Elektroinfrastruktur als Planungsgrundlage – wie Ladesäulen Städte strukturieren

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Stimmungsvolle Tunnelaufnahme in Schwarzweiß von Marija Zaric

Wer hätte gedacht, dass die Verfügbarkeit von Ladesäulen die Stadtentwicklung beeinflusst wie einst das Straßennetz oder die Wasserversorgung? Was auf den ersten Blick nach technischer Randnotiz klingt, ist in Wahrheit ein Katalysator für urbane Transformation: Elektroinfrastruktur, insbesondere Ladestationen, wird zur Planungsgrundlage – und formt die Städte von morgen. Wer heute noch glaubt, Ladesäulen seien bloß Ausstattung für Elektroautos, hat den Boden der urbanen Realität längst verloren.

  • Erklärung, warum Elektroinfrastruktur zur neuen Leitplanke der Stadtplanung avanciert
  • Analyse, wie Ladesäulen urbane Strukturen, Mobilität und Quartiersentwicklung beeinflussen
  • Einblick in technische, rechtliche und gesellschaftliche Herausforderungen beim Ausbau
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Diskussion der Chancen und Risiken für Stadtbild, Nutzungsmischung und soziale Teilhabe
  • Darstellung der Rolle von Daten, digitalen Zwillingen und Echtzeitmonitoring
  • Bewertung von Governance-Fragen und nachhaltiger Integration in Bestandsquartiere
  • Ausblick auf die nächsten Entwicklungsstufen urbaner Elektroinfrastruktur

Strom als Stadtstruktur: Warum Ladesäulen zur Planungsgrundlage werden

Es ist eine stille Revolution, die sich auf den Parkplätzen, entlang der Gehwege und in den Tiefgaragen unserer Städte vollzieht. Wo früher das Stromnetz im Untergrund unsichtbar pulsierte, treten heute Ladesäulen als sichtbare Marker einer neuen urbanen Epoche hervor. Die Transformation zur Elektromobilität ist nicht erst im Gange, sie ist längst Alltag – und zwingt Stadtplaner wie Entwickler dazu, über Strom ganz neu nachzudenken. Elektroinfrastruktur ist keine technische Fußnote mehr, sondern avanciert zur unverzichtbaren Voraussetzung für Mobilität, Aufenthaltsqualität und Stadtgestaltung. Wer Ladesäulen noch als Add-on betrachtet, kann die Herausforderungen und Potenziale der urbanen Transformation nicht erfassen.

Die Funktionslogik von Ladesäulen unterscheidet sich grundlegend von der gewohnten Tankstellenwelt. Es geht nicht nur um Reichweitenangst und Ladeleistung, sondern auch um Aufenthaltszeiten, Flächenkonkurrenz und Integration in den öffentlichen Raum. Während Tankstellen in der Regel an Verkehrsachsen liegen, müssen Ladesäulen dorthin, wo Menschen wohnen, arbeiten, einkaufen – also in das feinmaschige urbane Gewebe. Das hat weitreichende Konsequenzen für die Strukturierung von Quartieren, die Gestaltung von Freiräumen und die Verteilung von Nutzungen.

Gleichzeitig avanciert die Ladeinfrastruktur zur Schnittstelle zwischen Mobilität und Energieversorgung. Sie verbindet den Ausbau erneuerbarer Energien mit der urbanen Verkehrsleistung, integriert Speichertechnologien und eröffnet neue Möglichkeiten der sektorübergreifenden Kopplung. Was wie ein technisches Detail wirkt, ist in Wahrheit ein Scharnier für nachhaltige Stadtentwicklung. Die Frage, wo und wie Ladesäulen positioniert werden, entscheidet nicht nur über die Alltagstauglichkeit der Elektromobilität, sondern auch über soziale Teilhabe, Flächengerechtigkeit und Klimaneutralität.

