Flächen fair verteilen – Konfliktmoderation als planerisches Werkzeug

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Bunte Häuser entlang eines Schweizer Flusses und majestätische Berge im Hintergrund, fotografiert von Wolfgang Weiser.

Flächen sind das Gold der Stadtentwicklung – und der Streit darum ist oft ebenso heiß wie ein Sommertag auf Asphalt. Doch was, wenn Konfliktmoderation nicht bloß lästiges Beiwerk, sondern das schärfste Werkzeug für eine faire Flächenverteilung wäre? Willkommen in einer neuen Ära der Planung, in der Mediation und Moderation mehr bewegen als jeder B-Plan.

  • Einführung in die Herausforderungen und Brisanz der Flächenkonkurrenz in urbanen Räumen
  • Vertiefende Darstellung der Konfliktmoderation als methodisches Instrument in der Stadt- und Freiraumplanung
  • Analyse aktueller Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Kritische Reflexion der klassischen Planungsinstrumente im Vergleich zur modernen Prozessmoderation
  • Erklärung zentraler Techniken und Prinzipien der Konfliktmoderation für Planungsprofis
  • Einblick in rechtliche, kulturelle und praktische Stolpersteine bei partizipativen Prozessen
  • Strategien für nachhaltige, sozial gerechte und klimaangepasste Flächenverteilung
  • Diskussion über die Rolle digitaler Tools und neuer Beteiligungsformate
  • Empfehlungen für eine zukunftsfähige Verankerung von Moderation in Planungsprozessen
  • Abschließende Bewertung: Warum nur glaubwürdig moderierte Verfahren langfristig tragfähige Lösungen schaffen

Flächenkonkurrenz: Das urbane Dauerfeuer und seine neuen Dynamiken

Wer in deutschen, österreichischen oder Schweizer Städten plant, kennt das altbekannte Mantra: Fläche ist knapp, Ansprüche sind hoch, und zwischen Parkbank und Parkplatz tobt ein stiller Krieg. Die Interessen an städtischen Flächen prallen härter aufeinander als je zuvor. Wohnraumdrang trifft auf Mobilitätswende, Klimaanpassung auf wirtschaftliche Nutzung, soziale Teilhabe auf Investoreninteressen. Die Pandemie hat den öffentlichen Raum ins Zentrum gerückt, die Klimakrise gibt dem Versiegelungsstopp neue Schubkraft, und die Debatte um lebenswerte Städte wird lauter – wortwörtlich, wenn wieder einmal eine Verkehrsberuhigung die Gemüter erhitzt.

Vorbei die Zeiten, in denen ein Bebauungsplan ausreichte, um die Flächennutzung für Jahrzehnte zu regeln. Heute ist das Spielfeld komplexer, die Akteure vielfältiger, und die Spielregeln werden nicht selten mitten im Match neu ausgehandelt. Von Pop-up-Radwegen über Urban Gardening bis zur Umwandlung von Parkhäusern in Wohnraum – innovative Nutzungen konkurrieren mit etablierten Routinen. Gleichzeitig fordern neue gesetzliche Vorgaben wie die Flächenkreislaufwirtschaft oder die Zielmarke „Netto-Null-Flächenverbrauch“ ein radikales Umdenken in der Planung.

In diesem Spannungsfeld wird klar: Technisch perfekte Pläne sind schön, politisch durchsetzbare Pläne sind besser, aber sozial akzeptierte, moderierte Lösungen sind unschlagbar. Denn die beste Planung nützt wenig, wenn sie im Proteststurm untergeht. Bürgerinitiativen, Verbände, Unternehmen und Verwaltungen stehen sich mitunter unversöhnlich gegenüber. Die Folgen sind zermürbende Verfahren, jahrelange Verzögerungen und ein Klima des Misstrauens – selten eine gute Grundlage für nachhaltige Stadtentwicklung.

Doch es gibt einen Ausweg aus dem Planungsdilemma: Konfliktmoderation als systematisches Werkzeug. Sie wird zunehmend zur Schlüsseldisziplin, weil sie das, was im klassischen Planungsrecht oft fehlt, methodisch einholt: das Aushandeln, das Verstehen, das Übersetzen zwischen Welten. Sie setzt nicht auf die Dominanz einer Perspektive, sondern auf das Zusammenspiel vieler. Und genau darin liegt ihr revolutionäres Potenzial für die faire Flächenverteilung.

