Kollaborative Zielsysteme in kommunalen Leitbildern

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Atemberaubende Luftaufnahme einer Stadt mit Fluss und nachhaltiger Stadtplanung, fotografiert von Carrie Borden.

Kollaborative Zielsysteme in kommunalen Leitbildern – klingt nach hochtrabender Verwaltungslyrik? Keineswegs! Wer heute noch glaubt, Städte lassen sich im Alleingang und auf Basis statischer Masterpläne gestalten, der hat den Puls der Zeit verpasst. Kollaborative Zielsysteme eröffnen Kommunen neue Horizonte: Sie schaffen den Spagat zwischen politischer Steuerung, fachlicher Expertise und gesellschaftlicher Teilhabe. Wie funktioniert das konkret? Und warum sind sie das vielleicht wichtigste Werkzeug für die resiliente Stadt von morgen? Tauchen wir ein in ein Thema, das mehr Dynamik entfaltet, als so manche Hochhausfassade vermuten lässt.

  • Definition und Entwicklung kollaborativer Zielsysteme in kommunalen Leitbildern
  • Abgrenzung zu klassischen Zielsystemen: Warum Kollaboration mehr als ein Trend ist
  • Methodische Grundlagen und Praxisbeispiele aus deutschen, österreichischen und Schweizer Städten
  • Die Rolle von Partizipation, Governance und interdisziplinärer Zusammenarbeit
  • Technische und organisatorische Voraussetzungen für erfolgreiche Implementierung
  • Chancen für Nachhaltigkeit, Resilienz und soziale Kohäsion
  • Risiken: Zielkonflikte, Überforderung, Gremiendynamiken
  • Wege zu echten, lebendigen Zielsystemen – statt Papiertigern und Worthülsen
  • Fazit: Kollaborative Zielsysteme als strategische DNA der zukunftsfähigen Stadt

Was sind kollaborative Zielsysteme – und warum brauchen Kommunen sie?

Kollaborative Zielsysteme sind keine modische Worthülse, sondern das Ergebnis eines fundamentalen Wandels in der kommunalen Planungskultur. Während klassische Zielsysteme meist von einer überschaubaren Zahl an Akteuren – oft Verwaltung und Politik – entworfen wurden, setzen kollaborative Ansätze auf die aktive Mitwirkung unterschiedlichster Gruppen. Damit sind sie das genaue Gegenteil von Top-down-Strukturen: Sie holen Fachleute, Verwaltung, Politik, Zivilgesellschaft, Wirtschaft und manchmal sogar die Wissenschaft an einen Tisch. Das Ziel: Leitbilder und Entwicklungsstrategien, die nicht nur auf dem Papier existieren, sondern breit getragen und handlungsleitend sind.

Der Reiz kollaborativer Zielsysteme liegt darin, dass sie Komplexität nicht scheuen, sondern nutzen. Städte stehen heute vor Aufgaben, die sich nicht mehr durch Sektorendenken oder Ressortzuständigkeiten lösen lassen. Die Klimaanpassung erfordert etwa die Zusammenarbeit von Grünflächenamt, Stadtentwässerung, Verkehrsplanung und Immobilienwirtschaft. Im Bereich sozialer Zusammenhalt treffen Integrationsstellen auf Stadtteilmanagements, Schulen und freie Träger. Kollaborative Zielsysteme schaffen die Plattform, auf der diese vielfältigen Interessen und Expertisen systematisch ausgehandelt werden können.

Ein weiteres Argument für kollaborative Zielsysteme: Sie erhöhen die Legitimität kommunaler Leitbilder maßgeblich. Beteiligung ist heute kein nettes Extra mehr, sondern ein demokratischer Anspruch, der gerade in Zeiten wachsender Polarisierung und sinkenden Vertrauens in die Institutionen an Bedeutung gewinnt. Leitbilder, die im Dialog entwickelt werden, sind nachvollziehbarer, akzeptierter und resilienter gegenüber politischen Wechseln. Sie können Zielkonflikte offenlegen, verschiedene Perspektiven integrieren und werden damit zu echten Orientierungsrahmen – nicht zu unverbindlichen Phrasen.

