Die offen gestalteten Höfe laden mit Holzdecks und individuell gestalteten Sitzbereichen alle Generationen zum Verweilen und Austausch ein. Fotos: Marcus Witte

Ein Ort, der Begegnungen schafft und das Miteinander neu definiert: Das „Haus der Begegnung“ in Grünwald bei München verbindet generationenübergreifendes Wohnen, soziale Dienste und vielfältige Freianlagen zu einem lebendigen Quartier. Was als visionäres Konzept im Jahr 2011 begann, hat sich zu einem einzigartigen Zentrum entwickelt, das Gemeinschaft und soziale Interaktion fördert – ganz ohne Barrieren und mit einem durchdachten Freiraumkonzept, das Menschen jeden Alters willkommen heißt. Im Folgenden stellt das Büro mahl gebhard konzepte sein Projekt selbst vor. 

Begegnung und Miteinander

Mit dem „Haus der Begegnung“ ist 2018 in Grünwald bei München ein zentrales Begegnungszentrum mit einer breiten Palette an sozialen Diensten entstanden. Die Baumaßnahme ist das Ergebnis eines 2011 europaweit ausgeschriebenen, wettbewerbsähnlichen Vergabeverfahrens, aus dem Goergens + Miklautz Architekten und mahl gebhard konzepte als beauftragte Planungsbüros hervorgingen. Hierdurch wurde der gemeindliche Wunsch umgesetzt, ein leistungsfähiges und vielfältiges Angebot von teilweise bisher im Gemeindegebiet verstreuten Sozialdiensten an einem gemeinsamen Standort zu bündeln und durch generationengerechtes Wohnen zu ergänzen. Auf diese Weise wurde ein zentraler Begegnungsort aller Sozial- und Altersgruppen geschaffen, an dem sich die Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen begegnen und Synergien entstehen können.

Vernetztes Wohnen für alle Generationen

Bei dem Mehrgenerationenprojekt wurden verschiedene Einrichtungen und Angebote miteinander vernetzt: eine Wohnanlage, Sozialdienste, ein Begegnungszentrum, eine Tagespflegeinrichtung für Senioren, ein zweigruppiger Kindergarten und ein Café mit Außenbereich. So beinhaltet das Quartier sowohl Bereiche mit öffentlichen Nutzungen als auch Wohngebäude in denen Menschen mit und ohne Einschränkungen, Jung wie Alt gleichermaßen unter einem Dach leben und gemeinsam interagieren können. In der Gestaltung zeigen sich die verschiedenen Nutzungen in den unterschiedlichen Zonierungen der Außenanlagen.

Freianlagenkonzept für Vielfalt und Barrierefreiheit

Die städtebauliche Grundidee besteht darin, die vielfältigen Nutzungen in drei aufeinander folgenden, intensiv begrünten und vollständig verkehrsfreien Hofsituationen miteinander zu verbinden. Zwei gleichwertige Wohnhöfe für das Generationenwohnen sind im Osten des Grundstücks.

Eine großzügige Tiefgarage, welche sich weit in die Innenhöfe erstreckt, ermöglicht eine verkehrsfreie Gestaltung der Innenbereiche. Dadurch sind alle Abschnitte miteinander fußläufig verbunden, intensiv begrünt und parkartig angelegt. Auch im Inneren ist die Barrierefreiheit hergestellt, eines der vier Wohngebäude bietet darüber hinaus rollstuhlgerechte Wohnungen an. Das Entwurfskonzept ermöglicht, sämtlichen – teilweise auch widersprüchlichen – funktionalen und sozialen Anforderungen der heterogenen Nutzungsstruktur gerecht zu werden.

Grüne Spielbereiche

Die vom Landschaftsarchitekturbüro mahl gebhard konzepte intensiv begrünten Freianlagen verbinden mit einem differenzierten Wegenetz die gesamte Anlage. Mehrere Spielplätze für unterschiedliche Altersgruppen bereichern die Höfe. Auch Mietergärten mit schützenden Einfriedungen werden angeboten. Nebengebäude mit begrünten Dächern bieten Abstellmöglichkeiten für Müll und ausreichend Platz für Fahrräder.

Der öffentliche Hof erhält seinen besonderen Charakter durch die vielseitigen Angebote, die ihn umgeben. Das Café als Treffpunkt, der Einblick in den daneben gelegenen Kindergarten, der Brunnen, die über die Jahreszeiten stets auffälligen Pflanzungen und der große Spielbereich mit Klettergerüst beleben den Platz. Die beiden Höfe des Generationenwohnens bieten einen geschützten halb öffentlichen Raum. Die wiederkehrenden Holzelemente laden zum Liegen, Sitzen und Spielen – oder einfach zum Verweilen – ein.

