Pflanzenschutz in Echtzeit – KI erkennt Schädlinge im Park

Nahaufnahme eines grünen Pflanzenblatts mit deutlichen Fraßspuren und Schäden durch Schädlinge.
Intelligente Schaderkennung für gesünderes Stadtgrün.

Pflanzenschutz in Echtzeit – das klingt nach Zukunftsmusik, ist aber bereits in den ersten Kommunen Realität. Durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz erkennen Parks und Grünanlagen heute Schädlinge, Krankheiten und Stressfaktoren, noch bevor das menschliche Auge überhaupt Verdächtiges bemerkt. Was bedeutet das für die Arbeit von Landschaftsarchitekten, Stadtplanern und Kommunen? Und wie lässt sich das enorme Potenzial dieser Technologie verantwortungsvoll und effektiv nutzen?

  • Definition und Funktionsweise von KI-gestütztem Pflanzenschutz: Von Sensorik bis Deep Learning
  • Konkrete Anwendungsbeispiele aus Parks und urbanen Grünanlagen im deutschsprachigen Raum
  • Potenziale und Grenzen der Echtzeiterkennung von Schädlingen und Pflanzenkrankheiten
  • Bedeutung für nachhaltige Stadtentwicklung und Biodiversität
  • Neue Rollen für Planer, Pflegepersonal und Behörden durch intelligente Systeme
  • Praktische Herausforderungen: Datenschutz, Integration, Interoperabilität
  • Risiken: Fehldiagnosen, technologische Abhängigkeit, gesellschaftliche Akzeptanz
  • Wie KI-basierter Pflanzenschutz die klassische Pflegepraxis verändert
  • Perspektiven: Von der lokalen Pilotanlage zum vernetzten, resilienten Stadtgrün

Künstliche Intelligenz trifft Grünpflege: Wie funktioniert Pflanzenschutz in Echtzeit?

Die Vorstellung, dass sich ein Park quasi selbst schützt, ist faszinierend und für viele noch überraschend greifbar geworden. Im Zentrum dieser Entwicklung steht der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) – also computergestützten Verfahren, die Muster erkennen, Daten auswerten und daraus Entscheidungen ableiten. Doch was bedeutet das konkret für die Pflege von Pflanzen in urbanen Räumen? Im Gegensatz zu klassischen Methoden, bei denen Pflegepersonal Sichtkontrollen durchführt oder auf Schadbilder reagiert, setzt die Echtzeit-Überwachung auf ein Netzwerk aus Sensoren, Kameras, Drohnen und intelligenten Algorithmen. Diese Systeme sammeln kontinuierlich Daten über Blattfärbung, Wachstum, Feuchtigkeit, Temperatur, Luftqualität und sogar das Verhalten von Insekten oder Pilzen auf Pflanzenoberflächen.

Die Kerntechnologie hinter dieser Revolution ist das sogenannte Deep Learning. Dabei handelt es sich um eine spezielle Form künstlicher neuronaler Netze, die in der Lage sind, auch komplexe Muster in riesigen Datenmengen zu erkennen. Von der Identifikation winziger Fraßspuren bis zur Diagnose von Pilzbefall in frühen Stadien: KI-Systeme werden mit Millionen von Bildern und Sensordaten trainiert, sodass sie auch minimalste Abweichungen vom gesunden Zustand zuverlässig erkennen. Moderne Sensorik, etwa hyperspektrale Kameras, ermöglicht es sogar, Stresssignale in Pflanzen zu detektieren, bevor sichtbare Symptome auftreten. Das ist ein Quantensprung gegenüber der herkömmlichen Schadensbeobachtung.

Doch nicht nur die Erkennung, sondern auch die Prognose ist entscheidend. KI-Modelle können anhand von Wetterdaten, Bodenfeuchtigkeit und lokalen Erfahrungswerten abschätzen, wann und wo das Risiko für bestimmte Schädlinge oder Krankheiten besonders hoch ist. So lässt sich der Ressourceneinsatz optimieren: Gießintervalle, Düngergaben und gezielte Pflanzenschutzmaßnahmen werden datenbasiert und standortspezifisch geplant. Das Ergebnis? Weniger Chemie, geringerer Aufwand, mehr Biodiversität – und eine höhere Resilienz des Stadtgrüns gegenüber dem Klimawandel.

