KI entwirft Klimapfade für wachsende Städte

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Stimmungsvolles Stadtbild einer deutschen Stadt, fotografiert von Ries Bosch.

Künstliche Intelligenz als Stadtarchitekt? Was gestern nach Zukunftsmusik klang, wird heute in den Planungsämtern der Metropolregionen heiß diskutiert. KI-gestützte Klimapfade für wachsende Städte versprechen, urbane Entwicklung radikal neu zu denken – präziser, schneller, nachhaltiger. Doch wie viel Substanz steckt hinter dem Hype? Und wie weit sind Städte im deutschsprachigen Raum wirklich, wenn es darum geht, mit Algorithmen die Weichen für klimaresiliente Quartiere und lebenswerte Stadträume zu stellen?

  • Einführung in den Paradigmenwechsel: Wie KI die Stadtplanung und Klimaanpassung transformiert
  • Technische Grundlagen: Was sind Klimapfade, wie funktionieren KI-basierte Prognosemodelle?
  • Praxisbeispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Von Hamburg bis Zürich
  • Vorteile und Herausforderungen: Datenqualität, Governance, Akzeptanz, Transparenz
  • Risiken und Chancen: Algorithmische Verzerrung, Partizipation, technokratischer Bias
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Urbanisten, IT, Verwaltung und Bürger im Schulterschluss
  • Rechtliche und ethische Fragen: Datensouveränität, Verantwortlichkeiten, Gemeinwohl
  • Zukunftsausblick: KI als Gamechanger oder als Werkzeug unter vielen?

Künstliche Intelligenz in der Stadtplanung: Vom Klimamodell zum urbanen Steuerungsinstrument

Die Megatrends Urbanisierung und Klimawandel zwingen Städte, ihre Zukunft mit nie dagewesener Komplexität zu gestalten. Klassische Planungsinstrumente wie Stadtklimaanalysen, Grünflächensatzungen oder Mobilitätskonzepte stoßen angesichts wachsender Datenmengen und immer dynamischerer Entwicklungsszenarien schnell an ihre Grenzen. Hier kommt die Künstliche Intelligenz ins Spiel. Sie wird zum zentralen Werkzeug, um den Spagat zwischen Wachstum und Klimaanpassung zu meistern.

Aber was genau bedeutet das? KI in der Stadtplanung ist weit mehr als ein Algorithmus, der hübsche Hitzekarten ausspuckt. Moderne KI-Modelle verarbeiten riesige Mengen an Geodaten, Infrastrukturdaten, Mobilitätsströmen, sozialen Indikatoren und Wetterprognosen in Echtzeit. Sie erkennen Muster, die dem menschlichen Auge verborgen bleiben, und können auf dieser Basis Szenarien simulieren, die weit über klassische Planungsmethoden hinausgehen. Ob Starkregenrisiko, Hitzebelastung oder Luftqualitätsprognose – KI-gestützte Systeme liefern Entscheidungsgrundlagen, die nicht nur schneller, sondern vor allem robuster und evidenzbasiert sind.

Ein Kernelement dabei sind sogenannte „Klimapfade“. Der Begriff bezeichnet Entwicklungspfade, die Städte einschlagen können, um ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren, ihre Flächen klimaresilient zu gestalten und gleichzeitig Wachstum zu ermöglichen. KI-Modelle analysieren dazu die Wechselwirkungen zwischen Bebauungsdichte, Grünflächenanteil, Versiegelungsgraden, Verkehrsströmen und Energieversorgung. Sie berechnen in Sekundenbruchteilen, welche Maßnahmen – etwa Dachbegrünung, Entsiegelung, neue Mobilitätsangebote oder veränderte Energieversorgung – welchen Einfluss auf das Stadtklima und die Lebensqualität haben.

Dieses neue Steuerungsinstrument verändert die Planungslogik grundlegend. Statt starre Masterpläne mit starren Annahmen zu erstellen, können Städte nun iterativ und adaptiv steuern. KI-Modelle liefern dabei nicht nur Antworten, sondern fordern Planer, Politik und Bürgerschaft heraus, neue Fragen zu stellen: Was wäre, wenn wir hier eine Frischluftschneise schaffen? Wie wirkt sich ein neues Quartier auf lokale Hitzebelastung oder auf die CO₂-Bilanz aus? Welche Maßnahmen sind unter dem Strich am wirksamsten – und für wen?

