Neue Maßstäbe für den Stadtraum – Maßstabswechsel im Zeitalter der Dichte

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Verkehrsreiche Straße zwischen modernen Hochhäusern in Deutschland, fotografiert von Bin White.

Stadtentwicklung im Zeichen wachsender Dichte? Die Antwort liegt nicht im Klein-Klein, sondern im Perspektivwechsel: Maßstabswechsel ist das Zauberwort für urbane Räume, die mehr sein wollen als verdichtete Flächen zwischen S-Bahn, Supermarkt und Straßenlärm. Wer heute Stadt plant, muss den Mut haben, den Maßstab zu wechseln – und damit nicht nur neue Räume, sondern ganz neue Möglichkeiten für Lebensqualität, Nachhaltigkeit und Teilhabe zu schaffen. Wie das geht, warum es so schwierig ist und weshalb gerade jetzt ein radikaler Maßstabswechsel ansteht, lesen Sie hier.

  • Definition und Bedeutung des Maßstabs in der Stadtplanung – von der Parzelle bis zur Metropolregion
  • Warum das Zeitalter der Dichte einen neuen Umgang mit Maßstäben erzwingt
  • Maßstabswechsel als Werkzeug für nachhaltige Quartiersentwicklung und resiliente Stadtstrukturen
  • Innovative Planungsansätze: Von Mikrointerventionen bis zu großmaßstäblichen Leitbildern
  • Die Rolle digitaler Werkzeuge und Urban Digital Twins beim Maßstabswechsel
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz
  • Herausforderungen: Planungsrecht, Partizipation, Governance und kulturelle Barrieren
  • Chancen für urbane Lebensqualität, Klimaanpassung und soziale Inklusion
  • Risiken: Kommerzialisierung, algorithmische Verzerrung und technokratische Engführung
  • Fazit: Maßstabswechsel als neue Denkkultur für die Stadt von morgen

Maßstab und Dichte: Warum das kleinste Detail den großen Unterschied macht

Der Maßstab ist das vielleicht unterschätzteste Werkzeug in der Stadtplanung – und gleichzeitig das mächtigste. Ob ein Stadtquartier als lebenswert oder als anstrengend empfunden wird, entscheidet sich oft an der Frage, auf welcher Ebene geplant, gedacht und gehandelt wird. Im klassischen Verständnis meint Maßstab vor allem die Verkleinerung eines Raums auf ein planbares Format: 1:500 für Gebäudeentwürfe, 1:2000 für Bebauungspläne, 1:25000 für Regionalentwicklungen. Doch im urbanen Kontext ist Maßstab weit mehr als eine technische Größe. Er ist ein Denkmodus, der bestimmt, was überhaupt wahrgenommen, bewertet und am Ende gestaltet wird.

Das Zeitalter der Dichte hat die Maßstabsfrage in den Mittelpunkt gerückt. In deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten ist Nachverdichtung längst Alltag – nicht selten synonym für Flächenkonkurrenz, Nutzungskonflikte oder städtebauliche Kompromisslösungen. Doch Dichte ist nicht per se schlecht. Sie kann Atmosphäre, Effizienz und Urbanität erzeugen, vorausgesetzt, sie wird mit dem richtigen Maßstab gedacht. Wer den Maßstab zu klein wählt, verliert die Übersicht und übersieht größere Zusammenhänge. Wer zu groß denkt, riskiert, das Wesentliche – nämlich die Bedürfnisse der Menschen vor Ort – aus dem Blick zu verlieren.

Maßstabswechsel bedeutet deshalb, bewusst zwischen den Ebenen zu springen: Von der Gestaltung einer Bank auf dem Quartiersplatz bis zur Entwicklung einer urbanen Achse, die ein ganzes Stadtviertel transformiert. Es geht um die Fähigkeit, den Fokus zu weiten – und wieder zu verengen. Gerade im Kontext zunehmender Dichte ist das entscheidend, denn hier prallen unterschiedlichste Anforderungen auf engstem Raum aufeinander: Mobilität, Grünflächen, Aufenthaltsqualität, Infrastruktur, soziale Nutzung.

