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Klimaanpassung als Pflicht in der Bauleitplanung – wie das konkret aussieht

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Stimmungsvolle Luftaufnahme einer Stadt mit Flusslauf, festgehalten von Emmanuel Appiah
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Klimaanpassung ist keine Kür mehr, sondern Pflicht – zumindest in der deutschen Bauleitplanung. Doch wie lässt sich aus einem politischen Imperativ ein wirkungsvolles Instrument machen? Wir zeigen, wie sich Klimaanpassung konkret und rechtssicher in Bebauungsplänen, Flächennutzungsplänen und städtebaulichen Verträgen verankern lässt – und wie Planer den Spagat zwischen ambitionierten Zielen, komplexen Verfahren und lokalen Realitäten meistern können.

  • Rechtlicher Rahmen: Klimaanpassung als verpflichtende Aufgabe der Bauleitplanung nach BauGB und Klimaanpassungsgesetz
  • Konkrete Instrumente für die Integration von Klimaanpassung in Flächennutzungspläne und Bebauungspläne
  • Praxiserprobte Maßnahmen: Von Entsiegelung über Frischluftschneisen bis Regenwassermanagement
  • Herausforderungen und Zielkonflikte mit anderen städtebaulichen Interessen
  • Aktuelle Rechtsprechung und Auslegungshilfen für Planer
  • Beteiligung von Öffentlichkeit, Fachbehörden und Politik im Planungsprozess
  • Monitoring, Wirksamkeitskontrolle und adaptive Planung als Zukunftsaufgaben
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz

Klimaanpassung wird Pflicht: Der neue Rechtsrahmen für Planer

Die Zeiten, in denen Klimaanpassung als freiwillige Kür oder Feigenblatt für besonders ambitionierte Kommunen galt, sind vorbei. Mit der Novellierung des Baugesetzbuchs (BauGB) und dem Inkrafttreten des Klimaanpassungsgesetzes (KAnG) auf Bundesebene ist die Einbeziehung von Klimaanpassungsbelangen in der Bauleitplanung heute nicht nur erwünscht, sondern rechtsverbindlich vorgeschrieben. Das klingt zunächst wie ein weiterer bürokratischer Stolperstein, ist aber de facto ein Paradigmenwechsel: Klimaanpassung rückt von der politischen Sonntagsrede in das Zentrum kommunaler Planungshoheit.

Gemäß § 1a Absatz 5 BauGB müssen bei der Aufstellung, Änderung, Ergänzung und Aufhebung von Bauleitplänen die Erfordernisse der Klimaanpassung beachtet werden. Das ist mehr als ein freundlicher Hinweis. Wie die Gerichte inzwischen mehrfach betont haben, besteht eine echte Pflicht zur Berücksichtigung konkreter Risiken durch Hitze, Starkregen, Trockenheit oder Überflutung. Parallel zum BauGB regelt das Klimaanpassungsgesetz erstmals bundesweit, dass die öffentliche Hand eine vorausschauende, resiliente Entwicklung von Städten und Gemeinden sicherzustellen hat. Es geht also um mehr als um ein paar Bäume extra oder die berühmte grüne Fassade – es geht um eine grundlegende Transformation der Planungslogik.

Für Praktiker bedeutet das: Klimaanpassung ist künftig bei jeder Planungsentscheidung mitzudenken, zu dokumentieren und plausibel zu begründen. Wer Risiken ignoriert oder Maßnahmen lediglich pro forma ins Plandokument schreibt, riskiert nicht nur politischen Ärger, sondern auch die rechtliche Anfechtbarkeit des gesamten Plans. Dabei reicht es nicht, allgemeine Klimaziele zu wiederholen. Vielmehr sind die lokalen Herausforderungen – von urbanen Hitzeinseln über Starkregen bis Kaltluftschneisen – konkret zu analysieren und im Plan adressiert zu werden.

Was bedeutet das für die tägliche Praxis? Planer müssen sich mit regionalen Klimaprognosen, Risikoanalysen und vulnerablen Bevölkerungsgruppen auseinandersetzen. Das verlangt neue Kompetenzen, aber auch neue Partnerschaften mit Klimaforschern, Meteorologen und Umweltämtern. Gleichzeitig gilt es, die Interessen von Investoren, Grundstückseigentümern und der Stadtgesellschaft in einen fairen Ausgleich zu bringen. Die gute Nachricht: Die Gesetzgebung schafft einen klaren Rahmen, der mutige und innovative Lösungen nicht bremst, sondern fordert und schützt.

