Luftzirkulation in Städten sichern – Planungsstrategien gegen Stauwärme

Frau atmet tief in einem Park ein – Symbol für gute Luftzirkulation und klimaangepasste Stadtplanung.
Wie kluge Planung und Frischluftkonzepte das Stadtklima verbessern

Hitzestau in der Stadt, stickige Luft zwischen Betonfassaden – das muss nicht sein! Wer kluge Stadtplanung betreibt, denkt nicht nur in Parzellen und Parks, sondern in Luftströmen. Wie lässt sich Luftzirkulation gezielt fördern, um die urbane Wärmefalle zu entschärfen? Was können Planer, Architekten und Stadtverwaltungen wirklich tun? Wir zeigen, wie mit fundierten Strategien, digitalen Tools und einem Quäntchen Mut die Frischluft zurück in die Stadt geholt wird – und warum das Thema Luftzirkulation längst Chefsache ist.

  • Warum Luftzirkulation in Städten ein zentrales Thema für Stadtklima und Lebensqualität ist
  • Welche physikalischen und klimatischen Faktoren die Luftbewegung im urbanen Raum bestimmen
  • Wie Städte durch dichte Bebauung und Versiegelung zu Hitzeinseln werden und was das konkret bedeutet
  • Planungsstrategien, um Frischluftschneisen, Grünzüge und offene Räume gezielt zu schaffen
  • Die Rolle von Gebäudeanordnung, Straßenraumgestaltung und Vegetation für den Luftaustausch
  • Aktuelle digitale Methoden zur Analyse und Simulation von Luftströmen in der Stadtplanung
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die als Vorbild dienen können
  • Herausforderungen bei der Umsetzung – von rechtlichen Rahmenbedingungen bis zur Akzeptanz
  • Empfehlungen für Planer, Behörden und Politik, um Stadtklima und Luftqualität nachhaltig zu sichern

Warum Luftzirkulation das urbane Klima prägt – und warum sie oft unterschätzt wird

Wer an Stadtklima denkt, hat meist Hitzerekorde, Feinstaubwerte und Klimaanlagen im Kopf. Doch das eigentliche Herzstück jedes urbanen Mikroklimas ist die Luftzirkulation. Ohne sie steht die warme Luft wie eine unsichtbare Mauer zwischen Asphalt und Dachgeschoss, jede Abkühlung bleibt aus, Schadstoffe sammeln sich. Gerade in den immer heißeren Sommern der letzten Jahre spüren Bewohner und Planer gleichermaßen, wie überlebenswichtig Frischluftzufuhr und der Abtransport von Wärme geworden sind. Städte sind dabei keine passiven Opfer des Wetters, sondern aktive Gestalter ihrer eigenen Atmosphäre – im wahrsten Sinne des Wortes.

Die Physik dahinter ist schnell erklärt, die Umsetzung in der Praxis alles andere als trivial. Luft bewegt sich in Abhängigkeit von Temperaturunterschieden, Druckverhältnissen und Hindernissen. In einer dicht bebauten Stadt mit hohen Fassaden, engen Straßen und versiegelten Flächen entstehen sogenannte Wärmeinseln. Diese heizen sich im Tagesverlauf stark auf, speichern die Energie und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Die Folge: Die Stadt bleibt viel länger warm als das Umland, die Temperaturunterschiede sorgen für lokale Windsysteme. Doch diese werden durch Bebauungsstrukturen oft so stark gebremst, dass die natürliche Frischluftzufuhr nahezu ausbleibt.

Hinzu kommt, dass der Klimawandel die Problematik weiter verschärft. Immer mehr Hitzetage, tropische Nächte und extreme Wetterlagen setzen die Städte unter Druck. Die gesundheitlichen Folgen sind längst belegt: Hitzestress, erhöhte Sterblichkeit, Leistungsabfall. All das macht die Sicherung der Luftzirkulation zu einer Schlüsselaufgabe für die Stadtplanung. Wer sie ignoriert, riskiert nicht nur die Lebensqualität, sondern auch die Attraktivität und Funktionsfähigkeit der Stadt.

Dennoch rangiert das Thema Luftzirkulation in vielen Kommunen noch immer als Nischenthema. Häufig fehlt es an Wissen, politischen Prioritäten und klaren Verantwortlichkeiten. Zu selten werden urbane Windverhältnisse als zentrales Planungskriterium betrachtet. Dabei ist die Sicherung von Luftströmen kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – gerade in dicht besiedelten Quartieren, wo jeder Kubikmeter Frischluft zählt. Stadtklima ist eben kein Randthema, sondern ein entscheidender Faktor für urbane Resilienz und Nachhaltigkeit.

Wer heute zukunftsfähige Städte gestalten will, muss also lernen, Wind zu denken. Das erfordert einen Perspektivwechsel: Weg von der rein flächenbezogenen Planung, hin zu einem systemischen Verständnis von Stadt als atmendem Organismus. Erst dann wird klar, wie entscheidend die gezielte Förderung der Luftzirkulation für eine lebenswerte und widerstandsfähige Stadt ist.

Stadt als Wärmespeicher – wie Bebauung und Versiegelung Frischluft blockieren

Die klassische europäische Stadt ist stolz auf ihre Dichte, ihre kompakten Quartiere und kurzen Wege. Doch genau diese Qualitäten werden im Klimawandel zum Problem. Je dichter die Bebauung, desto weniger Raum bleibt für den natürlichen Luftaustausch. Häuserfronten stehen wie Mauern im Wind, Straßenschluchten wirken als Wärmespeicher, und versiegelte Flächen verhindern das Versickern von Regenwasser – mit dramatischen Folgen für das Mikroklima.

Das Phänomen der städtischen Wärmeinsel (Urban Heat Island) ist bestens erforscht: Städte sind im Sommer oft fünf bis zehn Grad wärmer als ihr Umland. Die Ursache liegt in der Materialität der Stadt: Beton, Asphalt und Ziegel speichern die Sonnenenergie und geben sie nachts nur langsam wieder ab. Gleichzeitig reflektieren sie die Sonnenstrahlung, anstatt sie durch Verdunstungskühle abzuführen. Die Folge: Die Stadt „glüht“ bis in die Morgenstunden, und die Luft steht – vor allem dort, wo keine Frischluftschneisen existieren.

