Tiflis transformiert Industrieareale zu klimaneutralen Kreativquartieren

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Stadtansicht mit viel Verkehr und modernen Hochhäusern in der Innenstadt, fotografiert von Bin White

Tiflis wagt, was viele europäische Städte sich nicht einmal zu träumen erlauben: Die georgische Hauptstadt transformiert ihre verwaisten Industrieareale zu klimaneutralen Kreativquartieren und inszeniert damit den Prototyp für zukunftsfähige Stadtentwicklung. Zwischen sowjetischer Vergangenheit, ambitionierten Klimazielen und urbanem Erfindergeist entstehen hier urbane Laboratorien, die deutsche, österreichische und schweizerische Planer gleichermaßen inspirieren und provozieren dürften.

  • Einführung in die Transformation von Industriearealen in Tiflis: Ausgangslage, Motivation, Akteure
  • Analyse der stadtplanerischen, architektonischen und sozialen Herausforderungen und Chancen
  • Detaillierte Einblicke in klimaneutrale Strategien und nachhaltige Quartiersentwicklung
  • Vorstellung konkreter Projekte: Fabrika, Stamba District, Vake Creative Hub und weitere
  • Beteiligung der lokalen Kreativszene und internationale Partnerschaften
  • Technische Innovationen: Energie, Mobilität, Materialkreisläufe, Digitalisierung
  • Governance, Finanzierung und rechtlicher Rahmen im georgischen Kontext
  • Lessons Learned für deutschsprachige Städte: Übertragbarkeit, Stolpersteine, Potenziale
  • Ausblick auf die Rolle solcher Quartiere für die urbane Transformation in Europa

Industrieareale in Tiflis: Ausgangspunkt für urbane Experimente

Wer heute durch Tiflis spaziert, entdeckt zwischen den Hügeln der Altstadt, den sowjetischen Plattenbauten und den neuen Glasfassaden Relikte einer industriellen Vergangenheit, die längst aus vielen westeuropäischen Städten verschwunden ist. Rostige Hallen, verwaiste Textilfabriken, stillgelegte Bahnhöfe – jahrzehntelang galten sie als Schandflecke oder bestenfalls als billige Lagerflächen. Doch spätestens mit dem Anbruch der 2020er Jahre hat sich der Blick radikal gewandelt. Die immense Wohnungsnot, die Nachfrage nach urbaner Lebensqualität und die Notwendigkeit, klimaneutrale Stadtstrukturen zu schaffen, haben die Industrieareale plötzlich zum begehrten Experimentierfeld gemacht.

Die treibende Kraft hinter dieser Transformation ist eine ungewöhnliche Allianz aus jungen georgischen Unternehmern, internationalen Investoren, lokalen Architekturbüros und einer wachsenden Kreativszene. Für viele von ihnen ist die Stadt nicht nur Wohn- und Arbeitsraum, sondern ein gemeinsames Labor für urbane Innovation. Ihre Motivation ist vielschichtig: Von der Rückgewinnung von Identität über die Schaffung von Arbeitsplätzen bis zur Entwicklung nachhaltiger Lebensstile reicht das Spektrum. Besonders bemerkenswert ist, dass Tiflis dabei weitgehend ohne die Flut europäischer Fördergelder auskommen muss – hier dominieren Eigeninitiative, Risikobereitschaft und Pragmatismus.

Die Stadtverwaltung von Tiflis spielt in diesem Prozess eine interessante Doppelrolle: Einerseits profitiert sie von den Investitionen und dem Imagegewinn, andererseits steht sie vor der Herausforderung, rechtliche Rahmenbedingungen zu schaffen, die genug Flexibilität für kreative Prozesse lassen, aber dennoch Planungssicherheit bieten. Gerade im georgischen Kontext, wo Eigentumsverhältnisse oft diffus und Partizipationsverfahren noch in den Kinderschuhen stecken, ist das ein urbanes Hochseil ohne Netz.

Ein weiteres Charakteristikum der georgischen Herangehensweise ist die Geschwindigkeit. Während vergleichbare Projekte in Deutschland oder Österreich Jahre der Vorplanung, Bürgerbeteiligung und Gutachten benötigen, entstehen in Tiflis innerhalb von wenigen Jahren völlig neue Quartiere. Diese Geschwindigkeit ist einerseits faszinierend, andererseits birgt sie Risiken, insbesondere in Bezug auf soziale Gentrifizierung und langfristige ökologische Tragfähigkeit. Doch sie zeigt auch, was möglich ist, wenn urbane Transformation als gemeinsames Abenteuer verstanden wird.

