Klimabäume für Kleine Gärten: Auswahl, Standort und Pflanzplanung

Eine durchdachte Pflanzung im Freiraum zum Thema Klimabäume für Kleine Gärten
Luftaufnahme eines Dorfes inmitten tropischen Regenwaldes. Foto: jeswinthomas / Unsplash

Klimabäume für kleine Gärten sind kein Kompromiss, sondern eine planerische Disziplin für sich. Wer auf begrenztem Raum einen Baum pflanzt, der Hitze puffert, Schatten spendet, Regenwasser verdunstet und gleichzeitig die räumliche Qualität eines Außenraums definiert, muss Standort, Wuchsform, Wurzelraum und Klimaleistung mit einer Präzision aufeinander abstimmen, die im großen Stadtpark oder im weitläufigen Landschaftsgarten schlicht nicht nötig ist. Dieser Artikel zeigt, wie das gelingt.

  • Was Klimabäume sind und welche Funktionen sie im kleinen Außenraum übernehmen
  • Welche Auswahlkriterien für klimaresistente Bäume auf engem Raum wirklich entscheidend sind
  • Wie Standortanalyse, Bodeneignung und Wurzelraumplanung zusammenhängen
  • Welche Baumarten und Sorten für kleine Gärten und beengte Verhältnisse besonders geeignet sind
  • Wie Wuchsform, Kronenarchitektur und Beschattungseffekt gezielt eingesetzt werden
  • Welche Pflanzplanung und welche Pflanzabstände normativ und fachlich geboten sind
  • Wie Anwachspflege, Bewässerung und Langzeitmanagement die Klimaleistung sichern
  • Welche typischen Fehler bei der Planung und Pflanzung von Klimabäumen in kleinen Gärten entstehen

Was Klimabäume sind: Definition, Funktion und Einordnung

Der Begriff Klimabaum hat sich in der Fachsprache der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung als Sammelbezeichnung für Baumarten und Sorten etabliert, die unter den veränderten thermischen und hydrologischen Bedingungen des Stadtklimas und des sich wandelnden Regionalklimas dauerhaft vital bleiben und dabei messbare ökosystemare Leistungen erbringen. Klimabäume für kleine Gärten sind also nicht einfach robuste Bäume, sondern Gehölze, die Hitze, Trockenheit, Staunässe nach Starkregenereignissen und urbane Stressfaktoren wie Bodenversiegelung, Streusalzeintrag und Wurzelraumkonkurrenz tolerieren, ohne ihre Vitalität und damit ihre ökologische Wirksamkeit einzubüßen.

Die ökosystemaren Leistungen, die Fachleute heute unter dem Begriff Ökosystemdienstleistungen zusammenfassen, sind vielfältig. Ein Baum kühlt seine Umgebung durch Evapotranspiration, also die kombinierte Verdunstung aus Bodenfeuchte und Blattoberfläche. Er beschattet Flächen, Fassaden und Aufenthaltsbereiche und reduziert damit die Aufheizung von Oberflächen erheblich. Er hält Regenwasser zurück, verlangsamt den Abfluss und gibt Wasser zeitverzögert an den Boden und die Atmosphäre ab. Er bietet Lebensraum für Insekten, Vögel und Mikroorganismen und trägt zur Biodiversität auch im kleinen Maßstab bei. All diese Leistungen sind an die Vitalität des Baumes gebunden: Ein gestresster, trockenheitsgeschädigter oder durch Wurzelraumverdichtung geschwächter Baum erbringt sie nur eingeschränkt oder gar nicht.

Im kleinen Garten, also auf Privatgrundstücken mit begrenzter Fläche, in Reihenhausgärten, Innenhöfen, Vorgärten oder kleinen Gemeinschaftsgärten, stellt die Auswahl von Klimabäumen eine besondere planerische Herausforderung dar. Die räumliche Enge erzwingt eine präzise Abstimmung zwischen Wuchsgröße, Kronenform, Wurzelraumtiefe und Standortbedingungen. Gleichzeitig ist gerade hier die Klimawirkung eines einzelnen Baumes relativ zur Gesamtfläche besonders hoch: Ein gut gewählter und vital wachsender Baum kann die thermische Situation eines kleinen Gartens grundlegend verändern.

Standortanalyse: Boden, Licht, Wurzelraum und Mikroklima

Bevor eine Baumart ausgewählt wird, steht die Standortanalyse. Diese ist in kleinen Gärten besonders sorgfältig durchzuführen, weil Fehler kaum korrigierbar sind: Ein zu groß werdender Baum, ein Baum mit flachem Wurzelsystem auf befestigtem Untergrund oder eine Art, die mit dem Bodentyp nicht zurechtkommt, verursacht langfristig Schäden an Bausubstanz, Leitungen und Belägen und muss im schlechtesten Fall gefällt werden. Die Standortanalyse umfasst mindestens vier Dimensionen: Bodenbeschaffenheit, Lichtverhältnisse, verfügbarer Wurzelraum und mikroklimatische Besonderheiten.

