KI‑gestützte Regenwasser‑Prognosen – der Schwammstadt‑Booster?

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Hochwinkel-Fotografie einer Stadt von Markus Spiske, aufgenommen mit einer Canon 5D Mark III und Leica Summicron-R 2.0 / 50mm.

Kann künstliche Intelligenz unsere Städte nicht nur smarter, sondern auch widerstandsfähiger machen – gerade wenn es um das wichtigste Element städtischer Resilienz geht: das Wasser? KI-gestützte Regenwasser-Prognosen gelten als Schlüssel für die Schwammstadt der Zukunft. Doch wie realistisch ist der Traum vom datengetriebenen Wassermanagement? Und was bedeutet das für Planer, Landschaftsarchitekten und Kommunen in Deutschland, Österreich und der Schweiz?

  • Definition und Funktionsweise von KI-gestützten Regenwasser-Prognosen im urbanen Kontext
  • Wie KI die Schwammstadt-Idee auf ein neues Niveau heben kann
  • Best Practices und Leuchtturmprojekte aus dem deutschsprachigen Raum
  • Technologische Grundlagen: Sensorik, Datenquellen, Machine Learning und Prognosemodelle
  • Vorteile für die Stadtplanung: Flächenmanagement, Überflutungsschutz, Wartung und Partizipation
  • Herausforderungen: Datenqualität, Governance, Datenschutz, Skalierbarkeit und Akzeptanz
  • Grenzen der KI: Warum Algorithmen keine Wunderwaffe sind
  • Künftige Trends: Kopplung mit Digital Twins und urbanen Infrastrukturnetzen
  • Handlungsempfehlungen für Planer, Verwaltungen und Kommunen

Regenwasserprognosen und KI: Wenn der Himmel nicht mehr nur Überraschungen bereithält

Regen – für viele Städte in Mitteleuropa jahrzehntelang eine Randnotiz in der Planung, allenfalls ein Thema für Kanäle, Dachneigungen und gelegentliche Starkregenereignisse. Doch das Klima macht Ernst, und plötzlich ist Wasser nicht mehr nur Segen, sondern auch Risiko. Überschwemmungen, Starkregen, urbane Hitzeinseln und trockene Sommer – die neue Normalität erfordert neue Werkzeuge. Hier betreten KI-gestützte Regenwasser-Prognosen die Bühne. Sie kombinieren meteorologische Echtzeitdaten, historische Niederschlagsmuster, Bodenfeuchte, Vegetationsdaten und städtische Infrastrukturdaten zu einem digitalen Gesamtbild, das weit mehr kann als nur Warnungen ausgeben.

Im Zentrum steht dabei die Fähigkeit von Algorithmen, aus riesigen Datenmengen relevante Muster zu erkennen und Prognosen zu erstellen, die klassische meteorologische Modelle alt aussehen lassen. Stichwort: Machine Learning. Während herkömmliche Modelle oft linear und auf festen Annahmen beruhen, kann KI komplexe Wechselwirkungen zwischen Versiegelungsgrad, Topografie, Vegetation und Wetterlagen erfassen – und so präzisere Vorhersagen treffen. Für Planer und Kommunen eröffnet sich damit erstmals die Chance, Regenwasser nicht mehr nur „zu entsorgen“, sondern als Ressource aktiv zu steuern.

Das Ziel: Stadtquartiere, die Wasser aufnehmen, speichern, filtern und verzögert abgeben – die berühmte Schwammstadt. Doch erst mit KI-gestützten Prognosen wird diese Vision steuerbar. Sensoren in Kanälen, auf Dächern, in Grünflächen und auf Straßen liefern kontinuierlich Daten über Niederschlag, Abfluss und Sättigung. Die KI analysiert diese Daten in Echtzeit, erkennt Trends und warnt vor kritischen Situationen – oder steuert sogar automatisch Rückhaltebecken, Versickerungsflächen und intelligente Wehre.

So entstehen adaptive Systeme, die nicht nur auf den nächsten Wolkenbruch reagieren, sondern ihn vorwegnehmen, Szenarien simulieren und Empfehlungen für die optimale Steuerung der Wasserinfrastruktur geben. Der Clou: Je mehr Daten und Erfahrungswerte ins System einfließen, desto besser werden die Vorhersagen – ein selbstlernendes Netzwerk, das mit jeder Saison klüger wird.

Doch die Technik ist nur die halbe Miete. Mindestens ebenso entscheidend ist die Integration in die städtische Planungskultur. KI-gestützte Regenwasserprognosen müssen nicht nur technisch funktionieren, sondern akzeptiert, verstanden und genutzt werden. Das verlangt neue Schnittstellen zwischen Ingenieuren, Planern, Verwaltung und IT – und eine Portion Mut, tradierte Routinen zu hinterfragen.