Hinzu kommt die sogenannte Rauigkeit der Stadtstruktur. Je mehr Vorsprünge, Balkone, Werbetafeln und Bäume den Straßenraum verengen, desto mehr Verwirbelungen entstehen. Diese können zwar lokal für Durchmischung sorgen, führen aber insgesamt dazu, dass großräumige Luftbewegungen stark abgebremst werden. Besonders kritisch sind geschlossene Blockrandbebauungen ohne Durchlässe. Hier fehlt es schlicht an Einfallstoren für frische Luft. Die wenigen vorhandenen Grünflächen werden zu kleinen Oasen – die aber kaum in der Lage sind, das Klima eines ganzen Quartiers zu verbessern.

Versiegelung ist ein weiterer Schlüsselbegriff. Sie verhindert nicht nur das Versickern von Regenwasser, sondern reduziert auch die Verdunstungskühle, die sonst durch bepflanzte Flächen und offene Böden entsteht. Diese natürliche „Klimaanlage“ fällt in der Stadt weitgehend aus. Die Folge: Noch mehr Hitze, noch weniger Luftbewegung, noch stärkere Belastung für die Bewohner. Das alles ist kein abstraktes Problem, sondern in vielen Städten bittere Realität – von Stuttgart bis Wien, von Zürich bis München.

Wer sich die aktuellen Bebauungspläne vieler deutscher, österreichischer oder Schweizer Städte ansieht, erkennt das Dilemma: Verdichtung ist politisch gewollt, aber oft schlecht abgestimmt auf den Bedarf an Frischluft und Durchlüftung. Die berühmten „Hinterhöfe“ werden nachverdichtet, Grünzüge geopfert, und Verkehrsachsen werden so geplant, dass sie zwar den Autoverkehr aufnehmen, aber keinen Wind mehr durchlassen. Stadtklimatologen warnen seit Jahren vor diesen Entwicklungen – doch noch immer fehlen verbindliche Vorgaben, wie Luftzirkulation gesichert werden kann.

Die Konsequenz: Wer Stadt heute plant, muss sich bewusst mit den Wechselwirkungen von Bebauungsdichte, Materialität, Versiegelung und Windführung auseinandersetzen. Es reicht nicht mehr, einfach „grün“ zu bauen oder ein paar Bäume aufzustellen. Erforderlich sind integrierte Strategien, die den Luftaustausch als zentrales Planungsziel definieren und in allen Maßstabsebenen mitdenken.

Planungsstrategien für bessere Luftzirkulation – von Frischluftschneise bis Dachgarten

Wie lässt sich die Luftzirkulation in Städten gezielt fördern? Die Antwort beginnt mit einem klaren Bekenntnis: Es braucht einen Paradigmenwechsel in der Stadtplanung, bei dem Frischluft nicht als nachträgliches Add-on, sondern als zentrales Grundprinzip betrachtet wird. In der Praxis gibt es eine ganze Palette an Strategien, die – richtig kombiniert – einen spürbaren Unterschied machen können.

Das wichtigste Werkzeug im Kampf gegen Stauwärme sind Frischluftschneisen. Gemeint sind durchgehende, unbebaute Korridore, die kühle Luft aus dem Umland in die Stadt leiten. Diese Schneisen können als breite Straßenachsen, Parks, Bahntrassen oder Grünzüge gestaltet werden. Sie sollten in der Planung konsequent freigehalten und vor nachträglicher Bebauung geschützt werden. In Städten wie Stuttgart gibt es bereits seit Jahrzehnten verbindliche Vorgaben hierfür – mit messbarem Erfolg für das Stadtklima.

Auch die Anordnung und Form der Gebäude spielt eine entscheidende Rolle. Offene Bebauungsformen, aufgelockerte Quartiersstrukturen und gezielte Durchlässe ermöglichen es dem Wind, tiefer in die Stadt vorzudringen. Blockrandbebauung sollte immer wieder von Durchgängen, Innenhöfen oder kleinen Plätzen unterbrochen werden. Hier helfen detaillierte Strömungssimulationen, um die optimale Anordnung zu finden. Besonders wirksam sind zudem gestufte Gebäudehöhen, die eine Art „Windleitstruktur“ bilden können.

Grünflächen und Wasserflächen wirken wie natürliche Klimaanlagen. Sie kühlen nicht nur die Umgebung, sondern sorgen durch Verdunstung für zusätzliche Luftbewegung. Dachgärten und begrünte Fassaden leisten hier einen wertvollen Beitrag – vorausgesetzt, sie sind großflächig angelegt und in ein Gesamtkonzept eingebunden. Auch kleine Parks, Brachflächen oder bepflanzte Verkehrsinseln sind wertvolle Bausteine, solange sie intelligent vernetzt werden.

Die Gestaltung des Straßenraums darf nicht unterschätzt werden. Breite, baumgesäumte Alleen fördern die Durchlüftung, während enge, hohe Straßenschluchten die Luftzirkulation blockieren. Bei der Sanierung und Umgestaltung von Quartieren sollte daher immer geprüft werden, wie die Straßenführung und -gestaltung den Luftaustausch beeinflusst. Verkehrsberuhigte Bereiche, autofreie Zonen und großzügige Gehwege schaffen nicht nur mehr Lebensqualität, sondern auch bessere Bedingungen für den Wind.

Schließlich gilt: Luftzirkulation muss auf allen Maßstabsebenen gedacht werden – vom städtebaulichen Gesamtkonzept bis zur Detailplanung einzelner Gebäude. Nur wenn Bauherren, Architekten, Landschaftsplaner und Behörden gemeinsam an einem Strang ziehen, entsteht eine Stadt, in der die Frischluft nicht an der Stadtgrenze endet, sondern in jedem Quartier spürbar bleibt.

