Riehmers Hofgarten, ursprünglich in den 1880er Jahren von Wilhelm Riehmer entworfen, war eine revolutionäre Antwort auf die eng bebauten Mietskasernen jener Zeit und ein Symbol für den Widerstand gegen die damaligen Wohntrends in Berlin. © Agnieszka Sadlo, kre_ta Landschaftsarchitekten

Versteckt im urbanen Herzen von Berlin-Kreuzberg liegt Riehmers Hofgarten – ein lebendiges Denkmal für visionäre Architektur und grüne Stadtoasen. Was Wilhelm Riehmer im 19. Jahrhundert als Gegenentwurf zu düsteren Mietskasernen schuf, wurde 2023 in neuem Glanz wiederbelebt: Ein Ort, der historische Eleganz mit modernem Komfort verbindet, sozialen Treffpunkt und ruhigen Rückzugsort bietet und beispielhaft zeigt, wie Wohnqualität und Natur im dichten Stadtraum harmonieren können. Im Folgenden stellt das Büro kre_ta Landschaftsarchitekten sein Projekt selbst vor. 

Symbol urbaner Ruhe

Riehmers Hofgarten, ein einzigartiges architektonisches und gärtnerisches Kleinod, befindet sich mitten im lebendigen Berlin-Kreuzberg. Die historische Bedeutung und die beeindruckende Gestaltung machen diesen Ort zu einem wertvollen Rückzugsraum für alle, die ihn bewohnen oder besuchen. Ursprünglich vom visionären Baumeister Wilhelm Riehmer in den 1880er Jahren entworfen, ist der Hofgarten ein Symbol für den Widerstand gegen die eng bebauten Mietskasernen jener Zeit und ein Zeugnis für die Sehnsucht nach Lebensqualität, Grünflächen und Rückzug im städtischen Raum.

Ein Garten gegen den Trend

Bereits damals, als die Stadt Berlin rapide wuchs und der Wohnraum knapp wurde, folgte Riehmer nicht dem damals vorherrschenden Bautrend. Anstelle der üblichen dunklen Hinterhöfe und Mietskasernen schuf er einen großzügigen Gartenhof, der von prächtigen Bürgerwohnungen umrahmt war. Dieser Hofgarten, der inmitten der Blockrandbebauung liegt, bot damals wie heute ein Stück Natur und Rückzugsort, umgeben von hoher städtischer Dichte. Riehmer setzte sich über Jahre gegen die Bauvorschriften und Widerstände der Behörden hinweg, um seine Vision eines lichtdurchfluteten und grünen Wohnraumes zu verwirklichen. Der Hofgarten ist nicht nur ein architektonisches Meisterwerk, sondern auch ein Denkmal für das gute Wohnen, das bis heute als Vorbild für urbanes Leben in einer Großstadt dient.

Die Neuinterpretation von Riehmers Hofgarten

Die moderne Umgestaltung des Riehmers Hofgartens, die in den Jahren 2020 bis 2023 unter der Bauherrschaft der ACCENTRO Real Estate AG durchgeführt wurde, greift diese Vision von Lebensqualität und Ruhe im städtischen Raum auf und führt sie fort. Der Garten wurde von Kretschmer Tauscher Sander Landschaftsarchitekten (KRE_TA) neu interpretiert, wobei besonderes Augenmerk auf die Verbindung von historischem Bestand und modernen Gestaltungselementen gelegt wurde. Der rund 2.000 Quadratmeter große Garten wurde von Grund auf neugestaltet, wobei Bestandsbäume und historische Elemente in die Planung integriert wurden. Ein wesentliches Ziel des neuen Konzeptes war es, den Bewohnern und Besuchern des Hofgartens nicht nur einen ansprechenden Ort zur Erholung zu bieten, sondern auch Räume zu schaffen, die soziale Interaktionen fördern und gleichzeitig Rückzugsnischen bieten. Moderne Strukturen und hochwertige Materialien verleihen dem Garten einen neuen Glanz, der sich harmonisch in das historische Ambiente einfügt.