Natürlich kann man sich fragen, ob kollaborative Ansätze nicht zu langwierig, chaotisch oder gar unproduktiv sind. Doch die Praxis zeigt: Richtig gestaltet, können sie Planungsprozesse sogar beschleunigen. Denn Zielsysteme, die auf breiter Basis abgestimmt wurden, stoßen später auf weniger Widerstände, sparen langwierige Nachverhandlungen und minimieren die Gefahr von Blockaden. Zudem ermöglichen sie die Entwicklung von Szenarien, die verschiedene Interessenlagen schon im Vorfeld antizipieren – ein unschlagbarer Vorteil in einer immer komplexeren Stadtlandschaft.

Insgesamt markieren kollaborative Zielsysteme den Übergang von der Planung als Herrschaftsinstrument zur Planung als geteiltem Lernprozess. Sie sind das strategische Rückgrat einer Governance, die nicht nur reagiert, sondern aktiv gestaltet. Und sie sind ein Schlüssel, um aus Leitbildern tatsächlich gelebte Praxis zu machen – und nicht zuletzt ein Mittel, um die oft zitierte, selten erreichte „Handlungsfähigkeit“ der Städte zu sichern.

Von der Monokultur zum Ökosystem: Wie kollaborative Zielsysteme in der Praxis funktionieren

Die Umsetzung kollaborativer Zielsysteme ist kein Selbstläufer – sie erfordert methodische Präzision, organisatorische Offenheit und oft auch eine Portion Mut. Beginnen wir mit der Ausgangslage: Klassische Leitbildprozesse verlaufen häufig nach dem Schema „Expertenrunde entwirft – Politik beschließt – Verwaltung setzt um“. Kollaborative Zielsysteme hingegen verwandeln diesen linearen Ablauf in einen iterativen, dialogorientierten Prozess. Das bedeutet: Von Anfang an werden diverse Akteure in die Zieldefinition eingebunden, Zielkonflikte identifiziert und Kompromisse ausgehandelt.

Ein bewährtes Instrument ist die sogenannte Zielarchitektur. Sie unterscheidet zwischen Visionen, Leitbildern, strategischen und operativen Zielen – und ordnet sie in ein hierarchiefreies, flexibles Geflecht ein. So entsteht ein System, das nicht von oben nach unten diktiert wird, sondern in dem verschiedene Handlungsfelder miteinander verschränkt sind. Ein Beispiel: Das Leitbild „Klimaneutrale Stadt 2035“ wird ergänzt durch operative Ziele wie „50 Prozent weniger motorisierter Individualverkehr bis 2030“ oder „Erhöhung des Grünflächenanteils auf 30 Prozent“. Diese Ziele werden in Arbeitsgruppen, Planungszirkeln oder Bürgerforen entwickelt – und laufend überprüft.

Die Praxis in Städten wie Freiburg, Zürich oder Graz zeigt, dass solche Prozesse am besten funktionieren, wenn sie durch professionelle Moderation und digitale Tools flankiert werden. Beteiligungsplattformen, Online-Konsultationen und partizipative Visualisierungen machen komplexe Zielsysteme verständlich und zugänglich. Hier können Zielkonflikte sichtbar gemacht, Alternativen simuliert und Prioritäten gemeinsam gesetzt werden. Besonders spannend: In Berlin erprobt ein Bezirk die Kopplung von Zielsystemen mit urbanen Digital Twins, um die Auswirkungen verschiedener Maßnahmen in Echtzeit sichtbar zu machen – ein Quantensprung in Sachen Transparenz und Steuerungsfähigkeit.

Wichtig ist auch die institutionelle Verankerung kollaborativer Zielsysteme. Sie dürfen nicht als einmalige Beteiligungsaktion verpuffen, sondern müssen in den alltäglichen Steuerungsprozess der Kommune integriert werden. Das gelingt etwa durch Zielmonitorings, jährliche Fortschrittsberichte, Ziel-Checklisten bei Ratsentscheidungen oder die Einrichtung eines „Zielsystembeirats“, der regelmäßig die Kohärenz und Aktualität prüft. So bleibt das Leitbild nicht nur Leitplanke, sondern wird zum lebendigen Steuerungsinstrument.