Die Bodenbeschaffenheit bestimmt maßgeblich, welche Baumarten dauerhaft vital bleiben. Verdichtete, nährstoffarme oder stark versiegelte Böden, wie sie in städtischen Gärten häufig vorkommen, schränken die Artenwahl erheblich ein. Für solche Standorte kommen vor allem Arten in Frage, die mit Staunässe nach Starkregen ebenso umgehen können wie mit sommerlicher Trockenheit, also Arten mit einer breiten ökologischen Amplitude hinsichtlich Bodenfeuchte und Bodenstruktur. Der pH-Wert des Bodens ist ein weiterer relevanter Parameter: Kalkhaltige, alkalische Böden, die in städtischen Lagen durch Bauschutt und Mörtelreste häufig auftreten, schließen säureliebende Arten wie Magnolien oder Rhododendren als Unterpflanzung aus, können aber für mediterran geprägte Klimabäume wie Gleditschien oder Felsenbirnen durchaus günstig sein.

Der verfügbare Wurzelraum ist in kleinen Gärten oft der kritischste Faktor. Als Faustregel gilt in der Baumpflanzplanung, dass ein Baum pro Zentimeter Stammumfang etwa einen Liter durchwurzelbaren Bodenraum benötigt. Für einen mittelgroßen Baum mit einem Stammumfang von dreißig Zentimetern bedeutet das einen Mindestbedarf von dreißig Kubikmetern durchwurzelbarem Bodenvolumen. In kleinen Gärten mit Belägen, Fundamenten und Leitungen ist dieses Volumen selten ohne planerische Maßnahmen verfügbar. Substratbaumgruben, Wurzelführungssysteme oder Baumscheiben mit speziell aufgebautem Skelettsubstrat können helfen, den effektiven Wurzelraum zu vergrößern, auch wenn der oberflächlich sichtbare Pflanzbereich klein ist.

Das Mikroklima des Standorts beeinflusst die Artenwahl ebenfalls erheblich. Südexponierte, von Mauern begrenzte Gärten können sommers extreme Hitze akkumulieren, bieten aber auch mediterran angepassten Arten günstige Bedingungen. Nordexponierte, schattige Lagen schränken die Wahl auf schattentolerante Arten ein, die gleichzeitig klimaresilient sind. Windexponierte Lagen erfordern Arten mit hoher mechanischer Stabilität und geringer Windwurfgefahr. Diese mikroklimatischen Faktoren sind in der Standortanalyse zu kartieren und in die Artenwahl einzubeziehen.

Klimabäume für kleine Gärten: Welche Arten und Sorten eignen sich?

Die Auswahl klimaresistenter Baumarten für kleine Gärten hat sich in den letzten Jahrzehnten erheblich erweitert. Neben heimischen Arten, die an regionale Bedingungen angepasst sind, stehen heute zahlreiche nicht heimische Arten und züchterisch selektierte Sorten zur Verfügung, die für beengte Verhältnisse und urbanen Stress besonders geeignet sind. Die Diskussion über heimische versus nicht heimische Arten ist dabei fachlich differenziert zu führen: Heimische Arten bieten in der Regel einen höheren Wert für die Biodiversität, insbesondere für spezialisierte Insekten und Vögel. Nicht heimische Arten können jedoch in Bezug auf Trockenheits- und Hitzetoleranz Vorteile bieten, die unter veränderten Klimabedingungen relevant werden.

Für kleine Gärten besonders geeignet sind Arten und Sorten mit säulenförmigem, schmalem oder klar definierbarem Wuchs, die auch ohne regelmäßigen Schnitt ihre Größe im Rahmen halten. Die Felsenbirne (Amelanchier lamarckii und Amelanchier x grandiflora) ist eine der empfehlenswertesten Arten für beengte Verhältnisse: Sie bleibt in der Regel unter acht Metern, verträgt sowohl trockene als auch wechselfeuchte Böden, bietet im Frühjahr reiche Blüte, im Sommer angenehmen lichten Schatten und im Herbst attraktive Laubfärbung. Ihre ökologische Wertigkeit für Insekten und Vögel ist trotz nicht heimischer Herkunft beachtlich.

