25.09.2025

Aktuelles Resilienz und Nachhaltigkeit

Kongjian Yu bei Flugzeugabsturz ums Leben gekommen

Kingjian Yu bei Flugzeugabsturz gestorben. (Foto: https://www.youtube.com/watch?v=4YH6ZFvKzeE)

Die internationale Landschaftsarchitektur trauert um einen ihrer bedeutendsten Vordenker: Der chinesische Landschaftsarchitekt Kongjian Yu ist im Alter von 62 Jahren (1963–2025) bei einem Flugzeugabsturz im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso do Sul ums Leben gekommen. Wie lokale Medien berichten, stürzte das Kleinflugzeug, das Yu gemeinsam mit drei weiteren Insassen an Bord hatte, am vergangenen Dienstag während eines Inlandsflugs in der Nähe der Gemeinde Aquidauana ab. Keiner der Passagiere überlebte das Unglück.

Yu war letzte Woche Teil des Eröffnungsprogramms der internationalen Sao Paulo Architecture Biennale und befand sich mit zwei Dokumentarfilmern und dem Piloten an Board der kleinen Maschine. Das Team war unterwegs, um eine Dokumentation über Kongjian Yus Arbeit zu drehen.

Kongjian Yu war Gründer des international tätigen Landschaftsarchitekturbüros Turenscape und lehrte als Professor an der Peking University, wo er auch das College of Architecture and Landscape Architecture (CALA) leitete. Besonders bekannt wurde er für seinen unermüdlichen Einsatz für naturbasierte Lösungen in der Stadtplanung – insbesondere für das Konzept der „Schwammstadt“, mit dem er weltweit Aufmerksamkeit erlangte. In China war Yu Berater auf höchster politischer Ebene und maßgeblich daran beteiligt, ökologische Prinzipien in die nationale Planungspolitik zu integrieren – ein bemerkenswerter Bruch mit der bis dahin vorherrschenden technokratischen Ingenieursdominanz im Umgang mit Wasser. Infolge seiner Arbeit wurde das Konzept der Schwammstadt bereits hunderte Male auf der ganzen Welt umgesetzt.

Yu trat für eine Landschaftsarchitektur ein, die den natürlichen Wasserfluss nicht blockiert, sondern integriert – eine Haltung, die er zeitlebens mit wissenschaftlicher Präzision und poetischer Überzeugungskraft vertrat. Besonders tragisch erscheint sein Tod vor dem Hintergrund, dass er sein Leben lang für resiliente Infrastrukturen und die Anpassung an Naturkräfte gekämpft hat – und nun selbst mutmaßlich durch ein technisches Versagen aus dem Leben gerissen wurde.


Vordenker der Schwammstadt Kongjian Yu verstorben

Auch für unsere Schwesterzeitschrift topos (www.toposmagazine.com) war Kongjian Yu ein prägender und geschätzter Autor. In einer der letzten Ausgaben mit dem Titelthema „Flood“ schrieb er den Aufmacherartikel „Reimaging the flow of nature“. Darin entwirft er nicht weniger als eine neue Wasserkultur: eine Kultur, die das Potential von Überschwemmungen skizziert. Vor allem in Hinblick auf urbane Umwelten, den Grundwasserspiegel und das Wiederherstellen von Ökosystemen. Der Text liest sich heute wie ein Vermächtnis – und ist zugleich ein eindringlicher Appell, seine Ideen weiterzutragen.

Unter anderem wurde Yu 2023 mit dem Cornelia Hahn Oberlander International Landscape Architecture Preis ausgezeichnet sowie 2020 mit dem Sir Geoffrey Jellicoe Award.

Der Tod von Kongjian Yu ist ein großer Verlust – für die internationale Planungsgemeinschaft, für die ökologische Stadtentwicklung und für alle, die daran glauben, dass Landschaftsarchitektur mehr sein kann als Gestaltung: nämlich ein Werkzeug für Resilienz, Gerechtigkeit und Zukunftsfähigkeit.

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