Kollaborative Plattformen für kommunale Mobilitätssteuerung

roter-bus-tagsuber-unterwegs-21HKIGtU9Xk
Roter Bus unterwegs auf einer städtischen Straße am Tag, fotografiert von Alin Andersen.

Wie lassen sich Verkehrsströme, Sharing-Angebote, Parkraum und Klimaziele in Städten künftig dynamisch steuern – und das mitten im kommunalen Alltag? Kollaborative Plattformen für Mobilitätssteuerung sind die Antwort der Stunde: Sie vernetzen Akteure, Daten und Systeme, verbinden menschliche Expertise mit digitalen Analysen und machen aus Planung einen lebendigen, kontinuierlichen Prozess. Doch wie funktioniert das in der Praxis – und sind deutsche Städte bereit für diese neue Ära der Mobilität?

  • Begriffsklärung: Was sind kollaborative Plattformen für kommunale Mobilitätssteuerung – und warum sind sie mehr als digitale Tools?
  • Die wichtigsten technischen und organisatorischen Komponenten moderner Mobilitätsplattformen im kommunalen Kontext.
  • Praxisbeispiele aus deutschen, österreichischen und internationalen Städten – von Datenraum bis Bürgerbeteiligung.
  • Typische Hürden: Datenschutz, Schnittstellen, Governance und die politische Dimension der Mobilitätswende.
  • Potenziale für Klimaresilienz, Verkehrslenkung, Flächenmanagement und städtische Lebensqualität.
  • Risiken: Fragmentierung, Plattformmonopole, algorithmische Verzerrungen und gesellschaftliche Akzeptanz.
  • Empfehlungen für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Mobilitätsverantwortliche – wie der Einstieg gelingen kann.
  • Die Rolle von Open Source, offenen Standards und der europäischen Datenstrategie im Mobilitätsbereich.
  • Ausblick: Wie kommunale Mobilitätssteuerung im digitalen Zeitalter demokratischer, flexibler und nachhaltiger werden kann.

Kollaborative Plattformen – das neue Fundament der urbanen Mobilitätssteuerung?

Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz stehen vor einer historischen Herausforderung: Der Verkehr wächst, Flächen werden knapper, Klimaziele rücken näher, und immer mehr Menschen wollen schnell, flexibel und nachhaltig mobil sein. Die Antwort kann nicht länger lauten: Noch mehr Straßen, noch mehr Parkplätze, noch mehr Einzelmaßnahmen. Vielmehr braucht es eine intelligente Steuerung urbaner Mobilität – und genau hier betreten kollaborative Plattformen die Bühne. Doch was steckt eigentlich dahinter?

Im Kern sind kollaborative Plattformen digitale Ökosysteme, die verschiedenste Datenquellen, Akteure und Prozesse rund um die Mobilität einer Stadt vernetzen. Sie ermöglichen es, Echtzeitdaten aus öffentlichen Verkehrsbetrieben, Sharing-Anbietern, Parkraumsystemen, Verkehrssensoren, Radverkehrszählungen und sogar Wetterdiensten in einer gemeinsamen digitalen Umgebung zusammenzuführen. Das Besondere: Diese Plattformen sind nicht nur technische Infrastruktur, sondern auch soziale und organisatorische Schnittstellen – sie bringen Stadtverwaltungen, Unternehmen, Bürger, Forschung und Politik an einen Tisch. So entsteht ein dynamisches Steuerungssystem, das klassische Verkehrsplanung, operative Verkehrslenkung und langfristige Stadtentwicklung miteinander verzahnt.

Im Unterschied zu klassischen Mobilitätsmanagement-Systemen, die oft auf Einzellösungen oder geschlossene Datenpools setzen, erlauben kollaborative Plattformen einen kontinuierlichen, offenen Austausch. Sie sind also keine Insellösungen, sondern schaffen einen gemeinsamen Datenraum, in dem Szenarien durchgespielt, Maßnahmen abgestimmt und Strategien gemeinsam entwickelt werden können. Im besten Fall werden daraus lernende Systeme, die sich mit der Stadt weiterentwickeln, neue Mobilitätsformen integrieren und auf gesellschaftliche Veränderungen flexibel reagieren.