Der Zierapfel (Malus-Sorten) bietet in kleinen Gärten eine Kombination aus Blütenreichtum, Fruchtschmuck und relativ kompaktem Wuchs. Sorten wie Malus ‚Evereste‘ oder Malus ‚Red Sentinel‘ bleiben in Höhe und Kronenbreite überschaubar, sind robust gegenüber Trockenheit und zeigen eine gute Resistenz gegenüber Schorf und Mehltau. Die Hainbuche (Carpinus betulus) und ihre Sorten, insbesondere die Säulenhainbuche (Carpinus betulus ‚Fastigiata‘), eignen sich für kleine Gärten, die eine klare räumliche Struktur und dichten Sichtschutz benötigen. Die Hainbuche ist heimisch, ökologisch wertvoll und toleriert Schnitt ausgezeichnet, was eine langfristige Größenkontrolle ermöglicht.

Für sehr trockene, sonnige Standorte in kleinen Gärten kommen Arten wie der Lederhülsenbaum (Gleditsia triacanthos) in seinen dornenarmen Sorten, der Blasenbaum (Koelreuteria paniculata) oder die Robinie (Robinia pseudoacacia) in kompakten Sorten in Betracht. Diese Arten sind ausgesprochen trockenheitstolerant und erbringen auch unter Hitzestress gute Klimaleistungen. Allerdings sind bei der Robinie die invasiven Eigenschaften zu berücksichtigen: Sie breitet sich über Wurzelausläufer und Samen aggressiv aus und ist in naturnahen Lagen problematisch. In versiegelungsdominierten Kleingärten ohne Anschluss an naturnahe Flächen ist dieses Risiko geringer, aber nicht zu ignorieren.

Folgende Kriterien sollten bei der Artenwahl für Klimabäume in kleinen Gärten systematisch geprüft werden:

  • Maximale Wuchshöhe und Kronenbreite im Alter (nicht nur im Jungwuchs)
  • Trockenheits- und Hitzetoleranz, belegt durch Erfahrungswerte oder Prüfprogramme wie das Forschungsprojekt „Stadtgrün 2021“
  • Toleranz gegenüber Bodenverdichtung, Staunässe und urbanen Schadstoffen
  • Ökologischer Wert für Insekten, Vögel und andere Tiergruppen
  • Schnittverträglichkeit und Möglichkeit zur langfristigen Größenkontrolle
  • Abstandsanforderungen gegenüber Gebäuden, Leitungen und Grundstücksgrenzen nach Nachbarschaftsrecht
  • Allergenpotenzial des Pollens, relevant für Hausgärten mit empfindlichen Nutzern

Pflanzplanung: Abstände, Pflanzgrube, Substrat und Einbindung

Die Pflanzplanung für Klimabäume in kleinen Gärten folgt fachlichen Standards, die in der Praxis häufig unterschätzt werden. Die FLL-Empfehlungen für Baumpflanzungen (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung Landschaftsbau) sowie die ZTV-Baumpflege (Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen für Baumpflege) geben Mindeststandards für Pflanzgrubengröße, Substratqualität und Anwachspflege vor. Diese Standards sind nicht für Privatgärten verbindlich, aber fachlich unbedingt empfehlenswert, weil sie auf umfangreicher Praxiserfahrung beruhen.

Die Pflanzgrube sollte mindestens das Dreifache des Ballendurchmessers in der Breite und das Eineinhalbfache in der Tiefe aufweisen. Wichtiger als die Grubengröße ist jedoch die Qualität des Bodens im Umfeld der Grube: Eine große Pflanzgrube mit gutem Substrat, umgeben von hartem, verdichtetem Boden, bringt wenig, weil die Wurzeln früher oder später auf das schlechte Umgebungssubstrat treffen und in ihrer Ausdehnung gehemmt werden. In kleinen Gärten mit schlechtem Bodenaufbau ist daher eine großflächige Bodenverbesserung oder der Einsatz von Baumsubstraten nach FLL-Richtlinie sinnvoller als eine punktuelle Pflanzgrube.

Der Pflanzabstand zu Gebäuden, Mauern und Leitungen ist rechtlich und fachlich bindend. Die landesrechtlichen Nachbarschaftsgesetze schreiben Mindestabstände vor, die je nach Bundesland und Baumgröße variieren. Fachlich empfehlen Planer für mittelgroße Bäume einen Mindestabstand von drei bis vier Metern zur Gebäudeaußenwand, um Schäden durch Wurzeldruck an Fundamenten und Leitungen zu vermeiden. Bei Bäumen mit aggressivem Flachwurzelsystem, wie Pappeln oder bestimmten Weidensorten, sind größere Abstände geboten. Für Klimabäume in kleinen Gärten sind Arten mit tiefgehendem oder kompaktem Wurzelsystem daher bevorzugt einzusetzen.

