Klimawandel, Starkregenereignisse und der Verlust biologischer Vielfalt stellen Städte weltweit vor neue Herausforderungen. Wie innovative Landschaftsarchitektur diesen Entwicklungen begegnen kann, zeigt der neue Klimapark Grønningen-Bispeparken in Kopenhagen eindrucksvoll. Auf einer Fläche von 20.000 Quadratmetern entstand im Stadtteil Nordvest ein öffentlicher Freiraum, der Regenwasser speichert, Biodiversität fördert und gleichzeitig ein lebendiger Treffpunkt für die Nachbarschaft ist.
Das international renommierte dänische Planungsbüro SLA verfolgt dabei einen konsequent naturbasierten Ansatz. Statt die Natur gestalterischen Vorgaben zu unterwerfen, folgt die Gestaltung den natürlichen Prozessen. Das Leitmotiv „Form follows Nature“ prägt jeden Bereich des Parks und macht ihn zu einem Vorzeigeprojekt moderner Klima- und Landschaftsarchitektur.
Vom Problemraum zum klimaresilienten Stadtpark
Die Freiflächen der in den 1950er-Jahren errichteten Wohnsiedlung Grønningen-Bispeparken waren über Jahrzehnte kaum genutzt. Große Rasenflächen ohne Aufenthaltsqualität, fehlende Spielmöglichkeiten sowie eine mangelhafte Regenwasserbewirtschaftung führten dazu, dass sich bei Starkregen regelrechte Wasserströme bildeten. Gleichzeitig boten die monotonen Grünflächen nur wenig Lebensraum für Pflanzen und Tiere.
Die Herausforderung bestand deshalb darin, die Freianlagen nicht nur gegen die Folgen extremer Wetterereignisse zu sichern, sondern gleichzeitig ihre ökologische und soziale Qualität grundlegend zu verbessern.
Schwammstadt-Prinzip konsequent umgesetzt
Herzstück des Projekts ist ein innovatives Regenwassermanagement nach dem Prinzip der Schwammstadt. Insgesamt 18 miteinander verbundene Bioswales – bepflanzte Mulden zur natürlichen Versickerung und Speicherung von Regenwasser – durchziehen den Park.
Diese naturnah gestalteten Retentionsflächen können mehr als 3.000 Kubikmeter Regenwasser aufnehmen, zwischenspeichern und langsam in den Boden ableiten. So wird nicht nur die Kanalisation entlastet, sondern gleichzeitig ein vielfältiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere geschaffen.
Bemerkenswert ist dabei die doppelte Funktion der Bioswales. Sie dienen nicht ausschließlich dem Hochwasserschutz, sondern wurden bewusst als sogenannte „Social Swales“ gestaltet. Wege, Aufenthaltsbereiche und Spielräume integrieren sich harmonisch in die Regenwassermulden und machen sie zu attraktiven Begegnungsorten für die Bewohner.












Fünf Naturräume für Mensch und Biodiversität
Anstelle einer klassischen Parkgestaltung entwickelte SLA fünf unterschiedliche Landschaftstypologien, die jeweils spezifische ökologische und soziale Aufgaben übernehmen.
Die feuchten Bio-Oasen bieten geschützte Lebensräume für Flora und Fauna und stehen ganz im Zeichen der Biodiversität. Kleine trockene Biotope zwischen bestehenden Baumgruppen schaffen intime Rückzugsorte zum Spielen und Entspannen. Großzügige Gemeinschaftswiesen dienen als multifunktionale Flächen für Sport, Nachbarschaftsfeste oder Wochenmärkte. Ergänzt werden sie durch urbane Pocket-Plazas zwischen den Wohngebäuden sowie die sogenannten Bunker Hills, auf denen ehemalige Bunkeranlagen aus dem Kalten Krieg zu neuen Aufenthaltsorten umgestaltet wurden. Im Sommer entstehen hier sonnige Aussichtspunkte, im Winter verwandeln sich die modellierten Hügel in beliebte Rodel- und Spielflächen.
Dieses differenzierte Freiraumsystem schafft ganzjährig nutzbare Räume für unterschiedlichste Altersgruppen und Bedürfnisse.
Ein Weg, der der Natur folgt
Auch das Wegenetz verzichtet bewusst auf klassische Geradlinigkeit. Ein geschwungener Hauptweg aus wasserdurchlässigem Kies und gelben Klinkersteinen verbindet sämtliche Parkbereiche miteinander. Die Farbgebung nimmt Bezug auf die markante Grundtvig-Kirche, die das Stadtbild des Quartiers prägt.
