Lastenradlogistik auf der Datenautobahn – wie Routing-Algorithmen urbane Lieferketten prägen

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Luftaufnahme einer Schweizer Stadt, fotografiert von Ivan Louis

Vergessen Sie alles, was Sie über urbane Lieferketten zu wissen glaubten: Mit Lastenradlogistik auf der Datenautobahn werden Städte nicht nur leiser, sauberer und lebenswerter – sie werden vor allem intelligenter. Routing-Algorithmen, digitale Plattformen und Echtzeitdaten krempeln die urbane Logistik um. Doch wie genau prägen diese Technologien die nachhaltige Stadt von morgen? Und was müssen Planer, Architekten und Kommunen wirklich wissen, wenn die letzte Meile neu gedacht wird?

  • Lastenradlogistik als Gamechanger für urbane Lieferketten und städtische Lebensqualität
  • Wie Routing-Algorithmen und Datenplattformen die Effizienz und Nachhaltigkeit der City-Logistik revolutionieren
  • Technische Grundlagen: Von Geodaten über Echtzeit-Traffic bis zu Machine Learning im Routing
  • Planerische Herausforderungen: Infrastruktur, Flächenkonkurrenz, Governance und Partizipation
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Chancen und Risiken algorithmischer Steuerung in der Stadtplanung
  • Rechtliche, organisatorische und kulturelle Stolpersteine auf dem Weg zur datengetriebenen Logistik
  • Potenziale für Klimaschutz, Verkehrsberuhigung und urbane Resilienz
  • Fazit: Warum die Integration smarter Logistikplattformen ein Muss für alle Akteure der Stadtentwicklung ist

Lastenradlogistik: Vom Nischenprojekt zum Motor der urbanen Transformation

Die letzten Jahre haben der urbanen Logistik ein völlig neues Gesicht verliehen – und das nicht nur wegen der explosionsartig gestiegenen Zahl an Online-Bestellungen. Lastenräder sind längst keine hippen Accessoires mehr, sondern ernstzunehmende Bausteine für die nachhaltige Stadt. Was vor einem Jahrzehnt noch als romantische Vision einiger weniger Umweltenthusiasten galt, ist heute Gegenstand knallharter Verkehrs- und Stadtentwicklungsstrategien. Ob in Berlin, Zürich oder Wien: Immer mehr Städte setzen auf die Verlagerung von Lieferverkehren auf pedalbetriebene Transportmittel. Dabei geht es um weit mehr als nur um CO₂-Einsparung oder die Entlastung von Straßenlärm. Die Lastenradlogistik ist zu einer Schnittstelle zwischen Mobilität, Digitalisierung und Stadtökologie geworden.

Doch wie lässt sich diese neue Logistikdimension in die komplexen urbanen Systeme integrieren? Die Antwort lautet: Daten, Algorithmen und intelligente Steuerung. Denn die Herausforderungen sind enorm. Lastenräder sind zwar wendig und flexibel, stoßen aber an Grenzen, sobald es um die Koordination hunderter Lieferungen, die Optimierung von Routen und die Einbindung in bestehende Infrastrukturen geht. Ohne digitale Unterstützung wird aus der vermeintlichen Lösung schnell ein neues Problem: chaotische Verkehrsabläufe, ineffiziente Umwege und Frust bei allen Beteiligten.

Genau hier setzen Routing-Algorithmen an. Sie orchestrieren das Zusammenspiel zwischen Fahrern, Fahrzeugen, Waren und Wegen in Echtzeit. Mithilfe von Geodaten, Verkehrsflussanalysen und maschinellem Lernen entstehen dynamische Routen, die nicht nur die kürzeste Strecke, sondern auch aktuelle Hindernisse, Wetterbedingungen und sogar die Ladezustände der E-Cargobikes berücksichtigen. Aus dem spontanen Kuriereinsatz wird ein hochpräzises Logistiksystem, das urbane Lieferketten radikal verändert.

Was bedeutet das für Stadtplaner, Architekten und die öffentliche Hand? Vor allem eines: Die Gestaltung der Stadt wird zur Mitgestaltung der digitalen Infrastruktur. Es reicht nicht mehr aus, Fahrradwege zu planen und Mikrodepots auszuweisen. Entscheidend ist, wie diese physischen Räume mit den digitalen Steuerungssystemen verzahnt werden. Nur so entsteht eine Logistik, die Städte nicht nur beliefert, sondern belebt.