In der Summe eröffnen die Industrieareale von Tiflis einen beispiellosen Experimentierraum für die Verbindung von Stadtgeschichte, Klimaschutz und kreativem Unternehmertum. Es ist ein Testfeld für all jene, die nicht nur über nachhaltige Quartiere reden, sondern sie tatsächlich bauen wollen – mit allen Erfolgen, Widersprüchen und Kompromissen, die urbane Innovation mit sich bringt.

Klimaneutralität als Leitbild: Nachhaltige Quartiersentwicklung in der Praxis

Die Klimaneutralität ist in Tiflis nicht bloß ein Feigenblatt im Exposé, sondern handfeste Richtschnur für die Umgestaltung der Industrieareale. Im Unterschied zu vielen europäischen Städten, in denen Klimaziele häufig in langwierigen Strategiepapieren versanden, setzen die Macher in Tiflis von Beginn an auf harte Fakten: Energieverbrauch, Emissionen, Materialkreisläufe und Mobilität sind keine Nebensachen, sondern werden bereits in der Konzeptionsphase radikal mitgedacht.

Ein zentraler Ansatzpunkt ist das Prinzip der Kreislaufwirtschaft. Statt Abriss und Neubau setzt man auf die behutsame Sanierung bestehender Bausubstanz. Die alten Fabrikhallen werden entkernt, ihre Strukturen erhalten, innovative Isolationssysteme installiert und Dächer begrünt. Rezyklierte Baumaterialien, lokale Rohstoffe und Low-Tech-Lösungen stehen im Mittelpunkt. Dadurch werden nicht nur graue Emissionen massiv reduziert, sondern auch das historische Flair der Quartiere bewahrt – ein ästhetischer Trumpf, der viele Nutzer anzieht.

Im Bereich Energieversorgung dominieren dezentrale Systeme. Photovoltaikanlagen auf Dächern, Geothermiesonden, Wärmepumpen und innovative Fassadenbegrünungen bilden ein fein abgestimmtes Ensemble. Die Überschüsse aus Solarstromanlagen werden in Batteriespeichern gesammelt oder gemeinschaftlich genutzt. Strom- und Wärmenetze werden so konzipiert, dass sie flexibel auf den Nutzerbedarf reagieren und perspektivisch auch E-Mobilität abdecken. Besonders spannend ist die Integration digitaler Energiemanagementsysteme, die den Verbrauch in Echtzeit erfassen und steuern – Technik, die in Mitteleuropa oft noch im Pilotstadium ist.

Die Mobilitätskonzepte der neuen Quartiere setzen konsequent auf Fuß- und Radverkehr. Die alten Werksstraßen werden zu grünen Promenaden umgebaut, Carsharing-Angebote und E-Scooter-Docks ersetzen den klassischen Parkplatz. Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr wird durch Shuttles, neue Buslinien und digitale Mobilitätsplattformen forciert. Besonders mutig: In einigen Projekten wurde der motorisierte Individualverkehr nahezu vollständig aus dem Quartier verbannt, was zu einer bisher unbekannten Aufenthaltsqualität führt.

Schließlich werden die Quartiere als urbane Ökosysteme verstanden. Extensive Dachgärten, vertikale Begrünung, offene Wasserflächen und schattenspendende Baumgruppen verbessern das Mikroklima und kompensieren Hitzeinseln. Regenwasser wird gesammelt, gefiltert und für die Bewässerung genutzt. Biodiversität ist kein Nebeneffekt, sondern erklärtes Ziel – von der Bienenweide bis zum Gemeinschaftsgarten. Damit setzt Tiflis Maßstäbe, die auch in deutschsprachigen Städten Schule machen könnten, wenn Mut und Wille vorhanden sind.

Kreativquartiere als urbane Kraftwerke: Beispiele und Akteure

Das vielleicht bekannteste Beispiel für die Transformation eines Industrieareals in Tiflis ist das legendäre „Fabrika“. Einst eine marode sowjetische Nähfabrik, heute ein pulsierendes Kreativzentrum mit Co-Working-Spaces, Hostels, Ateliers, Bars und Eventflächen. Die Macher von Fabrika haben nicht nur ein Gebäude, sondern ein ganzes Stadtviertel revitalisiert. Hier trifft sich die junge Szene von Tiflis, hier entstehen Start-ups, Kunstausstellungen, Musikfestivals und soziale Projekte. Der Charme von Fabrika liegt nicht zuletzt in seiner Offenheit: Die Schwelle zwischen öffentlichem und privatem Raum ist fließend, die Atmosphäre lädt zum Verweilen, Diskutieren und Experimentieren ein.

