Am Bahnbogen von Penzberg sollte für die Landesgartenschau 2028 in Penzberg eine Gleiswildnis entstehen. Copyright: GRIEGER HARZER DVORAK / pikka pekkane

Die bayerische Stadt Penzberg sollte eigentlich die Landesgartenschau 2028 ausrichten. Dafür gab es bereits einen Gesamtplan des Berliner Büros Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten, der aus dem Wettbewerb hervorgegangen war. Nun musste die Stadt die Landesgartenschau jedoch aus finanziellen Gründen absagen.

Das Motto des Siegerentwurfs für die Landesgartenschau 2028 in Penzberg lautete „Natürlich schön: Erleben, Wertschätzen, Weiterentwickeln“. Die Planer*innen von Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten wollten entsprechend behutsam mit dem vorhandenen Grün in der Stadt umgehen. Ihr siegreicher Entwurf hatte das Ziel, Grünflächen aufzuwerten und einen naturnahen, vielfältig gegliederten Park als grüne Mitte entstehen zu lassen. Auch die Sicherung der Landschaft sollte bei der Landesgartenschau Penzberg 2028 in den Fokus treten, etwa durch den Schutz von Moor- und Feuchtlebensräumen, durch den Erhalt von Waldflächen und die Förderung von Umweltprojekten und Naturbeobachtung. Nun musste der Stadtrat jedoch die weitere Beauftragung stoppen und die Landesgartenschau absagen.

Prekäre finanzielle Lage

Schon bei der Ankündigung der Landesgartenschau in Penzberg 2028 bestanden finanzielle Zweifel. Insgesamt waren 23 Millionen Euro nötig, um das Großprojekt zustande kommen zu lassen. Diese Summe beinhaltet die Planungs- und Herstellungskosten für die Daueranlagen und den Durchführungshaushalt für die Gartenschau. Die Stadt zeigte sich vorerst zuversichtlich. Im Juni 2024 entschied der Stadtrat jedoch mit einer Mehrheit von 19:2, dass die Haushaltssituation keine Landesgartenschau ermöglicht.

Die Planungen für die Landesgartenschau 2028 liefen bereits auf Hochtouren, doch die anderen Großprojekte in der oberbayerischen Stadt fordern ihren Tribut. Bürgermeister Stefan Korpan (CSU) erklärte, dass sich seit der Bewerbung 2021 die Haushaltssituation in Penzberg dramatisch verändert habe – unter anderem ging viel Budget in das neue Familienbad Piorama, das im November 2023 nach Kosten in Höhe von 33 Millionen Euro eröffnete. Auch geförderter Wohnraum mit 150 Wohnungen und die Sanierung einer Sporthalle schlugen ins Gewicht. Trotz der erhöhten Gewerbesteuer und Kita-Gebühren konnte die Stadt die fehlenden acht Millionen Euro, die abzüglich der Einnahmen und Förderungen für die Landesgartenschau fehlten, nicht aufbringen.

Fast jedes Jahr findet eine Landesgartenschau in Bayern statt. Jedoch gibt es auch für 2026 Probleme: Die Stadt Schweinfurt musste sich aus finanziellen Gründen zurückziehen. Tittmoning in Oberbayern sprang kurzfristig ein, aber nachdem sich eine Bürgerinitiative dagegen wehrte, musste sie ebenfalls absagen. Nun sieht es so aus, als ob im Jahr 2026 keine Landesgartenschau stattfinden wird. 2025 ist Furth im Wald Gastgeberin.

Der Lageplan zeigt, wie die geplanten Elemente des Landesgartenschau 2028 in Penzberg die Stadtteile miteinander in Verbindung gesetzt hätten. Copyright: GRIEGER HARZER DVORAK
Der Lageplan zeigt, wie die geplanten Elemente des Landesgartenschau 2028 in Penzberg die Stadtteile miteinander in Verbindung gesetzt hätten. Copyright: GRIEGER HARZER DVORAK

Eine verpasste Chance

Penzberg hatte das geplante Großevent als „einmalige Chance“ gesehen. Der Entwurf von Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten hatte vorgesehen, einen vielfältig gegliederten Freiraum als grünes Netz zu schaffen, inklusive urbaner Wildnis und Bachmeile. Davon hätten alle Generationen profitiert, so Bürgermeister Korpan. Denn sie hätten eine bessere Wohn- und Lebensqualität erhalten.