Die Integration von Lastenradlogistik in die urbane Planung ist daher kein Add-on, sondern Kernbestandteil einer resilienten, zukunftsfähigen Stadtentwicklung. Wer heute noch glaubt, dass Algorithmen reine Spielerei für die Tech-Szene sind, wird morgen von datengetriebenen Lieferströmen überholt. Die Frage ist nicht mehr, ob, sondern wie wir die Datenautobahn für die urbane Logistik gestalten.

Routing-Algorithmen: Das unsichtbare Rückgrat smarter Lieferketten

Wer sich mit moderner City-Logistik beschäftigt, stößt schnell auf eine neue Generation von Routing-Algorithmen. Diese digitalen Taktgeber sind weit mehr als bloße Navigationshilfen – sie sind die unsichtbaren Dirigenten urbaner Lieferströme. Doch wie funktionieren sie eigentlich? Am Anfang steht eine Fülle von Geodaten: Straßennetze, Verkehrsflüsse, Baustellenmeldungen, Wetterprognosen, Fahrradfreundlichkeit von Routen und Echtzeitdaten von Sensoren und Apps. All diese Informationen laufen in zentralen Softwareplattformen zusammen, die als „Urban Logistics Control Center“ fungieren.

Das Herzstück dieser Systeme sind Optimierungsalgorithmen, die in Sekundenbruchteilen entscheiden, welche Sendung welches Depot verlässt, welches Lastenrad sie aufnimmt und welche Route am effizientesten ist. Dabei werden klassische Methoden der Kombinatorik ebenso eingesetzt wie fortschrittliche Verfahren des maschinellen Lernens. Moderne Algorithmen lernen aus vergangenen Fahrten, passen sich an wiederkehrende Muster an und reagieren flexibel auf aktuelle Störungen im Verkehrsnetz – etwa einen plötzlichen Stau, eine Umleitung wegen Baustellen oder ein Unwetter.

Ein entscheidender Vorteil der algorithmischen Steuerung liegt in ihrer Fähigkeit, das gesamte System zu optimieren – nicht nur einzelne Touren. Wo früher jeder Fahrer sein eigenes Glück schmiedete, sorgt heute die Plattform für eine gleichmäßige Auslastung aller Ressourcen. Das spart nicht nur Energie und Zeit, sondern reduziert auch Leerfahrten, Parkplatzsuchen und das Risiko von Konflikten mit anderen Verkehrsteilnehmern. Besonders relevant wird dies in dicht besiedelten Innenstädten, in denen der Straßenraum knapp und Flächenkonkurrenz hoch ist.

Ein weiteres technisches Highlight ist die Integration von Echtzeitdaten, etwa aus städtischen Verkehrsleitzentralen, Wetterdiensten oder IoT-Sensoren. So können Algorithmen nicht nur auf historische Daten zurückgreifen, sondern aktuelle Ereignisse wie Großveranstaltungen, Unfälle oder temporäre Verkehrsbeschränkungen direkt in die Routenplanung einbeziehen. Für die Lastenradlogistik bedeutet das: maximale Flexibilität bei gleichbleibender Effizienz.

Doch Routing-Algorithmen sind keine Zauberformel. Sie benötigen eine sorgfältige Abstimmung auf die spezifischen Bedingungen der jeweiligen Stadt. Straßenbeschaffenheit, Höhenprofile, lokale Vorschriften, Taktfrequenzen und die Verfügbarkeit von Depots, Ladeinfrastruktur oder Sharing-Angeboten – all das muss in die mathematischen Modelle einfließen. Je besser die Datenbasis, desto präziser das Routing – und desto größer der Beitrag zur urbanen Nachhaltigkeit.