Der Pflichtenkatalog ist damit klar: Klimaanpassung ist nicht mehr optional, sondern integraler Bestandteil jeder modernen Bauleitplanung. Wer das ignoriert, plant an der Zukunft vorbei – und riskiert, dass Gerichte die eigene Arbeit kassieren.

Instrumente und Maßnahmen: So sieht Klimaanpassung konkret aus

Was aber bedeutet Klimaanpassung konkret für den Flächennutzungsplan oder den Bebauungsplan? Die Antwort ist so vielfältig wie die Herausforderungen, denen Städte und Gemeinden gegenüberstehen. Im Zentrum steht die Integration von Maßnahmen, die die Widerstandsfähigkeit der gebauten Umwelt gegenüber extremen Wetterereignissen stärken. Dabei reicht das Spektrum von planerisch-strategischen Festsetzungen über grünordnerische Festlegungen bis hin zu technischen Vorgaben oder städtebaulichen Verträgen.

Ein zentrales Instrument ist die Sicherung und Entwicklung von Grün- und Freiflächen. Diese dienen nicht nur als Erholungsräume, sondern vor allem als Frischluftschneisen, Kaltluftentstehungsgebiete und CO₂-Speicher. Der Flächennutzungsplan kann entsprechende Flächen sichern, der Bebauungsplan ihre Durchgrünung und die Begrenzung der Versiegelung verbindlich festlegen. Immer wichtiger wird außerdem das Regenwassermanagement: Die Pflicht zur Rückhaltung von Niederschlagswasser auf dem eigenen Grundstück, die Förderung von Mulden-Rigolen-Systemen oder die Verpflichtung zu Gründächern sind inzwischen Standard in vielen Städten.

Doch Klimaanpassung ist mehr als Entsiegelung und mehr Bäume. Sie verlangt auch smarte Lösungen für neue Herausforderungen. So können Bebauungspläne Mindestabstände zur Vermeidung von Hitzestau, maximale Gebäudehöhen zur Sicherung der Luftzirkulation oder die verpflichtende Berücksichtigung von Verschattung durch Baumpflanzungen regeln. In besonders gefährdeten Gebieten werden zunehmend auch spezifische Bauverbote, technische Auflagen für Kellerabdichtungen oder die Verpflichtung zu erhöhten Schwellen für Hauseingänge festgesetzt, um Schäden durch Starkregen und Überflutung zu minimieren.

Ein weiteres praxisrelevantes Werkzeug ist die Umweltprüfung im Rahmen der Bauleitplanung. Hier können Klimarisiken systematisch erfasst und in die Abwägung einbezogen werden. Viele Kommunen nutzen inzwischen digitale Klimarisikokarten, die auf GIS-Basis Gefahren durch Überflutung, Hitze oder Trockenheit visualisieren. So werden Risiken nicht nur erkannt, sondern können in den Planungsprozess integriert und mit passgenauen Maßnahmen adressiert werden.

Zuletzt eröffnet auch der städtebauliche Vertrag neue Möglichkeiten: Investoren können verpflichtet werden, sich an der Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen zu beteiligen – von der Anlage von Retentionsflächen bis zur Finanzierung von Baumstandorten. Wichtig ist dabei, dass die Maßnahmen nicht nur auf dem Papier stehen, sondern konkret, überprüfbar und durchsetzbar sind. Denn Klimaanpassung lebt von der Umsetzung – nicht von wohlklingenden Absichtserklärungen.

Herausforderungen, Zielkonflikte und aktuelle Rechtsprechung

Klingt alles bestechend logisch – doch die Praxis hält einige Fallstricke bereit. Einer der zentralen Zielkonflikte ist der zwischen Nachverdichtung und Klimaanpassung. Während die Innenentwicklung als Gebot der Stunde gilt, stoßen Maßnahmen wie die Sicherung von Frischluftschneisen oder die Begrenzung der Versiegelung an ihre Grenzen. Hier ist planerische Kreativität gefragt: Wie lassen sich Flächen mehrfach nutzen? Wie kann Architektur zur Klimaanpassung beitragen, etwa durch Fassadenbegrünung, innovative Verschattungen oder multifunktionale Freiräume?

