Fehlbelegung von Spielplätzen erkennen – maschinelles Lernen in der Analyse

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Die Konvergenz dreier Wasserläufe des Großkanals von China bei Hangzhou, fotografiert von dongbin li.

Spielplätze sind das Herz pulsierender Stadtquartiere – aber was, wenn die Rutschen immer leer bleiben und der Bolzplatz von Autoreifen statt Kindern bevölkert wird? Die Fehlbelegung von Spielflächen ist ein unterschätztes Phänomen, das urbane Lebensqualität direkt betrifft. Doch statt auf Verdacht zu kontrollieren, setzen innovative Städte längst auf maschinelles Lernen: Algorithmen erkennen, analysieren und prognostizieren die Nutzung städtischer Spielplätze – und schaffen eine neue datenbasierte Grundlage für nachhaltige Planung und bessere Aufenthaltsqualität.

  • Definition und Bedeutung der Fehlbelegung von Spielplätzen im städtischen Kontext
  • Herausforderungen klassischer Methoden zur Nutzungserfassung und deren Grenzen
  • Funktionsweise und Potenziale von maschinellem Lernen bei der Analyse urbaner Freiräume
  • Praktische Beispiele und Pilotprojekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Technische, rechtliche und ethische Aspekte beim Einsatz intelligenter Sensorik und Algorithmen
  • Chancen für nachhaltige Stadtentwicklung, Flächeneffizienz und soziale Gerechtigkeit
  • Risiken wie Datenverzerrung, Überwachung und fehlende Transparenz
  • Empfehlungen für den fachgerechten Einsatz maschinellen Lernens in der Freiraumplanung
  • Diskussion um Governance, Partizipation und den zukünftigen Stellenwert von KI in der Stadtplanung

Fehlbelegung von Spielplätzen – ein unterschätztes Problem urbaner Räume

Wer an urbane Freiräume denkt, hat oft die idyllische Vorstellung lachender Kinder auf bunten Rutschen, Eltern auf Bänken und einen Treffpunkt für die Nachbarschaft vor Augen. Doch die Realität sieht vielerorts ernüchternder aus: Spielplätze werden zweckentfremdet, etwa als Parkflächen für PKW, als nächtliche Treffpunkte für Jugendliche oder gar als Lagerstätten für Baumaterial. Diese sogenannte Fehlbelegung ist keineswegs ein Randphänomen, sondern symptomatisch für wachsende Nutzungskonflikte in verdichteten Stadtquartieren.

Die Ursachen dafür sind vielschichtig. Einerseits mangelt es in vielen Städten an ausreichend wohnungsnahem Parkraum oder attraktiven Aufenthaltsorten für verschiedene Altersgruppen. Andererseits werden Spielplätze oft als ungenutzte Flächen wahrgenommen, wenn sie zu bestimmten Tageszeiten leer stehen. Besonders in dicht besiedelten Gebieten, wo jeder Quadratmeter zählt, geraten diese Flächen ins Visier unterschiedlichster Nutzergruppen – und nicht immer im Sinne der eigentlichen Bestimmung.

Die Folgen sind gravierend. Fehlbelegte Spielplätze mindern die Aufenthaltsqualität für Familien und Kinder, erhöhen Unfallgefahren und fördern soziale Spannungen. Zudem erfüllen sie ihre wichtige Funktion als sozialer Begegnungsraum und Motor kindlicher Entwicklung nicht. Für Planer, Verwaltung und Politik stellt sich die Herausforderung, Fehlbelegungen nicht nur zu dokumentieren, sondern auch gezielt zu verhindern und die Flächen bedarfsgerecht zu gestalten.

Klassische Methoden, etwa sporadische Kontrollen durch das Ordnungsamt, liefern lediglich Momentaufnahmen und sind personell kaum flächendeckend umsetzbar. Auch subjektive Beobachtungen oder Beschwerden aus der Nachbarschaft reichen selten aus, um das Ausmaß und die Ursachen von Fehlbelegungen systematisch zu erfassen. Damit fehlen oft valide Daten für nachhaltige Planungsentscheidungen oder gezielte Maßnahmen.

Im Zuge der Digitalisierung und des urbanen Datenmanagements entsteht nun eine neue Chance: Durch den Einsatz intelligenter Technologien wie maschinelles Lernen können Städte die tatsächliche Nutzung von Spielplätzen objektiv, kontinuierlich und datenschutzkonform analysieren. So wird aus dem bislang schwer greifbaren Problem der Fehlbelegung ein messbares Phänomen, das sich mit innovativen Methoden entschlüsseln und gezielt adressieren lässt.