Ein weiteres Vorzeigeprojekt ist der Stamba District. Die ehemalige Druckerei wurde in ein Hyper-Mixed-Use-Quartier verwandelt, das Hotellerie, Gastronomie, Galerien, Start-ups und urbane Landwirtschaft miteinander kombiniert. Besonders bemerkenswert ist hier die Integration von Hightech und Handwerk: Im Stamba District werden innovative Gebäudetechnologien mit traditioneller Baukunst verbunden, digitale Netzwerke fördern die Kollaboration zwischen internationalen und lokalen Akteuren. Die Vision: ein Quartier, das wirtschaftliche, soziale und ökologische Wertschöpfung in Einklang bringt.

Aber auch kleinere Projekte wie der Vake Creative Hub oder die Sanierung der alten Elektrofabrik im Stadtteil Didube setzen neue Maßstäbe. Oft sind es lokale Architekturbüros, die mit viel Gespür für Materialität, Lichtführung und räumliche Flexibilität arbeiten. Unterstützt werden sie von einer engagierten Szene aus Designern, Künstlern und Sozialunternehmern, die die Quartiere mit Inhalten füllen. Bemerkenswert ist die Offenheit für internationale Partnerschaften: Zahlreiche Programme bringen Experten aus Deutschland, Frankreich, den Niederlanden und Skandinavien nach Tiflis, um gemeinsam neue Lösungen zu entwickeln.

Die Finanzierung der Projekte ist so kreativ wie die Nutzungskonzepte selbst. Neben klassischen Investoren und öffentlichen Geldern spielen Crowdfunding, Stiftungen und Social Impact Bonds eine immer größere Rolle. Die Governance ist häufig genossenschaftlich oder in Form von Non-Profit-Organisationen organisiert – ein Modell, das Identifikation und Engagement fördert, aber auch Herausforderungen in Bezug auf Skalierbarkeit und Professionalisierung mit sich bringt.

Insgesamt sind die Kreativquartiere von Tiflis zu urbanen Kraftwerken geworden: Sie produzieren nicht nur kulturelles, sondern auch soziales und ökologisches Kapital. Sie ziehen Talente an, schaffen neue Arbeitsplätze, verbessern das Image der Stadt und setzen Impulse für andere Quartiere. Die Strahlkraft reicht inzwischen weit über Georgien hinaus – europäische Städte schauen zunehmend interessiert und manchmal auch neidisch auf das, was am Kaukasus entsteht.

Governance, Recht und Digitalisierung: Rahmenbedingungen für urbane Transformation

Tiflis zeigt eindrucksvoll, wie flexible Governance-Strukturen urbane Innovation katalysieren können. Im Gegensatz zu den oft schwerfälligen Genehmigungsprozessen in Mitteleuropa setzen die georgischen Akteure auf schlanke Verfahren, informelle Netzwerke und situative Entscheidungen. Die Stadtverwaltung versteht sich nicht als Verhinderer, sondern als Ermöglicher – ein Rollenwechsel, von dem so manche deutsche Bauaufsicht nur träumen kann. Dennoch ist das System keineswegs anarchisch: Es gibt klare Regeln für Denkmalschutz, Umweltschutz und soziale Standards, die jedoch mit Pragmatismus interpretiert werden.

Ein besonderes Augenmerk verdient die rechtliche Handhabung von Eigentum und Nutzungsrechten. Viele Industrieareale in Tiflis waren nach dem Ende der Sowjetunion privatisiert oder blieben im Besitz des Staates. Innovative Modelle wie Erbpacht, Zwischennutzung und shared ownership ermöglichen heute flexible Entwicklungsperspektiven. Damit werden neue Allianzen zwischen Investoren, Nutzern und Kommune möglich, die in Mitteleuropa oft an starren Eigentumsregimen scheitern.

Die Digitalisierung spielt in der Transformation eine Schlüsselrolle. Digitale Zwillinge der Quartiere werden eingesetzt, um Energieflüsse, Nutzerverhalten und Umweltauswirkungen in Echtzeit zu analysieren. Sensoren in Gebäuden und im öffentlichen Raum liefern kontinuierliche Daten, auf deren Basis Betrieb und Entwicklung optimiert werden. Die Quartiere werden zu urbanen Testbeds für Smart-City-Technologien, die in ihrer Offenheit und Experimentierfreude Vorbildcharakter haben. Gleichzeitig wird großer Wert auf Datenschutz und Transparenz gelegt – ein Bewusstsein, das im europäischen Kontext längst nicht selbstverständlich ist.

