Künstliche Intelligenz modelliert urbane Biodiversität

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Analoge Aufnahme einer von Bäumen gesäumten Asphaltstraße in Berlin von Markus Spiske

Kann künstliche Intelligenz tatsächlich die urbane Biodiversität modellieren? Wer jetzt noch denkt, KI sei nur ein Tool für Datennerds, wird überrascht sein: Moderne Algorithmen revolutionieren, wie Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Ökologen Lebensräume entwerfen, schützen und transformieren. Zwischen Science-Fiction und Planungsalltag – ein Blick auf das, was KI für die grüne Stadt von morgen wirklich leisten kann.

  • Definition und Bedeutung urbaner Biodiversität im Kontext heutiger Stadtentwicklung
  • Funktionsweise und Potenzial künstlicher Intelligenz bei der Modellierung ökologischer Systeme
  • Praktische Anwendungen von KI für Biodiversitätsdaten, Monitoring und Szenarienentwicklung
  • Reale Projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Wo KI schon heute die Planung bereichert
  • Chancen und Risiken: Von smarter Flächennutzung bis zu algorithmischen Verzerrungen
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit: Wie Planer, Technologen und Ökologen von KI profitieren
  • Transparenz, Governance und ethische Herausforderungen bei KI-gestützter Stadtplanung
  • Zukunftsausblick: Die Rolle von KI für resiliente, lebenswerte und artenreiche Städte

Urbane Biodiversität: Was auf dem Spiel steht und warum KI ins Spiel kommt

Wer heute durch Hamburgs Parks, Wiens Gassen oder Zürichs Vororte schlendert, erkennt schnell: Die biologische Vielfalt der Stadt ist kein nettes Extra, sondern ein existenzieller Baustein urbaner Lebensqualität. Urbane Biodiversität beschreibt die Fülle und Verteilung von Tier- und Pflanzenarten in Städten – von Wildbienen auf dem Dachgarten bis zu Fledermäusen im Industriehafen. Diese Vielfalt sorgt für Klimaanpassung, gesündere Luft, Erholung, soziale Integration und nicht zuletzt für Identität im Stadtraum. Doch Urbanisierung, Flächenverbrauch, Versiegelung und Klimawandel setzen der urbanen Natur massiv zu. Genau an diesem Punkt kommt die digitale Revolution ins Spiel.

Traditionelle Methoden, biologische Vielfalt zu erfassen und zu fördern, stoßen angesichts komplexer urbaner Systeme schnell an Grenzen. Ständig wechselnde Nutzungen, flüchtige Mikrohabitate und das Zusammenspiel von Mensch und Natur lassen sich kaum mit Papier, Karte und Fernglas erfassen. Hier bietet künstliche Intelligenz einen Ausweg: Sie kann riesige Datenmengen aus Satellitenbildern, Drohnenflügen, Citizen-Science-Beiträgen und Sensoren in Echtzeit auswerten, Muster erkennen, Trends vorhersagen und Szenarien simulieren. Was bisher Monate oder Jahre dauerte, gelingt nun in Tagen oder sogar Stunden.

Diese neue Qualität der Wissensproduktion verändert nicht nur die ökologische Forschung, sondern auch die Praxis der Stadt- und Landschaftsplanung. Denn Biodiversität ist längst kein Nischenthema mehr. Sie ist Leitlinie für klimafitte Quartiere, für nachhaltige Mobilität, für soziale Gerechtigkeit – und für die Zukunftsfähigkeit der Stadt insgesamt. KI eröffnet hier bisher ungeahnte Chancen: Sie kann komplexe Wechselwirkungen in urbanen Ökosystemen sichtbar machen, Zielkonflikte frühzeitig erkennen und Planungsprozesse dynamisch begleiten. Das sorgt für zielgenauere Maßnahmen, für mehr Transparenz – und für mehr Beteiligung.

Doch wie genau funktioniert das? Welche Daten braucht es? Wie werden Algorithmen trainiert, damit sie zwischen Wildkräutern und invasiven Arten unterscheiden können? Und wie sieht der Alltag von Planern, Landschaftsarchitekten und Kommunen aus, die KI für Biodiversitätsfragen nutzen? All das beleuchten wir im Folgenden – und zeigen, dass künstliche Intelligenz weit mehr ist als ein technischer Hype. Sie ist ein Werkzeug, das grüner Stadtentwicklung einen echten Innovationsschub verleiht.