Die neue Rolle der Elektroinfrastruktur bringt dabei eine Rückkopplung auf die Stadtplanung mit sich, die es in dieser Form bislang nicht gab. Während früher Verkehrs- und Versorgungssysteme meist getrennt gedacht wurden, verschmelzen sie nun zu hybriden Infrastrukturen. Ladesäulen sind keine bloßen Stromspender, sondern werden zu urbanen Knotenpunkten: Sie beeinflussen Verkehrsflüsse, Aufenthaltsqualitäten, sogar die Attraktivität einzelner Standorte. Ihr Ausbau ist nicht einfach ein technisches Projekt, sondern ein komplexer Aushandlungsprozess zwischen Stadt, Energieversorgern, Investoren und Nutzern.

Die Konsequenz: Wer Ladesäulen als Planungsgrundlage versteht, muss Stadt als dynamisches Energiesystem denken. Das bedeutet, bestehende Planungsinstrumente – Bebauungspläne, Gestaltungssatzungen, Mobilitätskonzepte – um neue Parameter zu erweitern. Es bedeutet, Standorte für Ladepunkte nicht nur nach heutiger Nachfrage zu bestimmen, sondern sie proaktiv im Sinne zukünftiger Nutzungsprofile und Mobilitätskonzepte zu entwickeln. Und es bedeutet, die Elektroinfrastruktur zum integralen Bestandteil der Stadtentwicklung zu machen, statt sie nachträglich einzupassen.

Wie Ladesäulen urbane Räume und Mobilität neu sortieren

Die Stadt der kurzen Wege, das Quartier der Zukunft, die resiliente Metropole – all diese Visionen werden durch die Verfügbarkeit und Platzierung von Ladesäulen mitgeprägt. Wer heute wissen will, wie sich Stadtquartiere in den nächsten Jahren verändern, muss auf die Karten der Ladeinfrastruktur schauen. Denn Ladesäulen sind weit mehr als eine Serviceleistung für Elektroautofahrer: Sie sind Magneten, Impulsgeber und Barometer zugleich. Ihre Präsenz oder Abwesenheit entscheidet über die Nutzungsdichte, beeinflusst die Aufenthaltsqualität und verschiebt sogar die Wertigkeit von Immobilienstandorten.

Der Effekt lässt sich konkret beobachten: In Wohnquartieren mit dichter Ladeinfrastruktur steigt die Bereitschaft zum Umstieg auf Elektromobilität signifikant. Parkraum wird neu bewertet, Carsharing-Konzepte gewinnen an Attraktivität, und selbst klassische Mobilitätsangebote wie Bus und Bahn profitieren von der elektrifizierten Durchdringung. Gleichzeitig entstehen neue Herausforderungen: Ladesäulen brauchen Platz, sie beanspruchen Stromnetze, sie verändern das Bild des öffentlichen Raums. Die Frage ist nicht mehr, ob sie Einfluss nehmen, sondern wie dieser gestaltet wird.

Ein spannender Nebeneffekt ist die Hybridisierung urbaner Orte. Parkplätze werden zu Energiehubs, Supermärkte zu Ladezentren, Büroareale zu Knotenpunkten für Sharing-Angebote. Damit verschiebt sich auch die Funktion vieler Flächen: Sie sind nicht mehr ausschließlich monofunktional, sondern übernehmen gleich mehrere Rollen – als Mobilitätsdrehscheibe, sozialer Treffpunkt und Energieverteiler in einem. Das eröffnet neue Gestaltungsspielräume, verlangt aber auch nach intelligenten Steuerungsmechanismen.

Die Integration von Ladeinfrastruktur in den öffentlichen Raum ist ein Balanceakt. Einerseits sollen Ladesäulen möglichst dezent und gestalterisch hochwertig integriert werden, andererseits brauchen sie Sichtbarkeit und Zugänglichkeit. Hinzu kommen Fragen der Barrierefreiheit, der sozialen Gerechtigkeit und der Vermeidung von Nutzungskonflikten. Es reicht nicht, Ladesäulen nach dem Gießkannenprinzip zu verteilen – gefragt sind maßgeschneiderte Konzepte, die sich an den spezifischen Bedürfnissen des Quartiers orientieren.