Ein klassisches Beispiel: Die Transformation einer Hauptverkehrsstraße in einen multifunktionalen Stadtraum. Im Maßstab 1:1000 erscheint sie als bloßer Verkehrsraum. Im Maßstab 1:100 offenbaren sich jedoch die Potenziale für Aufenthaltsflächen, Mikroklima, soziale Interaktion und Stadtökologie. Erst der Maßstabswechsel macht sichtbar, was mit einer reinen Vogelperspektive verborgen bleibt – und umgekehrt.

Für professionelle Planer ist das kein Selbstzweck, sondern eine strategische Notwendigkeit. Denn Stadtentwicklung im Zeitalter der Dichte verlangt nach Lösungen, die gleichzeitig robust und flexibel, identitätsstiftend und skalierbar, effizient und empathisch sind. Der Maßstabswechsel ist das Werkzeug, das diese scheinbaren Gegensätze in produktive Synergien überführt. Wer ihn nicht beherrscht, bleibt im Klein-Klein stecken – oder verliert sich im großen Entwurf ohne Wirkung vor Ort.

Maßstabswechsel als Hebel für nachhaltige und resiliente Stadträume

Im Spannungsfeld von Klimakrise, Flächenknappheit und demografischem Wandel wird der Maßstabswechsel zu einer Überlebensstrategie für Städte. Nachhaltige Stadtentwicklung erfordert ein fortwährendes Kalibrieren zwischen Mikro und Makro, zwischen schnellen Interventionen und langfristigen Leitbildern. Die Kunst besteht darin, die richtigen Stellschrauben auf der passenden Ebene zu bedienen – und dabei den Zusammenhang nie aus dem Blick zu verlieren.

Ein Paradebeispiel: Die Schwammstadt-Prinzipien, die derzeit in vielen deutschen und österreichischen Städten diskutiert werden. Regenwassermanagement, Entsiegelung und neue Grünstrukturen entfalten ihre Wirkung erst dann voll, wenn sie sowohl in der Parzelle (zum Beispiel als grüne Dächer oder Muldenrigolen) als auch im Quartier und auf der städtischen Gesamtebene miteinander vernetzt werden. Der Maßstabswechsel ist hier kein Nice-to-have, sondern essenziell für Klimaresilienz und urbane Gesundheit.

Ebenso relevant ist der Maßstabswechsel für soziale Nachhaltigkeit. Quartiersentwicklung, die nur auf der Makroebene geplant wird, läuft Gefahr, die spezifischen Bedürfnisse und Dynamiken der lokalen Bevölkerung zu ignorieren. Umgekehrt können Projekte, die ausschließlich als Mikrointerventionen gedacht werden, kaum strukturelle Probleme wie Segregation, Gentrifizierung oder Erreichbarkeit lösen. Erst die bewusste Verschränkung der Maßstäbe schafft Räume, die lebens- und zukunftsfähig sind.

Resiliente Städte zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf unterschiedlichen Ebenen flexibel auf Krisen reagieren können. Ob Hitzewelle, Starkregen oder soziale Spannungen – die Antwort liegt immer im Zusammenspiel verschiedener Maßstabsebenen. Die Integration von Grünräumen, die Vernetzung von Mobilitätsangeboten, neue Wohnformen oder innovative Energieinfrastrukturen: All das funktioniert nur, wenn Planer den Maßstabswechsel nicht scheuen, sondern aktiv gestalten.