Ein weiterer Vorteil: KI-Systeme sind lernfähig. Sie verbessern ihre Diagnosen kontinuierlich, je mehr Daten sie sammeln und je häufiger sie mit Experten bewertet werden. Das eröffnet die Chance, lokale Besonderheiten – von spezifischen Mikroklimata bis zu seltenen Schaderregern – in die Modelle einzubinden. Die klassische Wissenshierarchie verschiebt sich: Nicht mehr allein Erfahrung und Intuition entscheiden, sondern die Kombination aus menschlichem Fachverstand und maschineller Analyse.

Natürlich ist der Weg von der Pilotanlage zur flächendeckenden Anwendung noch lang. Technische Schnittstellen, Datenschutz und die Integration in bestehende Pflegeabläufe sind Herausforderungen, die es zu meistern gilt. Doch der Trend ist eindeutig: Wer heute Pflanzenschutz plant, kommt an KI und Echtzeitdaten nicht mehr vorbei. Und das eröffnet ungeahnte Möglichkeiten, Stadtgrün nachhaltig und intelligent zu gestalten.

Best Practice aus Parks und Quartieren: Wie Städte KI-basierte Schädlingserkennung einsetzen

Während in der Theorie vieles verheißungsvoll klingt, zeigt sich der wahre Wert digitaler Pflanzenschutzsysteme erst im Alltag. Immer mehr Städte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum starten Pilotprojekte, die sich auf die Früherkennung und Prävention von Pflanzenschäden durch KI stützen. Ein herausragendes Beispiel liefert die Stadt Frankfurt am Main, wo im Palmengarten eine Kombination aus Kamera- und Sensorsystemen installiert wurde. Die Sensoren messen kontinuierlich Bodenfeuchte, Lufttemperatur und Lichtintensität, während KI-gestützte Kameras Blattverfärbungen und Fraßspuren automatisch detektieren. Sobald die Algorithmen eine Anomalie erkennen, wird das Pflegepersonal per App informiert – in vielen Fällen Stunden oder sogar Tage bevor ein Mensch den Schaden bemerken würde.

Ein weiteres spannendes Projekt findet sich in Zürich, wo die Stadtgärtnerei mit einer lokalen Universität zusammenarbeitet. Hier kommen Drohnen zum Einsatz, die regelmäßig Luftbilder der städtischen Parks aufnehmen. Die Bilder werden von einer KI analysiert, die speziell auf die Erkennung von Pilzkrankheiten und Schadinsekten trainiert wurde. Interessant ist, dass das System auch Veränderungen in der Vegetationsstruktur erkennt, die auf Umweltstress oder invasive Arten hindeuten könnten. So werden nicht nur akute Schadensereignisse, sondern auch schleichende Veränderungen im städtischen Ökosystem sichtbar.

In Wien wiederum wurde ein System zur Detektion des Eichenprozessionsspinners eingeführt – ein Paradebeispiel für den Mehrwert von Echtzeitüberwachung. Statt großflächiger, vorbeugender Spritzungen oder aufwendiger Sichtkontrollen, werden betroffene Bäume gezielt identifiziert und behandelt. Das spart Ressourcen, schützt Nützlinge und schont das Stadtklima. Besonders bemerkenswert: Die Wiener setzen auf eine offene Plattform, die auch anderen Städten zur Verfügung steht und einen Wissenstransfer ermöglicht.

Solche Best Practices zeigen, wie vielfältig und skalierbar KI-basierter Pflanzenschutz ist. Die Technologie lässt sich sowohl in großen Parkanlagen als auch in kleinen Quartiersgrünflächen einsetzen. Sie ist flexibel genug, um verschiedene Pflanzengesellschaften, Standortbedingungen und Pflegeziele abzubilden. Gleichzeitig sorgt die Automatisierung für eine deutliche Entlastung des ohnehin knappen Pflegepersonals – ein Faktor, der angesichts des Fachkräftemangels in der öffentlichen Grünpflege kaum zu überschätzen ist.

