Wie KI aus Satellitendaten städtische Biodiversität kartiert

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Foto einer urbanen Altstadt mit nachhaltiger Stadtentwicklung, aufgenommen von Andreas Felske

Städtische Biodiversität aus dem All vermessen? Was nach Hightech-Utopie klingt, ist längst gelebte Realität. Künstliche Intelligenz analysiert heute Satellitenbilder und liefert Planern präzise Karten der Artenvielfalt in Städten – aktueller, objektiver und umfassender als jede Begehung. Wie funktioniert das? Und was bedeutet es für die nachhaltige Stadtentwicklung? Willkommen bei der neuen Ära der Biodiversitätskartierung!

  • Einführung in die Verbindung von künstlicher Intelligenz (KI), Satellitendaten und Biodiversitätskartierung in urbanen Räumen
  • Erklärung, wie KI-basierte Methoden aus Fernerkundungsdaten städtische Lebensräume erfassen und Arten identifizieren
  • Praktische Anwendungen für Stadtplanung, Grünflächenmanagement und Monitoring von Biodiversität
  • Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz sowie internationale Vorreiter
  • Chancen und Herausforderungen bei der Integration in bestehende Planungsprozesse
  • Diskussion zu Datenqualität, Skalierbarkeit und ethischen Fragen der KI-Nutzung
  • Potenzial für klimaresiliente, lebenswerte und nachhaltige Städte
  • Einordnung technischer Begriffe und aktueller Forschungsergebnisse
  • Ausblick auf die Rolle von KI und Satelliten in der Zukunft der urbanen Biodiversität

Von oben betrachtet: Wie KI und Satelliten die Stadtlandschaft neu kartieren

Die klassische Kartierung der Biodiversität in Städten war lange ein mühsames Geschäft. Fachleute, ausgestattet mit Bestimmungsbüchern, GPS-Geräten und witterungsfester Kleidung, zogen durch Parks, Brachen und Straßenränder, notierten Artenvorkommen, kartierten Biotope und schätzten Strukturen. Die dabei gewonnenen Daten waren wertvoll, aber oft fragmentarisch, schnell veraltet und aufwändig zu erheben. Doch in den letzten Jahren hat sich das Bild radikal gewandelt: Dank künstlicher Intelligenz und hochauflösender Satellitensysteme steht der Stadtplanung heute ein datengetriebener Werkzeugkasten zur Verfügung, der Biodiversität aus der Vogelperspektive sichtbar macht – und das oft in Echtzeit.

Satelliten erfassen Tag für Tag Abermillionen Pixel von Erdoberflächen, in verschiedenen Spektralbereichen und mit erstaunlicher räumlicher Genauigkeit. Diese Rohdaten sind jedoch zunächst wenig aussagekräftig für Planer: Sie zeigen Farbwerte, Lichtintensitäten oder Wärmeunterschiede, aber keine Artenlisten oder Habitatqualitäten. Hier kommt die künstliche Intelligenz ins Spiel: Mit Hilfe von Deep-Learning-Algorithmen, trainiert an tausenden Referenzdaten, wird aus den scheinbar abstrakten Bildinformationen auf konkrete ökologische Größen geschlossen. KI kann Vegetationstypen unterscheiden, Versiegelungsgrade erkennen, Baumarten klassifizieren und sogar Blühphasen oder Stresszustände von Pflanzen detektieren. In Kombination mit bestehenden Geodaten, Klimamodellen und städtischen Inventaren entsteht ein dynamisches, flächendeckendes Biodiversitätsmonitoring, das weit über punktuelle Erhebungen hinausgeht.

Doch wie funktioniert das technisch? Zunächst werden Satellitenbilder, etwa vom europäischen Copernicus-Programm (Sentinel-Satelliten), heruntergeladen und für die Analyse aufbereitet. Die KI-Modelle, meist neuronale Netze, klassifizieren die Daten nach definierten Lebensraumtypen – etwa Wiesen, Gebüsche, Bäume, Wasserflächen, versiegelte Flächen oder urbane Brachen. Durch den Vergleich mit validierten Felddaten und Luftbildern werden die Modelle immer präziser. Fortgeschrittene Systeme erkennen sogar Unterschiede zwischen heimischen und invasiven Arten, schätzen Biodiversitätsindizes ab und prognostizieren Veränderungen im Zeitverlauf.