Nicht zuletzt eröffnet der Maßstabswechsel neue Chancen für Partizipation und Governance. Bürgerbeteiligung, die sich auf die große Vision beschränkt, bleibt abstrakt und oft folgenlos. Erst wenn sie mit konkreten, kleinteiligen Interventionen verzahnt wird, entsteht echte Wirkung. Umgekehrt kann lokale Mitbestimmung durch ein übergeordnetes Narrativ gestärkt und in einen größeren Zusammenhang gestellt werden. Maßstabswechsel ist damit auch ein demokratisches Werkzeug, das Beteiligung auf allen Ebenen ermöglicht – und erst so die Stadt von morgen erschafft.

Digitale Werkzeuge und Urban Digital Twins als Katalysatoren des Maßstabswechsels

Im digitalen Zeitalter hat sich der Maßstabswechsel von einer planerischen Disziplin zu einer technologischen Notwendigkeit entwickelt. Urban Digital Twins – digitale Abbilder ganzer Städte – sind längst keine Science-Fiction mehr, sondern in Pionierstädten wie Wien, Helsinki oder Singapur gelebte Realität. Sie ermöglichen es, städtebauliche Entwicklungen, Infrastrukturen, Verkehrsflüsse oder Klimadaten in Echtzeit zu erfassen, zu simulieren und auf verschiedensten Maßstabsebenen zu analysieren.

Der Clou: Digitale Zwillinge sind in der Lage, verschiedene Maßstäbe nahtlos miteinander zu verknüpfen. Ein Beispiel: Die Simulation eines neuen Mobilitätskonzepts kann auf der Makroebene die Auswirkungen auf den gesamten Stadtverkehr zeigen – und gleichzeitig auf der Mikroebene die Konsequenzen für einzelne Straßenabschnitte, Kreuzungen oder Bushaltestellen visualisieren. So wird sichtbar, wie großmaßstäbliche Entscheidungen bis ins kleinste Detail hineinwirken – und umgekehrt.

In der Praxis eröffnen Urban Digital Twins ungeahnte Möglichkeiten für Szenarioplanung, Beteiligung und Transparenz. Behörden, Planungsbüros und sogar Bürger können alternative Entwürfe, Klimaszenarien oder Nutzungskonzepte quasi auf Knopfdruck durchspielen. Die Integration von GIS-Daten, Sensornetzwerken, Verkehrsmodellen und Umweltparametern schafft eine neue Qualität der Planungsgrundlage – und erlaubt es, Maßstabswechsel nicht nur zu denken, sondern auch zu erleben.

Natürlich bringt diese Digitalisierung auch Herausforderungen mit sich. Die Gefahr, dass komplexe Zusammenhänge algorithmisch verzerrt oder technokratisch vereinfacht werden, ist real. Ebenso besteht das Risiko, dass die Steuerung und Deutungshoheit über digitale Stadtmodelle in die Hände weniger Akteure wandert. Entscheidend ist daher, dass Maßstabswechsel im digitalen Raum stets von Transparenz, Offenheit und partizipativer Governance begleitet werden.

Die Zukunft der Stadtplanung liegt in hybriden Prozessen, in denen analoge Expertise und digitale Simulationen Hand in Hand gehen. Der Maßstabswechsel wird so nicht nur zur planerischen, sondern zur gesellschaftlichen Kernaufgabe: Wer ihn gestaltet, gestaltet die Stadt von morgen – flexibel, resilient und inklusiv.

Best-Practice – Maßstabswechsel in deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten

Theorien sind schön, Praxis ist besser. In zahlreichen Städten der DACH-Region wird der Maßstabswechsel bereits erfolgreich erprobt – manchmal leise, manchmal spektakulär. Ein prominentes Beispiel ist das Hamburger Projekt „Sprung über die Elbe“, bei dem großmaßstäbliche Stadtentwicklung (die Verbindung von Norden und Süden der Stadt) mit mikromaßstäblichen Eingriffen in einzelnen Quartieren verzahnt wurde. Hier zeigt sich, wie strategische Leitbilder und lokale Interventionen ineinandergreifen können, um städtebauliche Dichte mit Lebensqualität zu verbinden.