Auch die Beteiligung der Bevölkerung ist ein zentrales Thema. Zwar sind klassische Bürgerbeteiligungsverfahren in Georgien noch wenig verbreitet, doch digitale Plattformen, partizipative Workshops und offene Veranstaltungen holen die Nutzer ins Boot. Besonders die junge Generation nutzt soziale Medien, um Ideen einzubringen, Missstände anzuprangern oder neue Initiativen zu starten. So entstehen bottom-up Prozesse, die die Quartiere lebendig und anpassungsfähig halten.

Schließlich darf die Rolle der internationalen Kooperation nicht unterschätzt werden. Tiflis profitiert von Partnerschaften mit europäischen Städten, NGOs und Hochschulen. Wissenstransfer, Austauschprogramme und gemeinsame Projekte beschleunigen die Lernkurve und sorgen dafür, dass die Quartiere nicht zu isolierten Inseln werden, sondern Teil einer globalen Bewegung für nachhaltige Stadtentwicklung sind.

Von Tiflis lernen: Impulse für deutschsprachige Städte

Was können Städte wie Berlin, Wien oder Zürich von Tiflis lernen? Zunächst einmal: Mut zur Lücke. Die georgische Hauptstadt zeigt, dass urbane Transformation kein Luxusprojekt für hochsubventionierte Modellquartiere ist, sondern aus der Not heraus und mit begrenzten Ressourcen gelingen kann. Entscheidend ist der Wille, veraltete Strukturen als Chance zu begreifen und Spielräume für Innovation zu öffnen.

Ein zweiter Impuls betrifft die Geschwindigkeit und Flexibilität der Prozesse. Während in Mitteleuropa oft das perfekte Konzept gesucht wird, bevor überhaupt der erste Stein bewegt wird, setzt Tiflis auf iteratives Vorgehen: Starten, ausprobieren, anpassen, skalieren. Fehler werden akzeptiert, als Lernchancen begriffen und offen kommuniziert. Diese Fehlerkultur ist in deutschen Verwaltungen nach wie vor Mangelware.

Drittens zeigt Tiflis, wie wichtig die Verbindung von Klimaschutz, sozialer Innovation und wirtschaftlicher Entwicklung ist. Die Quartiere sind nicht nur energetisch optimiert, sondern schaffen auch sozialen Mehrwert und neue Perspektiven für die lokale Wirtschaft. Sie bieten Raum für Experimente, fördern Diversität und stärken das Gemeinschaftsgefühl – Eigenschaften, die in vielen mitteleuropäischen Stadtvierteln schmerzlich vermisst werden.

Viertens ist die Offenheit für digitale Technologien bemerkenswert. Während viele europäische Städte noch über Datenschutz und Standardisierung diskutieren, werden in Tiflis digitale Zwillinge, Sensorik und Plattformen bereits im Alltag getestet und weiterentwickelt. Die dabei gewonnenen Daten fließen direkt in die Planung und den Betrieb ein – ein Ansatz, der auch im deutschsprachigen Raum enorme Potenziale bietet, solange Transparenz und Kontrolle gewährleistet bleiben.

Last but not least: Der Geist der Kooperation. Die Transformation der Industrieareale gelingt in Tiflis, weil unterschiedlichste Akteure – von Investoren über Kreative bis zur Verwaltung – an einem Strang ziehen. Diese Kultur des Miteinanders, der gegenseitigen Unterstützung und des geteilten Risikos ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor und könnte auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz mehr Beachtung verdienen.

Fazit: Tiflis als Labor für die klimaneutrale Stadt von morgen

Die Transformation der Industrieareale in Tiflis zu klimaneutralen Kreativquartieren ist weit mehr als ein georgisches Phänomen. Sie ist ein urbanes Labor, das zeigt, wie nachhaltige Stadtentwicklung unter realen Bedingungen funktionieren kann – jenseits von Pilotprojekten und Modellquartieren, mitten im rauen Alltag einer wachsenden Metropole. Die Projekte in Tiflis beweisen, dass Klimaneutralität, soziale Innovation und wirtschaftliche Vitalität kein Widerspruch sein müssen, sondern sich gegenseitig befruchten können.