Wichtig ist: KI ersetzt nicht das ökologische Gespür und die lokale Expertise. Aber sie erweitert den Werkzeugkasten – und verschiebt die Grenzen des Machbaren. Urban Biodiversity by Algorithm? Wer jetzt schmunzelt, sollte einen genaueren Blick darauf werfen, wie KI-basierte Modelle die Biodiversität der Stadt nicht nur abbilden, sondern aktiv gestalten helfen.

Künstliche Intelligenz in der Biodiversitätsmodellierung: Von Datensammlern zu Entscheidungshilfen

Im Zentrum der KI-gestützten Modellierung urbaner Biodiversität stehen Algorithmen, die riesige, heterogene und oftmals unstrukturierte Datenquellen zusammenführen. Das beginnt bei klassischen Geoinformationssystemen (GIS), reicht über Fernerkundungsdaten von Satelliten und Drohnen bis hin zu offenen Datenbanken aus Citizen-Science-Projekten oder Umweltämtern. Hinzu kommen Echtzeitsensoren, etwa für Temperatur, Luftfeuchte oder Bodenqualität. Die Herausforderung: Aus diesem Datenmeer sinnvolle, belastbare Aussagen über Artenvielfalt, Populationsdynamiken und Lebensraumqualität abzuleiten.

Hier kommen Methoden des maschinellen Lernens ins Spiel. Machine Learning, insbesondere Deep Learning, ermöglicht es, Muster in komplexen Datensätzen zu erkennen. Beispielsweise können neuronale Netze aus Bildern invasiver Pflanzenarten auf Verkehrsinseln lernen, diese automatisiert erkennen und kartieren. Klassifikationsalgorithmen durchsuchen Audioaufnahmen nach charakteristischen Lauten von Vögeln oder Fledermäusen und liefern so ein Monitoring, das menschliche Beobachter allein kaum leisten könnten. KI-gestützte Modelle lassen sich zudem mit Stadtentwicklungsdaten verknüpfen, um Veränderungen der Biodiversität bei neuen Bauprojekten oder Nutzungsänderungen vorherzusagen.

Ein besonders spannender Ansatz ist die Simulation zukünftiger Szenarien. Hierbei kombinieren KI-Systeme ökologische Modelle, Klimaprognosen, Verkehrsflüsse, Versiegelungsgrade und sozioökonomische Daten. Sie berechnen, wie sich verschiedene Planungsentscheidungen auf Ökosystemleistungen – etwa Bestäubungsleistung, Kühlwirkung oder Luftreinigung – auswirken könnten. Dadurch werden Zielkonflikte sichtbar: Was bringt mehr Artenvielfalt – eine extensive Dachbegrünung oder zusätzliche Stadtbäume? Wo entstehen grüne Korridore, die auch für seltene Arten durchlässig sind? KI hilft, diese Fragen nicht nur qualitativ, sondern quantifiziert und vergleichbar zu beantworten.

Wichtig dabei: Je besser die Datenbasis, desto verlässlicher das Modell. Hier liegt eine der größten Herausforderungen für Planer und Behörden. Datensilos, uneinheitliche Standards, fehlende Schnittstellen zwischen Umwelt- und Stadtentwicklungsämtern erschweren den durchgängigen Datenfluss. KI-Projekte in der Biodiversitätsmodellierung erfordern daher oft eine enge Kooperation zwischen IT-Experten, Ökologen, Planern und der Verwaltung. Nur wenn alle an einem Strang ziehen, können die Potenziale moderner Algorithmen für die grüne Stadt voll ausgeschöpft werden.

Zu guter Letzt: Künstliche Intelligenz ist kein Selbstläufer. Sie braucht Pflege, kontinuierliche Kalibrierung und kritische Überprüfung. Algorithmen können Vorurteile aus den Trainingsdaten übernehmen, seltene Arten übersehen oder lokale Besonderheiten nicht erkennen. Deshalb bleibt der Mensch – mit seinem ökologischen Sachverstand und seiner Planungserfahrung – unersetzlich. KI ist ein Kompass, kein Autopilot.

