Kühllogiken für urbane Dächer – technische, gestalterische, rechtliche Aspekte

Cottage mit begrüntem Dach im Wald als Symbol für Kühllogiken und nachhaltige Dachgestaltung im urbanen Klima.
Das grüne Dach steht für innovative Kühlungslösungen und nachhaltige Stadtgestaltung.

Heiße Städte, überhitzte Dächer – und die Suche nach Abkühlung, die mehr kann als weißer Anstrich: Urbane Dächer sind längst Spielwiese für Klimaingenieure, Gestaltungskünstler und Rechtsexperten zugleich. Doch Kühlung ist keine Zauberei, sondern das Ergebnis raffinierter Technik, kreativer Planung und klarer gesetzlicher Rahmen. Wer heute Stadt macht, muss die Kühllogiken für urbane Dächer beherrschen. Wie gelingt das Zusammenspiel aus Technik, Design und Recht? Willkommen zu einer Reise über die künftigen coolen Hotspots der Stadt.

  • Definition und Relevanz von Kühllogiken für urbane Dächer im Kontext des Klimawandels
  • Technische Lösungen: Begrünung, Reflexionssysteme, Verdunstungskühlung, innovative Materialien
  • Gestalterische Herausforderungen und Potenziale für Stadtbild und Aufenthaltsqualität
  • Rechtliche Rahmenbedingungen: Baurecht, Förderung, Normen und Hürden
  • Wechselwirkungen zwischen Dachnutzung, Stadtklima und Energieeffizienz
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Risiken, Nebenwirkungen und Zielkonflikte bei der Dachkühlung
  • Strategien für die Integration in nachhaltige Stadtplanung und Architektur
  • Zukunftsperspektiven: Smart Roofs, digitale Steuerung und die Rolle von Forschung und Politik

Kühllogiken für urbane Dächer: Bedeutung, Grundlagen und Herausforderungen

Wer im Sommer durch die Städte Mitteleuropas streift, merkt schnell: Dächer sind mehr als nur Schutz vor Regen. Sie sind Hitzeschilde, Energiespeicher, manchmal leider auch Backöfen. Der Klimawandel trifft urbane Räume ungebremst – und hier besonders die Oberflächen, die der Sonne gnadenlos ausgeliefert sind. Gerade Dächer, von Flachdach bis Schrägdach, werden zu Schlüsselakteuren im Kampf gegen urbane Überhitzung. Doch was bedeutet „Kühllogik“ eigentlich? Im Kern geht es um das gezielte Management von Sonneneinstrahlung, Wärmespeicherung und -abgabe sowie Feuchtigkeitshaushalt, um die Temperatur in und um Gebäude aktiv zu steuern. Diese Strategien reichen von passiven Maßnahmen wie Begrünung über technische Systeme bis hin zu materialtechnischen Innovationen.

Die Herausforderung ist dabei vielschichtig. Städte wachsen, Flächen werden rar, die Dichte nimmt zu – klassische Grünflächen können den Wärmeeintrag längst nicht mehr alleine kompensieren. Hier rücken Dächer als bislang untergenutzte Ressource in den Fokus. Sie bieten Potenzial für mehr als nur ein paar Solarpaneele. Sie können Hitzeinseln entschärfen, Verdunstungskühle spenden, Lebensräume schaffen, Regenwassermanagement verbessern und sogar soziale Räume bieten. Doch jede Dachfläche ist anders: Statik, Nutzung, Ausrichtung, Umgebung und lokale Klimabedingungen bestimmen, welche Kühllogik sinnvoll ist.

Die Wissenschaft ist sich einig: Ohne systematische Integration von Dachkühlung werden Städte langfristig unbewohnbar heiß. Studien zeigen, dass gezielte Begrünung und Reflexion auf Dächern die Umgebungstemperatur signifikant senken und den urbanen Wärmeinseleffekt abmildern können. Gleichzeitig gilt: Kühlung ist kein Selbstzweck, sondern Teil einer ganzheitlichen Strategie für nachhaltige, lebenswerte Städte. Doch gerade in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist die Umsetzung komplex – zwischen Technikeuphorie, gestalterischem Anspruch und rechtlichen Grauzonen.