Die Pflanzzeit beeinflusst den Anwachserfolg erheblich. Containerware kann grundsätzlich ganzjährig gepflanzt werden, sofern Frost und extreme Hitze vermieden werden. Ballenpflanzen und wurzelnackte Ware werden traditionell im Herbst oder im zeitigen Frühjahr gepflanzt, wenn die Verdunstungsansprüche der Pflanze gering sind. Für Klimabäume in kleinen Gärten, die oft auf trockenen, schnell aufheizenden Standorten stehen, ist eine Herbstpflanzung häufig vorteilhaft, weil der Baum vor dem ersten Sommer bereits eine gewisse Wurzelverankerung aufbauen kann.

Anwachspflege, Bewässerung und langfristiges Baummanagement

Die Anwachsphase eines Baumes, die je nach Art und Standort zwei bis fünf Jahre dauern kann, ist die kritischste Phase für die spätere Klimaleistung. Ein Baum, der in den ersten Jahren durch Trockenstress geschwächt wird, entwickelt ein eingeschränktes Wurzelsystem und bleibt dauerhaft anfälliger für Hitze, Trockenheit und Schädlingsbefall. Die Bewässerung in der Anwachsphase ist deshalb keine optionale Pflegemaßnahme, sondern eine Investitionsabsicherung.

Für die Bewässerung von Klimabäumen in kleinen Gärten gilt das Prinzip: selten, aber tiefgründig. Häufiges, oberflächliches Gießen fördert ein flaches Wurzelsystem, das den Baum langfristig anfälliger für Trockenstress macht. Tiefgründiges Wässern, also das langsame Einbringen größerer Wassermengen in den Wurzelbereich, fördert die Tiefenwurzelung und damit die Trockenheitstoleranz. Bewässerungssäcke, die langsam über mehrere Stunden Wasser abgeben, haben sich als praktisches Hilfsmittel für die Anwachspflege bewährt. Eine Mulchschicht aus Rindenmulch oder Holzhäcksel von zehn bis fünfzehn Zentimetern Stärke auf der Baumscheibe reduziert die Bodenverdunstung erheblich und hält die Bodentemperatur stabiler.

Nach der Anwachsphase benötigen gut gewählte Klimabäume in kleinen Gärten in der Regel keine regelmäßige Bewässerung mehr, sofern der Standort artgerecht ist. Ausnahmen bilden extreme Trockensommer, in denen auch etablierte Bäume von einer Zusatzbewässerung profitieren. Kronenpflegeschnitte sollten von qualifizierten Baumpflegern nach den Regeln der ZTV-Baumpflege durchgeführt werden. Topping, also das pauschale Kappen von Kronenteilen, ist fachlich abzulehnen: Es schwächt den Baum, fördert Fäulnis und reduziert die Klimaleistung dauerhaft.

Langfristig ist das Baummanagement in kleinen Gärten eine Frage der Verhältnismäßigkeit. Ein Baum, der seinen Standort dauerhaft überfordert, also Leitungen beschädigt, Fundamente gefährdet oder die Nachbarschaft durch Wurzelausbreitung beeinträchtigt, verliert seinen Wert als Klimaelement. Regelmäßige Kontrollen der Baumvitalität, der Standsicherheit und der Wurzelentwicklung gehören deshalb zum professionellen Umgang mit Klimabäumen, auch im privaten Kleingarten.

Typische Planungsfehler und wie sie sich vermeiden lassen

Der häufigste Fehler bei der Planung von Klimabäumen für kleine Gärten ist die Unterschätzung der Endgröße. Viele Baumarten, die im Handel als „kleinbleibend“ oder „kompakt“ angeboten werden, erreichen im Alter Dimensionen, die für beengte Verhältnisse nicht mehr geeignet sind. Die Angaben in Katalogen beziehen sich oft auf den Wuchs nach zehn Jahren, nicht auf die Endgröße nach dreißig oder fünfzig Jahren. Fachleute empfehlen, grundsätzlich die Angaben zur maximalen Wuchshöhe und Kronenbreite aus botanischen Referenzwerken heranzuziehen und nicht aus Handelskatalogen.

Ein weiterer verbreiteter Fehler ist die Pflanzung ohne ausreichende Standortanalyse. Bäume, die auf verdichteten, nährstoffarmen oder chemisch belasteten Böden gepflanzt werden, ohne dass der Boden vorbereitet oder verbessert wurde, entwickeln sich schlecht und erbringen keine nennenswerte Klimaleistung. Die Kosten einer Bodenverbesserung vor der Pflanzung sind gering im Vergleich zu den Kosten einer späteren Nachpflanzung nach Baumverlust.

Schließlich wird die Bedeutung der Anwachspflege regelmäßig unterschätzt. Bäume, die nach der Pflanzung sich selbst überlassen werden, ohne Bewässerung, ohne Mulchung und ohne Kontrolle des Anwuchserfolgs, sterben in trockenen Sommern häufig ab oder entwickeln dauerhaft eingeschränkte Vitalität. Die Investition in einen Klimabaum zahlt sich nur aus, wenn die Anwachsphase professionell begleitet wird.

