KI erkennt illegale Umnutzung urbaner Räume

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Dicht befahrene Stadtstraße und moderne Hochhäuser, fotografiert von Bin White

Illegale Umnutzung von urbanen Räumen bleibt vielerorts ein blinder Fleck – doch Künstliche Intelligenz krempelt die Spielregeln um. Mit neuen Analysewerkzeugen und einer Prise algorithmischer Neugier deckt KI auf, was bislang unsichtbar blieb: von grauen Wohnungsumwandlungen bis zu verborgenen Gewerbenischen. Was bedeutet das für Stadtplanung, Kontrolle und Gestaltung? Wer die Zukunft der urbanen Ordnung nicht verpassen will, sollte bei diesem Thema genau hinschauen.

  • Definition und gesellschaftliche Relevanz illegaler Umnutzung urbaner Räume
  • Methoden und Technologien der KI zur Erkennung von Missbrauch und Zweckentfremdung
  • Praktische Einsatzbeispiele aus verschiedenen Städten und deren Auswirkungen auf die Stadtentwicklung
  • Rechtliche, ethische und planerische Herausforderungen beim KI-basierten Aufspüren
  • Chancen für resilientere, gerechtere und nachhaltigere Stadtplanung durch intelligente Überwachung
  • Grenzen und Risiken: Datenschutz, Bias, Überregulierung und gesellschaftliche Akzeptanz
  • Interdisziplinäre Ansätze zur Integration von KI in die laufende Stadtentwicklung
  • Perspektiven für eine offene, adaptive und partizipative Nutzung von KI-gestützten Tools

Illegale Umnutzung urbaner Räume: Ein unterschätztes Phänomen im Wandel der Zeit

Illegale Umnutzung urbaner Räume ist ein Begriff, der in der Fachdebatte viel zu selten mit der gebotenen Tiefe analysiert wird. Gemeint sind damit sämtliche Nutzungsänderungen von Gebäuden, Grundstücken oder Flächen, die ohne entsprechende Genehmigung oder entgegen bestehender Planungs- und Baurechtsvorgaben vorgenommen werden. Das Spektrum reicht von der klassischen Zweckentfremdung von Wohnraum – etwa die Umwandlung in Ferienwohnungen oder Büros – über Schwarzbauten auf Hinterhöfen, bis hin zu unautorisierten Gewerbenutzungen in Wohngebieten oder der informellen Zwischennutzung brachliegender Areale.

Die gesellschaftlichen Auswirkungen illegaler Umnutzung sind enorm. Sie reichen von einer Verschärfung der Wohnraumknappheit in Ballungszentren, über Verkehrsprobleme durch nicht genehmigte Gewerbeansiedlungen, bis zu Konflikten um Lärm, Umweltbelastung oder fehlende Infrastruktur. Besonders in deutschen Metropolregionen, aber zunehmend auch im ländlichen Raum, wird die Kontrolle und Steuerung dieser Prozesse zur Herkulesaufgabe für Kommunen und Planungsbehörden. Denn die Dynamik der Stadtentwicklung hat sich beschleunigt: Immobilienmärkte sind angespannt, Flächen begehrt, Regularien komplex – und die Versuchung, an den Rändern der Legalität zu agieren, wächst stetig.

Traditionelle Kontrollmechanismen wie Baugenehmigungsverfahren, Vor-Ort-Begehungen und Meldesysteme stoßen angesichts dieser Entwicklung an ihre Grenzen. Das liegt nicht nur an begrenzten Ressourcen in den Bauämtern, sondern auch an der zunehmenden Professionalisierung illegaler Akteure. Mit digitalen Plattformen, anonymisierten Zahlungsströmen und verschleierter Kommunikation werden Umnutzungen verschleiert, Spuren verwischt und Nachweise erschwert. Die Folge: Ein wachsender Graubereich, der das planerische Ziel von Ordnung, Nachhaltigkeit und Gemeinwohlorientierung bedroht.

Gleichzeitig hat sich in der Fachwelt ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass nicht jede informelle oder temporäre Umnutzung per se negativ zu bewerten ist. Vielmehr können kreative Zwischennutzungen, urbane Experimente oder temporäre Interventionen wertvolle Impulse für die Stadtentwicklung liefern – vorausgesetzt, sie werden gesteuert und in einen gesamtstädtischen Kontext integriert. Die Herausforderung für Stadtplaner, Architekten und Entscheider besteht darin, zwischen destruktiven, gemeinwohlschädlichen und konstruktiven, innovationsfördernden Umnutzungen zu unterscheiden. Genau hier setzt die Künstliche Intelligenz als neues Werkzeug an.