Natürlich gibt es auch Skepsis – etwa bezüglich der Fehleranfälligkeit von Algorithmen oder der Frage, wie mit Falschmeldungen umzugehen ist. Doch die Erfahrung aus den Pilotprojekten zeigt: Wo Mensch und Maschine Hand in Hand arbeiten, werden Fehler schnell erkannt, Prozesse angepasst und das System stetig verbessert. Der Weg zum intelligenten, resilienten Stadtgrün ist damit geebnet.

Chancen und Risiken: Was KI-gestützter Pflanzenschutz für Stadtentwicklung und Biodiversität bedeutet

Die Einführung von KI-Systemen im Pflanzenschutz ist weit mehr als eine technische Innovation. Sie verändert die Art und Weise, wie Städte ihr Grün denken, pflegen und gestalten. Einer der größten Vorteile liegt in der frühen Erkennung von Risiken: Je früher Schädlinge oder Krankheiten erkannt werden, desto gezielter und nachhaltiger kann gegengesteuert werden. Das reduziert den Einsatz von Pestiziden, schützt Nützlinge und trägt zur Förderung der Biodiversität bei – ein zentraler Aspekt für klimaresiliente Städte von morgen.

Gleichzeitig eröffnet die kontinuierliche Datenerfassung neue Möglichkeiten der Stadtplanung. Wenn Pflege- und Nutzungsdaten in Echtzeit verfügbar sind, lassen sich Pflegeintervalle, Investitionen und Entwicklungsziele datenbasiert steuern. Stadtgrün wird damit nicht mehr als starre Infrastruktur, sondern als dynamisches, lernendes System begriffen. Das fördert nicht nur die ökologische Qualität, sondern auch die Aufenthaltsqualität für die Stadtbewohner.

Doch wie bei jeder technologischen Entwicklung gibt es Risiken. Ein zentrales Problem ist die Gefahr von Fehldiagnosen: Auch die beste KI kann sich irren – etwa wenn sie seltene Schadbilder oder bisher unbekannte Erreger falsch klassifiziert. Deshalb bleibt das Zusammenspiel mit menschlichem Expertenwissen unerlässlich. Zudem droht bei zu starker Technologisierung eine Entfremdung zwischen Menschen und Stadtgrün – Parks werden zur Black Box, deren Pflegeprozesse für Bürger und Planer schwer nachvollziehbar werden.

Ein weiteres Risiko besteht in der Abhängigkeit von proprietären Systemen und Anbietern. Wer sich früh auf einen bestimmten Anbieter festlegt, riskiert, von dessen Geschäftsmodell und technischer Entwicklung abhängig zu werden. Offene Schnittstellen, standardisierte Datenformate und die Möglichkeit zur Integration in bestehende Systeme sollten daher von Anfang an mitgedacht werden. Auch der Datenschutz ist nicht zu unterschätzen, wenn Kameras und Sensoren im öffentlichen Raum installiert werden. Hier braucht es klare Regeln, Transparenz und Akzeptanz bei Politik, Verwaltung und Bevölkerung.

Doch trotz aller Herausforderungen überwiegen die Chancen. Wenn KI-Systeme verantwortungsvoll umgesetzt werden, bieten sie einen echten Mehrwert für nachhaltige Stadtentwicklung, Biodiversität und Lebensqualität. Sie machen das Stadtgrün widerstandsfähiger gegen Klimawandel, Schaderreger und Nutzungsdruck – und eröffnen neue Möglichkeiten für die partizipative, datenbasierte Gestaltung der Stadt von morgen.

Neue Rollen für Planer und Pflege: Wie KI die Praxis im Stadtgrün verändert

Die Integration von KI-Systemen in den Pflanzenschutz wirbelt auch die Rollen und Aufgaben der beteiligten Akteure kräftig durcheinander. Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Pflegepersonal müssen sich auf einen Paradigmenwechsel einstellen. Während bisher Erfahrung, Intuition und regelmäßige Kontrollgänge den Alltag prägten, rücken nun Datenanalyse, Systemverständnis und die Fähigkeit zur Interpretation algorithmischer Vorschläge in den Vordergrund. Das bedeutet: Planer sollten sich mit den Grundlagen von Sensornetzwerken, KI-Modellen und Datenvisualisierung vertraut machen – nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zu ihrem Spezialwissen über Pflanzen, Standorte und ökologische Zusammenhänge.

