KI-gesteuerte Regenwassernutzung – präzise statt pauschal

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Luftaufnahme einer urbanen Landschaft mit Fluss in Österreich, aufgenommen von Carrie Borden.





KI-gesteuerte Regenwassernutzung – präzise statt pauschal


Stellen Sie sich eine Stadt vor, in der jeder Regentropfen zählt – aber nicht durch starre Regeln, sondern durch lernende Systeme, die punktgenau steuern, speichern und verteilen. KI-gesteuerte Regenwassernutzung ist keine ferne Vision mehr, sondern der nächste logische Schritt für zukunftsfähige, resiliente Städte. Doch wie funktioniert das wirklich? Und was bedeutet das konkret für Planung, Ausführung und Betrieb? Willkommen in einer Ära, in der Pauschallösungen endgültig von Präzision abgelöst werden.

  • Definition und Grundlagen der KI-gesteuerten Regenwassernutzung im urbanen Kontext
  • Technische Komponenten: Sensorik, Datenintegration, maschinelles Lernen und Systemarchitektur
  • Praktische Anwendungsbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Chancen für Klimaresilienz, Flächenentsiegelung und nachhaltige Stadtentwicklung
  • Herausforderungen bei Planung, Betrieb, Datenschutz und Governance
  • Wandel der Rollen von Planern, Landschaftsarchitekten und kommunalen Akteuren
  • Potenziale für partizipative Planung und Bürgerbeteiligung durch transparente Systeme
  • Risiken: Technokratische Verzerrung, Kommerzialisierung und digitale Kluft
  • Rechtliche und normative Rahmenbedingungen – wo stehen DACH-Städte heute?
  • Fazit: KI als Treiber für eine neue, präzise Wasserstrategie im urbanen Raum

KI trifft Regen: Warum präzise Regenwassernutzung das neue Paradigma ist

Kaum ein Thema treibt die urbane Planung derzeit so sehr um wie der Umgang mit Wasser. Zu viel oder zu wenig, zu plötzlich oder zu lange, zu verschmutzt oder zu ungenutzt – das Wassermanagement ist zur Gretchenfrage für lebenswerte Städte geworden. Bisher setzte man vor allem auf pauschale Lösungen wie zentrale Rückhaltebecken, starre Überflutungsflächen oder generische Gründachprogramme. Doch die Grenzen dieser Ansätze zeigen sich immer deutlicher: Sie sind häufig zu träge, zu teuer und zu wenig auf die komplexen, sich ständig ändernden Bedingungen moderner Städte zugeschnitten.

Hier kommt die KI ins Spiel – Künstliche Intelligenz, die mehr ist als ein schickes Buzzword: Maschinelles Lernen, neuronale Netze und selbstoptimierende Algorithmen können nicht nur große Datenmengen in Echtzeit auswerten, sondern auch vorhersehen, was als Nächstes passiert. Das bedeutet: Regenwassernutzung wird nicht mehr nach Schema F geregelt, sondern exakt dort aktiviert, wo und wann sie gebraucht wird. Sensoren messen Niederschlag, Bodenfeuchte, Abflussraten und Speicherstände, während Algorithmen daraus Prognosen ableiten und die Steuerung von Rückhaltebecken, Versickerungsanlagen und Bewässerungssystemen dynamisch anpassen.

In der Praxis ermöglicht das eine bislang unerreichte Flexibilität. An heißen Tagen wird Regenwasser gezielt zur Bewässerung von Stadtbäumen und Grünflächen genutzt. Bei Starkregen werden Speicher und Ableitungen so geregelt, dass Kanalsysteme entlastet und urbane Überschwemmungen vermieden werden. Und sollte ein Trockenereignis drohen, werden verfügbare Reserven intelligent priorisiert eingesetzt. Plötzlich ist Regenwassermanagement kein starres Korsett mehr, sondern ein lernender Prozess, der sich an die Stadt und ihre Bewohner anpasst.

Doch damit nicht genug: KI-basierte Systeme können auch helfen, die graue Infrastruktur gezielt mit grünen Lösungen zu verknüpfen. Von der Dachbegrünung bis zur dezentralen Versickerung – alles wird Teil eines vernetzten Wasserkreislaufs, der auf Echtzeitdaten und adaptiven Steuerungsstrategien basiert. Das eröffnet nicht nur neue Horizonte für die Stadtökologie, sondern macht auch die Stadt widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels.