Maschinelles Lernen: Wie Algorithmen urbane Nutzungen sichtbar machen

Maschinelles Lernen – ein Teilbereich der künstlichen Intelligenz – hat in den letzten Jahren einen Quantensprung in der Analyse urbaner Räume ermöglicht. Während klassische Datenauswertung auf festen Regeln und Schwellenwerten basiert, lernen Algorithmen beim maschinellen Lernen eigenständig Muster und Zusammenhänge aus großen Datenmengen. Für die Analyse von Spielplatznutzung und Fehlbelegung bedeutet das eine Revolution: Sensoren, Kameras oder andere smarte Erfassungsmethoden liefern kontinuierlich Daten, die von Algorithmen ausgewertet und interpretiert werden.

Ein typisches Szenario sieht so aus: Am Rand eines Spielplatzes werden unauffällige Sensoren installiert, die Bewegungsmuster, Lärmpegel, Wetterdaten oder sogar die Art der Bewegungen erkennen können. Mittels Bildverarbeitung lassen sich beispielsweise Erwachsene von Kindern unterscheiden, Aktivitäten wie Fußballspielen, Sitzen oder Klettern werden automatisiert klassifiziert. Im Unterschied zu einfachen Zählungen können Algorithmen auch ungewöhnliche Nutzungsmuster identifizieren – etwa das nächtliche Parken von Autos oder die Nutzung als Hundewiese.

Die enorme Stärke des maschinellen Lernens liegt in der kontinuierlichen Verbesserung: Je mehr Daten gesammelt werden, desto präziser werden die Modelle. Bei ausreichend Trainingsdaten können Algorithmen nicht nur aktuelle Fehlbelegungen erkennen, sondern auch Prognosen für die Zukunft ableiten. Beispielsweise lässt sich abschätzen, zu welchen Tageszeiten bestimmte Fehlbelegungen besonders häufig auftreten – und welche stadtplanerischen Maßnahmen dagegen helfen könnten.

Eine große Herausforderung besteht darin, die Algorithmen so zu trainieren, dass sie möglichst wenig Verzerrung (Bias) aufweisen und auch seltene Nutzungsarten zuverlässig erkennen. Hierfür sind sorgfältig kuratierte Trainingsdaten sowie die regelmäßige Überprüfung der Modellergebnisse durch Fachleute unerlässlich. Zudem müssen die Systeme darauf ausgelegt sein, Datenschutz und Persönlichkeitsrechte zu wahren – etwa durch Verpixelung von Bilddaten oder die ausschließliche Verarbeitung anonymer Bewegungsmuster.

Neben der reinen Erfassung bietet maschinelles Lernen eine enorme Chance für die Integration verschiedener Datenquellen. So können Nutzungsdaten mit Wetterinformationen, lokalen Veranstaltungen oder Mobilitätsdaten verknüpft werden, um ein umfassendes Bild der urbanen Dynamik zu zeichnen. Damit wird die Fehlbelegungsanalyse Teil einer umfassenden, datengestützten Stadtentwicklung, die weit mehr ist als die Summe ihrer Einzelteile.

Praxisbeispiele: Intelligente Spielplatzanalyse in DACH-Städten

In Deutschland, Österreich und der Schweiz gibt es bereits zahlreiche Pilotprojekte, die den Einsatz von maschinellem Lernen zur Analyse städtischer Freiräume erproben. Besonders im Fokus stehen dabei öffentlich zugängliche Spielflächen, da sie als Indikator für soziale Teilhabe und Lebensqualität gelten. So hat beispielsweise die Stadt Zürich im Rahmen eines städtischen Innovationsprojekts Sensorik auf mehreren Spielplätzen installiert, um die Nutzung rund um die Uhr zu erfassen. Die gewonnenen Daten wurden mithilfe von maschinellen Lernverfahren ausgewertet und zeigten überraschende Muster: Während der Spielplatz tagsüber von Kindern genutzt wurde, fungierte er abends als Treffpunkt für Jugendliche und wurde in den frühen Morgenstunden vereinzelt als Parkplatz für Lieferfahrzeuge missbraucht.