Planerische Herausforderungen: Infrastruktur, Governance und die neue Flächenkonkurrenz

So elegant die algorithmische Steuerung auch sein mag – sie löst nicht automatisch die planerischen Herausforderungen der urbanen Lastenradlogistik. Im Gegenteil: Gerade weil die Prozesse effizienter werden, steigt die Nachfrage nach geeigneter Infrastruktur. Mikrodepots, Ladezonen, Radwege mit ausreichend Breite, sichere Abstellflächen und nahtlose Anschlüsse an ÖPNV und Wirtschaftsverkehre – all dies muss neu gedacht und oft auch neu gebaut werden. Für Stadtplaner bedeutet das einen Paradigmenwechsel: Die klassische Trennung zwischen Verkehrs-, Logistik- und Aufenthaltsflächen wird zunehmend obsolet.

Hinzu kommt die Frage der Governance. Wer steuert eigentlich die digitalen Logistiksysteme? Private Plattformanbieter, kommunale Verkehrsbetriebe oder gar überregionale Tech-Konzerne? Die Antwort darauf entscheidet nicht nur über Effizienz und Nutzbarkeit, sondern auch über Datensouveränität, Datenschutz und die Integration in lokale Beteiligungsprozesse. Kommunen stehen vor der Herausforderung, technische Standards zu setzen, Schnittstellen offenzuhalten und gleichzeitig einen fairen Wettbewerb zwischen verschiedenen Anbietern zu ermöglichen.

Ein weiteres Konfliktfeld ist die Flächenkonkurrenz. Gerade in Innenstadtlagen sind Flächen für Mikrodepots oder Ladezonen heiß begehrt. Die Umwidmung von Parkplätzen zugunsten der Logistik stößt nicht selten auf Widerstand bei Anwohnern und Gewerbetreibenden. Hier sind innovative Kooperationsmodelle gefragt – etwa temporäre Flächennutzung, geteilte Infrastruktur oder die Integration von Logistikfunktionen in bestehende Gebäude. Planer müssen dabei nicht nur technische, sondern auch soziale und wirtschaftliche Aspekte in Einklang bringen.

Auch die Frage der Akzeptanz spielt eine zentrale Rolle. Algorithmen sind für viele Menschen eine Black Box – ihre Entscheidungen erscheinen undurchschaubar und nicht immer nachvollziehbar. Umso wichtiger ist es, Beteiligungsprozesse transparent zu gestalten und die Funktionsweise der Systeme offen zu kommunizieren. Nur so lassen sich Ängste vor Kontrollverlust und technokratischem Bias abbauen.

Schließlich müssen auch rechtliche Rahmenbedingungen angepasst werden. Die Straßenverkehrsordnung, Flächennutzungspläne und Umweltauflagen stammen meist aus einer Zeit, in der digitale Lieferketten noch Zukunftsmusik waren. Kommunen, die die Potenziale der Lastenradlogistik voll ausschöpfen wollen, benötigen deshalb Mut zur Innovation – und die Bereitschaft, bestehende Regeln zu hinterfragen und weiterzuentwickeln.

Best-Practice: Wie Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz die Datenautobahn für Lastenräder bauen

Es gibt sie bereits, die urbanen Vorreiter, die zeigen, wie Lastenradlogistik und digitale Steuerung Hand in Hand gehen. In Hamburg etwa setzt das Projekt „Hamburg Blue Port“ auf eine algorithmisch gesteuerte Lastenradflotte, die den Hafen und die City miteinander verbindet. Über eine zentrale Plattform werden Lieferungen, Fahrpläne und Routen koordiniert – unter Einbeziehung von Echtzeitdaten zu Verkehr, Wetter und Baustellen. Ergebnis: Die durchschnittliche Lieferzeit konnte um mehr als zwanzig Prozent gesenkt, die CO₂-Emissionen um ein Drittel reduziert werden.

In München arbeiten mehrere Logistikdienstleister mit der Stadt zusammen, um ein flächendeckendes Netz von Mikrodepots zu etablieren. Hier kommen Routing-Algorithmen nicht nur beim täglichen Lieferverkehr zum Einsatz, sondern auch bei der strategischen Standortplanung neuer Depots. Durch die Simulation verschiedener Szenarien lassen sich Engpässe frühzeitig erkennen und die Auslastung optimal steuern.

Zürich wiederum hat mit seinem „Smart Urban Logistics“-Programm einen offenen Datenstandard für die Lastenradlogistik geschaffen. Kommunale und private Anbieter können ihre Systeme über standardisierte Schnittstellen vernetzen – ein Paradebeispiel für gelungene Governance und Interoperabilität. Die Stadt fungiert hier als Moderatorin und Innovationsmotor zugleich.