Die zentrale Frage lautet daher nicht mehr, ob KI-gesteuerte Regenwassernutzung kommt, sondern wie sie sinnvoll, verantwortungsbewusst und nutzbringend für alle Stadtakteure implementiert werden kann. Wer heute noch auf pauschale Lösungen setzt, riskiert, von den Herausforderungen der Zukunft überrollt zu werden.

Technologie im Detail: Sensorik, Daten und Algorithmen als Herzstück smarter Wassersysteme

Die technologische Basis für KI-gesteuerte Regenwassernutzung ist ein feinmaschiges Netz aus Sensoren, Datenplattformen und intelligenten Steuerungseinheiten. Sensoren erfassen eine Vielzahl von Parametern: Sie messen Niederschlagsmengen, Bodenfeuchte, Wasserstände in Speichern, Durchflussraten in Kanälen, aber auch Temperatur, Verdunstung und sogar Verschmutzungsgrade. Diese Daten werden kontinuierlich an zentrale oder dezentrale Datenplattformen übermittelt, wo sie aggregiert, validiert und für die weitere Analyse aufbereitet werden.

Das Herzstück bildet die KI-gestützte Auswertung: Maschinelle Lernverfahren erkennen Muster in den gesammelten Daten, vergleichen sie mit historischen Ereignissen und werten sie im Kontext aktueller Wetterprognosen aus. So können nicht nur kurzfristige Steuerungsentscheidungen getroffen werden – etwa das rechtzeitige Entleeren eines Speicherbeckens vor einem angekündigten Starkregen – sondern auch langfristige Optimierungen stattfinden. Beispielsweise kann die KI analysieren, welche Flächen besonders häufig von Trockenstress betroffen sind, und die Bewässerung entsprechend anpassen.

Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Integration unterschiedlicher Datenquellen: Neben den eigenen Sensoren werden zunehmend offene Daten (Open Data), amtliche Messwerte, Satellitenbilder und IoT-Plattformen eingebunden. So entsteht ein ganzheitliches Bild der urbanen Wasserlandschaft, das weit über die Möglichkeiten klassischer Systeme hinausgeht. Die Algorithmen können dabei nicht nur auf vorgegebene Regeln reagieren, sondern selbstständig Zusammenhänge erkennen, Korrelationen berechnen und Prognosen für verschiedene Szenarien erstellen.

Moderne Systemarchitekturen setzen zudem auf Modularität und Skalierbarkeit. Das bedeutet: Neue Sensoren oder Steuerungseinheiten lassen sich ohne großen Aufwand einbinden, und die Systeme sind in der Lage, auf veränderte Rahmenbedingungen flexibel zu reagieren. Besonders relevant wird dies bei der Nachrüstung bestehender Infrastrukturen, wo Schnittstellen zu alten Anlagen geschaffen und neue Komponenten integriert werden müssen.

Datensicherheit und Datenschutz sind dabei zentrale Anforderungen. Die Systeme müssen so konzipiert sein, dass sensible Informationen – etwa zu privaten Grundstücken oder Betriebsgeheimnissen – geschützt bleiben. Gleichzeitig gewinnt die Frage nach der Datenhoheit an Bedeutung: Wer darf welche Daten sehen, wer entscheidet über deren Nutzung, und wie werden Fehlsteuerungen oder Manipulationen verhindert? Nur wenn diese Fragen transparent und nachvollziehbar geklärt sind, können KI-gesteuerte Wassersysteme ihr volles Potenzial entfalten.

Praxisbeispiele aus dem deutschsprachigen Raum: Von Pilotprojekten zu Blaupausen

Während internationale Leuchtturmprojekte in Singapur, Rotterdam oder Melbourne bereits für Furore sorgen, holen Städte und Gemeinden im deutschsprachigen Raum spürbar auf. So hat die Stadt Hamburg im Rahmen des Projekts “Smart Water” ein KI-basiertes Steuerungssystem für Regenwasserrückhalt in einem stark versiegelten Quartier implementiert. Sensoren messen dort kontinuierlich den Füllstand dezentraler Speicher und die aktuellen Wetterdaten. Die KI entscheidet, wann welches Becken entleert oder gefüllt wird, um sowohl Überschwemmungen zu vermeiden als auch Regenwasser für die spätere Nutzung zu sichern.