Die steigende Komplexität urbaner Konflikte macht dabei neue Kompetenzen erforderlich. Es geht nicht mehr nur um Flächennutzungspläne und Paragrafenakrobatik, sondern um die Fähigkeit, heterogene Interessen sichtbar zu machen, kreative Kompromisse zu entwickeln und tragfähige Allianzen zu schmieden. In der Praxis ist das oft schwieriger als jede Flächenbilanz – aber auch unendlich lohnender, wenn am Ende mehr entsteht als bloße Zustimmung: nämlich Identifikation und Akzeptanz.

Die Zeiten, in denen Planer Konflikte als notwendiges Übel betrachteten, sind vorbei. Wer heute Flächen fair verteilen will, muss Konflikte nicht nur managen, sondern als produktive Ressource nutzen. Das gelingt am besten mit professioneller Moderation – denn sie verwandelt Konfrontation in Kooperation und macht aus Gegnern Mitstreiter für die Stadt von morgen.

Konfliktmoderation in der Planung: Von der Methode zum Mindset

Konfliktmoderation ist weit mehr als das berühmte Vermitteln zwischen Streithähnen am runden Tisch. Sie ist eine eigenständige, hoch spezialisierte Methode, die Planung in einen offenen, lernenden Prozess verwandelt. Im Zentrum steht dabei nicht der Kompromiss um jeden Preis, sondern das gemeinsame Ringen um eine faire, nachvollziehbare Lösung. Moderation bedeutet, die Spielregeln des Diskurses so zu gestalten, dass alle relevanten Stimmen gehört werden – nicht nur die lautesten oder die mit dem meisten politischen Einfluss.

Das beginnt bei der sorgfältigen Analyse: Wer sind die Akteure? Welche Interessen, Werte und Emotionen stehen auf dem Spiel? Oft sind es nicht die offensichtlichen Konfliktlinien, die ein Verfahren sprengen, sondern die verdeckten Agenden, die unausgesprochenen Ängste, die alten Erzählungen über „die Stadt für alle“ oder „den Verkehrskollaps von morgen“. Professionelle Moderatoren bringen diese Aspekte ans Licht, schaffen Transparenz und bauen Brücken zwischen Milieus, die sonst kaum miteinander sprechen würden.

Eine zentrale Technik der Konfliktmoderation ist die sogenannte Mehrparteiensystematik. Sie stellt sicher, dass keine Gruppe dominiert und dass auch leise Akteure wie Kinder, ältere Menschen oder kleinere Initiativen zu Wort kommen. Methoden wie Zukunftswerkstätten, Planungszellen oder moderierte Werkstattverfahren bieten Raum für kontroverse Debatten, aber auch für kreative Dialoge. Die Moderation steuert den Prozess, achtet auf Fairness, fördert Perspektivwechsel und sorgt dafür, dass Lösungen nicht schon am Flipchart scheitern.

Im Unterschied zu klassischen Bürgerbeteiligungsformaten, die oft auf informelle Akzeptanz zielen, geht es bei der Konfliktmoderation um echtes Aushandeln. Das heißt: Interessen werden nicht bloß abgefragt, sondern aktiv in die Lösungsfindung integriert. Dies erfordert Mut zur Offenheit und zum Prozess – und die Bereitschaft, das eigene Planungshandeln immer wieder zu reflektieren. Wer moderiert, muss manchmal auch das eigene Fachwissen zurückstellen und Raum für neue, ungewohnte Ansätze lassen.

Die besten Moderatoren sind dabei nicht neutrale Maschinen, sondern empathische Prozessarchitekten. Sie verstehen die Sprache der Verwaltung ebenso wie die der Zivilgesellschaft, sie kennen die rechtlichen Rahmenbedingungen und wissen, wie man Gruppen durch schwierige Phasen führt. Das Ergebnis sind nicht immer spektakuläre Kompromisse – aber oft nachhaltige, von vielen getragene Lösungen, die weit über das eigentliche Planungsprojekt hinaus wirken.

Konfliktmoderation transformiert damit nicht nur Verfahren, sondern auch Haltungen. Sie lehrt Planer, Politiker und Verwaltung, Konflikte nicht als Problem, sondern als Chance für Innovation zu begreifen. Und sie schafft eine neue Planungskultur, in der Fairness kein Lippenbekenntnis, sondern gelebte Praxis ist.

