James Tapscott zeigt in Houston zwei immersive Lichtkunstwerke seiner Arc ZERO-Serie. Die Installation verbindet Wasser, Nebel und Licht zu einer begehbaren Landschaft im öffentlichen Raum. Foto: Studio JT via v2com
James Tapscott zeigt in Houston zwei immersive Lichtkunstwerke seiner Arc ZERO-Serie. Die Installation verbindet Wasser, Nebel und Licht zu einer begehbaren Landschaft im öffentlichen Raum. Foto: Studio JT via v2com

Lichtkunst zwischen Wasser, Raum und Wahrnehmung

Die zeitgenössische Lichtkunst bewegt sich heute weit über klassische Skulptur- oder Objektinstallationen hinaus. Immer häufiger entstehen immersive Landschaften, in denen Licht, Wasser, Nebel und Bewegung zu einem Gesamterlebnis verschmelzen. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich die aktuelle Arbeit des australischen Land- und Lichtkünstlers James Tapscott, der im City Place The Woodlands in Houston zwei großformatige Werke seiner Arc ZERO-Serie erstmals gemeinsam präsentiert.

Die Installation verbindet Kunst und Landschaft auf eine Weise, die nicht nur betrachtet, sondern erlebt wird – ein zentrales Merkmal moderner Lichtkunst im öffentlichen Raum.

Ein Landschaftsraum als Bühne für Lichtkunst

Der Standort selbst ist Teil des künstlerischen Konzepts. City Place ist ein öffentlich zugänglicher, landschaftlich gestalteter Wasser- und Parkraum, der Natur, Infrastruktur und Erholung miteinander verbindet. Innerhalb dieses Settings entfalten die beiden Werke Arc ZERO: Nimbus und Arc ZERO: Eclipse ihre volle Wirkung.

Statt isolierter Kunstobjekte entsteht eine durchgehende räumliche Erfahrung, in der sich Besucher durch verschiedene Atmosphären bewegen. Wasser wird dabei nicht nur als Element genutzt, sondern als aktives Medium der Lichtkunst, das Reflexion, Bewegung und Tiefe erzeugt.

Arc ZERO: Eclipse – Licht als schwebende Geometrie

Arc ZERO: Eclipse ist eine großformatige Halbkreisstruktur, die direkt in einem ruhigen Wasserbecken installiert wurde. Durch die Spiegelung der Wasseroberfläche entsteht visuell ein vollständiger Kreis, der scheinbar schwerelos im Raum schwebt.

Diese Wirkung ist jedoch nicht statisch. Je nach Standpunkt des Betrachters, Windrichtung oder Lichtverhältnissen verändert sich das Bild kontinuierlich. Nebel, der aus der Struktur austritt, bricht die klare Geometrie auf und lässt den Kreis immer wieder neu entstehen.

Damit wird deutlich, wie stark Wahrnehmung in der Lichtkunst von Bewegung und Perspektive abhängt. Das Werk existiert nicht als festes Objekt, sondern als sich ständig verändernder Zustand zwischen Struktur, Wasser und Umgebung.

Nachts verstärken integrierte LED-Lichtsysteme die Wirkung zusätzlich. Die Kreisform beginnt über dem Wasser zu leuchten und erzeugt eine ruhige, fast schwebende Atmosphäre, die sich in der Wasseroberfläche spiegelt und verdoppelt.

Arc ZERO: Nimbus – ein begehbares Lichtfeld

Während Eclipse auf Distanz und Spiegelung basiert, ist Arc ZERO: Nimbus ein Werk der direkten körperlichen Erfahrung. Ein ringförmiges Stahlgerüst ist über einem Boardwalk installiert, durch den Besucher hindurchgehen.

Hier wird Lichtkunst nicht mehr nur betrachtet, sondern physisch erlebt. Der Ring ist von dichtem Nebel durchzogen, der sich ständig verändert, auflöst und neu formt. Windbewegungen beeinflussen die Struktur des Nebels, während Licht ihn in feine Schichten und Farbverläufe zerlegt.

Der entscheidende Unterschied zu klassischen Installationen liegt darin, dass der menschliche Körper Teil des Werks wird. Jeder Schritt verändert die Wahrnehmung des Raums. Sichtbarkeit und Unsichtbarkeit wechseln in Sekundenbruchteilen.