In Zürich wurde ein intelligentes Bewässerungsnetz für städtische Grünflächen aufgebaut. Hier verknüpft das System Bodenfeuchtesensoren mit lokalen Wetterprognosen und den spezifischen Wasserbedarfen unterschiedlicher Pflanzenarten. Das Ergebnis: Die Bewässerung erfolgt nicht mehr nach starren Zeitplänen, sondern bedarfsgerecht und ressourcenschonend. Die Stadt spart Wasser, Energie und Kosten – und die Pflanzen danken es mit besserem Wachstum und höherer Resilienz gegenüber Hitzewellen.

Auch kleinere Kommunen setzen auf KI. Im österreichischen Linz wird ein Pilotprojekt umgesetzt, bei dem die Regenwassernutzung im öffentlichen Raum mit Hilfe lernender Algorithmen optimiert wird. Öffentliche Plätze und Grünflächen werden so bewässert, dass das gespeicherte Regenwasser optimal genutzt wird, zugleich aber Überschwemmungen im Kanalnetz vermieden werden. Die Stadt nutzt hierfür auch Bürgerdaten aus einer App, in der Nutzer Schäden, Trockenstress oder Überflutungen melden können – ein Beispiel für gelungene Partizipation.

Sogar im Bereich der Dachbegrünung hält die KI Einzug. In München analysiert ein Pilotprojekt mithilfe von Sensorik und maschinellem Lernen die Leistungsfähigkeit von Gründächern in Bezug auf Regenwasserrückhalt, Verdunstung und Pflanzenentwicklung. Die Ergebnisse fließen direkt in die Planung neuer Projekte ein und helfen, die Wirkung von Gründächern gezielt zu optimieren – je nach Standort, Nutzung und Wetterlage.

Diese Praxisbeispiele zeigen: Die KI-gesteuerte Regenwassernutzung ist kein abstraktes Zukunftsszenario, sondern längst im urbanen Alltag angekommen. Noch sind es meist Pilotprojekte, doch sie entwickeln sich rasch zu Blaupausen für die breite Umsetzung. Entscheidend ist dabei immer die enge Verzahnung von Planung, Technik und Betrieb – und der Wille, tradierte Routinen zu hinterfragen.

Planung neu denken: Chancen, Hürden und die Rolle der Akteure

Die Einführung KI-gesteuerter Regenwassernutzung bedeutet für die urbane Planung einen Paradigmenwechsel. Planer, Landschaftsarchitekten und Ingenieure müssen sich von statischen, einmalig festgelegten Systemen verabschieden und in dynamischen, lernenden Prozessen denken. Die klassische Trennung von Planung, Bau und Betrieb wird zunehmend durch eine Prozessarchitektur abgelöst, in der kontinuierliches Monitoring und adaptive Steuerung zum Standard gehören.

Ein zentraler Vorteil: Die Systeme ermöglichen eine viel feinere Abstimmung auf lokale Gegebenheiten. Anstatt nach pauschalen Bemessungsregeln zu dimensionieren, kann die Infrastruktur exakt an die spezifischen Anforderungen einzelner Quartiere, Straßen oder Gebäude angepasst werden. Das reduziert Überdimensionierungen, spart Kosten und schafft Raum für Innovationen wie multifunktionale Flächen, die bei Trockenheit bewässern und bei Starkregen Rückhalt bieten.

Für die Kommunen und Betreiber ergeben sich neue Möglichkeiten, aber auch neue Verantwortlichkeiten. Die laufende Überwachung und Steuerung erfordert eine entsprechende Qualifikation des Personals und klare Prozesse für Wartung, Fehlererkennung und Störfallmanagement. Gleichzeitig müssen Schnittstellen zu anderen städtischen Systemen – etwa Verkehr, Energie oder Abfall – geschaffen werden, um Synergien zu nutzen und Zielkonflikte zu vermeiden.