Für deutschsprachige Städte eröffnet der Blick auf Tiflis eine neue Perspektive auf urbane Transformation: Es geht nicht um das perfekte Konzept oder die große Geste, sondern um den Mut zum Experiment, die Bereitschaft zur Kooperation und die Fähigkeit, aus Fehlern zu lernen. Die kreativen Quartiere am Kaukasus sind ein Beweis dafür, dass auch mit begrenzten Ressourcen, unkonventionellen Ansätzen und viel Leidenschaft nachhaltige, lebenswerte Stadtteile entstehen können.

Natürlich sind nicht alle Rezepte eins zu eins übertragbar. Die politischen, rechtlichen und kulturellen Rahmenbedingungen in Georgien unterscheiden sich deutlich von denen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz. Doch die Prinzipien – Offenheit, Pragmatismus, Mut zur Improvisation und radikale Nutzerorientierung – könnten auch in Mitteleuropa frischen Wind in die Quartiersentwicklung bringen.

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Die Zukunft der Stadt entsteht dort, wo alte Strukturen neu gedacht und mit Leben gefüllt werden. Tiflis macht vor, wie aus vergangenen Industriearealen klimaneutrale, kreative und soziale Kraftwerke werden. Wer genau hinschaut, findet in den Straßen von Tiflis nicht nur Inspiration, sondern auch handfeste Werkzeuge für die Transformation der eigenen Stadt.

Die georgische Hauptstadt liefert einen beeindruckenden Beweis dafür, dass die klimaneutrale Stadt keine Utopie ist, sondern eine Frage der Haltung – und des Handelns. Es liegt an den Planern, Architekten und Stadtverwaltungen im deutschsprachigen Raum, aus diesem Labor zu lernen und den nächsten Schritt zu wagen. Denn die Städte von morgen entstehen genau jetzt – und vielleicht ein bisschen nach georgischem Vorbild.

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Am 8. Oktober wird an der Universität EPFL in Lausanne im Rolex Education Centre der diesjährige Topos Landscape Award verliehen. Dies geschieht im Rahmen einer von Archizoom veranstalteten Konferenz zum Thema „The Narrative of Landscape“. Der Schwerpunkt wird auf der Bedeutung des Bodens für die Landschaft liegen, die Betrachtung wird interdisziplinär sein. Zu den eingeladenen Referenten zählen Richard Sennett, Saskia Sassen, Adriaan Geuze und David R. Montgomery. Näheres zum Programm und zur Anmeldung unter http://archizoom-nls.epfl.ch.

Der Topos Landscape Award 2014 geht an die Landschaftsarchitekten von LOLA aus Rotterdam/Niederlande. Das 2006 gegründete Büro beschäftigt sich konzeptionell mit großmaßstäblichen Ökosystemen und entwickelt Ideen zu Raum und Natur, realisiert aber auch Projekte im urbanen und ländlichen Kontext. LOLA begibt sich, nach eigener Darstellung, auf die Suche nach innovativen und sublimen Landschaften (www.lolaweb.nl).
Der Topos Landscape Award wird seit 2002 von der Redaktion der Zeitschrift Topos verliehen. Geehrt wird mit dieser Auszeichnung ein Landschaftsarchitekturbüro, das mit seinen Projekten wesentlich zur qualitätvollen zeitgemäßen Gestaltung von Stadt und Landschaft beiträgt und durch innovative Ideen die Landschaftsarchitektur-Szene bereichert und dessen Werk stellvertretend für die Arbeit zeitgenössischer Landschaftsarchitekten steht. Der Topos Landscape Award will auf die Lebendigkeit und Dynamik sowie auf die Vielschichtigkeit der landschaftsarchitektonischen Aufgaben hinweisen.
Bisher ging die Auszeichnung an Stig L. Anderssons Tegnestue (Kopenhagen), Karres en Brands (Hilversum), Gross.Max. (Edinburgh), McGregor and Coxall (Sydney), Stoss LU (Boston), Antje Stokman (Hamburg), Taktyk (Brüssel/Paris).

2013 wurde, abweichend von den Kriterien, kein junges Büro geehrt, sondern ein erfolgreicher Landschaftsarchitekt mit internationaler Bedeutung: Peter Latz aus Kranzberg bei Freising in Bayern, Deutschland.
Konferenz und Würdigung von LOLA stehen im Kontext zu Lausanne Jardins, deren temporäre Landschaftsinterventionen noch bis 14. Oktober zu besichtigen sind.
http://lausannejardins.ch

Mit freundlicher Unterstützung der Baumschule Lorberg

Bundespreis Koop.Stadt: 5 Fragen

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Mit dem Bundespreis Koop.Stadt schaffen die Träger*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, Bund, Ländern und kommunalen Spitzenverbänden, einen Preis, der herausragende kommunale Beispiele einer Kooperationskultur zwischen Kommune und Zivilgesellschaft ausgezeichnet. Alles was Sie dazu wissen müssen, erfahren Sie im Interview mit den Projektleiter*innen Lisa Schopp und Stephan Willinger.