Digitale Methoden und Best Practices – wie Simulation und Beteiligung den Unterschied machen

In einer zunehmend datengetriebenen Stadtplanung ist die Analyse und Simulation von Luftströmen heute keine Raketenwissenschaft mehr – sondern State of the Art. Moderne Tools wie Computational Fluid Dynamics (CFD), stadtklimatologische Modellierungen und digitale 3D-Stadtmodelle machen es möglich, schon in der Entwurfsphase zu testen, wie sich geplante Gebäude, Straßen oder Grünflächen auf das urbane Klima auswirken. Diese Methoden liefern nicht nur beeindruckende Visualisierungen, sondern auch harte Fakten für die Entscheidungsfindung.

Ein Vorreiter in diesem Bereich ist die Stadt Stuttgart. Hier werden seit Jahrzehnten stadtklimatologische Gutachten erstellt, die als Grundlage für Bebauungspläne dienen. Digitale Modelle zeigen, wo Frischluftströme verlaufen, wo sie blockiert werden und welche Maßnahmen nötig sind, um die Durchlüftung zu verbessern. Das Ergebnis: Ein differenziertes Netz aus Frischluftschneisen, Grünzügen und offenen Quartieren, das als Vorbild für viele andere Städte gilt.

Auch in Zürich, Wien und München werden inzwischen digitale Zwillinge eingesetzt, um die Auswirkungen von Neubauprojekten auf das Stadtklima in Echtzeit zu simulieren. Diese Urban Digital Twins verknüpfen Geodaten, Wetterinformationen und Verkehrsflüsse, um präzise Vorhersagen zu treffen. Das ermöglicht es, verschiedene Szenarien durchzuspielen und die beste Lösung für das jeweilige Quartier zu finden – noch bevor der erste Spatenstich erfolgt.

Ein weiterer wichtiger Trend ist die Beteiligung der Bevölkerung. Digitale Plattformen machen es möglich, komplexe Klimamodelle verständlich zu visualisieren und Bürger in die Planung einzubeziehen. So können lokale Erfahrungen und Bedürfnisse mit den Ergebnissen der Simulationen verknüpft werden. Das schafft nicht nur mehr Akzeptanz, sondern sorgt auch dafür, dass Maßnahmen zur Verbesserung der Luftqualität tatsächlich den Bedürfnissen der Menschen entsprechen.

Allerdings gibt es auch Herausforderungen. Die Verfügbarkeit und Qualität von Klimadaten ist nicht überall gleich gut, und die Interpretation der Modelle erfordert Fachwissen. Hinzu kommen rechtliche und organisatorische Fragen: Wie lassen sich stadtklimatologische Anforderungen verbindlich in Bebauungsplänen verankern? Wer trägt die Verantwortung für die Umsetzung? Und wie lässt sich verhindern, dass wirtschaftliche Interessen am Ende doch über das Stadtklima siegen? Hier sind Politik, Verwaltung und Planungsgemeinschaft gleichermaßen gefordert, neue Wege zu gehen.

Fazit: Frische Luft als Planungsprinzip – eine Investition in die Zukunft der Stadt

Die Sicherung der Luftzirkulation in Städten ist weit mehr als ein technisches Detail. Sie ist eine zentrale Voraussetzung für Gesundheit, Lebensqualität und Klimaanpassung im urbanen Raum. Wer heute Stadt plant, muss den Wind als Verbündeten begreifen – und ihn gezielt durch Straßen, Plätze und Quartiere lenken. Das erfordert Mut zur Lücke, Offenheit für neue Methoden und den Willen, bestehende Strukturen kritisch zu hinterfragen. Digitale Tools und Simulationen liefern die Fakten, aber am Ende entscheidet der Mensch: Will er eine Stadt, in der die Luft steht oder eine, die atmet?

Die Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, dass gute Planung wirkt – wenn sie konsequent umgesetzt wird. Frischluftschneisen, offene Bebauungsformen, begrünte Dächer und innovative Straßenräume sind keine Utopie, sondern längst Realität. Doch sie brauchen starke Fürsprecher in Politik, Verwaltung und Planung. Es gilt, verbindliche Standards zu schaffen, Kompetenzen zu bündeln und das Thema Luftzirkulation dauerhaft ganz oben auf die Agenda zu setzen.

Städte, die schon heute in ihre „Windinfrastruktur“ investieren, sichern sich nicht nur ein besseres Klima, sondern auch einen Standortvorteil im Kampf um Talente, Investitionen und Lebensqualität. Sie schaffen Räume, in denen Menschen gerne leben, arbeiten und sich aufhalten. Und sie beweisen, dass Stadtentwicklung auch im Klimawandel gestaltbar bleibt – wenn man sie mutig, kreativ und faktenbasiert angeht.

Wer das Thema Luftzirkulation verschläft, riskiert nicht nur Hitzestress und schlechte Luft, sondern verpasst die Chance, die Stadt von morgen wirklich zukunftsfähig zu machen. Es wird Zeit, dass die Planer von heute den Wind von morgen denken. Denn frische Luft ist keine Selbstverständlichkeit – sie ist das Ergebnis kluger Planung, beherzter Entscheidungen und eines neuen Bewusstseins für das unsichtbare Rückgrat urbaner Lebensqualität.

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Gartenschauen 2025: Furth im Wald, Schärding und Tal X

2025 finden drei Gartenschauen in Deutschland und Österreich statt, darunter auch in Furth im Wald. Zentrales Element der bayerischen Landesgartenschau ist der Drachensteg mit leuchtend rotem Geländer. Foto: Heidi Wolf, Landesgartenschau Furth im Wald 2025
2025 finden drei Gartenschauen in Deutschland und Österreich statt, darunter auch in Furth im Wald. Zentrales Element der bayerischen Landesgartenschau ist der Drachensteg mit leuchtend rotem Geländer. Foto: Heidi Wolf, Landesgartenschau Furth im Wald 2025

Drei Mal Blüten, Events und Stadtentwicklung: 2025 laden die Städte Furth im Wald, Schärding sowie Baiersbronn und Freudenstadt gemeinsam zur jeweiligen Gartenschau ein. Wir stellen vor, was im Bayerischen Wald, in Oberösterreich und im Schwarzwald im Jahr 2025 geboten wird, was die jeweilige Gartenschau ausmacht und welche langfristigen Projekte im Zuge dieser umgesetzt wurden.