Schließlich gilt: Kollaborative Zielsysteme funktionieren nur, wenn Konflikte nicht als Störfaktor, sondern als Motor der Entwicklung verstanden werden. Unterschiedliche Interessen, widersprüchliche Erwartungen und auch Machtfragen gehören dazu. Genau deshalb braucht es transparente Verfahren, offene Kommunikation und die Bereitschaft, Kompromisse einzugehen – ohne die Grundprinzipien des Leitbilds aus den Augen zu verlieren. Dann werden aus Zielsystemen keine Worthülsen, sondern echte Innovationsmotoren.

Chancen und Risiken: Kollaborative Zielsysteme zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Die Potenziale kollaborativer Zielsysteme sind beeindruckend – aber sie kommen nicht ohne Stolpersteine daher. Beginnen wir mit den Chancen: Durch die Integration unterschiedlicher Perspektiven gewinnen Leitbilder und Zielsysteme an Tiefe, Flexibilität und Widerstandskraft. Sie können auf Krisen schneller reagieren, Innovationspotenziale besser ausschöpfen und bieten eine Plattform für neue Allianzen zwischen Verwaltung, Wirtschaft, Zivilgesellschaft und Wissenschaft. In der nachhaltigen Stadtentwicklung etwa ermöglichen sie es, ökologische, ökonomische und soziale Ziele nicht nur nebeneinander, sondern miteinander zu denken.

Ein weiterer Vorteil liegt in der erhöhten Akzeptanz. Wenn relevante Gruppen frühzeitig eingebunden werden, entsteht ein Gefühl der Mitverantwortung und Identifikation. Das reduziert Widerstände bei der Umsetzung und fördert die Bereitschaft, auch unbequeme Maßnahmen mitzutragen – etwa in den Bereichen Klimaanpassung, Flächenumnutzung oder Verkehrswende. So werden Zielsysteme zum Katalysator für Transformationsprozesse, die weit über sektorale Einzelmaßnahmen hinausgehen.

Dennoch sind die Risiken nicht zu unterschätzen. Kollaborative Zielsysteme bergen die Gefahr der Überforderung: Je mehr Akteure beteiligt sind, desto größer wird die Komplexität. Es drohen Endlosdiskussionen, Verwässerung der Ziele oder Blockaden durch Kleingruppeninteressen. Gerade in politisch aufgeladenen Kontexten besteht das Risiko, dass Zielsysteme zur Bühne für Symbolpolitik oder Lobbyismus werden. Hier hilft nur eine kluge Prozessgestaltung, die Mitsprache mit Ergebnisorientierung verbindet.

Ein weiteres Problemfeld ist die institutionelle Trägheit. Viele Verwaltungen sind noch nicht auf iterative, offene Steuerungsmodelle eingestellt. Es fehlt an Ressourcen, Know-how und manchmal auch an der Bereitschaft, Macht zu teilen. Kollaborative Zielsysteme können zudem bestehende Hierarchien in Frage stellen – ein Umstand, der nicht überall auf Gegenliebe stößt. Deshalb braucht es Mut zur Lücke: Nicht jede Entscheidung kann basisdemokratisch ausgehandelt werden, und nicht jede Zielsetzung ist für den offenen Diskurs geeignet.

Schließlich ist Transparenz der entscheidende Faktor. Wenn Beteiligungsprozesse und Zielsysteme nicht nachvollziehbar dokumentiert und kommuniziert werden, entsteht schnell Misstrauen. Die Kunst liegt darin, Ergebnisse und Entscheidungswege so aufzubereiten, dass sie verständlich, überprüfbar und anschlussfähig sind – sowohl nach innen als auch nach außen. Nur so werden kollaborative Zielsysteme zu einem echten Mehrwert für die Stadtentwicklung – und nicht zu einer weiteren administrativen Schicht.