Zudem sind viele Kommunen mit begrenzten Ressourcen konfrontiert. Klimaanpassung braucht Know-how, Zeit und Geld – alles Faktoren, die gerade in kleinen und mittleren Städten nicht im Überfluss vorhanden sind. Hier helfen kooperative Ansätze, etwa regionale Verbünde oder die Nutzung von Förderprogrammen. Doch auch die beste Förderung ersetzt nicht die Notwendigkeit, Klimaanpassung von Anfang an mitzudenken und ins Zentrum der Planung zu stellen.

Rechtlich ist die Richtung klar, aber die Details sind oft streitig. Zahlreiche Urteile der Verwaltungsgerichte machen deutlich: Die Anforderungen an die Berücksichtigung von Klimaanpassung sind hoch, aber nicht absolut. Es braucht eine nachvollziehbare Abwägung, die die örtlichen Gegebenheiten, die Zumutbarkeit für Betroffene und die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen berücksichtigt. Pläne, die Risiken ignorieren oder unzureichend begründen, sind anfechtbar. Gleichzeitig dürfen Kommunen nicht in die Falle überzogener Anforderungen tappen – Klimaanpassung muss praktikabel und verhältnismäßig bleiben.

Ein weiteres Problemfeld ist die Beteiligung der Öffentlichkeit. Klimaanpassung ist erklärungsbedürftig, komplex und manchmal unbequem. Wer neue Begrenzungen oder Auflagen plant, muss Betroffene frühzeitig einbinden, Widerstände ernst nehmen und die Vorteile für alle kommunizieren. Hier helfen anschauliche Visualisierungen, Planspiele oder digitale Beteiligungsplattformen, um Transparenz und Akzeptanz zu schaffen.

Die Rechtsprechung entwickelt sich dynamisch weiter. Planer sind gut beraten, aktuelle Urteile und Auslegungshilfen im Blick zu behalten und sich frühzeitig mit Fachjuristen auszutauschen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass Klimaanpassung nicht nur politisch gewollt, sondern auch rechtssicher umgesetzt wird.

Klimaanpassung als Prozess: Monitoring, adaptive Planung und Best Practices

Klimaanpassung in der Bauleitplanung ist kein einmaliger Akt, sondern ein fortlaufender Prozess. Die Herausforderungen des Klimawandels verändern sich kontinuierlich – und damit auch die Anforderungen an Pläne und Maßnahmen. Monitoring und Evaluation sind daher unerlässlich: Nur wer die Wirksamkeit von Anpassungsmaßnahmen überprüft, kann nachsteuern und auf neue Entwicklungen reagieren.

Viele Städte setzen inzwischen auf digitale Monitoring-Tools, die Temperaturentwicklungen, Niederschlagsmengen oder Versiegelungsgrade laufend erfassen. Diese Daten fließen direkt in die Fortschreibung von Plänen ein und ermöglichen eine adaptive Planung. Dabei gilt: Flexibilität ist Trumpf. Wer auf starre Festsetzungen setzt, riskiert, dass sich Pläne schnell überholen. Besser sind kluge Kombinationslösungen, die Spielräume lassen und auf sich verändernde Klimarisiken reagieren können.

Die Beteiligung von Fachbehörden, Wissenschaft und Zivilgesellschaft ist dabei zentral. Gute Klimaanpassung lebt vom Wissen vieler: Meteorologen, Stadtökologen, Sozialplaner und Bürger tragen mit ihrem Know-how dazu bei, Risiken realistisch zu bewerten und praxistaugliche Lösungen zu entwickeln. Besonders erfolgreich sind Städte, die auf partizipative Prozesse und offene Kommunikation setzen – und so Akzeptanz und Innovationskraft gleichermaßen stärken.

Best-Practice-Beispiele zeigen, wie es geht. München etwa hat mit dem „Stadtklimaanpassungskonzept“ ein umfassendes Maßnahmenpaket entwickelt, das von der Entsiegelung über das Wassermanagement bis zur Klimaarchitektur reicht. In Zürich werden Klimarisikokarten mit Bauleitplänen verknüpft, sodass Risiken bereits im Planungsprozess adressiert werden. Wien setzt auf Gründachförderung und die konsequente Sicherung von Frischluftschneisen. Entscheidend ist überall: Klimaanpassung wird als Querschnittsaufgabe verstanden – und nicht als Zusatzaufgabe einzelner Akteure.