In bestimmten Momenten entstehen haloartige Lichtphänomene, wenn sich Feuchtigkeit und Lichtquellen überlagern. Nachts verstärkt sich dieser Effekt durch warm leuchtende LED-Elemente, die den Nebel wie eine schwebende Materie erscheinen lassen.

Zwei Werke, ein zusammenhängendes System

Obwohl Eclipse und Nimbus formal sehr unterschiedlich sind, bilden sie konzeptionell ein gemeinsames System. Beide Werke beschäftigen sich mit Wasser als Ausgangspunkt – jedoch in unterschiedlichen Aggregatzuständen und Wahrnehmungsebenen.

  • Eclipse fixiert Wasser als Spiegel und erzeugt Stabilität
  • Nimbus löst Wasser in Atmosphäre auf und erzeugt Bewegung
  • Die Landschaft verbindet beide Zustände zu einem kontinuierlichen Erfahrungsraum

In dieser Gegenüberstellung entsteht ein spannender Dialog innerhalb der Lichtkunst: zwischen Form und Auflösung, Distanz und Nähe, Beobachtung und Teilhabe.

Der Besucher entscheidet dabei selbst, wie er sich durch diesen Raum bewegt und welche Perspektive er einnimmt. Die Kunst ist nicht abgeschlossen, sondern entsteht im Moment der Wahrnehmung.

Internationale Relevanz der Arc ZERO-Serie

Die Arc ZERO-Serie wird seit 2009 international gezeigt und zählt zu den bedeutenden Werkgruppen im Bereich der landschaftsbezogenen Lichtkunst. Installationen wurden unter anderem in Asien, Europa, Australien und den USA realisiert und mehrfach ausgezeichnet.

Besonders hervorzuheben sind Auszeichnungen in Kaohsiung und Seoul, die die Serie als wichtigen Beitrag zur Entwicklung zeitgenössischer öffentlicher Kunst im Landschaftsraum bestätigen.

Die aktuelle Installation in Houston ist insofern besonders, als erstmals zwei Varianten der Serie gleichzeitig an einem Ort erfahrbar sind – eine seltene Situation, die den dialogischen Charakter der Werke zusätzlich verstärkt.

Lichtkunst als Landschaftserfahrung

Die Arbeiten von James Tapscott zeigen exemplarisch, wie sich Lichtkunst weiterentwickelt: weg von statischen Objekten hin zu offenen, atmosphärischen Landschaften. Wasser, Nebel und Licht werden dabei zu dynamischen Materialien, die sich ständig verändern und keine feste Form annehmen.

In Houston entsteht so kein klassischer Ausstellungsraum, sondern eine begehbare Landschaft aus Licht, in der Wahrnehmung, Bewegung und Natur untrennbar miteinander verbunden sind.

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Smart Grids und Energieeffizienz: Die Rolle digitaler Netze für urbane Stromversorgung

Mithilfe von IoT, KI und Big Data optimieren Smart Grids den Energieverbrauch in Echtzeit und fördern die Integration erneuerbarer Energien. © Marcin Jozwiak | Unsplash

In einer Welt, in der der Energiebedarf in städtischen Gebieten stetig steigt und gleichzeitig der Druck zur CO₂-Reduktion wächst, werden Smart Grids – intelligente Stromnetze – zu einer Schlüsseltechnologie. Smart Grids verbinden digitale Technologien mit der klassischen Energieinfrastruktur und ermöglichen eine effiziente Steuerung, Überwachung und Anpassung des Energieverbrauchs in Echtzeit. Durch die Integration erneuerbarer Energien, die Nutzung von Echtzeitdaten und die Möglichkeit zur flexiblen Lastverteilung können Smart Grids die Energieversorgung in Städten nachhaltiger und resilienter gestalten.

Fun Fact: Laut einer Studie der International Energy Agency könnten Smart Grids den weltweiten Stromverbrauch bis 2030 um bis zu 10 % senken und den CO₂-Ausstoß deutlich reduzieren.

Technologische Grundlagen: IoT, Big Data, KI und Sensorik

Die effiziente Funktion eines Smart Grids basiert auf verschiedenen digitalen Technologien, die in Echtzeit miteinander interagieren und Daten austauschen.