Gestaltungselemente und Strukturen

Zentraler Bestandteil des neu gestalteten Hofgartens ist eine Vielzahl von Aufenthaltsbereichen und Nischen, die zum Verweilen einladen. Die Wege, die den Garten durchziehen, bestehen aus hochwertigem Naturstein und Trittplatten, die sich sanft in das Gelände einfügen und interessante Raumabfolgen und Blickachsen schaffen. Diese Gestaltung verleiht dem Garten eine klare Struktur und ermöglicht es den Besuchern, sich in der Weite und den Details des Raumes zu verlieren. Einer der Höhepunkte des Hofgartens ist der Kinderspielbereich, der durch eine kreative Holzskulptur hervorsticht. Diese Skulptur dient nicht nur als künstlerisches Element, sondern auch als vielseitiger Spielplatz, der Kinder zum Klettern, Verstecken und Erkunden einlädt. Diese kunstvolle Gestaltung fügt sich harmonisch in das Gesamtbild des Gartens ein und bietet den jüngsten Bewohnern einen sicheren Ort zum Spielen und Entdecken.

Spiel, Ruhe und Austausch

Ein weiteres zentrales Element des Gartens ist eine Boulefläche, die Freizeitaktivitäten für Erwachsene ermöglicht und gleichzeitig einen sozialen Treffpunkt darstellt. Umgeben von üppigem Grün und Sträuchern bietet die Boulefläche eine entspannte Atmosphäre, in der sich die Bewohner treffen und austauschen können. Die Wasserbecken, die sich an verschiedenen Stellen im Garten befinden, tragen zur ruhigen und entspannenden Atmosphäre bei. Sie dienen nicht nur als dekorative Elemente, sondern können auch als Kneippbecken genutzt werden. Das sanfte Plätschern des Wassers schafft eine beruhigende Geräuschkulisse, die zur Entspannung und Erholung einlädt. Die Sitzgelegenheiten, die entlang der Wege platziert sind, bestehen aus hochwertigen Materialien wie Beton und Accoya-Holz. Diese Sitzmöglichkeiten bieten den Bewohnern die Gelegenheit, die Natur zu genießen und das Leben im Hofgarten zu beobachten. Die Gestaltung der Sitzbereiche ermöglicht sowohl individuelle Rückzugsorte als auch Plätze für kleinere Gruppen, was die soziale Interaktion fördert.

Bepflanzung und Mikroklima

Die Bepflanzung spielt eine zentrale Rolle bei der Schaffung der einzigartigen Atmosphäre des Hofgartens. Mehrstämmige Gehölze, dachförmig geschnittene Platanen und Spalierbäume unterstreichen den hochwertigen Charakter der Anlage und schaffen eine strukturierte, aber naturnahe Ästhetik. Diese Bäume und Sträucher sind strategisch platziert, um den Raum zu gliedern und gleichzeitig als natürlicher Sichtschutz zu dienen, der den Bewohnern zusätzliche Privatsphäre bietet. Die Bestandsbäume, insbesondere alte Platanen, wurden behutsam in die Neugestaltung integriert und tragen durch ihre Verschattung wesentlich zur Verbesserung des Mikroklimas bei. Die dichte Baumkrone der Platanen sorgt im Sommer für kühle, schattige Plätze und mindert so die Hitzeentwicklung im Hof. Diese Verschattung trägt nicht nur zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität bei, sondern auch zur Erhaltung eines angenehmen Mikroklimas inmitten der Stadt. Ein weiteres ökologisches Merkmal ist das Retentionssystem des Gartens. Durch sanfte Neigungen der Topografie wird Regenwasser in die Grünflächen geleitet, was zur natürlichen Bewässerung der Pflanzen beiträgt und gleichzeitig die Nachhaltigkeit des Wasserhaushalts fördert.