Die Zukunft liegt in der Integration. Klimaanpassung muss in alle Ebenen der Planung und Umsetzung einfließen – von der Vision bis zum Monitoring. Wer hier konsequent vorgeht, schafft nicht nur resilientere Städte, sondern auch attraktive und lebenswerte Räume für kommende Generationen.

Fazit: Klimaanpassung als Pflicht – Chance statt Last für die Planungskultur

Klimaanpassung als Pflicht in der Bauleitplanung ist mehr als eine neue Vorschrift – sie ist eine Einladung, Stadtentwicklung neu zu denken. Der gesetzliche Rahmen ist gesetzt, die Instrumente sind vielfältig, die Herausforderungen enorm. Doch wer Klimaanpassung als Chance begreift, kann nicht nur Risiken mindern, sondern die Lebensqualität von Städten und Gemeinden nachhaltig steigern.

Die Integration von Klimaanpassung in Flächennutzungs- und Bebauungspläne verlangt neue Kompetenzen, klare Kommunikation und den Mut, gewohnte Pfade zu verlassen. Es geht um einen Kulturwandel im Planungsverständnis: Von der statischen Festsetzung zur dynamischen, lernenden Stadt, die auf neue Risiken flexibel reagiert und die Stärken ihrer Akteure nutzt.

Rechtssicherheit, Beteiligung und Monitoring sind dabei keine lästige Pflicht, sondern der Schlüssel zu wirksamer und akzeptierter Klimaanpassung. Wer hier konsequent handelt, stärkt nicht nur die Resilienz seiner Kommune, sondern positioniert sich als Vorreiter einer zukunftsfähigen Planungskultur.

Die Stadt der Zukunft entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern im Spannungsfeld von Klima, Recht, Technik und Gesellschaft. Klimaanpassung als Pflicht ist der Weckruf, diesen Raum mutig, kreativ und verantwortungsvoll zu gestalten. Wer das verstanden hat, plant nicht nur für morgen – sondern für Generationen.

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Die Mitte von Berlin bleibt grün

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Die Perspektive zeigt die geplanten Stufen am Ufer der Spree.

1. Preis an Büro RMP Lenzen: Stufen am Ufer der Spree mit Blick auf Dom (Visualisierung: RMP Lenzen)

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Es geht um eine prominente Fläche in Berlins historischer Mitte: Eingespannt zwischen dem neuen Humboldt-Forum und dem Fernsehturm bekommen das Rathaus- und Marx-Engels-Forum eine neue Gestaltung. Das Büro RMP Stephan Lenzen hat den Wettbewerb für die grüne Mitte von Berlin gewonnen.

Dort wo die Wurzeln der Stadt Berlin liegen, wird demnächst nicht wieder gebaut. Die Freifläche von Rathaus- und Marx-Engels-Forum bleiben Grün. Allerdings erhält das Areal eine neue Gestaltung, die in einer Freitreppe zur angrenzenden Spree mündet. Die Berliner Senatsverwaltung hat im Frühjahr zu einem Wettbewerb eingeladen. Nach einer ersten Phase durften die Bürger*innen mitreden. Daraufhin entwickelten insgesamt 21 Landschaftsarchitekturbüros ihre Ideen in der zweiten Phase des Wettbewerbs weiter. Die Landschaftsarchitek*innen vom Büro RMP Stephan Lenzen überzeugten schließlich die Jury. Sie schlugen ein zentrales Band vor, das denkmalgeschützte Bereiche des Rathausforums mit dem Marx-Engels-Forum verbindet. Dieses grüne Band endet in einer großen Treppe am Ufer der Spree. Gegenüber, auf der anderen Seite des Wasser, strahlt die Ostfassade des neuen Humboldt-Forums.

 

Viel Geschichte inmitten von Berlin

 

Früher hiess die Freifläche inmitten des alten Berlins „Park an der Spree“. Als eine der zentralsten Grünflächen im Ortsteil Mitte geht sie auf den Zweiten Weltkrieg zurück. Der hatte das dortige Heilig-Geist-Viertel beschädigt, was schließlich die DDR-Führung veranlasst hat, es abzureißen. Seitdem ist die Fläche zwischen Karl-Liebknecht-Straße im Norden, dem Park am Fernsehturm im Osten, der Rathausstraße im Süden und der Spree im Westen unbebaut. Mittendrin stand lange ein Denkmalensemble, das jedoch beim Bau der U-Bahn an den nordwestlichen Rand rücken musste. Bereits seit den 1990er-Jahren wird über die Zukunft des Marx-Engels-Forums diskutiert. Die Ideen waren vielfältig. Sie reichten vom Wiederaufbau des Heilig-Geist-Viertels bis zur Gestaltung eines Parks am Marx-Engels-Forum. Letztere hat sich schließlich durchgesetzt. 

