Künstliche Intelligenz unterstützt Wettbewerbsjurys bei städtebaulichen Verfahren

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Verkehr auf einer städtischen Straße neben Hochhäusern, festgehalten von Bin White.

Künstliche Intelligenz krempelt die Arbeit von Wettbewerbsjurys um – aus Bauchgefühl wird datenbasierte Präzision. Städtebauliche Verfahren, die jahrzehntelang auf Erfahrung und Diskurs bauten, stehen vor einer Revolution: KI-gestützte Systeme bieten mehr Überblick, machen verborgene Zusammenhänge sichtbar und versprechen mehr Objektivität. Doch wie weit ist die Technik wirklich? Was bringt sie Architekten, Planern und Jurys? Und wo lauern Risiken? Willkommen im neuen Zeitalter der Entscheidungsfindung – klüger, schneller, aber keineswegs trivial.

  • Warum Künstliche Intelligenz in Wettbewerbsjurys Einzug hält und wie sie städtebauliche Verfahren verändert
  • Konkrete KI-Anwendungen: Von automatisierter Auswertung bis hin zu Simulationen urbaner Szenarien
  • Wie KI die Objektivität und Nachvollziehbarkeit von Juryentscheidungen verbessern kann
  • Wo menschliche Expertise weiterhin unverzichtbar bleibt – und warum KI kein Ersatz für Diskurs ist
  • Rechtliche, ethische und praktische Herausforderungen beim Einsatz von KI in deutschen, österreichischen und schweizerischen Verfahren
  • Best-Practice-Beispiele und aktuelle Pilotprojekte aus dem deutschsprachigen Raum
  • Die Rolle der Datenqualität, der Algorithmen-Transparenz und der Governance in KI-unterstützten Verfahren
  • Potenziale für Beteiligung, Diversität und Öffentlichkeitsarbeit durch smartere Juryprozesse
  • Risiken: algorithmische Verzerrung, Black-Box-Entscheidungen, Kommerzialisierung von Bewertungslogik
  • Fazit: KI als Werkzeug für bessere Städte – und warum die Zukunft hybrider Jurys schon begonnen hat

Künstliche Intelligenz in Wettbewerbsjurys – Revolution oder Rechenhilfe?

Städtebauliche Wettbewerbe sind seit jeher ein Herzstück der Planungskultur im deutschsprachigen Raum. Sie vereinen Kreativität, Diskurs und Expertise, um die besten Lösungen für urbane Herausforderungen zu finden. Doch so traditionsreich das Verfahren ist, so angreifbar ist es auch für subjektive Einflüsse, unbewusste Vorurteile und die schiere Komplexität der Bewertungsaufgabe. Hier setzt die Künstliche Intelligenz an – sie verspricht, den Entscheidungsprozess zu unterstützen, zu objektivieren und letztlich zu verbessern.

Die Rolle der KI in Wettbewerbsjurys wird oft missverstanden. Es geht nicht darum, dass Algorithmen plötzlich das letzte Wort haben. Vielmehr dienen KI-Systeme als intelligente Werkzeuge, die große Datenmengen analysieren, Muster aufspüren und Entscheidungsgrundlagen bereitstellen. Im Idealfall entlasten sie die Jury von repetitiven Aufgaben, verschaffen Überblick über komplexe Zusammenhänge und unterstützen dabei, die Qualität und Nachvollziehbarkeit der Entscheidungen zu steigern.

Die Einsatzgebiete sind vielfältig: Von der automatisierten Auswertung quantitativer Kriterien – etwa Flächenverhältnisse, Erschließungsgrade oder Tageslichtanalysen – bis hin zur Simulation städtebaulicher Szenarien, der Bewertung von Nachhaltigkeitsaspekten oder der Analyse von Verkehrsströmen. Moderne KI-Systeme können dabei nicht nur Daten aus Einreichungen, sondern auch externe Informationen wie Umweltparameter, Mobilitätsdaten oder sozioökonomische Indikatoren einbeziehen.

Doch die Integration von KI in den Juryprozess ist alles andere als trivial. Sie verlangt nach einer neuen Prozessarchitektur, in der klassische Bewertungskompetenzen mit datengetriebenen Analysen verschmelzen. Jurys werden damit nicht ersetzt, sondern erweitert – um ein digitales Gegenüber, das nicht müde wird, auch das Kleingedruckte zu lesen und die Nebenwirkungen eines Entwurfs im Vorfeld zu simulieren.