Gartenschau 2025 im Tal X mit dem Rad erkunden

Acht Kilometer Gartenschau – am Verlauf des Forbachs entlang schlängelt sich die baden-württembergische Gartenschau 2025 durch dessen Tal. Unter dem Motto „Vielfalt im Tal“ richten die zwei Schwarzwaldkommunen Freudenstadt und Baiersbronn die Schau gemeinsam aus. Die Städte bilden die jeweiligen Start- und Endpunkte des Gartenschaugeländes, je nachdem wo man den Besuch beginnt. Am 23. Mai 2025 eröffnet, bietet das Tal X den Besuchenden bis zum 12. Oktober 2025 über 1 000 Programmpunkte; mehr als 1 000 ehrenamtliche Helfer*innen tragen zur Gartenschau bei.

Bei der Anreise setzt die Gartenschau 2025 im Tal X auf den ÖPNV: Züge fahren die Bahnhöfe in beiden Städten im erhöhten Takt an und entlang des Geländes verkehren Busse. Das acht Kilometer lange Gelände ist auch darauf angelegt, mit dem Fahrrad erkundet zu werden; vor Ort können Räder gemietet werden. Während die Gartenschau im Herbst endet, bleiben viele der Maßnahmen den Bürger*innen vor Ort dauerhaft erhalten.

Röhrenrutschen, Sitzstufen und ein Grubenspielplatz

Für die Planung und Umsetzung der Daueranlagen zeichnet das Büro Planstatt Senner verantwortlich. Sie entwickelten zahlreiche Bereiche in den Städten und entlang des Tals. Die neu gestalteten Areale greifen Natur, Kultur und Geschichte der Region auf. So winden sich südlich von Freudenstadt, nahe dem Bärenschlössle, zwei Röhrenrutschen den steilen Hang hinunter. Statt wie früher an einer Schanze Ski gesprungen, wird hier nun durch zwei jeweils über 30 Meter lange Röhren gerutscht. Im Gehege daneben lässt sich Wild beobachten, am Waldtierlehrpfad neues lernen und auf dem Abenteuerspielplatz toben.

Auf halber Strecke zwischen Freudenstadt und Baiersbronn liegt am Lauf des Forbachs die Ortschaft Friedrichstal. Erhöht am Ortsrand steht das kleine, rote Gebäude der Michaelskirche. In dessen Umfeld wurden Sitzstufen und Podeste errichtet, Wege rund um Teiche angelegt, Sichtachsen geöffnet. Mit dem „Xentrum“ liegt in Friedrichstal das Zentrum der baden-württembergischen Gartenschau 2025. Den dortigen Grubenspielplatz lehnten die Planer*innen in seiner Gestaltung an die nicht weit entfernt gelegene, ehemalige Grube Sophia an: Ein Tor mit Rundbogen öffnet sich in die künstlich angelegte Spiel-Grube; darüber erhebt sich der bekletterbare Förderturm.

Geschichte und Landschaft im Forbachtal verknüpft

In Baiersbronn wurde der ehemalige Kurpark zum Märchenpark. Er übersetzt die Erzählung „Das kalte Herz“ von Wilhelm Hauff in die Parklandschaft. Mit der Freudenstädter Straße gestalteten die Planer*innen eine Bundesstraße zur Flaniermeile um. Diese ist nun mit verbreiterten Gehwegen, Aufenthaltsbereichen und begrüntem Mittelstreifen ausgestattet. Letzerer soll die Umgebung kühlen. Und auf der ebenfalls in Baiersbronn liegenden Schelklewiese wurde ein Weiher neu angelegt. Daran grenzt ein weiterer Spielbereich. Zahlreiche weitere Bereiche wurden neu- und umgestaltet. Entlang des Forbachs knüpfen sie eine Verbindung zwischen Freudenstadt und Baiersbronn, der lokalen Geschichte sowie der Landschaft des Schwarzwalds.

Für die bayerische Landesgartenschau 2025 in Furth im Wald wurde die Chamb-Aue mit neuem Wegenetz und zahlreichen Brücken zu einer durchgängigen Parkanlage gestaltet. Foto: Bayerische Landesgartenschau GmbH, Markus Schlaf
Für die bayerische Landesgartenschau 2025 in Furth im Wald wurde die Chamb-Aue mit neuem Wegenetz und zahlreichen Brücken zu einer durchgängigen Parkanlage gestaltet. Foto: Bayerische Landesgartenschau GmbH, Markus Schlaf

Blutrote Brücken für die Drachenstadt Furth im Wald

Bei der bayerischen Landesgartenschau 2025 in Furth im Wald darf einer nicht fehlen: der Drache. Seit fas 500 Jahren besteht in der Kleinstadt im Bayerischen Wald die Tradition des Further Drachenstichs. Die UNESCO führt das Volksschauspiel inzwischen auf ihrer Liste des immateriellen Kulturerbes. Jedes Jahr im August versetzt das Open-Air-Festspiel die Zuschauer*innen ins Mittelalter.

Mitten in der Stadt findet ein Schauspiel mit ritterlichen Kriegen, Liebesgeschichte und dem Kampf gegen den Drachen statt. Letzteren stellt der größte Schreitroboter der Welt dar. Dieses Jahr können die Zuschauer*innen des Drachenstichs ihren Besuch in Furth im Wald mit der Landesgartenschau verknüpfen. Sie öffnete ihre Tore am 22. Mai und läuft bis zum 5. Oktober. Das Motto lässt die Relevanz der Drachen-Tradition auch bei der Gartenschau erahnen: „Sagenhaft viel erleben“.

