Klimawirkungsprognosen in Planungsverfahren integrieren – Modelle und Datenquellen

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Foto einer geschäftigen Stadtstraße mit hohem Verkehrsaufkommen und modernen Hochhäusern von Bin White

Klimawirkungsprognosen in Planungsverfahren zu integrieren, ist kein modisches Extra für besonders ambitionierte Stadtentwickler – sondern längst ein Muss für jede Kommune, die im Klimazeitalter nicht blind herumstochern will. Wer heute noch ohne belastbare Klimadaten plant, riskiert, schon bei der Einweihung von neuen Quartieren von Hitzeinseln, Starkregen oder Dürreschäden überholt zu werden. Doch wie werden Prognosen wirklich praxisrelevant? Welche Modelle sind wissenschaftlich robust? Und wie navigiert man durch den Datendschungel zwischen lokalen Messnetzen, globalen Szenarien und neuen Tools? Willkommen bei der Königsdisziplin urbaner Planung: der klugen, mutigen und transparenten Integration von Klimawirkungsprognosen in Planungsverfahren.

  • Warum Klimawirkungsprognosen für moderne Planungsverfahren unverzichtbar sind
  • Die wichtigsten Modelltypen und ihre Anwendung in der Stadt- und Landschaftsplanung
  • Verfügbare Datenquellen: von lokalen Messungen bis internationalen Klimadaten
  • Herausforderungen: Unsicherheiten, Skalierung, Governance und Akzeptanz
  • Best-Practice-Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum
  • Empfehlungen für eine wirkungsvolle Integration in Planungsprozesse
  • Wechselwirkungen von Prognose, Partizipation und Digitalisierung
  • Fazit: Warum die Zukunft der Planung datenbasiert, klimaresilient und adaptiv gedacht werden muss

Klimawirkungsprognosen: Von der Kür zur Pflicht in der urbanen Planung

Es gibt Themen, bei denen Einigkeit selten herrscht – doch wenn es um die Rolle von Klimawirkungsprognosen in der Stadt- und Landschaftsplanung geht, sind sich Fachleute aus Wissenschaft, Verwaltung und Praxis weitgehend einig: Ohne eine fundierte Einschätzung der zukünftigen klimatischen Entwicklungen ist jede Planung heute hochriskant. Die Gründe dafür liegen auf der Hand. Die Auswirkungen des Klimawandels, seien es zunehmende Hitzewellen, häufigere Starkregenereignisse oder längere Trockenperioden, machen vor Grundstücksgrenzen und Baugenehmigungen nicht halt. Städte und Gemeinden müssen sich heute fragen, wie ihre Quartiere, Parks, Straßen und Infrastruktur in zehn, zwanzig oder fünfzig Jahren auf die Herausforderungen reagieren werden, die der Klimawandel mit sich bringt.

Insbesondere in dicht besiedelten Räumen, in denen Flächenkonkurrenz, Nutzungskonflikte und soziale Ansprüche zusammentreffen, können Fehlannahmen zu gravierenden Fehlplanungen führen. Wer etwa einen neuen Stadtteil ohne Rücksicht auf potenzielle Überflutungsflächen oder zukünftige Hitzehotspots plant, muss spätestens bei der nächsten Extremwetterlage mit teuren Nachbesserungen rechnen. Aber auch im ländlichen Raum sind Klimawirkungsprognosen zentral: Von der Wahl klimaresilienter Baumarten in Parks über den Umgang mit Wasser in der Landwirtschaft bis hin zur Dimensionierung von Regenrückhaltebecken – überall braucht es robuste Vorhersagen.