Datenschutz und Governance werden zu kritischen Faktoren. Wer entscheidet über die Nutzung der Daten, wie werden Bürger eingebunden, und wie wird Transparenz sichergestellt? Gerade im sensiblen Bereich der Wasserwirtschaft ist das Vertrauen der Bevölkerung essenziell. Partizipative Ansätze, offene Datenplattformen und nachvollziehbare Entscheidungswege sind deshalb keine Kür, sondern Pflicht.

Schließlich bleibt die Frage nach der Wirtschaftlichkeit. Investitionen in Sensorik, Datenplattformen und KI-Software sind zunächst hoch – doch die laufenden Betriebskosten sinken durch optimierten Ressourceneinsatz, geringeren Wartungsaufwand und verbesserte Prognosefähigkeit spürbar. Förderprogramme auf Bundes- und Landesebene, aber auch EU-Initiativen unterstützen die Einführung, doch oft fehlt es noch an verlässlichen Standards und belastbaren Referenzprojekten. Hier sind Mut, Innovationsgeist und der Wille zur Zusammenarbeit gefragt.

Von der Black Box zur Verantwortung: Risiken und Perspektiven für die Zukunft

So vielversprechend KI-gesteuerte Regenwassernutzung ist, so klar sind auch die Risiken. Algorithmen können nur so gut entscheiden, wie die zugrunde liegenden Daten und Modelle es erlauben. Schlechte oder unvollständige Daten, fehlerhafte Sensoren oder ungeeignete Prognosemodelle führen schnell zu Fehlsteuerungen – mit potenziell gravierenden Folgen für Infrastruktur, Umwelt und Bevölkerung.

Ein weiteres Risiko besteht in der sogenannten Black-Box-Problematik: KI-Systeme treffen Entscheidungen, deren Logik für Außenstehende kaum nachvollziehbar ist. Gerade wenn es um sensible Fragen wie Wasserverteilung oder Hochwasserschutz geht, ist Transparenz jedoch unabdingbar. Hier braucht es klare Regeln für Erklärbarkeit und Nachvollziehbarkeit, etwa durch Open-Source-Modelle, Audits oder Bürgerbeiräte.

Auch die Gefahr der Kommerzialisierung ist real. Wenn große Softwareanbieter oder Plattformbetreiber die Kontrolle über urbane Wasserdaten gewinnen, droht eine Abhängigkeit, die auf lange Sicht teuer werden kann – nicht nur finanziell, sondern auch politisch. Deshalb setzen immer mehr Städte auf offene, interoperable Systeme und achten auf die Wahrung der kommunalen Datensouveränität.

Nicht zuletzt stellt sich die Frage nach der digitalen Kluft: Wer profitiert von smarter Wassernutzung, und wer bleibt außen vor? Gerade in sozial unterschiedlichen Quartieren besteht die Gefahr, dass Innovationen vor allem dort umgesetzt werden, wo die größten Budgets oder das meiste politische Kapital vorhanden sind. Eine nachhaltige Strategie muss daher soziale Aspekte mitdenken und sicherstellen, dass alle Stadtteile gleichermaßen von den Vorteilen profitieren.

Die größte Herausforderung bleibt jedoch der kulturelle Wandel. KI-gesteuerte Systeme fordern das klassische Planungsverständnis heraus und verlangen von allen Beteiligten die Bereitschaft, Verantwortung zu teilen, Fehler zu akzeptieren und aus ihnen zu lernen. Das ist unbequem – aber auch die größte Chance für eine wirklich resiliente, lebenswerte Stadt.

Fazit: Präzision statt Pauschalität – die neue Ära der urbanen Wasserstrategie

KI-gesteuerte Regenwassernutzung markiert einen fundamentalen Wendepunkt in der urbanen Planung. Die Zeiten pauschaler Lösungen sind vorbei – gefragt sind intelligente, adaptive Systeme, die Präzision, Nachhaltigkeit und Beteiligung miteinander verbinden. Sensorik, Datenintegration und maschinelles Lernen schaffen die technologische Basis, doch entscheidend sind Offenheit, Transparenz und Mut zur Veränderung. Wer den Wandel jetzt aktiv gestaltet, kann nicht nur die Resilienz der eigenen Stadt steigern, sondern auch neue Maßstäbe für klimagerechte Entwicklung setzen. Die Zukunft der Regenwassernutzung ist präzise, partizipativ – und intelligenter als je zuvor.