Beleuchtetes Refugium

Die stimmungsvolle Akzentbeleuchtung verleiht dem Hofgarten in den Abendstunden eine ganz besondere Atmosphäre. Diese Beleuchtung wurde so gestaltet, dass sie die verschiedenen Elemente des Gartens, wie die Sitzbereiche, Wege und Bäume, dezent in Szene setzt. Bodenstrahler und in die Vegetation integrierte Lichtquellen sorgen für eine harmonische Ausleuchtung, die den Garten in warmes, einladendes Licht taucht. Besonders die Platanen und Bestandsbäume werden durch gezielte Beleuchtung in Szene gesetzt. Die mächtigen Baumkronen und Strukturen der Bäume wirken in der Dämmerung besonders eindrucksvoll und schaffen eine magische Stimmung. Zudem sorgen die entlang der Wege und Sitzplätze platzierten Lichtquellen für Orientierung und laden gleichzeitig zum Verweilen ein. So wird der Hofgarten auch in den Abendstunden zu einem Ort der Erholung und Begegnung, der eine angenehme, intime Atmosphäre bietet.

Geschichte und Zukunft: Ein Kulturgut für Generationen

Riehmers Hofgarten ist nicht nur ein Ort der Erholung, sondern auch ein Stück lebendige Berliner Geschichte. Die Vision von Wilhelm Riehmer, die gegen alle Widerstände verwirklicht wurde, ist heute ein Beispiel für den Wert von Grünflächen in der wachsenden Großstadt. Die harmonische Mischung aus historischen und modernen Elementen sowie die durchdachte Bepflanzung schaffen einen atmosphärischen Gesamteindruck, der sowohl den Ansprüchen der Vergangenheit als auch den Bedürfnissen der Gegenwart gerecht wird. Durch die behutsame Umgestaltung bleibt dieser historische Ort erhalten und wird zu einem lebendigen Teil des heutigen Stadtlebens. Bewohner und Besucher können stolz auf diesen Ort sein, der Kunst, Kultur und Erholung vereint und in Zukunft weiterhin Generationen inspirieren und erfreuen wird.

kre_ta Landschaftsarchitekten & Riehmers Hofgarten

Seit über 20 Jahren gestaltet das Büro kre_ta Landschaftsarchitekten urbane Räume durch innovative und nachhaltige Konzepte. Die Landschaftsarchitekt*innen verbinden dabei kreative Entwürfe mit den aktuellen Anforderungen der Stadtentwicklung und schaffen Lösungen, die sowohl ästhetisch ansprechend als auch funktional sind. Im Fokus steht stets die Entwicklung von Freiräumen, die den Bedürfnissen der Nutzer gerecht werden und gleichzeitig die Natur respektieren und fördern. Das Team legt großen Wert auf Nachhaltigkeit und das harmonische Zusammenspiel von Architektur, Pflanzen und Umwelt. Ob Regenwassermanagement, Dachgärten, Fassadenbegrünung oder ökologische Gestaltungskonzepte – jede Lösung ist individuell auf den jeweiligen Standort abgestimmt. Das Büro in der Schönhauser Allee bietet den Mitarbeitenden eine inspirierende Arbeitsatmosphäre mit einem malerischen Blick auf die Stadt. Die nahegelegene Kastanienallee wird gerne genutzt, um in Pausen frische Luft zu tanken und neue Energie zu schöpfen. kre_ta Landschaftsarchitekten umfasst ein Team von 21 engagierten Landschaftsarchitekt*innen, die mit Sorgfalt und Liebe zum Detail an Projekten arbeiten, die das urbane Umfeld nachhaltig prägen. Der achtsame Umgang mit Pflanzen und die Pflege sowie die langfristige Verantwortung für die Umwelt stehen dabei im Mittelpunkt. Dank langjähriger Erfahrung, die von privaten Gärten über Wohn- und Gewerbeflächen bis hin zu großen Campusprojekten reicht, entwickeln sie Lösungen, die gleichermaßen Menschen, Natur und Umwelt gerecht werden. Mit ihrem Gespür für Details und dem Blick auf das große Ganze schaffen kre_ta Landschaftsarchitekten urbane Räume, die eine harmonische Verbindung zwischen Mensch und Natur ermöglichen und so eine lebenswerte Zukunft gestalten.