Spannend ist dabei vor allem die Frage, wie sich das Verhältnis von Mensch und Maschine gestaltet. Bleibt die Jury souverän? Oder droht eine schleichende Delegation der Verantwortung an Black-Box-Systeme? Die Antwort liegt – wie so oft – im Design der Verfahren, in der Transparenz der Algorithmen und in der Bereitschaft, Technologie als Partner und nicht als Gegner zu begreifen.

Von der Mustererkennung zur Szenariosimulation: KI-Tools im Praxiseinsatz

Die praktische Anwendung von Künstlicher Intelligenz in Wettbewerbsjurys beginnt meist mit vergleichsweise bodenständigen Aufgaben. Digitale Tools analysieren Einreichungen nach vordefinierten quantitativen Kriterien. Sie messen Flächennutzungsgrade, berechnen Versiegelungsanteile, bewerten Wegebeziehungen oder nehmen energetische Kennwerte unter die Lupe. Auswertungen, die früher händisch und fehleranfällig waren, laufen heute automatisiert und nachvollziehbar ab. Die Vorteile liegen auf der Hand: Objektivität, Geschwindigkeit und Transparenz.

Doch dabei bleibt es nicht. Mit fortschreitender KI-Entwicklung können Systeme inzwischen komplexe Zusammenhänge erkennen, etwa die städtebauliche Einbindung eines Entwurfs in den umgebenden Kontext. Algorithmen analysieren, wie sich neue Quartiere auf bestehende Verkehrsströme auswirken, wie sie das Mikroklima beeinflussen oder wie robust sie gegenüber zukünftigen Klimaszenarien sind. Solche Analysen wären für eine menschliche Jury allein kaum zu leisten – schon gar nicht unter Zeitdruck.

Ein weiteres Feld sind Simulationen urbaner Szenarien. KI-gestützte Modelle zeigen, wie sich verschiedene Entwürfe auf soziale Dynamiken, Umweltbelastungen oder Infrastrukturkosten auswirken könnten. Sie beziehen dabei nicht nur die Einreichungen selbst ein, sondern verknüpfen sie mit externen Datenquellen: Mobilitätsdaten, Klima- und Umweltinformationen, demografische Trends oder sogar Echtzeitdaten aus Sensorik und IoT-Plattformen.

Auch bei der Bewertung von Nachhaltigkeit und Klimaanpassung spielt KI eine zunehmend wichtige Rolle. Systeme können die Auswirkungen von Baumaßnahmen auf das Stadtklima simulieren, den Lebenszyklus von Baumaterialien berechnen oder die Biodiversität in Entwürfen bewerten. Das eröffnet Jurys neue Perspektiven – und hilft, die anspruchsvollen Ziele zeitgemäßer Stadtentwicklung mit harter Datenbasis zu untermauern.

Nicht zuletzt ermöglichen KI-Tools auch einen besseren Überblick über die Vielfalt der Einreichungen. Sie filtern Redundanzen, identifizieren innovative Ansätze und machen es einfacher, die Spreu vom Weizen zu trennen. Gerade bei großen Wettbewerben mit Dutzenden oder Hunderten Einsendungen schafft das eine neue Qualität der Vorauswahl – und nimmt der Jury Arbeit ab, die ohnehin niemand vermisst.

Objektivität, Transparenz, Nachvollziehbarkeit: Was KI wirklich leisten kann

Die großen Versprechen der Künstlichen Intelligenz in städtebaulichen Wettbewerben sind Objektivität und Transparenz. Algorithmen bewerten nach klar definierten Kriterien, sie kennen keine Müdigkeit, keine Vorlieben, keine Beziehungen zu einzelnen Teams. Sie analysieren Daten immer gleich, und sie dokumentieren ihre Schritte automatisch. Das macht Entscheidungen nachvollziehbar – ein echter Gewinn, gerade in Verfahren, die immer wieder Kritik an Intransparenz und möglichen Seilschaften ernten.

Doch Objektivität ist kein Selbstläufer. Algorithmen sind nur so gut wie ihre Programmierung und die Daten, auf denen sie beruhen. Wer die Kriterien festlegt und wie sie gewichtet werden, bleibt eine zutiefst menschliche Aufgabe. KI kann Vorurteile nur dann abbauen, wenn sie nicht neue, algorithmische Biases einführt. Deshalb braucht es ein sorgfältiges Design der Bewertungsmatrix, eine ständige Überprüfung der Datenqualität und eine klare Governance für alle Beteiligten.