Für Stadtplaner eröffnet sich damit eine neue Dimension der Wissensbasis: Flächendeckende, objektive und tagesaktuelle Informationen über die Biodiversität in der Stadt sind keine Science-Fiction mehr, sondern stehen auf Knopfdruck bereit. Die Möglichkeit, Veränderungen nahezu in Echtzeit zu beobachten, ist besonders wertvoll im Kontext von Klimawandel, Flächenumnutzung und dem Schutz gefährdeter Arten. Urbanistische Entscheidungen können so datenbasiert, nachvollziehbar und zielgerichtet getroffen werden – ein Quantensprung im Vergleich zu den traditionellen Methoden.

Natürlich ist die Technik noch nicht vollkommen. Kleinräumige oder sehr artenreiche Strukturen stellen auch modernste Algorithmen vor Herausforderungen. Doch die Lernkurve ist steil, die Datenbasis wächst exponentiell und der Trend ist eindeutig: KI-gestützte Satellitendaten werden das Rückgrat der urbanen Biodiversitätsplanung der Zukunft bilden.

KI-gestützte Biodiversitätskartierung: Was steckt dahinter und wie funktioniert es?

Die Begriffe „künstliche Intelligenz“ und „Satellitendaten“ sind in aller Munde – doch was passiert konkret, wenn aus Bits und Bytes plötzlich ökologische Erkenntnisse entstehen? Der Weg von der Rohaufnahme bis zur Biodiversitätskarte ist ein mehrstufiger, technisch anspruchsvoller Prozess, der verschiedene Disziplinen vereint: Fernerkundung, Computer Vision, Ökologie, Geoinformatik und Stadtplanung arbeiten hier Hand in Hand.

Zunächst werden geeignete Satellitenbilder ausgewählt, die je nach Fragestellung verschiedene räumliche und zeitliche Auflösungen bieten. Moderne Systeme wie Sentinel-2 oder Landsat 8 liefern multispektrale Daten – das bedeutet, sie nehmen Licht in mehreren, auch für das menschliche Auge unsichtbaren Wellenlängen auf. Diese Spektralsignaturen sind wie ein Fingerabdruck, der es erlaubt, Vegetationsarten, Wassergehalte oder Versiegelungsgrade zu differenzieren. Die Rohdaten werden in Geoinformationssysteme (GIS) eingespeist und mit weiteren städtischen Datenquellen – etwa Baumkataster, Flächennutzungsplänen oder Wetterdaten – verknüpft.

Hier setzt die eigentliche Magie der künstlichen Intelligenz ein: Mit Methoden des maschinellen Lernens, insbesondere Convolutional Neural Networks (CNN), werden Muster in den riesigen Datenmengen erkannt. Die Algorithmen werden mit gelabelten Trainingsdaten – etwa Luftbildern mit bekannten Vegetationstypen – gefüttert. Sie lernen, charakteristische Merkmale zu identifizieren, die auf bestimmte Arten oder Lebensräume hinweisen. Dieser Lernprozess ist iterativ: Je mehr und vielfältigere Trainingsdaten zur Verfügung stehen, desto besser kann die KI generalisieren und auch unbekannte Flächen korrekt klassifizieren.

Nach dem Training werden die Modelle auf neue, bislang unbekannte Satellitenbilder angewendet. Sie klassifizieren jede einzelne Bildzelle, ordnen sie einem Lebensraumtyp oder einer Art zu und berechnen daraus Biodiversitätsindikatoren. Dazu zählen etwa der Shannon-Index (eine Maßzahl für die Artenvielfalt), die Flächenanteile naturnaher Vegetation, die Dichte von Grünstrukturen oder die Konnektivität von Biotopen. Die Ergebnisse werden in übersichtlichen Karten und Dashboards visualisiert, die für die Planung, das Monitoring und die Kommunikation genutzt werden können.

Ein wichtiger Vorteil: Die KI lernt kontinuierlich dazu. Neue Felddaten, etwa von Citizen-Science-Projekten oder Drohnenbefliegungen, können in das Modell eingespeist werden und die Klassifikationsgenauigkeit weiter steigern. Zudem lassen sich mit Zeitreihenanalysen Veränderungen der Biodiversität über Monate und Jahre hinweg nachvollziehen – etwa den Verlust von Lebensräumen durch Bebauung oder die Zunahme von Blühflächen im Rahmen von Biodiversitätsförderprogrammen. Für die Stadtplanung entsteht so ein mächtiges Werkzeug, das nicht nur den Status quo abbildet, sondern auch Trends und Risiken frühzeitig erkennt.