Riehmers Hofgarten
Leistungsphasen nach HOAI: 1-8
Bausumme: 600.000 €
Bearbeitungszeitraum: 2020 – 2023
Bauherr: ACCENTRO Real Estate AG
Ausführende Firma: Herold Ingenieurgesellschaft für Garten- und Landschaftsbau mbH

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.

Übrigens: Im Südwesten von München soll ein neues, nachhaltiges Stadtquartier namens Sugar Valley entstehen.

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Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
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Für Roth bei Nürnberg schreitet das größte Städtebauprojekt der letzten Jahrzehnte voran. Es handelt sich hierbei um die Konversion des stillgelegten Leoni-Fabrikgeländes in das sogenannte Rother Neuland. Dafür lobte die Stadt dieses Jahr einen städtebaulichen und freiraumplanerischen Realisierungswettbewerb aus. Jetzt stehen der Siegerentwurf fest.

KlimaQuartier statt Fabrikgelände

Her mit der Transformation vom brachen Industriestandort zum lebendigen Zukunftsquartier Rother Neuland! Für dieses Vorhaben wird Roth seit 2022 durch das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr innerhalb „Landstadt Bayern“ gefördert. Des Weiteren gab es Anfang diesen Jahres eine enthusiastisch aufgenommene Büger*innenbeteiligung. Dabei kristallisierten sich die wichtigsten Themen heraus, zum Beispiel Mobilität und Ökologie. Darüber hinaus hat das Gelände eine besondere Lage. Es befindet sich im Stadtzentrum. Mit sieben Hektar liegt es außerdem zwischen Bahnhof und Marktplatz sowie an zwei Fließgewässern. Jetzt ging das Team um SCHIRMER Architekten + Stadtplaner, planetz Architektenpartnerschaft und deBuhr LA Landschaftsarchitektur als Sieger hervor. Wie überzeugte also der Entwurf „klimaPARKquartier“? 

Schwarz-Grün-Plan. Quelle: Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Schwarz-Grün-Plan. Quelle: Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Lageplan. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Lageplan. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Städtebauliche Struktur und Flexibilität 

Die Gebietsentwicklung des Rother Neulands wird über einen langen Zeitraum erfolgen. Deshalb ist die Grundstruktur robust. Aber es wird ausreichend flexiblen Entwicklungsspielraum geben. Die Jury lobte dabei die angemessen dichte, bauliche Struktur. Richtung Innenstadt präsentiert sich das Viertel mit urbaner Atmosphäre aus gefassten Räumen und Blockstrukturen. Die angrenzenden Wohnhöfe haben dagegen einen Gartenstadt-Charakter. Im Nordosten liegt ein großzügiges, freiräumliches Entree. 

Grünstruktur

Das Privatgelände wird zum öffentlichen Landschaftspark. Das Konzept des Rother Neulands sieht eine Bebauung in der Grundstücksmitte vor. Dafür wird es in ein breites, durchgehendes Landschaftsband eingebettet. Durch räumliche und visuelle Bezüge erhalten das Schloss, die Kulturfabrik und Fließgewässer so neue Wertigkeit im Stadtgefüge. Anstelle einer Zäsur gibt es nun eine Verbindung zwischen der Stadt, der Rednitzinsel und den umgebenden Landschaftsräumen. Der Entwurf führt dabei die bestehenden ökologisch und erholungstechnisch wertvollen Landschaftsstrukturen fort. „Mit den großzügigen Grünräumen und zusätzlichen Baumpflanzungen wird ein sehr guter Beitrag zur klimatischen Verbesserung der umliegenden Stadtquartiere geschaffen“ sagte das Preisgericht. Auch der Luftaustausch wird berücksichtigt. Die Wiesen sind gleichzeitig Überschwemmungszonen und die Belagsflächen dränfähig. Künftig interessant wird der detailliertere Umgang mit dem oberflächennahen Grundwasser. Auch das Thema Altlasten bereitet allen Beteiligten Sorgen.