Praxisbeispiele: Moderierte Flächenverteilung im deutschsprachigen Raum

Wie sieht Konfliktmoderation in der Flächenverteilung konkret aus? Ein Blick auf aktuelle Projekte in Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigt: Die Bandbreite ist groß, die Herausforderungen sind oft ähnlich, aber die Lösungen sind so individuell wie die Städte selbst. In Hamburg etwa wurde die Umnutzung eines alten Güterbahnhofs zum neuen Stadtquartier von Anfang an durch ein mehrstufiges Moderationsverfahren begleitet. Hier trafen die Interessen von Investoren, Anwohnern, Naturschützern und Mobilitätsinitiativen aufeinander. Erst durch eine Reihe moderierter Werkstätten gelang es, die Flächen für Wohnen, Grün, Gewerbe und Mobilität so zu verteilen, dass alle Parteien am Ende mittragen konnten.

In Zürich führte die geplante Umwandlung eines beliebten Parkplatzes in einen Stadtpark zu erbitterten Auseinandersetzungen. Die Lösung? Ein offener, von externen Moderatoren gesteuerter Dialogprozess, bei dem nicht nur die Gegner des Projekts, sondern auch bislang unbeteiligte Stadtbewohner aktiv einbezogen wurden. Am Ende stand ein Kompromiss, der neue Parkflächen schuf, aber auch Teile der Parkplätze für Anwohner erhielt – und vor allem den sozialen Frieden im Quartier sicherte.

Wien setzt seit Jahren auf sogenannte „Grätzl-Dialoge“ zur Entwicklung neuer Wohn- und Freiräume. Hier werden Konflikte frühzeitig erkannt und moderiert. Ein Beispiel ist die Entwicklung des Nordbahnhof-Viertels, wo in mehreren moderierten Runden sowohl die Bedürfnisse von Familien, Unternehmen und Migranten als auch die Anforderungen der Klimaanpassung berücksichtigt wurden. Der Erfolg: Eine Flächenaufteilung, die als Vorbild für andere Quartiere gilt – und ein Planungsprozess, der von Vertrauen und Transparenz geprägt ist.

Auch kleinere Städte profitieren von professioneller Konfliktmoderation. Im bayerischen Tutzing etwa wurde ein Streit um die Bebauung eines Seegrundstücks durch ein mehrmonatiges moderiertes Verfahren gelöst. Hier wurde deutlich, dass selbst scheinbar unversöhnliche Positionen durch kluges Prozessdesign, Offenheit für Argumente und kreative Lösungsansätze zusammengeführt werden können. Die Flächenverteilung wurde nicht diktiert, sondern ausgehandelt – und das Ergebnis überstand sogar einen Bürgerentscheid.

Schließlich lohnt der Blick auf die Schweiz, wo partizipative Moderationsverfahren seit Jahren Standard sind. In Basel etwa führte die Neuverteilung von Flächen im Rheinuferbereich zu heftigen Debatten zwischen Freizeitnutzern, Gastronomen und Naturschutzgruppen. Die Lösung bestand darin, alle Akteure über ein Jahr hinweg in moderierten Foren, Exkursionen und Planungsworkshops einzubeziehen. Das Resultat war ein Masterplan, der breite Zustimmung fand – und die Stadt als lernende Organisation stärkte.

Diese Beispiele zeigen: Konfliktmoderation ist kein Luxus, sondern ein unverzichtbares Werkzeug, wenn es darum geht, Flächen fair, nachhaltig und zukunftsfähig zu verteilen. Sie schafft Akzeptanz, Innovation und Identifikation – und sie spart am Ende Zeit, Geld und Nerven.

Grenzen und Potenziale: Was Konfliktmoderation leisten kann – und was nicht

So überzeugend die Praxisbeispiele sind, so ehrlich muss auch über die Grenzen der Konfliktmoderation gesprochen werden. Nicht jeder Streit lässt sich moderieren, nicht jede Flächenverteilung endet im Konsens. Gerade bei tief verwurzelten Interessengegensätzen, etwa zwischen großflächiger Wohnbebauung und dauerhaftem Flächenschutz, stößt selbst die beste Moderation an ihre Grenzen. Hier sind klare politische Vorgaben, rechtliche Rahmenbedingungen und manchmal auch das beherzte Eingreifen von Entscheidungsträgern gefragt.