Wettbewerbsaufgabe Marx-Engels-Forum

Die Gestaltung eines Parks auf dem Marx-Engels-Forum galt es nun, im Rahmen des Ideen- und Realisierungswettbewerb zu konkretisieren. Die Teilnehmer*innen waren gefragt, sich mit dem Gründungsort Berlins, mit den im Boden verborgenen historischen Schichten und der Umgebung auseinanderzusetzen. Am Ende der langen Debatte um die Zukunft dieses Ortes entstanden Bürgerleitlinien zur künftigen Entwicklung des Rathaus- und des Marx-Engels-Forums. Darin heißt es, dass ein Freiraum zu entwerfen ist, der den Dimensionen und der Bedeutung des Standortes gerecht wird und die Identität des Ortes stärkt. Darüber hinaus soll er die bewegte Geschichte erlebbar machen und gleichzeitig vielfältige und intensive Nutzungen ermöglichen. 

In der ersten Phase fragte der Wettbewerb zunächst nach einer Vision und einer Idee für das gesamte Marx-Engels-Forum. Erst die Teilnehmer*innen der zweiten Phase mussten ihre Vision herleiten. Darüber hinaus skizzierten sie im Ideenteil des Wettbewerbs einen Zwischenzustand für das Jahr 2030. In einem dritten Realisierungsteil war dann die konkrete Umsetzung für 2024 aufzuzeigen. Diese stufenweise Herangehensweise geht auf die angestrebte, schrittweise Realisierung des Projekts zurück. Die wird einen langen Zeitraum in Anspruch nehmen. Entsprechend müssen die Ideen auf einer klaren Haltung basieren und viel Flexibilität für die prozesshafte Umsetzung bieten. 

 

Marx-Engels-Forum: überzeugender Entwurf von RMP Lenzen

 

Die Landschaftsarchitekt*innen vom Büro RMP Lenzen lieferten die überzeugendste Lösung für die neue Gestaltung von Rathaus- und Marx-Engels-Forum. Sie entwarfen einen Freiraum, der von einer markanten Figur geprägt ist. Er sieht vor, das Rathaus- und das Marx-Engels-Forum von Bebauung freizuhalten. Der grüne Raum verspricht eine hohe Aufenthaltsqualität mit Flächen zum Flanieren, zum Ausruhen, zum Genießen von spektakulären Aussichten auf Dom, Humboldt-Forum und Fernsehturm. RMP Lenzen bestückt den neuen Raum mit viel Grün und mit vielen schattenspendenden Bäumen. Aber auch Wasser gehört dazu, das zur Kühlung beiträgt sowie Versickerungsflächen, die zu einem künftigen Regenwassermanagement passen. Insgesamt sieht der Beitrag zum Wettbewerb Marx-Engels-Forum einen modernen, klimaresilienten Stadtraum vor, der vielfältige Nutzungen ermöglicht. 

Gut Ding braucht Weile

Mit der Idee, zunächst einen Grünraum im Herzen des alten Berlin anzulegen, bleiben Chancen für nächste Generationen erhalten. Für die nahe Gegenwart hat das Preisgericht empfohlen, die mit dem ersten Preis ausgezeichnete Arbeit von RMP Lenzen zu realisieren. Damit geht eine kontroverse Debatte zu Ende. Wohl kaum ein Ort in Berlin hat mehr Planungen und Diskussionen erlebt als das Marx-Engels-Forum. Aber für den Bausenator steht fest, dass die Stadt Berlin richtig gehandelt hat. Sie hat hier nach dem Fall der Mauer keine überstürzte Planung realisiert. Nun kann vor dem Hintergrund aktueller Planungen für den Alexanderplatz und den Molkenmarkt und unter dem Vorzeichen von Klimaanpassung und Mobilitätswende in Ruhe gestaltet werden.

Sie möchten mehr über Projekte der Hauptstadt erfahren? Wir haben die nächsten Planungsschritte auf dem ehemaligen Flughafenareal Berlin Tegel für Sie zusammengefasst.

