Low-Tech-Resilienz – Bau- und Stadtstrategien ohne High-End-Technologie

Zwei moderne Häuser als Beispiel für Low-Tech-Resilienz in Architektur und Stadtplanung.
Zwei zeitgenössische Wohnhäuser zeigen, wie nachhaltiges Bauen ohne High-End-Technologie funktioniert.

Low-Tech-Resilienz klingt zunächst wie ein Widerspruch in einer Welt, die sich gierig an High-End-Digitalisierung und smarte Innovationen klammert. Doch gerade jetzt, wo Städte vor Klimakrisen, Ressourcenmangel und Systemüberlastung stehen, zeigt sich: Die Zukunft der Resilienz liegt nicht nur in der Cloud, sondern oft ganz bodenständig im Analogen, im Einfachen und im Robust-Pragmatischen. Wie können wir Siedlungen, Quartiere und öffentliche Räume so denken, dass sie auch dann funktionieren, wenn das High-Tech-Versprechen an seine Grenzen stößt?

  • Was Low-Tech-Resilienz ist und warum sie im urbanen Kontext an Aktualität gewinnt
  • Konkrete Strategien im Städtebau und in der Architektur, die ohne High-End-Technologie auskommen
  • Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz: Erfolgreiche Projekte und Leuchttürme
  • Die Rolle von Materialwahl, Bauweisen und traditionellen Techniken im Kontext der Nachhaltigkeit
  • Wie Low-Tech-Ansätze systemische Robustheit gegenüber Krisen stärken
  • Die Wechselwirkung zwischen Low-Tech-Prinzipien und partizipativer Stadtentwicklung
  • Risiken und Herausforderungen: Wann Low-Tech an seine Grenzen stößt
  • Praktische Umsetzungstipps für Planer, Kommunen und Architekten
  • Warum Low-Tech-Resilienz kein Rückschritt, sondern ein Innovationsmotor ist
  • Fazit: Die Stadt der Zukunft als Symbiose aus Hightech und Low-Tech – mit klarem Fokus auf das Wesentliche

Low-Tech-Resilienz: Begriff, Bedeutung und Relevanz im urbanen Kontext

Low-Tech-Resilienz ist ein Begriff, der auf den ersten Blick altmodisch oder gar romantisch wirken mag. Doch unter der Oberfläche steckt ein hochaktueller, brisanter Ansatz für Stadtplaner, Architekten und Kommunen. Low-Tech bedeutet in diesem Zusammenhang nicht Verzicht auf Fortschritt, sondern eine intelligente Reduktion auf das Wesentliche. Es geht um technologische Einfachheit, um Systeme, die auch ohne digitale Steuerung und hochkomplexe Infrastruktur funktionieren. Resilienz wiederum beschreibt die Widerstandsfähigkeit gegenüber Störungen – seien es Extremwetterlagen, Energiekrisen oder Systemausfälle. Die Verbindung beider Begriffe beschreibt also Strategien, wie Städte und Gebäude robuster und unabhängiger werden, indem sie auf einfache, bewährte Prinzipien setzen.

Die Relevanz von Low-Tech-Resilienz hat sich in den letzten Jahren dramatisch erhöht. Während große Städte sich mit Smart-City-Konzepten und Echtzeit-Datensteuerung brüsten, zeigen Krisen wie Stromausfälle, Dürren oder Lieferkettenprobleme, dass High-End-Lösungen nicht immer die letzte Rettung sind. Vielmehr stehen Planer und Kommunen vor der Aufgabe, Systeme zu schaffen, die auch dann funktionieren, wenn digitale Steuerung ausfällt oder Ressourcen knapp werden. Low-Tech-Resilienz bietet hier einen robusten Gegenentwurf zur ausschließlichen Technologisierung.

Im städtischen Kontext umfasst Low-Tech-Resilienz ein breites Spektrum: Von der Gebäudeplanung über die Materialwahl bis hin zur Freiraumgestaltung und Mobilität. Es geht um passive Klimastrategien, um natürliche Belüftung, Verschattung und Regenwassermanagement, aber auch um partizipative Prozesse und lokale Wertschöpfung. Besonders Städte in Deutschland, Österreich und der Schweiz entdecken das Potenzial traditioneller Bauweisen und urbaner Robustheit neu – nicht als Nostalgie, sondern als kluge Antwort auf die Herausforderungen der Gegenwart.

Technisch gesehen setzt Low-Tech-Resilienz auf Reduktion von Komplexität. Das bedeutet nicht, dass moderne Technologien kategorisch abgelehnt werden, sondern dass deren Einsatz kritisch hinterfragt und auf das Notwendige beschränkt wird. Ein Gebäude, das zum Beispiel auf natürliche Luftzirkulation, dicke Wände und kluge Grundrissgestaltung setzt, ist weniger abhängig von Lüftungstechnik, Sensorik und digitaler Steuerung – und damit widerstandsfähiger gegen Ausfälle und Störungen. Ähnliches gilt für die Stadt: Systeme, die auf lokaler Kreislaufwirtschaft, Regenwasserversickerung und multifunktionaler Grünstruktur basieren, sind weniger anfällig für Systemschocks.

