Kommunale Bodenpolitik und Klima – Wie Eigentum Nachhaltigkeit blockiert

Vogelperspektive einer dicht bebauten, strukturierten Nachbarschaft als Symbol für kommunale Bodenpolitik und Klimaschutz-Herausforderungen.
Dichtes Stadtviertel zeigt, wie privates Eigentum klimafitte Stadtentwicklung hemmt.

Wem gehört eigentlich die Stadt? Und warum tun sich Kommunen so schwer, ihre Böden im Sinne des Klimas zu nutzen? Die Antwort liegt nicht im fehlenden Willen oder mangelnden Konzepten, sondern im Eigentum selbst – ein Bollwerk gegen nachhaltige Stadtentwicklung. Wer wirklich klimafitte Städte will, muss sich an die kommunale Bodenpolitik wagen. Denn Eigentum ist das neue Nadelöhr der Nachhaltigkeit.

  • Analyse der zentralen Rolle von Bodenpolitik für Klimaschutz und nachhaltige Stadtentwicklung.
  • Kritische Betrachtung historischer Entwicklungen von Bodenrecht und Eigentum in Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Erklärung, wie privates Eigentum und spekulative Bodenverwertung Nachhaltigkeit ausbremsen.
  • Ausführliche Beispiele aus Kommunen: Handlungsoptionen, Hemmnisse und innovative Ansätze.
  • Vertiefung der Wechselwirkungen von Bodenpolitik, Klimaresilienz und sozialer Stadtentwicklung.
  • Juristische, ökonomische und gesellschaftliche Barrieren für eine klimaorientierte Bodenpolitik.
  • Diskussion um Reformen: Erbbaurecht, Vorkaufsrechte, Bodenfonds und neue Allianzen.
  • Bewertung internationaler Vorbilder und ihrer Übertragbarkeit auf den deutschsprachigen Raum.
  • Fazit: Warum nachhaltige Stadtentwicklung einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Eigentum braucht.

Eigentum als Zwangsjacke – Wie Bodenpolitik das Klima blockiert

Wer heute durch deutsche Städte spaziert, sieht auf den ersten Blick: Der urbane Raum ist geprägt von Eigentum. Über Jahrzehnte wurde Grund und Boden privatisiert, parzelliert, veräußert und vererbt. Dieser Prozess ist historisch gewachsen und tief im bürgerlichen Selbstverständnis verankert. Doch genau hier beginnt das Dilemma der nachhaltigen Stadtentwicklung. Denn Eigentum ist nicht neutral – es ist ein Machtinstrument, das den Zugriff auf Flächen, deren Nutzung und damit auch deren Entwicklungsmöglichkeiten fundamental limitiert. Kommunen erleben tagtäglich, wie ihre planerischen Möglichkeiten an den Grenzen von Eigentum zerschellen.

Das deutsche Grundgesetz garantiert das Eigentum und schützt es in besonderem Maße. Doch was als Schutz vor Willkür und staatlicher Übergriffigkeit gedacht war, blockiert heute vielfach die Anpassungsfähigkeit der Städte an neue Herausforderungen. Klimawandel, Hitzewellen, Starkregen, Flächenverbrauch – all das verlangt eine flexible, vorausschauende und gemeinwohlorientierte Bodenpolitik. Doch der größte Teil der städtischen Flächen ist längst in privater Hand. Die Folge: Kommunen können Flächen für Parks, Frischluftschneisen, Retentionsräume oder nachhaltigen Wohnungsbau oft nur teuer zurückkaufen – wenn überhaupt. Spekulative Preissteigerungen und unübersichtliche Eigentümerstrukturen tun ihr Übriges.

Boden ist keine beliebig vermehrbare Ressource. Im Gegenteil: Seine Knappheit und seine zentrale Rolle für Klimaschutz machen ihn zur strategischen Schlüsselressource des 21. Jahrhunderts. Doch während fast alle anderen klimapolitischen Themen – von Energie über Mobilität bis Kreislaufwirtschaft – längst zu zentralen Handlungsfeldern avanciert sind, fristet die Bodenpolitik ein Nischendasein. Das liegt nicht am Desinteresse der Kommunen, sondern am System Eigentum selbst. Jede Umwidmung, jede Umnutzung, jeder Flächentausch wird so zum kleinteiligen Verhandlungskrimi. Die mächtigste Waffe gegen nachhaltige Stadtentwicklung ist nicht der fehlende politische Wille, sondern das Privateigentum am Boden.