Ein weiteres Problem: Moderationsverfahren sind aufwändig, kosten Zeit und Ressourcen – und sie erfordern die Bereitschaft aller Beteiligten, sich auf den Prozess einzulassen. In der Praxis zeigt sich, dass vor allem dort, wo das Vertrauen in die Verwaltung oder die Politik gering ist, Moderation zur Sisyphusarbeit werden kann. Ohne glaubwürdiges Commitment der Verantwortlichen, ohne echte Beteiligungschancen und ohne Transparenz droht die Moderation zur bloßen Feigenblatt-Aktion zu verkommen.

Dennoch sind die Potenziale enorm. Konfliktmoderation eröffnet Räume für Innovation, die klassische Planungsprozesse oft verschließen. Sie ermöglicht es, neue Perspektiven einzubringen, Experimente zu wagen und Kompromisse zu finden, die jenseits administrativer Raster liegen. Besonders in Zeiten gesellschaftlicher Polarisierung, wachsender Skepsis gegenüber Institutionen und sich zuspitzender Klimakrisen ist die Fähigkeit zur Moderation ein entscheidender Standortvorteil für Städte und Gemeinden.

Ein weiterer großer Vorteil: Konfliktmoderation kann durch digitale Tools und neue Beteiligungsformate verstärkt werden. Stichworte wie Online-Dialogplattformen, digitale Planspiele oder Virtual-Reality-Moderation machen es möglich, auch schwer erreichbare Gruppen einzubeziehen und komplexe Flächenkonflikte anschaulich zu visualisieren. Hier entsteht eine neue Schnittstelle zwischen analogem und digitalem Planen – und eine Chance, Beteiligung noch inklusiver, schneller und transparenter zu gestalten.

Am Ende ist klar: Konfliktmoderation ist kein Allheilmittel, aber sie ist das wirksamste Mittel gegen die größten Risiken moderner Stadtentwicklung – nämlich Stillstand, Frustration und Akzeptanzverlust. Sie macht aus Planungsprozessen lebendige, lernende Systeme, in denen alle Akteure Verantwortung übernehmen und gemeinsam Zukunft gestalten.

Strategien für die Zukunft: Moderation als integraler Bestandteil der Planung

Die Zukunft der Flächenverteilung liegt in moderierten, transparenten und partizipativen Prozessen – das belegen nicht nur Praxis und Forschung, sondern auch die wachsenden Anforderungen an Klimaresilienz, soziale Gerechtigkeit und nachhaltige Stadtentwicklung. Wer Flächen fair verteilen will, muss Moderation nicht als Zusatz, sondern als zentralen Bestandteil der Planung denken. Das beginnt schon bei der Ausbildung von Planern, setzt sich in der interdisziplinären Zusammenarbeit fort und spiegelt sich in neuen Governance-Strukturen wider.

Eine Schlüsselressource ist dabei die Ausbildung professioneller Moderatoren mit planerischem Hintergrund. Sie kennen nicht nur die Methoden der Konfliktvermittlung, sondern verstehen auch die Logik von Raum, Recht und Politik. Interdisziplinarität ist gefragt – und die Bereitschaft, immer wieder neue Ansätze zu erproben. Trainings, Zertifikate und Netzwerke für Moderationsprofis gewinnen an Bedeutung und sind längst Teil des modernen Stadtentwicklungsalltags.

Ebenso wichtig ist der Mut zur frühen und echten Beteiligung. Wer Konflikte antizipiert, sie offen anspricht und moderiert, verhindert eskalierende Auseinandersetzungen und schafft eine Kultur des Miteinanders. Dies erfordert Ressourcen, Zeit und eine neue Fehlerkultur – denn nicht jede Moderation führt sofort zum Erfolg. Aber sie macht es möglich, aus Fehlern zu lernen und Verfahren kontinuierlich zu verbessern.

Auch die Rolle digitaler Werkzeuge wird weiter wachsen. Digitale Zwillinge, interaktive Karten und Online-Dialoge können Moderationsprozesse ergänzen und neue Zielgruppen erschließen. Sie machen Planung verständlicher, transparenter und attraktiver – nicht nur für Experten, sondern auch für die breite Öffentlichkeit. Gleichzeitig bleibt die persönliche Begegnung, das Gespräch vor Ort und das gemeinsame Ringen um Lösungen unverzichtbar. Die Zukunft ist hybrid, und Moderation schlägt die Brücke zwischen beiden Welten.