Die Bedeutung von Low-Tech-Resilienz wird besonders dann deutlich, wenn man die Risiken der ausschließlichen Fokussierung auf High-Tech betrachtet. Digitale Steuerungen können gehackt, Software kann veralten, Ersatzteile können fehlen. Wer ausschließlich auf smarte Systeme setzt, baut Verwundbarkeiten ein. Low-Tech-Resilienz bedeutet hingegen, die Grundfunktionen des urbanen Lebens auch dann aufrechtzuerhalten, wenn die Technik versagt – und das ist letztlich die Voraussetzung für eine wirklich nachhaltige Stadtentwicklung.

Strategien, Prinzipien und Bauweisen für resilienten Low-Tech-Städtebau

Effektive Low-Tech-Resilienz im Städtebau basiert auf einer Vielzahl strategischer Ansätze, die sich sowohl auf Gebäude als auch auf den Stadtraum übertragen lassen. Ein zentrales Prinzip ist die Passivierung von Funktionen. Das bedeutet, dass Gebäude und Freiräume so entworfen werden, dass sie möglichst viele ihrer Aufgaben ohne aktive Technik erfüllen. Ein Klassiker ist die passive Kühlung: Dicke Wände aus Massivholz oder Lehm, intelligente Verschattung durch Dachüberstände oder Laubengänge und gezielte Anordnung von Öffnungen sorgen dafür, dass Innenräume auch an heißen Tagen angenehm temperiert bleiben – ganz ohne Klimaanlage. Der Effekt: Energieeinsparung, geringere Abhängigkeit von externer Versorgung und höhere Ausfallsicherheit.

Auch die Materialwahl spielt eine herausragende Rolle. Robuste, langlebige und lokal verfügbare Materialien wie Holz, Ziegel, Naturstein oder Lehm sind nicht nur ökologisch vorteilhaft, sondern auch im Sinne der Resilienz unschlagbar. Sie altern würdevoll, lassen sich reparieren und benötigen keine hochspezialisierten Handwerker oder Ersatzteile aus fernen Ländern. Insbesondere in ländlichen Räumen, aber zunehmend auch im urbanen Kontext, erleben traditionelle Bauweisen eine Renaissance. Dabei geht es nicht um die Rückkehr zur guten alten Zeit, sondern um eine intelligente Synthese aus alten Erfahrungen und aktuellen Anforderungen.

Ein weiterer Schlüssel zur Low-Tech-Resilienz liegt in der Multifunktionalität von Stadtstrukturen. Flächen, die mehrere Aufgaben erfüllen – zum Beispiel Grünanlagen, die als Regenwasserspeicher, Aufenthaltsraum und Biodiversitäts-Hotspot dienen – erhöhen die Robustheit des Gesamtsystems. Ähnliches gilt für Gebäude: Flexible Grundrisse, nachrüstbare Strukturen und modulare Bauweisen erlauben Anpassungen an veränderte Nutzungen oder klimatische Bedingungen, ohne dass aufwendige technische Nachrüstungen nötig werden. Hier zeigt sich, dass Low-Tech keineswegs starr oder rückschrittlich ist, sondern vielmehr eine Grundlage für Anpassungsfähigkeit schafft.

Auch im Bereich der Energieversorgung und -nutzung kommt Low-Tech-Resilienz zum Tragen. Solare Ausrichtung von Gebäuden, thermische Speicher, dezentrale Energieversorgung und einfache Windkraftlösungen können städtische Quartiere unabhängiger von zentralisierten Netzen und Preisschwankungen machen. Die Kopplung mit gemeinschaftlicher Nutzung – etwa in Form von Energiegenossenschaften – schafft nicht nur technische, sondern auch soziale Resilienz. Hier verschwimmen die Grenzen zwischen Technik, Architektur und Stadtgesellschaft.

Nicht zuletzt ist die Rückbesinnung auf Low-Tech oft auch eine Einladung zur Teilhabe. Systeme, die von Bewohnern verstanden, genutzt und gewartet werden können, fördern die Identifikation mit dem eigenen Lebensumfeld. Wenn ein urbanes Gartenprojekt nicht nur digital gesteuert, sondern von Nachbarn gemeinschaftlich bewirtschaftet wird, entsteht ein ganz anderer Bezug zu Ressourcenkreisläufen und Stadtökologie. Low-Tech fördert damit nicht nur Resilienz im technischen Sinne, sondern auch im sozialen Gefüge der Stadt.

Best-Practice: Projekte und Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum

Ein Blick auf konkrete Projekte im deutschsprachigen Raum zeigt, wie vielfältig und innovativ Low-Tech-Resilienz heute interpretiert und umgesetzt wird. Ein herausragendes Beispiel ist das Stadthaus „Korkenzieher“ in Zürich, das konsequent auf passive Energiestrategien, natürliche Belüftung und massive Holzbauweise setzt. Die Architekten entschieden sich bewusst gegen eine aufwendige Haustechnik, sondern planten dicke Außenwände, flexible Fensteröffnungen und ein ausgeklügeltes Lüftungskonzept. Das Gebäude bleibt auch während Hitzewellen kühl, ohne auf Klimaanlagen oder smarte Steuerungen angewiesen zu sein. Gleichzeitig ist es extrem wartungsarm und langlebig – ein Paradebeispiel für gelebte Low-Tech-Resilienz.