Klimabäume im kleinen Garten als Teil der grünen Infrastruktur

Klimabäume für kleine Gärten sind mehr als eine ästhetische oder individuelle Entscheidung. Sie sind Teil eines stadtweiten Netzwerks grüner Infrastruktur, das in seiner Gesamtheit die Resilienz urbaner Räume gegenüber Hitzeereignissen, Starkregen und Biodiversitätsverlust stärkt. Jeder einzelne Baum in einem Kleingarten, einem Innenhof oder einem Vorgarten trägt zu diesem Netzwerk bei, indem er Verdunstungskühlung erzeugt, Regenwasser zurückhält, Kohlenstoff bindet und Lebensraum bereitstellt.

Die Summe vieler gut geplanter, vital wachsender Klimabäume in kleinen Gärten kann auf Quartiersebene messbare Effekte auf die Oberflächentemperatur und das Lokalklima haben. Kommunale Förderprogramme für Baumpflanzungen auf Privatgrundstücken, wie sie in verschiedenen deutschen Städten existieren, erkennen diesen Zusammenhang an und versuchen, private Eigentümer zur Pflanzung klimaresistenter Bäume zu motivieren. Für Landschaftsarchitekten und Freiraumplaner ergibt sich daraus die Aufgabe, auch im kleinen Maßstab mit derselben Sorgfalt zu planen wie im öffentlichen Raum, weil die kumulativen Effekte erheblich sind.

Die Auswahl, der Standort und die Pflanzplanung von Klimabäumen für kleine Gärten sind keine Routineaufgabe, sondern eine Fachaufgabe, die Kenntnisse in Baumsortimentskunde, Standortökologie, Bodenphysik und Planungsrecht erfordert. Wer diese Dimensionen konsequent berücksichtigt, schafft nicht nur einen schöneren Garten, sondern einen dauerhaft wirksamen Beitrag zur klimaresilienten Stadt.

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Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Eine Seilbahn schwebt über die Gärten der Welt in Berlin. (Foto: Thomas Rosenthal)

Auf kleinstem Raum lassen sich in Berlin-Marzahn die unterschiedlichsten Ansätze der Landschafts- und Gartenarchitektur studieren. Denn die Anlage Gärten der Welt vereint neben klassischen Tourist*innenattraktionen wie eine Seilbahn, Aussichtspunkte und einer Arena für Veranstaltungen noch mehr – nämlich Gartenkunst. Und zwar aus allen Herren Ländern und Kulturen. In verschiedenen Themengärten und Gartenkabinetten können Besucher*innen entsprechend Ansätze und Gestaltungen aus aller Welt betrachten. Hier erfahren Sie, welche Gärten der Welt Ihnen geboten werden.

Gärten der Welt präsentieren internationale Gartenkunst

Früher noch als “Erholungspark Marzahn” bekannt, wurde das Areal an der Ecke Eisenacher Straße und Blumberger Damm anlässlich der IGA 2017 erweitert und umgebaut. Insgesamt 43 Hektar Fläche belegt das Gelände, das heute den Namen “Gärten der Welt” trägt, seitdem.

Die Gärten der Welt bestechen mit vielen Attraktionen für Groß und Klein. Dabei kommen Gartenkunstenthusiast*innen genauso auf ihre Kosten wie Familien mit Kindern und Tourist*innen. So bietet der Park seit dem Umbau zur IGA 2017 inzwischen neun internationale Gartenkabinette, die traditionelle Techniken der Gartengestaltung präsentieren, elf Themengärten, und eine Arena für Veranstaltungen. Dazu kommen Spielplätze, ein Irrgarten und eine Seilbahn, die die Bezirke Marzahn und Hellersdorf miteinander verbinden.

Der Fokus  des Parks liegt aber – wie der Name schon verrät – auf den “Gärten der Welt”. Die Gartenkabinette und Themengärten erlauben es den Besucher*innen dementsprechend, Einblicke in die Gartenkunst verschiedener Kontinente, Epochen und Kulturkreisen zu erhalten. Welche internationalen Gärten im Park zu besichtigen sind, haben wir hier für Sie zusammengefasst.

Die Gärten der Welt – Übersicht

Chinesischer Garten

Als erster Garten der Welt entstand in den 1990er-Jahren der Chinesische Garten. Mit dem “Garten des wiedergewonnenen Mondes” wurde 1994 der größte Chinesische Garten Europas in Berlin erschaffen. Seine Planung begann 1994 im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Peking und Berlin als klassischer chinesischer Gelehrtengarten. Die Idee dahinter war auch, die Jahrtausende alte chinesische Gartenkunst in die Gegenwart zu übersetzen. 