Praxisbeispiele: Wie KI die Biodiversität in deutschen, österreichischen und Schweizer Städten modelliert

Wer meint, KI-basierte Biodiversitätsmodellierung sei Zukunftsmusik, irrt gewaltig. Bereits heute gibt es im deutschsprachigen Raum zahlreiche Projekte, die zeigen, wie künstliche Intelligenz neue Maßstäbe in der Stadtplanung setzt. Ein herausragendes Beispiel ist das Projekt „BioDiverCity“ in Wien: Hier werden Drohnenbilder, Satellitendaten und Bürgerbeobachtungen mithilfe von KI ausgewertet, um das städtische Grünflächenmanagement zu optimieren. So können invasive Pflanzenarten frühzeitig erkannt, Pflegeintervalle angepasst und Biodiversitäts-Hotspots gezielt gefördert werden. Planer erhalten dynamische Karten, die sich mit jeder neuen Dateneinspeisung aktualisieren – ein echter Gamechanger für das Stadtgrün.

In München arbeitet das Umweltreferat gemeinsam mit der Technischen Universität an KI-basierten Modellen, die Blühflächen und Insektenvorkommen auf städtischen Flächen erfassen. Ziel ist es, eine „Biodiversitäts-Heatmap“ zu erstellen, die Planern hilft, blütenarme Straßenräume gezielt zu begrünen und neue Lebensräume für Wildbienen und Schmetterlinge zu schaffen. Auch hier zeigt sich: KI macht nicht nur Monitoring effizienter, sondern eröffnet völlig neue Planungsoptionen – etwa, indem sie Simulationen für verschiedene Begrünungsstrategien bereitstellt.

Ein weiteres spannendes Feld ist das KI-gestützte Monitoring von Tierbewegungen. In Zürich werden Sensoren und Kamerafallen eingesetzt, deren Daten mittels Deep-Learning-Algorithmen ausgewertet werden. So lassen sich Wanderkorridore von Igeln, Füchsen oder Fledermäusen in Echtzeit abbilden. Diese Informationen fließen direkt in die Stadtentwicklungsplanung ein: Wo Straßenquerungen für Tiere gefährlich sind, können gezielt Durchlässe oder Grünbrücken geplant werden. Die klassische Kollision zwischen Infrastruktur und Naturschutz wird so erstmals datenbasiert und dynamisch gemanagt.

In Hamburg wiederum setzt man auf KI-gestützte Auswertung von Satellitendaten, um den Versiegelungsgrad und die Entwicklung von Mikrohabitaten im Stadtgebiet zu überwachen. Die Algorithmen erkennen Veränderungen im Vegetationsmuster, detektieren illegal gerodete Flächen oder identifizieren ungenutzte Potenziale für neue Grünflächen. Die Ergebnisse wandern nicht in die Schublade, sondern fließen direkt in die Flächennutzungspläne und Bebauungspläne ein.

All diese Beispiele zeigen: KI ist in der Praxis angekommen. Sie erweitert die Perspektiven von Planern, gibt neue Impulse für das Flächenmanagement und sorgt für eine bislang unerreichte Transparenz. Wer heute mit künstlicher Intelligenz arbeitet, gestaltet die Biodiversität von morgen – effizienter, gezielter und vor allem resilienter.

Chancen und Risiken: Zwischen smarter Planung und algorithmischer Verzerrung

Die Potenziale künstlicher Intelligenz in der Modellierung urbaner Biodiversität sind beeindruckend – aber nicht frei von Risiken. Auf der Habenseite steht die Möglichkeit, riesige Datenmengen in kürzester Zeit auszuwerten, komplexe Zusammenhänge sichtbar zu machen und Planungsszenarien wissenschaftlich fundiert zu simulieren. Städte können Biodiversitätsziele erstmals messbar machen, Zielkonflikte zwischen Bautätigkeit und Naturschutz transparent abwägen und Beteiligungsprozesse auf eine neue, verständliche Ebene heben. Das eröffnet Chancen für eine gerechtere Flächenverteilung, für adaptive Grünflächennutzung und für klimaresiliente Quartiere.

Doch mit der Macht der Algorithmen kommen auch neue Herausforderungen. Da wäre zum einen das Problem der algorithmischen Verzerrung: Wenn Trainingsdaten unsauber oder einseitig sind, bilden KI-Modelle die Realität verzerrt ab. Bestimmte Arten oder Lebensräume werden übersehen, lokale Besonderheiten gehen unter oder seltene Ereignisse werden unterschätzt. Planer laufen Gefahr, sich zu sehr auf scheinbar objektive Zahlen zu verlassen – und dabei das ökologische Augenmaß zu verlieren.