Mit ihrem Potenzial, riesige Datenmengen zu analysieren, Muster zu erkennen und Prognosen zu erstellen, eröffnet KI der Stadtplanung eine bislang ungeahnte Dimension: die automatisierte, proaktive Erkennung illegaler Umnutzung. Doch wie funktioniert das konkret? Wer nutzt diese Möglichkeiten bereits? Und wo liegen die Fallstricke und Chancen? Die folgenden Abschnitte loten das Spannungsfeld zwischen Technik, Recht, Stadtgesellschaft und Planungskultur aus – und zeigen, wie aus Science-Fiction operative Realität werden kann.

Wie Künstliche Intelligenz illegale Umnutzung aufspürt: Methoden, Technologien, Praxis

Die Erkennung illegaler Umnutzung durch KI basiert auf einer Vielzahl datengetriebener Methoden, die sich in den letzten Jahren rasant weiterentwickelt haben. Im Zentrum steht die Fähigkeit, aus heterogenen, oft unstrukturierten Datenquellen belastbare Hinweise auf nicht genehmigte Nutzungsänderungen abzuleiten. Dabei kommen verschiedenste Technologien zum Einsatz – von Satellitenbildern und Luftaufnahmen über Smart-Meter-Daten und Internet-of-Things-Sensorik bis hin zu Social Media Monitoring und semantischer Webanalyse.

Ein prominentes Beispiel liefert das sogenannte Geospatial Data Mining: Mit Hilfe von Machine-Learning-Algorithmen werden Luftbilder oder Drohnenaufnahmen systematisch ausgewertet, um bauliche Veränderungen zu identifizieren, die nicht in Kataster- oder Bauamtsdaten hinterlegt sind. Das können etwa neu errichtete Gartenhäuser, ausgebautes Dachgeschossvolumen oder untypische Anbauten sein. Moderne Bildverarbeitung erkennt nicht nur die bauliche Hülle, sondern kann durch die Analyse von Vegetationsveränderungen, Zufahrtswegen oder Parkplatznutzung auch auf Nutzungsänderungen schließen.

Eine weitere relevante Technologie sind Smart Meter und IoT-Sensoren, die Verbrauchsdaten von Strom, Wasser oder Wärme in Echtzeit erfassen. Abweichungen von typischen Verbrauchsprofilen – etwa ein plötzlich stark ansteigender Stromverbrauch in einer offiziell leerstehenden Immobilie – können ein Indiz für eine nicht genehmigte Gewerbenutzung oder eine unerlaubte Untervermietung sein. Mit KI lassen sich solche Muster automatisiert erkennen und mit weiteren Datenquellen – beispielsweise Melderegister, Gewerbeanmeldungen oder Bewegungsdaten aus dem Mobilfunknetz – abgleichen.

Auch das Internet ist ein reichhaltiges Datenfeld: KI-gestützte Webcrawler durchforsten Online-Plattformen nach Inseraten, die auf illegale Ferienwohnungsvermietungen, Veranstaltungsflächen oder neue Geschäftstätigkeiten hindeuten. Durch semantische Analyse – also das „Verstehen“ von Texten und Bildern durch Algorithmen – lassen sich Angebote aufdecken, die nicht mit den offiziellen Nutzungsarten übereinstimmen. In einigen Städten werden zudem KI-basierte Chatbots eingesetzt, die Hinweise von Bürgern entgegennehmen und automatisch mit amtlichen Datenbanken abgleichen.

In der Praxis zeigt sich, dass der Mix aus verschiedenen Technologien entscheidend ist. So nutzt beispielsweise die Stadt Amsterdam ein Zusammenspiel aus Geodatenanalyse, Stromverbrauchsdaten und Online-Monitoring, um illegale Ferienwohnungen und Schwarzvermietungen zu identifizieren. In deutschen Städten wie Berlin oder München werden Pilotprojekte mit KI-gestützter Analyse von Smart-Meter-Daten und Bildauswertungen getestet. Noch steht die flächendeckende Einführung aus – doch die ersten Ergebnisse sind vielversprechend: Die Anzahl aufgedeckter Fälle steigt signifikant, und die Effizienz der städtischen Kontrollbehörden verbessert sich messbar.