Sitzstufen am Chamb ermöglichen den Zugang zum Fluss. Der Drachensteg mit rötlichen Betonplatten und leuchtend rotem Geländer greift die lokale Tradition des Drachenstichs auf. Foto: Heidi Wolf, Landesgartenschau Furth im Wald 2025
Sitzstufen am Chamb ermöglichen den Zugang zum Fluss. Der Drachensteg mit rötlichen Betonplatten und leuchtend rotem Geländer greift die lokale Tradition des Drachenstichs auf. Foto: Heidi Wolf, Landesgartenschau Furth im Wald 2025

Treppenstufen ermöglichen Zugang zum Chamb

Im Rahmen der Landesgartenschau gestaltete das Berliner Büro Planorama zwei Areale in Furth im Wald um: zum einen nahe der Innenstadt, zum anderen die Chamb-Aue im Südosten der Stadt. Letztere bildet den eintrittspflichtigen Bereich der Landesgartenschau. Das langgestreckte Gelände der Chamb-Aue folgt dem Verlauf des Flusses. Hier verbanden und gestalteten die Planer*innen vorhandene Grünflächen zu einer durchgängigen Parkanlage mit neuem Wegenetz. Das zentrale Element ist der Drachensteg, der sich durch die ganze Parkanlage zieht. Dieser greift die lokale Tradition des Drachenstichs und dessen Legende des Drachens auf. So sind die Betonplatten sowie das Geländer des Stegs in Rottönen gehalten – in Anlehnung an das Blut des Drachens. Das geschwungene Geländer aus Stahllamellen variiert entlang des Stegs in seiner Höhe und bildet eine skulpturale Form aus.

Am Zusammenfluss von Kalter Pastritz und Chamb auf dem Gelände bildet der Drachensteg mit drei Brücken einen Loop aus. An mehreren Stellen in der Parklandschaft erlauben Treppenstufen den Besucher*innen den Zugang zum Fluss. Auf der Dracheninsel nahe dem Loop entstand am früheren Standort der alten Festhalle eine nun offen gestaltete Parkarena mit Kuppeldach in Holzbauweise. Unweit davon können Kinder auf dem Drachenspielplatz toben.

Lokale Tradition durchzieht Landesgartenschau 2025

Auf dem Weg von der Chamb-Aue in die Innenstadt kann der Weg über die Lorenz-Zierl-Straße eingeschlagen werden. Diese wurde im Rahmen der Landesgartenschau 2025 zur Einbahnstraße mit breiteren Fußwegen umgestaltet. Die Planer*innen von Planorama gestalteten das Bachbett sowie das Ufer der Kalten Pastritz entlang der Straße neu. An deren nördlichen Ende liegt die Hofer-Insel. Hier entstand auf einem ehemaligen Brauereigelände ein neuer Park mit inklusivem Spielplatz.

Zur Insel wurde das Areal erst durch die wieder freigelegten und im Verlauf neu gestalteten Bachläufe. Stadt und Wasser Rücken mit den für die Landesgartenschau in Furth im Wald umgesetzten Projekten wieder enger zusammen. Die lokale Tradition der Drachenstadt zieht sich dabei deutlich durch die Gestaltung.

Vier Geländebereiche bilden das Areal der oberösterreichischen Landesgartenschau in Schärding – darunter ist auch das Grüntal im Südwesten der Stadt. Das Berliner Büro ST raum a. plante die Weiterentwicklung und Gestaltung der Landesgartenschauareale. Foto: ST raum a.
Vier Geländebereiche bilden das Areal der oberösterreichischen Landesgartenschau in Schärding – darunter ist auch das Grüntal im Südwesten der Stadt. Das Berliner Büro ST raum a. plante die Weiterentwicklung und Gestaltung der Landesgartenschauareale. Foto: ST raum a.

Oberösterreichische Landesgartenschau 2025 in der Barockstadt am Inn

Der Blick schweift über den Inn, Wasser plätschert im Christophorusbrunnen. Die Blumenbeete stehen in voller Blüte, neue Wege ziehen sich durch die Themengärten. Der weitläufige Spielplatz ist leer, wartet auf Kinder, die die Klettergerüste erobern. In einem Video – unten zu sehen – gibt die oberösterreichische Landesgartenschau in Schärding 2025 erste Einblicke, was die Besucher*innen vor Ort erwartet. Schon am 25. April eröffnete die österreichische Grenzstadt am Inn ihre Landesgartenschau, die unter dem Motto „Inns Grün“ noch bis zum 5. Oktober läuft.

Die Barockstadt Schärding liegt weniger als 15 Kilometer Luftlinie südlich von Passau, am Ufer des Inn. Vier über die Stadt verteilte Geländebereiche bilden das Areal der Landesgartenschau: Schlosspark, Innlände, Orangeriepark und Grüntal. Die Planungen der insgesamt elf Hektar Fläche verantwortete das Berliner Büro ST raum a., die den Wettbewerb zur Landesgartenschau gewannen. Die Planer*innen entwickelten vor allem bestehende Grünflächen in Schärding weiter – das meiste soll über die Dauer der Landesgartenschau hinaus bestehen.

Floristik im Granitmuseum

Der Schlosspark, unweit der Innenstadt gelegen, zählt zum eintrittspflichtigen Bereich der Gartenschau. In dem Park mit Blick über den Inn wurde unter anderem das Wegenetz ergänzt. Mit dem bunten „Schlossturm“ aus Holz von Michael Lauss ist eines der Kunstobjekte der Gartenschau hier zu finden.

Nördlich des Schlossparks beherbergt das Granitmuseum die wechselnden Floristikausstellungen. Von beiden Orten aus können Besucher*innen auf dem bereits bestehenden Fußweg an der Innlände dem Verlauf des Flusses folgen. Der Weg verknüpft die Areale der Gartenschauen miteinander und ist mit Sitzmöglichkeiten, Spielgeräten und Wechselfloorbeeten ausgestattet.