Doch Prognose ist nicht gleich Prognose. Während sich viele Planungsämter noch immer auf historische Klimadaten und Erfahrungswerte verlassen, fordern neue gesetzliche Vorgaben und Förderprogramme zunehmend den Einsatz von zukunftsorientierten Klimamodellen. Das bedeutet: Daten aus der Vergangenheit werden durch Simulationen der Zukunft ergänzt oder sogar ersetzt. Diese Modelle berücksichtigen nicht nur den Temperaturanstieg, sondern auch die komplexen Wechselwirkungen zwischen Atmosphäre, Boden, Vegetation und urbaner Struktur. Sie liefern damit eine deutlich differenziertere Grundlage für die Entwicklung klimaangepasster und resilienter Städte und Regionen.

Doch die Integration dieser Prognosen in Planungsverfahren ist alles andere als trivial. Es gilt, Unsicherheiten transparent zu machen, Modellannahmen offen zu kommunizieren und die Ergebnisse so aufzubereiten, dass sie sowohl für Planer als auch für politische Entscheider und die Öffentlichkeit nachvollziehbar und handlungsleitend sind. Wer dies ignoriert, läuft Gefahr, mit hochkomplexen Datenmodellen entweder die Entscheidungsfähigkeit zu lähmen oder – schlimmer noch – falsche Sicherheit zu suggerieren.

Die Herausforderung liegt daher nicht nur in der Auswahl des „richtigen“ Modells oder der „besten“ Datenquelle, sondern vor allem in der klugen Verknüpfung von wissenschaftlicher Expertise, lokalen Gegebenheiten und partizipativen Prozessen. Nur so kann aus einer Prognose ein wirksames Werkzeug für zukunftsfähige und lebenswerte Städte werden.

Inzwischen sind Klimawirkungsprognosen nicht mehr bloß ein Werkzeug für die Masterplanung oder das große Stadtentwicklungsprojekt. Sie sind längst Teil des Alltagsgeschäfts in Bauleitplanung, Landschaftsarchitektur und Infrastrukturentwicklung. Die Frage lautet nicht mehr, ob man sie einsetzt, sondern wie konsequent, wie transparent und wie innovativ sie genutzt werden.

Modelle in der Praxis: Von Globalmodellen bis zur lokalen Mikrosimulation

Der Begriff Klimawirkungsprognose klingt zunächst nach einer Black Box, in die nur Meteorologen oder Klimawissenschaftler hineinschauen dürfen. Doch in Wahrheit gibt es eine ganze Landschaft an Modellen, Tools und Methoden, die speziell für die Anforderungen der Stadt- und Landschaftsplanung entwickelt wurden. Der Einstieg beginnt meist auf globaler Ebene mit den sogenannten Globalen Klimamodellen, kurz GCMs. Diese erfassen die komplexen Wechselwirkungen von Atmosphäre, Ozeanen und terrestrischen Ökosystemen auf einem sehr groben Raster – oft mit Zellgrößen von mehreren hundert Kilometern. Für die konkrete Planung eines neuen Wohnquartiers oder die Umgestaltung eines Stadtparks sind diese Daten allerdings zu grob.

Deshalb werden Globalmodelle durch sogenannte Downscaling-Verfahren ergänzt. Hierbei handelt es sich um Methoden, die die groben globalen Daten auf regionale oder sogar lokale Maßstäbe herunterbrechen. In Deutschland hat sich etwa das Regionalmodell REMO etabliert, das speziell für mitteleuropäische Bedingungen entwickelt wurde. Auch das COSMO-CLM-Modell der Helmholtz-Gemeinschaft ist ein häufig genutztes Werkzeug, um regionale Klimaszenarien mit hoher räumlicher Auflösung bereitzustellen.

Doch Planung findet nicht auf Landes- oder Bundesebene statt, sondern im Maßstab von Stadtquartieren, Straßen, Parks und Gebäuden. Hier kommen mikroskalige Modelle ins Spiel, die auf Basis von Geoinformationssystemen (GIS), lokalen Messungen und Sensorik hochaufgelöste Simulationen erstellen. Beispiele sind das Stadtklimamodell PALM-4U oder das ENVI-met-Modell, das die Wechselwirkungen von Bebauung, Vegetation, Oberflächen und Atmosphäre bis auf wenige Meter genau simulieren kann.