Natürlich ist Künstliche Intelligenz in der Stadtplanung kein Selbstläufer. Sie braucht hochwertige, aktuelle Daten, eine klare Governance und ein gemeinsames Verständnis darüber, wie viel Entscheidungsmacht Algorithmen tatsächlich erhalten sollen. Aber eines steht fest: Ohne KI werden Städte künftig bei der Lösung der Klimafrage den Anschluss verlieren. Wer jetzt nicht lernt, mit den neuen Werkzeugen zu arbeiten, plant schon bald an der Realität vorbei.

Wie KI-Klimapfade entstehen: Datengrundlagen, Algorithmen und Simulationen

Die Entstehung eines KI-gestützten Klimapfads beginnt mit Daten – und zwar mit sehr, sehr vielen davon. Sensoren, Satellitenbilder, amtliche Geodaten, Verkehrszählungen, Energiemonitoring, soziale Indikatoren, Wetterstationen: All diese Quellen werden in sogenannten Urban Data Platforms gebündelt und für die KI aufbereitet. Die Herausforderung besteht darin, diese Daten nicht nur zu sammeln, sondern sinnvoll miteinander zu verknüpfen und laufend zu aktualisieren. Denn ein Klimapfad, der auf veralteten oder lückenhaften Daten beruht, ist nichts wert.

Im nächsten Schritt kommen die Algorithmen ins Spiel. Meist handelt es sich dabei um komplexe, selbstlernende Modelle, die auf Methoden des maschinellen Lernens, der Mustererkennung und der statistischen Prognose basieren. Sie analysieren die Zusammenhänge zwischen Stadtstruktur, Klimadaten und Entwicklungszielen und können daraus Handlungsempfehlungen ableiten. Besonders leistungsstark sind sogenannte Deep-Learning-Modelle, die nicht nur bekannte Zusammenhänge erkennen, sondern auch nichtlineare Effekte und Wechselwirkungen antizipieren können.

Ein zentrales Element ist dabei die Simulation. Hier werden verschiedene Planungsszenarien durchgespielt: Was passiert, wenn ein neues Quartier entsteht, eine Straße entsiegelt oder ein Park angelegt wird? Die KI berechnet die Auswirkungen auf Hitzebelastung, Luftqualität, Wasserhaushalt, CO₂-Bilanz und viele weitere Faktoren – oft in Echtzeit und auf Quartiersebene. Dabei entstehen sogenannte „Was-wäre-wenn“-Analysen, die Planer und Entscheidungsträger befähigen, verschiedene Optionen gegeneinander abzuwägen und die besten Klimapfade für ihre Stadt auszuwählen.

Wichtig ist dabei die Transparenz der Modelle. Planer und Öffentlichkeit müssen nachvollziehen können, wie die KI zu ihren Empfehlungen kommt. Nur dann entsteht Akzeptanz, und nur dann können die Modelle kontinuierlich verbessert werden. Die Entwicklung von offenen, erklärbaren KI-Systemen ist derzeit einer der zentralen Trends in der Forschung und Praxis der urbanen Klimapfadplanung.

Schließlich braucht es noch die Einbindung der Ergebnisse in die Stadtentwicklungspraxis. Das gelingt am besten, wenn die KI-Modelle nicht isoliert im Elfenbeinturm der IT laufen, sondern als Werkzeuge im Planungsalltag genutzt werden: in Bürgerdialogen, bei der Erstellung von Bebauungsplänen, in der Politikberatung oder bei der Steuerung von Förderprogrammen. Nur so werden aus Daten und Algorithmen tatsächlich lebenswerte, klimaangepasste Städte.

Praxisbeispiele: Wo KI die Klimapfade deutscher, österreichischer und Schweizer Städte prägt

Der deutschsprachige Raum ist kein Silicon Valley – und doch gibt es längst mutige Vorreiter, die mit KI-gestützten Klimapfaden neue Wege gehen. Hamburg etwa setzt mit seinem „Digitalen Zwilling“ Maßstäbe: Hier werden Stadtklima-, Mobilitäts- und Energiedaten in einer offenen Plattform gebündelt. Die KI berechnet, wie sich neue Bauprojekte auf die Hitzebelastung auswirken und welche Maßnahmen das Mikroklima verbessern könnten. Ein Paradebeispiel für integrative Stadtentwicklung, bei der Klimaziele, Wachstum und Lebensqualität Hand in Hand gehen.