Ein weiteres Risiko ist die Kommerzialisierung von Biodiversitätsdaten. Immer mehr private Anbieter entwickeln proprietäre KI-Lösungen, die nur gegen Lizenzgebühren zugänglich sind. Das gefährdet die Souveränität öffentlicher Planung und erschwert die Zusammenarbeit zwischen Kommunen, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Wer die Daten kontrolliert, kontrolliert letztlich auch die Planungsziele – eine Entwicklung, die kritisch zu beobachten ist.

Transparenz bleibt ein zentrales Thema. KI-Modelle müssen nachvollziehbar und erklärbar sein – nicht nur für Experten, sondern auch für die Stadtgesellschaft. Sonst droht das Risiko, dass wichtige Entscheidungen in einer Black Box verschwinden und demokratische Kontrolle verloren geht. Hier sind Governance-Modelle gefragt, die Verantwortung klar regeln, offene Schnittstellen schaffen und Partizipation ermöglichen.

Zuletzt stellt sich die ethische Frage: Wie viel Steuerung verträgt die Natur? KI kann helfen, Biodiversität zu schützen – aber sie darf nicht zum Instrument werden, um Natur nach Belieben zu optimieren oder zu manipulieren. Biodiversität bleibt ein Wert an sich, kein reines Optimierungsziel. Wer KI in der Stadtplanung einsetzt, braucht deshalb nicht nur technisches, sondern auch ethisches und ökologisches Know-how.

Fazit: KI und urbane Biodiversität – das neue Paradigma der Stadtplanung

Die Modellierung urbaner Biodiversität durch künstliche Intelligenz markiert einen Paradigmenwechsel für Städte im deutschsprachigen Raum. Was gestern noch als ferne Zukunft galt, ist heute in Pilotprojekten und Planungsalltag angekommen. KI revolutioniert, wie wir urbane Natur erfassen, schützen und gestalten. Sie schafft neue Transparenz, beschleunigt Prozesse und ermöglicht eine bislang unerreichte Präzision. Doch sie stellt auch neue Fragen an Governance, Ethik und Beteiligung.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Stadtentwickler heißt das: Das Wissen um KI-basierte Werkzeuge wird zur Kernkompetenz. Wer heute mit Algorithmen experimentiert, baut die resilienten, lebenswerten Städte von morgen. Dabei bleibt die Erkenntnis: KI ersetzt nicht die Erfahrung, das ökologische Gespür oder das kreative Potenzial der Planungsdisziplinen. Aber sie erweitert den Entscheidungshorizont und macht komplexe Zusammenhänge sichtbar, die bisher im Verborgenen lagen.

Die Zukunft der urbanen Biodiversität ist hybrid: Sie verbindet das Beste aus digitaler Intelligenz und menschlicher Expertise. Städte, die jetzt mutig vorangehen, gewinnen nicht nur im internationalen Wettbewerb, sondern schaffen auch mehr Lebensqualität, Klimaschutz und soziale Teilhabe. Wer zögert, riskiert nicht nur den Verlust an Artenvielfalt, sondern auch an Innovationskraft.

Garten und Landschaft bleibt am Puls dieser Entwicklung – kritisch, fundiert und immer mit einem Augenzwinkern. Denn bei aller Technik: Die grüne Stadt lebt von Vision, Engagement und dem Mut, neue Wege zu gehen. Künstliche Intelligenz ist dabei kein Ersatz für Verantwortung, sondern ihr neues Werkzeug.

Zusammengefasst: KI modelliert nicht nur Biodiversität – sie modelliert einen neuen Anspruch an die Stadtplanung selbst. Und das ist gut so. Die Zukunft ist grün, digital und, wenn wir alles richtig machen, auch ein bisschen wilder als bisher.