Die Wahl des passenden Modells hängt dabei maßgeblich vom Planungskontext, den verfügbaren Daten und den Fragestellungen ab. Während für die großräumige Entwicklung von Siedlungen regionale Modelle ausreichen, braucht es für die Bewertung von Hitzeinseln, Kaltluftströmen oder Verschattungsszenarien hochauflösende Mikromodelle. Besonders spannend wird es, wenn verschiedene Modelltypen miteinander verknüpft werden. So können etwa die Ergebnisse regionaler Klimamodelle als Input für lokale Simulationen dienen – etwa um die Auswirkungen eines bestimmten Emissionsszenarios auf die Hitzebelastung im Stadtkern zu berechnen.

Alle genannten Modelle eint, dass sie mit Unsicherheiten behaftet sind. Klimaprognosen sind keine exakten Vorhersagen, sondern Szenarien, die auf Annahmen über zukünftige Emissionen, Landnutzungsänderungen und gesellschaftliche Entwicklungen beruhen. Daher ist Transparenz über Unsicherheiten und Modellgrenzen essenziell – nicht zuletzt, um die Akzeptanz der Prognosen in der Öffentlichkeit und bei politischen Entscheidern zu sichern.

Die Integration der Modelloutputs in Planungsverfahren erfolgt heute immer häufiger über digitale Plattformen, die es ermöglichen, verschiedene Szenarien interaktiv zu vergleichen, Sensitivitätsanalysen durchzuführen und die Ergebnisse für unterschiedliche Zielgruppen aufzubereiten. Damit wird die Klimawirkungsprognose vom Expertenwerkzeug zum integralen Bestandteil partizipativer Planungskultur.

Datenquellen und Tools: Der Weg vom globalen Szenario zur lokalen Entscheidung

Die Grundlage jeder Klimawirkungsprognose sind valide, aktuelle und möglichst detaillierte Daten. Doch wer sich im Datendschungel der Klimaforschung und Umweltinformatik umsieht, merkt schnell: Es gibt nicht die eine Datenquelle, die alle Fragen beantwortet. Vielmehr ist eine kluge Kombination verschiedener Datenebenen und -formate gefragt. Auf internationaler Ebene liefern Organisationen wie der Weltklimarat (IPCC) oder die Europäische Umweltagentur (EEA) umfassende Klimadaten, Szenarien und Indikatoren, die als Basis für nationale und regionale Modelle dienen.

Für Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen zahlreiche nationale Datenportale zur Verfügung. Das Deutsche Klimarechenzentrum (DKRZ), der Deutsche Wetterdienst (DWD), das Umweltbundesamt (UBA) und das Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG) bieten offene Daten zu Temperatur, Niederschlag, Wind, Strahlung und zahlreichen weiteren Klimavariablen – teils als Rohdaten, teils als aufbereitete Klimaanalysen und Prognosen. In der Schweiz spielen das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie (MeteoSchweiz) und das Bundesamt für Umwelt (BAFU) eine zentrale Rolle. Österreich bietet mit der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) und dem Umweltbundesamt vergleichbare Ressourcen.

Doch damit nicht genug: Immer mehr Städte, Kommunen und Regionen setzen auf eigene Messnetze, Sensorik und Citizen-Science-Initiativen. Ob mobile Wetterstationen, LoRaWAN-Sensoren für Feuchtigkeit und Temperatur oder Drohnenbefliegungen – die lokale Datenerhebung wird zum entscheidenden Baustein für detaillierte Klimawirkungsanalysen. Diese Daten werden in Geoinformationssystemen gesammelt, mit Fernerkundungsdaten (Satellitenbilder, Luftbilder) und amtlichen Katasterdaten verknüpft und in Simulationsmodelle eingespeist.