In München arbeitet die Stadtverwaltung gemeinsam mit Forschungseinrichtungen an KI-basierten Modellen, die Starkregenereignisse simulieren und Vorschläge für die Entsiegelung von Flächen machen. Ziel ist es, nicht nur den Schutz vor Extremwetter zu verbessern, sondern auch neue Freiräume für die Bevölkerung zu schaffen. Die Modelle werden in Bürgerdialogen vorgestellt und laufend weiterentwickelt – ein gelungenes Beispiel für partizipative KI-Anwendung.

Zürich setzt auf KI, um die Entwicklung neuer Quartiere nachhaltig zu steuern. Die Stadt koppelt Mobilitätsdaten, Emissionswerte und soziale Indikatoren, um urbane Wachstumsstrategien zu modellieren, die auch in dreißig Jahren noch funktionieren. So entstehen grüne, klimaresiliente Stadtteile, in denen nicht nur das Klima, sondern auch die soziale Mischung und die Aufenthaltsqualität stimmen.

Auch kleinere Städte und Gemeinden entdecken das Potenzial von KI-gestützten Klimapfaden. In Graz etwa wird ein Pilotprojekt erprobt, das auf Basis von KI-Modellen die Verschattung und Hitzebelastung in dicht bebauten Quartieren analysiert und gezielte Maßnahmen vorschlägt. In Baden-Württemberg unterstützt ein Landesprojekt Kommunen dabei, ihre Grün- und Wasserinfrastruktur mithilfe von KI zu optimieren.

Allen diesen Beispielen gemeinsam ist: Sie setzen auf Zusammenarbeit. Stadtverwaltungen, Forschung, IT-Unternehmen, Bürger und Politik ziehen an einem Strang. Nur so entstehen tragfähige, akzeptierte und tatsächlich wirksame Klimapfade, die urbane Entwicklung und Klimaschutz nicht als Widerspruch, sondern als gemeinsame Aufgabe begreifen.

Risiken und Chancen: Transparenz, Governance und die neue Rolle der Stadtplanung

Natürlich ist nicht alles Gold, was algorithmisch glänzt. KI-gestützte Klimapfade bergen auch Risiken, die ernst genommen werden müssen. Ein zentrales Problem ist die sogenannte algorithmische Verzerrung. Wenn die Datenbasis lückenhaft oder einseitig ist, können KI-Modelle falsche Empfehlungen geben – etwa weil bestimmte Quartiere untererfasst sind oder soziale Effekte nicht berücksichtigt werden. Hier braucht es eine kritische, kontinuierliche Überprüfung der Modelle und eine breite Beteiligung aller Stadtakteure.

Ein weiteres Thema ist die Governance. Wer steuert die KI? Wer kontrolliert die Daten? Wer haftet, wenn die Empfehlungen der KI sich als falsch herausstellen? Die Einführung von KI in der Stadtplanung ist immer auch eine Frage der Machtverteilung. Offene Plattformen, klare Verantwortlichkeiten und transparente Entscheidungswege sind deshalb unerlässlich. Nur so kann verhindert werden, dass KI als Black Box agiert und demokratische Prozesse unterläuft.

Gleichzeitig eröffnet die KI enorme Chancen für Beteiligung und Transparenz. Simulationen und Visualisierungen machen komplexe Zusammenhänge auch für Laien verständlich. Bürger können sich einbringen, Szenarien nachvollziehen und fundierte Entscheidungen treffen. Die Stadtplanung wird dadurch nicht technokratischer, sondern demokratischer – vorausgesetzt, die Systeme sind offen und verständlich gestaltet.

Die Rolle der Planer verändert sich grundlegend. Sie werden zu Moderatoren und Übersetzern zwischen Algorithmen, Fachdisziplinen und Stadtgesellschaft. Ihr Handwerkszeug erweitert sich um Datenkompetenz, aber auch um die Fähigkeit, KI-Modelle kritisch zu hinterfragen und ihre Ergebnisse in den lokalen Kontext einzuordnen. Die besten Klimapfade entstehen dort, wo KI und menschliche Expertise Hand in Hand arbeiten.