Auch kleinere Städte wie Graz oder Luzern setzen auf datenbasierte Logistiklösungen. Sie zeigen, dass der Sprung in die digitale Lieferwelt keine Frage der Größe, sondern des politischen Willens und der strategischen Planung ist. Entscheidend ist, dass alle Akteure – von der Verwaltung über die Wirtschaft bis hin zu den Bürgern – an einem Strang ziehen.

Was alle erfolgreichen Projekte eint: Sie begreifen die Datenautobahn nicht als technisches Gadget, sondern als integralen Bestandteil der Stadtentwicklung. Der Fokus liegt auf Offenheit, Transparenz und der konsequenten Orientierung an den Bedürfnissen der Stadtgesellschaft. So wird aus smarter Logistik ein Motor für urbane Lebensqualität.

Chancen, Risiken und das neue Selbstverständnis der Stadtplanung

Die Integration von Lastenradlogistik und Routing-Algorithmen in die urbane Planung eröffnet enorme Chancen – birgt aber auch Risiken. Auf der Habenseite stehen weniger Emissionen, geringerer Flächenverbrauch, mehr Aufenthaltsqualität und ein Schub für die lokale Wirtschaft. Algorithmen ermöglichen es, Lieferverkehre intelligent zu steuern, Konflikte zu minimieren und Ressourcen effizienter zu nutzen. Sie bieten die Chance, die Stadt als dynamisches, lernendes System zu begreifen, in dem Planung, Betrieb und Beteiligung Hand in Hand gehen.

Doch die Digitalisierung bringt auch neue Herausforderungen mit sich. Die Gefahr der Monopolisierung durch große Plattformanbieter ist real. Wenn wenige Akteure die Datenströme kontrollieren, droht die Logistik zum Spielball kommerzieller Interessen zu werden. Auch algorithmische Verzerrungen sind ein Thema: Wenn die Datenbasis lückenhaft ist oder ungewollte Prioritäten gesetzt werden, entstehen neue Ungleichgewichte – etwa bei der Verteilung von Lieferzeiten oder der Standortwahl für Depots.

Ein weiteres Risiko ist die Entfremdung der Stadtgesellschaft von technischen Entscheidungsprozessen. Planer und Architekten stehen in der Verantwortung, neue Wege der Partizipation zu schaffen und die Funktionsweise algorithmischer Systeme transparent zu machen. Nur so bleibt die Stadtplanung demokratisch und inklusiv.

Für die Stadtentwicklung bedeutet das: Das Selbstverständnis muss sich wandeln. Statt Planung als abgeschlossenes Bauwerk zu begreifen, rückt die permanente Anpassungsfähigkeit in den Mittelpunkt. Die Stadt wird zur Bühne für Experimente, Rückkopplungsschleifen und kontinuierliches Lernen. Wer Routing-Algorithmen als Chance begreift, kann urbane Lieferketten nicht nur steuern, sondern gestalten – und damit auch die Zukunft der Stadtentwicklung aktiv prägen.

Am Ende gilt: Die Datenautobahn ist kein Selbstzweck. Sie ist das Werkzeug, mit dem Städte resilienter, nachhaltiger und lebenswerter werden können. Voraussetzung ist der Mut zur Innovation, die Bereitschaft zur Kooperation – und ein klarer Fokus auf die Bedürfnisse der Stadtgesellschaft.

Fazit: Die Zukunft der urbanen Logistik liegt auf der Datenautobahn – und in den Händen kluger Stadtentwicklung

Lastenradlogistik auf der Datenautobahn ist weit mehr als ein technisches Update für die City-Logistik. Sie ist Ausdruck eines neuen Verständnisses von Stadtplanung, in dem digitale Plattformen, algorithmische Steuerung und nachhaltige Mobilität untrennbar miteinander verwoben sind. Die Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen: Wer Routing-Algorithmen klug integriert, kann nicht nur Lieferketten optimieren, sondern auch die urbane Lebensqualität steigern, Flächenkonkurrenz entschärfen und einen entscheidenden Beitrag zum Klimaschutz leisten.