Auch im städtebaulichen Maßstab gibt es bemerkenswerte Beispiele. Die Genossenschaftssiedlung „Kalkbreite“ in Zürich setzt auf eine Kombination aus einfacher Bauweise, gemeinschaftlichen Infrastrukturen und einer klugen Mischung aus Wohnen, Arbeiten und öffentlichem Raum. Der zentrale Innenhof fungiert als Regenwasserrückhalt und Mikroklima-Puffer, während die Gebäudehüllen durch Verschattung und natürliche Belüftung auf technische Klimatisierung verzichten können. Die Siedlung ist so konzipiert, dass sie autark funktioniert – auch dann, wenn das öffentliche Netz einmal ausfällt.

In Deutschland zeigt das preisgekrönte Projekt „Holzhaus Linse“ in Berlin, wie Low-Tech-Resilienz im sozialen Wohnungsbau funktionieren kann. Hier wurden vorgefertigte Holzelemente, einfache Grundrisse und flexible Raumkonzepte kombiniert. Auf teure Smart-Home-Infrastruktur wurde verzichtet, dafür investierte man in robuste Materialien und eine verständliche Gebäudetechnik. Die Bewohner können viele Wartungs- und Reparaturarbeiten selbst übernehmen – was gerade in Krisenzeiten von unschätzbarem Wert ist.

Ein weiteres inspirierendes Beispiel ist die Quartiersentwicklung „Seestadt Aspern“ bei Wien. Hier wurde ein ganzes Stadtquartier nach Low-Tech-Prinzipien entworfen: Großzügige Grün- und Wasserflächen dienen nicht nur der Erholung, sondern auch als Retentionsraum bei Starkregen. Die Gebäude sind nach dem Passivhausstandard errichtet, die Mobilität basiert auf kurzen Wegen und Fahrradfreundlichkeit. Besonders bemerkenswert: Die Stadt Wien hat bewusst auf eine zentrale „smarte“ Steuerung verzichtet und setzt stattdessen auf robuste, wartungsarme Infrastrukturen. Die Seestadt ist damit ein Modell für resiliente, zukunftsfähige Quartiere – ohne High-End-Technologie.

Auch kleinere Gemeinden gehen voran: In Vorarlberg entstehen immer mehr öffentliche Gebäude, die auf lokale Baustoffe, traditionelle Handwerkstechniken und möglichst einfache Haustechnik setzen. Die Kombination aus regionaler Wertschöpfung, kurzen Lieferwegen und verständlicher Technik macht diese Bauten besonders resilient – und sorgt dafür, dass sie auch in zwanzig oder fünfzig Jahren noch problemlos nutzbar und wartbar sind. Der Low-Tech-Ansatz fördert nicht nur die Umweltbilanz, sondern auch das lokale Handwerk und die soziale Nachhaltigkeit.

Systemische Robustheit durch Low-Tech: Vorteile, Grenzen und Wechselwirkungen

Low-Tech-Resilienz bietet zahlreiche systemische Vorteile für Städte und Quartiere. Der vielleicht wichtigste: Sie reduziert die Abhängigkeit von externen Ressourcen und hochspezialisierten Systemen. Wenn Belüftung, Beschattung, Energieversorgung und Wasserhaushalt auf einfachen, robusten Prinzipien beruhen, sind Städte weniger verwundbar gegenüber Ausfällen, Krisen und Unwägbarkeiten. Gleichzeitig entstehen deutliche Kostenvorteile – in Bau, Betrieb und Instandhaltung. Was nicht digitalisiert ist, kann nicht gehackt, nicht falsch programmiert oder nicht durch Software-Updates unbrauchbar gemacht werden.

Ein weiterer Vorteil ist die hohe Reparaturfreundlichkeit. Low-Tech-Lösungen können von lokalen Handwerkern, Hausmeistern oder den Bewohnern selbst instand gehalten werden. Das fördert nicht nur die Identifikation mit dem eigenen Lebensumfeld, sondern stärkt auch die lokale Wirtschaft und das Wissen um grundlegende Bau- und Versorgungstechniken. Gerade im Zeichen der Kreislaufwirtschaft gewinnt dieser Aspekt immer größere Bedeutung: Wer weiß, wie man ein Fenster repariert oder eine Regenwasserzisterne wartet, ist unabhängig von globalen Lieferketten und Herstellerkartellen.

Allerdings hat Low-Tech-Resilienz auch ihre Grenzen. Nicht alle urbanen Herausforderungen lassen sich mit simplen Mitteln lösen. Großstädte mit hohem Dichtegrad stoßen bei Passivstrategien an physikalische Grenzen. Auch die Integration erneuerbarer Energien oder die Steuerung komplexer Verkehrssysteme profitieren durchaus von digitaler Unterstützung. Die Kunst besteht darin, die Balance zu finden: High-End-Technologien dort einzusetzen, wo sie wirklich gebraucht werden – und Low-Tech-Prinzipien als Rückgrat der Daseinsvorsorge zu verankern.