Nicht unerwähnt bleiben dürfen jedoch die Herausforderungen: Die Interpretation von Satellitendaten ist nie trivial und hängt von Faktoren wie Wolkenbedeckung, Auflösung oder Bodentypen ab. Auch die Korrektheit der Trainingsdaten ist entscheidend für die Aussagekraft der KI-Modelle. Hier sind interdisziplinäre Teams gefragt, die Technik und Ökologie zusammenbringen und die Ergebnisse kritisch hinterfragen. Doch das Potenzial überwiegt – und die Entwicklung schreitet rasant voran.

Praktische Anwendungen in der Stadtplanung: Von der Grünflächenpflege bis zur Klimaresilienz

Was bedeutet das alles für die Stadtplanung, für Landschaftsarchitekten, für Umweltämter? Die Antwort: einen echten Paradigmenwechsel. Plötzlich wird Biodiversität zur quantifizierbaren, steuerbaren und monitorbaren Größe – und das nicht nur für einzelne Parks, sondern für das gesamte Stadtgebiet. KI-gestützte Biodiversitätskartierung ist damit ein Schlüssel für nachhaltige, klimaresiliente und lebenswerte Städte.

Ein zentrales Anwendungsfeld ist das Grünflächenmanagement. Städte wie Zürich, Wien oder München nutzen bereits KI-gestützte Satellitendaten, um die Qualität und Vielfalt ihrer Grünflächen zu erfassen. Pflegeeinsätze können gezielt dort angesetzt werden, wo die Biodiversität gefährdet ist oder sich Hotspots mit besonderem Artenreichtum befinden. Das spart Ressourcen, erhöht die ökologische Wirksamkeit und macht die Flächenpflege transparenter. Auch die Erfolgskontrolle von Renaturierungsmaßnahmen, Blühstreifen oder Baumpflanzungen wird objektiver und nachvollziehbarer.

Ein weiteres Feld ist die Bauleitplanung. Mit aktuellen Biodiversitätskarten können Konfliktpotenziale frühzeitig erkannt werden – etwa, wenn geplante Versiegelungen wertvolle Biotope bedrohen oder Grünzüge unterbrochen werden. Planungsvarianten lassen sich simulieren, Auswirkungen auf die Artenvielfalt abschätzen und Kompensationsmaßnahmen gezielt steuern. Auch im Kontext der Klimaanpassung sind die Daten wertvoll: Städte können analysieren, wo grüne Infrastrukturen zur Kühlung beitragen, wie Biotopverbunde erhalten oder verbessert werden und wo neue Grünachsen zur Resilienz gegenüber Hitzewellen beitragen.

Besonders spannend ist die Integration in partizipative Prozesse. Bürger können über digitale Plattformen Einblick in die Biodiversität ihrer Stadtteile gewinnen, Veränderungen beobachten und an Entscheidungen mitwirken. So entsteht ein neues Verständnis für die Bedeutung urbaner Biodiversität – und eine breitere gesellschaftliche Unterstützung für ökologische Maßnahmen. In der Kommunikation mit Politik und Verwaltung bieten die objektiven, datenbasierten Karten eine solide Grundlage für Diskussionen und Entscheidungsfindungen.

Auch Monitoring und Berichtspflichten profitieren: Städte sind zunehmend verpflichtet, über den Zustand und die Entwicklung ihrer biologischen Vielfalt zu berichten – etwa im Rahmen von Nachhaltigkeitsstrategien oder internationalen Abkommen wie der Biodiversitätskonvention. KI-gestützte Satellitendaten liefern belastbare, vergleichbare und wiederholbare Indikatoren, die diese Aufgaben erheblich erleichtern. Sie ermöglichen nicht nur punktuelle Berichte, sondern ein kontinuierliches, adaptives Management der urbanen Biodiversität.

Ein Blick auf Pilotprojekte zeigt: In Hamburg wird derzeit ein System entwickelt, das aus Satelliten- und Drohnendaten eine hochauflösende Stadtbiotopkarte erstellt. In Wien analysieren Algorithmen den Einfluss von Straßenbäumen auf das Mikroklima und die Artenvielfalt. Und in Zürich werden Biodiversitätsdaten für die Entwicklung klimaresilienter Quartiere genutzt. Die Liste ließe sich fortsetzen – und sie wächst rasant.