Der Wettbewerb zur Gestaltung der Landesgartenschau Penzberg 2028 erfreute sich großer Beliebtheit: Insgesamt neun deutsche Landschaftsarchitekturbüros nahmen an dem Wettbewerb teil. Landschaftsarchitekt Till Rehwaldt war Vorsitzender des Preisgerichts. Grieger Harzer Dvorak aus Berlin erhielten den ersten Platz, gefolgt von Planorama Landschaftsarchitektur aus Berlin und der Uniola AG aus Zürich. RMP Stephan Lenzen aus Köln erhielt einen vierten Platz und lohrer.hochrein aus München eine Anerkennung.

Der Moorerlebnisring war dazu gedacht, Feuchtlebensräume schützen und zugleich erlebbar machen. Copyright: GRIEGER HARZER DVORAK / pikka pekkane
Der Moorerlebnisring war dazu gedacht, Feuchtlebensräume schützen und zugleich erlebbar machen. Copyright: GRIEGER HARZER DVORAK / pikka pekkane

Ein Grünes Band zwischen den Elementen der Landesgartenschau 2028

Um Penzberg gemäß der Idee hinter der Landesgartenschau „Zukunftsfest“ zu machen, lieferte das Berliner Büro Grieger Harzer Dvorak viele Ideen, die die Wohn- und Lebensqualität für die bayerische Stadt langfristig verbessern sollten. Durch die landschaftliche Einbettung des Ortes sollten sich unterschiedliche Landschaften ergeben. Der geplante Grünzug sollte diese Landschaften aufnehmen und mit zusätzlichen gärtnerischen und urbanen Elementen verknüpfen. So wäre eine ganze Parklandschaft entstanden, um die Stadtteile besser miteinander zu verschränken und die unterschiedlichen Aspekte der Landschaft zu kontrastieren.

Das Konzept vom Siegerbüro für die Landesgartenschau Penzberg 2028 sah fünf landschaftlich unterschiedliche Abschnitte vor. Im Bahnbogen sollte eine Gleiswildnis zu sehen sein, während die Bachmeile das Wasser in den Vordergrund gestellt hätte. Im Abschnitt der Urbanen Wildnis sollte es Mooreindrücke und Naturwald geben. Und am Schlossbichl sollte eine Parklandschaft entstehen. Ein zusammenhängendes Grünes Band hätte die Stadtteile und die verschiedenen Landschaften mit einer durchgängigen Promenade verknüpft.

Zudem schlugen Landschaftsarchitekt*innen vor, passende punktuelle Maßnahmen in die Landschaft zu integrieren. Dafür wären vorhandene Elemente wie der Säubach, die Säubachwiese, Moorreste, Wälder und Wiesen vorhanden geblieben, aber besser zugänglich und erlebbar gemacht. Die Promenade sollte auch Zugang zu neuen Elementen wie Gemeinschaftsgärten, Spielplätzen und besonderen Aussichtspunkten geben.

Die Renaturierung von natürlichen Flächen stand im Fokus des Entwurfs von Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten. Copyright: GRIEGER HARZER DVORAK
Die Renaturierung von natürlichen Flächen stand im Fokus des Entwurfs von Grieger Harzer Dvorak Landschaftsarchitekten. Copyright: GRIEGER HARZER DVORAK

„Erleben, Wertschätzen, Weiterentwickeln“

Penzberg wollte sich auch mit dem Fokus der Landesgartenschau profilieren: Anders als bei vielen vorherigen Landesgartenschauen in Bayern sollte die Sicherung der Landschaft in den Fokus rücken. Unter dem Motto „Erleben, Wertschätzen, Weiterentwickeln“ hätte die Landesgartenschau einen bleibenden Mehrwert geschaffen – und Fördermittel angezogen. Die Idee war, die Gartenschau als Einweihungsfest für die aufgewerteten Grünflächen zu nutzen.

Offen ist nun, ob die Stadt einige der Themen umsetzen wird, die im Rahmen der Landesgartenschau 2028 geplant waren. So hatte Penzberg zum Beispiel vor, die Begrünung zu intensivieren, mehr Arten- und Naturschutz zu integrieren, die Rad- und Fußgängerinfrastruktur zu ergänzen und grüne Wege auszubauen, um Naherholungsorte auch ohne Verkehr zu erreichen. Zudem sollten Überflutungs- und Hochwasserrückhaltegebiete am Säubach die Hochwassergefahr reduzieren – diese wird eine der größten Herausforderungen für die Stadt bleiben.

Hinweis: Dieser Artikel wurde aktualisiert. Ursprünglich wurde davon ausgegangen, dass die Landesgartenschau 2028 in Penzberg stattfinden wird. Es bestanden bereits Zweifel zur Finanzierung, die sich leider inzwischen bestätigt haben.

