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Grünflächen-Priorisierung mit KI – wo lohnt sich Pflege zuerst?

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Hochwinkel-Fotografie einer Stadt mit grünen Flächen und moderner Architektur, aufgenommen von Markus Spiske
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Die KI-gesteuerte Priorisierung von Grünflächen revolutioniert die Pflege urbaner Landschaften. Statt nach Bauchgefühl oder starren Plänen zu handeln, machen Datenalgorithmen erstmals sichtbar, wo Pflege wirklich den größten Effekt hat – für Biodiversität, Klima und Lebensqualität. Was nach Zukunftsmusik klingt, wird in immer mehr Städten Realität. Doch wie funktioniert das, und wie kann die grüne Intelligenz Städte tatsächlich smarter und nachhaltiger machen?

  • Einführung in KI-gestützte Grünflächenanalyse und -priorisierung
  • Wie KI-Modelle Daten zu Zustand, Nutzung und Wert von Grünflächen auswerten
  • Vorteile für Klimaresilienz, Biodiversität und Ressourcenmanagement
  • Praktische Anwendungsbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Herausforderungen: Datenqualität, Transparenz, Akzeptanz und Governance
  • Wechselwirkungen mit kommunaler Strategie, Pflegepersonal und Bürgerbeteiligung
  • Risiken, Bias und ethische Fragen bei KI-gesteuerter Entscheidungsfindung
  • Chancen für eine dynamische, zukunftsfähige Stadtentwicklung
  • Kritische Bewertung: Wo lohnt sich der Einsatz von KI wirklich zuerst?
  • Ausblick: Wie KI die grüne Stadtplanung langfristig verändern wird

Intelligente Grünflächenpflege: Wie KI das Gießkannenprinzip ablöst

Jede Stadt hat sie: die berühmte grüne Lunge, die Parkanlagen, Spielplätze, Straßenbäume und wilden Inseln zwischen Asphalt und Architektur. Doch wer entscheidet eigentlich, wann und wo gepflegt, gemäht, gegossen oder gar neu gestaltet wird? Bislang dominiert vielerorts das sogenannte Gießkannenprinzip – Ressourcen werden möglichst gleichmäßig verteilt, unabhängig davon, wie dringend eine Fläche Pflege benötigt. Hier setzt die KI-gestützte Priorisierung an: Sie verspricht, die Pflege städtischer Grünflächen auf ein neues, datenbasiertes Niveau zu heben.

Das Grundprinzip ist ebenso einfach wie revolutionär. Algorithmen analysieren eine Vielzahl von Parametern: Vegetationszustand, Nutzungsintensität, Biodiversität, mikroklimatische Bedeutung, Wasserhaushalt, Schadensbilder und vieles mehr. Sensordaten, Satellitenbilder, Drohnenaufnahmen, öffentliche Meldungen aus Apps, Wetterprognosen und historische Pflegeprotokolle fließen zusammen zu einem digitalen Gesamtbild der urbanen Grünstruktur. Das Ziel: Pflegekapazitäten sollen genau dort eingesetzt werden, wo sie die größte Wirkung entfalten – sei es für die Artenvielfalt, das Stadtklima oder die Aufenthaltsqualität der Menschen.

Die Vorteile dieser Herangehensweise liegen auf der Hand, insbesondere in Zeiten knapper Haushalte und wachsender Herausforderungen wie Hitzeinseln, Starkregen oder Schaderreger. Ressourcen wie Personal, Wasser oder Maschinen werden nicht mehr nach starren Plänen, sondern flexibel und bedarfsgerecht gesteuert. Gleichzeitig lassen sich durch die Priorisierung Pflegezyklen verlängern oder verkürzen, je nachdem, wie sich eine Fläche entwickelt. Das Resultat: Weniger Verschwendung, mehr Wirkung.

Doch die KI-gesteuerte Priorisierung ist nicht nur eine technische Frage. Sie stellt auch die klassische Pflegekultur in Frage. Wo früher Erfahrungswissen und Routine entscheidend waren, fordern nun Datenanalysen und Prognosemodelle ein Umdenken. Das erzeugt nicht selten Skepsis bei Pflegekräften, Planern und Bürgern. Wie viel Intelligenz braucht die Grünpflege wirklich, und wie viel Bauchgefühl darf bleiben? Diese Fragen bestimmen die Debatte in vielen Städten.