Transparenz ist dabei nicht nur ein technisches, sondern auch ein kommunikatives Erfordernis. Alle Beteiligten – von den Planern bis zur Öffentlichkeit – müssen nachvollziehen können, wie die KI zu ihren Bewertungen kommt. Das erfordert erklärbare Algorithmen, offene Dokumentation und die Möglichkeit, Entscheidungen zu hinterfragen oder zu diskutieren. Nur so wird die KI zu einem vertrauenswürdigen Partner im Juryprozess.

Auch bei der Nachvollziehbarkeit punktet die KI – zumindest, wenn sie richtig eingesetzt wird. Automatisierte Protokolle, Versionierungen und Datenarchivierung machen es möglich, nachzuvollziehen, warum bestimmte Entwürfe bevorzugt oder abgelehnt wurden. Das ist nicht nur für die unmittelbare Juryarbeit wichtig, sondern auch für spätere Evaluationen, etwa im Rahmen von Beschwerden oder bei der Dokumentation von Lernprozessen.

Trotz aller Vorteile bleibt die menschliche Expertise unverzichtbar. Kreative, kontextbezogene und diskursive Bewertungen kann die KI nicht ersetzen. Sie kann lediglich Hinweise liefern, Fehlerquellen minimieren und Routinen automatisieren. Am Ende entscheidet immer noch die Jury – gestützt von Daten, aber geführt von Erfahrung und Urteilskraft.

Herausforderungen und Risiken: Zwischen Black Box und digitaler Aufklärung

So verlockend die Potenziale von KI in Wettbewerbsjurys auch sind – die Praxis ist voller Fallstricke. Da ist zum einen die Gefahr der algorithmischen Verzerrung. Wenn Trainingsdaten unausgewogen sind oder Algorithmen schlecht kalibriert wurden, können sie systematisch bestimmte Entwurfsansätze benachteiligen. Besonders kritisch wird es, wenn die Bewertungslogik nicht transparent ist – dann drohen Black-Box-Entscheidungen, die niemand erklären kann.

Ein weiteres Risiko ist die Kommerzialisierung der Bewertungslogik. Viele KI-basierte Jurytools stammen von privaten Anbietern, die ihrerseits Geschäftsinteressen verfolgen. Wer die Algorithmen kontrolliert, kontrolliert am Ende auch die Bewertungslogik – und das kann zu einer gefährlichen Machtverschiebung führen. Deshalb sind offene Standards, faire Lizenzmodelle und die Kontrolle durch öffentliche Institutionen entscheidend.

Auch rechtlich und ethisch ist der Einsatz von KI in städtebaulichen Verfahren ein Minenfeld. Datenschutz, Urheberrecht, Transparenzregelungen und Partizipationspflichten müssen beachtet werden. Nicht zuletzt stellt sich die Frage, wie öffentlich die KI-gestützten Bewertungsprozesse sein dürfen – und wie man sicherstellt, dass sie nicht zur Legitimation ohnehin gewünschter Ergebnisse missbraucht werden.

Praktische Herausforderungen gibt es zuhauf: Die Datenlage ist oft lückenhaft, Schnittstellen zwischen verschiedenen Systemen sind selten standardisiert, und viele Verwaltungen verfügen noch nicht über das nötige Know-how, um KI-Systeme kompetent zu steuern. Auch die Akzeptanz in der Fachöffentlichkeit ist keineswegs selbstverständlich – Skepsis gegenüber „Maschinenentscheidungen“ ist weit verbreitet, und nicht alle Planer oder Jurymitglieder fühlen sich mit dem digitalen Wandel wohl.

Doch gerade hier liegt auch die Chance: KI kann ein Katalysator für eine neue, aufgeklärte Planungskultur sein – wenn sie als Werkzeug zur Unterstützung und nicht als Ersatz menschlicher Urteilskraft eingesetzt wird. Entscheidend ist, dass Verfahren offen gestaltet, Algorithmen erklärbar und die Beteiligten kontinuierlich weitergebildet werden. Nur so wird KI zum Instrument einer besseren, gerechteren und transparenteren Stadtentwicklung.

Best Practices, Ausblick und das neue Selbstverständnis hybrider Jurys

Die ersten Pilotprojekte im deutschsprachigen Raum zeigen, wohin die Reise gehen kann. In München wurden bei einem Wettbewerb für ein neues Stadtquartier KI-Tools eingesetzt, um die energetische Effizienz und das Mobilitätspotenzial der Entwürfe automatisiert zu bewerten. In Zürich wird KI genutzt, um die Auswirkungen von Bebauung auf das lokale Mikroklima zu simulieren und so frühzeitig Hitzestau- oder Verschattungsprobleme zu erkennen. In Wien laufen Projekte, bei denen die KI-gestützte Vorauswahl von Einreichungen die Jury von Routinearbeiten entlastet – und so mehr Raum für Diskurs und Kreativität schafft.