Zuletzt braucht es eine politische und rechtliche Rahmensetzung, die Moderation nicht als Störfaktor, sondern als Qualitätsmerkmal honoriert. Förderprogramme, Leitfäden und gesetzliche Vorgaben können helfen, Moderation systematisch zu verankern und kommunale Verwaltungen zu befähigen. Nur so wird Moderation zur DNA der Planung – und Flächenverteilung zu einem Prozess, der von Fairness, Innovation und Zusammenhalt geprägt ist.

Fazit: Faire Flächenverteilung braucht Moderation – und Mut zur Veränderung

Die faire Verteilung urbaner Flächen ist und bleibt eine der größten Herausforderungen zeitgenössischer Stadtentwicklung. Klassische Planungsinstrumente stoßen immer wieder an ihre Grenzen, wenn Ansprüche, Interessen und Werte auf engem Raum kollidieren. Moderation und Mediation sind längst keine „weichen“ Zusatzangebote mehr, sondern die schärfsten Werkzeuge für eine nachhaltige, gerechte und klimaangepasste Flächenverteilung.

Professionell moderierte Verfahren bringen alle Akteure an einen Tisch – und geben auch den bisher Ungehörten eine Stimme. Sie schaffen Transparenz, Vertrauen und Akzeptanz, sie ermöglichen Innovationen jenseits des Status quo und machen aus scheinbar unlösbaren Konflikten produktive Impulse für die Stadt von morgen. Die Grenzen der Moderation sind real, aber ihre Potenziale überwiegen bei weitem, wenn sie methodisch fundiert, ehrlich und ressourcenstark eingesetzt wird.

Die Zukunft gehört den Städten, die Konfliktmoderation nicht als Feigenblatt, sondern als Herzstück ihrer Planungskultur begreifen. Sie werden resilienter, gerechter und kreativer aus der Flächenkrise hervorgehen – und zeigen, dass faire Verteilung kein Traum, sondern das Ergebnis mutiger, moderierter Prozesse ist. Die beste Zeit, damit zu beginnen, ist jetzt. Denn wer heute moderiert, gestaltet die Stadt von morgen – und macht sie für alle ein Stück lebenswerter.

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Frankfurt Mertonviertel – Wettbewerb entschieden

Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe, Treibhaus und c/o Zukunft
Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Sieger*innen des städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs stehen fest. Am 21. Oktober wählte das Preisgericht einstimmig den Entwurf von Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung.

Ideenwettbewerb „Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee“

Der Ideenwettbewerb zur Zukunft des Mertonviertels in Frankfurt ist entschieden: In seiner Sitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht den ersten Preis einstimmig an den Entwurf der Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus aus Berlin. Auch Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg und c/o Zukunft – Stadtplanung und Stadtentwicklung aus Hamburg gehören zum Gewinnerteam.

Laut der Jury steht der Büro- und Gewerbestandort Mertonviertel im Norden von Frankfurt vor strukturellen Herausforderungen und großen Veränderungen. Der Abbruch des ehemaligen Lurgihauses hat ein großes Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung geschaffen. Für den Wettbewerb suchte Planungsdezernent Mike Josef nach Vorschlägen, die die Themen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung, Lebensqualität und Umwelt kombinierten.

Der Siegervorschlag bietet „die beste Lösung für ein vielfältiges und Identifikation stiftendes Quartier nördlich der Lurgiallee“, so Josef. „Durch diese Neuentwicklung wird es auch einen positiven Impuls für das gesamte Mertonviertel als attraktiven und lebendigen Arbeits- und Wohnstandort geben.“

Der Wettbewerb wurde vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main ausgelobt. Die AGB Frankfurt Holding und die gsp Städtebau sind darüber hinaus wesentliche Stakeholder. Die Geschäftsführer beider Institutionen erklärten, dass sie ein neues, urbanes, durchmischtes Stadtquartier mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität anstreben.

Eine neue Grüne Mitte – Lovely Lurgi

Der Entwurf der Sieger*innen trägt den Titel „Lovely Lurgi – Ein neues Herz für das Mertonviertel“. Er überzeugte die Jury durch die Entwicklung des eigentlichen Baugrundstückes aus den Strukturen und Konzeptvorschlägen für das Viertel. Im Herzen der neuen Entwicklung entsteht ein großzügiger grüner Freiraum, der viele Nutzungsmöglichkeiten und außerdem eine hohe Identitätskraft bietet.