In Zürich setzt man auf die Kombination von digitaler Simulation und sozialräumlicher Analyse, um die Entwicklung neuer Stadtteile wie Zürich-West nachhaltig zu steuern. Die Integration von Klima-, Verkehrs- und Sozialdaten auf verschiedenen Maßstabsebenen erlaubt es, Anpassungen frühzeitig vorzunehmen und so experimentell zu erproben, bevor irreversible Fakten geschaffen werden.

Wien gilt als Vorreiter für innovative Maßstabswechsel im Bereich der Schwammstadt. Hier wird die Transformation von grauen zu grünen Infrastrukturen nicht nur im Stadtmaßstab geplant, sondern in jedem einzelnen Quartier, jeder Straße, jedem Hof umgesetzt – stets begleitet von digitalen Modellen und partizipativen Prozessen. Die Erfahrung zeigt: Erst der bewusste Wechsel zwischen den Ebenen schafft resiliente Strukturen, die auch Extremwetterereignisse und soziale Herausforderungen meistern.

Auch mittelgroße Städte wie Ulm oder Graz experimentieren mit neuen Maßstabslogiken. Dort werden partizipative Planungswerkstätten mit digitalen Zwillingen kombiniert, um die Auswirkungen von Nachverdichtung, Mobilitätswende oder Klimaanpassung auf verschiedenen Ebenen sichtbar zu machen. Die Devise: Keine Entscheidung ohne Wechsel der Perspektive – und keine Maßnahme ohne Rückbindung an das große Ganze.

Was alle Beispiele eint, ist der Mut zum Wandel. Maßstabswechsel ist kein Selbstläufer, sondern fordert Institutionen, Experten und Bürgerschaft gleichermaßen heraus. Es braucht neue Governance-Strukturen, offene Datenplattformen, interdisziplinäre Teams und eine Fehlerkultur, die Experimente zulässt. Doch der Lohn ist groß: Städte, die Maßstabswechsel beherrschen, schaffen Räume, die wachsen, lernen und sich immer wieder neu erfinden können – im besten Sinne urban.

Herausforderungen und Chancen: Maßstabswechsel als neue Denkkultur

Trotz aller Innovationen bleibt der Maßstabswechsel in deutschen, österreichischen und schweizerischen Städten eine anspruchsvolle Aufgabe. Die größte Hürde ist oft mentaler Natur: Planungsämter, Bauherren und auch Bürger sind es gewohnt, in festen Maßstäben zu denken und zu handeln. Die administrative Realität, das Planungsrecht und die Förderlogik sind meist auf bestimmte Ebenen festgelegt – und bremsen so die notwendige Flexibilität aus.

Daneben gibt es strukturelle Barrieren. Die Fragmentierung von Zuständigkeiten, die fehlende Interoperabilität von Daten und die mangelnde Standardisierung von Planungsinstrumenten erschweren den Maßstabswechsel erheblich. Insbesondere die Integration digitaler Tools wie Urban Digital Twins stößt an juristische und technische Grenzen. Nicht selten herrscht Unsicherheit darüber, wer überhaupt die Hoheit über die neuen digitalen Stadtmodelle besitzt – und welche Folgen deren Nutzung für demokratische Teilhabe und Transparenz hat.

Doch gerade hier liegen auch die größten Chancen. Maßstabswechsel kann dazu beitragen, klassische Zielkonflikte – etwa zwischen Dichte und Grün, Effizienz und Aufenthaltsqualität, Wachstum und Nachhaltigkeit – produktiv aufzulösen. Wer es wagt, die Perspektive zu wechseln, entdeckt oft ganz neue Lösungen, die im gewohnten Maßstab verborgen geblieben wären. Von flexiblen Nutzungen über temporäre Interventionen bis hin zu neuen Beteiligungsformaten: Maßstabswechsel ist ein Innovationsmotor, der Stadtentwicklung auf allen Ebenen beschleunigen kann.

