktur und Flexibilität 

Die Gebietsentwicklung des Rother Neulands wird über einen langen Zeitraum erfolgen. Deshalb ist die Grundstruktur robust. Aber es wird ausreichend flexiblen Entwicklungsspielraum geben. Die Jury lobte dabei die angemessen dichte, bauliche Struktur. Richtung Innenstadt präsentiert sich das Viertel mit urbaner Atmosphäre aus gefassten Räumen und Blockstrukturen. Die angrenzenden Wohnhöfe haben dagegen einen Gartenstadt-Charakter. Im Nordosten liegt ein großzügiges, freiräumliches Entree. 

Grünstruktur

Das Privatgelände wird zum öffentlichen Landschaftspark. Das Konzept des Rother Neulands sieht eine Bebauung in der Grundstücksmitte vor. Dafür wird es in ein breites, durchgehendes Landschaftsband eingebettet. Durch räumliche und visuelle Bezüge erhalten das Schloss, die Kulturfabrik und Fließgewässer so neue Wertigkeit im Stadtgefüge. Anstelle einer Zäsur gibt es nun eine Verbindung zwischen der Stadt, der Rednitzinsel und den umgebenden Landschaftsräumen. Der Entwurf führt dabei die bestehenden ökologisch und erholungstechnisch wertvollen Landschaftsstrukturen fort. „Mit den großzügigen Grünräumen und zusätzlichen Baumpflanzungen wird ein sehr guter Beitrag zur klimatischen Verbesserung der umliegenden Stadtquartiere geschaffen“ sagte das Preisgericht. Auch der Luftaustausch wird berücksichtigt. Die Wiesen sind gleichzeitig Überschwemmungszonen und die Belagsflächen dränfähig. Künftig interessant wird der detailliertere Umgang mit dem oberflächennahen Grundwasser. Auch das Thema Altlasten bereitet allen Beteiligten Sorgen.

Identität und Ressourcenschutz

Neben den Naturräumen bleibt auch die bauliche Geschichte des Ortes ablesbar. Zur Identitätsstiftung des Rother Neulands werden dafür Teile der Bausubstanz erhalten (zum Beispiel Drei-Bogenhalle, Pförtnerhaus). Deren Integration erhält aber nicht nur den Charakter des Ortes. So lässt sich auch die graue Energie nutzen.

Klima & Freiflächen. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Klima & Freiflächen. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Nutzungsmischung

Ein lebendiges Stadtquartier braucht Nutzungsmix. Um Arbeiten und Wohnen näher zu bringen plant das Siegerteam zum einen emissionsarme Produktionsprozesse und digitalisierte Arbeitsformen. Zum anderen schaffen sie soziale und kulturelle Angebote im Rother Neuland.

Mobilität

Einen weiteren vorbildlichen Umgang mit Ressourcen sieht man im nachhaltigen Erschließungskonzept. Die Infrastruktur baut nämlich auf dem Bestand auf. Dazu wird ein autofreies bzw. autoarmes Stadtquartier geschaffen. Hierfür plant man am Quartierseingang eine Großgarage als Mobilitätszentrale. Dagegen werden im Quartiersinneren der ÖPNV, Mobilitätsstationen und Sharing-Angebote ausgebaut. Außerdem schafft der Entwurf eine große innere Durchwegung und Verknüpfung mit der Umgebung.

Mobilität & Verkehr. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Mobilität & Verkehr. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Weiteres Vorgehen

Die sieben Wettbewerbsergebnisse sind bis zum 28. Juli 2023 in der Kulturfabrik Roths ausgestellt. Der Stadtrat beauftragte bereits das Planungsteam mit der Fortschreibung des Entwurfs. Die Ergebnisse aus einer Online-Umfrage im Rahmen von „Landstadt Bayern“ müssen dabei im weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden.

Auch in einem ehemaligen Industriegebiet findet das „Quartier der tanzenden Paare“ in der Schweiz auf dem Erni-Areal Platz. Das Besondere: Studio Vulkan gestalten zusammen mit KCAP einen Raum in der Siedlung nach dem Schwammstadt-Prinzip.

Parc des Ateliers

Der spektakuläre Neubau der Stiftung Luma Arles ist ein Kunstwerk für die Kunst: Frank Gehrys Turm ist Museum und Atelierbau zugleich. Er bildet den Höhepunkt eines Kunst- und Kulturareals, das die Luma-Gründerin Maja Hoffmann im Verlauf von 15 Jahren verwirklicht hat.