Ein letzter, oft unterschätzter Aspekt ist die Ethik. KI-basierte Klimapfade dürfen nicht dazu führen, dass soziale Ungleichheiten verstärkt oder lebenswerte Räume privatisiert werden. Datensouveränität, Gemeinwohlorientierung und offene Standards sind die Leitplanken, an denen sich die Entwicklung orientieren muss. Nur dann wird KI vom Hype zur echten Chance für die Stadt von morgen.

Zukunft und Fazit: KI als Katalysator für klimaresiliente Städte

Die Transformation der Stadtplanung durch KI ist nicht mehr aufzuhalten. Wachsende Städte stehen vor der Aufgabe, Klimaschutz, Lebensqualität und Wachstum miteinander zu versöhnen – und dafür braucht es neue Werkzeuge, neue Methoden, neues Denken. KI-gestützte Klimapfade sind dabei kein Allheilmittel, aber ein mächtiger Katalysator. Sie ermöglichen es, Entwicklungen zu antizipieren, Maßnahmen gezielt zu steuern und Entscheidungen besser abzusichern.

Doch der Weg ist lang. Technische Exzellenz allein reicht nicht. Es braucht Datenqualität, Governance, Transparenz, Partizipation – und Mut, neue Wege zu gehen. Städte im deutschsprachigen Raum haben die Chance, jetzt Vorreiter zu werden und eigene Standards zu setzen. Der Wettbewerb um die klimagerechte Stadt der Zukunft hat längst begonnen, und KI wird darüber entscheiden, wer vorne mitspielt.

Für Planer, Stadtverwaltungen und Politik gilt: Jetzt ist die Zeit, KI als Chance zu begreifen, sie kritisch und kreativ einzusetzen und gemeinsam mit der Stadtgesellschaft die Klimapfade der Zukunft zu gestalten. Wer sich frühzeitig auf den Weg macht, wird nicht nur resilienter, sondern auch lebenswerter, sozialer und wettbewerbsfähiger. Die Stadt von morgen entsteht nicht auf dem Reißbrett – sie entsteht im Dialog zwischen Mensch, Stadt und Maschine.

Fazit: KI entwirft nicht nur Klimapfade. Sie entwirft auch eine neue Rolle für Planer, Verwaltung und Bürger – als Mitgestalter einer Stadt, die schneller, klüger und gerechter auf den Klimawandel reagiert. Es wird Zeit, diese Einladung anzunehmen. Denn der nächste Hitzesommer kommt bestimmt.

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Freilichtmuseum Ballenberg: Neuordnung am Eingang

Auf dem Foto ist das Freilichtmuseum eingebettet in die Wälder eines Höhenzugs zu sehen.

Freilichtmuseum eingebettet in die Wälder eines Höhenzugs. (Foto: Ballenberg

Freilichtmuseum Ballenberg

Im Kanton Bern ist Schweizer Vergangenheit erlebbar: im Freilichtmuseum Ballenberg. Nun wird der Eingangsbereich des Museums neu geordnet. Die Testplanung hat einen überzeugenden Entwurf für einen kompakten Neubau hervorgebracht. Der Siegerentwurf von Moeri & Partner Landschaftsarchitekten und Gauer Itten Messerli Architekten wird nun konkretisiert und realisiert.

Das Freilichtmuseum Ballenberg liegt inmitten der Schweiz. Unweit vom Brienzer See ist das Museum in die Wälder eines Höhenzugs eingebettet. Von modernen, urbanen Strukturen entfernt, zeigt das Museum eine ländliche Umgebung. Denn das Freilichtmuseum ist als Dorf angelegt und präsentiert traditionelle ländliche Bauten und ihre typischen Einrichtungen zum Wohnen und Arbeiten. Nun wird der Eingangsbereich zu diesem Museum umgestaltet. Die Testplanung dafür haben die Architekt*innen Gauer Itten Messerli aus Bern zusammen mit den Landschaftsarchitekt*innen Moeri & Partner gewonnen. Auf der Grundlage dieses Studienauftrages – so wie diese Planungsphase in der Schweiz heißt – wird die Neuordnung des Eingangsbereichs konkretisiert.