Die Gretchenfrage: Wie viel Kontrolle geben wir an Algorithmen ab? Und wie stellen wir sicher, dass die Systeme transparent, nachvollziehbar und demokratisch gesteuert bleiben? Denn der Weg zur Schwammstadt ist kein rein technischer, sondern vor allem ein kultureller Wandel im Umgang mit Wasser, Risiko und Innovation.

Technologischer Unterbau: Sensoren, Daten und lernende Algorithmen – so funktioniert KI-gesteuertes Wassermanagement

Die Magie der KI-gestützten Regenwasserprognosen beginnt mit der Datenerfassung. Sensorik ist dabei das A und O. In modernen Städten messen Tausende vernetzter Sensoren Niederschlag, Wasserstände, Bodenfeuchte, Temperatur, Durchflussraten und vieles mehr. Sie sitzen in Kanälen, auf Gründächern, in Sickerbecken, an Straßenrändern und in Parks. Ergänzt werden diese lokalen Daten durch Satellitenbilder, Radardaten und meteorologische Vorhersagen. All diese Datenströme laufen in urbanen Datenplattformen zusammen – der Rohstoff für die KI.

Doch Daten allein machen noch keine Prognose. Hier kommen die Algorithmen ins Spiel. Mittels Machine Learning, insbesondere Deep Learning, werden historische und Echtzeitdaten analysiert, um Zusammenhänge zu erkennen, die für das menschliche Auge unsichtbar bleiben. Algorithmen lernen, wie sich bestimmte Wetterlagen auf verschiedene Stadtteile auswirken, welche Flächen besonders schnell gesättigt sind und wo Überschwemmungen am wahrscheinlichsten auftreten. Sie berücksichtigen sogar die Auswirkungen neuer Bauprojekte oder veränderter Vegetationsstrukturen – ein echter Gamechanger für die Planung.

Ein Herzstück der Systeme sind die sogenannten hydrologischen Modelle. Diese simulieren, wie Regenwasser durch das urbane Gefüge fließt, wo es versickert, gespeichert oder abgeleitet wird – und welche Hotspots bei Starkregen gefährdet sind. Durch die Kopplung mit KI können diese Modelle dynamisch angepasst und in Echtzeit aktualisiert werden. So lernen die Systeme aus jedem Ereignis und passen ihre Prognosen immer weiter an – ein adaptiver Kreislauf, der klassische Planungszyklen sprengt.

Für Planer besonders spannend: Die Möglichkeit, verschiedene Szenarien zu simulieren. Was passiert, wenn ein neues Wohnquartier entsteht? Wie wirken sich zusätzliche Grünflächen auf die Wasserbilanz aus? Wie verändert sich das Überschwemmungsrisiko bei unterschiedlichen Niederschlagsintensitäten? KI-gestützte Tools liefern auf Knopfdruck Antworten, visualisieren Risiken und helfen, prioritäre Maßnahmen zu identifizieren.

Doch die Technik ist anspruchsvoll. Datenqualität, Systemintegration, Interoperabilität und Datenschutz sind zentrale Herausforderungen. Die Systeme müssen robust gegen Störungen sein, mit verschiedensten Plattformen kommunizieren und strenge Datenschutzanforderungen erfüllen. Gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist das kein Selbstläufer – hier treffen technische Innovationen auf anspruchsvolle rechtliche und gesellschaftliche Rahmenbedingungen.

Ein weiterer Erfolgsfaktor: Die Schnittstelle zum Menschen. Intuitive Dashboards, verständliche Visualisierungen und klare Empfehlungen sind entscheidend, damit Planer, Verwaltung und Bevölkerung die Systeme nicht nur akzeptieren, sondern aktiv nutzen. Denn nur dann entfaltet die KI ihr volles Potenzial als Booster für die Schwammstadt.

Best Practices und Leuchtturmprojekte: Wo KI-basierte Regenwasserprognosen bereits Realität sind

Im deutschsprachigen Raum gibt es bereits eine Reihe spannender Pilotprojekte, die zeigen, wie KI die Schwammstadt-Idee beflügelt. In Hamburg beispielsweise arbeiten Wasserbetriebe und Stadtplaner gemeinsam an einem System, das mithilfe von Sensorik, Wetterdaten und Machine Learning das städtische Kanalsystem in Echtzeit überwacht und steuert. Bei drohenden Starkregenereignissen können so Rückhaltebecken gezielt gefüllt, Wehre gesteuert und kritische Bereiche frühzeitig gewarnt werden – ein echter Quantensprung gegenüber klassischen Warnsystemen.