Fest steht: Die neue grüne Intelligenz ist kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug. Sie kann helfen, Zielkonflikte zu moderieren – etwa zwischen naturnaher Entwicklung und Sicherheitsanforderungen – und eröffnet einen Weg zu einer Pflege, die nicht nur effizient, sondern auch resilient und zukunftsfähig ist.

So funktioniert die KI-gestützte Priorisierung: Von Datenquellen bis Entscheidungslogik

Die Magie der KI-gestützten Priorisierung urbaner Grünflächen entfaltet sich im Zusammenspiel von Daten, Algorithmen und menschlicher Expertise. Zunächst werden sämtliche relevanten Flächen digital erfasst und klassifiziert: Parks, Spielplätze, Straßenbegleitgrün, Biotope, Friedhöfe und alle weiteren urbanen Grünräume. Moderne Geoinformationssysteme (GIS) dienen als Basis, ergänzt durch aktuelle Sensordaten aus Bodenfeuchtemessungen, Temperaturmonitoring, Drohnenbefliegungen oder Health-Checks der Vegetation per Satellitenbild.

Ein zentrales Element ist die Datenintegration. Unterschiedlichste Datenquellen werden harmonisiert: Pflegeprotokolle aus den Vorjahren, Echtzeit-Feedback aus Bürgerapps, Wetterdaten, Klimaprojektionen, Informationen zu Infrastrukturschäden oder Krankheitsausbrüchen bei Pflanzen. Mithilfe von Machine-Learning-Algorithmen werden Muster erkannt, Korrelationen identifiziert und Prognosen erstellt. Zum Beispiel kann ein KI-System auswerten, welche Flächen besonders unter Trockenstress leiden, wo sich invasive Arten ausbreiten oder wo die Aufenthaltsqualität akut bedroht ist.

Die Entscheidungslogik basiert auf gewichteten Faktoren, die individuell für jede Kommune definiert werden können. Manche Städte priorisieren die Pflege nach ökologischer Wertigkeit, andere nach Nutzungsintensität oder sozialen Kriterien wie Barrierefreiheit und Sicherheit. KI-Modelle ermöglichen es, diese Faktoren dynamisch zu gewichten und an aktuelle Entwicklungen anzupassen. So kann etwa bei anhaltender Dürre die Bewässerung von Bäumen in stark frequentierten Straßen höher gewichtet werden als das Mähen von Randflächen.

Ein weiterer Vorteil: Die Systeme sind lernfähig. Durch kontinuierliches Feedback – etwa aus tatsächlichen Schadensfällen, Bürgerhinweisen oder Pflegeerfolgen – passen sich die Modelle an und werden präziser. Das erlaubt eine iterative Optimierung der Pflegeprioritäten in Echtzeit. Im Idealfall entsteht so eine Art digitales Frühwarnsystem, das drohende Probleme erkennt, bevor sie eskalieren, und Pflegeeinsätze proaktiv steuert.

Transparenz ist dabei ein entscheidender Faktor. Moderne KI-Lösungen bieten nachvollziehbare Visualisierungen, sodass Entscheidungsträger die Empfehlungen der Algorithmen verstehen und kontrollieren können. Gleichzeitig eröffnet die Technologie neue Möglichkeiten für die Bürgerbeteiligung: Über digitale Plattformen können Anregungen, Beschwerden oder Beobachtungen direkt ins System eingespeist werden und fließen so in die Priorisierung ein.

Praxischeck: Wo und wie deutsche Städte mit KI ihre Grünpflege priorisieren

In Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das Thema KI-gestützte Grünflächenpflege längst mehr als ein Forschungsprojekt. Städte wie München, Leipzig, Zürich oder Wien experimentieren mit unterschiedlichen Ansätzen – von automatisierter Baumbewässerung über drohnengestützte Vegetationsanalysen bis hin zu intelligenten Pflegeleitsystemen für ganze Stadtteile. Dabei zeigen sich sowohl die Chancen als auch die Stolpersteine des neuen Ansatzes.