„Lovely Lurgi“ im Mertonviertel sieht eine neue Quartiersmitte vor, die von urbanen Gebäuden umgeben wird. Der grüne Mittelpunkt sowie andere Elemente des Projektes folgen zudem dem „Schwammstadtprinzip“, indem sie vielfältige Regenrückhalte- und Bewirtschaftungsflächen sowie Raum für Bäume mit echtem Bodenanschluss bieten.

Übrigens: Mehr über die Schwammstadt lesen Sie in der November 2021 Sonderausgabe der G+L.

Weitere Besonderheiten des neuen Quartiers sind die räumliche Zonierung mit ausgeprägter Nutzungsmischung sowie die kleinteilige Gestaltung des Stadtraums. Zudem gibt es Platz für eine neue Grundschule. Zu den geplanten Gebäuden gehören darüber hinaus Gewerbeflächen, Einzelhandel, gastronomische Angebote und zwei Kindertagesstätten. Somit soll es gelingen, zwischen dem bestehenden und dem neuen Quartier zu vermitteln.

Die Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus, Treibhaus Landschaftsarchitektur und c/o Zukunft erarbeiteten eine Rahmenplan für das Mertonviertel sowie ein städtebauliches Konzept für das Bebauungsplanverfahren Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee. Dabei handelt es sich um eine rund acht Hektar große Fläche. Künftig sollen hier etwa 900 Wohneinheiten nahe der U-Bahn-Station Riedwiesen/Mertonviertel und der Einkaufsgalerie „Merton’s Passage“ entstehen.

Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Preisverleihung

Die Jury war in diesen nichtoffenen städtebaulichen, freiraumplanerischen Ideenwettbewerb auf der Suche nach mutigen Ideen für die Zukunft des Mertonviertels inklusive eines stimmigen Konzeptes für das Gelände des ehemaligen Lurgihauses. Der Wettbewerb bestand dabei aus zwei Bearbeitungsphasen. Ursprünglich hatten sich zwölf qualifizierte Bewerbergemeinschaften aus Stadtplaner*innen sowie Städtebauarchitekt*innen beworben. Davon wählte die Jury am 21. Juli vier Arbeiten für die weitere Bearbeitung aus.

In der zweiten Preisgerichtssitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht neben dem ersten Platz auch drei dritte Preise. Diese gingen gleichrangig an die Bewerbergemeinschaften Karl Richter Architekten BDA, Frankfurt, mit KuBus Freiraumplanung, Wetzlar, Machleidt Städtebau und Stadtplanung, Berlin mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin sowie Stefan Forster, Frankfurt, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock, Hannover.

Zur Jury gehörten renommierte Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschaftsarchitekt*innen sowie Vertreter*innen der Stadt Frankfurt. Auch die Eigentümerin des Grundstücks des ehemaligen Lurgihauses, Sachverständige und Vertreter*innen politischer Fraktionen waren vertreten. Bis zum 3. November wurden die Wettbewerbsbeiträge im Atrium des Frankfurter Planungsdezernates ausgestellt.

Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Über das Frankfurt Mertonviertel

Das Mertonviertel ist ein Büro- und Wohnquartier im Norden von Frankfurt am Main. Es erhielt seinen Namen in Erinnerung an Wilhelm Merton, Gründer der Metallgesellschaft sowie des Instituts für Gemeinwohl. Dieses war ein Vorläufer der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Viertel ist recht neu. Es entstand ab Mitte der 1980er Jahre auf einem Gebiet von etwa 60 Hektar Größe, das bis zum Jahr 1982 zu den Industrieanlagen der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke gehörte. Das Erdreich im Mertonviertel war stark durch Kohlenwasserstoffe sowie Schwermetalle belastet und musste in einem aufwändigen Verfahren gereinigt werden. Dafür gab es eine eigens errichtete Entgiftungsanlage, die parallel zu den Bauarbeiten bis in die frühen 2000er Jahre vor Ort war.