Ein zentrales Problem ist die mangelnde Koordination zwischen Planern, Bauherren, Eigentümern und Behörden. Oft agieren die Akteure parallel, statt gemeinsam. Die Folge: Halbgare Lösungen, ineffiziente Investitionen und verschenkte Potenziale. Wer heute erfolgreich kühlt, muss nicht nur Technik verstehen, sondern auch Gestaltung und Recht mitdenken. Die Anforderungen reichen von thermodynamischem Know-how über Pflanzenkenntnis bis hin zu juristischer Finesse. Nur im Zusammenspiel entsteht die „coole Stadt“.

Die Frage nach der optimalen Kühllogik ist dabei immer kontextabhängig. Es gibt keine Patentlösung, sondern ein Baukastensystem aus Methoden, die individuell kombiniert werden müssen. Wer das ignoriert, riskiert teure Fehlinvestitionen und Frust bei Eigentümern und Nutzern. Gleichzeitig eröffnen sich große Chancen: Wer jetzt richtig plant, schafft nicht nur klimatische Entlastung, sondern wertet ganze Quartiere auf – und bringt die Stadtplanung ins 21. Jahrhundert.

Technische Lösungen: Von der Begrünung bis zur smarten Dachhaut

Die Technik der Dachkühlung ist eine Wissenschaft für sich – und ein Spielfeld für Innovationen. Am bekanntesten sind begrünte Dächer, die durch Pflanzen und Substrate Verdunstungskühlung erzeugen. Die Pflanzen nehmen Wasser aus dem Substrat auf und geben es über ihre Blätter an die Umgebung ab. Dieser Prozess senkt die Oberflächentemperatur teils dramatisch, bindet Feinstaub und verbessert das Mikroklima. Intensive Dachbegrünung mit Stauden und kleinen Gehölzen liefert dabei deutlich mehr Kühlung als dünne Extensivbegrünung. Allerdings steigen mit der Schichtdicke auch die Anforderungen an Statik und Pflege.

Ein weiterer technischer Ansatz ist die Reflexion. Helle, hoch reflektierende Beschichtungen – sogenannte „Cool Roofs“ – werfen einen Großteil der Sonneneinstrahlung zurück ins Weltall, statt sie in Wärme umzuwandeln. Moderne Beschichtungen erreichen Reflexionsgrade von über 80 Prozent. Das kann die Oberflächentemperatur gegenüber herkömmlichen Bitumendächern um 20 bis 30 Grad senken. Die Wirkung ist besonders stark in heißen Sommern und auf großen Flachdächern, etwa von Gewerbebauten oder Schulen.

Innovativ sind auch Systeme, die gezielt mit Wasser arbeiten. Bei der Verdunstungskühlung wird Wasser auf die Dachfläche gebracht, verdunstet dort und entzieht der Umgebung Wärme. Das Prinzip funktioniert ähnlich wie die natürliche Kühlung der Haut durch Schwitzen – nur eben in großem Maßstab. Technologien reichen von offenen Wasserspeichern über Sprühnebelsysteme bis zu smarten Speicherlösungen, die Regenwasser zwischenspeichern und gezielt an heißen Tagen abgeben. Die Steuerung erfolgt zunehmend digital und temperaturgesteuert.

Auch Materialinnovationen spielen eine Rolle. Neuartige Membranen, keramische Oberflächen oder sogenannte Phase-Change-Materials (PCM) können Wärme aufnehmen und zeitverzögert wieder abgeben. Damit lassen sich Temperaturspitzen abpuffern und die Laufzeit von Klimaanlagen reduzieren. Besonders spannend: Kombinierte Systeme, bei denen Begrünung, Reflexion und Wassermanagement intelligent zusammenspielen. Die Forschung arbeitet bereits an multifunktionalen Dachaufbauten, die sich je nach Wetterlage automatisch anpassen.