Auch in Hamburg gibt es ein Smart-City-Pilotprojekt, bei dem KI-basierte Bildauswertung zur Erkennung von Fehlbelegungen eingesetzt wird. Dort hat man festgestellt, dass bestimmte Flächen – abhängig von der Wetterlage und den Schulferien – deutlich häufiger zweckentfremdet werden. Die Stadtverwaltung konnte daraufhin gezielte Maßnahmen ergreifen, etwa durch die bauliche Umgestaltung von Zugängen oder durch bessere Information und Beteiligung der Anwohner.

In Wien wiederum wird maschinelles Lernen im Rahmen der digitalen Stadtentwicklung eingesetzt, um die Aufenthaltsqualität auf öffentlichen Freiflächen zu verbessern. Hier werden die Daten nicht nur zur Erkennung von Fehlbelegungen genutzt, sondern auch zur Simulation verschiedener Nutzungsvarianten. Dadurch können Planer schon im Vorfeld abschätzen, wie sich bauliche Veränderungen auf die tatsächliche Nutzung auswirken – und Fehlbelegungen von vornherein vermeiden.

Ein weiteres spannendes Beispiel liefert die Stadt München, wo die städtische IT zusammen mit Landschaftsarchitekten ein System entwickelt hat, das Sensordaten mit Umfrageergebnissen aus der Bevölkerung kombiniert. Durch diese integrative Herangehensweise entsteht ein besonders valides Bild der tatsächlichen Nutzungsrealität – und die Akzeptanz für technologische Neuerungen steigt spürbar, weil die Bürger aktiv eingebunden werden.

Diese Beispiele zeigen: Maschinelles Lernen ist kein Selbstzweck, sondern ein mächtiges Werkzeug, um urbane Freiräume bedarfsgerecht, effizient und sozial verträglich zu gestalten. Die Kunst besteht darin, die Technologie sinnvoll einzubetten, die richtigen Fragestellungen zu definieren – und die gewonnenen Erkenntnisse in konkrete Planung und Verwaltungspraxis zu übersetzen.

Risiken, Nebenwirkungen und ethische Fragen beim Einsatz von KI im öffentlichen Raum

So vielversprechend die Möglichkeiten maschinellen Lernens auch sind – sie werfen zugleich eine Fülle kritischer Fragen auf. Ein zentrales Thema ist der Datenschutz: Die Erfassung und Auswertung von Bewegungsdaten im öffentlichen Raum unterliegt strengen gesetzlichen Vorgaben. Werden Bilddaten verarbeitet, müssen Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben, und die Speicherung personenbezogener Informationen ist nur unter eng definierten Bedingungen zulässig. Städte stehen daher vor der Herausforderung, technische Machbarkeit und rechtliche Rahmenbedingungen in Einklang zu bringen.

Ein weiteres Risiko liegt in der potenziellen Verzerrung der Algorithmen. Wenn Trainingsdaten nicht repräsentativ sind, können bestimmte Nutzungsarten über- oder unterbewertet werden. Das hat direkte Folgen für die Planung – etwa wenn eine seltene, aber sozial wichtige Nutzung wie das Spielen am frühen Morgen übersehen wird und daher aus der Planung herausfällt. Auch der sogenannte „technokratische Bias“ ist eine Gefahr: Wenn ausschließlich datenbasierte Bewertungen als Entscheidungsgrundlage dienen, geraten subjektive Bedürfnisse und lokale Besonderheiten leicht aus dem Blickfeld.

Die Frage nach der Kontrolle über die Daten und die Algorithmen ist ebenfalls hochaktuell. Wer entscheidet, wie die Daten genutzt werden? Wer hat Zugriff auf die Analyseergebnisse? Und wie werden die Erkenntnisse transparent kommuniziert? Ohne klare Governance-Strukturen droht die Gefahr, dass Entscheidungen intransparent und schwer nachvollziehbar werden. Um das zu verhindern, müssen Städte auf offene, nachvollziehbare Systeme und partizipative Entscheidungsprozesse setzen.

Auch die Akzeptanz in der Bevölkerung spielt eine zentrale Rolle. Viele Menschen stehen der Erfassung ihrer Bewegungen im öffentlichen Raum skeptisch gegenüber – und das nicht zu Unrecht. Hier sind eine offene Kommunikation und die frühzeitige Einbindung der Betroffenen entscheidend. Erfolgreiche Projekte zeigen, dass Transparenz und aktive Beteiligung die Akzeptanz technischer Innovationen maßgeblich erhöhen.