Gemeinschaft und Interaktion

Das Herzstück bildet die großzügige Platzfläche mit Wasserbecken und üppigen Staudenpflanzungen, die rund ums Jahr abwechslungsreiche Akzente setzten. Die Platzfläche lädt zum Verweilen ein und bietet Platz für den möblierten Außenbereich des angrenzenden Cafés. In direkter Nähe befindet sich ein abwechslungsreicher Spielplatz mit Kletteranlage und der Außenbereich des Kindergartens. Die gesamten Außenanlagen wurden – mit Ausnahme des Kindergartens und der gemeinschaftlich nutzbaren Mietergärten – offen und ohne Einfriedungen gestaltet.

Die beiden großzügigen Höfe rufen förmlich zum gemeinsamen Miteinander auf. Aufwändig gestaltete Holzdecks und verschiedene Bänke bieten Sitzmöglichkeiten entlang der zentralen Wegeachse. Jeder Hof erhielt außerdem einen individuell gestalteten Spielbereich und abgetrennte Mietergärten, in denen die Bewohner kleine Gartenparzellen mit Obst und Gemüse bepflanzen und somit das Miteinander stärken und genießen können. Die gesamte Gestaltung der Freianlagen wurde darauf ausgelegt, die Kommunikation zwischen den Generationen zu fördern und das Miteinander zu stärken.

Durchdachte Wege

Geplant und begrünt wurden auch die angrenzenden Straßenräume und im Norden entstand eine doppelreihige Allee als schattiger öffentlicher Raum zum Verweilen. Damit wurde die Grundidee der Durchgängigkeit der Wegeverbindungen gestärkt und die anschließenden Straßen und Wohngebiete sowie das Gymnasium Grünwald einbezogen.

mahl gebhard konzepte

Das Büro mahl·gebhard·konzepte mit Sitz in München wurde 1986 gegründet und 2009 in eine Partnerschaftsgesellschaft mit Andrea Gebhard und Johannes Mahl-Gebhard als Geschäftsführer umfirmiert. 2022 wurden Markus Anzengruber, Johannes Kruck, Annette Pfundheller und Katrin Rismont PartnerInnen des Büros. Seither steht Johannes Mahl-Gebhard als Berater zur Verfügung. mahl·gebhard·konzepte beschäftigt 40 Mitarbeiter*innen aus den Disziplinen der Landschaftsarchitektur, Landschaftsplanung, Umweltökologie, Stadtplanung, Architektur und Urban Design.

In der Nutzung von Ansätzen, Denkweisen oder Methoden verschiedener Fachrichtungen sehen wir nicht nur die Möglichkeit, Planungen an den unterschiedlichen Bedürfnissen unserer Zeit zu orientieren, sondern auch die Chance Ökologie und Ästhetik zukunftsweisend zu verbinden. Langjährige Erfahrung, erworbene Vielseitigkeit, effiziente Arbeitsabläufe, eine klare gestalterische Sprache und realisierbare Visionen helfen uns dabei, das besondere Gesamte zu schaffen.

Landschaftsarchitektur sucht im Spannungsfeld der Planungen von Architektur, Städtebau und Infrastruktur nach neuen räumlichen Aussagen, kulturellen Eigenarten und gestalterischen Perspektiven. Hierbei ist die Rückkopplung von Landschaftsarchitektur mit den gesellschaftlichen Strukturen und zeitgenössischen Kontexten nicht nur notwendig, sondern unerlässlich.

Weiterlesen: In der G+L 09/24 stellen wir 54 Stadtoasen aus fünf Ländern vor. Das Heft ist im Shop erhältlich. Weiter grüne Oasen sind hier zu entdecken.

Weiterlesen: Welches geplante Hochhausprojekt in München zu Konflikten führt lesen Sie hier.

 

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Formeln gegen den Regen

In der südchinesischen Küstenstadt Shenzhen wurden noch bis 1980 Fische gezüchtet und Reis angebaut. Doch dann entstand, in unmittelbarer Nähe zu Hong Kong, Chinas erste Sonderwirtschaftszone. Die gesamte Zone wurde in kürzester Zeit bebaut, und auch das Umland urbanisierte sich – allerdings trotz zahlreicher Masterpläne informell und ungeplant. Heute, nicht mal dreißig Jahre nach Gründung der Sonderwirtschaftszone, zählen Shenzhen und die angrenzenden Städte im südchinesischen Perlflussdelta zu den größten und am schnellsten wachsenden urbanisierten Regionen der Welt.