Eine zentrale Wechselwirkung besteht zudem zwischen Low-Tech-Resilienz und partizipativer Stadtentwicklung. Systeme, die verständlich und zugänglich sind, fördern die Beteiligung der Stadtgesellschaft. Bürger können sich direkt einbringen, Verantwortung übernehmen und eigene Initiativen entwickeln. Das stärkt nicht nur das soziale Gefüge, sondern auch die Anpassungsfähigkeit der Stadt an sich verändernde Bedingungen. Low-Tech wird so zum Motor für urbane Innovation, die von unten wächst – nicht von oben verordnet wird.

Schließlich bietet Low-Tech-Resilienz auch einen wichtigen Beitrag zur Klimaanpassung. Viele passive Strategien zielen darauf ab, Hitze, Trockenheit oder Starkregen abzumildern – und das ohne aufwändige Technik. Gründächer, Verschattungssysteme, offene Versickerungsflächen und adaptive Pflanzkonzepte machen Städte widerstandsfähiger gegenüber Extremwetter. Die Erfahrung zeigt: Je einfacher und robuster die Lösungen, desto besser funktionieren sie in der Praxis – besonders dann, wenn es darauf ankommt.

Low-Tech-Resilienz als Innovationsmotor: Ausblick und Handlungsempfehlungen

Wer jetzt denkt, Low-Tech-Resilienz sei nur ein romantisches Nischenphänomen für Traditionalisten, liegt grundlegend falsch. Vielmehr entwickelt sich das Thema zum Innovationsmotor für nachhaltige, zukunftsfähige Stadtentwicklung. Die kluge Verbindung aus bewährten Techniken und neuen Anforderungen eröffnet ein enormes Potenzial für kreative Lösungen – weit abseits von Technikkult und Smart-City-Hype. Stadtplaner, Architekten und Kommunen sind heute mehr denn je gefordert, Low-Tech nicht als Rückschritt, sondern als strategische Ressource zu begreifen.

Ein erster Handlungsschritt: Bereits in den frühen Planungsphasen sollte geprüft werden, welche Funktionen eines Gebäudes oder Quartiers passiv, robust und wartungsarm gelöst werden können. Das reicht von der Ausrichtung der Baukörper über die Materialwahl bis hin zur Gestaltung von Freiflächen und Infrastruktur. Je früher Low-Tech-Prinzipien in die Planung einfließen, desto wirksamer entfalten sie ihre Vorteile.

Zweitens lohnt sich ein Blick auf die lokale Wertschöpfung: Regionale Baustoffe, kurze Lieferwege und traditionsreiche Handwerkstechniken machen Projekte nicht nur resilienter, sondern fördern auch die Identifikation der Nutzer mit ihrem Umfeld. Das ist kein Plädoyer für museale Rückwärtsgewandtheit, sondern für eine nachhaltige Baukultur, die Zukunft und Herkunft intelligent verbindet.

Drittens empfiehlt sich ein Umdenken bei der Projektkommunikation. Low-Tech-Resilienz wirkt am besten, wenn sie von den Menschen getragen und verstanden wird. Architektur und Städtebau sollten deshalb nicht nur gebaut, sondern auch erklärt werden. Informationsangebote, Mitmachaktionen und offene Werkstätten können dazu beitragen, das Wissen um Low-Tech-Prinzipien in der Stadtgesellschaft zu verankern.

Und schließlich gilt es, den Mut zu haben, auch mal auf High-End-Technik zu verzichten. Planer und Kommunen sollten sich regelmäßig fragen: Was passiert, wenn der Strom ausfällt, die Software streikt oder die Lieferkette reißt? Die Antwort sollte lauten: Die Grundfunktionen des Quartiers und der Gebäude bleiben trotzdem erhalten. Erst dann ist echte Resilienz erreicht – und die Stadt wirklich zukunftsfähig.

Fazit: Die Zukunft der Stadt liegt im robusten Miteinander von Low-Tech und Hightech

Low-Tech-Resilienz ist weit mehr als eine nostalgische Sehnsucht nach Einfachheit. Sie ist ein strategisches Konzept für Städte, die sich wappnen wollen gegen die Unsicherheiten der Gegenwart und Zukunft. Die Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen: Es geht nicht um Verzicht, sondern um kluge Reduktion, um die Konzentration auf das Wesentliche. Low-Tech-Strategien erhöhen die Robustheit, senken die Kosten, fördern die Teilhabe und machen Städte und Gebäude fit für die Herausforderungen von Klimawandel, Ressourcenknappheit und Systemkrisen.