Gleichzeitig zeigt sich: Dort, wo Kommunen noch über nennenswerte Flächen verfügen, können sie klimaorientiert und sozial steuern. Von München bis Wien, von Freiburg bis Zürich – überall dort, wo gemeindeeigene Flächen im Spiel sind, entstehen innovative Quartiere, Grünzüge, Schwammstadtkonzepte und leistbarer Wohnraum. Doch das ist die Ausnahme, nicht die Regel. Historische Fehler – wie die massenhafte Veräußerung kommunaler Grundstücke in den 1990er- und 2000er-Jahren – rächen sich heute bitter. Kommunale Bodenpolitik ist deshalb zur Schicksalsfrage für die klimafitte Stadt geworden.

Die zentrale Erkenntnis: Eigentum ist kein natürliches Recht, sondern eine gesellschaftliche Konstruktion – und damit gestaltbar. Wer den Bodenmarkt allein den Kräften von Angebot und Nachfrage überlässt, riskiert die Steuerungsfähigkeit der Städte. Kommunen brauchen neue Instrumente, Mut zur Rückeroberung und vor allem ein radikal anderes Verständnis von Eigentum: als Verpflichtung zum Gemeinwohl und zur Klimagerechtigkeit.

Bodenrecht, Spekulation und Klimaziele – ein toxisches Dreieck

Die historische Entwicklung der Bodenpolitik im deutschsprachigen Raum ist eine Geschichte verpasster Chancen. Schon im Kaiserreich wurde über die Bodenfrage gestritten, die Weimarer Republik diskutierte Enteignungen zugunsten des Wohnungsbaus, und auch nach dem Zweiten Weltkrieg war die Bodenreform ein zentrales Thema. Doch stets triumphierte das private Eigentum über gemeinwohlorientierte Ansätze. Mit der Liberalisierung der Märkte und der Globalisierung des Immobiliensektors seit den 1990er-Jahren hat sich diese Schieflage weiter verschärft. Boden wurde zur Ware, zur Spekulationsmasse, zum Renditeobjekt.

Speziell im urbanen Kontext wirkt sich diese Entwicklung fatal aus. Die Preise für Grundstücke steigen schneller als jede Baukostensteigerung, die Renditeerwartungen privater Eigentümer kollidieren mit den Anforderungen an preiswerten Wohnungsbau, soziale Infrastruktur oder Grünflächen. Kommunen geraten in einen Teufelskreis: Sie müssen immer höhere Summen für den Rückkauf von Flächen ausgeben, was wiederum den Bodenpreis weiter nach oben treibt. Der Markt reguliert hier gar nichts – er produziert Knappheit, Ausschluss und soziale Spaltung.

Die Klimaziele von Bund, Ländern und Kommunen sind ambitioniert. Doch sie bleiben Makulatur, solange die Bodenpolitik nicht nachzieht. Wer Schwammstadt-Strategien, hitzeresiliente Quartiere, urbane Landwirtschaft oder die großflächige Entsiegelung will, braucht Flächen. Und zwar solche, auf die die Kommune tatsächlich Zugriff hat. Privateigentümer jedoch haben kein Interesse an kurzfristigen Erträgen aus öffentlichen Nutzungen. Ihre Logik ist die Wertsteigerung, nicht das Gemeinwohl. Klimaresilienz wird so zur Verhandlungsmasse – oder bleibt ganz auf der Strecke.

Juristisch sind den Kommunen enge Grenzen gesetzt. Das Baugesetzbuch bietet zwar Instrumente wie das Vorkaufsrecht, städtebauliche Verträge oder den Umlegungsparagrafen. Doch diese Tools sind oft zahnlos: Sie greifen nur, wenn bestimmte enge Voraussetzungen erfüllt sind, werden durch gerichtliche Verfahren verzögert oder durch Lobbyinteressen auf Bundesebene abgeschwächt. Gerade in Boomregionen lassen sich Eigentümer ihre Zustimmung teuer bezahlen oder blockieren Projekte über Jahre hinweg. Die Folge: Klimapolitik bleibt im Dickicht des Bodenrechts stecken.