Doch der Weg ist steinig. Technische Exzellenz allein genügt nicht – gefragt sind politische Weitsicht, planerische Kreativität und die Bereitschaft, alte Zöpfe abzuschneiden. Die Zukunft gehört jenen Städten, die die Datenautobahn als gemeinsamen Raum gestalten – offen, transparent und zum Nutzen aller. Gelingt das, wird die urbane Logistik zum Motor der nachhaltigen Stadtentwicklung. Und das ist weit mehr als ein Algorithmus auf Rädern – es ist der Schlüssel zu einer resilienten, lebenswerten Stadt von morgen.

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Frankfurt Mertonviertel – Wettbewerb entschieden

Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe, Treibhaus und c/o Zukunft
Das neue grüne Herz im Mertonviertel. Copyright: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Sieger*innen des städtebaulichen und freiraumplanerischen Ideenwettbewerbs stehen fest. Am 21. Oktober wählte das Preisgericht einstimmig den Entwurf von Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung.

Ideenwettbewerb „Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee“

Der Ideenwettbewerb zur Zukunft des Mertonviertels in Frankfurt ist entschieden: In seiner Sitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht den ersten Preis einstimmig an den Entwurf der Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus aus Berlin. Auch Treibhaus Landschaftsarchitektur aus Hamburg und c/o Zukunft – Stadtplanung und Stadtentwicklung aus Hamburg gehören zum Gewinnerteam.

Laut der Jury steht der Büro- und Gewerbestandort Mertonviertel im Norden von Frankfurt vor strukturellen Herausforderungen und großen Veränderungen. Der Abbruch des ehemaligen Lurgihauses hat ein großes Potenzial für eine städtebauliche Neuordnung geschaffen. Für den Wettbewerb suchte Planungsdezernent Mike Josef nach Vorschlägen, die die Themen Wohnen, Arbeiten, Bildung, Versorgung, Lebensqualität und Umwelt kombinierten.

Der Siegervorschlag bietet „die beste Lösung für ein vielfältiges und Identifikation stiftendes Quartier nördlich der Lurgiallee“, so Josef. „Durch diese Neuentwicklung wird es auch einen positiven Impuls für das gesamte Mertonviertel als attraktiven und lebendigen Arbeits- und Wohnstandort geben.“

Der Wettbewerb wurde vom Stadtplanungsamt Frankfurt am Main ausgelobt. Die AGB Frankfurt Holding und die gsp Städtebau sind darüber hinaus wesentliche Stakeholder. Die Geschäftsführer beider Institutionen erklärten, dass sie ein neues, urbanes, durchmischtes Stadtquartier mit hoher Lebens- und Aufenthaltsqualität anstreben.

Eine neue Grüne Mitte – Lovely Lurgi

Der Entwurf der Sieger*innen trägt den Titel „Lovely Lurgi – Ein neues Herz für das Mertonviertel“. Er überzeugte die Jury durch die Entwicklung des eigentlichen Baugrundstückes aus den Strukturen und Konzeptvorschlägen für das Viertel. Im Herzen der neuen Entwicklung entsteht ein großzügiger grüner Freiraum, der viele Nutzungsmöglichkeiten und außerdem eine hohe Identitätskraft bietet.

„Lovely Lurgi“ im Mertonviertel sieht eine neue Quartiersmitte vor, die von urbanen Gebäuden umgeben wird. Der grüne Mittelpunkt sowie andere Elemente des Projektes folgen zudem dem „Schwammstadtprinzip“, indem sie vielfältige Regenrückhalte- und Bewirtschaftungsflächen sowie Raum für Bäume mit echtem Bodenanschluss bieten.

Übrigens: Mehr über die Schwammstadt lesen Sie in der November 2021 Sonderausgabe der G+L.

Weitere Besonderheiten des neuen Quartiers sind die räumliche Zonierung mit ausgeprägter Nutzungsmischung sowie die kleinteilige Gestaltung des Stadtraums. Zudem gibt es Platz für eine neue Grundschule. Zu den geplanten Gebäuden gehören darüber hinaus Gewerbeflächen, Einzelhandel, gastronomische Angebote und zwei Kindertagesstätten. Somit soll es gelingen, zwischen dem bestehenden und dem neuen Quartier zu vermitteln.