Ein weiteres zentrales Merkmal: Kollaborative Mobilitätsplattformen verschieben die Rolle der kommunalen Verwaltung. Sie wird vom reinen Genehmiger zum Moderator, vom Datensammler zum Datenvermittler, vom Regelsetzer zum Kooperationspartner. Das ist ein Paradigmenwechsel, der nicht nur technische, sondern auch kulturelle und politische Veränderungen erfordert. Denn die Steuerung urbaner Mobilität wird zum Gemeinschaftsprojekt, bei dem alle relevanten Akteure mitgestalten – und Verantwortung tragen.

Doch wie sieht das in der Praxis aus? Welche technischen Bausteine sind notwendig, welche Prozesse müssen neu gedacht werden – und wie gelingt der Sprung von Pilotprojekten zum flächendeckenden Einsatz? Antworten darauf liefern die nächsten Abschnitte.

Technische und organisatorische Grundlagen: Von der Datenintegration bis zur Governance

Wer sich mit kollaborativen Plattformen für kommunale Mobilitätssteuerung beschäftigt, landet schnell bei einer Fülle technischer Fachbegriffe: Datenintegration, Interoperabilität, Schnittstellenmanagement, Data Lakes, API-Gateways, Echtzeit-Analytics, User Dashboards, Privacy-by-Design, Edge Computing – die Liste ließe sich seitenweise fortsetzen. Doch was steckt tatsächlich dahinter? Und welche Komponenten sind für Städte und Gemeinden unverzichtbar?

Das Herzstück jeder Plattform ist die Datenintegration. Hier geht es darum, Daten aus unterschiedlichsten Quellen – von klassischen Verkehrszählern über mobile Apps bis zu IoT-Sensoren oder Satellitenbildern – in ein gemeinsames System zu bringen. Das klingt einfacher, als es in der Praxis ist: Unterschiedliche Datenformate, Übertragungsprotokolle und Datenschutzanforderungen machen die technische Integration zur Sisyphusarbeit. Erfolgreiche Projekte setzen deshalb auf offene Schnittstellen (APIs) und offene Datenstandards, die eine flexible Anbindung neuer Partner und Systeme ermöglichen. Die Erfahrung zeigt: Je offener und modularer das Plattformdesign, desto zukunftssicherer und skalierbarer wird die Lösung.

Doch Technik allein macht noch keine kollaborative Plattform. Mindestens ebenso wichtig ist die organisatorische Architektur. Hier kommen Fragen ins Spiel wie: Wer betreibt die Plattform? Wie werden Rechte und Rollen vergeben? Wie wird sichergestellt, dass alle Akteure – von der Verkehrsbehörde bis zum Carsharing-Anbieter – ihre Daten einbringen und nutzen können, ohne die Hoheit über sensible Informationen zu verlieren? Diese Governance-Fragen sind oft komplexer als jede technische Herausforderung. Sie betreffen nicht nur die IT-Abteilung, sondern die gesamte Verwaltung, die politischen Gremien und die lokale Wirtschaft.

Ein zukunftsweisender Ansatz ist die Etablierung sogenannter Urban Data Spaces, in denen verschiedenste Akteure unter klaren Regeln Daten teilen und gemeinsam auswerten. In Deutschland gibt es dazu erste Pilotprojekte – etwa im Rahmen der Mobilithek des Bundes oder der Urban Data Platforms einzelner Städte. Erfolgsentscheidend ist dabei, dass alle Beteiligten auf Augenhöhe agieren und die Plattform nicht zum Monopol einzelner Anbieter oder Behörden wird. Transparenz, Nachvollziehbarkeit und die Möglichkeit zur Partizipation sind zentrale Prinzipien, wenn Plattformen langfristig akzeptiert und genutzt werden sollen.