An vielen Stellen scheint der Weg förmlich in der Vegetation zu verschwinden. Statt harter Grenzen entstehen fließende Übergänge zwischen gebautem Raum und Natur. Diese Gestaltung unterstützt nicht nur die ökologische Funktion des Parks, sondern lädt Besucher dazu ein, Landschaft bewusst zu erleben.


Mehr Biodiversität durch heimische Pflanzen
Ein zentrales Ziel des Projekts war die deutliche Steigerung der Artenvielfalt. Dafür wurden 149 neue Bäume aus 23 heimischen Arten gepflanzt. Ergänzend kamen mehr als vier Millionen Samen speziell entwickelter Saatgutmischungen zum Einsatz.
Die vorhandenen historischen Sanddornbestände blieben erhalten und wurden gezielt in die neue Vegetationsstruktur integriert. Ein dynamisches Pflegekonzept sorgt dafür, dass sich bewusst gestaltete Bereiche mit naturnahen Wildflächen abwechseln. So entstehen langfristig stabile Lebensräume für Insekten, Vögel und zahlreiche weitere Tierarten.
Kunst als Bestandteil der Landschaft
Ein besonderes Merkmal des Klimaparks ist die enge Verbindung von Landschaftsarchitektur, Kunst und Bürgerbeteiligung.
Im Auftrag des Dänischen Kunstrats entwickelte die Künstlerin Kerstin Bergendal über vier Jahre hinweg das Beteiligungsprojekt Concerning A Meadow. Gemeinsam mit dem Landschaftsstudio Efterland entstanden skulpturale Holzelemente, die sich selbstverständlich in die Parklandschaft einfügen.
Die Installationen dienen zugleich als Spielobjekte, Bewegungsangebote und Treffpunkte und fördern den informellen Austausch zwischen den Bewohnern.
Nachhaltigkeit bis ins Detail
Auch bei der Materialwahl setzte das Planungsteam konsequent auf Ressourcenschonung. Vorhandene Asphaltwege wurden entfernt und durch wasserdurchlässige Beläge ersetzt. Zahlreiche Baumaterialien stammen aus dem Materialbestand der Stadt Kopenhagen und wurden wiederverwendet oder hochwertig recycelt. Dadurch konnte der CO₂-Fußabdruck des Projekts erheblich reduziert werden.
Der Praxistest bestand bereits wenige Tage nach der Eröffnung
Die Wirksamkeit des Konzepts zeigte sich unmittelbar nach der offiziellen Eröffnung am 31. August 2024. Bereits fünf Tage später traf ein schweres Unwetter die dänische Hauptstadt. Während zahlreiche Straßen und Infrastrukturanlagen überflutet wurden, funktionierte Grønningen-Bispeparken exakt wie geplant.
Das Regenwasser wurde vollständig innerhalb des Parks aufgenommen und gespeichert. Statt Schäden verursachte der Niederschlag eine besonders eindrucksvolle Inszenierung der Landschaft – Wasser wurde nicht als Problem, sondern als gestaltendes Element sichtbar.
Ein internationales Vorbild für klimaresiliente Städte
Mit Grønningen-Bispeparken demonstriert Kopenhagen eindrucksvoll, wie zeitgemäße Landschaftsarchitektur ökologische Funktionen, soziale Aufenthaltsqualität und gestalterische Exzellenz miteinander verbinden kann.
Der Klimapark zeigt, dass urbane Freiräume künftig weit mehr leisten müssen als reine Erholung. Sie werden zu multifunktionalen Infrastrukturen, die Regenwasser speichern, Artenvielfalt fördern, das Mikroklima verbessern und gleichzeitig hochwertige öffentliche Räume schaffen.
Gerade vor dem Hintergrund zunehmender Extremwetterereignisse dürfte dieses Projekt weit über Dänemark hinaus als Referenz für zukünftige Stadtentwicklungen dienen. Grønningen-Bispeparken beweist eindrucksvoll, dass nachhaltige Klimaanpassung nicht mit Verzicht verbunden sein muss – sondern neue, lebenswerte Landschaften entstehen lässt, in denen Natur, Architektur und Gesellschaft gleichermaßen profitieren.
