Die Bürogemeinschaft Teleinternetcafé Architektur und Urbanismus, Treibhaus Landschaftsarchitektur und c/o Zukunft erarbeiteten eine Rahmenplan für das Mertonviertel sowie ein städtebauliches Konzept für das Bebauungsplanverfahren Mertonviertel / Nördlich Lurgiallee. Dabei handelt es sich um eine rund acht Hektar große Fläche. Künftig sollen hier etwa 900 Wohneinheiten nahe der U-Bahn-Station Riedwiesen/Mertonviertel und der Einkaufsgalerie „Merton’s Passage“ entstehen.

Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Der Plan für das neue Lurgi-Areal im Mertonviertel. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Die Preisverleihung

Die Jury war in diesen nichtoffenen städtebaulichen, freiraumplanerischen Ideenwettbewerb auf der Suche nach mutigen Ideen für die Zukunft des Mertonviertels inklusive eines stimmigen Konzeptes für das Gelände des ehemaligen Lurgihauses. Der Wettbewerb bestand dabei aus zwei Bearbeitungsphasen. Ursprünglich hatten sich zwölf qualifizierte Bewerbergemeinschaften aus Stadtplaner*innen sowie Städtebauarchitekt*innen beworben. Davon wählte die Jury am 21. Juli vier Arbeiten für die weitere Bearbeitung aus.

In der zweiten Preisgerichtssitzung am 21. Oktober vergab das Preisgericht neben dem ersten Platz auch drei dritte Preise. Diese gingen gleichrangig an die Bewerbergemeinschaften Karl Richter Architekten BDA, Frankfurt, mit KuBus Freiraumplanung, Wetzlar, Machleidt Städtebau und Stadtplanung, Berlin mit SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten, Berlin sowie Stefan Forster, Frankfurt, mit nsp landschaftsarchitekten stadtplaner PartGmbB schonhoff schadzek depenbrock, Hannover.

Zur Jury gehörten renommierte Architekt*innen, Stadtplaner*innen und Landschaftsarchitekt*innen sowie Vertreter*innen der Stadt Frankfurt. Auch die Eigentümerin des Grundstücks des ehemaligen Lurgihauses, Sachverständige und Vertreter*innen politischer Fraktionen waren vertreten. Bis zum 3. November wurden die Wettbewerbsbeiträge im Atrium des Frankfurter Planungsdezernates ausgestellt.

Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung
Mit dem neuen Entwurf soll das Frankfurt Mertonviertel wieder belebt werden. Visualisierung: Teleinternetcafe Architektur und Urbanismus mit Treibhaus Landschaftsarchitekten und c/o Zukunft Stadtplanung und Stadtentwicklung

Über das Frankfurt Mertonviertel

Das Mertonviertel ist ein Büro- und Wohnquartier im Norden von Frankfurt am Main. Es erhielt seinen Namen in Erinnerung an Wilhelm Merton, Gründer der Metallgesellschaft sowie des Instituts für Gemeinwohl. Dieses war ein Vorläufer der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Das Viertel ist recht neu. Es entstand ab Mitte der 1980er Jahre auf einem Gebiet von etwa 60 Hektar Größe, das bis zum Jahr 1982 zu den Industrieanlagen der früheren Vereinigten Deutschen Metallwerke gehörte. Das Erdreich im Mertonviertel war stark durch Kohlenwasserstoffe sowie Schwermetalle belastet und musste in einem aufwändigen Verfahren gereinigt werden. Dafür gab es eine eigens errichtete Entgiftungsanlage, die parallel zu den Bauarbeiten bis in die frühen 2000er Jahre vor Ort war.