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Weihnachten 2021: Der G+L Award

Weihnachten ist die Zeit „Danke“ zu sagen. Da wir für irgendwelche Marketingaktionen aber jetzt eh viel zu spät sind, mussten wir uns etwas Besseres einfallen lassen. Und tada – das ist er: der erste G+L Award 2021. Als kleines, unterhaltsames Dankeschön anlässlich Weihnachten 2021 haben wir in der G+L Redaktion in sieben unterschiedlichen Kategorien unter anderem das Planungsbüro 2021 gekürt. Ach ja, und so nebenbei geben wir dabei auch zwei Hinweise auf das Büro, das 2022 die G+L gastkuratieren wird. Wer errät es als Erste*r?

Morgen ist Weihnachten! Hatten Sie dieses Jahr auch solche Probleme die richtigen Weihnachtsgeschenke zu finden wie wir in der Redaktion? Es war ja die Jahre zuvor schon nicht leicht, durch die Pandemie scheint aber alles noch komplizierter geworden zu sein. Also, liebe Leser*innen, da haben wir uns gedacht: Wenn uns schon nichts für unsere eigene Familien einfällt, dann können wir in der Redaktion zumindest versuchen Ihnen eine Freude zu bereiten.

Aus diesem Grund haben wir zur allgemeinen Unterhaltung kurzfristig den G+L Award 2021 ausgerufen. Die Jury: niemand kompetenteres als die G+L-Redaktion höchstpersönlich. Das Schöne: Sie, liebe Leser*innen, Sie müssen weder aufwendige Wettbewerbsunterlagen einreichen noch eine entsprechende Wettbewerbs-Fee zahlen. Sie bekommen einfach nur den Fame – und hoffentlich drei Minuten Lesezeit beste Unterhaltung. Wir haben hierfür die folgenden Kategorien festgelegt:

„Sie haben alles falsch gemacht, was man Januar 2021 falsch machen kann.“

Starten wir doch mit etwas Leichtem. In der Kategorie 1 „Die besten Leser*innen der Welt“ gewinnen – große Überraschung: die G+L Leser*innen – ob print oder digital. Sie sind uns einfach die Liebsten. Was wir besonders großartig an Ihnen finden: Sie bleiben kritisch. So bekamen wir beispielsweise Anfang des Jahres eine E-Mail zu einem Artikel aus der Januarausgabe 2021. Die Frage des Artikels war: Braucht die Verwaltung einen Change-Prozess? Unsere Antwort war nein – zu unserer eigenen Überraschung. Dennoch erregte der Artikel die Gemüter. In einer Leser*innen-Mail stand, wir respektive ich als Chefredakteurin hätte in dem Artikel alles falsch gemacht, was man im Januar 2021 falsch machen könnte.

Hören Sie nicht auf uns zu kritisieren

Ich gebe zu: Da musste auch mein sehr kritikfähiges Herz einmal kurz durchschnaufen. Das Ergebnis der über meinen Text erzürnten Mail war jedoch ein offenes, konstruktives Telefonat mit einem Berliner Verwaltungsbeamten zu der Entwicklung, den Möglichkeiten und den Perspektiven der deutschen Stadtverwaltung. Durch diesen Text und die besagte Mail hatte ich also die Möglichkeit mit jemanden ins Gespräch gekommen, den ich vermutlich nie kennengelernt hätte und durfte dabei auch noch so viel lernen (auch über meine eigene Kritikfähigkeit). Es folgt im Jahr 2021 weitere – positive wie negative – Leser*innenbriefe und für die möchten wir uns bedanken. Danke, dass Sie so aufmerksam sind, unsere Arbeit so nah begleiten und gleichzeitig aber auch den Kontakt zu uns suchen. Das ist großartig. Hören Sie nicht auf uns zu kritisieren, lassen Sie uns weiterhin offen und direkt miteinander sprechen.

Der Wettbewerb des Jahres

Die Stadt des Jahres

Keine einfache Kategorie! Und wir durften dieses Jahr über so viele spannende Wettbewerbs- und Award-Entscheidungen berichten. Da war natürlich zum einen die Entscheidung zum Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2021, den Lohaus · Carl · Köhlmos mit nach Hause nahmen. Oder auch der DAM Preis 2021, den MVRDV mit ihrem Projekt Werk 12 gewannen. Der Rosa Barba Prize ging an Michael van Valkenburg und das Projekt Brooklyn Bridge Park. Planorama bekam den Zuschlag für die Landesgartenschau Schweinfurt 2026Rheinufer Bonn! Der LILA Honor Award 2021 ging an Snøhetta. Und Hähnig + Gemmeke gewannen den Zuschlag zum städtebaulichen und freiraumplanerischen Wettbewerb vom Fliegerhorst Erding. Aber der Wettbewerbsbeitrag, der uns in der Redaktion wohl am nachhaltigsten beschäftigte, war der zum Freiraumwettbewerb Rathaus- und Marx-Engels-Forum in Berlin. Hier setze sich das Team von Stephan Lenzen gegen 52 weitere Arbeiten durch. Alles zum Wettbewerbsentwurf lesen Sie hier: Marx-Engels-Forum.