Für das Pflegepersonal ändern sich die Arbeitsabläufe ebenfalls. Statt reiner Routinearbeiten gewinnen Aufgaben wie die Validierung von KI-Meldungen, die Bewertung von Handlungsvorschlägen und die Dokumentation von Maßnahmen an Bedeutung. Das erfordert neue Kompetenzen, aber auch eine enge Zusammenarbeit mit IT-Abteilungen, Datenanalysten und externen Dienstleistern. Gleichzeitig erhöht sich der Anspruch an die Kommunikation: KI-basierte Diagnosen müssen verständlich aufbereitet, erläutert und für die Entscheidungsfindung nutzbar gemacht werden – sowohl intern als auch gegenüber Politik und Öffentlichkeit.

Auch Behörden und kommunale Verwaltungen stehen vor neuen Herausforderungen. Sie müssen die rechtlichen, organisatorischen und technischen Rahmenbedingungen schaffen, damit KI-Systeme effizient, sicher und transparent betrieben werden können. Das betrifft Fragen der Datenhoheit, des Datenschutzes und der langfristigen Wartung der technischen Infrastruktur. Gleichzeitig bieten sich Chancen für eine engere Kooperation zwischen verschiedenen Fachbereichen – etwa wenn Umwelt-, Bau- und IT-Abteilungen gemeinsam an der Entwicklung intelligenter Stadtgrün-Managementsysteme arbeiten.

Nicht zuletzt verändern sich die Erwartungen der Bürger. Sie fordern Transparenz darüber, wie ihr Stadtgrün gepflegt und geschützt wird, und erwarten nachvollziehbare, partizipative Entscheidungsprozesse. Hier können offene Plattformen, Visualisierungen und Bürgerbeteiligung neue Akzente setzen. Wer den Wandel aktiv gestaltet, kann das Vertrauen in die Leistungsfähigkeit von Stadtgrün-Management und Pflanzenschutz stärken.

Die neuen Rollen erfordern Mut, Lernbereitschaft und Offenheit für Innovationen. Sie bieten aber auch die Chance, die Arbeit im Stadtgrün attraktiver, vielseitiger und zukunftsfähig zu machen. Wer sich heute mit KI, Daten und Echtzeitüberwachung auseinandersetzt, gestaltet nicht nur Parkanlagen, sondern prägt die grüne Stadt der Zukunft.

Fazit: Echtzeit-Pflanzenschutz – ein Update für die urbane Grünpflege

Pflanzenschutz in Echtzeit ist weit mehr als ein weiteres digitales Gimmick. Die Verschmelzung von KI, Sensorik und urbaner Grünpflege schafft eine ganz neue Qualität der Resilienz, Nachhaltigkeit und Biodiversität in unseren Städten. Was gestern noch als Science-Fiction galt, ist heute für innovative Kommunen und Planer gelebte Praxis – mit messbaren Vorteilen für Mensch, Natur und Stadtklima. Die Technologie eröffnet Chancen, Risiken frühzeitig zu erkennen, Ressourcen gezielt einzusetzen und das Stadtgrün fit für die Herausforderungen des Klimawandels zu machen. Sie erfordert aber auch neue Kompetenzen, einen verantwortungsvollen Umgang mit Daten und die Bereitschaft, etablierte Routinen zu hinterfragen. Wer diese Entwicklung gestaltet, statt sie auszusitzen, wird mit grüneren, lebendigeren und resilienteren Städten belohnt. Der Pflanzenschutz der Zukunft beginnt jetzt – und es bleibt spannend, wie weit wir mit KI und Echtzeitdaten noch kommen werden. Nur eines ist sicher: Wer heute die Weichen stellt, erntet morgen die Früchte.

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Stephan Lenzen, neuer Präsident des bdla

Das bdla Präsidium (v.l.n.r.): Franz Reschke
Der neugewählte bdla-Präsident Prof. Stephan Lenzen (Foto: Peter J. Kierzkowski)

Der bdla wählte am 1. April 2022 eine neue Verbandsspitze: Prof. Stephan Lenzen tritt als neugewählter bdla-Präsident die Nachfolge von Till Rehwaldt an. Stephan Lenzen und sein Präsidium plädieren für einen Paradigmenwechsel in der Baukultur und erinnern an die Verantwortung der Landschaftsarchitektur für den Klimaschutz.