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Wettbewerbsübersicht Dezember 2018 (2/2)

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Bewegung und Begegnung. © KCAP GmbH mit Ramboll Studio Dreiseitl

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Kulturquartier Lagarde-Campus, Bamberg – 1. Preis hutterreimann Landschaftsarchitektur GmbH, Berlin, mit Sauerzapfe Architekten, Berlin

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen über die spannendsten Wettbewerbsergebnisse im Dezember.

Straßenräume in Wiehl – 1. Preis Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten, Bockhorn

Die Konversion der Lagarde-Kaserne soll in Bambergs Osten einen lebendigen, nutzungsgemischten Stadtteil schaffen – mit dem „Kulturquartier Lagarde“ als attraktive Quartiersmitte. Zwei Stadtplätze prägen zukünftig die neue Mitte und sollen mit ihrer frühzeitigen Schaffung einen wichtigen Baustein zur Entwicklung des Quartiers bilden. Der Siegerentwurf sieht zwei Baumhaine vor, welche die beiden Plätze verbinden, aber jedem einzelnen einen eigenen Charakter zugestehen. Der Lagarde-Platz südlich der Reithalle gestaltet sich als grüner Quartiersplatz, der stellvertretend für das gesamte Quartier, seine Transformation, sowie die nachhaltige Neuausrichtung steht. Der Platz ist Endpunkt der Grünverbindung Richtung Ostpark und zugleich urbanes Entrée des Quartiers. Als belebter Gegenpol dazu präsentiert sich der Kulturhof zwischen Reit- und Posthalle: Er ist unprätentiös und flexibel bespielbar, so die Jury. Außerdem bildet der Stadtplatz einen wichtigen Ankerpunkt für die Stadtverbindung zur Innenstadt.

Planungsdialog Hafner in Konstanz – 1. Preis KCAP, Zürich, mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen

Ein Transitraum wird zum Aufenthaltsraum, so die Entwurfsintention von Lex-Kerfers Landschaftsarchitekten für das Zentrum von Wiehl. Ihr Siegerentwurf überwindet die starke Trennung des zergliederten Stadtraums und definiert Rathaus- und Hem-Platz als zentralen Platz am Kreuzungspunkt der Stadtachsen. Zukünftig prägt Naturstein das Zentrum – Farbnuancen und Materialwechsel berücksichtigen dabei die historische Differenzierung von Fahrbahn, Fußgängerbereich und Platzfläche. Der durchgehende Belag ermöglicht es, die angrenzenden Flächen anzubinden. Zusätzlich integriert eine breite winkelförmige Freitreppe die Kirche in den Stadtraum. Ein neuer Weg zwischen Rathaus und Kirche verbindet barrierefrei zur südlich gelegenen Wiehlaue. Um den Blick in die Flussaue zu ermöglichen, stellt der Entwurf die Wiehlbrücke frei. Zusätzliche Treppen und Bastionen vergrößern die Kontaktzone zum Fluss. Die neuen Stadtbäume bilden mit auffälliger Blüte und Herbstfärbung einen spannenden Kontrast zur Aue. Prägende Möblierungselemente wie die Baumbänke entwickeln die Planer in Anlehnung an regionaltypische Gestaltungselemente und Materialien.

In Konstanz soll mit rund 2800 Wohneinheiten der neue Stadtteil Hafner entstehen. Das Planungsteam aus KCAP und Ramboll Studio Dreiseitl überzeugte die Jury mit einer prägnanten Entwurfsidee, dem sogenannten „Hafner-Ring“. Zusätzlich zur großen grünen Mitte bildet das grüne Infrastrukturband eine freiraum- und städtebaulich relevante Struktur für den Stadtteil mit seinen zukünftig rund 8000 Bewohnern. Das grüne Band zieht sich mit robusten und multifunktional nutzbaren Erholungs- und Erlebnisräumen im Bogen durch das neue Stadtquartier und verbindet es mit dem historischen Kern Wollmatingen. Das Siegerteam sieht für das rund 60 Hektar große Areal keine strikte Trennung zwischen Wohnen und Gewerbe vor. Stattdessen mischen die Planer die Nutzungen. Das Quartier ist weitgehend autofrei konzipiert und stellt die Lebensqualität in den Vordergrund. Die Jury sieht in dem Entwurf das größte Innovationspotential, um den Stadtteil zukunftsfähig zu gestalten, sowie an Veränderungen der nächsten Jahre anzupassen.

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