In München etwa kommt ein KI-basiertes System zur Analyse von Baumbeständen zum Einsatz. Sensoren messen kontinuierlich die Bodenfeuchte, Wetterdaten werden eingespielt, und ein Algorithmus errechnet täglich, welche Standorte dringend gewässert werden müssen. Das Resultat: Deutlich weniger Trockenstress, geringerer Wasserverbrauch und eine spürbare Entlastung der Pflegekolonnen. Ähnliche Erfahrungen macht Zürich, wo Drohnenbilder und KI-gestützte Auswertung helfen, Schädlingsbefall frühzeitig zu erkennen und gezielt zu bekämpfen, anstatt flächendeckend Pestizide einzusetzen.

In Wien wird die KI-Priorisierung auf größere Parks und Grünzüge ausgedehnt. Dort entscheidet ein lernendes System, wann und wo Mäharbeiten, Baumpflege oder Nachpflanzungen am dringendsten sind. Die Stadt setzt dabei auf eine enge Verzahnung mit dem Pflegepersonal: Algorithmen schlagen vor, die Gärtner bewerten nach und geben Feedback. So entsteht ein Kreislauf aus Automation und Expertise, der beide Seiten stärkt.

Doch der Weg ist nicht frei von Hürden. Manche Kommunen kämpfen mit lückenhafter Datengrundlage, andere mit der Akzeptanz bei den Mitarbeitenden. Datenschutz und IT-Sicherheit spielen ebenso eine Rolle wie die Frage, wer letztlich die Verantwortung für die Empfehlungen der KI trägt. In vielen Städten wird daher bewusst auf Hybridmodelle gesetzt: Die KI liefert Vorschläge, die finale Entscheidung bleibt beim Menschen.

Besonders spannend sind Pilotprojekte, die Bürger direkt einbeziehen. In Hamburg etwa können Passanten per App Schäden oder Pflegebedarf melden, die Hinweise fließen direkt in die Priorisierung der städtischen Grünpflege ein. So wird die KI nicht nur zum technischen, sondern auch zum sozialen Innovationstreiber. Die besten Ergebnisse erzielen jene Städte, die Transparenz, Partizipation und kontinuierliche Evaluation als Leitprinzipien verankern.

Chancen, Grenzen und Risiken: Wie viel KI verträgt die grüne Stadt?

Die Potenziale der KI-gestützten Grünflächenpriorisierung sind beeindruckend – aber nicht grenzenlos. Einer der größten Pluspunkte liegt in der Fähigkeit, komplexe Zielkonflikte sichtbar zu machen und zu moderieren. So kann beispielsweise bei der Debatte um Biodiversität versus Verkehrssicherheit erstmals datenbasiert abgewogen werden, welche Flächen naturnah entwickelt und welche regelmäßig gemäht werden sollten. Auch für die Anpassung an den Klimawandel bietet die Technologie enorme Chancen: Hitzeinseln, Trockenstress, Überflutungsrisiken oder Schädlingsdynamiken lassen sich in Echtzeit beobachten und steuern.

Gleichzeitig mehren sich die warnenden Stimmen. Was, wenn Algorithmen aufgrund schlechter Daten falsche Prioritäten setzen? Was, wenn die Pflege von ökologisch wertvollen, aber wenig frequentierten Flächen systematisch vernachlässigt wird, weil das KI-Modell den sozialen Nutzen zu hoch gewichtet? Die Gefahr der algorithmischen Verzerrung ist real – und sie wächst mit der Komplexität der Systeme. Deshalb gilt: Die KI muss erklärbar, kontrollierbar und regelmäßig überprüfbar bleiben. Black-Box-Entscheidungen sind in der öffentlichen Grünpflege ebenso wenig akzeptabel wie in anderen Bereichen der Stadtentwicklung.

Ein weiteres Dilemma: Die Abhängigkeit von technischen Infrastrukturen und von Anbietern, die proprietäre Algorithmen und Plattformen kontrollieren. Wer gewährt Zugang zu den Rohdaten? Wem gehören die Prognosen? Und wie bleibt die Souveränität kommunaler Pflege- und Planungsabteilungen gewahrt? Hier sind klare Governance-Regeln, offene Schnittstellen und ein Bewusstsein für digitale Nachhaltigkeit gefragt.