Schließlich gilt es, den Einsatz von KI nicht als Allheilmittel zu missverstehen. Maschinelles Lernen kann wertvolle Erkenntnisse liefern, ersetzt aber nicht die fachliche Expertise von Planern, Architekten und Sozialwissenschaftlern. Die besten Ergebnisse entstehen dort, wo Technologie und menschliches Know-how Hand in Hand arbeiten – und wo ethische, soziale und rechtliche Aspekte von Anfang an mitgedacht werden.

Die Zukunft der intelligenten Freiraumanalyse – Perspektiven und Empfehlungen

Die intelligente Analyse von Spielplatznutzung durch maschinelles Lernen steckt vielerorts noch in den Kinderschuhen, doch das Potenzial für eine nachhaltige Stadtentwicklung ist enorm. Je besser Städte die tatsächlichen Nutzungsmuster ihrer Freiräume erfassen, desto zielgerichteter können sie Flächen gestalten, Fehlbelegungen reduzieren und die Lebensqualität erhöhen. Datenbasierte Erkenntnisse ermöglichen eine bedarfsgerechte Planung, die soziale Gerechtigkeit, Flächeneffizienz und ökologische Nachhaltigkeit in Einklang bringt.

Für die erfolgreiche Implementierung solcher Systeme braucht es jedoch mehr als nur technische Lösungen. Entscheidend sind eine klare Governance, rechtliche Sicherheit und die Einbindung aller relevanten Akteure – von der Verwaltung über die Fachplanung bis hin zur Bevölkerung. Städte sollten auf offene, interoperable Systeme setzen, die kontinuierlich weiterentwickelt werden und transparent kommuniziert werden können.

Langfristig kann die Kombination aus maschinellem Lernen, partizipativer Planung und klassischer Expertise einen Paradigmenwechsel in der Stadt- und Freiraumplanung einleiten. Statt auf Verdacht oder Einzelmeinungen zu reagieren, werden Fehlbelegungen systematisch erkannt und adressiert. Gleichzeitig entstehen neue Möglichkeiten für die Beteiligung der Stadtgesellschaft, denn datenbasierte Analysen machen urbane Prozesse nachvollziehbar und bieten eine solide Grundlage für den Dialog zwischen Verwaltung, Politik und Bürgern.

Die größten Herausforderungen bleiben die Sicherung des Datenschutzes, der verantwortungsvolle Umgang mit Algorithmen und die Wahrung sozialer Interessen. Wer diese Themen von Anfang an konsequent mitdenkt, kann das Vertrauen der Bevölkerung gewinnen – und die Grundlage für eine innovative, sozial gerechte und lebenswerte Stadt der Zukunft legen.

Abschließend lässt sich festhalten: Maschinelles Lernen ist kein Selbstzweck, sondern ein Schlüssel für eine neue Generation smarter, menschlicher und gerechter Städte. Wer jetzt die richtigen Weichen stellt, kann das urbane Zusammenleben nachhaltig verbessern – und das Herz der Stadt, ihre Spielplätze, wieder zum lebendigen Treffpunkt für alle machen.

Zusammenfassung:
Die Fehlbelegung von Spielplätzen ist eines jener Phänomene, die im hektischen Stadtalltag oft übersehen werden, aber zentrale Auswirkungen auf Lebensqualität, soziale Teilhabe und urbane Gerechtigkeit haben. Klassische Erfassungsmethoden stoßen an ihre Grenzen, weshalb innovative Städte zunehmend auf maschinelles Lernen setzen, um die tatsächliche Nutzung urbaner Freiräume objektiv und kontinuierlich zu analysieren. Durch intelligente Sensorik und fortschrittliche Algorithmen lassen sich Fehlbelegungen sichtbar machen, Ursachen identifizieren und gezielte Maßnahmen ableiten. Erfolgreiche Beispiele aus dem deutschsprachigen Raum zeigen das immense Potenzial, aber auch die Notwendigkeit, technische Innovationen mit Datenschutz, Governance und partizipativer Planung zu verbinden. Die Zukunft der Freiraumanalyse liegt in der klugen Verbindung von KI, fachlicher Expertise und gesellschaftlichem Dialog – für nachhaltige, gerechte und lebenswerte Städte.