Die Erfahrungen sind ermutigend, aber auch lehrreich. Entscheidend ist, dass die Technik als unterstützende Instanz begriffen wird – als Datenlieferant, Analysator und Simulator, aber nicht als Entscheidungsträger. Jurys, die offen mit den Ergebnissen der KI umgehen, die Bewertungen kritisch hinterfragen und Ergebnisse transparent kommunizieren, profitieren am meisten. Sie können Fehlerquellen minimieren, den Diskurs versachlichen und neue Perspektiven in die Entscheidungsfindung einbringen.

Für die Zukunft zeichnet sich ein hybrides Modell ab: Mensch und Maschine arbeiten Hand in Hand. Die Jury bleibt das Souverän, die KI liefert objektive Daten, Simulationen und Analysen. Neue Rollen entstehen – etwa der „Digital Facilitator“, der die Schnittstelle zwischen Technik und Jury bildet. Auch neue Qualifikationen sind gefragt: Datenkompetenz, algorithmisches Denken und die Fähigkeit, Technik kritisch zu reflektieren, werden zu Schlüsselkompetenzen für Planer und Jurymitglieder.

Ein weiterer Trend ist die Öffnung der Verfahren für die Öffentlichkeit. KI-Systeme können dazu beitragen, Juryentscheidungen visuell, narrativ und datenbasiert zu kommunizieren. Das erhöht die Akzeptanz, fördert das Verständnis für komplexe Zusammenhänge und schafft neue Möglichkeiten für Partizipation und Bildung. Die Jury wird so zur Plattform für einen breiteren, demokratischeren Diskurs über die Zukunft der Stadt.

Abschließend bleibt festzuhalten: Künstliche Intelligenz ist kein Allheilmittel, aber ein mächtiges Werkzeug. Sie kann Wettbewerbsjurys entlasten, Prozesse objektivieren und neue Horizonte eröffnen. Entscheidend ist, dass sie klug eingesetzt, transparent gestaltet und kontinuierlich weiterentwickelt wird. Nur dann wird sie zum Motor einer besseren, gerechteren und zukunftsfähigeren Stadtentwicklung – und zum unverzichtbaren Bestandteil des Werkzeugkastens moderner Planung.

Fazit

Künstliche Intelligenz ist dabei, die Arbeit von Wettbewerbsjurys in städtebaulichen Verfahren zu revolutionieren. Sie bringt eine neue Qualität der Datenanalyse, schafft Objektivität und Transparenz, und eröffnet Möglichkeiten, die vor wenigen Jahren noch undenkbar gewesen wären. Die Technik ist weit genug, um heute schon echten Mehrwert zu bieten – und sie entwickelt sich rasant weiter. Doch der Erfolg steht und fällt mit dem richtigen Einsatz: KI muss als Partner verstanden werden, nicht als Ersatz. Menschliche Expertise, kreative Diskurse und kritische Reflexion bleiben unverzichtbar. Die Zukunft der Juryarbeit ist hybrid – und sie beginnt jetzt. Wer sich rechtzeitig darauf einlässt, profitiert von einer neuen, datengetriebenen Planungskultur, die das Beste aus beiden Welten vereint. Willkommen in der Ära der klugen, fairen und transparenten Wettbewerbe – powered by KI, aber immer mit Herz und Verstand.

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Der Vergabekodex des Bunds Deutscher Architekten (Grafik: BDA)

Der Vergabekodex des Bunds Deutscher Architekten (Grafik: BDA)

Der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten ruft zu partnerschaftlicher Zusammenarbeit auf. Im Fokus steht dabei die Kooperation mit öffentlichen Auftraggeber*innen. Hierfür formuliert der BDA Empfehlungen. In einem neuen Vergabekodex plädiert er für einfache, effiziente und rechtssichere Verfahren und einen Abbau von Bürokratie.