Chancen und Herausforderungen für die Stadtplanung: KI als neues Steuerungsinstrument

Die Integration von Künstlicher Intelligenz in die Stadtplanung eröffnet enorme Chancen, birgt aber auch erhebliche Herausforderungen. Einer der größten Vorteile liegt in der proaktiven Steuerung von Flächennutzung und Raumordnung. Wo bislang reaktiv auf Hinweise und Beschwerden reagiert wurde, ermöglicht KI eine systematische, stadtweite Überwachung und Analyse. Das führt zu einer gerechteren Verteilung von Wohnraum, verhindert die Verdrängung von Mietern durch illegale Zweckentfremdung und ermöglicht es, frühzeitig auf Fehlentwicklungen zu reagieren.

Zugleich eröffnet die KI-gestützte Erkennung von Umnutzungen neue Perspektiven für die nachhaltige Stadtentwicklung. Durch die genaue Analyse von Trends und Mustern lassen sich informelle oder temporäre Nutzungen erkennen, bewerten und im besten Fall gezielt in die gesamtstädtische Planung integrieren. So können innovative Nutzungsformen – etwa Pop-up-Büros, Makerspaces oder kulturelle Zwischennutzungen – gefördert werden, solange sie mit den städtebaulichen Zielen vereinbar sind. Die Stadtplanung wird damit agiler, lernfähiger und näher am tatsächlichen Bedarf der Bevölkerung.

Die Herausforderungen sind jedoch nicht zu unterschätzen. Datenschutz ist ein zentrales Thema: Die Verarbeitung sensibler Verbrauchsdaten, Bewegungsprofile oder Online-Aktivitäten erfordert höchste Sorgfalt und Transparenz. Es gilt, den rechtlichen Rahmen – etwa die DSGVO – nicht nur formal, sondern auch ethisch zu respektieren. Dabei sollten intelligente Anonymisierungsverfahren und klare Zweckbindungen zum Einsatz kommen, um Missbrauch und Überwachungsexzesse zu verhindern.

Ein weiteres Problemfeld ist der sogenannte Algorithmic Bias – also die Gefahr, dass KI-Systeme bestimmte Bevölkerungsgruppen systematisch benachteiligen oder stigmatisieren. Wenn etwa bestimmte Stadtteile besonders häufig „auffällig“ werden, kann dies zu einer selektiven Kontrolle und zu Spannungen in der Stadtgesellschaft führen. Hier ist interdisziplinäre Zusammenarbeit gefragt: Stadtplaner, Datenwissenschaftler, Ethiker und Juristen müssen gemeinsam Standards entwickeln, die Fairness und Transparenz gewährleisten.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der Akzeptanz in der Bevölkerung. KI-gestützte Überwachung stößt in Teilen der Gesellschaft auf Skepsis bis Ablehnung. Die Behörden sind gefordert, offen zu kommunizieren, wie und warum diese Technologien eingesetzt werden, welche Vorteile sich für die Allgemeinheit ergeben – und wie individuelle Rechte geschützt bleiben. Partizipation, Transparenz und Datenschutz sind keine Floskeln, sondern Voraussetzungen für einen legitimen und erfolgreichen KI-Einsatz in der Stadtplanung.

Von der Überwachung zur Mitgestaltung: Perspektiven für eine adaptive und partizipative Stadt

Die Zukunft der KI in der Erkennung illegaler Umnutzung entscheidet sich nicht allein an der technischen Machbarkeit, sondern an der Frage, wie die gewonnenen Erkenntnisse in die Stadtgestaltung einfließen. Ein rein repressiver Ansatz – also das bloße Aufdecken und Sanktionieren von Verstößen – greift zu kurz. Vielmehr muss die Stadtentwicklung von morgen auf adaptive, lernende Steuerungsmechanismen setzen, die informelle Prozesse nicht nur kontrollieren, sondern auch produktiv nutzen.

Das bedeutet, dass die Stadt als offenes System verstanden wird, in dem Umnutzungen sowohl Risiko als auch Chance sind. KI kann helfen, diese Dynamik sichtbar zu machen: Sie erkennt nicht nur Verstöße, sondern auch Innovationspotenziale. So lassen sich etwa Zwischennutzungen als Frühindikatoren für neue Quartiersentwicklungen oder gesellschaftliche Trends begreifen. Die Aufgabe der Planung besteht darin, diese Impulse aufzunehmen, zu bewerten und – wo sinnvoll – zu fördern.