Ein weiteres zentrales Tool sind die sogenannten Urban Climate Services. Dabei handelt es sich um digitale Plattformen, die verschiedene Klimadaten zusammenführen und sie für Planer, Verwaltung und Öffentlichkeit aufbereiten. Beispiele sind das Climate-Adapt-Portal der EU oder die Klimaanpassungsportale verschiedener Bundesländer. Auch innovative Start-ups und Forschungsinstitute bieten mittlerweile spezialisierte Anwendungen, mit denen sich etwa die Hitzebelastung einzelner Straßenzüge oder das Überschwemmungsrisiko für Baugrundstücke in Echtzeit simulieren lassen.

Doch bei aller Euphorie gilt: Datenqualität, Aktualität und Interoperabilität sind die entscheidenden Faktoren für eine erfolgreiche Integration in Planungsprozesse. Wer sich auf zu grobe, veraltete oder methodisch fragwürdige Daten stützt, läuft Gefahr, falsche Schlüsse zu ziehen. Deshalb ist die enge Kooperation mit Wissenschaftseinrichtungen, Meteorologen und Geoinformatikern unerlässlich. Nur so kann sichergestellt werden, dass aus den unzähligen Datenpunkten und Modellergebnissen tatsächlich belastbare, praxisrelevante Entscheidungsgrundlagen werden.

Nicht zuletzt spielt auch der Datenschutz eine wichtige Rolle. Gerade bei der Erhebung und Nutzung von Sensordaten im städtischen Raum müssen rechtliche und ethische Fragen frühzeitig adressiert werden – etwa beim Umgang mit personenbezogenen Daten, der Veröffentlichung von Geodaten oder der Einbindung privater Akteure.

Herausforderungen, Fallstricke und Best Practices bei der Integration in Planungsverfahren

Die Integration von Klimawirkungsprognosen in Planungsverfahren ist kein Selbstläufer – sie ist ein komplexer, oft von Unsicherheiten und Zielkonflikten geprägter Prozess. Eine der größten Herausforderungen ist die Übersetzung wissenschaftlicher Ergebnissen in handlungsleitende Empfehlungen für die Planungspraxis. Nicht selten prallen hier unterschiedliche Zeithorizonte, Erwartungshaltungen und Fachsprachen aufeinander. Während Klimamodelle mit langjährigen Szenarien operieren, müssen Planungsämter oft kurzfristige Entscheidungen treffen – etwa bei der Genehmigung von Bauvorhaben oder der Ausweisung neuer Siedlungsflächen.

Ein weiteres Problemfeld ist die Skalierung der Prognosen. Global- oder Regionalmodelle liefern wertvolle Hinweise auf langfristige Trends, sind aber für die konkrete Planung oft zu grob. Lokale Mikromodelle wiederum erfordern detaillierte Eingangsdaten, die nicht überall in ausreichender Qualität und Dichte verfügbar sind. Hier helfen iterativ angelegte Planungsprozesse, in denen grobe Szenarien durch lokale Vertiefungen und Rückkopplungen ergänzt werden.

Auch Governance- und Akzeptanzfragen spielen eine zentrale Rolle. Wer entscheidet, welches Szenario als Grundlage für die Planung dient? Wie werden Unsicherheiten kommuniziert und in der Entscheidungsfindung berücksichtigt? Wie gelingt die Einbindung von Bürgern und lokalen Akteuren, ohne die Komplexität der Modelle zu verschleiern? Hier braucht es transparente, partizipative Prozesse, die sowohl die Fachwelt als auch die Öffentlichkeit einbeziehen.

Best-Practice-Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen, dass eine erfolgreiche Integration vor allem dann gelingt, wenn Klimawirkungsprognosen nicht als externes Expertengutachten, sondern als integraler Bestandteil des Planungsprozesses verstanden werden. In München etwa werden Klimamodelle bereits in der frühen Konzeptphase von Stadtentwicklungsprojekten eingesetzt und kontinuierlich mit lokalen Messdaten validiert. In Wien fließen Modelloutputs direkt in die Gestaltung von Grünflächen und Straßenräumen ein. Und in Zürich werden partizipative Workshops genutzt, um die Ergebnisse von Klimaprognosen gemeinsam mit Bürgern und Fachleuten zu diskutieren und in konkrete Maßnahmen zu übersetzen.