Doch Technik allein ist nie die Lösung. Die beste Dachkühlung funktioniert nur, wenn sie auf das jeweilige Gebäude, die Nutzung und das Umfeld abgestimmt ist. Statik, Brandschutz, Dachneigung, Zugänglichkeit, Nutzerwünsche und Wartungsaufwand bestimmen mit, welche Systeme realistisch und wirtschaftlich sind. Hier zeigt sich: Die Königsklasse sind hybride Lösungen, die Technik, Ökologie und Nutzerbedürfnisse verbinden – und das alles eingebettet in ein Gesamtkonzept für das Stadtklima.

Gestalterische Dimension: Kühlung, Stadtbild und Aufenthaltsqualität

Technische Effizienz ist das eine – aber Dächer sind längst auch gestalterische Statements. Die Integration von Kühllogiken muss sich daher am Stadtbild, der Architektur und den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft orientieren. Begrünte Dächer etwa sind nicht nur Klimaschutzmaßnahme, sondern auch Erlebnisraum: Sie bieten Bienen, Vögeln und Menschen neue Lebensräume, schaffen grüne Oasen inmitten der Steinwüste und fördern Biodiversität. In verdichteten Quartieren sind sie oft der einzige Ort, an dem Natur sichtbar und erlebbar bleibt. Die Gestaltung reicht von naturnahen Wiesen über urbane Gärten bis zu begehbaren Dachparks mit Aufenthaltsqualität.

Reflektierende Dachflächen gelten oft als gestalterisch problematisch – das berühmte „weiße Dach“ ist nicht jedermanns Sache. Doch mit modernen Beschichtungen, Farbkonzepten und texturierten Oberflächen lassen sich ästhetische Lösungen finden. Architekten und Designer sind gefordert, Reflexion und Gestaltung zu vereinen, ohne das Stadtbild in eine blendende Wüste zu verwandeln. Innovative Beispiele zeigen: Auch coole Dächer können schön sein, wenn Funktion und Form klug verbunden werden.

Ein wichtiger Aspekt ist die Sichtbarkeit der Dachlandschaften. Früher waren Dächer reine Technikflächen. Heute werden sie als fünfte Fassade der Stadt verstanden – sichtbar von oben, von Nachbargebäuden, von Drohnen und zunehmend auch für die Nutzer selbst. Diese neue Sichtbarkeit fordert Planer heraus, denn jede Dachlösung prägt das Stadtbild. Die Integration von Kühlung, Photovoltaik, Aufenthaltsräumen und Begrünung verlangt kreative Komposition und interdisziplinäre Zusammenarbeit. Wer hier mutig gestaltet, setzt Akzente für ein neues urbanes Lebensgefühl.

Auch die soziale Dimension darf nicht unterschätzt werden. Grüne und kühle Dächer sind Orte für Begegnung, Erholung und Gemeinschaft. Sie verbessern die Lebensqualität, schaffen neue Räume für Urban Gardening, Yoga, Kultur oder Spiel. Gerade in dicht bebauten Innenstädten werden sie zu Rückzugsorten und Identitätsträgern. Dachkühlung ist deshalb auch ein Beitrag zur sozialen Nachhaltigkeit und zur Stärkung des öffentlichen Raums – wenn sie offen gedacht und zugänglich gestaltet wird.

Die große Herausforderung bleibt: Wie gelingt es, innovative Kühllogiken in die DNA der Stadtgestaltung zu integrieren? Es braucht Leitbilder, die über reine Technik hinausdenken, und einen Schulterschluss von Architekten, Ingenieuren, Landschaftsplanern und Künstlern. Nur so entstehen Dachlandschaften, die klimatisch wirken, visuell begeistern und sozial verbinden – und die Stadt wirklich „cool“ machen.

