Grundplan des Projekts Ville Port
Lageplan Ville Port ©Leclercq Associés

20 Kilometer von Montpellier entfernt, liegt das kleine Städtchen La Grande Motte am Mittelmeer. Hier entstand seit Anfang der 1960er Jahre in einer ehemaligen Sumpflandschaft ein Badeort, der noch heute als einzigartige, futuristische Stadt gilt. Denn der visionäre Architekt Jean Balladur entwarf hier außergewöhnliche Touristenresidenzen in Pyramidenform. Die avantgardistische Architektur nimmt Bezüge zu präkolumbianischen Tempeln in Mexiko ebenso wie zu den Dünen der Küste und zum Bergland der Cevennen im Südosten des Massif Central. Das sogenannte „Florida der Zukunft“ sollte ein neues Eldorado für Millionen von Urlauber:innen werden. Die außergewöhnliche Anmutung war Grund genug, das gesamte Ensemble später als „Patrimoine du XXème siècle“ auszuweisen. Kritische Stimmen hingegen sprechen von einer Betonierung der Küste als Zentrum des Pauschaltourismus.

Projekt Ville Port

Zum 50-jährigen Jubiläum von La Grande Motte erhielt das Studio Leclercq Associés den Auftrag die Hafenbecken Pompidou und Tabarly neu zu gestalten. Für den Ort ist die Neugestaltung der Promenade ein vielversprechender erster Schritt im Rahmen des Projekts Ville Port, das von der Stadt La Grande Motte und L’Or Aménagement geleitet wird. So soll sich La Grande Motte auf lange Sicht von einem reinen Ferienort, der nur im Sommer von Urlauber:innen bewohnt wird, zu einer eigenständigen Stadt entwickeln, in der die Menschen das ganze Jahr über leben und mit den benachbarten Gebieten des Pays de l’Or und der Agglomeration von Montpellier interagieren. Man erhofft sich durch das Projekt eine Diversifizierung der wirtschaftlichen Aktivitäten vor Ort, ebenso wie eine zunehmende Durchmischung der Anwohner:innen und Wohnformen. Dazu wird das Projekt Ville Port die öffentlichen Räume des Hafens zwischen den Stadtteilen Levant und Couchant durch eine Promenade aktivieren und durch den Bau des neuen Stadtteil Collins langfristig die beiden Viertel verknüpfen.

Leclercq Associés auf den Spuren von Balladur

Den Planer:innen von Leclercq Associés fällt dabei der Ausbau der Hafenpromenaden,  Entsiegelung von Parkplätzen und die Neugestaltung der öffentlichen Plätze am Pompidou- und Tabarly-Kai vor sowie die Schaffung von neuen Gewerbeflächen. Vor der umfassenden Renovierung des Stadtzentrums, das sich um den Hafen herum befindet, setzte sich das Büro zunächst intensiv mit dem Bestand auseinander und stellte fest: „[…] The futuristic city envisioned by Jean Balladur in 1963 is a model of environmental urbanism, promoting lifestyles that are both modern and nature-oriented, favoring pedestrian life and the slow rhythm of the suns course.So sei La Grande Motte zweifelsohne eine grüne und blaue Stadt geworden, die mit dem Himmel, der Erde und dem Meer in Verbindung stehe.

Denn neben den imposanten Architekturen von Jean Balladur ist heute auch die Arbeit des Landschaftsarchitekten Pierre Pillet prägend für den Ort. Er entwarf ein Waldnetz mit über dreißigtausend Bäumen – darunter Schirmkiefern, Platanen und Weißpappeln -, welches die dem Meer exponierte Stadt heute vor Salz und Wind schützt. An diesen fortschrittlichen Geist von damals, wollen Leclercq Associés mit ihrem Projekt anknüpfen, indem sie die Geste von Balladur fortführen und gleichzeitig aktualisieren. Dazu haben die Architekt:innen der Vegetation viel Platz eingeräumt und natürliche Elemente und bioklimatische Überlegungen in den Entwurfsprozess mit einbezogen.