Schließlich müssen kollaborative Mobilitätsplattformen nicht nur Daten sammeln, sondern auch nutzbar machen. Das geschieht über interaktive Dashboards, Simulationstools, Prognosemodelle oder auch offene APIs, die externe Anwendungen wie Mobilitäts-Apps, Bürgerbeteiligungsplattformen oder urbane Digital Twins anbinden. So wird aus dem Datenpool ein Werkzeugkasten für Verwaltung, Planung und Öffentlichkeit – und Mobilitätssteuerung wird zum kontinuierlichen, dialogorientierten Prozess.

Praxisbeispiele: Von Hamburg bis Helsinki – wie Plattformen Städte verändern

Theorie ist das eine, Praxis das andere – und die spannendsten Geschichten schreibt bekanntlich das echte Leben. Tatsächlich gibt es inzwischen zahlreiche Beispiele, wie kollaborative Plattformen die Mobilitätssteuerung in Städten revolutionieren. Ein Blick nach Hamburg zeigt, wie eine Metropole mit der Urban Data Platform Hamburg eine digitale Infrastruktur geschaffen hat, die Daten aus Verkehrsleitsystemen, ÖPNV, Sharing-Angeboten, Baustellenmanagement und sogar Wetterdiensten integriert. Die Plattform dient nicht nur der Verwaltung, sondern ist über offene Schnittstellen auch für Start-ups, Planungsbüros und die Wissenschaft zugänglich. So entstehen innovative Anwendungen – von intelligenten Routenplanern bis zu Echtzeit-Analysen für die Stadtentwicklung.

In München wiederum setzt die Stadt auf das MobiData BW-Projekt, das als Datenmarktplatz für Mobilitätsdaten agiert und Kommunen, Verkehrsunternehmen und Technologieanbieter miteinander vernetzt. Das Ziel: Verkehrsdaten für alle nutzbar zu machen, neue Mobilitätsdienste zu ermöglichen und die Entscheidungsgrundlagen für die Verkehrswende zu verbessern. Besonders spannend ist hier der Ansatz, nicht nur technische Schnittstellen, sondern auch Governance-Strukturen gemeinsam zu entwickeln – etwa durch Datenbeiräte und partizipative Entscheidungsprozesse.

Ein Blick über die Grenzen zeigt, dass auch Wien mit der Plattform „Mobilitätsagentur Wien“ einen eigenen Weg geht. Hier werden nicht nur klassische Verkehrsdaten integriert, sondern auch Bürgerbeteiligung großgeschrieben: Über interaktive Karten können Bürger Hinweise zu Problemen oder Ideen für Verbesserungen einbringen, die direkt in die Planungsprozesse einfließen. In Helsinki wiederum setzt die Stadt auf offene Mobilitätsdaten und kollaborative Plattformen, die den Wandel zur Mobility-as-a-Service-Stadt vorantreiben – also einer städtischen Umgebung, in der alle Verkehrsmittel nahtlos miteinander kombiniert werden können.

Ein zentrales Element aller erfolgreichen Projekte: Die Plattformen schaffen Vertrauen, indem sie transparent, nachvollziehbar und offen gestaltet sind. Sie setzen auf unabhängige Trägerschaften, klare Datenschutzregeln und die Einbindung aller relevanten Akteure – von der Verwaltung über die Wirtschaft bis zur Zivilgesellschaft. Nur so wird aus Technik gelebte Praxis, und nur so entstehen Lösungen, die nicht nur auf dem Papier, sondern im Stadtalltag funktionieren.

Allerdings zeigt die Praxis auch: Kollaborative Plattformen sind kein Selbstläufer. Sie erfordern kontinuierliche Investitionen, politisches Rückgrat und die Bereitschaft, alte Routinen zu hinterfragen. Wer sich darauf einlässt, wird mit mehr Flexibilität, schnelleren Reaktionszeiten und einer höheren Lebensqualität für die Stadtbewohner belohnt.