Das A und O bleibt dabei: Klimawirkungsprognosen sind kein Ersatz für gute Planung, sondern ein Werkzeug, das deren Qualität, Resilienz und Zukunftsfähigkeit erheblich steigern kann – vorausgesetzt, sie werden klug, transparent und partizipativ eingesetzt. Wer die Prognose zum Selbstzweck erhebt oder sie zur reinen Legitimation politischer Entscheidungen missbraucht, verspielt das Vertrauen in die Methode und damit auch die Chance auf echte Transformation.

Die Digitalisierung eröffnet hier neue Möglichkeiten. Interaktive Visualisierungen, Szenariorechner und digitale Zwillinge machen komplexe Zusammenhänge anschaulich und verhandelbar. Doch auch hier gilt: Technik ist kein Allheilmittel. Entscheidend ist die Haltung, mit der Prognosen genutzt werden – als Einladung zum Dialog, zur Anpassung und Innovation.

Fazit: Die Zukunft der Planung ist datenbasiert, klimaresilient und adaptiv

Die Integration von Klimawirkungsprognosen in Planungsverfahren ist mehr als ein technischer Trend – sie ist Ausdruck eines Paradigmenwechsels in der Stadt- und Landschaftsplanung. Während früher oft nach dem Prinzip „Bauen, schauen, nachbessern“ verfahren wurde, rückt heute das vorausschauende, adaptive und resiliente Planen in den Mittelpunkt. Prognosen sind dabei keine Glaskugel, sondern ein methodisches Rückgrat, das Unsicherheiten sichtbar, Optionen vergleichbar und Entscheidungen nachvollziehbar macht.

Die Vielfalt der verfügbaren Modelle und Datenquellen ist nicht Fluch, sondern Segen – vorausgesetzt, sie werden intelligent kombiniert und verantwortungsvoll eingesetzt. Mit der richtigen Balance aus wissenschaftlicher Robustheit, lokaler Verankerung und partizipativer Prozessgestaltung kann die Klimawirkungsprognose zur Triebfeder einer klimaresilienten Stadtentwicklung werden. Die Beispiele aus München, Wien und Zürich zeigen, wie das gehen kann – und dass auch in Deutschland, Österreich und der Schweiz der Mut zu datenbasierter Innovation wächst.

Gleichzeitig bleibt ein kritischer Blick auf die Grenzen und Risiken der Methode unerlässlich. Unsicherheiten müssen offen angesprochen, Zielkonflikte transparent verhandelt und Partizipation ernst genommen werden. Nur so kann verhindert werden, dass komplexe Modelle zu Black Boxes werden, deren Outputs als unverrückbare Wahrheiten missverstanden werden. Die Zukunft der Planung liegt nicht im blinden Vertrauen auf Algorithmen, sondern in der klugen Verbindung von Daten, Dialog und Gestaltungsspielraum.

Am Ende steht die Erkenntnis: Wer Klimawirkungsprognosen mutig und kompetent in Planungsverfahren integriert, schafft nicht nur lebenswertere und resilientere Städte, sondern auch eine neue Planungskultur – eine, die Unsicherheit nicht als Makel, sondern als Motor für Innovation begreift. In diesem Sinne: Die Stadt von morgen wird nicht nur geplant, sie wird prognostiziert, simuliert, diskutiert und immer wieder angepasst. Und das ist gut so.