Internet of Things (IoT)

Das Internet of Things spielt eine zentrale Rolle in Smart Grids, indem es Sensoren, Messgeräte und Geräte in Haushalten und Unternehmen miteinander vernetzt. Diese Sensoren messen den Energieverbrauch und leiten die Daten an das zentrale Netzmanagement weiter.

Big Data und Datenanalysen

Big Data ermöglicht die Verarbeitung und Analyse riesiger Mengen an Energiedaten. Diese Informationen helfen, Verbrauchsmuster zu erkennen, den Energiebedarf zu prognostizieren und das Netz entsprechend zu optimieren.

Künstliche Intelligenz (KI)

KI-Algorithmen analysieren die Daten aus dem Netz und können prädiktive Modelle erstellen, um den Energiebedarf vorherzusagen und Störungen frühzeitig zu erkennen. KI hilft dabei, das Lastmanagement zu verbessern und die Netzstabilität zu gewährleisten.

Sensorik und Smart Meter

Smart Meter und Sensoren überwachen den Energieverbrauch in Echtzeit und übermitteln die Daten an das Netzmanagement. Sie sind entscheidend für die Transparenz des Energieverbrauchs und ermöglichen den Nutzer*innen eine bessere Kontrolle über ihren Stromverbrauch.

Praxisbeispiel: In Amsterdam verwendet das Smart Grid IoT-Sensoren und Smart Meter, um den Energieverbrauch in Echtzeit zu überwachen und die Energieverteilung effizienter zu gestalten.

Anwendungsbereiche von Smart Grids in urbanen Gebieten

Smart Grids bieten vielfältige Möglichkeiten, um die städtische Energieversorgung effizienter und umweltfreundlicher zu gestalten.

Lastmanagement und Nachfrageanpassung

Durch Lastmanagement können Smart Grids den Energieverbrauch in Zeiten hoher Nachfrage regulieren und Energieüberschüsse in Zeiten niedriger Nachfrage speichern. Dies reduziert das Risiko von Überlastungen und hilft, die Netzstabilität zu gewährleisten.

Integration erneuerbarer Energien

Smart Grids erleichtern die Integration erneuerbarer Energien wie Solar- und Windenergie. Durch die flexible Anpassung des Netzes können schwankende Einspeisungen aus erneuerbaren Quellen effizient ins Netz integriert werden.

Unterstützung der Elektromobilität

Mit der zunehmenden Verbreitung von Elektrofahrzeugen steigt der Bedarf an Ladestationen. Smart Grids ermöglichen das dynamische Lastmanagement und die Steuerung der Ladestationen, um das Netz vor Überlastungen zu schützen.

Gebäudeenergie-Management

In modernen Gebäuden können Smart Grids die Energieversorgung intelligent steuern. Heizungen, Beleuchtungen und Klimaanlagen können so gesteuert werden, dass sie möglichst wenig Energie verbrauchen, ohne den Komfort zu beeinträchtigen.

Beispiel aus der Praxis: In Barcelona wird das Smart Grid zur Steuerung der öffentlichen Straßenbeleuchtung verwendet, sodass die Lampen bei Bedarf gedimmt oder ausgeschaltet werden, um Energie zu sparen.

Vorteile der Smart Grids für Energieeffizienz

Der Einsatz von Smart Grids bietet zahlreiche Vorteile für Städte, Unternehmen und Privatpersonen.

Optimierter Energieverbrauch und Kostenersparnis

Smart Grids ermöglichen eine effizientere Nutzung der Energie, was zu geringeren Kosten führt. Verbraucher können ihren Energieverbrauch in Echtzeit überwachen und den Verbrauch in teuren Spitzenzeiten reduzieren.

Reduktion von CO₂-Emissionen

Durch die Integration erneuerbarer Energien und die Möglichkeit, den Energieverbrauch besser zu steuern, können Smart Grids die CO₂-Emissionen deutlich senken und so zur Nachhaltigkeit beitragen.

Höhere Netzstabilität und Zuverlässigkeit

Mit prädiktiven Analysen und Echtzeitüberwachung können potenzielle Störungen frühzeitig erkannt und Netzüberlastungen vermieden werden. Dies sorgt für eine höhere Netzstabilität und Versorgungssicherheit.