Gleichzeitig ist klar: Auch Hightech wird weiterhin eine wichtige Rolle spielen – aber eben nicht als alleinige Lösung, sondern als Ergänzung zu robusten, verständlichen und wartungsarmen Systemen. Die Zukunft der Stadt liegt in der Symbiose aus High-End und Low-Tech, aus digitaler Intelligenz und analoger Widerstandskraft. Für Planer, Architekten und Kommunen heißt das: Mut zu Einfachheit, Mut zum Experiment und Mut zur Zusammenarbeit mit den Menschen vor Ort. Denn echte Resilienz beginnt immer dort, wo Technik auf Mensch, Raum und Gemeinschaft trifft.

Wer Low-Tech-Resilienz als Innovationschance begreift, kann nicht nur nachhaltigere, sondern auch lebenswertere Städte schaffen. Die nächsten Jahre werden zeigen, wie gut es uns gelingt, die klugen Prinzipien der Vergangenheit mit den Herausforderungen der Gegenwart zu verbinden – und so die Stadt von morgen zu erfinden: robust, anpassungsfähig und voller Lebensqualität, auch dann, wenn das High-End-Versprechen einmal nicht hält, was es verspricht.

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Leistungsphase 2 Hoai: Bedeutung und Anwendung einfach erklärt

Eine professionelle Planungsszene im Freiraum zum Thema Leistungsphase 2 Hoai
Detailarbeit am Reißbrett: Planung eines Landschaftsprojekts auf Papier. Foto: d_mccullough / Unsplash

Wer ein Gebäude plant, saniert oder betreut, kommt an der Leistungsphase 2 der HOAI nicht vorbei. Sie ist die Phase, in der aus einer Bauaufgabe ein erstes konkretes Konzept wird: Hier entwickeln Landschaftsarchitekten, Architekten und Ingenieure die grundlegenden Lösungsansätze, wägen Varianten ab und legen den inhaltlichen Kurs für das gesamte Projekt fest. Was in der Vorplanung entschieden wird, prägt alle nachfolgenden Phasen bis zur Ausführung.

  • Was die Leistungsphase 2 HOAI inhaltlich umfasst und wie sie sich von benachbarten Phasen abgrenzt
  • Welche Leistungen zur Vorplanung gehören und was als besondere Leistung gilt
  • Welche Rolle die Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung spielt
  • Wie das Honorar für die Vorplanung berechnet wird und welche Bewertungsgrundlagen gelten
  • Welche typischen Fehler und Missverständnisse in der Praxis auftreten
  • Wie die Vorplanung mit anderen Fachplanern und Behörden koordiniert wird
  • Welche Dokumente und Ergebnisse am Ende der Leistungsphase 2 vorliegen müssen
  • Wie die Leistungsphase 2 in den größeren Kontext von Planungsrecht und Projektsteuerung eingebettet ist

Was ist die Leistungsphase 2 HOAI? Definition und Einordnung

Die Honorarordnung für Architekten und Ingenieure, kurz HOAI, gliedert die Planungsleistungen für Gebäude, Freianlagen, Ingenieurbauwerke und weitere Objekttypen in neun Leistungsphasen. Die Leistungsphase 2 trägt die Bezeichnung „Vorplanung“ und bildet den Übergang von der konzeptionellen Grundlagenermittlung zur ersten ausgearbeiteten Planungsaussage. Während die Leistungsphase 1, die Grundlagenermittlung, noch der Klärung der Aufgabe und der Zusammenstellung aller relevanten Informationen dient, geht es in der Leistungsphase 2 HOAI darum, auf dieser Basis konkrete Lösungsansätze zu entwickeln, zu vergleichen und zu einem Vorplanungskonzept zu verdichten.

Die HOAI ist in Deutschland eine staatliche Preisrechtsverordnung, die für die dort geregelten Leistungen verbindliche Honorarrahmen vorgibt. Sie gilt für Architekten, Landschaftsarchitekten, Innenarchitekten und verschiedene Ingenieurdisziplinen. Die aktuelle Fassung der HOAI stammt aus dem Jahr 2021 und setzt eine Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs um, der die zuvor geltenden verbindlichen Mindest- und Höchstsätze als europarechtswidrig eingestuft hatte. Seitdem haben die Honorartafeln der HOAI den Charakter von Orientierungswerten, die als Grundlage für die Honorarvereinbarung dienen, ohne zwingend bindend zu sein. Dennoch bleibt die Struktur der Leistungsphasen und die inhaltliche Beschreibung der Grundleistungen in der HOAI maßgeblich für die Praxis.

Die Leistungsphase 2 HOAI ist für alle Planungsbeteiligten von besonderer strategischer Bedeutung, weil hier die wesentlichen Weichen gestellt werden. Entscheidungen über Erschließung, Materialität, Programmverteilung, Freiraumstruktur oder technische Systeme, die in der Vorplanung getroffen werden, sind in späteren Phasen nur noch mit erheblichem Aufwand zu revidieren. Fachleute sprechen in diesem Zusammenhang vom „Einfrieren“ von Planungsentscheidungen: Je weiter ein Projekt voranschreitet, desto teurer und aufwendiger wird jede grundlegende Änderung.