Herausforderungen und Risiken: Datenschutz, Fragmentierung und die Macht der Algorithmen

So verheißungsvoll der Aufstieg kollaborativer Plattformen für die Mobilitätssteuerung klingt, so groß sind die Stolpersteine auf dem Weg in die vernetzte Zukunft. Ganz oben auf der Liste steht der Datenschutz – und das zu Recht. Mobilitätsdaten sind hochsensibel, sie betreffen Bewegungsprofile, Aufenthaltsorte und persönliche Routinen. Städte und Anbieter müssen deshalb höchste Standards bei Datensicherheit und Datenschutz gewährleisten. Das Prinzip Privacy-by-Design – also der Schutz persönlicher Daten bereits bei der Entwicklung der Plattform – ist Pflicht, keine Kür. Hier sind technische Lösungen wie Pseudonymisierung, dezentrale Datenhaltung oder differenzierte Zugriffsrechte gefragt. Vor allem aber braucht es eine transparente Kommunikation, damit Bürger und Akteure Vertrauen entwickeln.

Ein weiteres Problem ist die Fragmentierung der Plattformlandschaft. Wenn jede Stadt ihr eigenes Süppchen kocht, eigene Schnittstellen und Formate definiert, droht die Interoperabilität auf der Strecke zu bleiben. Der Traum vom bundesweiten oder gar europäischen Mobilitätsdatenraum wird so schnell zum Alptraum. Hier helfen nur offene Standards, gemeinsame Datenmodelle und der Mut zur Zusammenarbeit über kommunale Grenzen hinweg. Projekte wie die Mobilithek oder die European Mobility Data Space Initiative weisen den Weg – allerdings ist der Weg von der Vision zur Realität noch weit.

Auch die Frage der Plattformmonopole ist brisant. Wenn einzelne Anbieter – ob privatwirtschaftlich oder kommunal – zu viel Macht über die Infrastruktur und die Regeln der Mobilitätssteuerung gewinnen, drohen Abhängigkeiten und ein Verlust der Steuerungshoheit. Die Kontrolle über Algorithmen, Datenflüsse und Schnittstellen muss deshalb demokratisch legitimiert und transparent gestaltet werden. Open Source und offene Governance-Modelle können hier ein Gegengewicht zu proprietären Lösungen bieten.

Doch nicht nur Technik und Organisation bergen Risiken, sondern auch die gesellschaftliche Akzeptanz. Wenn Plattformen als Black Boxes wahrgenommen werden, wenn Entscheidungen nicht nachvollziehbar sind oder Bürgerbeteiligung zur bloßen Alibiübung verkommt, droht ein Verlust an Vertrauen. Umso wichtiger ist es, Partizipation ernst zu nehmen, Prozesse zu erklären und Kritik als Chance zur Weiterentwicklung zu begreifen. Nur so werden Plattformen zu echten Instrumenten der urbanen Demokratie – und nicht zu Werkzeugen technokratischer Steuerung.

Schließlich bleibt die Herausforderung, dass Algorithmen und Daten nicht neutral sind. Sie spiegeln bestehende Ungleichheiten, Präferenzen und Machtverhältnisse wider. Wer Plattformen gestalten will, muss sich deshalb mit Fragen von Fairness, Inklusion und algorithmischer Verantwortung auseinandersetzen. Das ist unbequem, aber unverzichtbar, wenn Mobilitätssteuerung im digitalen Zeitalter wirklich nachhaltig, gerecht und zukunftsfähig sein soll.

Perspektiven und Empfehlungen: Wie der Einstieg in die kollaborative Mobilitätssteuerung gelingt

Der Weg zu erfolgreichen kollaborativen Plattformen für kommunale Mobilitätssteuerung ist kein Sprint, sondern ein Marathon – aber einer, der sich lohnt. Für Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Mobilitätsverantwortliche ergeben sich daraus konkrete Handlungsempfehlungen. Erstens: Frühzeitig in offene Schnittstellen, modulare Architekturen und Datenstandards investieren. Nur so bleibt die Plattform flexibel und kann mit neuen Anforderungen wachsen. Zweitens: Governance-Strukturen von Anfang an mitdenken. Wer betreibt die Plattform? Wie werden Entscheidungen getroffen? Wie wird Partizipation gesichert?