Der Öffentliche Raum als Rückgrat

Als Besonderheit an La Grande Motte benennen Leclercq Associés die intensive Nutzung des öffentlichen Raums. Sie sei Sinnbild für das pulsierende Leben der Stadt. Die Hafenpromenade gelte dabei als Rückgrat dieser Vitalität und solle auch zukünftig als Drehscheibe für Bewegung, Geselligkeit, Handel und Festlichkeiten entwickelt werden. Dazu organisieren die Planer:innen die Docks nach einer doppelten Logik von Promenaden und Plätzen, die der Saisonalität und dem Lebensstil der Anwohner:innen Rechnung tragen. Schließlich lebe der öffentliche Raum von verschiedenen Zeitlichkeiten: vom Flanieren bis zum täglichen Joggen, von langen Sommerabenden bis zu großen jährlichen Veranstaltungen wie der Bootsmesse und Festen…

Um für all dies Raum zu schaffen, wurde die gesamte Fußgänger:innen- und Radfahrer:innenzone so konzipiert, dass sie vor allem im Sommer stark frequentiert und genutzt werden kann. Dazu dient eine 1,5 Kilometer lange und sieben Meter breite Promenade, die im Vergleich zum Bestand in ihren Ausmaßen verdoppelt wurde. Durch ein durchdachtes Konzept für die Sonneneinstrahlung auf diese öffentlichen Räume entstehen im Winter sonnenbeschienene und im Sommer beschattete Orte. Insgesamt 245 Laubbäume wurden dazu gepflanzt und etwa fünfzig Palmen verpflanzt. So kann La Grande Motte den immer häufiger auftretenden Hitzewellen zukünftig entgegentreten. Die Installation von neuem Stadtmobiliar erhöht außerdem die Aufenthaltsqualität für unterschiedliche Nutzer:innen vor Ort. Dazu gehören Sitzmöbel, aber auch bunte, geometrisch gemusterte Schattenspender. Bei Nacht wird der Freiraum durch eine detaillierte Lichtplanung besonders inszeniert. So erhellen Lichtmasten sanft die Docks und schaffen dabei urbane Bühneneffekte, wenn sich sich Pflanzenschatten und architektonische Muster vermischen.

Umfassendes Gestaltungskonzept

Doch Leclercq Associés beschränkten sich in La Grande Motte nicht auf die Umgestaltung der Promenade. So erstreckt sich die Neugestaltung der Pompidou-Docks auch auf die Fassaden. Um die ikonische Architektur des Badeortes wieder sichtbar zu machen, haben die Planer:innen neue Glasanbauten für die Geschäfte im Erdgeschoss entworfen, die Terrassen erweitert und die Pflasterung bis zu den Hafenbecken erweitert.

So gelingt es dem Entwurf, nicht nur Hochbauarchitektur und Freiraum, sondern auch Vergangenheit und Zukunft in Einklang zu bringen. „Jean Balladurs legacy evokes a strong connection between the built environment and nature, which has guided the project“, heißt es von Leclercq Associés. Und so erklärt sich auch der Titel des Projektes „La Ball*ade“. Dieser spielt einerseits auf das englische Wort für ein Gedicht oder ein Musikstück an – und stellt gleichsam den Bezug zu Jean Balladur her. Denn Leclercq Associés verstehen ihr Projekt als eine respektvolle Hommage an den ursprünglichen Visionär hinter La Grande Motte. Die Zukunft wird zeigen, ob ihnen damit ähnlich Ikonisches gelungen ist.

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Hochpräzise Geofencing-Strategien für autonome Fahrzeuge

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Belebte Straßenszene mit urbaner Architektur, Verkehr und Fußgängern. Foto von Max Power.

Geofencing klingt nach digitalem Zaun, ist aber längst der intelligente Stadtplaner für autonome Fahrzeuge. Wer das volle Potenzial urbaner Mobilität ausschöpfen will, setzt auf hochpräzise Geofencing-Strategien – und landet mitten im Herzschlag der Echtzeit-Stadt. Was steckt hinter der Technik, warum ist sie so viel mehr als ein digitales Stoppschild, und wie revolutioniert sie unsere Städte? Willkommen im neuen Spielfeld der urbanen Mobilität – präzise, smart, unverzichtbar.