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Eine crossmediale Ausstellung im Besucherzentrum der IGA Berlin ergänzt den Gartenschau-Tag mit kurzweiligen Informationen.

“Please think!” Diese sehr deutliche Botschaft des Landschaftsarchitekten Tom Stuart-Smith (Großbritannien) macht sich auch die Ausstellung im Besucherzentrum der IGA zu eigen, in der die Dokumentation über dessen „Landscape out of nothing“ zu sehen ist. Im Video spricht der Gestalter eines der Gartenkabinette der IGA über seine Ansprüche und die Rolle der Besucher.

Eine crossmediale Ausstellungsskulptur ermöglicht es jedem IGA-Besucher, einen individuellen Parcours zu den historischen und kreativen Entstehungsprozessen der Gärten – von der 1987 eröffneten Berliner Gartenschau bis zur IGA 2017 – zu gestalten. Organisiert auf drei Ebenen, ergänzt diese Skulptur für Groß und Klein das, was man beim IGA-Besuch gesehen hat.

Videos, Fotos, Memotafeln und Originalobjekte dokumentieren den gestalterischen Ansatz, die Entwicklung der gesamten Anlage und auch die Kunst auf der IGA. Gelungen ist die Mischung unterschiedlicher Ausstellungsformen wie zum Beispiel das Video zum chinesischen Mondfest (wieder am 23. September 2017 auf der IGA), die japanischen Bauarbeiterschuhe, das Modell zum „Los Angeles Garden“ des deutschen Künstlers Martin Kaltwasser oder die Künstler- und Planerprofile. Erläuterungen zu religiös und kulturell bedingten Symbolen, die in den Gärten zu finden sind, ergänzen alles gekonnt.

Aus dieser Interaktion ist eine Ausstellung entstanden, die es schafft, Landschaftsarchitektur auf einfache, verständliche Weise und zugleich feinsinnig zu vermitteln. Sie wurde sehr kurzweilig sowohl graphisch als auch inhaltlich von der Berliner Agentur Moniteurs in Zusammenarbeit mit der Berliner Landschaftsarchitektin und Filmemacherin Susanne Isabel Yacoub aufbereitet. Diese Form der Präsentation ist nachahmenswert, bedenkt man die langjährigen Anstrengungen, eine breite Öffentlichkeit für die Profession zu erreichen.

Bedauerlich ist, dass diese kleine, sehr gelungene Ausstellung im Besucherzentrum in unmittelbarer Nachbarschaft zu den kommerziellen Angeboten der IGA ihre Wirkung nicht angemessen entfalten kann, trotz Frontverglasung, die zeitgleich den Ausblick in den Park ermöglicht.

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt sind die Gründerinnen und Leiterinnen der Akademie für Raum und Wandel. © Frédéric Henry, 2024

Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt streben einen Wandel in der Planungspraxis an. Um diesen voranzutreiben, haben die beiden Frauen Anfang des Jahres die Akademie für Raum und Wandel gegründet. Mehr zu den Hintergründen und ihren Visionen für die Zukunft, lesen Sie hier. 

„Aktuell stehen wir vor großen globalen Herausforderungen: Themen der Bauwende sowie gesellschaftliche Veränderungen stellen drängende Fragen für unsere Zukunft und fordern ein verändertes Welt- und Selbstverständnis“, sind sich Dr. Isabel Zintl und Dr. Katharina Voigt einig. Zintl ist studierte Landschaftsarchitektin und Architektin, promovierte zu ‚Vertikalen Freiräumen‘ und arbeitet heute als Nachhaltigkeitsexpertin für strategische Stadt- und Freiraumentwicklung und als Mentorin. Voigt ist Architektin, Choreografin für zeitgenössischen Tanz und beschäftigte sich in ihrer Promotion mit dem Thema ‚Impulse und Dialoge zwischen Architektur und Körper’. Aus dem Bedürfnis, Wandel in der Planungsbranche aktiv zu gestalten, gründeten sie Anfang 2024 die Akademie für Raum und Wandel, die mit dem Herbstprogramm ab September in ihre erste Saison startet. Dabei kollaborieren sie mit einer Vielzahl an Dozent*innen, die in diesem neuen Kontext des Lernens und der Veränderung ihre Expertise teilen.