Partizipation spielt dabei eine zentrale Rolle. Moderne KI-gestützte Tools können so gestaltet werden, dass sie nicht nur zur Überwachung, sondern auch zur Bürgerbeteiligung beitragen. Denkbar sind etwa offene Datenplattformen, auf denen Hinweise auf Umnutzungen gesammelt, diskutiert und gemeinsam bewertet werden. Visualisierungstools und interaktive Dashboards machen komplexe Prozesse verständlich und ermöglichen eine breite Einbindung von Akteuren aus Verwaltung, Zivilgesellschaft und Wirtschaft.

Diese neue Form der Stadtplanung verlangt nach interdisziplinärer Zusammenarbeit und einer Kultur des Experimentierens. Nur wenn Stadtplaner, KI-Spezialisten, Juristen und lokale Communities an einem Strang ziehen, können die Potenziale der Technologie voll ausgeschöpft werden. Das erfordert Mut zur Veränderung, Offenheit für neue Steuerungsansätze und ein gutes Gespür für die Balance zwischen Kontrolle und Freiheit.

Nicht zuletzt bietet die KI-gestützte Erkennung illegaler Umnutzung die Chance, Stadtentwicklung gerechter, nachhaltiger und widerstandsfähiger zu gestalten. Indem Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt und Ressourcen gezielter eingesetzt werden, profitieren alle: Mieter, Eigentümer, Wirtschaft, Umwelt und letztlich das Gemeinwesen. Wer die Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz nutzt, gestaltet nicht nur effizienter – sondern auch klüger und zukunftsfähiger.

Fazit: KI als Gamechanger – aber keine Wunderwaffe

Die Erkennung illegaler Umnutzung urbaner Räume durch Künstliche Intelligenz markiert eine neue Ära der Stadtplanung und Kontrolle. Nie zuvor war es möglich, derart umfassend, präzise und vorausschauend Missstände aufzudecken, Fehlentwicklungen zu steuern und Innovationspotenziale zu identifizieren. Die Technologie verspricht enorme Effizienzgewinne, mehr Gerechtigkeit im Umgang mit Ressourcen und eine bessere Einbindung informeller Prozesse in die Stadtentwicklung.

Doch KI ist kein Selbstläufer und schon gar keine Wunderwaffe. Sie verlangt nach Augenmaß, ethischer Reflexion und einer aktiven Einbindung aller relevanten Akteure. Datenschutz, Transparenz und soziale Akzeptanz sind die Grundpfeiler einer legitimen Nutzung. Nur wenn es gelingt, die Technologie als Werkzeug der Mitgestaltung und nicht der bloßen Überwachung zu etablieren, wird sie ihr volles Potenzial entfalten.

Für die Fachwelt bedeutet das: Stadtplanung, Architektur und Verwaltungsmanagement müssen sich weiterentwickeln, interdisziplinär denken und neue Kompetenzen aufbauen. Die Zukunft der Stadt liegt nicht im Verharren, sondern im mutigen Gestalten – mit KI als Partner, nicht als Kontrollinstanz. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann die Städte von morgen resilienter, gerechter und lebenswerter machen. Wer abwartet, riskiert, dass die urbanen Räume der Zukunft von anderen definiert werden – und das nicht immer zum Vorteil aller.

Der Weg ist offen, die Tools sind da – was fehlt, ist der Wille, sie klug, fair und kreativ einzusetzen. Genau hier liegt die große Aufgabe für alle, die Stadt nicht nur verwalten, sondern lebendig gestalten wollen. Die Zukunft ist digital, aber die Verantwortung bleibt menschlich. Und das ist auch gut so.

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Was Forscher voraussagen, ist erschreckend: 2050 sollen mehr Tonnen Plastikmüll im Ozean schwimmen als Fische. Eine Initiative in Rotterdam bietet den Ansatz einer Lösung: Inseln aus recyceltem Plastik. Die Inseln filtern Abfall aus dem Fluss.

Die Neue Maas fließt 24 Kilometer lang durch die Niederlande. Der Flussarm entspringt dem Rheindelta. Er bildet einen wichtigen Handelsweg und passiert Rotterdam, dem drittgrößten Hafen der Welt. Bei Hock van Holland mündet der Fluss in der Nordsee. Seit dem 4. Juli 2018 schwimmen 28 Hexagone auf der Neuen Maas in Rotterdam. Manche der schwimmenden Inseln sind begrünt, auf anderen sitzen Passanten in der Sonne. Unter der Wasseroberfläche erfüllen die Inseln eine wichtige Aufgabe: Sie filtern Plastikabfall aus dem Gewässer. Das Projekt entwickelte die Recycled Island Foundation in Zusammenarbeit mit der Stadt Rotterdam. Nun testet die Stiftung in einem Zeitraum von anderthalb Jahren die Müllfallen, um sie gegebenenfalls zu optimieren. 