Förderung der Energieunabhängigkeit

Smart Grids fördern die Eigenproduktion und den Eigenverbrauch von Energie, etwa durch Solaranlagen auf Wohngebäuden. Überschüssige Energie kann gespeichert oder ins Netz eingespeist werden, was die Abhängigkeit von großen Energieanbietern reduziert.

Expertenmeinung: Laut einer Studie von PwC könnten Städte durch den Einsatz von Smart Grids ihre Energiekosten um bis zu 20 % senken und gleichzeitig die Versorgungssicherheit verbessern.

Herausforderungen und Risiken

Trotz ihrer Vorteile bringt die Implementierung von Smart Grids auch Herausforderungen und Risiken mit sich.

Infrastrukturkosten und technologische Anforderungen

Der Aufbau und die Wartung der Smart-Grid-Infrastruktur sind kostspielig. Sensoren, Smart Meter und digitale Netzleittechnik erfordern hohe Investitionen, die für kleinere Städte eine finanzielle Belastung darstellen können.

Datensicherheit und Datenschutz

Smart Grids sammeln große Mengen an Daten über den Energieverbrauch der Nutzer*innen. Der Schutz dieser Daten ist entscheidend, um Missbrauch zu verhindern und die Privatsphäre der Nutzer*innen zu wahren.

Technische Komplexität und Wartungsaufwand

Die Einführung und Wartung eines Smart Grids erfordert technisches Know-how und qualifiziertes Personal. Es ist notwendig, dass Städte über die nötigen Ressourcen verfügen, um das System langfristig zu betreiben.

Akzeptanz bei der Bevölkerung

Nicht alle Bürger*innen sind mit der Nutzung digitaler Technologien im Energiebereich vertraut. Eine transparente Kommunikation über die Vorteile und den Schutz ihrer Daten ist entscheidend, um die Akzeptanz zu fördern.

Expertenmeinung: Laut einer Umfrage der Smart Cities Council betrachten 35 % der Städte die hohen Infrastrukturkosten und 30 % die Datensicherheit als die größten Herausforderungen bei der Einführung von Smart Grids.

Praxisbeispiele: Erfolgreiche Smart-Grid-Projekte weltweit

Amsterdam: Smart City-Initiative

In Amsterdam werden IoT und Smart Meter genutzt, um den Energieverbrauch in Echtzeit zu überwachen und die Energieverteilung effizient zu gestalten. Das Smart Grid unterstützt auch die Integration von Solarenergie und Elektrofahrzeugen.

Barcelona: Intelligente Straßenbeleuchtung

Barcelona nutzt Smart Grids zur Steuerung der öffentlichen Straßenbeleuchtung. Die Lampen können je nach Bedarf gedimmt oder ausgeschaltet werden, was die Energiekosten und Emissionen der Stadt reduziert.

San Diego: Lastmanagement und Energieeffizienz

In San Diego ermöglicht das Smart Grid das Lastmanagement und die Integration erneuerbarer Energien. Haushalte können ihren Energieverbrauch überwachen und den Eigenverbrauch optimieren, was die Nachhaltigkeit der Stadt fördert.

Zukunftsperspektiven: Integration von KI, Blockchain und dezentralen Energiequellen

Die Weiterentwicklung der Smart-Grid-Technologie eröffnet neue Möglichkeiten, um die Energieversorgung in Städten noch nachhaltiger zu gestalten.

  1. Künstliche Intelligenz (KI): KI kann Verbrauchsdaten analysieren, um präzisere Vorhersagen über den Energiebedarf zu erstellen und den Netzbetrieb zu optimieren.
  2. Blockchain: Blockchain bietet eine sichere Möglichkeit, den Energiefluss zu überwachen und Energiehandelstransaktionen zwischen Produzenten und Verbrauchern zu verifizieren.
  3. Dezentrale Energiequellen: Smart Grids könnten die Integration dezentraler Energiequellen wie Solaranlagen und Windkraftanlagen fördern, die in lokalen Gemeinschaften genutzt werden.
  4. Demand Response (Nachfrageflexibilisierung): Nutzer*innen könnten Anreize erhalten, ihren Energieverbrauch in Zeiten hoher Nachfrage zu reduzieren und so zur Stabilität des Netzes beizutragen.