Zeit für einen Paradigmenwechsel

Trotz ihres starken akademischen Hintergrunds siedeln Zintl und Voigt ihre Plattform jenseits des klassischen Hochschulkontextes an. Dies resultiert laut Voigt aus der Erkenntnis, dass lebenslanges Lernen auch in späteren Lebensphasen essenziell, die Angebote zur Weiterbildung jedoch oft begrenzt und stark getrennt zwischen persönlicher, gesellschaftlicher und beruflicher Entwicklung seien. Im Bewusstsein dieses Defizits machen sich Voigt und Zintl für neue Lehr- und Lernformen, Möglichkeiten der Vernetzung, Austausch auf Augenhöhe und das Eröffnen neuer Themenfelder für die Planungsdisziplinen stark. Die Vision der Akademie für Raum und Wandel ist dabei klar: „Es geht uns um nicht weniger, als um einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Planungspraxis, der Auffassung von Raum und Wandel und dem Gestalten einer wirklich nachhaltigen gebauten Lebenswelt.“

Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner
Bei den Summerschools in der Fonte della Luna in Ligurien wird im Garten mit angepackt. © Carolin Kemkes-Günner

Nachhaltigkeit in allen Bereichen

Für Zintl resultiert dieser ganzheitliche Ansatz auch aus ihrer jahrelangen Erfahrung als Mutter und Frau in der Baubranche: „Aus meiner Sicht, kann die notwenige »Bauwende« nicht heißen weniger abzureißen und zu betonieren, es geht auch darum zu erkennen, wie wir als Planer:innen arbeiten und leben. Denn wirkliche Nachhaltigkeit betrachtet alle Bereiche, denn auch die eigene Arbeitskraft sollte nachhaltig eingesetzt werden.“ Es sei zu beobachten, dass viele Menschen – vor allem Frauen und Mütter – wegen der Unvereinbarkeit von Privatleben und Beruf die Planungspraxis verließen. Zu viel Stress, Burnout, schlechte Bezahlung oder veraltete Machtstrukturen in den Büros seien einerseits Gründe, aus dem Beruf auszuscheiden. Doch auch moralische Fragen nach der Nachhaltigkeit der eigenen Arbeit beschäftigten heute vermehrt Arbeitnehmer*innen.

Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen.  © Dr. Isabel Zintl
Die Akademie fördert den Austausch im digitalen und physischen Raum und will Personen mit unterschiedlichen Hintergründen zusammenbringen. © Dr. Isabel Zintl

Akademie für Raum und Wandel im digitalen und physischen Raum

In der Aushandlung dieser Herausforderungen und Widersprüche setzt das Angebot der Akademie an. Dabei stehen drei Felder im Mittelpunkt, in denen Zintl und Voigt einen Paradigmenwechsel anstreben: Systeme ganzheitlich statt als Einzellösungen zu betrachten, das Verständnis von Raum und Wandel zu erneuern und das Selbstverständnis von Planer*innen zu hinterfragen. Denn Person und berufliches Wirken sind für Zintl und Voigt eng verzahnt: „Wie kann man menschliche, lebenswerte und nachhaltige Räume planen, wenn diese Absicht und Regel für einen selbst nicht gilt?“

Die Akademie für Raum und Wandel will deshalb vieles anders machen und neu denken. Derzeit passierten der Austausch und die Vermittlung vor allem in Form von Workshops, Seminaren und Ausbildungen als niederschwellige Online-Angebote. Eingeladen sind alle Altersgruppen und Berufssparten der Planungspraxis, entscheidend seien Interesse, nicht eine bestimmte Vorbildung. Auch die Hintergründe der Dozent:innen sind divers. Neben dem digitalen Programm, liegt ein weiterer Fokus auf Summerschools an der Fonte della Luna in der Nähe von Genua.

Die Resonanz auf das Projekt sei schon jetzt groß. Für die Zukunft wünschen sich die Gründerinnen „dass immer mehr Teilnehmer:innen die Einladung annehmen, die Akademie für Raum und Wandel als einen neuartigen Ort  des Lernens und der Veränderung für sich nutzen und nachhaltig Neues schaffen – in der Welt und im eigenen Leben.“

Alle Informationen zur Akademie für Raum und Wandel, zum aktuellen Programm und zur Mitwirkung finden Sie hier.

Weiterlesen: Latz + Partner gestaltete die Freianlagen des Dombergs in Freising neu. Was das Projekt auszeichnet, erklären Iris Dupper und Tilman Latz im Interview.