Im Zentrum des Gartens sitzt der “Spiegel des Himmels”, ein 4 500 Quadratmeter großer See, an dessen Ufer sich ein Teehaus chinesischer Architektur mit der typisch geschwungenen und spektakulär auskragenden Dachkonstruktion befindet. Als charakteristische Bepflanzung kommen im Garten des wiedergewonnenen Mondes beispielsweise Magnolien, Chrysanthemen oder Bambus zum Einsatz. Übrigens: Der Mond im Namen steht sinnbildlich für die Wiedervereinigung des einst geteilten Berlins.

Größe: 27 000 Quadratmeter, inklusive 5 000 Quadratmetern Teichfläche
Eröffnung: 15. Oktober 2000
Planung: Klassisches Institut für Gartenarchitektur, Peking

Japanischer Garten

Der “Garten des zusammenfließenden Wassers” entsprang der Städtepartnerschaft zwischen Berlin und Tokio. Basierend darauf soll der Garten die Idee eines harmonischen Miteinanders verkörpern. Darum bestimmt diesen Bereich der Gärten der Welt das Leitmotiv Wasser – es symbolisiert das Zusammenfließen von Kulturen und den Verlauf der Geschichte. 

Im Japanischen Garten findet sich demzufolge ein Wassergarten, aber auch ein Zengarten und ein Garten aus Rasenflächen, in denen insgesamt 300 Augengneissteine verteilt sind. Dazu kommt ein Pavillon – der Chaya – in seiner Mitte. 

Entsprechend der Japanischen Kultur, in der Stille eine besondere Bedeutung zukommt, ist auch der Japanische Garten im Park Die Gärten der Welt ein Ort, an dem Besucher*innen zur Ruhe kommen können. Fun Fact: Die Baustelle für den Japanischen Garten gilt als eine der leisesten in der Geschichte der Gärten der Welt.

Größe: 2 700 Quadratmeter
Eröffnung: 30. April 2003
Planung: Prof. Shunmyo Masuno

Balinesischer Garten

Der “Garten der drei Harmonien” entstand im Rahmen einer Städtepartnerschaft zwischen Jakarta und Berlin. Sein Name bezieht sich auf das balinesische Streben, im Einklang mit sich selbst, dem Umfeld und dem Universum zu leben. Auf diese dreifaltige Harmonie ist der Balinesische Garten ausgerichtet.

Dabei handelt es sich auch um den einzigen Garten in den Gärten der Welt, der gänzlich in einer Tropenhalle untergebracht ist. Eine Wohn- und Tempelanlage, in der auch die Berliner Bali-Gemeinde ihre Religion aktiv ausübt, bildet das zentrale Element des Gartens. Dahinter erstreckt sich zudem ein an einen balinesischen Tropenwald angelehnter Garten mit Reisterrassen und Pflanzen wie Schraubenbäumen, Hibiskus, Gardenien, Farnen, Orchideen und den duftgewaltigen Frangipani.

Größe: 2000 Quadratmeter in Leichtbauhalle
Eröffnung: 18. Dezember 2003
Planung: Putu Edy Semara

Orientalischer Garten

Der “Garten der vier Ströme” wurde nach den Gestaltungsprinzipien der traditionellen orientalisch-islamischen Gartenkultur entworfen. Daher verbirgt er sich einer vier Meter hohen Mauer. Damit spielt er mit dem Mythos des Gartens als verborgene Oase. Außerdem hilft die Abgrenzung dabei, das spezielle Klima im Garten aufrecht erhalten zu können.

In der Gartenanlage finden sich typisch orientalische Arkadengänge mit Ornamenten und Mosaiken. Dazu kommt ein viergeteilter Gartenhof mit einem Brunnen in der Mitte. Im Garten befinden sich Zier- und Nutzpflanzen: Granatäpfel, Oliven und Palmen, aber auch Flieder, Oleander und Magnolien.

Größe: 6 100 Quadratmeter
Eröffnung: 7. Juli 2005
Planung: Kamel Louafi, Prof. Mohammed El Faiz

Hier finden Sie weitere Projekte des Garten- und Landschaftsarchitekten Kamel Louafi.

Koreanischer Garten

Der “Seouler Garten” war ein Geschenk der Südkoreanischen Hauptstadt an Berlin. Er entstand nach einem Berlin-Besuch des Oberbürgermeisters von Seoul und war dafür gedacht, die Beziehungen zwischen den Städten zu vertiefen. 

Die Gestaltung des Koreanischen Gartens ist geprägt von Buddhismus, den Lehren von Konfuzius und dem volkstümlichen schamanischen Glauben. Dazu gehört auch das Gleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen Kräften in der Natur. Beide werden im Garten mehrfach repräsentiert.