Rechtliche Rahmenbedingungen: Spielräume, Hürden und Fördermöglichkeiten

Technik und Gestaltung allein reichen nicht – ohne rechtliche Klarheit bleibt jede Kühllogik auf dem Dach ein Experiment mit offenem Ausgang. Das Baurecht in Deutschland, Österreich und der Schweiz ist ein Dickicht aus Vorschriften, Normen und Ausnahmen. Begrünte Dächer werden vielerorts gefördert oder gar vorgeschrieben, etwa in Bebauungsplänen, Landesbauordnungen oder über kommunale Satzungen. Zugleich existieren zahlreiche technische Regelwerke, etwa die DIN 18531 für Dachabdichtungen oder die FLL-Richtlinie für Dachbegrünung. Wer plant, muss diese Vorgaben kennen und einhalten, sonst drohen Nachbesserungen, Haftung oder Fördermittelverlust.

Ein zentrales Thema ist die Statik. Begrünung, Wasser, technische Aufbauten – all das bringt Gewicht aufs Dach. Die Tragfähigkeit muss nachgewiesen, der Brandschutz beachtet, Fluchtwege freigehalten und die Wartung gesichert werden. In bestehenden Gebäuden sind Nachrüstungen oft nur mit erheblichem Aufwand möglich. Hier entscheidet die Wirtschaftlichkeit, ob Dachkühlung Realität wird oder Wunschtraum bleibt. Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Kommunen bieten finanzielle Anreize, doch die Antragsverfahren sind oft komplex und bürokratisch. Wer förderfähig sein will, muss meist ein aufwändiges Nachweis- und Monitoring-System etablieren.

Auch das Thema Eigentum und Nutzung ist rechtlich heikel. Wer darf das Dach nutzen? Wie werden Kosten und Nutzen verteilt? Gerade bei Mehrfamilienhäusern oder Gewerbeimmobilien ist die Abstimmung zwischen Eigentümern, Mietern, Nachbarn und Verwaltung oft aufwändig. Streit um Zugänge, Wartung und Haftung kann Projekte verzögern oder verhindern. Klar geregelte Nutzungsvereinbarungen, Haftungsfragen und Wartungspflichten sind daher unverzichtbar. Nur so entstehen verlässliche Strukturen für langfristige Kühllogik-Projekte.

Ein weiteres Feld sind Normen und Standards. Die technische Zulassung neuer Materialien oder Systeme, die Einhaltung von Energieeinsparverordnungen, Umweltauflagen oder städtebaulichen Verträgen – all das muss frühzeitig geklärt werden. Innovative Lösungen stoßen hier oft auf regulatorische Hürden, weil bestehende Normen nicht auf multifunktionale Dachsysteme ausgelegt sind. Wer experimentiert, muss daher mit erhöhter Prüfungs- und Nachweispflicht rechnen – oder sich aktiv in die Weiterentwicklung von Regelwerken einbringen.

Die rechtliche Komplexität darf aber nicht abschrecken. Im Gegenteil: Sie bietet auch Chancen, neue Standards zu setzen, Spielräume auszunutzen und die Entwicklung voranzutreiben. Kommunen, die Kühllogiken konsequent in ihre Satzungen, Förderprogramme und Bebauungspläne integrieren, schaffen Planungssicherheit und Innovationsklima. Die Zukunft gehört Städten, die Mut zur Regelsetzung haben – und dabei Technik, Gestaltung und Recht als Einheit verstehen.

Perspektiven und Best-Practice: Die Zukunft der Kühllogik auf dem urbanen Dach

Wie sieht sie aus, die Zukunft der kühlen Dächer? Ein Blick in innovative Städte zeigt: Die Kombination aus Technik, Gestaltung und Recht eröffnet neue Horizonte. In Basel etwa sind begrünte Dächer Pflicht – und die Stadt fördert nicht nur die Installation, sondern auch die Pflege. Das Ergebnis: Ein Netzwerk aus grünen Oasen, die das Mikroklima messbar verbessern und als Vorbild für andere Kommunen dienen. In Wien entstehen Dachparks, die mit digital gesteuerten Bewässerungssystemen und Sensorik arbeiten. Die Steuerung erfolgt über Apps, die Wetterdaten und Wasserbedarf in Echtzeit abgleichen – ein Paradebeispiel für smarte Kühllogik.