Dass der klassische, offene Wettbewerb heute Seltenheitswert hat, betrübt den Bund Deutscher Architektinnen und Architekten (BDA). Für seine Mitglieder und damit Verfechter*innen hoher baulicher und gestalterische Qualität ist das eine schlechte Entwicklung. Sie schätzen das Instrument offener Wettbewerbe im fachlichen Wettstreit um die beste bauliche Lösung sehr. Die aktuelle Situation veranlasst den BDA dazu, kritisch auf die Vergabeverordnung für Planungsleistungen von Architekt*innen und Stadtplaner*innen zu blicken. Seit ihrer Einführung liegen fünf Jahre zurück. Das ist ausreichend Zeit, um die Vergabeordnung kritisch zu beleuchten. Das hat der Bund Deutscher Architektinnen und Architekten nun getan. Er kommt zu dem Schluss, dass die beabsichtigte Qualifizierung der Vergabe nicht erfolgt ist. Ganz im Gegenteil. Deshalb schlägt der BDA Alarm und formuliert einen Vergabekodex.

Bund Deutscher Architektinnen und Architekten

Der BDA ist keine gesetzgebende Institution. Er ist vielmehr eine Vereinigung freischaffender Architekt*innen und Stadtplaner*innen. Sie alle zeichnen sich durch die Qualität ihrer Bauten aus. Aber auch persönliche Integrität und Kollegialität gehören zu ihren Stärken. Darüber hinaus eint sie die Bereitschaft, sich für Baukultur und den Berufsstand einzusetzen. Vor diesem Hintergrund engagieren sich die Mitglieder des BDA für eine hochwertige Kultur des Planens und Bauens. Allen ist daran gelegen, dass funktional und ästhetisch gestaltete Gebäude und Freiräume zur Lebensqualität aller beitragen. Mit diesem Ziel im Sinn, engagiert sich der BDA auch für eine unabhängige Planung und eine gute, treuhänderische Beziehung zwischen Bauherren und Architekt*innen. Dazu gehört auch das Wettbewerbswesen, für das sich der BDA einsetzt.

Neuer Vergabekodex

Der BDA beobachtet derzeit, dass Verhandlungsverfahren mit restriktiven Zugangsbedingungen dominieren. Das heisst, dass in Verfahren vielfach Mindestanforderungen an Architekt*innen und Stadtplaner*innen gestellt werden, die für die jeweiligen Aufträge nicht angemessen sind. So werden beispielsweise Referenzen von Kolleg*innen gefordert, die für die Vergabe eines Projektes nicht adäquat sind. Oder Büros müssen Umsätze oder  Mitarbeiterzahlen vorweisen, die für die Aufgabe kein ausschlaggebendes Kriterium sind. Sind die in Verfahren formulierten Anforderungen nicht angemessen, schließen sie viele Architekt*innen und Stadtplaner*innen aus. Insbesondere junge und kleine Büros sind davon betroffen.

Fünf Jahre nach Verabschiedung der Vergabeordnung für Architekt*innenleistungen schlägt der BDA nun Alarm. Er formuliert einen neuen Vergabekodex Architekt*innenleistungen. In diesem Kodex ruft der BDA zu einer besseren Zusammenarbeit mit öffentlichen Auftraggeber*innen auf. Die Architekt*innen formulieren in ihrem Vergabekodex Empfehlungen für einfache, effiziente und rechtssichere Verfahren. Die sollen einerseits freischaffenden Architekt*innen und Stadtplaner*innen zugute kommen. Sie sollen aber zugleich auch zur Entbürokratisierung bei den Kommunen beitragen.

Vergabeverfahren für Planungsleistungen

Natürlich liegt das Ziel der bis heute gültigen Verordnung über die Vergabe öffentlicher Aufträge (VgV) nicht darin Bürokratie aufzublähen. Es ging schon 2016 bei der Verabschiedung der Verordnung darum, Verfahren effizient zu gestalten. Dabei sollte die Qualität der Leistung jeweils mehr Bedeutung bekommen. Außerdem sollte kleineren und mittleren Unternehmen der Zugang zu öffentlichen Aufträgen erleichtert werden. Schon damals stand die von öffentlichen Auftraggeber*innen und Architekt*innen gemeinschaftlich getragene Verantwortung für ein qualitätsvolles Weiterbauen in unseren Städten, Gemeinden und Landkreisen im Vordergrund.

Denn für jede Bauaufgabe sind zukunftsfähige Ideen, Kreativität und Leistungsfähigkeit von großer Bedeutung. Und die entsteht nur, wenn Kommunen eine gute Planungs- und Baukultur praktizieren. Nur eine verantwortungsvoll wahrgenommene Planungs- und Baukultur, mit den dazugehörigen Verfahren und Prozessen, schafft hohe Qualität. Das wiederum verlangt, dass öffentliche Auftraggeber*innen und Architekt*innen gemeinsam Verantwortung übernehmen. Und dieser Prozess beginnt bereits mit dem Vergabeverfahren. Er beginnt bei der Suche des öffentlichen Auftraggebers nach der besten Lösung für eine anstehende Bauaufgabe und nach einem geeigneten Partner.