Das Museum Ballenberg ist eine private Stiftung. Sie verfolgt das Ziel, traditionelle ländliche Bauten aus allen Teilen der Schweiz zu sammeln und zu erhalten. Dazu gehören auch typische Elemente und Gegenstände zum Wohnen und Arbeiten. Sie alle werden auf dem Ballenberg zusammengetragen, erforscht und das Wissen darüber weitergegeben. Der Ballenberg ist aber kein antiquiertes Stück Vergangenheit. Vielmehr ist das Museum ein lebendiges kulturelles Zentrum mit vielfältigen Angeboten. Dazu gehören Veranstaltungen, Kurse, Ausstellungen und Veröffentlichungen. Seitdem das Museum in den späten 1970er-Jahren eröffnete, ist sein Eingangsbereich ständig gewachsen. Nun war es an der Zeit, diese Situation neu zu ordnen.

 

Erneuerungsbedarf in Ballenberg

 

Das Freilichtmuseum Ballenberg hat einen großen Eingangsbereich in Hofstetten bei Brienz. Dieser ist im Laufe der Jahre mit zunehmenden Besucher*innenströmen ständig gewachsen. Dem Besucher*innenaufkommen entsprechend sind auch der Parkplatz und die dazugehörigen Verkehrsflächen immer größer geworden. Aber auch die Kasse und der Shop, das Kurszentrum Ballenberg, ein Werkhof mit Lager und das 2009 fertiggestellte Verwaltungsgebäude prägen den Eingangsbereich. Dieses Sammelsurium wird dazu von einer Verbindungsstraße zerschnitten. Ein Gesamtkonzept für diesen repräsentativen Bereich des einzigen Freilichtmuseums der Schweiz fehlt. Vielmehr verursacht die Konzentration verschiedener Bauten und Anlagen Konflikte. So gibt es beispielsweise weder Warteraum für Gruppen noch separate Zugänge zu den verschiedenen Angeboten. Außerdem fehlt dem Freilichtmuseum Ballenberg ein zentrales Museumsdepot für die Lagerung und Pflege seiner über 45 000 Objekte umfassenden Sammlung. Diese verschiedenen Aufgabenstellungen und Herausforderungen waren Inhalt von Studienauftrag und Testplanung.

Häuser, Objekte, Handwerk und Tiere

Auf dem Ballenberg sind über 100 Wohn- und Wirtschaftsbauten aus der ganzen Schweiz zu sehen. Die Sammlung umfasst stattliche Bauernhäuser, bescheidene Bauten von Tagelöhnern, Alpsiedlungen genauso wie Ställe, Scheunen, Speicher, Waschhäuschen und Dörröfen. Sie alle sind architektonische und sozialgeschichtliche Zeuginnen das Alltagsleben in der ländlichen Schweiz. Sie alle erzählen von der Kultur vergangener Zeiten. Alte Gebäude werden nur in die Ausstellung aufgenommen, wenn sie am ursprünglichen Standort nicht erhalten bleiben können. Nur in diesen Fällen werden sie sorgfältig abgetragen und auf dem 66 Hektar großen Museumsgelände wieder aufgebaut. 

Die Bauten der verschiedenen Hauslandschaften der Schweiz bilden jedoch nur einen Teil des Museums. Der Ballenberg zeigt auch nach historischen Vorbildern angelegte Bauerngärten, Äcker, Felder, Wiesen und Weiden. In den Gebäuden des Museums sind Handwerker*innen aktiv, die mit alten Werkzeugen und Geräten traditionelle Arbeiten zeigen. Darüber hinaus vermitteln thematische Ausstellungen einen Blick hinter die Kulissen des ländlichen Alltags. Dazu gehören auch über 250 Bauernhoftiere, die gesamte Palette der einheimischen Nutztierarten. Auch sie füllen den Ballenberg mit Leben.

 

Kooperativer Planungsprozess für den Ballenberg-Eingang

 

Um den Eingangsbereich des Freilichtmuseum Ballenberg neu zu ordnen, wurden drei Teams zu einem kooperativen Planungsprozess geladen. Nach einer ersten Veranstaltung präsentierte sie zunächst Zwischenergebnisse. Auf diese erhielten die Entwerfer*innen eine schriftliche Rückmeldung. Schließlich fand die Schlusspräsentation mit anschließender Beurteilung statt. Aus dieser ist der Entwurf von Gauer Itten Messerli Architekten AG, Moeri & Partner Landschaftsarchitekten AG und Emch+Berger Verkehrsplanung AG als Sieger hervorgegangen.