Drittens: Datenschutz und Datensouveränität zur Maxime machen. Nur wenn Bürger, Unternehmen und Verwaltung darauf vertrauen können, dass ihre Daten sicher und fair verwendet werden, entsteht Akzeptanz. Viertens: Die politische Dimension nicht unterschätzen. Plattformen sind kein reines IT-Projekt, sondern ein tiefgreifender Wandel von Verwaltung und Stadtgesellschaft. Sie brauchen Rückhalt von Politik, Verwaltungsspitze und Zivilgesellschaft – und zwar dauerhaft, nicht nur in der Startphase.

Fünftens: Klein anfangen, groß denken. Erfolgreiche Projekte starten oft mit Pilotquartieren, klar abgegrenzten Anwendungsfällen und überschaubaren Partnern. Wenn das funktioniert, kann die Plattform Schritt für Schritt wachsen – und zum Rückgrat einer nachhaltigen Mobilitätsstrategie werden. Sechstens: Wissen teilen, voneinander lernen. Die Herausforderungen sind überall ähnlich, die Lösungen oft übertragbar. Kommunen sollten sich vernetzen, Erfahrungen austauschen und voneinander profitieren. Netzwerke wie die Smart City-Initiativen, die Open Urban Platforms oder die European Innovation Partnership on Smart Cities bieten dafür beste Voraussetzungen.

Schließlich gilt: Kollaborative Plattformen sind kein Selbstzweck. Sie entfalten ihren Wert nur, wenn sie konkrete Probleme lösen, Prozesse verbessern und die Lebensqualität in der Stadt erhöhen. Das erfordert einen klaren Fokus auf Nutzerorientierung, Transparenz und kontinuierliche Innovation – ohne dabei die sozialen und ökologischen Ziele der Mobilitätswende aus den Augen zu verlieren.

Wer diese Prinzipien beherzigt, kann mit kollaborativen Plattformen einen echten Quantensprung für die kommunale Mobilitätssteuerung erzielen – und die Stadt von morgen schon heute gestalten. Es braucht nicht weniger als Mut, Offenheit und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen. Die Chancen sind enorm – und der Zeitpunkt könnte besser nicht sein.

Fazit: Plattformen als Schlüssel für die Zukunft der urbanen Mobilität

Kollaborative Plattformen für kommunale Mobilitätssteuerung verändern die Spielregeln in der Stadtentwicklung. Sie machen aus starren Planungsverfahren dynamische, lernende Prozesse, in denen Daten, Akteure und Systeme in Echtzeit zusammenarbeiten. Sie bieten die Chance, Verkehrsflüsse zu optimieren, Flächen effizienter zu nutzen, Klimaziele zu erreichen und die Lebensqualität der Stadtbewohner nachhaltig zu steigern. Doch der Weg dorthin ist anspruchsvoll: Technische, organisatorische und gesellschaftliche Hürden müssen überwunden, Datenschutz und Governance geklärt und neue Formen der Zusammenarbeit etabliert werden.

Die besten Beispiele zeigen, dass Offenheit, Transparenz und Partizipation die Basis erfolgreicher Plattformen sind. Städte, die den Mut haben, diese Herausforderungen anzunehmen, werden nicht nur smarter, sondern auch gerechter, nachhaltiger und lebenswerter. Kollaborative Plattformen sind kein Allheilmittel – aber sie sind das Fundament einer Mobilitätswende, die diesen Namen verdient. Wer jetzt startet, kann die urbane Zukunft aktiv mitgestalten. Und wer zögert, wird von der Realität überholt. Die Stadt von morgen wartet nicht – sie wird heute gebaut, vernetzt und gesteuert. Willkommen im Zeitalter der kollaborativen Mobilitätsplattformen.