Transformation der Landschaft

Dieser Urbanisierungsprozess veränderte die Morphologie und die Wassersysteme der ursprünglichen Landschaft drastisch. Flüsse wurden kanalisiert und unter die Oberfläche verlegt, das hügelige Terrain eingeebnet. An der Küste und zur Grenze Hong Kongs drängen sich die Gebäude dicht an dicht. Weil es keine bebaubaren Flächen mehr gibt, wurde an der Küste Land aufgeschüttet. Steigende Wohnungspreise treiben diese Entwicklung immer weiter voran. Schon lange können die natürlichen Flussläufe den Wasserbedarf der Städte im Perlflussdelta nicht mehr decken. Niederschläge gäbe es genug, doch die Wasserqualität der Flüsse ist zu schlecht. Daher wurden an den Ausläufern der großen, noch bestehenden Berge große Wasserreservoirs gebaut, um die Menschen mit ausreichend Trinkwasser zu versorgen.

Städtebaulicher Wandel

In den Stadtteilen Bao’an und Longgang prägten zunächst kleinere Fabriken und sogenannte Urban Villages das Stadtbild. Häuser stehen dort so dicht, dass man auch von „Handshake-Buildings“ spricht. Nur selten findet man in diesen Vierteln unbebaute Restflächen, auf denen Platz für einen Baum oder zumindest eine Palme wäre. Je nach Entwicklungsstatus der Villages fehlt den Bewohnern jeglicher Komfort. Viele der Wohnungen sind schlecht belüftet, bieten wenig Licht und sind überbelegt. Da das Kanalsystem nicht ausreicht, stehen die Viertel bei Starkregen sofort unter Wasser. Bisher sind die Urban Villages daher fast ausschließlich Wohnort der Armen, der Wanderarbeiter, die ihr Geld für ihre Familien in der Heimat benötigen. Häufig leben in den Urban Villages größere Gruppen von Menschen, die aus dem gleichen Dorf stammen. Die Urban Villages sind zwar die erste Anlaufstelle, doch aufgrund der Lebensverhältnisse meist nur als Übergangslösung vorgesehen. Zu den Vierteln selbst bestehen nur selten Bindungen, stattdessen wünscht man sich den sozialen Aufstieg und eine Wohnung in einem der neuen Wohnhochhäuser.

Trend: Gated Communities

Diese neuen Wohntürme mit fünfzehn bis fünfzig Stockwerken, findet man überall in der Stadt. Meistens sind mehrere Türme zu einer Gated Community zusammengeschlossen – große, unzugängliche Inseln der Mittelschicht. Während ältere Gebiete durch Mauern vom Stadtraum abgeschottet sind, stehen neuere auf erhöhten Erdgeschossplatten, die neben der Tiefgarage bei entsprechend guter Lage auch Supermärkte und Restaurants bieten. Derartige Gated Communties und hochwertige Wohnhochhäuser entstanden in Bao’an und Longgang erst nach 2005. Doch seitdem entstehen sie überall. Zeitgleich werden die Stadtstraßen ausgebaut. Zog Shenzhen zuvor vor allem Wanderarbeiter an, hat sich die Stadt mittlerweile zu einem wichtigen Standort für große Firmen entwickelt, die gut ausgebildetes Fachpersonal benötigen. Für die Mittelschicht bietet die Innenstadt der ersten Sonderwirtschaftszone nicht mehr genügend bezahlbaren Wohnraum. Große Immobilienentwickler drängen immer stärker in die bisherigen Randlagen. Urban Villages und Fabriken werden zugunsten von Großprojekten abgerissen, man schafft Platz für neue Gated Communities und neue Vehrkehrsachsen. Weil die Gated Communities privaten Rückzugsbereiche sind, verkommt der verbleibende Freiraum zu rein funktionalen Bereichen ohne eigene Qualität.