Grundleistungen der Vorplanung: Was die HOAI konkret fordert

Die HOAI beschreibt für jede Leistungsphase sogenannte Grundleistungen, also den Leistungsumfang, der im Regelfall zum Erreichen des Planungsziels erforderlich ist und dessen Honorar in den Honorartafeln abgebildet wird. Für die Leistungsphase 2 umfassen diese Grundleistungen bei Freianlagen, also dem für Landschaftsarchitekten zentralen Leistungsbild, unter anderem die Analyse der Grundlagen, das Aufstellen eines Planungskonzepts mit zeichnerischer Darstellung, die Klärung der wesentlichen Zusammenhänge, Zumessungen und Abmessungen des Planungsobjekts sowie die Kostenschätzung nach DIN 276.

Die Kostenschätzung nach DIN 276 ist ein zentrales Ergebnis der Leistungsphase 2. Sie liefert eine erste belastbare Aussage über die voraussichtlichen Gesamtkosten des Projekts auf Basis der Vorplanungsunterlagen. Die DIN 276 gliedert Baukosten in Kostengruppen; für Freianlagen sind insbesondere die Kostengruppen 500 (Außenanlagen) und 700 (Baunebenkosten) relevant. Die Kostenschätzung in der Vorplanung hat noch eine vergleichsweise große Bandbreite, weil viele Details noch nicht festgelegt sind. Dennoch ist sie verbindlich genug, um dem Auftraggeber eine Entscheidungsgrundlage zu liefern, ob das Projekt in der geplanten Form wirtschaftlich realisierbar ist.

Zur Vorplanung gehört außerdem die Untersuchung alternativer Lösungsmöglichkeiten. Das ist keine Formalie, sondern ein inhaltlicher Kernauftrag: Der Planer soll dem Auftraggeber zeigen, dass er die Aufgabe von mehreren Seiten durchdacht hat und die gewählte Lösung nicht die einzig denkbare, sondern die fachlich begründet beste ist. In der Landschaftsarchitektur kann das die Gegenüberstellung verschiedener Freiraumtypologien bedeuten, etwa einen naturnahen Wiesencharakter versus eine gestalterisch stärker formalisierte Anlage, oder unterschiedliche Erschließungskonzepte für einen Stadtplatz. Diese Variantenuntersuchung dokumentiert die planerische Sorgfalt und schützt beide Seiten bei späteren Auseinandersetzungen über die Planungsqualität.

Ergänzend sind in der Vorplanung die Ergebnisse mit dem Auftraggeber abzustimmen und dessen Zustimmung einzuholen. Dieser Abstimmungsschritt ist mehr als ein formaler Akt: Er markiert den Übergang von der Konzeptentwicklung zur Planungsvertiefung und schafft die Grundlage für die Beauftragung der Leistungsphase 3, der Entwurfsplanung. Ohne eine dokumentierte Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber fehlt die vertragliche Basis für die Weiterarbeit.

Leistungsphase 2 in der Landschaftsarchitektur und Freiraumplanung

Für Landschaftsarchitekten hat die Leistungsphase 2 HOAI eine besondere inhaltliche Qualität, weil Freianlagen in dieser Phase noch am stärksten von konzeptionellen Grundsatzentscheidungen geprägt werden. Ob ein Stadtplatz als durchgrünter Aufenthaltsraum oder als hartes, multifunktionales Stadtparkett entwickelt wird, ob ein Schulhof Bewegungsangebote in der Fläche verteilt oder in Zonen gliedert, ob ein Wohnquartier mit linearen Wegeachsen oder mit einem organischen Wegenetz erschlossen wird: All diese Entscheidungen fallen in der Vorplanung und bestimmen Charakter, Nutzbarkeit und Pflegeaufwand einer Anlage für Jahrzehnte.

In der Freiraumplanung kommt hinzu, dass die Leistungsphase 2 häufig eng mit planungsrechtlichen Verfahren verknüpft ist. Bebauungsplanverfahren, städtebauliche Rahmenpläne oder Wettbewerbsergebnisse liefern oft den Ausgangspunkt für die Vorplanung von Freianlagen. Der Landschaftsarchitekt muss in der Leistungsphase 2 prüfen, welche Vorgaben aus diesen übergeordneten Planungen verbindlich sind und welchen Spielraum sie für die freiraumplanerische Ausgestaltung lassen. Das erfordert eine sichere Kenntnis des Bauplanungsrechts, insbesondere des Baugesetzbuchs und der Baunutzungsverordnung, sowie der einschlägigen Regelwerke der Freiraumplanung.

Vegetationstechnische und ökologische Grundsatzentscheidungen werden ebenfalls in der Vorplanung vorbereitet. Ob eine Baumreihe mit großkronigen Stadtbäumen oder mit kleinkronigen Ziergehölzen geplant wird, ob Staudenpflanzungen als pflegeextensive Gesellschaftspflanzungen oder als aufwendigere Schaubepflanzungen konzipiert werden, ob Regenwasser versickert, gespeichert oder abgeleitet wird: Diese Fragen berühren nicht nur die Gestalt, sondern die Funktionalität, die Klimawirksamkeit und die Folgekosten einer Freianlage. Eine sorgfältige Leistungsphase 2 legt hier die Weichen, ohne bereits in die Detailtiefe der Entwurfsplanung zu gehen.