Auch ethische Fragen spielen eine Rolle. Wie wird sichergestellt, dass soziale und ökologische Ziele gleichberechtigt berücksichtigt werden? Wie werden die Bedürfnisse benachteiligter Quartiere oder nicht-menschlicher Stadtbewohner – wie Wildbienen oder Fledermäuse – in die Priorisierung einbezogen? Und wie transparent werden die Entscheidungslogiken gegenüber der Öffentlichkeit kommuniziert? Städte, die diese Fragen offensiv angehen, können mit KI nicht nur effizienter, sondern auch gerechter und lebenswerter werden.

Zuletzt bleibt die Frage nach der Rolle der Menschen. KI kann Prozesse optimieren, aber sie ersetzt nicht das Wissen, die Erfahrung und die Leidenschaft derjenigen, die jeden Tag mit Schaufel, Schere und Sachverstand für das urbane Grün sorgen. Die besten Systeme sind jene, die Pflegepersonal und Bürgerschaft zu Mitgestaltern machen – und nicht zu Erfüllungsgehilfen von Algorithmen.

Ausblick: KI als Baustein einer neuen grünen Stadtstrategie

Die Integration künstlicher Intelligenz in die Pflege und Entwicklung urbaner Grünflächen ist weit mehr als ein technischer Trend. Sie markiert einen Paradigmenwechsel im Umgang mit dem öffentlichen Raum. Städte, die heute mutig in Daten, Algorithmen und digitale Kompetenz investieren, legen den Grundstein für eine resiliente, lebenswerte und zukunftsfähige Stadtlandschaft.

Der Einsatz von KI zwingt Kommunen, ihre Ziele, Werte und Entscheidungswege neu zu definieren. Es geht nicht mehr nur um Effizienz, sondern um eine intelligente Balance aus Ökologie, Sozialem und Wirtschaftlichkeit. KI-Modelle helfen, den Wert von Grünflächen zu quantifizieren, Zielkonflikte sichtbar zu machen und Ressourcen strategisch einzusetzen. Sie ermöglichen Pflege, die nicht nach Schema F, sondern nach individuellem Bedarf erfolgt – und damit nicht nur nachhaltiger, sondern auch gerechter wird.

Doch der Wandel ist kein Selbstläufer. Erfolgreiche KI-Projekte setzen Transparenz, Partizipation und eine enge Verzahnung von Technik und Mensch voraus. Nur so können Ängste genommen, Akzeptanz geschaffen und das volle Potenzial der Technologie gehoben werden. Kommunen sollten sich nicht scheuen, mit Pilotprojekten zu starten, Fehler zuzulassen und aus ihnen zu lernen. Die besten Lösungen entstehen dort, wo interdisziplinäre Teams, Bürger und Verwaltung gemeinsam experimentieren.

Auch auf Landes- und Bundesebene sind Impulse gefragt: für offene Datenstandards, Förderprogramme, Aus- und Weiterbildung sowie einen ethischen Rahmen für den Einsatz von KI in der Stadtentwicklung. Denn letztlich entscheidet nicht die Technik, sondern die Haltung, mit der sie eingesetzt wird, über den Erfolg der grünen Transformation.

Die Städte der Zukunft werden digital, aber sie bleiben grün – wenn wir es richtig machen. Künstliche Intelligenz kann ein mächtiger Verbündeter sein, wenn sie klug, transparent und verantwortungsvoll genutzt wird. Wer jetzt in die grüne Intelligenz investiert, sichert die Lebensqualität von morgen – und setzt ein Zeichen für eine Stadt, die nicht nur smart, sondern auch lebenswert ist.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die KI-gestützte Priorisierung von Grünflächen ist weit mehr als ein weiteres Digitalisierungstool. Sie eröffnet neue Perspektiven auf die Pflege, Entwicklung und Wertschätzung urbaner Natur. Richtig eingesetzt, kann sie Ressourcen schonen, Klimaresilienz stärken und die Lebensqualität in Städten nachhaltig verbessern. Doch sie fordert auch Mut, Transparenz und eine neue Kultur des Zusammenwirkens von Mensch und Maschine. Wer diese Herausforderungen annimmt, gestaltet die grüne Stadt von morgen – intelligenter, gerechter und widerstandsfähiger als je zuvor.

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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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