Die Königsklasse der Integration ist die Kopplung mit anderen Infrastrukturen: Photovoltaikanlagen auf Dächern speisen Ladepunkte, Batteriespeicher puffern Lastspitzen, Smart Grids steuern die Verteilung. Hier zeigt sich, dass die Zukunft der Stadt nicht im Nebeneinander isolierter Systeme liegt, sondern in der intelligenten Vernetzung. Ladesäulen werden damit zum Sinnbild einer neuen Urbanität, in der Mobilität, Energie und Raumgestaltung Hand in Hand gehen.

Technik, Recht, Governance: Die Herausforderungen urbaner Elektroinfrastruktur

So verheißungsvoll der Ausbau der Ladeinfrastruktur klingt, so komplex gestaltet sich die praktische Umsetzung. Die technische Seite ist dabei nur eine von vielen Baustellen. Die Integration von Ladesäulen in bestehende Stromnetze erfordert nicht nur Investitionen in Transformatoren, Leitungen und Speicher, sondern auch eine vorausschauende Lastmanagement-Strategie. Die Herausforderung: Ladebedarfe sind volatil, Spitzenlasten können das Netz überfordern, und nicht jeder Standort lässt sich ohne Weiteres erschließen.

Auch das regulatorische Umfeld ist eine Herausforderung. Verantwortlichkeiten und Zuständigkeiten für Planung, Genehmigung und Betrieb von Ladesäulen sind oft unklar verteilt. Während die Bundesnetzagentur den Rahmen vorgibt, spielen Kommunen, Stadtwerke und private Betreiber jeweils eigene Rollen – mit teilweise widerstreitenden Interessen. Die Frage nach dem Zugang zum öffentlichen Raum, der Gestaltungshoheit und der Priorisierung konkurrierender Nutzungen wird zum politischen Minenfeld.

Hinzu kommt die Governance-Dimension, die weit über die rein technische Verwaltung hinausgeht. Wer entscheidet, wo Ladesäulen entstehen? Wer garantiert, dass sie auch in weniger lukrativen Quartieren verfügbar sind? Wie wird sichergestellt, dass Daten aus der Ladeinfrastruktur öffentlich zugänglich und für die Steuerung von Stadt und Verkehr genutzt werden können? All diese Fragen verlangen nach klaren Regeln, nach Transparenz und nach neuen Formen der Kooperation zwischen öffentlichen und privaten Akteuren.

Ein oft unterschätztes Thema ist die soziale Dimension. Elektroinfrastruktur darf nicht zur neuen sozialen Barriere werden. Wer keinen privaten Stellplatz hat, ist auf öffentliche Ladepunkte angewiesen. Gerade in innerstädtischen Quartieren mit hohem Wohnungsdruck und wenig Parkraum droht eine neue Form der Verdrängung. Stadtplanung muss hier gegensteuern, indem sie Ladepunkte gezielt in benachteiligten Gebieten fördert und innovative Ansätze wie Quartiersgaragen oder mobile Ladeeinheiten testet.

Die Integration von Daten und digitalen Plattformen bietet große Chancen, wirft aber auch Fragen nach Datenschutz, Interoperabilität und Datensouveränität auf. Digitale Zwillinge, die Echtzeitdaten aus Ladesäulen und Stromnetzen bündeln, können Planung und Betrieb revolutionieren – vorausgesetzt, sie werden offen und nachvollziehbar gestaltet. Nur so kann die Ladeinfrastruktur nicht nur technisch, sondern auch gesellschaftlich akzeptiert und langfristig tragfähig werden.

Best Practices und Perspektiven: So gestalten Städte die Elektroinfrastruktur der Zukunft

Der Blick in die Praxis zeigt: Städte und Gemeinden in Deutschland, Österreich und der Schweiz experimentieren mit unterschiedlichsten Modellen, um die Ladeinfrastruktur als Planungsgrundlage zu verankern. München etwa hat ein ambitioniertes Masterplan-Konzept entwickelt, das die Verteilung von Ladesäulen systematisch an Mobilitätsdaten, Quartiersprofilen und Stromnetzkapazitäten ausrichtet. Die Verknüpfung mit dem städtischen Digital Twin ermöglicht eine vorausschauende Steuerung und schnelle Anpassung an veränderte Nutzungsbedarfe.