  • Definition und Funktionsweise von hochpräzisem Geofencing für autonome Fahrzeuge
  • Technologische Grundlagen: GNSS, RTK, 5G, Sensorfusion, digitale Karten
  • Geofencing als Steuerungs- und Sicherungsinstrument im urbanen Raum
  • Praxisnahe Anwendungsbeispiele aus europäischen Städten und Innovationsregionen
  • Relevanz für Verkehrsmanagement, Sicherheit, Nachhaltigkeit und urbane Resilienz
  • Stadtplanerische Herausforderungen: Datenschutz, Interoperabilität, Infrastruktur
  • Governance, Regulierung und Beteiligung: Wer steuert die digitalen Grenzen?
  • Risiken: Komplexität, systemische Abhängigkeit, soziale Akzeptanz
  • Zukunftsausblick: Integration von Geofencing in adaptive, lernende Stadtmodelle
  • Fazit: Geofencing als Gamechanger urbaner Mobilität und Stadtplanung

Geofencing: Das unsichtbare Raster für autonome Mobilität

Geofencing – der Begriff klingt zunächst sperrig, vielleicht sogar ein wenig technisch-kühl. Doch hinter dieser unscheinbaren Vokabel verbirgt sich ein komplexes, hochrelevantes Steuerungsinstrument, das die urbane Mobilität der Zukunft maßgeblich prägen wird. Gemeint ist die virtuelle Abgrenzung von geografischen Zonen, innerhalb derer digitale Systeme – insbesondere autonome Fahrzeuge – bestimmte Verhaltensweisen annehmen, Funktionen aktivieren oder deaktivieren oder sogar vollständig zum Stillstand kommen. Anders gesagt: Geofencing ist der digitale Zaun, der kein Hindernis, sondern ein intelligenter Filter für Verkehrsströme und Mobilitätsmuster ist.

Die klassische Geofencing-Technologie ist längst über das Stadium grober Positionsbestimmung hinausgewachsen. Moderne Systeme arbeiten mit hochpräzisen Lokalisierungsmethoden wie GNSS (Global Navigation Satellite System), ergänzt durch RTK (Real Time Kinematic) und 5G-Kommunikation. So lassen sich virtuelle Grenzen mit einer Genauigkeit von wenigen Zentimetern definieren – ein Quantensprung gegenüber früheren GPS-basierten Systemen. Die Fahrzeuge „wissen“ mit beeindruckender Präzision, ob sie sich am Rande einer Fußgängerzone, vor einer Schule oder in einer emissionssensiblen Zone befinden. Damit wird Geofencing zum Schlüssel für die sichere und adaptive Steuerung autonomer Flotten im dichten, oft chaotischen urbanen Raum.

Doch Geofencing ist mehr als eine digitale Kontrollinstanz. Es ist ein gestaltendes Element der Stadtentwicklung. Wer Geofences intelligent platziert und dynamisch anpasst, kann Verkehrsflüsse steuern, sensible Quartiere schützen, temporäre Sperrzonen für Events oder Baustellen einrichten und sogar das Mobilitätsverhalten der Bevölkerung beeinflussen. Im Zusammenspiel mit digitalen Stadtmodellen – etwa Urban Digital Twins – entstehen hochdynamische Steuerungsarchitekturen, die den urbanen Raum in Echtzeit optimieren.

Für autonome Fahrzeuge ist Geofencing nicht bloß eine Sicherheitsschicht, sondern das zentrale Navigations- und Interaktionsinstrument. Es sagt dem Fahrzeug nicht nur, wo es fahren darf, sondern auch, wann und wie – etwa mit welcher Geschwindigkeit, in welchem Modus oder mit welchen Assistenzsystemen. Die Fähigkeit, auf Basis von Geofences Fahrverhalten situativ zu modifizieren, eröffnet neue Dimensionen für Sicherheit, Effizienz und Nachhaltigkeit im Stadtverkehr.

Im Ergebnis wird Geofencing zur unsichtbaren, aber omnipräsenten Infrastruktur, die Städte resilienter, lebenswerter und zukunftsfähiger macht. Wer die urbanen Räume von morgen plant, kommt an hochpräzisen Geofencing-Strategien nicht mehr vorbei – ob als Mobilitätsmanager, Stadtplaner oder Verkehrsingenieur.

Technologische Grundlagen: Präzision, Vernetzung und Datenintelligenz

Die technologische Basis hochpräziser Geofencing-Strategien ist ein faszinierendes Zusammenspiel verschiedener Systeme, Methoden und Datenquellen. Herzstück ist die exakte Positionsbestimmung. Während konventionelles GPS mit einer Genauigkeit von etwa fünf bis zehn Metern arbeitet, ermöglichen GNSS-gestützte Verfahren wie RTK eine Zentimeterauflösung. RTK nutzt Korrekturdaten von Referenzstationen, die an das Fahrzeug übermittelt werden und so die typische GPS-Fehlertoleranz drastisch reduzieren. In urbanen Räumen, wo Häuserschluchten und Signalreflexionen zum Alltag gehören, kommt zudem die Fusion mit weiteren Sensoren zum Einsatz: Lidar, Radar, optische Kameras und Trägheitssensoren liefern zusätzliche Datenpunkte, aus denen Algorithmen eine robuste, kontinuierliche Positionsschätzung errechnen.