 

Mehr Effizienz, mehr Einnahmen

 

Diese Arbeitsgemeinschaft hat einen kompakten Neubau vorgeschlagen, der den westlichen Eingang zum Museum neu strukturiert. In diesem Neubau finden der Eingangsbereich mit Kasse und Shop, die Parkplätze und Depoträume Platz. Der Entwurf besticht durch attraktive Zugänge für alle Verkehrsteilnehmenden. Er bietet flexible Nutzungen mit großem Potenzial für die Zukunft. Darüber hinaus zeigt er eine verkehrstechnisch klare Lösung mit einer Trennung der Verkehrswege von Gästen und internen Nutzer*innen. Das Team um Gauer, Itten, Messerli und Moeri & Partner hat eine Lösung erarbeitet, die nur sehr wenig zusätzliche Fläche beansprucht.

Die Ergebnisse der Testplanung werden nun in eine konkrete Planung überführt. Mit der vorgeschlagenen Neugestaltung des Eingangs werden die Sammlung und ihr Handling vom Betrieb des Museums entflochten. Die Konzentration auf einen Standort vereinfacht darüber hinaus die Pflege der Sammlung. Das neue Besucher*innenzentrum empfängt zukünftig die Besucher*innen und informiert sie über die Angebote im Museum und im Kurszentrum. Durch die verbesserte Führung durch den Museumsshop erhofft sich das Freilichtmuseum auch dringend benötigte Mehreinnahmen. Denn das Museum steht, genau wie das Kurszentrum, unter hohem Kostendruck. Deshalb spielt die Wirtschaftlichkeit bei allen Maßnahmen eine große Rolle.

Sie haben den Plan, das Freilichtmuseum Ballenberg zu besuchen? Dann empfehlen wir einen Stop in Bern. Was Planer*innen in Bern besichtigen sollten, haben wir für Sie zusammengetragen.

Werner Sobek erhält Global Award for Sustainable Architectur

Urban Mining and Recycling-Unit

Werner Sobek erhielt am 13. Mai den Global Award for Sustainable Architecture. Sobek, der Leiter des Instituts für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren ist, war einer von fünf Preisträgern. Die Jury würdigte seine „bahnbrechenden Forschungen“. Zu Sobeks Forschungsprojekten gehört beispielsweise die Urban Mining and Recycling Unit im NEST-Gebäude in Zürich.

 

Werner Sobek zählt zu den fünf Preisträgern, die den Preis am 13. Mai 2019 in der Pariser Cité de l’Architecture entgegennehmen durften. Die Jury würdigte mit der Auszeichnung seine „bahnbrechenden Forschungen“. Seit 25 Jahren leitet er das Institut für Leichtbau Entwerfen und Konstruieren.

Um das komplexe Nachhaltigkeitsthema konkreter zu fassen, stellen die Juroren ihre Auswahl jedes Jahr unter ein spezielles Thema. In 2019 entschieden sich die Nachhaltigkeitsexperten, auf das aktuell 100-jährige Bauhausjubiläum Bezug zu nehmen. Sie stellten dessen multidisziplinären und nach sozialen Reformen strebenden Ansatz in den Mittelpunkt. 

Der Global Award for Sustainable Architecture stützt sich auf eine wachsende Gemeinschaft, die von Preisträgern aus der ganzen Welt gebildet wird. Sie alle setzen sich, wie Werner Sobek, für eine nachhaltige Architekturethik ein.

In der Garten+Landschaft vom April 2019 mit dem Thema “Nachhaltige Wohnquartiere” berichteten wir über Werner Sobeks Urban Mining and Recycling-Unit, denn die Idee, im Sinne nachhaltigen Bauens, Material beim Objektabbruch wieder dem Kreislauf in Form von Recycling oder Upcycling zurückzuführen, liegt förmlich auf der Hand. Doch sind die entsprechenden Ansätze noch nicht im Planungsalltag angekommen. Mit dem Forschungsprojekt “UMAR” testen Werner Sobek und Kollegen, wie Wohnbauten künftig zu 100 Prozent in technische oder biologische Kreisläufe zurückgeführt werden können und sammeln dabei Erkenntnisse, die auch die Freiraumplanung revolutionieren könnten.

Den vollständigen Artikel zur UMAR-Unit können Sie hier lesen.