Auch in Deutschland gibt es Leuchtturmprojekte. In Hamburg werden auf Schulgebäuden multifunktionale Dächer installiert, die Begrünung, Solarenergie und Regenwassermanagement kombinieren. Die Projekte sind Teil einer städtischen Strategie für klimarobuste Quartiere – und liefern wertvolle Daten für die Weiterentwicklung. München setzt auf Pilotprojekte mit innovativen Kühlmaterialien und testet verschiedene Beschichtungssysteme im Reallabor. Die Ergebnisse fließen in die städtische Planung und in die Normenentwicklung ein.

Forschung und Entwicklung treiben die Kühllogik weiter voran. Universitäten und Start-ups arbeiten an selbstheilenden Dachmembranen, an adaptiven Begrünungssystemen und an der Integration von Photovoltaik und Verdunstungskühlung in einem System. Digitale Zwillinge, wie sie in der Stadtplanung zunehmend eingesetzt werden, ermöglichen die Simulation und Optimierung von Dachkühlung in Echtzeit. So lassen sich verschiedene Szenarien durchspielen und die beste Lösung für jedes Gebäude finden – ein Quantensprung gegenüber der bisherigen Trial-and-Error-Methode.

Risiken und Zielkonflikte bleiben: Reflexionssysteme können Nachbarn blenden, Dachbegrünung erhöht den Pflegeaufwand, Verdunstungskühlung braucht Wasserressourcen. Nicht jede Lösung ist überall sinnvoll, nicht jedes Dach eignet sich für alles. Entscheidend ist ein integrierter Ansatz, der Technik, Gestaltung und Recht aufeinander abstimmt und die Nutzer frühzeitig einbindet. Beteiligung und Kommunikation sind Schlüsselfaktoren für Akzeptanz und Erfolg.

Die große Vision: Das urbane Dach wird zur multifunktionalen Plattform – für Klima, Energie, Biodiversität, Erholung und Gemeinschaft. Smarte Steuerungssysteme, digitale Zwillinge und innovative Materialien machen die Dachlandschaft zum Labor für die Stadt der Zukunft. Wer jetzt in Kühllogiken investiert, schafft nicht nur kühlere Städte, sondern auch attraktive, resiliente und lebenswerte urbane Räume. Die Zeit der heißen Köpfe ist vorbei – jetzt wird die Stadt am Dach entschieden.

Fazit: Kühllogiken als Schlüssel für die klimaresiliente Stadt

Urbane Dächer sind die neuen Spielfelder der Stadtentwicklung – und Kühllogiken sind das Regelwerk, das entscheidet, wie lebenswert, widerstandsfähig und attraktiv unsere Städte in Zukunft bleiben. Die Fusion von Technik, Gestaltung und Recht ist keine Option, sondern Pflicht, wenn Überhitzung, Energieverschwendung und soziale Entfremdung vermieden werden sollen. Die Erfahrungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen: Wer mutig integriert, interdisziplinär denkt und rechtliche Rahmenbedingungen aktiv gestaltet, kann mit Dachkühlung weit mehr erreichen als nur ein paar Grad weniger im Thermometer. Die kühle Stadt ist kein Zufall, sondern das Ergebnis kluger Planung, starker Allianzen und kontinuierlicher Innovation. Kühllogiken sind nicht die Kür, sondern die neue Pflichtdisziplin urbaner Entwicklung – und der beste Beweis, dass selbst die heißesten Dächer Potenzial für echte Coolness haben. Wer jetzt in die fünfte Fassade investiert, macht die Stadt nicht nur kühler, sondern besser.