Der zweite Baustein ist die Kommunikation. 5G-Netzwerke revolutionieren derzeit die Vernetzung von Fahrzeugen, Infrastruktur und Cloud-Plattformen. Sie ermöglichen latenzarme Datenübertragung, sodass Geofences in Echtzeit aktualisiert, angepasst oder sogar situativ erzeugt werden können. Damit wird Geofencing vom statischen Grenzposten zum flexiblen, adaptiven Steuerungswerkzeug, das auf Verkehrsereignisse, Wetterlagen oder Notfälle reagieren kann.

Ein weiteres Schlüsselthema sind digitale Karten. Hochauflösende HD-Maps enthalten nicht nur Straßenverläufe und Verkehrszeichen, sondern auch temporäre Informationen wie Baustellen, Events oder Umweltzonen. Geofencing-Informationen werden direkt in diese Karten integriert und stehen den Fahrzeugen als Basis für Navigation und Verhaltenssteuerung zur Verfügung. Cloudbasierte Plattformen ermöglichen es zudem, Geofences zentral zu verwalten, zu überwachen und systemübergreifend auszuspielen – ein entscheidender Vorteil für die Skalierung in großen, heterogenen Städten.

Sensorfusion und künstliche Intelligenz sind die unsichtbaren Dirigenten im Hintergrund. Sie verarbeiten die riesigen Datenmengen aus Fahrzeug, Infrastruktur und Umgebung und treffen in Sekundenbruchteilen Entscheidungen: Darf das Fahrzeug weiterfahren? Muss der Modus wechseln? Soll ein Alarm für den Operator ausgelöst werden? Die Algorithmen lernen kontinuierlich dazu und passen die Reaktionen auf Geofencing-Ereignisse an neue Situationen an. Damit erreichen autonome Systeme ein Maß an Kontextsensibilität, das noch vor wenigen Jahren undenkbar war.

Schließlich muss die Systemarchitektur höchste Sicherheits- und Datenschutzstandards erfüllen. Geofencing-Daten sind sensible Steuerinformationen – ihre Integrität, Authentizität und Verfügbarkeit sind kritisch für die Sicherheit im Straßenverkehr. Verschlüsselung, Redundanz und Zugriffskontrollen sind daher ebenso unverzichtbar wie transparente Governance-Strukturen, die Missbrauch und Manipulation verhindern.

Geofencing als urbane Steuerungsarchitektur: Praxis, Chancen und Herausforderungen

Der Einsatz hochpräziser Geofencing-Strategien im urbanen Kontext eröffnet eine Vielzahl neuer Möglichkeiten, stellt Planer jedoch auch vor beachtliche Herausforderungen. In Städten wie Hamburg, Stockholm oder Mailand laufen bereits ambitionierte Pilotprojekte, in denen autonome Shuttles, Lieferroboter oder On-Demand-Dienste durch digitale Zonen geführt werden. Die Erfahrungen zeigen: Geofencing funktioniert, wenn technische und stadtplanerische Schnittstellen nahtlos ineinandergreifen.

Im Hamburger Hafen etwa steuern Geofences den Zugang zu sensiblen Logistikbereichen. Fahrzeuge erhalten nur dann die Freigabe, wenn ihre Systeme die korrekten Berechtigungen und Sicherheitsstandards nachweisen. In Kopenhagen setzen autonome Busse auf dynamische Geofences, die sich an Baustellen und temporäre Veranstaltungen anpassen. In Barcelona wiederum werden emissionsarme Zonen mithilfe von Geofencing überwacht und Verstöße automatisch dokumentiert. Diese Beispiele belegen, wie flexibel und wirksam digitale Grenzen als Werkzeug zur Steuerung und Sicherung urbaner Mobilität eingesetzt werden können.