Kein bisschen leichter: die Kategorie 3 „Die Stadt des Jahres“. Aktuell wären wir geneigt zu sagen: München. Bekamen wir gerade in der Redaktion die Info, dass München die Auszeichnung „PRIDE CHAMPION“ gewonnen hat. Die Stadt nahm im Rahmen des PRIDE Index 2021, einer deutschlandweiten Befragung aller großen Arbeitgeber*innen zu „Diversität und LGBTIQ+ am Arbeitsplatz“, teil und erhielt eine Silber-Auszeichnung. Zudem war München dieses Jahr tagelang in den Medien, als es darum ging die Münchner Allianz Arena im Juni als Protestaktion in den Regenbogenfarben erleuchten zu lassen. Das Thema der bunten Stadt beschäftigte uns dieses Jahr auch mehrfach in der Redaktion – wir haben eine ganze Ausgabe hierzu gemacht (G+L 06/21 „Die bunte Stadt“). Aber nein, die Stadt des Jahres 2021 sind für uns mehrere Städte. Und zwar die, die dieses Jahr das Deutschen Institut für Urbanistik als Klimaaktive Kommunen 2021 auszeichnete. Welche das sind, das lesen Sie hier: Klimaaktive Kommune 2021.

Das Kunstprojekt des Jahres

Die Veröffentlichung des Jahres

Auf Instagram bekannte sich der Streetart-Künstler Banksy dieses Jahr im Sommer in einem Video zu neuen Werken an der englischen Ostküste. Die Info sorgte für Furore. Ein Kunstwerk in der ostenglischen Gemeinde Great Yarmouth wurde jedoch umgehend überstrichen. Banksy wäre tatsächlich ein heißer Anwärter.
Spannend war auch die Ausstellung „Life“ in der Fondation Beyeler in der Schweiz (April bis Juli 2021). Hierfür flutete der dänische Installationskünstler Olafur Eliasson einen Großteil der Ausstellungsräumlichkeiten und verband den Innen- mit dem Außenraum.
Aber nein, in der Kategorie 4 „Das Kunstprojekt des Jahres“ können wir dieses Jahr nur den einen als Gewinner nennen. Christo und sein Projekt „L’Arc de Triomphe, Wrapped“ in Paris. Seit den 1960er-Jahren hatte Christo mit seiner Frau Jeanne-Claude an der Idee gearbeitet. 2021 war es dann endlich soweit, knapp 1,5 Jahre nach seinem eigenen Tod. Hier geht’s nochmal zu den Bildern aus dem Herbst: Arc de Triomphe Christo.

Ach, in dieser Kategorie hier könnte man so viel nennen. Sämtliche Publikationen des Deutschen Instituts für Urbanistik fanden wir spannend: zum Beispiel die, die gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung zur Stadt der Zukunft entstand. Oder zu Radverkehr und Verkehrswende oder auch den Leitfaden „Städte nachhaltig planen und bauen“. Und oh Mann, über wie viele tolle Bücher durften wir in unseren Heften berichten! „Food Urbanism“ von Craig Verzone, „Im Schatten von Design“ von Michael Erlhoff, „Urban Design Methods“ von Undine Giseke, Martina Löw, Angela Million, Philipp Misselwitz und Jörg Stollmann oder auch „Corona und die Städte“ von Ingrid Krau.

Beeindruckend: die Arbeit von Vanessa Lapa

Aber trotz allem, trotz all diesen wirklich guten und durchdachten Veröffentlichungen hat uns in der Redaktion der Dokumentarfilm „Speer goes to Hollywood“ eben doch am nachdenklichsten gemacht. Er ist damit unser Gewinner in der Kategorie 5 „Die Veröffentlichung des Jahres“. Auf der Basis von bislang unveröffentlichten Filmaufnahmen des britischen Drehbuchautors Andre Birkin von Albert Speer entwickelte die Regisseurin Vanessa Lapa einen neuen Dokumentarfilm, der im November 2021 in die deutschen Kinos kam. Albert Speer skizziert sich in den Aufzeichnungen als „guten Nazi“. Eine Filmbeschreibung finden Sie hier: Albert Speer.