Hinzu kommt die Internationalisierung der Märkte. Immer mehr Flächen befinden sich in den Portfolios institutioneller Anleger, globaler Investmentfonds oder anonymer Zweckgesellschaften. Für Kommunen wird es dadurch fast unmöglich, überhaupt noch Kontakt zu den Eigentümern herzustellen – geschweige denn, strategisch zu steuern. Der Bodenmarkt hat sich von der Stadtgesellschaft entkoppelt. Die Machtfrage lautet deshalb: Wem gehört die Stadt – und wer entscheidet über ihre Zukunft?

Innovative Ansätze: Kommunale Handlungsspielräume und ihre Grenzen

Trotz aller Hemmnisse gibt es beeindruckende Leuchtturmprojekte, die zeigen, wie kommunale Bodenpolitik anders und besser funktionieren kann. Die Stadt München etwa verfolgt seit Jahren eine konsequente Bodenbevorratung: Wo immer möglich, kauft die Kommune Flächen an, um sie nach gemeinwohlorientierten Kriterien zu entwickeln. Das Instrument des Erbbaurechts verhindert, dass strategische Grundstücke dauerhaft aus der öffentlichen Hand verschwinden. So entstehen bezahlbare Wohnungen, soziale Infrastruktur und klimaangepasste Freiräume – und das dauerhaft.

Ein weiteres Beispiel liefert die Stadt Wien. Hier wird der kommunale Bodenfonds aktiv genutzt, um Flächen für soziale und ökologische Projekte zu sichern. Die Vergabe erfolgt nicht an den Meistbietenden, sondern nach klaren Qualitätskriterien. Die Folge: Es entstehen urbane Quartiere mit hoher Durchmischung, großzügigen Grünräumen und innovativen Mobilitätskonzepten. Gleichzeitig werden Spekulation und Preissteigerungen gezielt eingedämmt. Wien gilt nicht umsonst als Vorbild für viele deutsche Städte.

Doch auch kleinere Städte und Gemeinden entwickeln zunehmend kreative Strategien. In Tübingen etwa setzt man auf das Konzept der Konzeptvergabe: Grundstücke werden nicht nach dem höchsten Gebot verkauft, sondern nach der Qualität der eingereichten Nutzungskonzepte. Kriterien wie Klimaschutz, soziale Mischung oder gemeinwohlorientierte Trägerschaft stehen im Vordergrund. Das Ergebnis sind Quartiere, die sich an den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft orientieren – und nicht an den Renditeinteressen von Investoren.

All diese Ansätze zeigen: Kommunale Bodenpolitik kann ein Schlüssel für nachhaltige, klimaorientierte Stadtentwicklung sein. Doch sie stößt schnell an juristische und finanzielle Grenzen. Die Mittel der Kommunen sind begrenzt, die Marktdynamik übermächtig. Ohne eine tiefgreifende Reform des Bodenrechts und ohne Unterstützung von Bund und Ländern werden diese Leuchtturmprojekte die Ausnahme bleiben. Der Flächenmarkt ist kein normales Marktsegment – er ist der Nerv der urbanen Transformation.

Vor allem aber braucht es einen Paradigmenwechsel im Umgang mit Eigentum. Nur wenn das Gemeinwohl Vorrang vor individuellen Profitinteressen erhält, können Städte klimafit, sozial gerecht und zukunftsfähig werden. Das erfordert Mut – und ein neues Selbstverständnis der kommunalen Planung.

Wege aus der Eigentumsfalle: Reformen, Allianzen und internationale Perspektiven

Um die Blockade durch Eigentum zu überwinden, braucht es mehr als lokale Initiativen. Gefordert ist ein Bündel an Maßnahmen, das den Handlungsspielraum der Kommunen systematisch erweitert. An erster Stelle steht die Reform des Bodenrechts. Das kommunale Vorkaufsrecht muss gestärkt, entschlackt und entbürokratisiert werden. Auch die Einführung eines gemeinwohlorientierten Bodenfonds auf Landes- oder Bundesebene könnte den Kommunen ermöglichen, strategisch Flächen zu sichern – unabhängig von kurzfristigen Haushaltszwängen. Die Idee: Nicht der Markt, sondern die Gesellschaft entscheidet, wie Flächen genutzt werden.

Ein weiterer Hebel liegt im Ausbau des Erbbaurechts. Es verhindert, dass wertvolle Flächen dauerhaft in private Hände wandern, und sichert der Kommune langfristig die Steuerungshoheit. Hier bedarf es jedoch eines Mentalitätswandels – nicht nur bei Investoren, sondern auch in der Verwaltung und bei politischen Entscheidern. Das Narrativ vom „guten Eigentum“ muss durch das Leitbild vom „verantwortlichen Eigentum“ ersetzt werden.