Im Koreanischen Garten finden sich zahlreiche Totempfähle und abstrakte Holzfiguren, die der schamanischen Kulturgeschichte Koreas entspringen. Geplant wurde er von koreanischen Gartenarchitek*innen, die eine koreanische Felslandschaft mit den typischen Kiefern, Fächerahornen, Eichen und Bambussen erschufen. Zentrales Bauwerk ist der “Kye Zeong” (Pavillon am Wasser), in dem sich typisch koreanische Wohnräume besichtigen lassen.

Größe: 4 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. März 2006
Planung: Samsung Everland Inc., Seoul

Irrgarten und Pflasterlabyrinth

Zur Gartenkultur gehören selbstverständlich auch Irrgärten, die ihren Ursprung in der Renaissance haben. Die Irrgartenanlage des britischen Königsschlosses Hampton Court war Vorbild für die Anlage in den Gärten der Welt. Diese wurde mit einer zwei Meter hohen Eibenhecke, bestehend aus über 1 200 Pflanzen, angelegt. Der Weg in das Zentrum des Pflasterlabyrinths dauert etwa zehn Minuten. Dort findet sich auch ein Aussichtsturm, der einen Überblick über das Labyrinth erlaubt.

Zusätzlich zum 3D-Irrgarten gibt es in den Gärten der Welt auch ein zweidimensionales Labyrinth aus Pflastersteinen. Hellgraue Steine markieren den Weg zur Mitte. Insgesamt 11 Umgänge, 28 Kehre und ebenfalls zehn Minuten führen zu dessen Mitte.

Größe: Heckenirrgarten: 2 000 Quadratmeter, Pflasterlabyrinth: 340 Quadratmeter
Eröffnung: 22. Juni 2007
Planung: gruppe F Landschaftsarchitekten, Berlin

Karl-Foerster-Staudengarten

Das 1957 erschienene Buch “Einzug der Gräser und Farne in die Gärten” von Karl Foerster war Inspirationsquelle für diesen Teil der Gärten der Welt.  Der Gärtner, Züchter und Gartenphilosoph prägte die deutsche und die internationale Gartenkultur nachhaltig – einerseits mit seinen Schriften, aber andererseits auch mit der Einführung von Wild- und Kulturstauden.

Stauden sind es deshalb auch, die den Karl-Foerster-Staudengarten dominieren. Zwischen streng geschnittenen Buchsbaumhecken finden sich geometrisch formal angelegte Beete mit Prachtstauden, die von landschaftlich geprägten Teilen des Gartens kontrastiert werden. So spielen anspruchsvolle Pflanzungen und frei gestaltete Naturgärten zusammen.

Abgesehen von einer Pergola befindet sich im Karl-Foerster-Staudengarten im Gegensatz zu den anderen Bereichen in den Gärten der Welt keinen architektonischen Strukturen. Die Farbe der Pergola – blau – geht übrigens auf eine Erwähnung in einem von Foersters Büchern zurück. Dort beschreibt er einen Blauton, den die Gartengestalter*innen in mühseliger Arbeit zu reproduzieren versuchten.

Größe: 3 600 Quadratmeter
Eröffnung: 9. Mai 1987, Neueröffnung am 9. März 2008
Planung: Dr. Johannes Schwarzkopf, Christian Meyer

Italienischer Renaissancegarten

Der “Giardino della Bobolina” ist ein Renaissancegarten, der sich stilistisch an der toskanischen Villengärten des 16. Jahrhunderts orientiert. Er ist der einzige Garten im Ensemble, der eine Epoche widerspiegelt und keine Stilrichtung.

Er basiert auf einer Vierteilung, die sich durch die gesamte Gestaltung zieht. Eine Loggia im ersten, in sich geschlossenen Gartenraum, ist Konzertveranstaltungsort. Von der Loggia aus, gelangen Besucher*innen in den viertgeteilten Hauptgarten mit einem Brunnen in der Mitte.

Eine originale Bobolina-Statue aus dem 16. Jahrhundert befindet sich ebenfalls, eingebettet in Hecken aus Buchs und Eibe, im Zentrum des Gartens. Gestalterische Elemente des Gartens, wie Säulen oder Treppen sind aus hellgrauem Sandstein. Eine Besonderheit ist zudem der “Giardino segreto”, der geheime Garten, den man über eine schmale Natursteintreppe betritt.

Größe: 3 000 Quadratmeter
Eröffnung: 31. Mai 2008
Planung: Levin Monsigny Landschaftsarchitekten, Berlin

Christlicher Garten

Der Christliche Garten ergänzt die Gärten der Welt seit 2011. Er ist dem Kreuzgang eines typischen mittelalterlichen Klostergartens nachempfunden. Den Namen “Raum der Sprache und des Wortes” ist aber vor allem maßgeblich geprägt von einer speziellen Installation. Sie zeigt modern gestaltete Texte aus der Bibel sowie Zitate aus Philosophie und Kultur. Die Texte reflektieren die Beziehung zwischen Mensch und Natur. Außerdem unterstreichen sie den Garten als Sinnbild des christlichen Lebens.