Technik, Tools, Transformation: Was es für echte Kollaboration braucht

Wer kollaborative Zielsysteme erfolgreich etablieren will, muss auf mehreren Ebenen ansetzen: technisch, organisatorisch und kulturell. Beginnen wir mit der Technik: Moderne Beteiligungsplattformen, digitale Whiteboards, Simulationsmodelle und Datenvisualisierungen sind unverzichtbare Werkzeuge. Sie machen komplexe Zusammenhänge greifbar, ermöglichen asynchrone Mitwirkung und schaffen Transparenz im Prozess. In Städten wie Zürich oder Wien werden Zielsysteme mittlerweile mit urbanen Datenplattformen verknüpft, um Fortschritte in Echtzeit zu messen und sichtbar zu machen. Das steigert die Steuerungsfähigkeit und eröffnet neue Möglichkeiten für Monitoring und Evaluation.

Organisatorisch sind klare Strukturen und Zuständigkeiten entscheidend. Es braucht Prozessverantwortliche, die den Dialog moderieren, Ergebnisse bündeln und Konflikte konstruktiv bearbeiten. Eine offene Fehlerkultur, die auch Scheitern als Teil des Lernprozesses akzeptiert, ist ebenso wichtig wie flexible Entscheidungswege. Hier bewähren sich hybride Formate: Workshops, digitale Foren und klassische Sitzungen werden kombiniert, um möglichst viele Perspektiven einzubinden, ohne die Steuerbarkeit zu verlieren.

Kulturell schließlich ist ein Bewusstseinswandel gefragt. Kollaborative Zielsysteme verlangen von allen Beteiligten die Bereitschaft, eigene Positionen zu hinterfragen, Macht zu teilen und auf Augenhöhe zu agieren. Das setzt Vertrauen voraus – nicht nur in die Verfahren, sondern auch in die Ergebnisse. Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft müssen lernen, mit Unsicherheiten, Zielkonflikten und Kompromissen umzugehen. Das ist kein Selbstläufer, sondern ein kontinuierlicher Lernprozess, der Zeit und Ressourcen erfordert.

Ein Erfolgsfaktor ist die klare Kommunikation über Ziele, Prozesse und Zuständigkeiten. Nur wenn alle Beteiligten wissen, worauf sie sich einlassen, entsteht echtes Engagement. Dazu gehört auch die transparente Dokumentation aller Zwischenergebnisse, die öffentliche Diskussion von Zielkonflikten und die kontinuierliche Rückkopplung an die Akteure. Digitale Tools können hier einen wichtigen Beitrag leisten – sie ersetzen aber nicht das persönliche Gespräch, das kreative Ringen um Lösungen und die gemeinsame Verantwortung für das Ergebnis.

Last but not least: Kollaborative Zielsysteme sind kein Selbstzweck. Sie müssen auf die konkreten Herausforderungen der Stadt zugeschnitten sein und dürfen nie zur Alibi-Beteiligung verkommen. Entscheidend ist, dass sie tatsächlich Einfluss auf die Entwicklung nehmen – und nicht im Vakuum enden. Nur dann entstehen Leitbilder, die mehr sind als bunte Broschüren – nämlich echte Transformationsmotoren für die Stadt von morgen.

Fazit: Kollaborative Zielsysteme als strategische DNA der Stadtentwicklung

Kollaborative Zielsysteme sind weit mehr als ein methodischer Trend – sie markieren einen Paradigmenwechsel in der kommunalen Planungskultur. Sie geben Städten die Möglichkeit, Komplexität zu nutzen, statt sie zu fürchten. Sie fördern Innovation, stärken die Akzeptanz und machen Leitbilder zu echten Steuerungsinstrumenten. Doch sie sind kein Selbstläufer: Sie verlangen Offenheit, Geduld und die Bereitschaft, auch unbequeme Wege zu gehen. Wer sie strategisch einsetzt, gewinnt nicht nur neue Gestaltungsspielräume, sondern auch eine robuste Basis für nachhaltige, resiliente und lebenswerte Städte. Die Zukunft gehört den Kommunen, die Kollaboration zur DNA ihrer Entwicklung machen – und Leitbilder endlich als das begreifen, was sie sein können: Kompass, Motor und Gemeinschaftswerk zugleich.