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Petra Kahlfeldt im Interview zu der Kritik an ihrer Person

Foto: Sebastian Gabsch
Foto: Sebastian Gabsch

Die Startvoraussetzungen für die neue Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt waren von Anfang an schwierig. Bereits im Vorfeld der Ernennung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin hatten zahlreiche Architekt*innen öffentlich ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung der Position gefordert. Als dann die Berliner SPD die Architektin Petra Kahlfeldt im Dezember 2021 als neue Berliner Senatsbaudirektorin vorstellte, hagelte es Kritik. Allen voran von einer Gruppe von acht Architekt*innen. Wir sprachen im Interview mit Petra Kahlfeldt: was die Kritik mit ihr macht und ob sie zum Dialog mit ihren Kritiker*innen bereit ist.

„Ich bekleide nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Petra Kahlfeldt, zunächst einmal Glückwunsch zur Ernennung als neue Senatsbaudirektorin. Welche Herausforderungen der Berliner Stadtentwicklung gehen Sie jetzt als erstes an?

Ich freue mich, als Senatsbaudirektorin an der Gestaltung Berlins aktiv mitwirken zu können. Stadtentwicklung ist ein ständiger Prozess und bietet immer wieder neue Möglichkeiten. Im Moment stehen im Fokus der Neubau bezahlbarer Wohnungen Schulneubau und Sanierung der bestehenden Schulen, der Kultur- und Wissenschaftsbauten, die Gestaltung wichtiger Ort, wie der ehemalige Flughafen Tegel, die Qualifizierung des Hermannplatzes oder die Entwicklung des Molkenmarkts als ein dichtes, sozial und funktional gemischtes Quartier in Berlins historischer Mitte, um nur einige zu nennen. Unser Ziel ist, schneller von der Planung zum Bauen zu kommen – das ist eine große Herausforderung, aber notwendig, wenn wir sicherstellen wollen, dass unsere Nachbarschaften und Quartiere lebendig und lebenswert bleiben.

Ihre Ernennung hat nicht nur Jubel in der Architekturszene ausgelöst. Eine Initiative von acht Architekt*innen spricht Ihnen öffentlich die Eignung für das Amt ab, fordert die Zurücknahme Ihrer Benennung, der BDA definiert in einer Stellungnahme die Neubesetzung der Senatsbaudirektion als „intransparent und ohne Vision“. Was macht das mit Ihnen?

Das Amt der Senatsbaudirektorin hat immer Kritikerinnen und Kritiker auf den Plan gerufen, das ist vor allem in Berlin nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist jedoch die Heftigkeit der öffentlichen Angriffe, bevor ich überhaupt auch nur eine inhaltliche Entscheidung habe treffen können. Ich bin Senatsbaudirektorin, aber auch Staatssekretärin für Stadtentwicklung, bekleide also nicht nur ein fachliches, sondern auch ein politisches Amt. Das wird immer vergessen, wenn einige Architektinnen und Architekten die Art der Neubesetzung kritisieren. Ich bin jetzt vier Wochen im Amt und übernehme viele, bereits laufenden Projekte. Vieles kann ich prozessual und gestalterisch mittragen, in einigen Projekten werde ich eigene Akzente und neue Impulse setzen.

„Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im ‘Elfenbeinturm sitzt’.“

Arno Lederer wiederum stellte sich öffentlich gegen die „Diffamierungen“ Ihrer Person. Er forderte den BDA Berlin auf, für einen konstruktiven Dialog einzutreten. Lederer befürwortet aber auch die vorangegangene gemeinsame Forderung der Profession für ein transparentes Verfahren zur Neubesetzung. Petra Kahlfeldt, hätte man das Verfahren Ihrer Meinung nach anders aufbauen sollen?