Das könnte Sie auch interessieren
In Düsseldorf soll das Metro-Großmarkt-Gelände umgestaltet werden. Den städtebaulich-freiraumplanerischen Wettbewerb entschieden nun das Team von Acme
Düsseldorf: Metro-Campus-Wettbewerb entschieden
luftaufnahme-einer-stadt-neben-einem-gewasser-e7firQySMRg
Warum in Indonesien schwimmende Stadtteile entstehen – Adaption als Normalität
luftaufnahme-einer-stadt-mit-vielen-baumen--ewv3mBg-6k
Planungssimulationen mit Stakeholdern – Gamification in der Praxis
Wasserperlen am East River
Wirkmächtigkeit von Kunst
Wohnung in Renovierung mit sichtbaren Baumaterialien und Werkzeugen.
Klimagerechtes Bauen im Bestand – Transformation ohne Abriss
Vogelperspektive auf Windturbinen auf einem Feld – Symbol für nachhaltige Entwicklung und messbare Öko-Indikatoren in der Kommunalpolitik.
Nachhaltigkeitsindizes für Kommunen – Auswahl, Anwendung, Kritik
Prof. Maren Brakebusch ist Gastdozentin für Garten- und Landschaftsarchitektur an der FH Potsdam. Foto: © Lidia Tirri
Maren Brakebusch: Professur an der FH Potsdam
ein-hohes-gebaude-das-neben-einem-uppigen-grunen-wald-steht-AqgBemtBqsM
Lima baut mit Nebel – Wassergewinnung aus der Atmosphäre als Strategie
Vor einem blauen Himmel sehen drei Windräder. Die Bundesregierung hat das Ziel, bis 2030 Strom aus erneuerbaren Energien zu verdoppeln. Das „Wind-an-Land-Gesetz“ soll dabei helfen.
Wind-an-Land-Gesetz in Kraft getreten

Warum sollten wir als Landschaftsarchitekten die Anforderungen an Nachhaltigkeit, Ökologie, Ressourcennutzung und Recycling noch stärker in die Konzeptentwicklung mit einbeziehen? Eine Antwort zu dieser Frage lautet: Weil der Kontext zwischen Stadt, Landschaft und Region, seine prägenden Elementen, seine Geschichte und seine Tradition auf dem Spiel stehen und weil sich durch die stärkere Einbeziehung von Ökologie, Ressourcennutzung und Recycling neue und nachhaltige Gestaltungsansätze realisieren lassen. Derzeitig ist es unseren Erfahrungen nach planerisch und logistisch extrem aufwendig bis unmöglich dem „Billigimport“ etwas entgegen setzen zu können.

Altes Material neu verwendet

Bei unserem Projekt „Straßen und Plätze in der Goethestadt Bad Lauchstädt“, einem kleinen Kurort in Sachsen Anhalt mit Kurpark, Schloss und Goethetheater, wollten wir das vorhandene Pflaster aus ortsüblichem Quarzit (Gommeraner) wiederverwenden. Das Material reichte jedoch bei weitem nicht für alle Flächen und ein Zukauf hätte den Kostenrahmen gesprengt.

Ressourcen schonen

Deshalb entschieden wir uns schon im Entwurf für eine Hybridlösung aus wiederverwendetem Altpflaster und chinesischem gelbgrauen Granit. Das vorhandene Quarzitpflaster aus unterschiedlichsten Größen, überwiegend polygonaler Formate, wurde mit großem Aufwand aussortiert, gesägt und in den „Gehwegen“ in „passe“ neu verlegt. Entstanden ist ein spannungsvoller, lebendiger Rahmen um die, mit chinesischem Großpflaster gepflasterten Fahrbahnen und Platzflächen. Der Kostenaufwand für das Aussortieren und Sägen des Pflasters, obwohl im Eigentum der Stadt, war wesentlich höher als die Verwendung importierten Materials. Dieses Vorgehen ermöglichte jedoch eine weitestgehend ressourcenschonende Nutzung der Materialien. Die Förderrichtlinien unterstützen Nachhaltigkeit indirekt, indem man eingesparte Fördergelder für andere Zwecke innerhalb des Projektes nutzen konnte. Das Bad-Lauchstädt-Projekt erhielt den Deutschen Natursteinpreis 2018 in der Sparte Freiraum unter anderem hinsichtlich seiner Nachhaltigkeitsaspekte.

Den gesamten Artikel finden Sie in der Märzausgabe 2019 der G+L.