Teilweise können Allianzen mit zivilgesellschaftlichen Akteuren, Wohnungsbaugenossenschaften und lokalen Initiativen helfen, Flächen der Spekulation zu entziehen. Modelle wie das Mietshäuser Syndikat oder Stiftungskonstrukte schaffen neue Trägerformen, die sich dem Gemeinwohl verpflichten. Auch die Vernetzung mit internationalen Vorreitern ist ein wichtiger Impulsgeber. Städte wie Zürich, Kopenhagen oder Amsterdam zeigen, wie konsequente Bodenpolitik nachhaltige Stadtentwicklung ermöglicht.

Gleichzeitig müssen Bund und Länder die Kommunen finanziell und rechtlich stärken. Förderprogramme, Bürgschaften und gezielte Steueranreize können die Rückgewinnung von Flächen erleichtern und die Umsetzung klimaorientierter Projekte beschleunigen. Die Digitalisierung bietet zusätzliche Chancen: Mit digitalen Bodenkataster-Systemen, datengestützter Flächenanalyse und transparenten Vergabeverfahren lassen sich Prozesse beschleunigen und Missbrauch verhindern.

Letztlich ist die Bodenfrage eine gesellschaftliche Frage. Welche Stadt wollen wir? Wer darf mitbestimmen? Und wie viel Gemeinwohl sind wir bereit, in Eigentumsrechte einzupreisen? Die Transformation zur nachhaltigen Stadt ist kein technokratischer Prozess – sie ist ein politischer Kraftakt. Wer das Klima retten will, muss den Mut haben, an die Grundfesten des Eigentums zu gehen. Nur so lassen sich die stummen Blockaden auflösen, die heute vielerorts jede echte Innovation verhindern.

Fazit: Ohne neue Bodenpolitik keine klimafitte Stadt

Kommunale Bodenpolitik ist der unterschätzte Hebel in der nachhaltigen Stadtentwicklung. Während Technologien, Energie und Mobilität viel Aufmerksamkeit erhalten, bleibt der Boden das stille Nadelöhr. Das Privateigentum am Boden blockiert vielerorts die notwendigen Anpassungen an Klimawandel, soziale Herausforderungen und neue Lebensmodelle. Die Beispiele aus München, Wien oder Tübingen zeigen: Wo Kommunen die Steuerungshoheit behalten, entstehen innovative, klimaresiliente und sozial gerechte Stadtteile. Doch das bleibt die große Ausnahme.

Der Weg in die klimafitte Stadt führt nur über eine radikale Neubewertung des Eigentums. Boden ist keine Ware, sondern die Grundlage gesellschaftlicher Teilhabe und ökologischer Resilienz. Wer nachhaltige Stadtentwicklung will, muss den Mut haben, das Eigentum selbst neu zu denken – als Verpflichtung, nicht als Privileg. Dazu braucht es eine Reform des Bodenrechts, mutige Kommunen, starke Allianzen und den politischen Willen, das Gemeinwohl über kurzfristige Profitinteressen zu stellen.

Die Herausforderungen sind groß, die Widerstände mächtig. Doch die Alternativen sind ungleich teurer: zersiedelte Städte, soziale Spaltung, klimatische Kipppunkte. Die Zeit der Nischenlösungen ist vorbei. Es braucht eine neue, sozial-ökologische Bodenpolitik – als Fundament für die Stadt der Zukunft. Nur dann kann urbaner Raum wieder das werden, was er sein sollte: ein Gemeingut für alle, offen für Wandel und bereit für das Klima von morgen.

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Render of the Year: Church in Nomine Patris Tom Burkewitz
Render of the Year: Church in Nomine Patris Tom Burkewitz

Der Siegerentwurf

Zum zweiten Mal hat Arch Out Loud die Auszeichnung „Render of the Year“ vergeben. Lesen Sie hier mehr über den Gewinner-Render von Tom Burkewitz.

2015 wurde die Wettbewerbsplattform Arch Out Loud mit dem Ziel gegründet, aktuelle Entwicklungen in der Architektur zu entdecken und zu würdigen. Seitdem veranstaltet die Plattform jedes Jahr mehrere Wettbewerbe, die Architekt*innen und Architekturstudierenden die Möglichkeit bieten, sich mit aktuellen Themen auseinanderzusetzen.