Stichwort: Entbürokratisierung

Die Intention und die Ziele der aktuell gültigen Vergabeordnung sind gut. Doch der Alltag zeigt heute etwas anderes. Der Weg zu bestmöglicher Baukultur und -qualität ist unter anderem durch zu viel Bürokratie verstellt. Deshalb plädiert der BDA in seinem aktuellen Vergabekodex für den Abbau von Bürokratie. Die Überregulierung im Behörden­handeln bedarf einer Reduzierung. Gemeint ist also der Abbau von Vorschriften und Gesetzen. Gemeint ist aber auch die Schaffung höherer Transparenz. Konkret könnte ein Abbau von Bürokratie dadurch erfolgen, dass Gesetze und Verordnungen schon bei ihrer Einführung zeitlich befristet sind oder zumindest regelmäßig auf ihre Notwendigkeit hin überprüft werden. Gleichermaßen könnten Bearbeitungsfristen von Anträgen klar definiert und eng begrenzt werden. Ausserdem könnten Verwaltungen durch die Nutzung des Internets und längere Arbeitszeiten zugänglicher werden. Darüber hinaus könnten behördliche Antragsverfahren vereinheitlicht werden. So könnte beispielsweise nur ein umfassender Bauantrag notwendig sein, anstelle von verschiedenen, getrennt einzuholenden Genehmigungen.

In diese und ähnliche Richtungen denkt der BDA, wenn der in seinem aktuellen Vergabekodex Entbürokratisierung empfiehlt. Hoffentlich fällt diese und alle anderen, im Vergabekodex formulierten Empfehlungen des Bund Deutscher Architektinnen und Architekten auf fruchtbaren Boden.

Sie interessieren sich für die Stellungnahmen des BDA? Wir haben vor kurzem seine Kritik zur neuen HOAI für Sie zusammengefasst. Lesen Sie hier mehr.

Ein Park für die Hamburger HafenCity

Mit dem Lohsepark, der Anfang Juli eröffnet wurde, erhielt die HafenCity in Hamburg ihren bisher ersten Park. Wie ein grünes Band zieht sich das 80 Meter breite Gelände vom Ericusgraben im Norden, gegenüber des Spiegel-Gebäudes, bis zum Baakenhafen im Süden. Im Kontext der Gesamtstadt ist der Lohsepark die Fortführung des innerstädtischen Wallrings, der als Grüngürtel von den Landungsbrücken, über Planten un Blomen und den Hauptbahnhof bis hin zu den Deichtorhallen rund um die Hamburger Innenstadt verläuft. Der Lohsepark verlängert diesen Ring und führt ihn durch die HafenCity zurück an die Elbe.

Eine Sichtachse durch den Park, gesäumt von 500 Bäumen, unterstreicht den Eindruck des grünen Bandes. Die Planung stammt aus der Feder von Vogt Landschaftsarchitektur Zürich/Berlin. Mit seinen weiten Rasenflächen bietet der neue Park auf rund vier Hektar ausreichend Raum für unterschiedliche Spiel- und Sportaktivitäten. Im Gegensatz zu den meist steinernen Plätzen an den Uferkanten der HafenCity entstand im Lohsepark zum ersten Mal eine grüne Uferböschung am Ericusgraben. Im Zuge der Parkgestaltung wurde anstelle des durch den Krieg stark beschädigten und im Jahr 1955 gesprengten Gebäudes des Hannoverschen Bahnhofs ein angemessen würdevoller Ort des Gedenkens an die Opfer der Deportationen aus Hamburg errichtet. Eine diagonal den Lohsepark durchziehende Fuge nimmt den Verlauf der ehemaligen Gleisanlagen auf. Terrassen und Böschungen dienen als verbindende Elemente zwischen den verschiedenen Höhenniveaus des Gedenkortes und gleichzeitig als Aufenthaltsorte. Vogt Landschaftsarchitekten schichten den Lohsepark in drei Ebenen: eine „historische Ebene“ mit 5,4 Metern Höhe, eine „Parkebene“ 6,5 Metern und eine „Stadtebene“ auf acht Metern jeweils über NN.

Mehr zum Lohsepark in Garten + Landschaft 11/2016