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Mit seinem einzigartigen Look verbindet der Experimenta-Platz in Heilbronn, gestaltet von uniola AG und von K GmbH, die prägnanten Bauten und die Parkflächen der Kraneninsel. Foto: von K GmbH
Mit seinem einzigartigen Look verbindet der Experimenta-Platz in Heilbronn, gestaltet von uniola AG und von K GmbH, die prägnanten Bauten und die Parkflächen der Kraneninsel. Foto: von K GmbH

Von der repräsentativen Freifläche zur grünen Stadtoase: Seit 2019 entwickelt sich der zentrale Platz auf der Kraneninsel in Heilbronn kontinuierlich weiter. Mit Nebelanlage und Klimawald ist er jetzt ein urbaner Ort zum Durchatmen. Die Büros von K GmbH und uniola AG berichten in ihrer Projektvorstellung über dessen Gestaltung.

Kontinuierliche Weiterentwicklung

Die experimenta im baden-württembergischen Heilbronn gilt mit rund 25 000 Quadratmeter Fläche als das größte Science Center Deutschlands. Menschen aller Alternsgruppen bekommen hier die Möglichkeit, Naturwissenschaft und Technik zu entdecken und zu begreifen. Verortet ist die Lern- und Erlebniswelt mitten im Stadtzentrum von Heilbronn auf der Kraneninsel im Neckaruferpark. Dabei wurde die ursprüngliche Wissensausstellung im historischen Hagenbucher-Speicher im Jahr 2019 zur Bundesgartenschau (BUGA) um einen Neubau – ebenfalls auf der Neckarinsel – erweitert.

Zwischen dem alten und neuen experimenta-Gebäude spannt sich jetzt ein rund 7 000 Quadratmeter großer Platz. Die repräsentative Fläche, die zur Eröffnung der Bundesgartenschau 2019 fertiggestellt wurde, stellt mit ihrer Gestaltung die visuelle Verbindung zwischen dem ursprünglichen Gebäude und dem futuristischen Neubau dar. Seither entwickelt sich der Platz optisch als auch in seiner Funktionalität kontinuierlich weiter, wie die folgende Beschreibung der gestalterischen Etappen zeigt – vom charakteristischen Look bis hin zur klimawirksamen Begrünung.

Architektonisches Bindeglied

Die erste gestalterische Planung des Experimenta-Platzes entwarfen die Landschaftsarchitekt*innen der uniola AG anhand des Wettbewerbskonzeptes, das durch das Büro von K GmbH baulich umgesetzt wurde. Seit der Fertigstellung 2019 hat das Team der von K GmbH die Freianlagen mehrfach auf Basis der ursprünglichen Gestaltung weiterentwickelt. Optisch präsentiert sich der Platz mit Wiedererkennungswert: Als homogener Teppich verbindet er die Parkflächen der Kraneninsel mit den beiden prägnanten Bauten und nimmt mit dem Neckar über terrassierte Sitzstufen Kontakt im Kontext der angrenzenden Wasseranlagen auf. Das Kleinsteinpflaster aus Basanitgestein wurde im wilden Verband (Passe) verlegt und erstreckt sich bis an die westlich angrenzende Kranenstraße, die in enger Abstimmung mit der Stadt umgewidmet wurde. In Anlehnung an die Gebäudeform sind fünfeckige Intarsien aus sandsteinartigem Betonwerkstein in die Pflasterfläche integriert, die der Außenfläche einen eigenständigen Charakter mit Wiedererkennungswert verschaffen. Über den Platz verteilt befinden sich mehrere Bauminseln mit lichten Bäumen. Die polygonalen Randeinfassungen, die gleichzeitig als Sitzgelegenheiten dienen, greifen den architektonischen roten Faden auf und führen ihn stimmig fort. Bei Nacht wird die Außenfläche stimmungsvoll in Szene gesetzt: Unterschiedlich hohe Mastleuchten illuminieren die Gebäude und den gesamten Platz.