Der Preis „Render of the Year“ geht nun in sein zweites Jahr. Gesucht werden überzeugende Bilder, die die Geschichte von Architektur, Innenräumen, Städten und Welten, wie sie sein könnten, erzählen. Der Preis wird in der allgemeinen Render-Kategorie sowie in den Kategorien Interior, Exterior und Young Designer vergeben. Zusätzlich gibt es in jeder Kategorie drei lobende Erwähnungen, die von den Direktoren Nick Graham und Kyle Zook ausgewählt werden.

Die Jury

Die Jury für den Wettbewerb Render of the Year besteht aus einer Gruppe internationaler Architekt*innen. Im Jahr 2021 gehören ihr Melike Altinisik (Istanbul), Katherine Chia und Arjun Desai (Desai Chia Architecture, New York) und Linna Choi (Oualalou+Choi, Paris) an.

Der Siegerentwurf des diesjährigen „Render of the Year“: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz
Der Siegerentwurf des diesjährigen „Render of the Year“: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz

Render of the Year: „Church in Nomine Patris“ von Tom Burkewitz

Tom Burkewitz gewann den Preis für den Render des Jahres 2021 mit seinem Entwurf der „Church in Nomine Patris“. Er ist ein österreichischer Konzeptkünstler und Architekt, der als Architekturillustrator arbeitet. Sein Rendering zeigt einen strengen Kirchenbau mit dunklen Fassaden inmitten einer Wiese, die in den wolkenverhangenen Himmel ragt. Dem Künstler gelingt es, eine traumartige, fast unheimliche Atmosphäre zu schaffen, die die Jury überzeugte. Mehr dazu hier.

Sein Rendering nutzt 3D-Modellierungstechniken, um einen sehr hohen Grad an Realismus zu erreichen. Die Kirche von Burkewitz wirkt hyperrealistisch und gleichzeitig fast surreal. Der Entwurf erinnert an die Prärie und hat sich gegen andere nostalgische, emotionsgeladene Renderings durchgesetzt.

Laut Arch Out Loud „müssen Designer*innen erkennen, wie die Menschen ihre Bilder interpretieren. Sie müssen mit den Gefühlen arbeiten, die ein Bild hervorruft. Sie müssen verstehen, wie sie ohne Worte zu ihrem Publikum sprechen können.“

Andere Gewinner*innen des Render of the Year 2021

Tom Burkewitz hatte es mit starker Konkurrenz zu tun. Witchaya Jingjits Bild eines Astronauten, der in einer dystopischen, posthumanen Welt neues Land entdeckt, und Zoe Russion Morenos Rendering „Remembrance“ rufen ähnliche Gefühle hervor wie das Siegerbild.

In der Hauptkategorie wurden von der Jury des Render of the Year Award 2021 drei lobende Erwähnungen bekannt gegeben: „Mass Laminated Timber“ von Eric Meyer, „7th Element“ von Okdraw Studio und „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen.

Der Preis in der Kategorie Junger Designer ging an Vincenzo Sardone für „The Day After Participants“. Lobende Erwähnungen gingen an Joseph Perry für „Work in Progress“, an Sanket Gunjal für „Bold and Brutal“ und an Vincenzo Sardone für „06:36 a.m.“. Die Jury-Mitglieder zeichneten außerdem Witchaya Jingjit für „Finding a New Land“, Dennis Grimm für „Fainted Hope“ und Rui Oliveira für „The Quarry Hotel“ aus.

Der Preis für das beste Innenrendering ging an Zoe Russian Moreno für „Remembrance“, und den Preis für das beste Außenrendering erhielt Eric Meyer mit „Mass Laminated Timber“.

Render of the Year: „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen
Render of the Year: „Sake brewery Museum“ von Henrique Driessen

Die Kunst des Renderns

Rendering war schon immer eine große Herausforderung. Designer*innen und Architekt*innen müssen sich auf der Grundlage einer groben Idee auf Papier oder in einer Software vorstellen, wie der endgültige Entwurf aussehen soll. Diese Visualisierung eines ganzen Gebäudes hilft zu verstehen, wie es sich in die umgebende Landschaft einfügt und wie es mit Grünflächen harmoniert. Viele Gebäude beeinflussen auch die Skyline einer Stadt oder das Aussehen eines Viertels, weshalb das Rendering von entscheidender Bedeutung ist.