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Eine crossmediale Ausstellung im Besucherzentrum der IGA Berlin ergänzt den Gartenschau-Tag mit kurzweiligen Informationen.

“Please think!” Diese sehr deutliche Botschaft des Landschaftsarchitekten Tom Stuart-Smith (Großbritannien) macht sich auch die Ausstellung im Besucherzentrum der IGA zu eigen, in der die Dokumentation über dessen „Landscape out of nothing“ zu sehen ist. Im Video spricht der Gestalter eines der Gartenkabinette der IGA über seine Ansprüche und die Rolle der Besucher.

Eine crossmediale Ausstellungsskulptur ermöglicht es jedem IGA-Besucher, einen individuellen Parcours zu den historischen und kreativen Entstehungsprozessen der Gärten – von der 1987 eröffneten Berliner Gartenschau bis zur IGA 2017 – zu gestalten. Organisiert auf drei Ebenen, ergänzt diese Skulptur für Groß und Klein das, was man beim IGA-Besuch gesehen hat.

Videos, Fotos, Memotafeln und Originalobjekte dokumentieren den gestalterischen Ansatz, die Entwicklung der gesamten Anlage und auch die Kunst auf der IGA. Gelungen ist die Mischung unterschiedlicher Ausstellungsformen wie zum Beispiel das Video zum chinesischen Mondfest (wieder am 23. September 2017 auf der IGA), die japanischen Bauarbeiterschuhe, das Modell zum „Los Angeles Garden“ des deutschen Künstlers Martin Kaltwasser oder die Künstler- und Planerprofile. Erläuterungen zu religiös und kulturell bedingten Symbolen, die in den Gärten zu finden sind, ergänzen alles gekonnt.

Aus dieser Interaktion ist eine Ausstellung entstanden, die es schafft, Landschaftsarchitektur auf einfache, verständliche Weise und zugleich feinsinnig zu vermitteln. Sie wurde sehr kurzweilig sowohl graphisch als auch inhaltlich von der Berliner Agentur Moniteurs in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin und Filmemacherin Susanne Isabel Yacoub aufbereitet. Diese Form der Präsentation ist nachahmenswert, bedenkt man die langjährigen Anstrengungen, eine breite Öffentlichkeit für die Profession zu erreichen.

Bedauerlich ist, dass diese kleine, sehr gelungene Ausstellung im Besucherzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den kommerziellen Angeboten der IGA ihre Wirkung nicht angemessen entfalten kann, trotz Frontverglasung, die zeitgleich den Ausblick in den Park ermöglicht.

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt sind die Gründerinnen und Leiterinnen der Akademie für Raum und Wandel. © Frédéric Henry, 2024

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt streben einen Wandel in der Planungspraxis an. Um diesen voranzutreiben, haben die beiden Frauen Anfang des Jahres die Akademie für Raum und Wandel gegründet. Mehr zu den Hintergründen und ihren Visionen für die Zukunft, lesen Sie hier. 

„Aktuell stehen wir vor großen globalen Herausforderungen: Themen der Bauwende sowie gesellschaftliche Veränderungen stellen drängende Fragen für unsere Zukunft und fordern ein verändertes Welt- und Selbstverständnis“, sind sich Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt einig. Zintl ist studierte Landschaftsarchitektin und Architektin, promovierte zu ‚Vertikalen Freiräumen‘ und arbeitet heute als Nachhaltigkeitsexpertin für strategische Stadt- und Freiraumentwicklung und als Mentorin. Voigt ist Architektin, Choreografin für zeitgenössischen Tanz und beschäftigte sich in ihrer Promotion mit dem Thema ‚Impulse und Dialoge zwischen Architektur und Körper’. Aus dem Bedürfnis, Wandel in der Planungsbranche aktiv zu gestalten, gründeten sie Anfang 2024 die Akademie für Raum und Wandel, die mit dem Herbstprogramm ab September in ihre erste Saison startet. Dabei kollaborieren sie mit einer Vielzahl an Dozent*innen, die in diesem neuen Kontext des Lernens und der Veränderung ihre Expertise teilen.