Identität und Ressourcenschutz

Neben den Naturräumen bleibt auch die bauliche Geschichte des Ortes ablesbar. Zur Identitätsstiftung des Rother Neulands werden dafür Teile der Bausubstanz erhalten (zum Beispiel Drei-Bogenhalle, Pförtnerhaus). Deren Integration erhält aber nicht nur den Charakter des Ortes. So lässt sich auch die graue Energie nutzen.

Klima & Freiflächen. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Klima & Freiflächen. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Nutzungsmischung

Ein lebendiges Stadtquartier braucht Nutzungsmix. Um Arbeiten und Wohnen näher zu bringen plant das Siegerteam zum einen emissionsarme Produktionsprozesse und digitalisierte Arbeitsformen. Zum anderen schaffen sie soziale und kulturelle Angebote im Rother Neuland.

Mobilität

Einen weiteren vorbildlichen Umgang mit Ressourcen sieht man im nachhaltigen Erschließungskonzept. Die Infrastruktur baut nämlich auf dem Bestand auf. Dazu wird ein autofreies bzw. autoarmes Stadtquartier geschaffen. Hierfür plant man am Quartierseingang eine Großgarage als Mobilitätszentrale. Dagegen werden im Quartiersinneren der ÖPNV, Mobilitätsstationen und Sharing-Angebote ausgebaut. Außerdem schafft der Entwurf eine große innere Durchwegung und Verknüpfung mit der Umgebung.

Mobilität & Verkehr. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen
Mobilität & Verkehr. Quelle: Kooperationspartner Schirmer Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg, planetz architekten, München, DE BUHR LA Landschaftsarchitektur, Sommerhausen

Weiteres Vorgehen

Die sieben Wettbewerbsergebnisse sind bis zum 28. Juli 2023 in der Kulturfabrik Roths ausgestellt. Der Stadtrat beauftragte bereits das Planungsteam mit der Fortschreibung des Entwurfs. Die Ergebnisse aus einer Online-Umfrage im Rahmen von „Landstadt Bayern“ müssen dabei im weiteren Planungsprozess berücksichtigt werden.

Auch in einem ehemaligen Industriegebiet findet das „Quartier der tanzenden Paare“ in der Schweiz auf dem Erni-Areal Platz. Das Besondere: Studio Vulkan gestalten zusammen mit KCAP einen Raum in der Siedlung nach dem Schwammstadt-Prinzip.

Parc des Ateliers

Der spektakuläre Neubau der Stiftung Luma Arles ist ein Kunstwerk für die Kunst: Frank Gehrys Turm ist Museum und Atelierbau zugleich. Er bildet den Höhepunkt eines Kunst- und Kulturareals, das die Luma-Gründerin Maja Hoffmann im Verlauf von 15 Jahren verwirklicht hat.

Luma Arles eröffnet „Parc des Ateliers“

Arles und Kunst – da ist natürlich der erste Gedanke van Gogh, der hier seinen Traum vom Atelier des Südens im Künstlergemeinschaft mit Gauguin zu verwirklichen suchte. Doch der Aufenthalt in Arles wurde für van Gogh zum Debakel. Nicht nur, dass die Zusammenarbeit mit Gauguin im Zerwürfnis endete – in Arles begann er auch zunehmend an Wahnvorstellungen zu leiden, bis er sich schließlich in die Nervenheilanstalt im nahegelegenen Saint-Rémy begeben musste.