200 000 Euro Preisgeld für den Bundespreis Koop.Stadt

 

An wen richtet sich der Preis?

Wir suchen Kommunen ab 10 000 Einwohner*innen, die durch ihre Zusammenarbeit mit Stadtmacher*innen zu einer Kooperativen Stadt werden. Planungsbüros, Bürger*innen, Initiativen oder Vereine können Kommunen bei der Bewerbung unterstützen. Die Einreichung der Bewerbung ist jedoch nur durch die Kommune selbst möglich.

Was kann eingereicht werden?

Bewerben können sich die Kommunen mit angestoßenen, laufenden sowie bereits umgesetzten Instrumenten oder Kooperationsprojekten der Stadtentwicklung. Die Auslober*innen suchen konkrete Maßnahmen zur Förderung der Zusammenarbeit und einer aktiven Mitgestaltung durch zivilgesellschaftliche Initiativen, Vereine oder soziokulturelle Akteur*innen. Dazu zählen allgemeine rechtliche, politische und strukturelle Maß­nahmen wie beispielsweise die Einrichtung von runden Tischen, Vermittlerstellen oder Zugang zu Raum für diese Akteur*innen. Aus der Bewerbung soll sich ein Gesamtbild über die Kooperationskultur der Kommune ergeben.

Was ist der Mehrwert der Teilnahme?

Der Preis zeichnet Kommunen für ihre erfolgreiche kooperative Stadtentwicklung aus und trägt auf diese Weise zu Imagegewinn, Motivation und Bindung neuer Kooperationspartner*innen bei. Neben der Auszeichnung selbst und der Einladung zur Preisverleihung im Rahmen des Bundes­kongresses der Nationalen Stadtentwicklungspolitik, der im Mai 2021 in Köln stattfindet, werden die die Preisträger*innen dabei unterstützt, mehr Menschen zu aktiv Handelnden in der Stadtentwicklung zu machen. Die zehn am höchsten bewerteten Bewerber*innen erhalten insgesamt eine Summe von 200 000 Euro Preisgeld zur Umsetzung weiterer Kooperationsprojekte. Die Auszeichnung ist für fünf Jahre gültig. Die eingereichten Best-Practice-Beispiele werden in einer Publikation gesammelt und aufbereitet.

Fachübergreifende Jury

Wie wird bewertet?

Die Jury prämiert Kommunen, die mit klugen Ideen kooperative Stadtentwicklungsprojekte angeschoben und dadurch etwas Neues geschaffen haben. Die Projekte können aus allen Handlungsfeldern kommen, vom Städtebau bis zur Freiraumgestaltung. Bei der Beurteilung werden rechtliche, politische und strukturelle Bausteine der Kooperation beleuchtet. In die Bewertung fließen angestoßene, laufende sowie bereits umgesetzte Instrumente, Leitbilder oder politisch beschlossene Maßnahmen mit ein. Grundsätzlich lässt sich sagen: Je mehr an Kooperation mit verschiedenen Akteurs­gruppen nachgewiesen werden kann und je mehr Handlungsfelder abgedeckt werden, desto besser die Bewertung.

Wie erfolgt die Jurierung?

Nach einer ersten Vorprüfung tritt eine fachübergreifend zusammengesetzte Jury zusammen, die die Beiträge bewertet und die Preisträger*innen auswählt. Die Jury des Bundespreises Kooperative Stadt setzt sich aus den Partner*innen der Nationalen Stadt­entwicklungspolitik zusammen: Ver­treter*innen des Deutschen Städtetags, des Deutschen Städte- und Gemeindebunds und der Länder sowie des Bundesministeriums des Innern, für Bau und Heimat.

Die Bewerbung ist noch bis zum 10. März 2021 unter www.koop-stadt.de möglich.

Lisa Schopp und Stephan Willinger sind Projektleiter*innen der Nationalen Stadtentwicklungspolitik im Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung. Das Projekt Bundespreis Koop.Stadt wird durchgeführt durch das Bundesinstitut für Bau-, Stadt-, und Raumforschung.