Das Büro des Jahres

„Machen ist wie Wollen, nur krasser“

Okay, wer steht zur Wahl für diese Kategorie 6? Planorama definitiv – das Berliner Büro machte dieses Jahr durch zahlreiche, sehr imposante Wettbewerbsentscheidungen von sich reden. bauchplan ).( natürlich – gemeinsam mit dem Kollektiv mit Sitz in Wien, München und Köln durften wir schließlich dieses Jahr im Rahmen der gastkuratierten Ausgabe zusammenarbeiten. Unser neues Webmagazin 52 Thesen zur Stadtentwicklung ist ein Folgeprodukt dieser Kooperation. Franz Reschke – Mann, was haben die an Wettbewerbserfolgen dieses Jahr gehabt? Unsere Kollegin Vera Baeriswyl hatte anlässlich ihrer Gewinnersträhne ein Interview in der G+L 10/21 geführt.

Natürlich wären da auch noch Lohaus · Carl · Köhlmos zu nennen, die eben den Landschaftsarchitektur-Preis 2021 gewannen. mahl gebhard konzepte sowie Latz+Partner sahnten wiederum den Bayerischen Landschaftsarchitekturpreis 2020 ab. Oder auch relais Landschaftsarchitekten! Sie waren verantwortlich für die Gestaltung der Landesgartenschau Überlingen und gewannen hiermit den Landschaftsarchitekturpreis Baden-Württemberg 2021. Aber nein. Hier ist die Wahl für uns ganz klar. Für uns in der G+L-Redaktion sind es capattistaubach aus Berlin. Und nein, das liegt nicht daran, dass ein geplantes Projekt von capattistaubach 2021 eines unserer Cover zierte (das der G+L 10/21 zum Heftthema „Gebäudegrün“). Wirklich beeindruckt hat uns das Gespräch mit Tancredi Capatti und Matthias Staubach, das wir mit den beiden Planern zur 4-Tage-Woche führen durften. Nach dem Motto „Machen ist wie Wollen, nur krasser“ hat das Büro vor rund einem Jahr von fünf Arbeitstagen auf vier umgestellt. Doch überzeugen Sie sich hier selbst: 4 Tage Woche.

Die Planer*innen des Jahres

2022 – die gastkuratierte G+L Ausgabe macht dieses Büro

Zahlreiche Personen und Büros der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung feierten 2021 tolle Erfolge. Sich hier auf eine Person festzulegen, fällt uns schwer. Besonders beeindruckt hat uns aber definitiv dieses Jahr eine Landschaftsarchitektin, die wir hier auch nochmal gesondert hervorheben wollen: Andrea Gebhard. Andrea Gebhard wurde 2021 nicht nur zur neuen Präsidentin der Bundesarchitektenkammer gewählt. Sie zählte mit ihrem Büro zudem zahlreiche Erfolge – wie zum Beispiel der oben genannte Bayerische Landschaftsarchitekturpreis. Das Projekt Baumkirchen Mitte erhielt zudem eine Auszeichnung beim Deutschen Landschaftsarchitektur-Preis 2021. Zum Jahresabschluss erhielt Andrea Gebhard zudem den Architekturpreis 2021 der Stadt München. Wir sagen auch hier nochmal: Herzlichen Glückwunsch.

Liebe Leser*innen, der G+L Award 2021 ging hiermit in die erste Runde. Welche Kategorien sollen wir kommendes Jahr vergeben? Haben Sie Ideen? Und was haben wir Weltbewegendes vergessen? Schreiben Sie uns gerne an redaktion@garten-landschaft.de. Wir würden uns freuen. Allen voran wünschen wir Ihnen nun aber Frohe Weihnachten, bleiben Sie gesund und wir freuen uns auf das kommende Jahr mit Ihnen. Was uns dann erwartet? Unter anderem eine weitere gastkuratierte Ausgabe. Sie wollen schon mal raten, welches Büro die Novemberausgabe 2022 der G+L gestalten wird? Okay, wir geben folgende zwei Hinweise: Erstens „Dickes B“ und zweitens „eine Landschaft des bewegten Denkens“. Na? Wer kommt drauf?