Honorar und Bewertung: Wie die Leistungsphase 2 vergütet wird

Das Honorar für die Leistungsphase 2 HOAI ergibt sich aus dem Anteil, den die Vorplanung am Gesamthonorar hat, multipliziert mit dem Honorar, das sich aus den anrechenbaren Kosten und der Honorarzone ergibt. Für das Leistungsbild Freianlagen weist die HOAI der Leistungsphase 2 einen Prozentsatz am Gesamthonorar zu. Dieser Prozentsatz variiert je nach Leistungsbild; für Freianlagen beträgt er nach der aktuellen HOAI 2021 in der Regel sieben Prozent des Gesamthonorars für Grundleistungen.

Die anrechenbaren Kosten sind die Grundlage der Honorarberechnung und entsprechen im Wesentlichen den Herstellungskosten des Planungsobjekts, also den Baukosten der Freianlagen nach DIN 276. Die Honorarzone gibt an, wie anspruchsvoll eine Planungsaufgabe ist: Sie reicht von Zone I (geringe Anforderungen) bis Zone V (sehr hohe Anforderungen) und beeinflusst das Honorar erheblich. Für Freianlagen in städtischen Kontexten mit hohen gestalterischen, ökologischen und nutzungsbezogenen Anforderungen ist häufig eine Einordnung in die Honorarzonen III oder IV angemessen. Die Einordnung in die richtige Honorarzone ist eine fachliche Entscheidung, die gut begründet und mit dem Auftraggeber abgestimmt sein muss.

Besondere Leistungen, also Leistungen, die über die Grundleistungen der HOAI hinausgehen, werden gesondert vereinbart und vergütet. Für die Leistungsphase 2 können das beispielsweise umfangreiche Variantenuntersuchungen über das übliche Maß hinaus, die Erarbeitung von Machbarkeitsstudien, Beteiligungsverfahren mit Nutzern oder Anwohnern, oder die Entwicklung von Pflegekonzepten als eigenständige Leistung sein. Fachleute empfehlen, besondere Leistungen bereits bei Vertragsschluss klar zu benennen und zu vereinbaren, um spätere Honorarstreitigkeiten zu vermeiden.

Koordination, Abstimmung und typische Fehler in der Praxis

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsleistung, sondern ein koordinierter Prozess, der die Beiträge verschiedener Fachplaner zusammenführt. In komplexen Projekten arbeiten Landschaftsarchitekten in der Vorplanung mit Architekten, Tragwerksplanern, Ingenieuren für technische Gebäudeausrüstung, Verkehrsplanern, Bodengutachtern und weiteren Spezialisten zusammen. Die Koordination dieser Beiträge ist eine eigenständige Leistung, die in der HOAI dem Objektplaner zugewiesen wird. Für Freianlagen bedeutet das, dass der Landschaftsarchitekt die Schnittstellen zu Tiefbau, Entwässerung, Beleuchtung und Möblierung frühzeitig klären muss.

Ein häufiger Fehler in der Praxis besteht darin, die Leistungsphase 2 zu früh zu verlassen, also in die Entwurfsplanung überzugehen, bevor die Vorplanung wirklich abgeschlossen und freigegeben ist. Das geschieht oft unter Zeitdruck oder weil Auftraggeber schnelle Ergebnisse sehen wollen. Die Folge ist, dass konzeptionelle Grundsatzfragen, die in der Vorplanung hätten geklärt werden sollen, in die Entwurfsplanung verschleppt werden und dort zu erheblichem Mehraufwand führen. Planungsänderungen in der Leistungsphase 3 oder 4, die auf ungeklärten Vorplanungsfragen beruhen, sind nach HOAI grundsätzlich als Änderungsleistungen zu vergüten, was zu Honorarnachforderungen und Konflikten führen kann.

Ein weiteres Missverständnis betrifft den Detaillierungsgrad der Vorplanung. Die Leistungsphase 2 HOAI verlangt keine Ausführungsdetails, keine Bepflanzungspläne und keine Leistungsverzeichnisse. Sie verlangt ein konzeptionell überzeugendes, maßstäblich dargestelltes Planungskonzept, das die wesentlichen Entscheidungen dokumentiert und eine belastbare Kostenschätzung ermöglicht. Wer in der Vorplanung bereits in die Detailtiefe der Ausführungsplanung geht, verschwendet Ressourcen und riskiert, dass diese Detailarbeit durch spätere Planungsänderungen hinfällig wird.

Behördliche Abstimmungen spielen in der Leistungsphase 2 ebenfalls eine wichtige Rolle. Für viele Freiflächenprojekte sind frühzeitige Gespräche mit der Unteren Naturschutzbehörde, dem Stadtplanungsamt, der Denkmalschutzbehörde oder dem Tiefbauamt notwendig, um zu klären, welche Anforderungen und Restriktionen für das Projekt gelten. Diese Abstimmungen sind zwar nicht explizit als Grundleistung der Leistungsphase 2 aufgeführt, gehören aber zur professionellen Praxis und können als besondere Leistung vereinbart werden, wenn sie einen erheblichen Aufwand darstellen.

