Künstliche Intelligenz in der Landschaftsarchitektur

Künstliche Intelligenz in der Landschaftsarchitektur: Durch datenbasierte Analysen und automatisierte Entwürfe optimiert KI nachhaltige und ästhetische Designs. Foto: Unsplash
Künstliche Intelligenz in der Landschaftsarchitektur: Durch datenbasierte Analysen und automatisierte Entwürfe optimiert KI nachhaltige und ästhetische Designs. Foto: Unsplash

Chat GPT & Co. sind rasch zum festen Bestandteil im Alltag vieler Menschen geworden. Auch in der Landschaftsarchitektur hat die Künstliche Intelligenz so einige Anwendungsmöglichkeiten. Doch noch kommt sie eher wenig zum Einsatz – darüber lesen Sie hier mehr.

Künstliche Intelligenz oder KI hat das Ziel, die menschliche Intelligenz nachzuahmen. Sie nutzt vorhandene Daten und generiert zugleich neue, um kognitive Fähigkeiten zu imitieren. Entsprechend kommt KI zum Beispiel zum Schreiben von Texten und Social-Media-Beiträgen, für Übersetzungen und für das Erstellen von Tabellen mit komplexen Datensätzen zum Einsatz.

In der Landschaftsarchitektur bietet das Tool Potenzial in den Bereichen Design, Datenanalyse, Modellierung, Smarte Bewässerung, Wartung und Nutzererfahrung zum Einsatz. Zum Beispiel lassen sich BIM-Modelle durch die KI-gestützte Analyse von Klima-, Boden- und Sonneneinstrahlungsdaten optimieren. Die KI kann innerhalb kurzer Zeit verschiedene Entwürfe erstellen, was dabei hilft, eine kreative Entscheidung zu treffen.

Anpassung von Designelementen

Noch steht die KI in der Landschaftsarchitektur in Deutschland am Anfang, aber es gibt bereits vielversprechende Möglichkeiten. Landschaftsarchitekt*innen haben eine große Auswahl an Tools, die sie in ihre Arbeit integrieren können. Dies kann Vorteile wie verbesserte Entwurfsprozesse, nachhaltige Lösungen und gesteigerte Effizienz mit sich bringen.

Die folgenden Möglichkeiten für die Nutzung von KI in der Landschaftsarchitektur sind bereits denkbar:

Entwurfsoptimierung: Mithilfe von Tools wie DreamzAR, RescapeAI und Neighborbrite kann KI verschiedene Entwurfsoptionen generieren und zugleich bewerten. Zudem lassen sich Renderings optimieren.
Datenanalyse: Selbst große Datenmengen, die beispielsweise von einer Stadt oder Gemeinde stammen, lassen sich mit KI analysieren, was etwa bei der Entscheidungsfindung rund um Umweltbedingungen oder Nutzungsanalysen hilft.
Automatisierung von Routineaufgaben: Wiederkehrende Aufgaben, die relativ einfach sind, können durch KI automatisiert werden, was Zeit und Ressourcen spart und Fehler reduziert. Dazu gehören Aufgaben wie die Erstellung von Pflanzplänen und die Berechnung von Flächen.
Optimierung von Wassermanagement: Mithilfe von KI-gestützten Algorithmen können Landschaftsarchitekturbüros Regenfälle, Bodenbeschaffenheit und Topografie analysieren, um das Regenwassermanagement zu optimieren.
Wartung und Pflege: KI kann vorhersagen, welche Pflanzen wann wachsen und blühen, welche am wahrscheinlichsten überleben, und welche sich am besten für bestimmte Gegebenheiten eignen. So lässt sich die Pflege von Gärten und Parks verbessern.
Nutzererfahrung: Für die Interaktion mit der Öffentlichkeit sowie in partizipativen Prozessen ist KI ebenfalls hilfreich. Zum Beispiel lassen sich mit der Technologie Designelemente verändern, anpassen und visualisieren.