Wien setzt auf eine enge Verzahnung mit dem öffentlichen Nahverkehr und entwickelt Ladehubs an multimodalen Knotenpunkten, die Carsharing, Fahrradverleih und E-Busse integrieren. Die Stadt fördert zudem den Aufbau von Ladepunkten in sozialen Wohnbauten und setzt auf eine offene Datenplattform, die Echtzeitinformationen über Ladeverfügbarkeit bereitstellt. Das Ziel: Elektromobilität als Teil einer inklusiven Stadt für alle.

In Zürich werden Ladepunkte gezielt mit Photovoltaik und Batteriespeichern kombiniert, um den Eigenverbrauch zu maximieren und das Stromnetz zu entlasten. Die Stadt experimentiert zudem mit dynamischen Preismodellen, die das Nutzerverhalten steuern und die Auslastung der Ladeinfrastruktur optimieren. Dabei spielt die Beteiligung der Bürgerschaft eine zentrale Rolle: Über digitale Plattformen können Anwohner Bedarfe melden, Standorte vorschlagen und die Entwicklung mitgestalten.

Auch kleinere Kommunen gehen innovative Wege. In Tübingen etwa werden Ladepunkte mit Stadtgrün und Aufenthaltsflächen kombiniert, um den öffentlichen Raum aufzuwerten. Die Integration in bestehende Freiraumkonzepte sorgt dafür, dass Ladesäulen nicht als Fremdkörper, sondern als Mehrwert wahrgenommen werden. In ländlichen Regionen wiederum entstehen mobile Ladeeinheiten, die flexibel auf Veranstaltungen oder saisonale Nachfragespitzen reagieren.

Allen erfolgreichen Beispielen gemeinsam ist die Erkenntnis, dass Ladeinfrastruktur kein Selbstläufer ist. Sie muss strategisch geplant, sozial ausgewogen verteilt und technisch intelligent vernetzt werden. Der Schlüssel liegt in einer neuen Kultur der Zusammenarbeit zwischen Stadt, Energieversorgern, Mobilitätsdienstleistern und Zivilgesellschaft. Wer die Elektroinfrastruktur zur Planungsgrundlage macht, kann die Transformation zur nachhaltigen, lebenswerten und zukunftsfähigen Stadt aktiv gestalten – anstatt ihr hinterherzulaufen.

Fazit: Ladesäulen als Leitplanken der urbanen Zukunft

Die Zeiten, in denen Ladesäulen als Nischenprodukt für Early Adopters galten, sind vorbei. Elektroinfrastruktur ist zur strukturbildenden Kraft in Städten geworden – und fordert das traditionelle Planungsdenken heraus. Wer heute Stadt plant, muss Stromflüsse, Ladepunkte und Energiehubs ebenso mitdenken wie Straßen, Plätze oder Grünflächen. Die Verfügbarkeit, Zugänglichkeit und Integration von Ladesäulen entscheidet über Teilhabe, Nachhaltigkeit und Attraktivität urbaner Räume.

Gleichzeitig ist der Ausbau von Ladeinfrastruktur nicht bloß ein technisches Update, sondern ein gesellschaftliches und politisches Projekt. Es geht um die gerechte Verteilung von Chancen, um die Balance zwischen Innovation und Alltagsrealität, um die intelligente Nutzung von Daten und um die Gestaltung des öffentlichen Raums als Ort der Begegnung und Versorgung. Ladesäulen sind heute das, was Straßenlaternen und Wasserleitungen vor hundert Jahren waren: Infrastruktur, die Stadt erst möglich macht.

Die Herausforderungen sind beträchtlich: Technische Komplexität, regulatorische Unsicherheiten, soziale Gerechtigkeit und Fragen der Governance verlangen nach neuen Antworten. Doch die Chancen überwiegen. Wer es schafft, Ladesäulen als integralen Bestandteil urbaner Entwicklung zu begreifen, kann Städte resilient, klimaneutral und lebensfreundlich gestalten. Die Zukunft der Stadt ist elektrisch – und sie wird an der Ladesäule entschieden.

Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Entwickler sind gefordert, mutig voranzugehen, die Elektroinfrastruktur nicht als nachträgliche Pflichtaufgabe, sondern als Chance für innovative Stadtentwicklung zu begreifen. Mit der richtigen Strategie, kooperativen Prozessen und einer Prise Pioniergeist kann die Ladeinfrastruktur zum Motor einer neuen urbanen Ära werden. Die Städte von morgen entstehen heute – an der Schnittstelle von Strom, Raum und Gesellschaft.

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Jakarta von oben

Jakarta von oben

Indonesien neue Hauptstadt – Details zu Nusantara enthüllt

6 000 Hektar Land sollen für die neue indonesische Hauptstadt auf der Insel Borneo gerodet werden. Insgesamt 28 Milliarden Euro will das indonesische Parlament für die „neue Hauptstadt im Regenwald“ ausgeben. Denn: Jakarta versinkt im Meer. Lesen Sie hier mehr über das Megaprojekt mit dem klangvollen Namen „Nusantara“.

Anfang Januar 2022 rückte der Plan Indonesiens, seine Hauptstadt an einen neuen Standort zu verlegen, einen Schritt näher heran. Das indonesische Parlament billigte ein Gesetz, das weitere Details zur Verlegung der Hauptstadt von Jakarta nach Ost-Kalimantan regelt. Auch die Details der Finanzierung und der Verwaltung werden immer klarer: Die neue Hauptstadt wird rund 28 Milliarden Euro kosten.

In Ost-Kalimantan, dem östlichen Teil Borneos, werden rund 6 000 Hektar Wald gerodet, um wichtige Gebäude wie den neuen Präsidentenpalast zu bauen. Die Maßnahme ist notwendig, da die derzeitige Hauptstadt auf der Insel Java schnell sinkt und bereits 2050 vollständig von Wasser bedeckt sein könnte.

Eine große Mehrheit der Parlamentsabgeordneten stimmte für das Gesetz über die neue Hauptstadt Indonesiens. Präsident Joko Widodo entschied sich für „Nusantara“ als Namen für die neue Hauptstadt. Dieses alte javanische Wort bedeutet „äußere Inseln“ und ist ein Synonym für den indonesischen Archipel.

Die ersten Behörden werden im Jahr 2024 nach Nusantara umziehen – kurz vor dem Ende der zweiten und letzten Amtszeit von Präsident Joko Widodo. Die neue Hauptstadt wird etwa 2 000 Kilometer nordöstlich von Jakarta liegen.

Eine grandiose Vision für die neue Hauptstadt Nusantara

 

Präsident Joko „Jokowi“ Widodo verkündete die Pläne für die Verlegung der Hauptstadt des Landes am 16. August 2019, was für viele eine Überraschung war. Seine Vision ist grandios: „Eine Hauptstadt ist nicht nur ein Symbol der nationalen Identität, sondern auch eine Repräsentation des Fortschritts der Nation“, sagte er im Jahr 2019. „Es geht um die Verwirklichung von wirtschaftlicher Gleichheit und Gerechtigkeit.“

Neben der Schaffung einer ökologisch sichereren Hauptstadt hofft die Regierung, mit der neuen Hauptstadt auch den Wohlstand in Indonesien umzuverteilen. Jakarta beherbergt derzeit 60 Prozent der Bevölkerung des Landes und mehr als die Hälfte der Wirtschaftstätigkeit. Während die Stadt das Handels- und Finanzzentrum Indonesiens bleiben wird, werden die Verwaltungsfunktionen der Regierung in die neue Hauptstadt in die Regionen Nord-Penajam Pser und Kutai Kartanegara verlegt, was eine Umverteilung der Investitionen ermöglicht.

Der Umsiedlungsplan sieht vor, dass 1,5 Millionen Einwohner*innen von Jakarta nach Nusantara umziehen. Dies ist nicht der erste Versuch, die indonesische Hauptstadt zu verlegen: Bereits in den 1950er-Jahren schlug Präsident Sukarno etwas Ähnliches vor. Die Idee kursierte jahrzehntelang, wurde aber aufgrund logistischer Schwierigkeiten immer wieder verworfen. Präsident Widodo hat trotz vieler Debatten und Zweifel an dieser Vision festgehalten.