 

Weiterlesen: In Mannheim soll der Europaplatz umgestaltet werden. Im Wettbewerb wurden zwei erste Preise vergeben – an welche Büros, erfahren Sie hier.

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Barbara Steiner wechselt zu Bauhaus-Stiftung

Barbara Steiner Portraet

Porträt von Barbara Steiner (Foto: J.J. Kucek)

Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner vergangenes Jahr die Juliausgabe der Garten + Landschaft. Nun verkündete die Stiftung Bauhaus Dessau: Ab dem 1. September übernimmt Barbara Steiner die Position als Direktorin und Vorstand der Stiftung. Was Sie über die promovierte Kunsthistorikerin wissen sollten, das lesen Sie hier.

Bei der Bewerbung als neue Direktorin der Stiftung Bauhaus Dessau setzte sich die Österreicherin Barbara Steiner gegen 32 internationale Bewerber*innen durch. Im offiziellen Statement beschreibt der Stiftungsratsvorsitzende Rainer Robra die promovierte Kunsthistorikerin als „herausragende Persönlichkeit mit profundem Wissen über die Auseinandersetzung mit der Moderne“. Er betont ihre langjährige Leitungserfahrung in Kultureinrichtungen sowie auch ihre Praxiserfahrungen in Ostdeutschland. Kulturminister des Landes Sachsen-Anhalt Robra traue ihr zu, „lokal relevante Themen an globale Diskurse zu knüpfen und damit die Stiftung Bauhaus Dessau und den Kulturstandort Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln.“

Barbara Steiner will Stiftungsarbeit ausbauen

Barbara Steiner wird ihre neue Position zum 1. September 2021 antreten. Sie gibt damit ihre aktuelle Position als Direktorin des Kunsthauses Graz auf. Sie hat diese inzwischen seit 2016 inne. Zuvor arbeitete sie zwei Jahre als Vertretungsprofessorin an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig für den Master „Kulturen des Kuratorischen“. In den 1990er- und 2000-Jahren leitete sie Kunstvereine in Ludwigsburg und Wolfsburg. Ebenso war sie für die Stiftung Galerie für Zeitgenössische Kunst (GfZK) in Leipzig aktiv. Zudem bringt sie mehrjährige Lehrerfahrung aus Lehrtätigkeiten in Linz, Kopenhagen und Wien mit. Studiert hat Barbara Steiner außerdem Kunstgeschichte und Politikwissenschaften an der Universität Wien. Sie promovierte zur „Ideologie des weißen Ausstellungsraumes“.
Sie selber freue sich auf die neue Aufgabe, so Steiner und darauf, die bislang geleistete hervorragende Arbeit der Stiftung Bauhaus Dessau weiterzuführen beziehungsweise auszubauen.

„Feine Sahne Fischfilet“-Diskussion 2018

Apropos bislang geleistete Arbeit: Barbara Steiner folgt in ihrer neuen Position im Übrigen auf Dr. Claudia Perren. Die Stelle war damit knapp ein Jahr vakant. Perren war von 2014 bis 2020 Direktorin der Stiftung Bauhaus-Dessau. Sie verließ die Stiftung zum 31. Juli 2020 auf eigenen Wunsch. Dr. Perren ist vermutlich vielen noch ein Begriff. Die deutsche Architekturtheoretikerin stand 2018 im Fokus einer Debatte zwischen Rechts- und Linksextremismus sowie der Frage, wie politisch das Bauhaus sei. Unter Perrens Leitung hatte die Stiftung Bauhaus Dessau den Auftritt der Band „Feine Sahne Fischfilet“ abgesagt. Dieser sollte in der Konzertreihe zdf@bauhaus auf der Bauhaus-Bühne stattfinden. Im Oktober 2018 interviewten die Kolleg*innen von der ZEIT Claudia Perren hierzu. Inzwischen ist Perren seit dem August 2020 Direktorin der Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel.

G+L arbeitete 2020 mit Barbara Steiner und Topotek 1 zusammen

Uns, in der G+L Redaktion, freut die neue Besetzung der Bauhaus-Direktion sehr. Gemeinsam mit Topotek 1 gastkuratierte Barbara Steiner die Juliausgabe 2020 der Garten + Landschaft. Das Heftthema: die Kunst. Mit Barbara Steiner holten sich die beiden Büropartner Martin Rein-Cano und Lorenz Dexler Unterstützung hierfür. Gemeinsam mit ihr hatten sie bereits unter anderem die Monografie „Creative Infidelities“ entwickelt und geschrieben. Diese entstand anlässlich des 20-jährigen Bürojubiläums von Topotek 1 im Jahr 2016 .
Kunst spielt in der Arbeit der Berliner Landschaftsarchitekt*innen seit Beginn an auch eine bedeutende Rolle. Kunst und die regelmäßige Zusammenarbeit mit Künstler*innen inspiriert zudem Topotek 1.  So entstand auch die Idee, die Ausgabe gemeinsam mit der Direktorin des Kunsthaus Graz, Barbara Steiner, zu machen.