Auch in Wien wird an der Zukunft des Wassermanagements gefeilt. Das Projekt „Klimafitte Schwammstadt“ setzt auf eine Kombination aus digitaler Zwillingstechnologie, KI-gestützter Prognose und Bürgerbeteiligung. Sensoren erfassen kontinuierlich Daten zu Niederschlag, Abfluss und Verdunstung. Die KI wertet diese aus, berechnet Szenarien und spielt die Ergebnisse direkt in die Stadtplanung zurück. So können neue Baugebiete von Anfang an auf maximale Wasserspeicherung und minimale Überflutungsgefahr getrimmt werden.

In Zürich wiederum kommt ein System zum Einsatz, das KI-Prognosen mit automatisierter Steuerung von Sickerflächen und grünen Dächern koppelt. Je nach Wetterlage werden Flächen gezielt bewässert oder entlastet, um Überschwemmungen zu verhindern und die städtische Verdunstungskühlung zu maximieren. Die Erfahrungen zeigen: Neben der technischen Machbarkeit ist insbesondere die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Wasserwirtschaft und IT entscheidend für den Erfolg.

Ein weiteres Vorbild liefert die Stadt Kopenhagen, die mit dem ambitionierten Cloudburst Management Program auf KI-gestützte Simulationen und adaptive Steuerung setzt. Hier werden nicht nur Risiken gemanagt, sondern das Regenwasser als Ressource für die urbane Biodiversität und das Mikroklima genutzt. Die Integration von Bürgerdaten, etwa über eine städtische App, steigert die Resilienz und Akzeptanz der Maßnahmen zusätzlich.

Was all diese Projekte eint: Sie sind Pioniere, die zeigen, dass KI-gestützte Regenwasserprognosen nicht nur Zukunftsmusik, sondern bereits Realität sind – wenn auch oft noch im Pilotmaßstab. Die Skalierung auf ganze Städte bleibt eine Herausforderung, doch die Richtung ist klar: Wer jetzt investiert, legt den Grundstein für eine neue Generation klimaresilienter Städte.

Trotz aller Leuchtturmprojekte gilt: Die breite Umsetzung steht erst am Anfang. Viele Kommunen beobachten noch, experimentieren vorsichtig – und sind auf der Suche nach tragfähigen Geschäftsmodellen, rechtlicher Sicherheit und klaren Verantwortlichkeiten. Hier braucht es Mut, Kooperation und den Willen, neue Wege zu gehen.

Chancen, Grenzen und Risiken: Was KI für die Schwammstadt wirklich leisten kann – und was nicht

Die Euphorie rund um KI-basierte Regenwasserprognosen ist groß – und das zurecht. Die Vorteile liegen auf der Hand: Frühwarnungen vor Überschwemmungen, gezielte Steuerung von Rückhaltebecken, effizientes Flächenmanagement, bessere Integration von Grün- und Blauflächen und eine neue Transparenz in der Stadtplanung. Doch wie immer gilt: Nicht alles, was digital glänzt, ist Gold.

Ein zentrales Problem ist die Datenbasis. Ohne flächendeckende, hochwertige Sensorik und konsistente Datenströme bleibt die KI blind. Gerade in älteren Stadtquartieren fehlen oft die notwendigen Infrastrukturen – hier stoßen selbst die besten Algorithmen an ihre Grenzen. Auch die Qualität der Daten ist entscheidend: Fehlerhafte Sensoren, Datenlücken oder unzureichende Wartung können zu falschen Prognosen führen – und damit zu Fehlinvestitionen oder Sicherheitsrisiken.

Ein weiteres Risiko ist die Komplexität der Systeme. KI-gestützte Prognosemodelle sind oft Black Boxes, deren Entscheidungen für Laien schwer nachvollziehbar sind. Das birgt die Gefahr von Fehlsteuerungen, Vertrauensverlust oder sogar Missbrauch. Transparenz, Erklärbarkeit und demokratische Kontrolle sind deshalb unerlässlich – gerade wenn es um kritische Infrastrukturen wie das städtische Wassermanagement geht.

Hinzu kommt die Governance-Frage: Wer kontrolliert die Systeme? Wer ist verantwortlich bei Fehlern? Und wie lässt sich verhindern, dass kommerzielle Anbieter zu viel Einfluss auf die städtische Wasserstrategie bekommen? Hier braucht es klare Regeln, offene Schnittstellen und eine starke öffentliche Hand, die die Hoheit über die Daten und Algorithmen behält.

Nicht zuletzt ist die Skalierbarkeit eine Herausforderung. Was im Pilotquartier funktioniert, lässt sich nicht immer eins zu eins auf die ganze Stadt übertragen. Unterschiedliche Bebauungsstrukturen, Bodenverhältnisse und Infrastrukturnetze erfordern maßgeschneiderte Lösungen – und eine enge Zusammenarbeit zwischen Stadtplanung, Wasserwirtschaft, IT und Bevölkerung.