Zukunftsausblick: In einem Pilotprojekt in Tokio wird Blockchain verwendet, um den Peer-to-Peer-Handel von überschüssiger Solarenergie zwischen Haushalten zu ermöglichen, was die Unabhängigkeit und Nachhaltigkeit der lokalen Gemeinschaften stärkt.

Smart Grids als Fundament für eine nachhaltige und effiziente städtische Stromversorgung

Smart Grids bieten Städten eine innovative Lösung, um den Energieverbrauch zu optimieren, Emissionen zu reduzieren und die Netzstabilität zu erhöhen. Durch die Kombination von IoT, KI, Big Data und dezentralen Energiequellen können Städte eine nachhaltigere und resiliente Energieversorgung schaffen. Trotz Herausforderungen wie Infrastrukturkosten und Datenschutz zeigt sich, dass Smart Grids das Potenzial haben, die Energiezukunft städtischer Gebiete entscheidend zu prägen und die Klimaziele zu erreichen.

Abschließender Gedanke: Smart Grids sind mehr als nur eine technologische Innovation – sie sind der Schlüssel zu einer umweltfreundlicheren und effizienteren Energieversorgung in urbanen Räumen. Mit der richtigen Strategie und Technologie könnten Städte ihre Energieversorgung revolutionieren und die Lebensqualität ihrer Bürger*innen steigern.

Weiterlesen: Kaufhaus-Umnutzung: Neue Chancen für Innenstädte

„Viele sagen, der Landschaftspark Wiese sei der schönste Ort in der Region.“

die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. © Saskia Scherer

Die meisten Bewohnerinnen und Bewohner kennen ihn unter dem Namen „Lange Erlen“, andere bezeichnen ihn als das ehemalige Landesgartenschaugelände. Dabei hat dieser Park, der im Basler Rheinknie Deutschland mit der Schweiz verbindet, einen so viel schöneren Namen: Landschaftspark Wiese, nach dem gleichnamigen Fluss, der ihn durchfließt. Das Besondere an dem Park: Er liegt sowohl auf deutschem als auch auf Schweizer Grund. Und er ist Schauplatz der IBA Basel, die sich seit mehr als zehn Jahren erfolgreich für grenzüberschreitende Projekte im Dreiländereck Deutschland-Frankreich-Schweiz engagiert. Wir wollten mehr über diesen Landschaftspark erfahren und haben uns deshalb mit dem Hauptranger Yannick Bucher unterhalten.

Yannick Bucher, gemeinsam mit zwei deutschen Kollegen, arbeiten Sie seit Februar 2019 als Ranger im Landschaftspark Wiese. Wie dürfen wir uns Ihren Job vorstellen?
Die Hauptaufgabe von unserem Rangerdienst ist die Information, die Vermittlung und die Sensibilisierung im Landschaftspark Wiese. Letzteres bedeutet insbesondere, dass wir dafür Sorge tragen, dass die Besucherinnen und Besucher sich im Großen und Ganzen an die Regeln halten. Wir sorgen für ein positives miteinander zwischen Besuchern und Akteurinnen, im Gebiet wird das Trinkwasser der Region gewonnen und Landwirtschaft betrieben. Rangerdienste sind typisch für Nationalparks und auch einigermaßen typisch für Naturschutzgebiete. Eher speziell ist es, dass wir mit dem Landschaftspark Wiese in einem Gebiet tätig sind, das nicht nur reines Naturschutzgebiet ist. Denn hier gibt es auch andere Nutzungen wie Sportanlagen, Tierheime und Schrebergärten.