Deutschlands berühmtester Pflanzenfreak

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Ende November war der 50. Todestag von Karl Foerster – einer der prägenden Charaktere der modernen Gartenkultur. Ein Nachruf.

Die Weiterentwicklung des Gartens durch Karl Foerster

Vor 50 Jahren, am 27. November, starb mit Karl Foerster (1874–1970) einer der eigenartigsten Figuren der Landschaftsarchitektur des 20. Jahrhunderts. Politisch konservativ, aber anpassungsfähig, vernetzt bis in die höchsten Gesellschaftsschichten, mit neo-romantischen Vorlieben und doch Vorkämpfer einer traditionsbefreiten Sicht auf den Garten, blieb der Pflanzenzüchter Foerster sein Leben lang eine Art offensiver Botschafter Floras auf Erden.

Bereits früh suchten ihn Kreative wie Käthe Kollwitz oder Richard Neutra nicht nur aus fachlichen Gründen auf; die spirituelle Ausstrahlung des schmerzgeplagten Außenseiters zog die Menschen an. Es fällt schwer, seine gefühligen Aphorismen mit Ernst zu lesen. Gleichzeitig werden sie verkaufsfördernd in Coffee-Table-Büchern eingesetzt.

Bis hin zu Piet Oudolf bezeugen heute viele die Bedeutung Foersters für die Weiterentwicklung des Gartens. Und doch war Letzterer für ihn zunächst nicht viel mehr als der Ausstellungsort für seine „Feuerspiegel“ und „Juwelentürme“ in rhythmisierter Setzung. Den wirklich modernen Wohngarten schufen andere, aber die waren auf seine sehr vitalen Selektionen angewiesen. Zudem ließ sich mit der von Foerster angestrebten Farbklarheit und Schärfung der arttypischen Gesamtcharakteristik entwurflich anders arbeiten.

Gesellschaftliche Verantwortung

Und schließlich erweiterte er das Sortiment mit pflegeleichten Arten so, dass die „Neue Sachlichkeit“ im Garten ausdrucksfähig wurde – beispielsweise in der damals ungewohnten Schlichtheit von Schmuckgräsern. Doch „pflegeleicht“ ist ein relativer Begriff. Was in den 1920ern im Vergleich mit den Ornamentbeeten der Kaiserzeit als einfach galt, sollte in späteren Jahrzehnten angesichts schwindender Mittel der öffentlichen Hand noch zu aufwendig sein. Erst die neue Staudenliebe der letzten zwei Jahrzehnte – mit der Formel „Echinacaea zwischen Federgras“ grob umrissen – scheint wieder an die Pflanzenlust der Zwischenkriegszeit anzuknüpfen.

Während Foerster von Neuentdeckungen großer „Schätze“ träumte, fangen wir heute mit Steppenstauden die Sinnlichkeit der schwindenden Ruderal- Wildnis ein oder ersehnen mit wackeligen Staketenzäunen Ländlichkeit im Urbanen. Angeblich liegt das Hauptaugenmerk dabei auf den Bienen, denen außerhalb der Städte die Blüten ausgehen. Foerster glaubte fest an eine gesellschaftliche Verantwortung des Berufs und hätte sich in unserer Zeit durch züchterische Arbeit der biologischen Verarmung der Welt entgegenstemmen wollen.

Neuartige Pflanzenbilder

Diesem Geist entsprechend schrieb Hermann Mattern vor knapp dreißig Jahren in Gedenken an ihn in dieser Zeitschrift (03/1971, S. 80): Ein guter Gärtner müsse „[…] den Kinderglauben in sich bewusst machen, dass die Welt und alle ihr zugehörigen Naturreiche sich unentwegt in der Höherentwicklung befinden und dass der Mensch, als das intelligenteste Erdenwesen, das Seine dazu beitragen kann, ja beitragen muss“. Wäre Foerster heute aktiv, würde er sich von seinem wasserhungrigen Liebling Phlox wohl verabschieden und ganz neuartige Pflanzbilder wagen, um der Zeit eine neue Sprache zu geben.