Ergebnisse und Dokumentation am Ende der Vorplanung

Am Ende der Leistungsphase 2 HOAI sollte ein klar strukturiertes Vorplanungspaket vorliegen, das dem Auftraggeber eine fundierte Entscheidungsgrundlage bietet. Zu den typischen Ergebnisdokumenten gehören ein zeichnerisch ausgearbeiteter Vorplanungsplan im geeigneten Maßstab, in der Freiraumplanung häufig im Maßstab 1:500 oder 1:200, eine erläuternde Planungsbeschreibung, die Konzept, Lösungsansätze und Begründungen der wesentlichen Entscheidungen darlegt, sowie die Kostenschätzung nach DIN 276 mit einer Gliederung nach Kostengruppen.

Die Planungsbeschreibung ist dabei mehr als ein begleitender Text: Sie ist das argumentative Rückgrat der Vorplanung und dokumentiert, warum bestimmte Lösungen gewählt und andere verworfen wurden. Eine gut geschriebene Planungsbeschreibung schützt den Planer bei späteren Auseinandersetzungen, weil sie zeigt, dass die Entscheidungen auf einer durchdachten fachlichen Grundlage beruhen. Für Landschaftsarchitekten bietet sie außerdem die Möglichkeit, die ökologischen, klimatischen und sozialen Qualitäten eines Entwurfs zu vermitteln, die sich in einer zeichnerischen Darstellung allein nicht vollständig erschließen.

Die Freigabe der Vorplanung durch den Auftraggeber sollte schriftlich dokumentiert werden. Das kann in Form eines Besprechungsprotokolls, einer E-Mail-Bestätigung oder einer formellen Freigabeerklärung geschehen. Diese Dokumentation ist die Voraussetzung für die Beauftragung der nächsten Leistungsphase und schützt beide Seiten vor Missverständnissen darüber, was vereinbart wurde. In der Praxis wird dieser Schritt häufig vernachlässigt, was später zu Streit darüber führen kann, ob bestimmte Planungsänderungen als Umplanung oder als Weiterentwicklung des freigegebenen Konzepts zu werten sind.

Die Leistungsphase 2 im Kontext des gesamten Planungsprozesses

Die Leistungsphase 2 HOAI ist keine isolierte Planungsstation, sondern ein integraler Bestandteil eines kontinuierlichen Prozesses, der von der ersten Idee bis zur fertiggestellten Anlage reicht. Ihre Bedeutung erschließt sich vollständig erst im Zusammenhang mit den anderen Leistungsphasen: Sie baut auf der Grundlagenermittlung der Leistungsphase 1 auf und schafft die Basis für die Entwurfsplanung der Leistungsphase 3. Was in der Vorplanung nicht geklärt wird, kehrt in späteren Phasen als Problem zurück, häufig in einer Form, die teurer und aufwendiger zu lösen ist.

Für Auftraggeber, insbesondere für öffentliche Bauherren und Projektentwickler, ist die Leistungsphase 2 der Moment, in dem sie zum ersten Mal eine belastbare Vorstellung davon bekommen, was ihr Projekt kosten wird und wie es aussehen soll. Die Kostenschätzung der Vorplanung ist oft die erste Zahl, die in Gremien, Ausschüssen oder Investorenrunden präsentiert wird. Sie hat deshalb eine politische und wirtschaftliche Dimension, die über die rein fachliche Planungsarbeit hinausgeht. Planer, die diese Dimension kennen, bereiten ihre Vorplanungsunterlagen entsprechend kommunikativ auf.

Die wachsende Bedeutung von Klimaanpassung, Biodiversität und blaugrüner Infrastruktur in der Stadtentwicklung hat die inhaltlichen Anforderungen an die Leistungsphase 2 in der Freiraumplanung in den letzten Jahren erheblich erweitert. Konzepte für Schwammstadtprinzipien, also die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung im Freiraum, Hitzeschutzmaßnahmen durch Begrünung und Beschattung sowie Habitatvernetzung für Stadtbiodiversität: All das muss bereits in der Vorplanung konzeptionell verankert werden, wenn es in der Ausführung wirksam sein soll. Die Leistungsphase 2 HOAI ist damit nicht nur ein planungsrechtliches Instrument, sondern ein zentrales Werkzeug für die Qualitätssicherung im Freiraum der wachsenden und sich wandelnden Stadt.

Wer die Vorplanung ernst nimmt, spart in allen nachfolgenden Phasen Zeit, Geld und Nerven. Wer sie als Pflichtübung behandelt, zahlt den Preis später. Das ist keine Übertreibung, sondern die nüchterne Erfahrung jedes erfahrenen Planers, der weiß, wie viel Arbeit in einer schlecht vorbereiteten Entwurfsplanung steckt und wie selten diese Arbeit angemessen vergütet wird.