Abfallfallen

Die Recycled Island Foundation hat drei Inselgruppen entwickelt. Der Strom der Maas spült den Abfall in die Fallen. Sie sind so konzipiert, dass der Müll auch gefangen bleibt, wenn sich die Stromrichtung ändert. Die Stiftung leert die Inseln regelmäßig. Dann sortieren sie den Plastikfang nach reinen Materialen, um sie anschließend zu recyceln. Aus dem neu entstandenen Plastik gießt die Stiftung neuen Hexagone. 

Plastikbrühe

Flaschen, Einweggeschirr, Mülltüten gelangen über Flüsse in die Weltmeere. Der Initiator der Recycled Islands Foundation Ramon Knoester erklärt, dass weniger Abfall in den innerstädtischen Gewässern sich deshalb direkt auf die Weltmeere auswirkt. Rotterdam soll ein Beispiel für weitere Hafenstädte weltweit sein. 

 

Alle Bilder von der Recycled Island Foundation.

Soeren von Hoerschelmann: Privatgarten in Reinbek

Bei der Gestaltung des Gartens einer Altbauvilla in einem Hamburger Vorort, realisiert von Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann, spielt Wasser eine zentrale Rolle. Foto: Ferdinand Graf Luckner
Bei der Gestaltung des Gartens einer Altbauvilla in einem Hamburger Vorort, realisiert von Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann, spielt Wasser eine zentrale Rolle. Foto: Ferdinand Graf Luckner

Für eine Altbauvilla in einem Hamburger Vororte gestaltete Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann einen Stadtgarten. Ziel war es, einen Hauch Frankreich in den Garten in Norddeutschland zu holen. Welche Pflanzen dabei zum Einsatz kamen, wie das Gelände strukturiert ist und weshalb Rasen in der Gestaltung entbehrlich war, lesen Sie in der Projektvorstellung.

Stadtgarten als Bühne für Pflanzen

„Der Garten soll nach Frankreich duften, den Esprit ausstrahlen, die Nonchalance – aber eben auch nach Norddeutschland und zum Wohnhaus passen“, beschreibt Landschaftsarchitekt Soeren von Hoerschelmann den Auftrag für die Gestaltung eines Stadtgartens, gelegen in einem der schickeren Hamburger Vororte. Er soll zur hübschen kleinen Altbauvilla passen, die mit viel Liebe zum Detail hergerichtet wurde.

Wichtig beim Entwurf war eine klare architektonische Linienführung unter Vermeidung von ideenloser Symmetrie. In diesem Rahmen wachsen Pflanzen, er ist ihre Bühne und macht sie zum lebendigen Kontrast: Sie setzen den Kontrapunkt zum Formalen. Gehölze, Stauden und Gräser werden auf die Bühne gehoben, sie haben sicht- und erlebbar einen hohen Stellenwert.

Beim Entwurf des Stadtgartens in Reinbek war Soeren von Hoerschelmann eine klare architektonische Linienführung wichtig. Durch die räumliche Gliederung wirkt der Garten größer als er ist. Plan: Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur
Beim Entwurf des Stadtgartens in Reinbek war Soeren von Hoerschelmann eine klare architektonische Linienführung wichtig. Durch die räumliche Gliederung wirkt der Garten größer als er ist. Plan: Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur

Topografie für Gestaltung genutzt

Auf Rasen jedoch wurde von Beginn an verzichtet, er ist in dieser abwechslungsreichen Gestaltung absolut entbehrlich. Die geschickte Abfolge der räumlichen Gliederung sorgt dafür, dass der Garten viel größer wirkt als er in Wahrheit ist. Wasser ist ein wichtiges Element in dieser Gestaltung, es taucht gleich zweimal in unterschiedlichen Formen im Garten auf. Baulich beschränkt sich die Palette auf einige wenige Materialien, die mit dem Alter und der unvermeidbaren Patina immer wertvoller werden. Burgpreppacher Sandstein kommt in Form von Stufen, Krustenplatten, Trockenmauersteinen, als Beckenrand und als Brunnen zum Einsatz. Durch seine offene Struktur verändert sich seine Oberfläche bereits nach kurz nach dem Einbau. Zeit als Gestaltungselement beschränkt sich also nicht nur wie sonst üblich auf die Vegetation.