Luma Arles eröffnet „Parc des Ateliers“

Arles und Kunst – da ist natürlich der erste Gedanke van Gogh, der hier seinen Traum vom Atelier des Südens im Künstlergemeinschaft mit Gauguin zu verwirklichen suchte. Doch der Aufenthalt in Arles wurde für van Gogh zum Debakel. Nicht nur, dass die Zusammenarbeit mit Gauguin im Zerwürfnis endete – in Arles begann er auch zunehmend an Wahnvorstellungen zu leiden, bis er sich schließlich in die Nervenheilanstalt im nahegelegenen Saint-Rémy begeben musste.

Fast erscheint es ein wenig, als habe sich Maja Hoffmann vorgenommen, van Goghs erlittenes Schicksal in Arles im Nachhinein zu heilen. Hoffmann, die der gleichnamigen Basler Großindustriellendynastie entstammt, ist eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen und -förderinnen weltweit. Seit beinahe 20 Jahren wirkt sie als Kulturinitiatorin und Mäzenin in Arles. Im Jahr 2004 gründete sie dort die Luma-Stiftung, die zeitgenössische Kunst fördert und beauftragt.

 

Drei Jahre später begann Maja Hoffmann gemeinsam mit dem Architekten Frank Gehry, dem Kurator Hans-Ulrich Obrist und einer Reihe bedeutender zeitgenössischer Künstler einen Arbeitsprozess. Die Beteiligten entwickelten gemeinsam Ideen für ein neuartiges Kunst- und Kulturzentrum für das 21. Jahrhundert. Als Standort für dieses Projekt wählte Hoffmann den „Parc des Ateliers“. Ein Gelände des seit den Achtzigerjahren aufgelassenen Bahnbetriebswerk der SNCF an Rande der historischen Altstadt von Arles. Die historischen Werkstattgebäude wurden in Verlauf der letzten Jahre von der Architektin Annabelle Selldorf renoviert. Nun beherbergt das Gebäude Ausstellungsräume, Künstlerateliers und -wohnungen sowie ein Restaurant.

Galerie, Atelier und eine öffentliche Aussichtsterrasse

Den krönenden Abschluss fand die Neugestaltung des „Parc des Ateliers“ nun mit der Eröffnung des „Towers“, eines 56 Meter hohen Ausstellungs- und Ateliergebäudes nach dem Entwurf von Frank Gehry. Die ersten Vorarbeiten zu dem Projekt begannen bereits 2009. 2013 begannen die Bauarbeiten. Das Ergebnis ist unübersehbar ein Werk Gehrys – der hier jedoch die für sein Werk so charakteristischen freien Formen mit gewaltigen geometrischen Volumina verbindet. So gestaltete der Architekt eine drei Stockwerke hohe Sockelzone als gewaltigen gläsernen Zylinder. Ein Verweis auf das römische Amphitheater von Arles.

Nachhaltige Baumaterialien entwickelt von Atelier Luma

 

Aus dem Zylinder empor wächst der eigentliche Turm. Dessen auf die Innenstadt ausgerichtete Seite präsentiert sich als glänzende und wild bewegte Metallhaut mit rechteckigen Fenstererkern. Auf der stadtabgewandten Seite scheint der Turm dagegen aus zwei kubischen Körpern zusammengesetzt, die leicht angewinkelt nebeneinanderstehen. Im Innern des Glaszylinders sind scheinbar frei im Raum verteilt die Volumina der unterschiedlichen Galerien untergebracht. Eine Organisationsform, die sich ähnlich auch in Gehrys Fondation Louis Vuitton in Paris findet. Auch mehrere Atelierräume für Künstler finden sich hier. Im Turm dagegen sind hauptsächlich die Verwaltungsräume der Stiftung untergebracht. Eine öffentliche Aussichtsterrasse bildet den oberen Abschluss.

Zahlreiche Kunstwerke, unter anderem von Philippe Parreno und Olafur Eliasson, sind wichtiger Bestandteil des Towers. Sie wurden speziell für diesen Ort geschaffen. Ebenfalls Teil der Arbeit der Luma-Stiftung ist übrigens das Atelier Luma. Diese Werkstätte hat verschiedene nachhaltige Bau- sowie Einrichtungsteile aus heimischen Materialien für das Projekt entwickelt: So finden sich im Gebäude unter anderem textile Wandverkleidungen aus Bioplastik, mit Algen gefärbte Fliesen und Akustikelemente aus Sonnenblumen.

Ein weiteres Museum geschmückt mit gelungenen architektonischen Details sehen Sie hier.