Ein zentrales Anwendungsfeld ist die Sicherheit. Geofencing kann verhindern, dass autonome Fahrzeuge in Fußgängerzonen, Spielstraßen oder Gefahrenbereichen operieren. Die Systeme erkennen präzise die digitalen Grenzen und wechseln in sichere Betriebsmodi oder stoppen vollständig. Gleichzeitig ermöglichen Geofences „grüne Korridore“ für Einsatzfahrzeuge, die bei Notfällen priorisierten Zugang zu Sperrzonen erhalten. Auch temporäre Maßnahmen wie Fahrverbote, Baustellenumleitungen oder Eventzonen lassen sich in Sekundenschnelle digital einrichten – ein unschätzbarer Vorteil für das urbane Krisenmanagement.

Doch die Integration von Geofencing in die Stadtplanung ist alles andere als trivial. Sie erfordert eine neue Form der Zusammenarbeit zwischen Verkehrsbehörden, Stadtentwicklern, Technologieanbietern und Mobilitätsdienstleistern. Wer Geofences definiert, trägt Verantwortung: Die virtuellen Zonen sind keine statischen Linien, sondern müssen kontinuierlich mit der sich wandelnden Stadt synchronisiert werden. Nur so lassen sich Fehlsteuerungen, Diskriminierung oder systemische Verzerrungen vermeiden.

Hinzu kommen infrastrukturelle Herausforderungen. Hochpräzises Geofencing setzt eine flächendeckende digitale Infrastruktur voraus: leistungsfähige Kommunikationsnetze, Sensorik, vernetzte Ampeln, digitale Karten – und nicht zuletzt die Akzeptanz und das Verständnis der Bevölkerung. Datenschutz und Transparenz sind dabei keine Randthemen, sondern Grundvoraussetzungen für Vertrauen und gesellschaftliche Akzeptanz. Ohne ein robustes rechtliches und ethisches Fundament droht Geofencing zum Instrument digitaler Überwachung oder sozialer Ausgrenzung zu werden.

Governance, Regulierung und soziale Dimension: Wer setzt die digitalen Grenzen?

Das Potenzial hochpräziser Geofencing-Strategien steht und fällt mit den Governance-Strukturen, die ihre Anwendung steuern. In der Praxis bedeutet dies: Wer entscheidet, wo Geofences platziert werden? Wer definiert die Regeln für autonome Fahrzeuge in bestimmten Zonen? Und wie werden diese Entscheidungen transparent, partizipativ und nachvollziehbar getroffen? Die Antworten auf diese Fragen sind weder banal noch rein technokratisch.

Städte stehen vor der Herausforderung, neue Kompetenzen und Prozesse aufzubauen. Geofencing ist kein rein technisches Thema, sondern eine politische und gesellschaftliche Aufgabe. Die Definition digitaler Zonen greift tief in die urbane Lebenswirklichkeit ein: Sie beeinflusst Mobilität, Zugänglichkeit, Sicherheit und letztlich auch soziale Teilhabe. Wer etwa Geofences nutzt, um ganze Quartiere vom Verkehrsfluss autonomer Fahrzeuge abzuschneiden, muss sich der Folgen bewusst sein – für Anwohner, Gewerbe und die städtische Vielfalt.

Auf der regulatorischen Ebene ist die Situation in Deutschland, Österreich und der Schweiz bislang fragmentiert. Es gibt keine einheitlichen Standards, keine verbindlichen Leitlinien und nur wenige Best-Practice-Beispiele. Die Gefahr ist real, dass proprietäre Systeme einzelner Anbieter zum Quasi-Standard werden und damit städtische Steuerungshoheit untergraben. Umso wichtiger ist es, offene Schnittstellen, transparente Algorithmen und interoperable Plattformen zu fördern.

Partizipation ist der Schlüssel zu einer sozial verträglichen Geofencing-Strategie. Digitale Grenzen dürfen nicht im stillen Kämmerlein der Verkehrsplanung entstehen, sondern müssen mit Bürgern, Gewerbe, Verbänden und Experten diskutiert und kontinuierlich überprüft werden. Nur so lassen sich blinde Flecken, systemische Diskriminierung oder intransparente Steuerung vermeiden. Die Einbindung der Zivilgesellschaft ist dabei kein lästiges Pflichtprogramm, sondern ein Erfolgsfaktor für Akzeptanz, Legitimität und Innovationskraft.

Schließlich müssen Governance-Modelle entwickelt werden, die flexibel auf die Dynamik urbaner Räume reagieren. Geofences sollten nicht als starre Barrieren, sondern als adaptive, lernende Systeme verstanden werden. Sie müssen mit den Veränderungen der Stadt wachsen, auf neue Mobilitätsmuster reagieren und sich an gesellschaftliche Prioritäten anpassen. Wer diese Herausforderung annimmt, kann Geofencing zum integralen Bestandteil einer nachhaltigen, resilienten und inklusiven Stadtentwicklung machen.