Vom blühenden Park zur Dauervegetation

Auch nach der BUGA 2019 haben die Landschaftsarchitekt*innen der von K GmbH maßgeblich an der sukzessiven gestalterischen Weiterentwicklung des experimenta-Geländes und der Kraneninsel mitgewirkt. Das Büro wurde mit der Ausarbeitung der neuen Pflanz- und Pflegekonzepte beauftragt: Es galt, die rund 900 Quadratmeter große Wechselflorflächen auf dem stark frequentierten Platz in eine Daueranlage umzuwandeln und die Arbeiten zu koordinieren. Dazu haben die von-K-Planer*innen die Anordnung der Beete modifiziert und mit naturnahen Gehölzen, Stauden und frühblühenden Blumenzwiebeln bepflanzt. Auch die bestehenden Bauminseln haben sie überarbeitet und die Wege neu strukturiert. Die repräsentative, ökologisch hochwertige Anlage ist dank zentraler Lage auch nach der BUGA ein viel frequentierter Ort in Heilbronn mit hoher Aufenthaltsqualität.

Um den durchschnittlichen Pflegeaufwand zu optimieren, werden die Vegetationsflächen auf dem Experimenta-Platz jetzt mit einem intelligenten System bewässert: Die moderne Steuerung erfolgt nicht über eine gängige Zeitschaltuhr, sondern nutzt meteorologische Wetterdaten. Die Bewässerung der Pflanzen erfolgt somit nur dann, wenn sie wirklich gebraucht wird – also beispielsweise nicht, wenn starke Regenfälle erwartet werden. So wird auch der Wasserverbrauch minimiert.

Weichen neu stellen fürs städtische Klima

Städte und Gemeinden – besonders die dicht bebauten Innenstädte – stellen durch den Klimawandel-bedingten Temperaturanstieg zunehmend Hitzeinseln dar, vor allem in den Sommermonaten. Eine nachhaltige und dynamische Stadtentwicklung braucht deshalb zahlreiche durchdachte Maßnahmen, die den Klimaschutz und die Klimaresilienz im Blick haben: Mehr Grün, mehr Wasser, weniger Asphalt und Beton tragen zu einem besseren Mikroklima bei und sorgen damit für mehr Lebensqualität. Mit der Entscheidung der Bauherren, einen sogenannten AI-Pavillon am Experimanta-Platz zu errichten, konnte auch der gesamte Freiraum mit Fokus auf die klimaresilienten Bedingungen neu gedacht werden. In bewährter Zusammenarbeit zwischen der uniola AG und von K GmbH entstand in kürzester Zeit eine Platzaufwertung, die ihresgleichen sucht. Nach dem Motto „Der Experimenta-Platz soll grüner werden“ trägt die Umgestaltung den klimatischen und nachhaltigen Anforderungen Rechnung und leistet ebenfalls einen Beitrag dazu, das innerstädtische Klima in Heilbronn gesamthaft zu verbessern. Im neuen AI-Pavillon dreht sich jetzt alles rund um das Thema Künstliche Intelligenz (KI). Besucherinnen und Besucher erhalten dort einen spannenden Einblick in die Technologie und können vor Ort KI-Anwendungen testen.

Über den Experimenta-Platz verteilt befinden sich mehrere Inseln mit lichten Bäumen. Foto: von K GmbH
Über den Experimenta-Platz verteilt befinden sich mehrere Inseln mit lichten Bäumen. Foto: von K GmbH

Zukunftsbäume und Blühwiese für mehr Klimaschutz

Die dafür erforderliche Umgestaltung des Platzes basiert erneut auf einem Konzept der Landschaftsarchitekt*innen der uniola AG; die federführende Umsetzung aller Leistungsphasen oblag dem Büro von K in einer Arbeitsgemeinschaft. Um die Lebens- und Luftqualität in der Stadtmitte nachhaltig zu verbessern, wurden die bisherige Belagsfläche weitmöglichst entsiegelt, um Raum zu schaffen für grüne Inseln mit kühlendem Waldcharakter.