Erleichterung der ökologischen Herausforderungen?

Jakarta steht vor vielen Herausforderungen. Am dringlichsten sind wohl die Umweltprobleme der derzeitigen Hauptstadt. Die elf Millionen Einwohner*innen sind bereits mit regelmäßigen Überschwemmungen konfrontiert, insbesondere in den Küstengebieten der Metropole. Aufgrund der übermäßigen Grundwasserentnahme sinkt die Stadt schnell ab. Teile der nördlichen Gebiete der Hauptstadt sinken bis zu 25 Zentimeter pro Jahr. Selbst der Schutzdeich sinkt, während der Meeresspiegel weiter steigt. Expert*innen zufolge könnte ganz Nord-Jakarta bis 2050 überflutet sein.

Indonesiens neue Hauptstadt wird an einem Ort liegen, der weniger anfällig für ein Absinken ist. Sie soll sich auch außerhalb der Reichweite von Naturkatastrophen wie Erdbeben oder Tsunamis befinden. Allerdings liegt das Land immer noch auf dem pazifischen „Ring of Fire“ und ist damit zukünftigen Katastrophen ausgesetzt.

Tägliche Staus mit Verkehrskollapsen und eine zunehmende Luftverschmutzung sind weitere Probleme, die in Jakarta nur schwer zu bewältigen sind. Es bleibt abzuwarten, wie die neue Hauptstadt Verbesserung in diesen Bereichen bringen wird.

Kritik an der neuen Hauptstadt in einer Übersicht

 

Die neue Hauptstadt Indonesiens kommt nicht ohne Kritik aus. Umweltschützer*innen warnen, dass Nusantara die Umweltverschmutzung in Ost-Kalimantan beschleunigen wird. Die geplante Zerstörung des Regenwaldes rief viel Empörung hervor. Das Gebiet ist die Heimat von Orang-Utans, Sonnenbären und Langnasenäffchen. Eine weitere Sorge ist, dass die neue Hauptstadt die indigene Bevölkerung Kalimantans verdrängen könnte. Sogar der Name Nusantara wird kritisiert, da es sich dabei um ein javanisches Wort und nicht um ein Wort aus einer der zahlreichen lokalen Sprachen Kalimantans handelt.

Die neue Hauptstadt Indonesiens könnte zudem politischen Einfluss auf eine nicht verfassungsgemäße Weise zentralisieren: Rechtsexpert*innen der Mulawarman-Universität in Samarinda haben die Befürchtung geäußert, dass Nusantara von einer direkt vom Präsidenten gewählten Person regiert werden könnte. Jokowis Unterstützer Basuki „Ahok“ Tjahaja Prunama, ein ehemaliger Gouverneur von Jakarta, ist bereits ein Anwärter für diese Rolle. Beobachter*innen vermissen auch Transparenz und Partizipation bei Gesetzen und Plänen rund um Indonesiens neue Hauptstadt.

Die horrenden Kosten des Projekts sind ein weiterer Kritikpunkt an Indonesiens neuer Hauptstadt. Die Regierung soll etwa ein Fünftel der Kosten tragen. Der Rest wird von staatlichen Unternehmen und privaten Geldgeber*innen übernommen.

Indonesien neue Hauptstadt: die nächsten Schritte

Der Bau der neuen Hauptstadt Indonesiens wurde aufgrund der Pandemie verschoben. Der Baubeginn ist jedoch für 2022 vorgesehen, und der erste Umzug wird für 2024 erwartet. Die Waldrodung stellt den ersten Schritt dar.

Ähnliche Projekte – wie der Bau von Brasilia in Brasilien oder Canberra in Australien – haben Jahrzehnte in Anspruch genommen. Beide Städte wurden dafür kritisiert, wenig lebenswert und künstlich zu sein. Es bleibt abzuwarten, wie Indonesiens neue Hauptstadt die Herausforderungen der Lebensqualität meistern wird.

Die Planer*innen hoffen, eine indonesische Metropole zu schaffen, die so attraktiv ist wie beispielsweise Bangkok oder Hanoi. Derzeit ist Jakarta nicht gerade ein Touristenmagnet, was vielleicht daran liegt, dass es „die internationale Fantasie nicht anspricht“, wie Aljazeera es ausdrückt. Die Erwartungen an Nusantara sind groß.