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Nominierung Experimentelle Landschaftsarchitektur, Bauen im Detail – Bayerischer Landschaftsarchitektur-Preis 2022

Die Nominierten des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis stehen fest. Noch bis zum 12. August 2022 können bdla-Mitglieder über die Gewinner*innen abstimmen. Auf Garten + Landschaft werden wir Ihnen die 15 Projekte in Kurzportraits vorstellen. Im Folgenden: die drei Nominierten in der Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail.

Update: Das Voting wurde verlängert. bdla-Mitglieder können noch bis zum 16. September, 18:00 Uhr, hier abstimmen.

Der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis 2022 lobte Anfang des Jahres 2022 einen Hauptpreis sowie Auszeichnungen in fünf Kategorien aus. Die Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail kürt Projekte, die unter anderem neue Herangehensweisen zeigen und / oder mit dem Bestehenden experimentell umgehen. Für die Kategorie sind die folgenden drei Projekte nominiert:

  • Taxispark in München, Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten GmbH,
  • Rhönexpress Bahnradweg, TOPONEO Engel & Schneider Landschaftsarchitekten PartG mbB sowie
  • Container Collective in München, Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten GmbH

Nominiert in der Kategorie Experimentelle Landschaftsarchitektur, Bauen im Detail

Taxispark in München

Der heutige Taxispark war ab 1919 ein Erholungspark für Kriegsbeschädigte. Ab 2007 lag das Areal in Gern, München, jedoch brach. Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten gestalteten im Zeitraum von 2015 bis 2018 einen Park, der die ehemalige Nutzung berücksichtigt. Die Planer*innen integrierten zum Beispiel den alten Brunnen, das Denkmal für Kriegsbeschädigte sowie einen Wassertank des ehemaligen Schwimmbeckens in die Neugestaltung. Anstelle der alten Umkleiden erinnert heute eine Pergola an die ursprüngliche Nutzung. Ein wesentlicher Aspekt war außerdem der Schutz des wertvollen Baumbestands. Die Wege sind deswegen so angelegt, dass diese einen möglichst großen Abstand zu den Bäumen haben. Das Konzept entwickelten die Planer*innen in einem umfangreichen Bürgerbeteiligungsverfahren.

Rhönexpress Bahnradweg von Zeitlofs bis Wildflecken

Aus einer stillgelegenen Eisenbahnstrecke von Zeitlofs bis Wildflecken entstand ein Radweg. Er trägt den Namen „Rhönexpress Bahn-Radweg“ und ist ein touristischer Themenradweg. Auf einer Strecke von 26 Kilometern erwarten den Radfahrenden verschiedene Landart-Elemente: Schienenlinierung auf dem Asphalt erinnern an die ehemaligen Bahngleise. Birken mit mitwachsendem roten Textilgewebe sollen die Rückeroberung der Bahnstrecke durch die Natur symbolisieren. In Kombination zu den Birken begleiten den Radweg Skulpturen in Form von Andreaskreuzen in Grün-weiß. Außerdem erhielten die Planer*innen von TOPONEO Engel & Schneider Landschaftsarchitekten entlang der Strecke Bahnübergangshäuschen, die heute Ereignisse der Bahngeschichte in Form von Graffiti-Darstellungen dokumentieren. Zum Beispiel die Besuche von König Ludwig I., Kaiserin Elisabeth von Österreich und Elvis Presley.

Container Collective in München

Das Container Collecitve ist eine Art „Pop Up City“. Auf dem ehemaligen Anlieferhof der Pfanni-Werke am Münchner Ostbahnhof entwickelte sich eine temporär genutzte Fläche mit Schiffscontainern, Holzkisten als mobile Pflanztröge sowie Holzpaletten und bunt gewürfelten Stühlen. Die Planer*innen von Jühling & Köppel Landschaftsarchitekten gestalteten einen urbanen Platz, der mit seinen Elementen Bezug zu den Pfanni-Werken nimmt und zudem den stetigen Veränderungen vor Ort Raum bietet. Die Ausstattung kann zum Beispiel kurzerhand für Veranstaltungen umrangiert werden.