Für die bepflanzten Oasen bestand der Wunsch, dass sie mit abwechslungs- und möglichst blütenreicher Optik das ganze Jahr begeistern und eine große Artenvielfalt bieten. Bei der Auswahl der Gehölze galt es zudem zu berücksichtigen, dass sie den extremen Standortfaktoren gewachsen sein müssen: Teile des Experimenta-Platzes sind unterbaut und bieten damit wenig Wurzelraum. Die Versiegelung sowie rückstrahlende Fassadenwände sorgen zudem für eine hohe Hitzeentwicklung besonders in der heißen Jahreszeit. Die beiden Waldoasen wurden deswegen auf modelliertem Gelände erhöht angelegt (rund 1,20 Meter). Ein spezielles Leichtsubstrat versorgt das eingepflanzte Grün zuverlässig dank hoher Wasserhaltekapazität. Bei der Auswahl der Gehölze hatte das Büro von K sowohl die heimische Flora und Fauna als auch den Klimawandel im Blick: In den beiden Baum-Arealen des Platzes wurden sogenannte „Zukunftsgehölze“ gepflanzt – also solche, die sich den wandelnden Klimabedingungen anpassen können oder bekanntermaßen mit extremem Klima wie Trockenheit gut zurechtkommen. Wo es möglich war, fiel die Wahl auf heimische Pflanzen. Entstanden ist ein sogenannter „Klimawald“, in dem sich zum Teil die ursprünglichen Weiden wiederfinden, aber auch Waldkiefern, die Himalaja-Birke, die Mehlbeere oder der Rot-Ahorn für farbliche Akzente. Als Kleingehölze ergänzen beispielsweise die Kupferfelsbirne und die Winter-Heckenkirsche die Bepflanzung sowie trockenheitsresistente Gräser. Immergrüne Gehölze wie die Duftblüte sorgen zudem für Attraktivität im Winter.

Nebelanlage für Abkühlung

Neben der Gehölzpflanzungen wurde auch eine Blühwiese zum Erhalt der Biodiversität angelegt. Die bunten Weiden – teilweise mit Wildblumen sowie mit Kräutern und Gräsern aus heimischer Saat – bieten Insekten und anderen Kleinstlebewesen den dringend benötigten Nist- und Lebensraum sowie ein großes Nahrungsangebot; gleichzeitig sind sie eine Augenweide für Spaziergänger*innen und Passant*innen. Durch die teilweise Entsiegelung des Platzes entstanden zudem mehr offene Flächen, die eine bessere Regenwasserversickerung ermöglichen.

Ebenfalls mit Blick auf die Verbesserung der Klimaresilienz sorgt jetzt eine Nebelanlage für Abkühlung der Passant*innen an heißen Tagen. Auch die Umwelt wird durch die feuchte Luft positiv beeinflusst: Durch den zeitlich gesteuerten Wassernebel können die Außentemperaturen in der direkten Umgebung um mehrere Grade gesenkt werden – gerade in der Nähe von steinernen Oberflächen wie Böden und Fassaden ist der positive Effekt besonders spürbar und nützlich.

Intelligente Zufahrtssteuerung

Im Zuge der Neugestaltung des Experimenta-Platzes hat von K auch die Verkehrsanlagenplanung für die Kraneninsel (Belastungsklasse 3,2) übernommen: Dazu zählt die Planung einer Ampelanlage, die Optimierung der Fahrbahnbreite im Zuge der Entsiegelungsmaßnahmen und die Schaffung von Ausweichstellen für LKW. Die von-K-Landschaftsarchitekt*innen haben in ihrem Konzept zudem eine Stellplatzanlage für autonome Busse integriert und – in Abstimmung mit der Feuerwehr, der Stadt Heilbronn sowie den Betreibern der experimenta – eine sichere Zufahrtskontrolle entwickelt, welche nur den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der experimenta und der Stadtverwaltung die Zufahrt auf die Kraneninsel gestattet. Durch die Nutzung von Senkpollern wird die Zufahrt von Lieferfahrzeugen gesteuert und deren Zugang zur Platzfläche ermöglicht. Wer dorthin möchte, muss sich per Chip authentifizieren oder klingeln. Auch die automatische Erkennung des Fahrzeugkennzeichens ist möglich.