Ausblick: Geofencing als Rückgrat der Echtzeit-Stadt

Die Zukunft urbaner Mobilität und Stadtplanung ist digital, vernetzt und hochpräzise. Geofencing-Strategien für autonome Fahrzeuge sind dabei weit mehr als technologische Spielerei. Sie sind das Rückgrat einer Stadt, die in Echtzeit denkt, steuert und sich immer wieder neu erfindet. Die Integration von Geofencing in Urban Digital Twins, Verkehrsmanagementsysteme und adaptive Infrastrukturen eröffnet Perspektiven, die heute erst in Ansätzen sichtbar sind.

Mit der kontinuierlichen Verbesserung der Lokalisierungstechnologien, der Ausbreitung von 5G und der zunehmenden Vernetzung urbaner Infrastrukturen werden Geofences immer feiner, flexibler und kontextsensibler. Autonome Fahrzeuge werden nicht nur auf vordefinierte Zonen reagieren, sondern in der Lage sein, Geofences dynamisch zu interpretieren, mit anderen Fahrzeugen und der Infrastruktur zu kommunizieren und gemeinsam adaptive Mobilitätslösungen zu entwickeln. Städte werden so zu lernenden Systemen, in denen Mobilität, Sicherheit, Umwelt- und Lebensqualität Hand in Hand gehen.

Für Planer, Architekten, Verkehrsingenieure und Stadtverwaltungen bedeutet dies eine neue Verantwortung: Die Gestaltung digitaler Grenzen wird zur Kernaufgabe der urbanen Governance. Wer Geofencing als Chance begreift, kann Städte resilienter, inklusiver und lebenswerter machen. Wer die Risiken ignoriert – von systemischer Abhängigkeit bis zu sozialer Ausgrenzung – riskiert den Rückfall in digitale Sackgassen.

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Verbindung aus technischer Exzellenz, rechtlicher Klarheit, sozialer Offenheit und visionärer Stadtplanung. Geofencing ist kein Selbstzweck, sondern ein Werkzeug für die Stadt von morgen – präzise, flexibel, partizipativ. Die Städte, die heute mutig vorangehen, werden morgen die Standards setzen.

Fazit: Hochpräzise Geofencing-Strategien sind mehr als ein digitaler Zaun für autonome Fahrzeuge. Sie sind das intelligente Steuerungsnetz der urbanen Mobilität – und damit das Fundament einer zukunftsfähigen, adaptiven Stadtplanung. Wer das Spiel beherrscht, gestaltet nicht nur Verkehrsflüsse, sondern die Stadt der Zukunft selbst.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Hochpräzises Geofencing ist der unsichtbare Dirigent der urbanen Mobilitätswende. Es orchestriert die Bewegungen autonomer Fahrzeuge, schützt sensible Räume, ermöglicht adaptive Stadtplanung und setzt neue Maßstäbe für Sicherheit und Effizienz. Doch nur wer die Technik mit Governance, Partizipation und Innovationsgeist verbindet, kann das volle Potenzial heben. Die Stadt von morgen denkt Geofencing nicht als Barriere, sondern als flexibles, lernendes Steuerungsinstrument. Für Planer, Entwickler und Entscheider ist jetzt die Zeit, die digitalen Grenzen neu zu vermessen – präzise, intelligent, zukunftsorientiert. Willkommen im Zeitalter der Echtzeit-Stadt.

Wettbewerbsergebnisse im Mai 2021

Wettbewerbsergebnisse im Mai

Interessiert an aktuellen Wettbewerbsergebnissen der Landschaftsarchitektur, aber kaum Zeit sich diese richtig anzuschauen? In der Wettbewerbsübersicht der G+L informiert Heike Vossen regelmässig über die spannendsten Wettbewerbe. Hier die ersten Wettbewerbsergebnisse im Mai 2021.

Zukunftsgarten Gelsenkirchen – IGA 2027; 1. Preis GM013 Landschaftsarchitektur, Berlin

 

Alle Bilder: GM013 Landschaftsarchitektur

Die Wettbewerbsergebnisse von April 2021 finden Sie hier.