Arno Lederer hat recht, wir müssen nicht Vergangenes bewerten, sondern gemeinsam Zukünftiges schaffen. Es wird immer Menschen geben, die einer Entscheidung widersprechen, obwohl das Regelwerk zur Besetzung einer Position festgelegt ist. Wichtig ist doch, dass auch eine Senatsbaudirektorin nicht im „Elfenbeinturm sitzt“. Was immer für das Erscheinungsbild unserer Stadt entschieden wird, ist das Ergebnis von Diskussionsprozessen. Deshalb wird auch die Arbeit des Baukollegiums, werden die Begleitkreise und Partizipationsprozesse fortgeführt.

„Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen.“ – Petra Kahlfeldt im Interview

Laut Arno Lederer habe die gemeinsame Forderung nach mehr Transparenz in der Neubesetzung zudem gezeigt, dass die deutsche Architekturszene mit einer Stimme sprechen könne. Von der Seitenlinie betrachtet: Sowohl die gemeinsame Forderung als auch die öffentliche Kritik, die nun folgte, sprechen wiederum dafür, dass Personen der Profession politische Entscheidungen hinterfragen und nicht nur hinnehmen. Über die Art und Weise kann man streiten, aber: Hat das Ganze Ihrer Meinung nach auch etwas Positives im Sinne einer gelebten Demokratie?

Meinungsäußerungen und Diskussionen gehören zu einer Demokratie, aber sie dürfen nicht zu persönlichen Angriffen und Diffamierungen führen. Solange öffentliche Kritik zum Wohl unserer Stadt geäußert wird, setze ich mich gern damit auseinander, auch das gehört zu den Aufgaben einer Senatsbaudirektorin. Nicht nur die Planerinnen und Planer sowie die Architektinnen und Architekten haben unterschiedliche Auffassungen und Interessen; auch die Bürgerinnen und Bürger wollen mit Ihren Meinungen und Bedürfnissen wahrgenommen werden und Gehör finden. Deshalb gibt es in Berlin die gesetzlichen Leitlinien für die Beteiligung der Bevölkerung. Ich werde die bereits gut etablierte Beratungs- und Prozesskultur weiterführen, um möglichst viele Interessen einzubinden.

Petra Kahlfeldt ist bereit für den Dialog mit ihren Kritiker*innen

Wie gehen Sie nun weiter? Werden Sie das Gespräch mit Ihren Kritiker*innen suchen?

Einem konstruktiven Dialog habe ich mich nie verschlossen und natürlich werde ich bei meiner Arbeit auch Kritikerinnen und Kritikern gegenüberstehen. Wenn es um konkrete Projekte geht, bin ich gern zur Diskussion bereit, denn dann geht es um die Sache und nicht mehr um Entscheidungen, die getroffen wurden und feststehen.

Was bisher geschah, haben wir Ihnen in einem Übersichtsartikel zusammengefasst. Hier lesen Sie alles zu der Kritik, aber auch zu der Unterstützung der neuen Berliner Senatsbaudirektorin Petra Kahlfeldt.

Corona und die Städte

Advertorial Artikel Parallax Article

In ihrem Buch analysiert Ingrid Karl, welchen Einfluss die dichten, stets wachsenden Städte auf die Corona-Pandemie und die erodierende Demokratie haben und wie die fortschreitende Globalisierung das Virus begünstigt. Warum der Untertitel “Suche nach einer neuen Normalität” nicht hält was er verspricht, aber wieso das Buch trotzdem absolut lesenswert ist, erklärt Anne Fischer. Eine Buchrezension.

Potenzial zum Klassiker

Worum es geht: Ingrid Krau analysiert, wie dicht bebaute, wachsende Städte die erodierende Demokratie und die Globalisierung den Pandemieverlauf begünstigen. Dabei richtet sie den Blick auf asiatische Megalopolen als wahrscheinlichen Virus-Ursprungsort, auf Urbanität als Lebensform, die dessen Ausbreitung begünstigt, und die Desorientierung vieler Bürger*innen durch soziale Medien, die dafür sorgt, dass im Lockdown giftige Debatten über die politische Entscheidungsgewalt ausbrechen. Im Zentrum ihrer planerischen Überlegungen stehen Städte, die sich, so die Autorin, trotz Klimakrise und daraus folgender Probleme „ihrer früheren Planungsmaxime ‚Licht, Luft und Sonne‘ in erstaunlichem Maß entledigt haben“ – und somit die perfekte Virenumgebung bieten.