Auch für die soziale Inklusion bietet der Maßstabswechsel Potenzial. Räume, die sowohl im Großen als auch im Kleinen gedacht werden, sind besser in der Lage, auf unterschiedliche Lebensstile, Mobilitätsbedürfnisse und kulturelle Hintergründe einzugehen. Das Ergebnis sind Städte, die nicht nur dichter, sondern auch gerechter und vielfältiger werden – und damit resilient gegenüber Krisen und Umbrüchen bleiben.

Nicht zuletzt ist der Maßstabswechsel ein Schutzmechanismus gegen die Kommerzialisierung und Technokratisierung der Stadtentwicklung. Wer die Wechselwirkungen zwischen den Ebenen versteht und gestaltet, erkennt schneller, wo Algorithmen verzerren, Partikularinteressen dominieren oder technokratische Lösungen an den Bedürfnissen der Nutzer vorbeigehen. Maßstabswechsel ist deshalb auch ein Plädoyer für mehr Reflexion, Offenheit und Diskurs in der Stadtplanung – und damit für eine neue, mutige Denkkultur.

Fazit: Maßstabswechsel – das Update, das die Stadt von morgen braucht

Der Maßstabswechsel ist weit mehr als ein planerischer Trick oder eine Modeerscheinung. Er ist die Antwort auf die Herausforderungen des urbanen 21. Jahrhunderts – vom Klimawandel über die Mobilitätswende bis hin zur sozialen Frage. Wer den Mut hat, Maßstabssprünge zu wagen, verleiht der Stadtplanung eine neue Tiefe und Flexibilität. Digitale Werkzeuge wie Urban Digital Twins beschleunigen diesen Wandel und machen ihn für alle Beteiligten sichtbar, nachvollziehbar und gestaltbar.

Doch der Maßstabswechsel ist auch ein Lernprozess. Er erfordert Offenheit für neue Perspektiven, die Bereitschaft zum Experiment und den Willen, Fehler als Chance zu begreifen. Städte, die diesen Weg beschreiten, sind besser gerüstet für die Herausforderungen von Dichte, Vielfalt und Nachhaltigkeit. Sie schaffen Räume, die nicht nur funktionieren, sondern begeistern – im Großen wie im Kleinen.

Am Ende ist der Maßstabswechsel nichts anderes als eine Einladung, die Stadt immer wieder neu zu erfinden. Wer sie annimmt, gestaltet nicht nur Räume, sondern auch die Zukunft des urbanen Lebens. Die Stadt von morgen entsteht dort, wo der Maßstab nicht als Grenze, sondern als Sprungbrett begriffen wird. Und das ist vielleicht die wichtigste Lektion, die wir aus dem Zeitalter der Dichte mitnehmen sollten.

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Digitale Friedhöfe – Wie Stadtgrün archiviert wird

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Luftaufnahme eines Friedhofs mit zahlreichen Grabsteinen. Foto von Arushdeep Singh.

Was passiert eigentlich mit unseren Friedhöfen, wenn die Stadt wächst, die Gesellschaft altert – und digitale Technologien plötzlich selbst die letzte Ruhe aufmischen? Willkommen im Zeitalter der digitalen Friedhöfe: Hier wird nicht nur Erinnerung bewahrt, sondern Stadtgrün archiviert, analysiert und in neue Planungshorizonte überführt. Ein Blick auf die Schnittstelle von Trauerkultur, Datenmanagement und urbaner Transformation, der zeigt: Totgesagte leben länger – und werden digital unsterblich.