Vieles soll über die Gartenschau 2025 hinaus bestehen

Im Südwesten Schärdings bilden Orangerie- und Kurpark sowie das Grüntal gemeinsam den zweiten, großen Bereich des Landesgartenschau aus. Im Orangeriepark wurde ein Brunnen aus Granit neu errichtet sowie die Streuobstwiese revitalisiert. Das Grüntal verfügt weiterhin über eine offene Wiesenlandschaft. Diese ergänzen ein neu gepflanztes Arboretum sowie eine Aussichtsplattform in den Naturraum des Inn-Altarms. Kinder dürften sich über den Wiesen- sowie den Wasserspielplatz freuen; diese sollen ebenso wie die zwei neuen Fitnessinseln über die Dauer der Gartenschau 2025 hinaus erhalten bleiben. Ebenfalls weiterwachsen wird die neu angelegte Tanzlinde ganz im Süden des Areals. Der Festplatz wird hingegen nach der Schau zum Parkplatz mit Baumbestand umgebaut werden. Bis es so weit ist, werden dort auf der Hauptbühne aber noch die zahlreichen Veranstaltungen der oberösterreichischen Landesgartenschau 2025 stattfinden.

Rückblick: Welche Gartenschauen 2024 stattfanden, können Sie hier noch einmal nachlesen.

Zukunftsfähige Entwässerungssysteme – vom Mischwasser zur Retention

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Fotografie von Daniele Mason: Grüne Wiesen und städtische Skyline am Fuße schneebedeckter Berge, ein Symbol für nachhaltige Entwicklung in der Schweiz.

Wer heute Städte baut, darf nicht mehr nur ans Ableiten denken – sondern muss das Wasser halten. Zukunftsfähige Entwässerungssysteme sind weit mehr als Rohre im Boden: Sie sind ein Schlüssel für klimaresiliente, lebenswerte Städte und Quartiere. Was bedeutet das für Planung, Bau und Betrieb? Wie gelingt der Umbau vom Mischwasserabfluss zur Retention? Und warum ist das Thema längst keine Nische mehr, sondern Mainstream in der Stadtentwicklung?

  • Überblick: Warum klassische Entwässerungssysteme an ihre Grenzen stoßen und wie die Retention zur urbanen Überlebensstrategie wird.
  • Technische Grundlagen: Mischwasser, Trennsystem, Retentionsbodenfilter und Regenwassermanagement im Detail erklärt.
  • Planungsprozesse: Wie Städte und Kommunen den Paradigmenwechsel von der schnellen Ableitung zur gezielten Rückhaltung umsetzen.
  • Klimaresilienz und Nachhaltigkeit: Wo Retentionssysteme zur Anpassung an den Klimawandel beitragen – mit konkreten Beispielen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Herausforderungen: Rechtliche Rahmenbedingungen, Flächenkonkurrenz, Betrieb und Wartung.
  • Synergien: Wie zukunftsfähige Entwässerungssysteme Biodiversität, Stadtbild und Aufenthaltsqualität verbessern können.
  • Innovationen: Smart Drainage, blau-grüne Infrastruktur, digitale Planungstools und Monitoring.
  • Fallstricke und Fehlannahmen: Warum ein bisschen „Rigole“ nicht reicht und was Planer wirklich beachten müssen.
  • Ausblick: Die Rolle der Entwässerung als strategisches Instrument in der Stadtplanung von morgen.

Vom Kanalsystem zur klimaresilienten Stadt: Warum Retention heute zählt

Wenn es um Entwässerung geht, denken viele immer noch an das große Netz aus Kanälen und Leitungen, das Regen- und Abwasser zuverlässig abtransportiert. Jahrzehntelang war das das Erfolgsrezept der urbanen Infrastruktur: Wasser – so schnell wie möglich weg damit. Doch die Zeiten haben sich geändert. Heftige Starkregenereignisse, lange Trockenperioden, steigende Temperaturen und der zunehmende Versiegelungsgrad machen klassische Systeme immer häufiger zum Problem statt zur Lösung. Überlaufende Kanäle, überflutete Straßen, verdorrte Parks – die Symptome sind bekannt, aber die Ursachen oft hausgemacht.

Die alte Logik, Wasser als Störfaktor zu sehen, wird dem neuen Klima nicht mehr gerecht. Heute gilt: Regenwasser ist Ressource, nicht Abfall. Wer Städte zukunftsfähig machen will, muss es zurückhalten, verdunsten lassen und gezielt nutzen. Die Rede ist von Retention – der kontrollierten Rückhaltung von Regenwasser auf dem Grundstück, im Straßenraum, in Parks und auf Dächern. Ziel ist es, die Spitze der Abflüsse zu kappen, Grundwasser zu schützen, Hitze zu mildern und die Kanalisation zu entlasten.

Die große Transformation ist dabei längst keine ferne Vision mehr, sondern Teil der alltäglichen Planungspraxis. Förderprogramme, neue Normen und ambitionierte Zielsetzungen wie die Schwammstadt zeigen: Wer nicht umlenkt, riskiert teure Schäden, Frustration und Imageschäden – und verpasst die Chance, Stadt- und Landschaftsplanung wirklich nachhaltig zu verknüpfen. Die Frage ist nicht mehr, ob wir umdenken, sondern wie konsequent wir es tun.

Die Herausforderungen sind gewaltig. Der Umbau von Misch- auf Trennsysteme ist teuer und langwierig. Flächen für Rückhalt fehlen vielerorts, und das Nebeneinander verschiedener technischer und naturnaher Lösungen erfordert neues Know-how. Doch die Vorteile überwiegen: Mehr Lebensqualität, mehr Biodiversität, mehr Resilienz. Die Stadt der Zukunft hält ihr Wasser – und gewinnt dabei auf ganzer Linie.

Planer, Architekten, Behörden und Betreiber sind deshalb gefordert, Entwässerung nicht mehr als reine „Technik“ zu verstehen, sondern als strategisches Instrument der Stadtentwicklung. Denn wie wir mit Wasser umgehen, entscheidet über die Zukunft unserer Städte – und über ihre Fähigkeit, mit den Herausforderungen des 21. Jahrhunderts fertig zu werden.