Fast erscheint es ein wenig, als habe sich Maja Hoffmann vorgenommen, van Goghs erlittenes Schicksal in Arles im Nachhinein zu heilen. Hoffmann, die der gleichnamigen Basler Großindustriellendynastie entstammt, ist eine der bedeutendsten Kunstsammlerinnen und -förderinnen weltweit. Seit beinahe 20 Jahren wirkt sie als Kulturinitiatorin und Mäzenin in Arles. Im Jahr 2004 gründete sie dort die Luma-Stiftung, die zeitgenössische Kunst fördert und beauftragt.

 

Drei Jahre später begann Maja Hoffmann gemeinsam mit dem Architekten Frank Gehry, dem Kurator Hans-Ulrich Obrist und einer Reihe bedeutender zeitgenössischer Künstler einen Arbeitsprozess. Die Beteiligten entwickelten gemeinsam Ideen für ein neuartiges Kunst- und Kulturzentrum für das 21. Jahrhundert. Als Standort für dieses Projekt wählte Hoffmann den „Parc des Ateliers“. Ein Gelände des seit den Achtzigerjahren aufgelassenen Bahnbetriebswerk der SNCF an Rande der historischen Altstadt von Arles. Die historischen Werkstattgebäude wurden in Verlauf der letzten Jahre von der Architektin Annabelle Selldorf renoviert. Nun beherbergt das Gebäude Ausstellungsräume, Künstlerateliers und -wohnungen sowie ein Restaurant.

Galerie, Atelier und eine öffentliche Aussichtsterrasse

Den krönenden Abschluss fand die Neugestaltung des „Parc des Ateliers“ nun mit der Eröffnung des „Towers“, eines 56 Meter hohen Ausstellungs- und Ateliergebäudes nach dem Entwurf von Frank Gehry. Die ersten Vorarbeiten zu dem Projekt begannen bereits 2009. 2013 begannen die Bauarbeiten. Das Ergebnis ist unübersehbar ein Werk Gehrys – der hier jedoch die für sein Werk so charakteristischen freien Formen mit gewaltigen geometrischen Volumina verbindet. So gestaltete der Architekt eine drei Stockwerke hohe Sockelzone als gewaltigen gläsernen Zylinder. Ein Verweis auf das römische Amphitheater von Arles.

Nachhaltige Baumaterialien entwickelt von Atelier Luma

 

Aus dem Zylinder empor wächst der eigentliche Turm. Dessen auf die Innenstadt ausgerichtete Seite präsentiert sich als glänzende und wild bewegte Metallhaut mit rechteckigen Fenstererkern. Auf der stadtabgewandten Seite scheint der Turm dagegen aus zwei kubischen Körpern zusammengesetzt, die leicht angewinkelt nebeneinanderstehen. Im Innern des Glaszylinders sind scheinbar frei im Raum verteilt die Volumina der unterschiedlichen Galerien untergebracht. Eine Organisationsform, die sich ähnlich auch in Gehrys Fondation Louis Vuitton in Paris findet. Auch mehrere Atelierräume für Künstler finden sich hier. Im Turm dagegen sind hauptsächlich die Verwaltungsräume der Stiftung untergebracht. Eine öffentliche Aussichtsterrasse bildet den oberen Abschluss.

Zahlreiche Kunstwerke, unter anderem von Philippe Parreno und Olafur Eliasson, sind wichtiger Bestandteil des Towers. Sie wurden speziell für diesen Ort geschaffen. Ebenfalls Teil der Arbeit der Luma-Stiftung ist übrigens das Atelier Luma. Diese Werkstätte hat verschiedene nachhaltige Bau- sowie Einrichtungsteile aus heimischen Materialien für das Projekt entwickelt: So finden sich im Gebäude unter anderem textile Wandverkleidungen aus Bioplastik, mit Algen gefärbte Fliesen und Akustikelemente aus Sonnenblumen.

Ein weiteres Museum geschmückt mit gelungenen architektonischen Details sehen Sie hier.