Was die Autorin auszeichnet: Die Architektin und Autorin Ingrid Krau lehrte bis 2007 als Professorin für Städtebau und Stadtentwicklung an der TU München. Bereits zu dieser Zeit beschäftigte sie sich mit den Risiken, die extreme Bebauungen mit sich bringen. Krau schreibt vor allem über Städtewachstum und die Folgen fossiler Energiegewinnung.

Das ist die beste Aussage: „Die Vorstellung, wenn jetzt alle zusammen für eine kurze Zeit in den Shutdown gehen, wäre das Virus gebannt, ist ökonomisches Wunschdenken. Es bleibt wegen der Unordnung des Urbanen in den Nischen übersehener Populationen lebendig und tritt an unerwarteter Stelle wieder ans Tageslicht.“

Das erwartet die Leser*innen: Die Unterzeile „Suche nach einer neuen Normalität“ führt Erwartungen in die Irre – denn Krau seziert lediglich den Status quo. Das Buch bietet weniger Anleitung aus dem Schlamassel als präzise Analyse dazu, welchen Anteil der Städtebau an dessen Entstehung trägt. Erst auf den letzten 30 Seiten fordert sie konkrete Maßnahmen für die Zukunft, etwa Bodenfonds für Wohnzwecke, die Be- grenzung von Nachverdichtung, die Erweiterung von Grün- und Durchlüftungsräumen. Sie plädiert für „politischere“ Planung – ohne allerdings der Illusion zu erliegen, es sei einfach, den Boden der Städte „aus seiner Rolle als Spekulationsobjekt internationaler Transaktionen herauszuführen“.

Mehr Klassiker als Trend, weil … Pandemien und ihre verheerenden Auswirkungen auf die Gesellschaft eigentlich genauso wenig neu sind wie planerische Anstrengungen, Antworten auf das Städtewachstum zu finden, die möglichst wenig Luft und Grün opfern – aber, wie Krau es formuliert: „Wachstum und Fortschritt verbinden sich mit Naturvergessenheit.“

Corona und die Städte – das Buch

Haptik: Die Planerin, der Nachhaltigkeit am Herzen liegt, hat sich folgerichtig einen Verlag gesucht, der mit Öko-Anspruch druckt – und auch auf E-Books setzt.

Design: Nicht vom futuristisch-platt geratenen Cover abschrecken lassen.

Lesefluss: Krau kombiniert umfangreiches Wissen mit präziser und geschliffener Sprache, hier und da wiederholt sie sich aber.

Fazit: Krau liefert eher meinungsstarkes Essay als lupenreines Sachbuch und zeigt Zusammenhänge im großen Erzählbogen auf: von historischen Pandemien über Kompaktwohnformen im frühen 20. Jahrhundert, die Nachverdichtung europäischer Metropolen und Lebensbiotope, die sich Menschen und Wildtiere durch zunehmende Urbanisierung teilen müssen, bis hin zur aktuellen Pandemielage, die öffentliche Räume, aber auch das Arbeiten ins Netz verlagert (und so nebenbei den Flächenbedarf verändert) und wohl langfristige Auswirkungen auf städtebauliche Konzepte haben wird. Das macht das Buch zur kurzweiligen Lektüre für Planer*innen.

Corona und die Städte. Suche nach einer neuen Normalität.

Ingrid Krau

120 Seiten
ISBN: 978-3-96238-291-9
Oekom Verlag, 2021

Print 16 Euro, E-Book 12,99 Euro

Mehr zum Thema Planung, Städte und Corona erfahren Sie in hier.