COP29: Die Finanz-Klimakonferenz

Bei der Eröffnungszeremonie der COP29 gaben sich die Staats- und Regierungschefs der Welt die Hand. Credit: President.az, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons
Bei der Eröffnungszeremonie der COP29 gaben sich die Staats- und Regierungschefs der Welt die Hand. Credit: President.az, CC BY 4.0 , via Wikimedia Commons

Am Sonntag, dem 24. November, ging die diesjährige COP29-Klimakonferenz zu Ende. Die Verhandlungen waren hart, brachten aber zumindest einen kleinen Erfolg: Die Mitgliedsländer einigten sich auf ein 300-Milliarden-Dollar-Abkommen zur Klimafinanzierung.

Um die Klimakrise zu bekämpfen, sind mindestens 1 Billion US-Dollar pro Jahr notwendig. Die COP29, die im November 2024 in Baku, Aserbaidschan, stattfindet, wurde als die Klimakonferenz der Finanzen angekündigt. Sie hatte die sehr schwierige Aufgabe, Mittel aufzubringen. Die meisten Teilnehmerländer waren sich zwar einig, dass mindestens eine Billion Dollar pro Jahr von den reicheren Ländern an die ärmeren fließen muss, aber sie waren nicht bereit, sich freiwillig zu melden. Schließlich kam es zu einem Abkommen, bei der die Regierungen der USA und der EU eine Finanzierung zusagten. Nach Ansicht von Expert*innen ist die versprochene Summe jedoch nicht hoch genug. Auch die Wiederwahl von Donald Trump gab Anlass zur Sorge, denn die USA könnten sich 2025 aus ihrer Verpflichtung zurückziehen.

Proteste und Unzufriedenheit

Nach Gesprächen, bei denen viel auf dem Spiel stand, einigte man sich auf der COP29 darauf, dass ein Klimafinanzierungsabkommen in Höhe von 1,3 Billionen Dollar notwendig ist. Vorerst legten sich die Unterhändler*innen jedoch darauf fest, den Geldfluss zu verdreifachen, um Entwicklungsländer bei der Umstellung auf sauberere Energie und der Bewältigung der Auswirkungen des Klimawandels zu unterstützen. Im Rahmen dieser Vereinbarung werden die wohlhabenden Nationen bis 2035 jährlich 300 Milliarden Dollar zur Verfügung stellen – gegenüber dem früheren Ziel von 100 Milliarden.

Diese 300 Milliarden Dollar werden größtenteils in Form von Zuschüssen und zinsgünstigen Darlehen bereitgestellt. Wie das Ziel von 1,3 Billionen Dollar erreicht werden soll, ist noch unklar. Private Investor*innen und eine Reihe potenzieller neuer Geldquellen, wie mögliche Steuern auf fossile Brennstoffe und Vielflieger*innen, werden die Lücke füllen. Aber die COP-Mitglieder müssen dafür erst eine Einigung finden.

Entsprechend kochten die Emotionen hoch. Entwicklungsländer haben die Konferenz als eine Katastrophe für ärmere Länder und als Verrat der reichen Länder bezeichnet. Ein weiteres Problem ist die Frage, welche Staaten am bedürftigsten sind. Größere Schwellenländer wie Indien oder Länder wie Russland und China, die in manchen Definitionen noch als Entwicklungsländer eingestuft werden, sind nicht unbedingt die am meisten gefährdeten Nationen.

Zwei Gruppen solch gefährdeter Länder, die Allianz der kleinen Inselstaaten und die Gruppe der am wenigsten entwickelten Länder, verließen am Samstag aus Protest eine Sitzung. Später kehrten sie zurück, brachten aber dennoch ihre Unzufriedenheit zum Ausdruck.