Technik trifft Landschaft: Die Funktionsweise zukunftsfähiger Entwässerungssysteme

Um zu verstehen, was Retention wirklich bedeutet, lohnt ein Blick auf die technischen Grundlagen. Das klassische Mischsystem, wie es in vielen mitteleuropäischen Städten noch Standard ist, sammelt Schmutz- und Regenwasser gemeinsam in einem Rohr. Bei Starkregen stoßen diese Systeme jedoch regelmäßig an ihre Kapazitätsgrenzen – mit der Folge, dass verdünntes Abwasser in Gewässer eingeleitet wird, Kläranlagen überlastet werden und das Risiko für Überflutungen steigt. Das Trennsystem hingegen sieht separate Leitungen vor, um Regen- und Schmutzwasser voneinander zu separieren. Das ist ein Fortschritt – aber noch keine Antwort auf die Herausforderungen von Extremwetter.

Moderne Entwässerungskonzepte setzen deshalb auf Retention: Sie kombinieren bauliche, technische und landschaftsarchitektonische Maßnahmen, um Regenwasser möglichst lange vor Ort zu halten und erst zeitverzögert sowie kontrolliert abzugeben. Das kann in Form von Mulden-Rigolen-Systemen, Versickerungsflächen, Retentionsdächern, bepflanzten Gräben oder Teichanlagen geschehen. Die Wahl der Mittel hängt von Standort, Bodenverhältnissen, Platzangebot und Nutzung ab. Wichtig ist dabei: Retention ist kein Selbstzweck – sie muss ins Gesamtsystem passen und im Worst Case funktionieren.

Ein zentrales Element sind Retentionsbodenfilter. Diese Anlagen filtern das Wasser nicht nur, sondern sorgen auch für eine gezielte Rückhaltung und Reinigung. Sie sind besonders dort gefragt, wo Flächen knapp und Anforderungen an den Gewässerschutz hoch sind. Ergänzend kommen unterirdische Speicher, begrünte Dächer, durchlässige Beläge und digitale Regelungen zum Einsatz, um Abflussspitzen zu glätten und die Stadt zum Schwamm zu machen.

Was dabei oft unterschätzt wird: Die Integration von Entwässerungssystemen in den öffentlichen Raum eröffnet neue gestalterische Möglichkeiten. Wasserrinnen, offene Mulden, temporäre Überflutungsflächen oder künstliche Bachläufe können Aufenthaltsqualität und Biodiversität erhöhen. So entstehen multifunktionale Räume, die Technik und Gestaltung verbinden. Die Herausforderung für Planer liegt darin, Ästhetik, Funktion und Sicherheit in Einklang zu bringen – und die Systeme so zu konzipieren, dass sie auch in zehn, zwanzig Jahren noch zuverlässig arbeiten.

Die Zukunft der Entwässerung ist deshalb hybrid: Sie kombiniert Hightech mit Lowtech, Grau mit Grün, digital mit analog. Nur durch diese Vielfalt lassen sich die komplexen Anforderungen moderner Städte erfüllen – und aus scheinbar widersprüchlichen Zielen wie Trockenheitsschutz, Kühlung, Versickerung und Nutzung attraktive Gesamtlösungen entwickeln.

Stadtplanung im Wandel: Retention als Leitprinzip für die Quartiers- und Freiraumentwicklung

Die Zeiten, in denen die Entwässerung erst am Ende des Planungsprozesses bedacht wurde, sind endgültig vorbei. Heute ist das Regenwassermanagement ein integraler Bestandteil der strategischen Stadtentwicklung – und oft sogar der Taktgeber für Freiraumgestaltung, Verkehrsplanung und Gebäudekonzeption. Wer neue Quartiere, Straßen oder Parks entwickelt, muss frühzeitig klären: Wo bleibt das Wasser? Wie kann es vor Ort gehalten, genutzt und gestalterisch integriert werden?

Das Motto lautet: Retention first. In der Praxis bedeutet das, dass Planer bereits in der Konzeptphase Flächen für Rückhaltung und Versickerung reservieren, Querschnitte anpassen und die Topografie gezielt so modellieren, dass Wasserläufe, Mulden oder Speicherbecken entstehen. Dabei gilt es, konkurrierende Anforderungen wie Parkplatzbedarf, Spielflächen, Wegeführung und Sicherheit unter einen Hut zu bringen. Die besten Lösungen sind oft diejenigen, die verschiedene Funktionen kombinieren – etwa wenn ein Spielplatz im Sommer zur Kühlung beiträgt und bei Starkregen temporär überschwemmt werden darf.

Ein Beispiel aus Zürich zeigt, wie das funktionieren kann: Dort werden in Neubauquartieren Mulden und Rigolen von Anfang an als Teil des öffentlichen Raums geplant, Wege und Plätze so modelliert, dass sie im Regenfall Wasser aufnehmen. In Wien wiederum sind begrünte Dächer und Fassaden längst Standard – sie halten Wasser zurück, verbessern das Mikroklima und bieten Lebensraum für Pflanzen und Tiere. In deutschen Städten wie Leipzig, Hamburg oder Freiburg werden zunehmend innovative Speicher- und Versickerungssysteme eingesetzt, die nicht nur das Kanalnetz entlasten, sondern auch neue grüne Oasen schaffen.

Die Integration von Retentionssystemen erfordert dabei nicht nur technische Kompetenz, sondern auch ein Umdenken in der Planungskultur. Es geht darum, mit Unsicherheiten umzugehen, Szenarien durchzuspielen und verschiedene Disziplinen an einen Tisch zu bringen. Landschaftsarchitekten, Stadtplaner, Verkehrsplaner, Wasserwirtschaftler und Betreiber müssen gemeinsam Lösungen entwickeln, die robust, flexibel und anpassbar sind. Nur so entstehen Quartiere, die auch in dreißig Jahren noch funktionieren – und nicht schon beim nächsten Starkregen an ihre Grenzen stoßen.

Ein weiteres zentrales Thema ist die Beteiligung der Nutzer. Wer Eigentümer, Anwohner und Investoren frühzeitig einbindet, kann Akzeptanz schaffen und Nutzungskonflikte vermeiden. Denn Retention ist kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit – und wird am besten akzeptiert, wenn sie sichtbar, erlebbar und nachvollziehbar ist. Das Ergebnis sind lebenswerte, zukunftsfähige Quartiere, die mit den Herausforderungen des Klimawandels wachsen können.