Mit Software wie AutoCAD ist das Rendering in mancher Hinsicht einfacher, andererseits aber auch anspruchsvoller geworden: Die Software hilft bei der Erstellung eines realistischen Bildes, Aber die Künstler*innen müssen in der Lage sein, komplexe Faktoren zu verstehen, um ein überzeugendes Rendering zu erstellen.

Die nächste Runde des Render of the Year Award wird im Frühjahr 2022 starten. Junge Designer*innen und Architekt*innen, die noch studieren oder deren Abschluss nicht älter als fünf Jahre ist, können sich für die Teilnahme an dem Wettbewerb bewerben. Arch Out Loud erhebt eine Gebühr pro Bild während des Bewerbungsverfahrens.

Mehr Informationen zum Render of the Year finden Sie hier.

Im Mai wurden zwei Masterarbeiten von der Karl Foerster-Stiftung ausgezeichnet. Mehr zum Ulmer-Preis 2021.

Jana Leoni studierte Landschaftsarchitektur an der TU Dresden und Urban Design an der TU Berlin. Sie war unter anderem für Albert Speer + Partner tätig, bevor sie zur Stadt Frankfurt wechselte. Hier leitete sie zwei Jahre stellvertretend das Sachgebiet Stadtklima/Klimawandel im Umweltamt Frankfurt und wechselte mit Gründung in das Klimareferat Frankfurt.
Jana Leoni studierte Landschaftsarchitektur an der TU Dresden und Urban Design an der TU Berlin. Sie war unter anderem für Albert Speer + Partner tätig, bevor sie zur Stadt Frankfurt wechselte. Hier leitete sie zwei Jahre stellvertretend das Sachgebiet Stadtklima/Klimawandel im Umweltamt Frankfurt und wechselte mit Gründung in das Klimareferat Frankfurt.

Klimaneutral bis 2035 – die Stadt Frankfurt hat sich hohe Ziele gesetzt und um diese zu erreichen ein eigenes Klimareferat gegründet. Das startete im Januar 2023 mit seiner Arbeit. Jana Leoni ist Teil des 21-köpfigen Klimareferat-Teams. Wir sprachen mit der Stadtplanerin über Bürokratie in der Planung und fragten sie, wie gut Frankfurt ihrer Meinung nach in Sachen kommunale Instrumente aufgestellt ist.

 

Das Interview wurde im Juni 2023 geführt und veröffentlicht!

Klimaangepasstes bauen

Jana Leoni, Anfang des Jahres setzen die Frankfurter Stadtverordneten mit der Begrünungspflicht von Fassaden und Dächern bei Neu- und Umbauten national ein deutliches Zeichen. Auch den Schottergärten wurde dabei der Kampf angesagt. Ein Erfolg? Oder braucht es Ihrer Meinung nach noch mehr?

Mit der Gestaltungssatzung „Freiraum und Klima“ und der dazugehörigen Informationsbroschüre soll nicht nur Baurecht gestaltet werden, es soll vielmehr auch eine Hilfe zum klimaangepassten Bauen geschaffen werden. Denn genauso wie ein Schottergarten, stellt auch ein unbegrüntes Flachdach, eine unbepflanzte Fassade oder ein baumloses, in den Kanal entwässerndes Grundstück eine vertane Chance auf ein besseres Stadtklima dar. Und genau das muss kommuniziert und allen am Bauvorhaben Beteiligten bewusst werden. Natürlich bedarf es auch Veränderungen im Bestand. Hier hilft Frankfurt mit dem Förderprogramm „Frankfurt Frischt auf – 50 % Klimabonus“ den privaten Antragsteller:innen die klimaangepasste Gestaltung ihrer Grundstücke so einfach und attraktiv wie möglich zu gestalten.

unkompliziertes verfahren

In Augen vieler erschweren komplexe bürokratische Abläufe in Deutschlands Kommunen oftmals die schnelle Umsetzung innovativer Projekte. Wie sehen Sie das? Brauchen wir weniger Bürokratie, um Klimawandel und Hitze die Stirn zu bieten?

Bei der Kritik wird oft die Komplexität der Anforderungen übersehen. In Frankfurt laufen die Prozesse aber nichtsdestotrotz schleunig ab. Die Bauaufsicht ist bei der Vorhabengenehmigung schnell und effizient. Bei Interesse findet sich auch die Möglichkeit zur Klimaberatung mit unserem Team, kurzfristig und unbürokratisch. Die Abwicklung der Beratungen und Mittelzuwendungen in unserem Förderprogramm unterliegt ebenfalls einem schlanken, unkomplizierten Verfahren. Der Prozess wird stets optimiert und, so der Plan, digitalisiert.