Die vielleicht größte Gefahr: Die Versuchung, die Verantwortung an die Technik abzugeben. KI kann unterstützen, simulieren, warnen – aber sie ersetzt nicht das vorausschauende, ganzheitliche Denken erfahrener Planer. Die Schwammstadt bleibt ein komplexes soziales, ökologisches und technisches Projekt – das nur im Zusammenspiel von Mensch und Maschine gelingen kann.

KI, Schwammstadt und die Zukunft der urbanen Wasserwirtschaft: Handlungsempfehlungen und Ausblick

Wie also weiter? Für Städte und Kommunen im deutschsprachigen Raum gilt: Wer die Potenziale der KI-gestützten Regenwasserprognosen ausschöpfen will, sollte jetzt die Weichen stellen. Dazu gehört der konsequente Ausbau der Sensorik und Dateninfrastruktur – am besten im Rahmen offener, interoperabler Urban Data Platforms. Nur so werden Datenquellen nutzbar, vergleichbar und skalierbar.

Ebenso zentral ist die Qualifizierung der Akteure. Planer, Landschaftsarchitekten, Wasserwirtschaftler und IT-Spezialisten müssen gemeinsam neue Kompetenzen aufbauen – in interdisziplinären Teams, mit praxisnahen Weiterbildungen und offenem Dialog zwischen Verwaltung, Forschung und Wirtschaft. Nur so entsteht das Verständnis, das für den erfolgreichen Einsatz der Systeme notwendig ist.

Ein dritter Schlüssel: Die Integration der KI-Prognosen in die Alltagspraxis. Die Systeme müssen in die bestehenden Planungs-, Betriebs- und Entscheidungsprozesse eingebettet werden. Das gelingt am besten, wenn sie intuitiv bedienbar sind, verständliche Visualisierungen liefern und Raum für partizipative Elemente bieten – etwa durch Bürger-Apps, Open-Data-Plattformen oder digitale Beteiligungsverfahren.

Für die Zukunft zeichnen sich spannende Entwicklungen ab. Die Kopplung von KI-Prognosen mit Urban Digital Twins eröffnet neue Möglichkeiten, Regenwasserströme in Echtzeit zu simulieren, Auswirkungen von Bauprojekten zu bewerten und adaptive Maßnahmen in die Stadtentwicklung zu integrieren. Auch der Einsatz von KI in der Wartung – etwa zur Prognose von Verstopfungen oder zur Optimierung des Rückhaltemanagements – wird die Effizienz steigern.

Doch bei aller Technikbegeisterung gilt: Die Schwammstadt ist mehr als ein Datenprojekt. Sie ist ein gesellschaftliches Versprechen, Städte klimaresilient, lebenswert und zukunftsfähig zu machen. KI kann dabei ein mächtiges Werkzeug sein – aber sie braucht kluge Köpfe, kreative Planung und einen klaren Kompass. Wer diese Chance jetzt ergreift, macht die Stadt nicht nur smarter, sondern vor allem widerstandsfähiger gegen die Herausforderungen von morgen.

Abschließend bleibt festzuhalten: KI-gestützte Regenwasserprognosen sind kein Allheilmittel, aber ein entscheidender Baustein für die urbane Transformation im Zeichen des Klimawandels. Sie machen die Schwammstadt nicht nur denkbar, sondern auch machbar – wenn wir bereit sind, Technik, Planung und gesellschaftliche Verantwortung neu zu verknüpfen. Der Booster für die Schwammstadt? Ja – vorausgesetzt, wir schalten ihn richtig ein.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass KI-gestützte Regenwasserprognosen das Potenzial haben, die urbane Wasserwirtschaft und die Schwammstadt-Idee grundlegend zu transformieren. Sie bieten nicht nur präzisere Vorhersagen, sondern ermöglichen erstmals ein aktives, datengestütztes Wassermanagement in Echtzeit. Die Technologie ist reif, die ersten Leuchtturmprojekte setzen Maßstäbe. Doch die eigentliche Herausforderung liegt in der flächendeckenden Umsetzung, der Sicherung von Datenqualität, der Transparenz der Systeme und in der interdisziplinären Zusammenarbeit. Die Schwammstadt der Zukunft wird nicht von Algorithmen allein gebaut, sondern durch das Zusammenspiel von intelligenter Technik, kreativer Planung und einer neuen Kultur des urbanen Wassermanagements. Wer jetzt mutig vorangeht, wird zum Vorreiter einer nachhaltigen, klimaresilienten Stadtentwicklung.

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„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

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