Lurgihaus und Hundertwasser-Kindertagesstätte

Das Lurgihaus war schließlich lange das dominante Gebäude des Quartiers in Frankfurt-Heddernheim. Es entstand im Jahr 1987 als erster Neubau des Mertonviertels. Mit einer Bürofläche von fast 90 000 Quadratmetern gehörte es damals zu den größten Bürogebäuden Deutschlands. Es bestand aus einem viereckigen Hauptgebäude mit sieben stark gegliederten Nebengebäuden. Ursprünglich war es das Hauptquartier der Lurgi AG, einem Unternehmen für Großanlagenbau, und nahm über die Jahre auch weitere Mietparteien auf. 2014 verließ Lurgi das Bürogebäude. Weiteres Gebäude im Mertonviertel ist die Hundertwasser-Kindertagesstätte mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel, Bürogebäude und Wohnhäuser. Zeitweise gab es 5 000 Arbeitsplätze in diesem Viertel. In den letzten Jahren nahm die Anzahl an Arbeitsplätzen und Bewohner*innen ab, aber mit dem neuen Entwurf soll das Mertonviertel wieder belebt werden.

Mehr Planung aus der bevölkerungsreichsten Stadt Hessen gibt es mit einem Megaprojekt, das in etwa zehn Jahren fertig sein könnte, hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Easy Going mit der EasyBettung

Abbildung: iStock

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag revolutioniert das Verlegen von Platten und Pflastersteinen.

Wer kennt es nicht: Die Wartezeit, bis ein Produkt fertig zum Verarbeiten ist, frisst oft viele Kapazitäten. So ist es auch in den Abläufen beim Verlegen von Pflaster- und Plattenbelägen in Systembauweise. Doch tubag, die Premiummarke der Sievert SE für den Garten-, Landschafts- und Straßenbau, hat dagegen Abhilfe geschaffen – mit dem ersten drainfähigen Bettungsmörtel überhaupt: der EasyBettung.

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag basiert auf einer neu entwickelten Mörtel- und Bindemittelrezeptur, die nicht angemischt werden muss.  „Weil auf das bisher übliche Anmischen verzichtet werden kann, fällt ein kompletter Arbeitsgang weg. Somit werden die Arbeitsabläufe bedeutend effizienter und die Flächenleistung pro Mitarbeiter steigt an. Das bietet den Unternehmen neue Möglichkeiten bei der Planung, Kalkulation und vor allem auch der Ausführung ihrer Aufträge“, sagt Georg Zimmermann, Produktmanager für Garten-, Landschafts- und Straßenbau bei der Sievert SE. Zur Verdeutlichung: Die Ruhezeit nach dem Wässern des Belages beträgt 36 Stunden. Das bedeutet, dass nicht einmal zwei Tage nach der Erstellung der Flächen die Fugen mit den üblichen Fugenmörteln aus dem tubag-Programm geschlossen werden können.

Die gesamte Anwendung des neuen Produkts ist denkbar einfach. Die EasyBettung wird auf die vorbereitete ungebundene Tragschicht gegeben und nach der höhengerechten Ausnivellierung kurz mit Hilfe eines Wasser-Sprühnebels aktiviert. Um den Haftverbund zwischen Belag und Bettungsmörtel zu optimieren, werden die Platten oder Pflastersteine beim Verlegen an der Unterseite mit der tubag Haftschlämme TNH flex versehen. Das geschieht entweder über die Zahnkelle oder den Vorgang des Eintauchens. Nach dem hammerfesten Einbringen der Platten oder Steine wird der Belag komplett satt gewässert. „Die neuartige EasyLay-Bindemitteltechnologie verfügt über spezielle Leichtzuschläge, die das Saugverhalten so begünstigen, dass die EasyBettung komplett über das Wasser aktiviert wird, das über die Fugen eintritt“, erklärt Endrit Imeri, Entwicklungstechniker Mineralische Mörtelsysteme bei der Sievert Baustoffe. Worauf zu achten ist: Die Fugen müssen dabei mindestens fünf Millimeter breit sein, beim Verlegen von Platten darf die kurze Kantenlänge höchstens 80 Zentimeter betragen.

Welche Vorteile die EasyBettung außerdem hat? Nicht nur zeitlich, auch wirtschaftlich zahlt sich die Verwendung des tubag-Produktes aus: Gegenüber konventionellen Bettungsmörteln punktet die EasyBettung reaktiv mit einem ca. 25 Prozent niedrigeren Materialverbrauch. Alle weiteren Informationen zur Innovation Easy Bettung finden Sie unter www.tubag.de