Recht, Betrieb, Innovation: Herausforderungen und Chancen im Alltag

So überzeugend das Konzept der Retention klingt, so groß sind die Herausforderungen in der Umsetzung. Rechtliche Rahmenbedingungen, technische Normen und Zuständigkeiten machen den Alltag oft komplizierter, als es die Visionen vermuten lassen. Das Wasserhaushaltsgesetz, die DIN 1986-100 oder die jeweiligen Landeswassergesetze geben den Rahmen vor – doch die Spielräume sind oft enger, als es die Praxis bräuchte. Hinzu kommt: Die Flächenkonkurrenz in wachsenden Städten ist enorm. Jeder Quadratmeter zählt, und Flächen für Retention müssen mit anderen Nutzungen konkurrieren.

Ein weiteres Problem ist die Finanzierung. Während der Bau von Kanälen und Leitungen meist im Haushalt fest verankert ist, gelten Retentionsanlagen oft als „Sonderausgaben“ – mit entsprechendem Abstimmungsbedarf zwischen verschiedenen Ämtern und Akteuren. Hier braucht es neue Finanzierungsmodelle, die die Vorteile der Retention auch betriebswirtschaftlich abbilden. Förderprogramme von Bund und Ländern helfen, doch sie reichen allein nicht aus. Gerade für kleinere Kommunen bleibt die Umsetzung eine große Herausforderung.

Der Betrieb und die Wartung von Retentionssystemen werden häufig unterschätzt. Anders als klassische Kanalsysteme sind viele neue Anlagen sichtbar, zugänglich – und damit auch anfällig für Fehlbedienung, Vandalismus oder Verschmutzung. Wer nachhaltige Lösungen will, muss daher nicht nur den Bau, sondern auch den langfristigen Betrieb sichern. Digitale Monitoring-Systeme, smarte Sensorik und automatisierte Steuerungen bieten hier neue Möglichkeiten, den Zustand und die Wirksamkeit der Systeme laufend zu überwachen.

Innovationen wie blau-grüne Infrastruktur, intelligente Steuerungen und digitale Planungstools verändern die Branche rasant. Smart Drainage-Systeme passen die Rückhaltung dynamisch an den Wetterbericht an, Open-Source-Tools ermöglichen die Simulation verschiedener Szenarien, und digitale Zwillinge helfen, die Auswirkungen neuer Maßnahmen frühzeitig zu erkennen. Doch auch hier gilt: Technik allein löst keine Probleme. Es braucht qualifizierte Betreiber, klare Verantwortlichkeiten und eine enge Zusammenarbeit zwischen allen Beteiligten.

Die Chancen sind enorm: Richtig umgesetzt, machen zukunftsfähige Entwässerungssysteme Städte lebenswerter, sicherer und attraktiver. Sie verbessern das Mikroklima, fördern die Biodiversität, schaffen neue Freiräume und reduzieren Schäden durch Extremwetter. Die Voraussetzungen: Mut zum Experiment, Bereitschaft zur Zusammenarbeit und der Wille, Entwässerung als zentrale Zukunftsaufgabe zu begreifen – nicht als Pflichtübung am Rande.

Ausblick: Die Entwässerung als strategischer Baustein der Stadt von morgen

Die Ära der reinen Ableitung ist vorbei. Wer heute Städte plant und baut, muss die Entwässerung als zentrales strategisches Thema begreifen – und als Chance, Stadt, Landschaft und Technik neu zu denken. Die Retention steht dabei für einen Paradigmenwechsel: Weg vom schnellen Wegschaffen, hin zum bewussten Halten, Nutzen und Gestalten des Wassers. Das ist nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch ein Gewinn für Lebensqualität, Stadtbild und Resilienz.

Die Zukunft gehört der Schwammstadt: Eine Stadt, die Wasser speichert, verdunstet, nutzbar macht und so zum Vorbild für den Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels wird. Die technischen, planerischen und rechtlichen Grundlagen sind gelegt, die Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen, dass der Wandel möglich ist. Die Umsetzung erfordert allerdings einen langen Atem, kreative Lösungen und eine enge Kooperation aller Akteure – von Verwaltung über Planung bis zum Betrieb.

Retentionssysteme sind dabei mehr als Technik. Sie sind sichtbares Zeichen für eine neue Haltung: Wasser nicht als Problem zu sehen, sondern als gestaltbare Ressource. Wer diesen Weg konsequent geht, kann Städte schaffen, die nicht nur funktionieren, sondern begeistern – und auch unter Extrembedingungen bestehen. Die Entwässerung wird so vom unsichtbaren Hintergrundthema zum Motor der Stadtentwicklung.

Für Planer, Behörden und Investoren bedeutet das: Die Zukunft wird nass, grün und vielfältig. Wer heute investiert, plant und baut, legt das Fundament für die Städte von morgen – und schafft Räume, in denen Wasser, Mensch und Natur im Gleichgewicht sind. Der Umbau ist anspruchsvoll, die Lernkurve steil, aber die Chancen sind gewaltig. Die Städte, die jetzt umdenken, werden die Gewinner der Transformation sein.

Garten und Landschaft bleibt am Ball – und zeigt: Entwässerung ist kein trockenes Thema, sondern die spannendste Baustelle der Stadtentwicklung. Wer das Wasser hält, hält die Zukunft in der Hand.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Die Transformation von klassischen Entwässerungssystemen hin zu einer konsequenten Retention ist ein zentraler Schlüssel für klimaresiliente, lebenswerte und nachhaltige Städte. Sie erfordert technisches Know-how, kreative Planung, interdisziplinäre Zusammenarbeit und eine neue Haltung im Umgang mit Wasser. Die Herausforderungen sind beträchtlich, aber die Chancen überwiegen deutlich. Innovative Lösungen, engagierte Akteure und die Bereitschaft, das Thema strategisch zu denken, machen aus der Entwässerung eine echte Zukunftsaufgabe – und zeigen: Wer Wasser hält, hält die Stadt am Leben.