Vier Zukunftsgärten will die Metropolregion Rhein Ruhr zur Internationalen Gartenausstellung 2027 präsentieren. Wir berichteten bereits über die Siegerentwürfe für „Emscher nordwärts“ in Dortmund (bbz landschaftsarchitekten) und „Landschaft in Bewegung“ in Bergkamen/Lünen (GREENBOX). Der dritte Zukunftsgarten in Gelsenkirchen wird zur Zukunftsinsel. Neben der Wahrung des postindustriellen Charakters prägen Wasser und die Insellage den Entwurf. Verbindendes Element für die Zukunftsinsel bildet ein sukzessiv entstehender Waldsaum. Als Großstruktur durchzieht ein grün-blaues Band die Insel. Das Pflanzenband mit Wasserreinigungsfunktion integriert den ehemaligen Kohlebunker, der sich zum Green Tower samt Medienfassade wandelt. Nördlich des grün-blauen Bandes schließen die Mobiltätsachse und der sogenannte Digitale Pfad an. Letzterer arbeitet die Geschichte der Zukunftsinsel auf und setzt digitale Informationen über augmented reality in Szene. Fragile Wegeachsen quer zur linearen Hauptrichtung ermöglichen eine netzartige Erschließung und schaffen Bezüge zum Ufer und über das Wasser hinweg.

Zukunftsgarten Duisburg – IGA 2027; 1. Preis wbp Landschaftsarchitekten, Bochum, mit Hille Tesch Architekten + Stadtplaner, Ingelheim

 

Alle Bilder: wbp/Hille Tesch

Die Wettbewerbsergebnisse von April 2021 finden Sie hier.

Der vierte Zukunftsgarten der IGA 2027 widmet sich in Duisburg dem RheinPark samt Anbindung. Der Siegerentwurf präsentiert sich laut Jury klimagerecht und vielgestaltig, ohne die Vergangenheit zu leugnen. Der neue Park tritt mit den bestehenden Strukturen in einen Dialog und entwickelt daraus eine große Einheit. Große Wiesenflächen prägen das Areal als offene Mitte, ein dichter Klimawald schließt im Westen an. Drittes Element bildet der Nachbarschaftspark im Grünen Ring. Der Grüne Ring bildet den neuen Stadtrand – er fungiert sowohl als grünes Wohnzimmer wie auch Flaniermeile und setzt sich aus unterschiedlichsten Gartenstrukturen zusammen. Hier verorten sich Gemeinschaftsgärten für urban farming ebenso wie Spiel- und Picknickplätze. Kernbereich für die Ausstellung soll die Promenade entlang der neuen Bebauung zum RheinPark werden. Die Ausstellungsflächen bilden schollenartige Layer auf dem bereits bestehenden Park. Veranstaltungsort und Blumenhalle bilden dazu jeweils die Endpunkte.

Neugestaltung Sanierungsgebiet „Innenstadt“ in Schleswig; 1. Preis capattistaubach urbane landschaften, Berlin, mit iplan nord

 

Alle Bilder: capattistaubach

Die Wettbewerbsergebnisse von April 2021 finden Sie hier.

Um die Innenstadt als Einzelhandelsstandort zu stärken, möchte die Stadt Schleswig den öffentlichen Raum aufwerten und neu gestalten. Der Siegerentwurf begreift die innerstädtischen Raumfolgen als stadträumliches Kontinuum, das sich über eine einheitliche Gestaltsprache und einem übergreifenden Stadtbodenkonzept vereint, ohne auf eine differenzierte und identitätsstiftende Gestaltung der verschiedenen Räume zu verzichten. Die Stadtbodenbereiche unterscheiden sich durch Verband und Verlegerichtung, schöpfen aber durch abgestimmte Farbigkeit und Materialität aus einem gemeinsamen Vokabular. Kernmaterial in weiten Bereichen, darunter dem Capitolplatz, bilden in Reihe verlegte Natursteinplatten, die sich von Fassade zu Fassade spannen. Ein terrassierter Stadtplatz definiert den neu zu etablierenden Eingangsplatz im Westen. Diese Schlei-Terrassen vermitteln als breite Rampentreppe zwischen den Höhenniveaus. Markante Plattenbänder leiten weiter zum Capitolplatz, der sich als architektonisch gefasster „grüner Saal“ präsentiert.

Hier finden Sie weitere Wettbewerbsergebnisse im April 2021.

Und hier die Wettbewerbsergebnisse von März 2021 für Sie zum Nachlesen.