Seit der Einweihung des neugestalteten Experimenta-Platzes im Juni 2024 zeigen die Besucherinnen und Besucher, dass die lokalen Verbesserungen des Klimas gelungen sind und gut ankommen: An den heißen Tagen im Sommer haben sich die Passant*innen in den Sprühnebel gestellt, um die kühle Erfrischung zu genießen. Wer eine kurze Pause zum Ausruhen braucht, findet jetzt einen Sitzplatz im Schatten eines Baumes. Zudem ist eine Langzeitmessung der Temperatur- und Klimaentwicklung auf dem Platz geplant; diese wird neben den subjektiv fühlbaren Verbesserungen auch messbare Ergebnisse zur Abkühlung des Areals ergeben.

Unternehmensporträt

Außenräume nachhaltig gestalten, Grün- und Freiflächen zum Wohlfühlen schaffen sowie individuelle Gärten planen – das macht von K Landschaftsarchitektur mit Leidenschaft und Know-how. Gegründet 2017 im baden-württembergischen Ostfildern, ist das junge Unternehmen auf der Filderebene beheimatet. Von dort aus und remote arbeiten rund 20 Mitarbeitende für Projekte weit über den Ballungsraum Stuttgart hinaus; seit 2024 auch am zweiten Standort in Denkendorf, wo von K Platz geschaffen hat für ein dynamisch wachsendes Team.

Mit einem hohen Anspruch an Qualität, Kreativität und der Liebe zum Detail haben sich die von-K-Landschaftsarchitekt*innen einen Namen gemacht. Auch deren zentralen Werte und ihre Arbeitsweise kommen gut an: Von K punktet mit Zuverlässigkeit, Termintreue, Professionalität und Fairness. Private, gewerbliche und kommunale Bauherren schätzen das Büro als erfahrene Berater*innen und Planer*innen von wirtschaftlich durchdachten und authentischen Landschaftskonzepten. Große Vorzeigeprojekte belegen dies. Dazu gehören beispielsweise die Gestaltung des Bildungscampus und des Platzes rund um die Lern- und Erlebniswelt experimenta in Heilbronn für die Dieter-Schwarz-Gruppe.

Ungenutzte Brückenkonstruktionen können im urbanen Umfeld ungeahnte Möglichkeiten bieten. Berühmtestes Vorbild für eine aufgeständerte Nachnutzung ist wohl der New Yorker High Line Park, gelegen auf einer stillgelegten Hochbahntrasse. Eine ähnliche Strategie verfolgt die Stadtverwaltung von Seoul: ein groß angelegtes Stadtentwicklungsprogramm soll die Stadt grüner und für Fußgänger attraktiver gestalten. Herzstück der Planung ist dabei der kürzlich eröffnete Seoullo 7017 Skygarden von MVRDV.

Transformation einer Hochstraße zum Park

Freiräume sind in Seoul ein seltenes Gut. Die Bevölkerungsdichte ist rund viermal so hoch wie in Berlin und das Zentrum ist von versiegelten Verkehrsflächen geprägt. Nach der Umsetzung des städtischen Programms, wurde eine rund einen Kilometer lange Hochstraße vom Verkehr befreit. Die Architekten des niederländischen Büros MVRDV gewannen die Ausschreibung im Jahr 2015 und verwandelten die ehemalige Stadtautobahn in einen attraktiven städtischen Park. Das verästelte, geschwungene Brückenbauwerk stellt damit eine wichtige Fußgängerverbindung im unmittelbaren Umfeld des Hauptbahnhofs dar.

Pflanzenbibliothek aus 24 000 Pflanzen

Der Seoullo 7017 Skygarden zieht seine Besucher in erster Linie durch seine einzigartigen Blickbeziehungen aus 16 Metern Höhe an. 228 verschiedenen Pflanzenarten sind nach dem südkoreanischen Alphabet sortiert und verdeutlichen die Vielfalt heimischer Gewächse. Die insgesamt 24 000 Pflanzen sind in mehreren kleinen Gärten zusammengefasst, welche jeweils einen eigenen Charakter haben. Die Zahlenkombination „7017“ bezieht sich auf die Eröffnungsjahre der Stadtautobahn 1970 und des Parks 2017.