Auf dem Weg zu 2,7 Grad Celsius

Die COP29 fand nur wenige Tage nach dem Sieg von Donald Trump bei den US-Wahlen statt. Er beabsichtigt, aus dem Pariser Abkommen auszusteigen, wenn er im Januar sein Amt antritt, und wird wahrscheinlich keine Klimafinanzierung für Entwicklungsländer bereitstellen. Dieser zusätzliche Druck veranlasste die Länder zu der Entscheidung, dass es keine Option war, sich in Baku nicht auf eine Erhöhung der Klimafinanzierung zu einigen. Der Deal bedeutet jedoch keine sofortigen Mittel. Sie könnte auch die Verschuldung von ärmeren Ländern erhöhen.

Das Gastgeberland der COP, Aserbaidschan, wurde für seine Organisation und Moderation der Konferenz stark kritisiert. Das Land ist zu 90 Prozent von Öl und Gas abhängig, und die Lobbyisten der fossilen Brennstoffe waren bei den Gesprächen sehr präsent. Auch Saudi-Arabien spielte eine störende Rolle, unter anderem durch den Versuch, einen wichtigen Text ohne umfassende Konsultation zu ändern. Die beiden größten Volkswirtschaften und Treibhausgasemittenten der Welt, die USA und China, waren hingegen in Baku nur wenig präsent.

Neben der Klimafinanzierung befasste sich die COP auch mit der Reduzierung der heimischen Emissionen. Wenn die Staaten ihre derzeitigen Zusagen einhalten, ist die Welt noch weit von dem 2015 in Paris vereinbarten Ziel von 1,5 Grad Celsius entfernt – derzeit liegen wir laut einem UN-Bericht eher auf dem Weg zu 2,7 Grad Celsius. Die COP im vergangenen Jahr hatte Anlass zur Hoffnung gegeben, dass sich dies schneller ändern könnte, als es derzeit aussieht.

Das Gastgeberland der diesjährigen Klimakonferenz, Aserbaidschan, ist zu 90 Prozent von Öl und Gas abhängig. Foto: Teymur Mammadov via unsplash
Das Gastgeberland der diesjährigen Klimakonferenz, Aserbaidschan, ist zu 90 Prozent von Öl und Gas abhängig. Foto: Teymur Mammadov via unsplash

Besser als keine Einigung

Die nächste COP, Nummer 30, findet 2025 in der brasilianischen Stadt Belem statt, und bis dahin haben die Länder noch viel zu tun. Bis Februar 2025 müssen sie aktualisierte Zusagen zur Emissionsreduzierung vorlegen. Die Aufmerksamkeit der Medien wird nicht nachlassen, und mit dem Amtsantritt von Donald Trump wird es viele Fragen darüber geben, wie andere Länder den Schaden ausgleichen, den er anrichten könnte.

Einer der Tage auf der COP29 war den Städten und der städtischen Umwelt gewidmet. Zwei wichtige Erklärungen wurden veröffentlicht: die COP29 Map Declaration for Resilient and Healthy Cities und die COP29 Declaration on Enhanced Climate Action in Tourism. Erstere ruft zur sektorübergreifenden Zusammenarbeit auf, um inklusive, nachhaltige und klimaresistente Städte zu schaffen. Sie unterstreicht die Bedeutung der Handlungsbereiche nachhaltiger städtischer Verkehr, umweltfreundliches Bauen, naturbasierte Lösungen und Klimafinanzierung.

Parallel dazu hat der Global Covenant of Mayors for Climate & Energy ein Paket neuer Partnerschaften und Ressourcen zur Beschleunigung von Klimamaßnahmen auf mehreren Ebenen eingeführt. Diese Initiative unterstützt die städtische Klimafinanzierung, die Datennutzung und die Innovation, damit die Städte Klimapläne umsetzen können. Der Urbanisation Day verdeutlichte die Dringlichkeit, mit der die klimatischen Herausforderungen auf städtischer Ebene angegangen werden müssen.

Stadtverwaltungen, Stadtplaner*innen und viele verwandte Berufsgruppen werden weiter auf die Klimaziele hinarbeiten. Und obwohl die Einigung auf der COP29 enttäuschend war, ist sie immer noch besser als gar kein Deal.

Lesen Sie mehr darüber, wie die Klimafinanzierung von Milliarden auf Billionen erhöht werden kann.