Lurgihaus und Hundertwasser-Kindertagesstätte

Das Lurgihaus war schließlich lange das dominante Gebäude des Quartiers in Frankfurt-Heddernheim. Es entstand im Jahr 1987 als erster Neubau des Mertonviertels. Mit einer Bürofläche von fast 90 000 Quadratmetern gehörte es damals zu den größten Bürogebäuden Deutschlands. Es bestand aus einem viereckigen Hauptgebäude mit sieben stark gegliederten Nebengebäuden. Ursprünglich war es das Hauptquartier der Lurgi AG, einem Unternehmen für Großanlagenbau, und nahm über die Jahre auch weitere Mietparteien auf. 2014 verließ Lurgi das Bürogebäude. Weiteres Gebäude im Mertonviertel ist die Hundertwasser-Kindertagesstätte mit ihrer weithin sichtbaren Kuppel, Bürogebäude und Wohnhäuser. Zeitweise gab es 5 000 Arbeitsplätze in diesem Viertel. In den letzten Jahren nahm die Anzahl an Arbeitsplätzen und Bewohner*innen ab, aber mit dem neuen Entwurf soll das Mertonviertel wieder belebt werden.

Mehr Planung aus der bevölkerungsreichsten Stadt Hessen gibt es mit einem Megaprojekt, das in etwa zehn Jahren fertig sein könnte, hier: Fernbahntunnel Frankfurt.

Easy Going mit der EasyBettung

Abbildung: iStock

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag revolutioniert das Verlegen von Platten und Pflastersteinen.

Wer kennt es nicht: Die Wartezeit, bis ein Produkt fertig zum Verarbeiten ist, frisst oft viele Kapazitäten. So ist es auch in den Abläufen beim Verlegen von Pflaster- und Plattenbelägen in Systembauweise. Doch tubag, die Premiummarke der Sievert SE für den Garten-, Landschafts- und Straßenbau, hat dagegen Abhilfe geschaffen – mit dem ersten drainfähigen Bettungsmörtel überhaupt: der EasyBettung.

Die neue EasyLay-Technologie (ELT) von tubag basiert auf einer neu entwickelten Mörtel- und Bindemittelrezeptur, die nicht angemischt werden muss.  „Weil auf das bisher übliche Anmischen verzichtet werden kann, fällt ein kompletter Arbeitsgang weg. Somit werden die Arbeitsabläufe bedeutend effizienter und die Flächenleistung pro Mitarbeiter steigt an. Das bietet den Unternehmen neue Möglichkeiten bei der Planung, Kalkulation und vor allem auch der Ausführung ihrer Aufträge“, sagt Georg Zimmermann, Produktmanager für Garten-, Landschafts- und Straßenbau bei der Sievert SE. Zur Verdeutlichung: Die Ruhezeit nach dem Wässern des Belages beträgt 36 Stunden. Das bedeutet, dass nicht einmal zwei Tage nach der Erstellung der Flächen die Fugen mit den üblichen Fugenmörteln aus dem tubag-Programm geschlossen werden können.

Die gesamte Anwendung des neuen Produkts ist denkbar einfach. Die EasyBettung wird auf die vorbereitete ungebundene Tragschicht gegeben und nach der höhengerechten Ausnivellierung kurz mit Hilfe eines Wasser-Sprühnebels aktiviert. Um den Haftverbund zwischen Belag und Bettungsmörtel zu optimieren, werden die Platten oder Pflastersteine beim Verlegen an der Unterseite mit der tubag Haftschlämme TNH flex versehen. Das geschieht entweder über die Zahnkelle oder den Vorgang des Eintauchens. Nach dem hammerfesten Einbringen der Platten oder Steine wird der Belag komplett satt gewässert. „Die neuartige EasyLay-Bindemitteltechnologie verfügt über spezielle Leichtzuschläge, die das Saugverhalten so begünstigen, dass die EasyBettung komplett über das Wasser aktiviert wird, das über die Fugen eintritt“, erklärt Endrit Imeri, Entwicklungstechniker Mineralische Mörtelsysteme bei der Sievert Baustoffe. Worauf zu achten ist: Die Fugen müssen dabei mindestens fünf Millimeter breit sein, beim Verlegen von Platten darf die kurze Kantenlänge höchstens 80 Zentimeter betragen.

Welche Vorteile die EasyBettung außerdem hat? Nicht nur zeitlich, auch wirtschaftlich zahlt sich die Verwendung des tubag-Produktes aus: Gegenüber konventionellen Bettungsmörteln punktet die EasyBettung reaktiv mit einem ca. 25 Prozent niedrigeren Materialverbrauch. Alle weiteren Informationen zur Innovation Easy Bettung finden Sie unter www.tubag.de