Am 1. April fand die alljährliche Beiratssitzung des Bundes Deutscher Landschaftsarchitekten bdla auf Schloss Dyck statt. Ein wichtiger Tagespunkt der Sitzung war die Neuwahl der Verbandsspitze für die nächste dreijährige Wahlperiode. Nach acht Jahren legte der 55-jährige Till Rehwaldt sein Amt als Präsident des bdla nieder. Seine Nachfolge tritt nun Prof. Stephan Lenzen, Inhaber von RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten, an. Er hatte zuvor das Amt des Vizepräsidenten inne, für das am 1. April 2022 Timo Herrmann, bbz landschaftsarchitekten, kandidierte. Die Beiratsmitglieder bestätigten seine Kandidatur schließlich einstimmig.

„Wir verhandeln und bearbeiten Zukunftsthemen“, bdla-Vizepräsident

Der neugewählte bdla-Präsident Stephan Lenzen machte in seiner Ansprache die Rolle der Landschaftsarchitektur für die aktuellen Herausforderungen deutlich. Nach ihm führe der Wunsch nach Wachstum in eine Sackgasse. Es müsse in den nächsten Jahren vorrangig um Reduktion in der Landschaftsarchitektur gehen: „Diese reduzierte Transformation der Umwelt braucht unsere Kreativität, braucht unsere Fantasie, unseren Entwurf. Es geht darum, perspektivisch zu denken – etwas, dass uns Landschaftsarchitekten aus der Pflanzenverwendung bestens vertraut ist. Unsere Visionen und Konzepte für Städte, urbane und ländliche Freiräume, grün-blaue Infrastruktur, Mobilitäts-Infrastruktur, Wohn- und Arbeitswelten, für Parks, Gärten und Plätzen entscheiden mit darüber, ob die Menschen es schaffen werden, stärker im Einklang mit der Umwelt zu leben“, heißt es in der Rede von Stephan Lenzen.

Erst vor Kurzem bestätigte der Weltklimarat in seinem aktuellen Bericht die Bedeutung der Städte für die Emissionsreduzierung und den Klimaschutz. Die Profession der Landschaftsarchitektur sei in der Pflicht ihren Beitrag für die Transformation der Stadträume, der Verkehrs- sowie Lebensräume zu leisten, so der neue bdla-Präsident.

Stephan Lenzen nennt drei wichtige Aufgaben für die nächsten drei Jahre

Auch der Vizepräsident Timo Hermann betonte die Verantwortung der Landschaftsarchitektur in Zeiten des Klimawandels: „Wir verhandeln und bearbeiten Zukunftsthemen: Landschaftsarchitektur als Wandlungsprozess zu mehr Nachhaltigkeit. Die Fragen der Baumwende zu mehr Werthaltigkeit, Ressourcenschonung sowie ökologische Belange müssen in unserem Berufsfeld bei Bau, Betrieb und Rückbau stärkere Berücksichtigung finden.“ Die Landschaftsarchitekt*innen zusammen mit Architekt*innen und Stadtplaner*innen sind Teil des CO2-intensiven Sektors Bau. Die planenden Disziplinen seien daher aufgefordert, eine Vorreiterrolle in Sachen Klimaschutz einzunehmen, lautete eine Forderung des bdla-Präsidiums auf der vergangenen Beiratssitzung.

Das Präsidium unter Stephan Lenzen möchte in den nächsten drei Jahren folgende Aufgaben forcieren:

Hier erfahren Sie mehr über Stephan Lenzen und seine Arbeit: RMP Stephan Lenzen Landschaftsarchitekten werden zum Beispiel die Planungen für die Landesgartenschau in Neuss übernehmen.

Wettbewerbsergebnisse im Oktober 2020: Teil 2

die vom Kloster zum Ufer des Bodensees leitet.

Neuer Stadtraum B14, Stuttgart; 1. Preis asp Architekten mit koeber Landschaftsarchitektur und Stete Planung, Stuttgart

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen monatlich über die spannendsten Wettbewerbe. Hier die Wettbewerbsergebnisse im Oktober 2020 Teil 2.

Die stark befahrene Bundesstraße 14 im Zentrum von Stuttgart soll sich zu einer lebendigen Stadtstraße wandeln. Laut Siegerentwurf darf zukünftig nicht mehr der Autoverkehr als „durchlaufendes Verkehrsbauwerk“ dominieren, im Vordergrund stehen die Aneignung und Wiedergewinnung von Orten und städtischen Lebensräumen.