Die Installation besteht aus goldlackierte Metallbuchstaben, die Passagen aus dem Alten und Neuen Testament zitieren. Die daraus entstehenden transparenten Wände bilden den Wandelgang eines Klosters nach. In der Mitte des quadratischen Gartens befindet sich zudem ein Wasserspiel. Dieses steht einerseits für die Quelle des Lebens und andererseits für die verschiedenen Bedeutungen von Wasser im Christentum.

Größe: 1 000 Quadratmeter
Eröffnung: 29. April 2011
Planung: relais Landschaftsarchitekten, Berlin

Englischer Landschaftsgarten

Der Englische Landschaftsgarten darf in den Gärten der Welt natürlich nicht fehlen. Die ersten Parks, die diese Stilrichtung prägten, entstanden schließlich bereits im 18. Jahrhundert. Sie basierten auf der idyllischen Wildnis der Landschaftsmalerei und wichen von den bis anhin verbreiterten strengen Geometrischen Formen ab.

Gärten der Welt – weitere Attraktionen

Im Englischen Garten befindet sich ein typisches englisches Landhaus mit Reeteindeckung, dass von einem Gemüsegarten, Wiesen, Staudenbeeten, einem Rosengarten und Obstbäumen umgeben ist. Er entstand im Rahmen einer Stadtpartnerschaft mit dem englischen Halton und wurde im Rahmen der IGA Berlin 20217 eröffnet.

Das Englische Cottage in der Mitte der Anlage serviert übrigens selbstverständlich eine klassisch Englische Tea Time mit Earl Grey Tee, Gurkensandwiches und Scones.

Größe: 6 000 Quadratmeter
Eröffnung: 19. April 2017
Planung: Austin-Smith:Lord, Manchester

Jüdischer Garten

Der neuste Zugang zu den Gärten der Welt ist der Jüdische Garten, der erst 2021 Eröffnung feierte. In Blickweite zum christlichen Garten entstand seit Ende 2019 ein Themengarten rund um die jüdische Interpretation von Landschaftsarchitektur. Obwohl er als landschaftsarchitektonischer und künstlerischer Beitrag die Darstellung einer Weltreligion bezweckt, verzichtet er bewusst auf die Zurschaustellung von religiösen Schriften und Symbolen.

Stattdessen fokussiert der Jüdische Garten auf Pflanzen und Gewächse mit engem Bezug zur jüdischen Kultur, wie etwa Feigen, Mandeln, Kastanien oder Ulmen. Diese sind bekannt aus Schriften jüdischer und dem Judentum nahestehenden Autor*innen. Das Wegenetz, das durch die Anlage führt, gliedert den Garten, symbolisiert aber auch die Jüdische Diaspora, die über die Welt verstreut ist. Im Garten finden sich zudem gleich zwei skulpturale Pavillons, die einerseits Ruhe, andererseits aber auch Austausch fördern wollen. Darin sind etwa auch Veranstaltungen zur jüdischen Kultur geplant.

Die Allianz Umweltsstiftung, die bereits den Orientalischen Garten und den Christlichen Garten unterstützte, hatte den Jüdischen Garten initiiert. Mehr zu diesem Garten in den Gärten der Welt lesen Sie außerdem hier: Jüdischer Garten.

Fläche: etwa 2 000 Quadratmeter
Eröffnung: 2021
Planung: Manfred Pernice (Bildhauer), Wilfried Kuehn (Architekt) und atelier le balto Landschaftsarchitekten, Berlin

Zusätzlich zu den elf Themengärten gibt es in den Gärten der Welt zahlreiche weitere Attraktionen. Dazu gehört etwa ein Tagungszentrum mit biodiversem Gründach (mehr zum Thema Dachbegrünung finden Sie hier). Außerdem eine Arena, die insgesamt 5 000 Besucher*innen Platz bietet und einem Amphitheater nachempfunden ist. Mit der Seilbahn kann man zudem vom Kienberg über das Wuhletal direkt in die Gärten der Welt schweben und einen spektakulären Ausblick geniessen. Des Weiteren entstand im Rahmen der IGA 2017 im Übrigen auch der Wolkenhain, ein Aussichtsturm, der wie organisch gewachsen aussieht – selbstverständlich barrierefrei zugänglich.

Mehr Informationen zu den Gärten der Welt finden Sie hier.

Für Sie vielleicht auch interessant: Welche Bedeutung hat der Garten im 21. Jahrhundert?

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