Resiliente, biodiverse Grünflächen mit KI

Bisher sind es vor allem Stadtverwaltungen, die mit der Nutzung von KI in der Landschaftsarchitektur experimentieren und ihre Erfahrungen teilen. Zum Beispiel kommen in Singapur entsprechende Algorithmen zum Einsatz, die in dem dicht bevölkerten Stadtstaat bei der Begrünung helfen. So hat Singapur etwa das Design vertikaler Gärten und grüner Wände optimiert, indem KI analysiert hat, welche Standorte die besten Bedingungen in Hinblick auf Sonnenlicht, Wasserverfügbarkeit und Pflanzenkompatibilität geben. Außerdem begleiten KI-gestützte Systeme hydroponische Anbauflächen, um deren Ertrag zu optimieren und Ressourcen effizient einzusetzen.

In New York City, wo extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Überflutungen und die Erosion der Küste zu den Herausforderungen zählen, hilft KI bei der Analyse von städtischen Hitzeinseln. So kann die Stadtverwaltung schnell erkennen, wo grüne Infrastruktur am besten platziert ist, um die Stadt abzukühlen und zugleich die Luftqualität zu verbessern. KI-Modelle in New York können außerdem den Anstieg des Meeresspiegels sowie Fluten vorhersagen, was dabei hilft, resiliente Küstenparks und Feuchtgebiete zu schaffen, die die Stadt schützen.

Und in Tokio sind Umweltsensoren in den Parks verbreitet, die dabei helfen, die Gesundheit der Pflanzen im Blick zu behalten sowie die Bewässerung intelligent zu planen. Selbst die Analyse von Biodiversität ist möglich, um genau zu identifizieren, in welchem Bereich der Parks welche Ökosysteme besonders geschützt werden sollten.

Immenser Energieverbrauch

Laut Competitionline nutzen bereits mehr als die Hälfte der Architekturbüros in Deutschland Künstliche Intelligenz, wobei viele andere noch zögern. Vor allem für die Text- und Bildbearbeitung sind die neuesten Tools beliebt.

Wie bei allen neuen Technologien gibt es auch gegenüber der KI Vorbehalte. Bei einer Konferenz der Hochschulkonferenz Landschaft im Jahr 2024 erklärte Professor Olaf Gerhard Schroth von der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, wie die Satellitenbildauswertung mithilfe von KI gelingen könnte und wie sich auch „Deep Learning“ für die Landschaftsarchitektur nutzen lässt.

Bei der Visualisierung von Pflanzplanungen und der Entwicklung von Landschaftsbildern erreichte Schroth bisher gute und teils auch überzeugende Ergebnisse. Zugleich stellte er kritische Aspekte von KI zu Bedenken, wie etwa „Halluzinationen“, unklare Urheberrechte und die Erzeugung von Stereotypen.

Weitere Erfahrungen, die bei der Konferenz geteilt wurden, zeigten, dass KI-generierte Bilder oft fehlerhaft oder nicht umsetzbar sind. Zugleich sind sie aber visuell sehr ansprechend und bieten die Möglichkeit, ausgehend von dem Pflanzbild einen Plan zu erstellen.

Zu bedenken ist auch der immense Energieverbrauch von KI. Denn die riesengroßen Datenmengen, die zur Nutzung der Technologie gespeichert werden müssen, verbrauchen sehr viel Serverplatz, was nicht sehr klimafreundlich ist.

KI kann verbessern, aber nicht ersetzen

Fest steht, dass es wichtig ist, sich mit dem Thema Künstliche Intelligenz zu beschäftigen. Denn obwohl die Technologie – wie andere Technologien auch – die Landschaftsarchitektur nicht allein übernehmen kann, bietet sie viele spannende Möglichkeiten. Dabei ist im Blick zu behalten, dass KI-Softwares für die insgesamt kleine Disziplin der Landschaftsarchitektur im Vergleich zu anderen Disziplinen weniger trainiert und entwickelt wird.

Ob KI-optimierte CO2-reduzierte Betonmischungen, die automatisierte Auswertung von Kunden- und Nutzerrezensionen, Luftbild-Analysen, Preisstrategien oder die Identifizierung von schädlichen Pflanzen und Müll auf Drohnenbildern, die Technologie kann kreative Prozesse unterstützen. Dabei bleibt der Bedarf für menschliche Leistungen wie Spontanität, Genialität, Intuition, künstlerisch-schöpferische Fähigkeiten oder die Einfühlung in Bauherrenwünsche. KI kann die Landschaftsarchitektur verbessern, aber nicht übernehmen.

 

Weiterlesen: Eine weitere recht neue Technologie, die in der Stadtentwicklung bereits eine große Rolle spielt, ist die Augment Reality.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).