Topotek 1 im Gespräch mit Barbara Steiner

Bereits bei den ersten Redaktionsterminen in Graz Anfang 2020 konnte die G+L Redaktion miterleben, mit welcher Intensität Barbara Steiner und Martin Rein-Cano über das Verhältnis, die Gemeinsamkeiten, aber auch die Missverständnisse zwischen Landschaftsarchitektur und Kunst diskutierten. Die Idee lag nahe, ein ganzes Heft mit einem Gespräch zwischen den beiden zu füllen. Sie diskutieren im Heft darüber, was Martin Rein-Cano stellvertretend für Topotek 1 an der Kunst fasziniert und in der Landschaftsarchitektur fehlt.

Das Ergebnis ist ein Gespräch zwischen Martin Rein-Cano und Barbara Steiner, das sich durch das komplette Heft zieht. Die beiden diskutieren hier, wie gefakte und tatsächliche Realität zueinanderstehen. Sie sprechen darüber, wo die Landschaftsarchitektur ins Spiel kommt und wie unehrlich der Englische Landschaftsgarten ist.

Ein Plädoyer in Pink

Martin Rein-Cano und Barbara Steiner besprechen auch Gleichungen wie Barock=Bauhaus. Sie diskutieren Rein-Canos Bedürfnis nach einer „Grundnervosität“. Sie philosophieren das Projekt „Bahn­deckel Theresienhöhe“, das Topotek 1 gemeinsam mit der Künstlerin Rosemarie Trockel umsetzten.

Das Endprodukt des ersten gastkuratierten Ausgabe der Garten+Landschaft? Ein Plädoyer für mehr Freiheit und weniger Utilitarismus in der Planung. Ein Plädoyer für den Mut, Widersprüche zu erzeugen und auch einmal zu scheitern. In Pink. Hier können Sie das Heft im Shop erwerben.

bauchplan ).( folgt auf Topotek 1

Die nächste gastkuratierte Garten + Landschaft erscheint im Übrigen mit der Juli-Ausgabe 2021 unter Federführung des Planungs-Kollektivs bauchplan).(. Mehr zu der G+L kuratiert von bauchplan).( lesen Sie hier.

Das Kollektiv machte mit Projekten wie dem Wohnbauprojekt „wagnisART“ in München oder seinem Entwurf für den Londoner Highline-Park auf sich aufmerksam. Es kann national und international, den kleinen wie auch großen Maßstab, Landschaftsarchitektur wie auch Stadtplanung.

bauchplan).( lässt sich in keine Schublade packen. Vielmehr stehen das Büro und sein vielseitiges Projektportfolio für intelligente Ansätze. Das Kollektiv findet stets raumplanerische und lokalspezifische Lösungen auf aktuelle Herausforderungen wie Klimawende, Inklusion oder Flächenkonkurrenz.

Und wir, wir sind gespannt, was dann die neue Bauhaus-Direktorin Barbara Steiner zur bauchplan-G+L sagen wird. Sie auch?

Mit einem Bundesverdienstkreuz am Bande wurde die Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard in München ausgezeichnet.

Seit vielen Jahren setzt sich die Landschaftsarchitektin als Mitglied und Vorsitzende in verschiedenen Gremien für Stadtentwicklung, Landschaftsarchitektur und Landschaftsökologie ein. Sie leitete im Planungsreferat der Stadt München die Abteilung Grünplanung und arbeitete als Geschäftsführerin der BUGA 2005 GmbH das Konzept der Bundesgartenschau für die Messestadt Riem erfolgreich mit aus. Dabei waren die Aspekte Ökologie, Ökonomie und Soziales für Sie stets ein zentrales Thema.
Darüber hinaus fördert sie Städtebau und Landesplanung in Wissenschaft und Praxis. Beispielsweise im Stiftungsrat der Bundesstiftung Baukultur, im Bundeskongress zur Nationalen Stadtentwicklungspolitik des Bundesbauministeriums oder als Vorsitzende der Landesgruppe Bayern der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung (DASL).