Zeit für einen Paradigmenwechsel

Trotz ihres starken akademischen Hintergrunds siedeln Zintl und Voigt ihre Plattform jenseits des klassischen Hochschulkontextes an. Dies resultiert laut Voigt aus der Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen auch in späteren Lebensphasen essenziell, die Angebote zur Weiterbildung jedoch oft begrenzt und stark getrennt zwischen persönlicher, gesellschaftlicher und beruflicher Entwicklung seien. Im Bewusstsein dieses Defizits machen sich Voigt und Zintl für neue Lehr- und Lernformen, Möglichkeiten der Vernetzung, Austausch auf Augenhöhe und das Eröffnen neuer Themenfelder für die Planungsdisziplinen stark. Die Vision der Akademie für Raum und Wandel ist dabei klar: „Es geht uns um nicht weniger, als um einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Planungspraxis, der Auffassung von Raum und Wandel und dem Gestalten einer wirklich nachhaltigen gebauten Lebenswelt.“

Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner
Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Für Zintl resultiert dieser ganzheitliche Ansatz auch aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Mutter und Frau in der Baubranche: „Aus meiner Sicht, kann die notwenige »Bauwende« nicht heißen weniger abzureißen und zu betonieren, es geht auch darum zu erkennen, wie wir als Planer:innen arbeiten und leben. Denn wirkliche Nachhaltigkeit betrachtet alle Bereiche, denn auch die eigene Arbeitskraft sollte nachhaltig eingesetzt werden.“ Es sei zu beobachten, dass viele Menschen – vor allem Frauen und Mütter – wegen der Unvereinbarkeit von Privatleben und Beruf die Planungspraxis verließen. Zu viel Stress, Burnout, schlechte Bezahlung oder veraltete Machtstrukturen in den Büros seien einerseits Gründe, aus dem Beruf auszuscheiden. Doch auch moralische Fragen nach der Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit beschäftigten heute vermehrt Arbeitnehmer*innen.

Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen.  © Dr. Isabel Zintl
Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen. © Dr. Isabel Zintl

Akademie für Raum und Wandel im digitalen und physischen Raum

In der Aushandlung dieser Herausforderungen und Widersprüche setzt das Angebot der Akademie an. Dabei stehen drei Felder im Mittelpunkt, in denen Zintl und Voigt einen Paradigmenwechsel anstreben: Systeme ganzheitlich statt als Einzellösungen zu betrachten, das Verständnis von Raum und Wandel zu erneuern und das Selbstverständnis von Planer*innen zu hinterfragen. Denn Person und berufliches Wirken sind für Zintl und Voigt eng verzahnt: „Wie kann man menschliche, lebenswerte und nachhaltige Räume planen, wenn diese Absicht und Regel für einen selbst nicht gilt?“

Die Akademie für Raum und Wandel will deshalb vieles anders machen und neu denken. Derzeit passierten der Austausch und die Vermittlung vor allem in Form von Workshops, Seminaren und Ausbildungen als niederschwellige Online-Angebote. Eingeladen sind alle Altersgruppen und Berufssparten der Planungspraxis, entscheidend seien Interesse, nicht eine bestimmte Vorbildung. Auch die Hintergründe der Dozent:innen sind divers. Neben dem digitalen Programm, liegt ein weiterer Fokus auf Summerschools an der Fonte della Luna in der Nähe von Genua.

Die Resonanz auf das Projekt sei schon jetzt groß. Für die Zukunft wünschen sich die Gründerinnen „dass immer mehr Teilnehmer:innen die Einladung annehmen, die Akademie für Raum und Wandel als einen neuartigen Ort  des Lernens und der Veränderung für sich nutzen und nachhaltig Neues schaffen – in der Welt und im eigenen Leben.“

Alle Informationen zur Akademie für Raum und Wandel, zum aktuellen Programm und zur Mitwirkung finden Sie hier.

Weiterlesen: Latz + Partner gestaltete die Freianlagen des Dombergs in Freising neu. Was das Projekt auszeichnet, erklären Iris Dupper und Tilman Latz im Interview.