Eine Stärkung von Rad und ÖPNV mit gleichzeitigem Rückgang des motorisierten Individualverkehrs erlaubt es, den Straßenraum neu zu gliedern. Entsprechend sieht der Entwurf Sequenzen vor, die sich aus der Abfolge unterschiedlicher Bewegungs- und Platzräume bilden und sich mit Funktionen und Aktivitäten füllen. Die Neufassung der Plätze verschafft ihnen neue Aufenthaltsqualität und macht aus den bisher monofunktionalen Verkehrsräumen Ankerpunkte im Stadtgefüge. So wird die Kulturmeile zwischen Charlottenplatz und Staatsgalerie zur alleengesäumten Ramblas mit weiteren kulturellen Angeboten und der Bereich rund um die Leonhardskirche avanciert zum städtischen Wohnzimmer. Die überdimensionierten Straßenschneisen werden zu Freiräumen oder lassen sich durch Nachverdichtung teilbebauen, was neuen Wohn- und Lebensraum ermöglicht.

Quartierplatz Spinelli Barracks, Mannheim, 1. Preis Keller Damm Kollegen Landschaftsarchitekten Stadtplaner, München

Alle Abbildungen: © asp / koeber Landschaftsarchitektur/ Stete Planung

 

Einen urbanen Stadtwald sieht der Siegerentwurf von Keller Damm Kollegen für den Quartiersplatz des zukünftigen Modellquartiers Spinelli vor und rückt damit klimaökologische Aspekte in den Vordergrund. Der prägnante Baumhain des neuen Quartierplatzes schafft eine grüne, kühlende Mitte mit lichtem Schatten. Die topographische Ausformung in Mulden ermöglicht oberflächigen Regenwasserrückhalt, zusätzlich versorgt eine großflächige Baumrigole die stadtklimaverträglichen Baumarten kontinuierlich mit Wasser. Entwurfsaufgabe für den Stadtplatz war eine zukunftsorientierte Gestaltung, die das Spannungsgefüge zwischen Adressbildung, Aufenthaltsqualität und Extremwetter wie Starkregen und Hitzeperioden vereint. Basis für die Quartiersentwicklung ist die in den letzten Jahren gestartete Umwandlung der amerikanischen Militärfläche „Spinelli Barracks“. Sie bildet die zweitgrößte Entwicklungsfläche für den Mannheimer Wohnungsbau und stellt den Großteil des Kerngeländes der BUGA 23. Letztere setzt sich als Ziel, die nachhaltigste Bundesgartenschau zu werden.

Klosterplatz und Grüne Mitte Öhningen; 1. Rang Glück Landschaftsarchitektur

Alle Abbildungen: © Keller Damm Kollegen

 

Würdevoll, angemessen und authentisch, das sind die Begriffe, mit der Jury und Verfasser den Entwurf zusammenfassen, der den Klosterplatz samt den angrenzenden Freiräumen entsprechend ihrer Funktion als Ortsmitte herausarbeitet. Die denkmalgeschützte Anlage am Bodensee soll zukünftig für alle Generationen nutzbar sein. Glück Landschaftsarchitektur sieht für den Klosterplatz eine großzügige offene Fläche vor, mit Pergolenstruktur als räumlichen Filter nach Süden hin. Parkplätze verschwinden unter die Platzfläche und die Pergola setzt die bauliche Raumkante des Parkhauses als abschließende Kante in Szene. Neue Baumpflanzungen schaffen Schatten auf dem ebenen Klosterplatz, der nach Westen hin über Stufen zu den tieferliegenden neuen Obstwiesen verbindet. Umspannendes Element aller Platzbereiche im Zentrum wird ein einheitliches Natursteinpflaster im Passé-Verband. Auch der Kirchplatz im Westen verliert seine Parkplatzfunktion zugunsten einer ruhigen Aufenthaltsqualität mit langer Sitzbank, Trinkbrunnen aus Stein und einer im Belag abgesetzten Gestaltung rund um die Kapelle.

Alle Abbildungen: © Glück

Hier finden Sie Teil 1 der Wettbewerbsergebnisse im Oktober.