Die leichte Topografie des Grundstücks nutzt der Landschaftsarchitekt für seine Gestaltung. Sie wird durch Elemente wie Treppen und Höhenabstufungen mit Trockenmauern sichtbar. Sie richten sich am Haus aus, so dass sie im Bezug zu dessen Ebene stehen. „Ich nutze Höhenunterschiede gerne, um sie abzufangen und damit Räume zu schaffen.“ So ergeben sich unterschiedliche Gartenzimmer auf verschieden hohen Terrassierungen und schaffen Anlass, die Räume unterschiedlich klar voneinander abzugrenzen.

Bepflanzungen an Standort angepasst

Die stärkere Betonung der Gartenräume übernehmen die erwähnten Stahlhalme, aber auch Heckenriegel, die sich von der Seite in den Raum schieben. Auch hier gibt es ein Zusammenspiel von Material und Zeit: Der Stahl setzt Rost an, die Wisteria verholzt – und erinnert an Frankreich. Wie alle baulichen Elemente orientieren sich die Pflanzen-Paravents am Haus, ohne auf eine Achse ausgerichtet zu sein. Diese luftig leichte Konstruktion schließt den Garten auch zur hinteren Grundstücksgrenze ab. Dort halten die Stahlhalme ihre bogig überhängenden Metallfinger wie eine schützende Hand über den gleichermaßen intimen wie sonnigen Sitzplatz und verwehren zusammen mit dem Blätterdach der Glyzine Einblicke vom Nachbarhaus.

Der eigene Blick jedoch bleibt frei und streicht über das formale Wasserbecken durch das Pflanzenzimmer zurück zur Villa.

Nutz- und Beetflächen sind miteinander verwoben, die Bepflanzung in der Höhe gestaffelt und an den Standort angepasst. Sie durchläuft viele abwechslungsreiche Phasen: Strukturstark im Winter, edel grün-weiß im Frühjahr, üppig im Sommer und laubfärbend im Herbst. Wertvolle Gehölze wie zum Beispiel ein Trompetenbaum (Catalpa bignonioides) wurden wiederverwendet. An die angrenzenden Grundstücke wurde mit dem Pflanzen von Pflaumenblättrigem Weißdorn (Crataegus prunifolia) angeknüpft und so eine Verbindung zwischen den benachbarten Gärten geschaffen.

Frankreich subtil anklingen lassen

Das Material ist zurückhaltend gewählt. Der Kies ist multifunktional und wirkt wie eine Grundierung, die sich durch die Gestaltung zieht. Alles Gebaute, auch das Wasserbecken und der Brunnen, bestehen aus Sandstein – ein Naturstein, der eine schöne Patina ansetzt. „Die größte Herausforderung war, kein Abziehbild zu bauen, sondern eine Idee von Frankreich zu kreieren, seinen Duft wachzurufen“, resümiert Soeren von Hoerschelmann.

Das Ergebnis mit seiner gelungenen Kombination aus natürlichen Materialien, Pflanzen und reduzierten baulichen Elementen lässt Frankreich subtil anklingen. Und dennoch passt dieser Stadtgarten uneingeschränkt zum Wohnhaus und nach Norddeutschland: Der Duft Frankreichs wird von einer nordischen Brise durch den Garten geweht.

Projektinfos

Lage des Gartens: Reinbek, Schleswig-Holstein

Größe des Gartens: 640 Quadratmeter

Planungsbüro: Soeren von Hoerschelmann Garten- und Landschaftsarchitektur

Ausführung: Gaerten von Hoerschelmann GmbH

Fotos: Ferdinand Graf Luckner

Büroprofil

Soeren von Hoerschelmann ist als Landschaftsarchitekt in der Objektplanung tätig. Als freiberuflicher Landschaftsarchitekt übernimmt er die Freiraumplanung von Unternehmen, der öffentlichen Hand oder im Bereich der Denkmalpflege.

Als Inhaber seines Ausführungsunternehmens Gaerten von Hoerschelmann GmbH hat er sich auf hochwertige private Gärten spezialisiert. Er bietet die gesamte Leistungspalette von der ersten Beratung, über den Entwurf, den Bau bis hin zur fachgerechten Pflege an.

Weitere Infos gibt es auf der Webseite des Büros.

 

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