„Der Rangerdienst ist eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese.“

Besonders am Rangerdienst im Landschaftspark Wiese ist aber auch, dass er binational aufgestellt ist.
Absolut richtig. Der Landschaftspark an sich ist binational. Da liegt es natürlich nahe, dass auch der dortige Rangerdienst binational aufgestellt ist, dass dieser im ganzen Park unterwegs ist und sich nicht an die Grenzen halten muss. Die Agglomeration Basel ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen und die Freizeitaktivitäten haben sich aufgrund flexiblerer Arbeitszeiten ziemlich verändert. Damit stieg auch der Druck auf die lokalen Naherholungsgebiete. Den Rangerdienst hat man dann vor gut einem Jahr eingeführt, um dem zunehmenden Nutzungsdruck etwas entgegenzusetzen. Deswegen sind wir nicht nur Aufsichtsorgan, sondern haben ebenso auch Vermittlungsaufgaben inne. Und diese sind auch nötig.
Die Corona Pandemie hat den Effekt noch verstärkt: Wir hatten bereits vorher viele Besucherinnen und Besucher im Park. Die Besucherzahlen während des Lockdowns lagen weit über den normalen. Das zeigt, wie wichtig der stadtnahe grüne Erholungsraum für die Region ist.

Das kann ich mir vorstellen. Wie sieht diese Vermittlung, von der Sie gesprochen haben, konkret aus?
Wir bieten Führungen und organisieren auch Infotische. Wir versuchen dafür zu sensibilisieren, was in dem Raum passiert, wie die Trinkwassergewinnung und wie die Landwirtschaft im Park funktionieren. Wir bringen die Themen auf den Tisch, die man als Stadtbewohner wenig erleben kann, und vermitteln diese.

Wie ist der Rangerdienst organisiert?
Insgesamt haben wir drei Auftraggeber: die Stadt Weil am Rhein, die Gemeinde Riehen und den Kanton Basel-Stadt. Ich bin bei der Umweltberatungsfirma „Hintermann & Weber AG“ angestellt, die den Auftrag von der Stadt Basel erhalten hat und meine beiden deutschen Partner sind beim Trinationalen Umweltzentrum (TRUZ) beschäftigt.

Welche Maßnahmen hat man in den vergangenen Jahren im Rahmen der IBA Basel umgesetzt und welche sind noch geplant?
Wir selber, also der Rangerdienst, sind eine der zentralen Maßnahmen vom IBA Projekt Landschaftspark Wiese. Uns gibt es wie gesagt seit einem Jahr. Zudem ist für den Park eine einheitliche Beschilderung geplant, die an den Eingängen über den Park informiert, welche Möglichkeiten zur Erholung bestehen, aber auch, welche Auflagen daran gekoppelt sind: dass man Feuer nur in den Grillstellen machen darf und dass man seinen Müll mitnimmt etc. Die Basic-Regeln eben. Außerdem wird es im Park künftig einen Themenpfad geben, der die Themen Trinkwassergewinnung, Tiere und Pflanzen, aber auch die historische Entwicklung aufzeigt.

Die größte Maßnahme ist aber „Wiese vital“, richtig?
Genau, im Zuge einer Volksinitiative in der Schweiz hat das baselstädtische Stimmvolk beschlossen, auf dem ganzen Abschnitt auf Schweizer Boden den Fluss Wiese zu revitalisieren und zu renaturieren. Der untere Teil ist bereits revitalisiert, für den anderen Teil arbeitet man aktuell ein Bauprojekt aus. Das Ziel: Der Fluss soll wieder natürlicher fließen und mehr Platz haben.

Sie sind jetzt knapp 1,5 Jahre dabei. Was denken Sie, reichen die Bemühungen vor Ort aus, um den Landschaftspark Wiese langfristig vor dem Nutzungsdruck zu schützen?
Den wichtigsten Schritt hat man meiner Meinung nach mit dem Landschaftsrichtplan gemacht. Die Fläche kann nun nicht mehr überbaut werden und darüber bin ich froh. Mit sanften Mitteln ist man nun dran, den Erholungsraum des Parks zu schützen. Mit Beschilderungen, gezielter Information oder auch durch uns, dem Rangerdienst. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg. Das gleiche Feedback erhalten wir auch aus der Bevölkerung. Das Interesse am Gebiet wächst und das, was wir machen, wird geschätzt. Viele Besucher sagen, der Landschaftspark sei der schönste Ort in der Region. Und es kommen auch immer wieder Besucher, die fragen, wie sie helfen können, die etwas für das Gebiet tun wollen. Das alles zusammen stimmt mich sehr optimistisch.

Warum wir eine IBA-Basel-Serie gestartet haben? Das lesen Sie hier.

Sämtliche Beiträge zur IBA Basel 2020 finden Sie hier.