Das Pflanzkonzept stellt eine schnelle und temporäre „low budget“-Begrünung dar. In manchen Bereichen wurde lediglich der Bestandsasphalt aufgeschnitten und schnellwachsende Pioniergehölze gepflanzt. Die Pflanztröge beinhalten Sträucher, Stauden und Gräser sowie Kräuter, Obstgehölze und Beerensträucher zum Naschen. Circa 25 Pflanztröge nutzt der Werksgarten-Verein für den Gemüseanbau. Der Austausch zwischen den lokalen Akteur*innen wie Künstler*innen und Handwerker*innen und Landschaftsarchitekt*innen war von Anfang an ein wichtiger Teil des Projekts.

Abstimmung noch bis zum 12. August 16. September

Zum zweiten Mal findet der Bayerische Landschaftsarchitektur-Preis statt. Der Preis möchte die Bedeutung der Landschaftsarchitektur für die Gesellschaft zeigen sowie die Profession in der Öffentlichkeit präsentieren. Die Gewinner*innen werden im Rahmen der Preisverleihung des Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preises am 11. November 2022 bekannt gegeben. Bis zum 12. August 16. September, 18:00 Uhr – Update: das Voting wurde verlängert – können bdla-Mitglieder noch über die Gewinner-Projekte für den Hauptpreis sowie in den fünf folgenden Kategorien abstimmen:

  • Bauwerksbegrünung und Biodiversität,
  • Blaue und Grüne Infrastruktur,
  • Urbanität, Bestand, Stadt und Platz,
  • Tourismus, Freizeit, Spiel und Sport sowie
  • Experimentelle Landschaftsarchitektur und Bauen im Detail

Zum Mitglieder-Voting geht es hier.

Mehr zum Bayerischen Landschaftsarchitektur-Preis: Hier geht es zu den nominierten Projekten in der Kategorie Blaue und Grüne Infrastruktur.

Ein Entwurf von A24 Landschaft und yellow z hat den Wettbewerb zur Landesgartenschau Günzburg gewonnen. © A24 Landschaft mit yellow z
Ein Entwurf von A24 Landschaft und yellow z hat den Wettbewerb zur Landesgartenschau Günzburg gewonnen. © A24 Landschaft mit yellow z

Der Wettbewerb zur Landesgartenschau Günzburg 2029 ist entschieden. Gewonnen hat ein Entwurf von A24 Landschaft und yellow z.

Wettbewerb zur Landesgartenschau Günzburg entschieden

„Die Geschichte der Stadt Günzburg beginnt an ihren Flüssen: Donau, Günz und Nau durchziehen und prägen Stadt und Landschaft“, sagt Gerhard Jauernig, Oberbürgermeister der Stadt Günzburg. Für die Landesgartenschau, die 2029 in  Günzburg stattfinden wird, liegt das Kernthema also auf der Hand. Unter dem Motto „Stadt am Wasser“ sollen zukünftig die Flächen entlang der Flüsse erschlossen und neue Verbindungen von der Innenstadt ans Wasser erschlossen werden. 

Um dafür eine passende Gestaltung und Konzeption zu finden, hatten die Verantwortlichen einen freiraumplanerischen und städteplanerischen Ideen- und Realisierungswettbewerb ausgerufen. Das Planungsgebiet umfasste neu zu schaffende, öffentliche Freiflächen am Auweg bis zum Donauufer mit Anbindungen an die Günz, das nördliche Donauufer bis zum Freibad, die Verbindung entlang der Günz bis zu Hagenweide, Teilflächen des Altstadtgrüngürtels und den Bürgerparks. Weiterhin sollten die Teilnehmer*innen Vorschläge zum Ausstellungskonzept für die Durchführung der Landesgartenschau ausarbeiten. Insgesamt also eine umfassende und komplexe Aufgabe, an welcher sich letztlich sechs Büros aus ganz Deutschland beteiligten. Nun stehen die prämierten Entwürfe fest.