Die Themenkomplexität trifft noch mehr auf den öffentlichen Raum zu. Dennoch, wenn sich eine Maßnahme oder ein Programm einmal bewähren, läuft es i.d.R. sehr gut. Zum Beispiel das Trinkbrunnenprogramm, das nach längerer Anlaufphase Fahrt aufgenommen hat und nun Brunnen um Brunnen realisiert werden. Im Straßenraum sind vermehrt Blühinseln auf ehemaligen Verkehrsflächen vorzufinden und das Thema Schwammstadt wird bei allen Neuplanungen berücksichtigt. Die Erfahrung sagt also, „dranbleiben“. Und für eine möglichst unbürokratische Umsetzung toller innovativer Ideen setzen wir im Klimareferat uns höchstpersönlich ein.

 

Leitfaden Grundlagen

Wie viele technische Möglichkeiten hat denn die Kommune Frankfurt, um dem Wärmeinseleffekt vorzubeugen? Heißt: Wie gut ist Frankfurt in Sachen kommunale Instrumente aufgestellt? Wo sehen Sie Verbesserungsbedarf?

Es gibt bereits eine Reihe von vorhandenen Instrumenten, wie die „Frankfurter Anpassungsstrategie 2.0“ oder der Leitfaden „Klimaangepasste Stadtplatzgestaltung“. Als Grundlage für den Leitfaden diente die Planung für die Umgestaltung des Paul-Arnsberg-Platzes, der nun der erste Platz in Frankfurt ist, der zur Zeit klimaangepasst umgebaut wird. Ein weiterer ist derzeit in Planung. Als Stadt und auch gemeinsam mit den Privaten können wir mit Instrumenten wie diesen viel bewegen.

Klimawandelaktionsplan

Das Land Hessen veröffentlichte diesen Februar den Hessischen Hitzeaktionsplan. Wie wichtig ist dieser für Ihre Arbeit?

Der Hessische Hitzeaktionsplan zeigt auf, dass die langfristige Vorbereitung für ein Hitzeereignis ebenso essenziell ist, wie konkrete Maßnahmen bei akuten Hitzeereignissen. In Frankfurt werden die langfristigen Maßnahmen in der Anpassungsstrategie geregelt. Den Akutmaßnahmen soll sich ein „Klimawandelaktionsplan“ (KWAP) widmen. Die Stadt will damit auf alle Extremwettersituationen – Hitze, Trockenheit, Sturm und Hochwasser – umfänglich vorbereitet sein, um so die Menschen, Tiere, Pflanzen und Infrastruktur in Frankfurt zu schützen.

Frankfurt am Main will bis 2035 klimaneutral sein. Ihr Referat wurde mitunter dafür eingerichtet das Ziel zu unterstützen. Wo steht Frankfurt Ihrer Meinung nach aktuell in puncto Klimaneutralität? Was sind die größten Herausforderungen?

Auch ohne die tagesaktuellen Zahlen zu nennen steht eines fest: Vor uns liegt noch ein langer Weg, der in einer kurzen, intensiven Zeit zurückgelegt werden soll. Eine große, aber dabei auch positive Herausforderung ist, die Potenziale zu erkennen und die wirksamsten Maßnahmen zu bestimmen und umzusetzen. Solaranlagen auf Gebäuden und Freiflächen, eine Mobilitätswende sowie eine Wende im Bau- und Immobiliensektor, die Nutzung von Erneuerbaren Energien und Abwärme sind der aktuellen Einschätzung nach die wirksamsten Strategien, die in den kommenden Jahren prioritär umgesetzt werden müssen. Zur „rechnerischen Klimaneutralität“ gehört auch das Ziel einer lebenswerten, klimawandelresilienten Stadt Frankfurt. Unser aktuell 21-köpfiges Team unter der Leitung von Hans-Georg Dannert freut sich auf diese Herausforderungen und steht voller Tatendrang bereit, gemeinsam mit der Verwaltung sowie der Stadtgesellschaft insgesamt diesen Weg zu gehen.

 

Mehr zu diesem Thema in G+L 06/23.

Veröffentlicht im Rahmen der internationalen Initiative Beat the Heat.