Quellen und weitere Informationen:
Welt: Nusantara statt Jakarta – Indonesien baut neue Hauptstadt im Regenwald
The Guardian: Indonesia names new capital Nusantara, replacing sinking Jakarta
Aljazeera: Progress or folly? Jokowi’s vision for Indonesia’s new capital

 

Auch in Saudi-Arabien ist das Thema der Mega-City aktuell. Mehr zu dem Projekt The Line lesen, Sie hier.

Webseite DIY Landschaftsarchitektur

Im Profil stellen sich die zwei jungen Landschaftsarchitekten näher vor …(Copyright: S2L Landschaftsarchitekten)

Wer ein eigenes Büro gründet, steht vor zahlreichen Herausforderungen. Eine davon: die eigene Webseite. Daia Stutz von S2L Landschaftsarchitekten erzählt, wie er die Homepage seines Büros kurzerhand selbst umsetzte.

Keine Zeit, kein Social Media

„Da potenzielle Auftraggeber als Erstes googeln und sich die Homepage anschauen, war eine der wichtigsten Fragen bei der Gründung die nach der eigenen Webseite“, erzählt Daia Stutz, Mitbegründer von S2L in Zürich. Aufgrund des begrenzten Budgets in der Anfangsphase beauftragten er und sein Partner Jan Stadelmann keine Agentur, sondern krempelten die Ärmel hoch und erstellten ihre Webseite in Eigenregie. Was bis vor wenigen Jahren nur Menschen mit Programmierkenntnissen umsetzen konnten, schaffen heute auch Technikfremde. Es gibt unzählige Templates, die man sich herunterladen und installieren kann. Diese Vorlagen beinhalten Design-Elemente und Redaktionssysteme, um die Inhalte eigenständig zu erstellen und zu verwalten.

“Den Schwerpunkt sollte unser Portfolio darstellen. Mit modernem Layout, großflächigen Fotos und wenig Text”, erklärt Stutz das Konzept. Also wählte der junge Landschaftsarchitekt mit Squarespace einen Template-Entwickler, der zahlreiche Vorlagen für Design, Architektur und Fotografie anbietet.” Zwar handelt es sich dabei um ein Produkt, mit dem schon viele Webseiten umgesetzt wurden und der Support kann nicht bei jeder Frage helfen, aber die Vorteile überwiegen dennoch“, erzählt Stutz. „Denn das System lässt sich aufgrund der klaren Struktur leicht umsetzen, es läuft auf allen Endgeräten und ist kostengünstig.” Auf eine Vernetzung mit Social Media-Profilen verzichtet das junge Büro, hauptsächlich aus Zeitgründen. Denn die komplette Eigenbetreuung und -aufbau einer Webseite verschlingt sehr viel Zeit, die neben der alltäglichen Berufspraxis freigeschaufelt werden muss.

Die Webseite als Visitenkarte

Stutz entschied sich gegen einen umfangreichen Webauftritt und für eine Art fotobasierte Visitenkarte. “Nach den ersten zwei Jahren können wir sagen, dass die Webseite ihren Zweck zufriedenstellend erfüllt. Die Fotos sprechen für sich, das genügt potenziellen Auftraggebern.” Hinzu kommt jeweils ein kurzer Lebenslauf der beiden Bürogründer. Stutz berücksichtigte beim Konzept sein eigenes Nutzerverhalten als Webseitenbesucher und verzichtete auf komplexe Inhalte und Animationen: ” Bei vielen Webseiten steht offensichtlich eine Agentur dahinter – mit entsprechend professionellem Erscheinungsbild. Zu uns als junges, dynamisches und auch mal etwas konfus organisiertes Büro in der Startphase passt dies jedoch – noch – nicht.”

 

Mehr zum Thema Gestaltung der eigenen Webseite lesen Sie in der Garten + Landschaft 07/2017: Beitrag “wie gestalte ich meine Webseite?”.

Die Webseite des Schweizer Landschaftsarchitekturbüros S2L finden Sie hier.