Das Wasser als Inspiration

Als Sieger gehen A24 Landschaft Landschaftsarchitektur GmbH mit dem Büro yellow z aus dem Wettbewerb hervor. Die Jury kürte die Landschaftsarchitekt*innen einstimmig zum Gewinner des Verfahrens. „Im Siegerentwurf finden sich viele Elemente wieder, die sich die Bevölkerung, mit der wir von Anfang an intensiv gearbeitet haben, gewünscht hat“, begründete Oberbürgermeister Jauernig die Entscheidung des Preisgerichtes. In ihrem Designkonzept inspirieren ließen sich A24 Landschaft vom Lauf des Wassers, beziehungsweise des Flusses Günz. Während dieser im innerstädtischen Abschnitt kanalisiert verläuft, greifen außerhalb der Stadt mehrere Flussarme weit in die angrenzenden Landschaftsräume. So orientiert sich auch die neu geschaffene Uferpromenade in der Innenstadt an einer linearen Strenge, während das Wegekonzept im Donau-Au-Park sowie in der Hagenweide eine Vielzahl bewegter Wegestränge vorsieht, durch welche neue Räume und Orte zur Freizeitnutzung entstehen.

© A24 Landschaft mit yellow z
© A24 Landschaft mit yellow z
© A24 Landschaft mit yellow z
© A24 Landschaft mit yellow z

Herzstück Donau-Au-Park

Der Donau-Au-Park hat für Günzburg dabei eine besondere Relevanz, da er für die städtebauliche Entwicklung nördlich des Bahnhofs einen wichtigen Impuls setzten kann. Zukünftig soll er als Herzstück des neu entstehenden Stadtquartiers am Auweg dienen. Durch das Gestaltungs- und Wegekonzept von A24 wird der Park einerseits gerahmt und bindet gleichsam die Umgebung an. Über einen neuen Donausteg entsteht außerdem eine Verknüpfung zum nördlichen Flussufer bis hin zur Innenstadt. Der Brückenschlag schließt an einen platzartigen Auftakt mit Blick über die Donau an. Hier entsteht das sogenannte Parkforum, ein multifunktional bespielbarer Pavillon für temporärere Veranstaltungen, als Treffpunkt zum gemeinsamen Gärtnern oder als Standort für Gastronomie. Möblierung und Spielgeräte aus Holzbalken erinnern dabei an die Zunft der Flößer, welche die Donau einst als wichtigen Transportweg nutzten. Daneben schlagen A24 eine kleine Ufereinbuchtung mit Kiesstrand vor. Hier ist der direkte Wasserzugang möglich, während die übrigen Uferzonen zu strukturreichen Biotopen und Rückzugsräumen entwickelt werden, die nur punktuell über Trittsteine betreten werden können.

Neben der Günzpromenade und dem Donau-Au-Park erarbeiteten A24 auch für den Altstadtgürtel und die Hagenweide eine Gestaltung. Letztere ließen die Landschaftsarchitekt*innen beispielsweise in sensiblen Bereiche beinahe unangetastet und empfahlen unter Berücksichtigung der ökologisch wertvollen Flächen und des Biotops die Entwicklung eines naturnahen Sport- und Aktivparks. Gerade dieser Teilabschnitt braucht laut Juryurteil noch eine vertiefte Ausarbeitung, doch insgesamt konnte der Entwurf das Preisgericht überzeugen. Jurymitglied und Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt aus Dresden sagte zur weiteren Entwicklung: „Ich habe vollstes Vertrauen, dass das gelingen wird“. Bis 2029 werden die prämierten Planer*innen und die Verantwortlichen der Landesgartenschau Günzburg nun auf Hochtouren daran arbeiten, eine erfolgreiche Landesgartenschau und eine positive langfristige Entwicklung für Günzburg Realität werden zu lassen.

Alles zu den Gartenschauen im kommenden Jahr lesen Sie hier.