Chancen, Herausforderungen und Zukunftsperspektiven für die urbane Biodiversität

Die Integration von KI und Satellitendaten in die städtische Biodiversitätsplanung ist ein Gamechanger – aber kein Selbstläufer. Die Chancen sind groß: Nie zuvor war es möglich, Biodiversität objektiv, flächendeckend und dynamisch zu erfassen. Das eröffnet neue Möglichkeiten für die Steuerung und Entwicklung urbaner Grünstrukturen, für die Förderung seltener Arten und für eine klimaangepasste Stadtgestaltung. Städte werden resilienter, lebenswerter und attraktiver – und können ihre Fortschritte endlich messen und sichtbar machen.

Doch es gibt auch Herausforderungen. Die Datenqualität ist ein kritischer Faktor: Wolkenbedeckung, saisonale Veränderungen oder bauliche Verschattung können die Ergebnisse verfälschen. Die räumliche Auflösung der Satellitenbilder ist noch begrenzt – feingliedrige Strukturen, wie sie für viele bedrohte Arten typisch sind, bleiben oft unsichtbar. Hinzu kommt die Notwendigkeit, die KI-Modelle regelmäßig mit aktuellen, lokal validierten Felddaten zu füttern, um Fehlklassifikationen zu vermeiden.

Ein weiteres Thema ist die Integration in bestehende Planungsprozesse. Viele Verwaltungen sind noch nicht auf die neue Datenflut eingestellt, Standards für die Nutzung und Interpretation fehlen, und die Zusammenarbeit zwischen Technik, Ökologie und Planung ist ausbaufähig. Zudem sind ethische Fragen zu klären: Wer besitzt und kontrolliert die erhobenen Daten? Wie wird Transparenz und Nachvollziehbarkeit sichergestellt? Und wie kann verhindert werden, dass algorithmische Verzerrungen zu Fehlentscheidungen führen?

Dennoch ist der Trend unumkehrbar. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie sich die Technik weiterentwickelt und wie die Praxis damit umgeht. Die Kombination von KI-gestützter Fernerkundung mit anderen digitalen Werkzeugen – etwa digitalen Zwillingen, Augmented Reality oder partizipativen Plattformen – wird die Möglichkeiten weiter vervielfachen. Städte, die sich jetzt mit der Technik vertraut machen und die richtigen Partner ins Boot holen, werden beim Schutz und der Entwicklung ihrer Biodiversität klar im Vorteil sein.

Ein Blick in die Zukunft: Mit der wachsenden Verfügbarkeit von Kleinsatelliten, immer leistungsfähigeren Algorithmen und offenen Datenplattformen wird die Biodiversitätskartierung zum integralen Bestandteil jeder nachhaltigen Stadtentwicklung. Die Vision: Lebenswerte, klimaresiliente und artenreiche Städte, in denen Daten, Planung und Beteiligung Hand in Hand gehen. So wird aus Science-Fiction urbane Realität.

Fazit: KI, Satelliten und die Vermessung der urbanen Vielfalt – ein neues Kapitel für die Stadtplanung

Die Kartierung städtischer Biodiversität mittels künstlicher Intelligenz und Satellitendaten revolutioniert die Art und Weise, wie Städte geplant, gestaltet und gemanagt werden. Was gestern noch mühsame Feldarbeit war, ist heute ein datengetriebenes, objektives und hochdynamisches Monitoring, das die gesamte Stadtlandschaft erfasst. Für Planer, Landschaftsarchitekten und Stadtverwaltungen eröffnet sich damit eine neue Dimension der Steuerung, Kommunikation und Erfolgskontrolle. Die Technik ist anspruchsvoll, die Implementierung herausfordernd – doch der Mehrwert ist unübersehbar: Klimaresilienz, Lebensqualität und Artenvielfalt werden zur quantifizierbaren, gestaltbaren Ressource.

Natürlich gibt es noch offene Fragen – zu Datenqualität, Integration und Ethik. Aber der Trend ist eindeutig: Wer jetzt einsteigt, definiert die Standards von morgen. Die Verbindung aus KI und Satellitentechnik macht Biodiversität sichtbar, steuerbar und nachvollziehbar – und gibt der nachhaltigen Stadtentwicklung ein neues, mächtiges Instrument an die Hand. Es lohnt sich, mutig zu sein und die Chancen zu nutzen. Denn die Stadt von morgen wird nicht nur gebaut, sondern auch vermessen, verstanden und gestaltet – im Dienste einer vielfältigen, lebenswerten und zukunftsfähigen urbanen Umwelt.

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Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

Für Sie vielleicht auch interessant: Welche Bedeutung hat der Garten im 21. Jahrhundert?

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