Viele der Fabriken wandern in günstigere Randlagen oder in Nachbarländer ab. Wenn aber Urban Villages abgerissen werden, hat das zugleich einen Verlust günstigen Wohnraums zur Folge. Haus- oder Wohnungsbesitzer erhalten zwar in einem der neuen Wohntürme eine Ersatzwohnung und werden finanziell entschädigt. Die Mieter jedoch, die Wanderarbeiter, werden aus dem Stadtteil verdrängt. Viele haben inzwischen einen Job in Restaurants, in einer der zahlreichen Shopping Malls oder bei den Immobilienentwicklern. Sie werden lange Pendelwege auf sich nehmen müssen. Denn sie werden immer weiter an den Stadtrand gedrängt, während die Mittelschicht in den neuen Wohnkomplexen lebt. Der Stadtumbau führt letztendlich zu einer Segregation der Stadtgesellschaft.

Gegentrend: Erhalten

Doch es gibt einen Gegentrend: das Urban Village Restoration Programm. Urban Villages sind zu einer Eigenart Shenzhens geworden, die durch die Tabula-Rasa-Planungen verlorengeht. Dynamisch gewachsene Strukturen wie die der Urban Villages ermöglichen ein punktuelles Um- und Anbauen, weil sie im Gegensatz zu den Typologien der großen Wohnungsbauunternehmen kleinteilig und erweiterbar sind. Sie bieten auch kleinen selbstständigen Betrieben gute Geschäftslagen. Auf lange Sicht könnten sie sich in beliebte Viertel wandeln. Beispiele dafür sind der studentische Global Schindler Award 2015 oder der Urban Regeneration Masterplan of Sungang and Qingshuihe von KCAP. Auch Projekte der Shenzhen Bi-City Biennale of Urbanism/Architecture zeigen unter dem Motto „Re-Living the City“, dass ein Umbau ressourcenschonender ist als Neubau und nach Jahren des Wachstums nun vor allem der Bestand aufgewertet werden muss. Das ist ein wichtiger Schritt, damit die Stadt eine Art von Permanenz entwickeln kann und ihre historischen Schichten ablesbar bleiben. Auch den alten Dorfkernen in Shenzhen, die heute oft unbeachtet verfallen, könnte bald schon wieder zu neuer Prominenz verholfen werden. Durch behutsame Erneuerungsprojekte im Bestand und Nachverdichtungsmöglichkeiten in ehemaligen Fabrikarealen kann Shenzhen eine stärkere Eigenart entwickeln als bisher, die eine eigene Form von Urbanität hervorbringt.

Mehr zum Thema lesen Sie in Garten+Landschaft 11/2016 – Planen mit Regenwasser.

In Chicago, the new Maggie Daley Park and Chicago Riverwalk exemplify the trend for cities to build high-profile works of landscape architecture to spur reinvestment in historic urban cores. In this era of decreased federal and municipal funding for such projects, private investment is increasingly called upon. As a result, and as a range of new spaces in Chicago demonstrate, the landscape architect has emerged as a mediator between commercial interests and civic responsibilities. 

High-profile landscape architecture projects are by now obligatory tools for American municipal governments seeking to attract investment dollars and jobs. The narrative of outmoded infrastructure or former industrial land turned park is by now well established and the discipline of landscape architecture has emerged as a leader in their design. Catalyzed by these new public spaces, American downtowns and nearby neighborhoods are experiencing what the popular press and scholars alike herald as a “return to the city” or an “urban renaissance.”

But whose renaissance is it? Who is returning? It is urgent to frame these spaces historically and geographically to take stock of the effects recent works are having on the spatial, social, and ecological dimensions of American cities. Reframing the urban as a multi-scalar process producing historically specific moments of urbanization, not just a politically bounded aggregation of individual objects, helps productively complicate this popular narrative.

The Right to Open Space

Chicago typifies the aforementioned changes. However, when considered against the backdrop of the city’s civic-minded 19th- and 20th-century public open space and infrastructure projects, its recent landscape transformations beg questions regarding agency, equity, and design. From the city’s very inception, Chicago’s citizens and civic leaders demonstrated a precocious awareness of the value of open space. On an 1839 map drawn up by Canal Commissioners, a portion of the Lake Michigan lakefront was set aside as open space and labeled “Public ground forever to remain vacant of buildings.”

It eventually became Grant Park and its status as an open and free space is protected by law. Likewise, an ethos of publicness pervades Burnham and Bennett’s 1909 Plan of Chicago, which to this day has an astonishing influence on local planning and design decisions.

With its legacy of equitable open space and strong record of consistently building infrastructure, parkland, and architecture of significance, the latest era of Chicago parks is a locally specific version of national trends. […]

Read more in Topos 94 – City Visions.