  • Definition und Entwicklung digitaler Friedhöfe als Werkzeuge der Stadt- und Grünflächenplanung
  • Wie digitale Archive zum Erhalt historischer Grabstätten und Biodiversität beitragen
  • Technologien: GIS, 3D-Scanning, Datenbanken und ihre Rolle im Friedhofsmanagement
  • Die Bedeutung digitaler Friedhöfe für nachhaltige Stadtentwicklung und Flächenkonkurrenz
  • Rechtliche, ethische und kulturelle Herausforderungen bei der Digitalisierung von Grab- und Grünanlagen
  • Innovative Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz – zwischen Experiment und Exzellenz
  • Partizipation, Zugänglichkeit und Transparenz im digitalen Archivwesen
  • Risiken: Kommerzialisierung, Datenschutz, Verlust von Authentizität
  • Perspektiven: Wie digitale Friedhöfe die Trauerkultur und das urbane Gedächtnis verändern

Digitale Friedhöfe: Vom Grabstein zur Datenbank

Friedhöfe sind seit Jahrhunderten mehr als bloße Begräbnisstätten. Sie sind stille Zeugen der Stadtgeschichte, Archive der Erinnerung, Oasen der Biodiversität – und, nicht zu vergessen, hochkomplexe Flächen inmitten eines immer knapper werdenden urbanen Raums. Doch während Städte wachsen und sich verändern, geraten viele Friedhöfe unter Druck: Platzmangel, veränderte Bestattungsgewohnheiten, Kostendruck und der demografische Wandel fordern neue Antworten. Genau hier setzen digitale Friedhöfe an – als Werkzeuge, um Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft von Stadtgrün intelligent miteinander zu verknüpfen.

Doch was ist ein digitaler Friedhof eigentlich? Hierbei handelt es sich keineswegs um bloße Online-Gedenkseiten oder virtuelle Friedhofsrundgänge für Daheimgebliebene. Vielmehr werden reale Friedhöfe mit digitalen Technologien kartiert, dokumentiert und in mehrschichtigen Datenbanken erfasst. Jeder Grabstein, jede Baumallee, jede denkmalgeschützte Kapelle wird digital vermessen, fotografiert, mit Geokoordinaten versehen und mit historischen Informationen angereichert. Das Ergebnis: ein präzises, updatefähiges Abbild des Friedhofs, das sowohl für Verwaltung als auch Planung neue Horizonte eröffnet.

Dieser digitale Zwilling ermöglicht es, Informationen zentral zu speichern und miteinander zu verknüpfen. Plötzlich lassen sich Grabnutzungsrechte, Baumgutachten, Pflegeintervalle und sogar Biodiversitätsdaten auf einen Klick abrufen. Die Verwaltung wird effizienter, die Pflege gezielter, die Planung transparenter. Vor allem aber entsteht ein digitales Archiv, das über Generationen hinweg erhalten bleibt – und damit das kulturelle Gedächtnis der Stadt sichert, auch wenn die reale Grabstätte längst verschwunden ist.

Die Idee, Friedhöfe zu digitalisieren, ist dabei keine Spielerei, sondern längst Teil des professionellen Stadtgrüns. Immer mehr Kommunen investieren in Geoinformationssysteme (GIS), 3D-Scans und digitale Kataster, um ihre historischen und aktuellen Friedhöfe zu erfassen. Das Ziel: Den Überblick behalten, Entwicklungspotenziale erkennen und den Spagat zwischen Denkmalschutz, Trauerkultur und Flächendruck meistern. Digitales Friedhofsmanagement wird so zum Schlüssel für nachhaltige Stadtentwicklung – und zur Antwort auf die Frage, wie Erinnerung in einer beschleunigten Gesellschaft bewahrt werden kann.

Natürlich ist die Digitalisierung kein Allheilmittel. Sie bringt neue Herausforderungen mit sich: Datenschutz, ethische Fragen zur digitalen Totenruhe, die Gefahr der Entfremdung von realen Trauerräumen. Doch sie eröffnet eben auch neue Chancen: für die Forschung, für die Bürgerbeteiligung, für die kreative Transformation von Stadtgrün. Der digitale Friedhof ist damit nicht das Ende, sondern der Anfang einer neuen Ära des urbanen Gedenkens.

Technologien zwischen Archiv, Analyse und Planung

Wer denkt, die Digitalisierung von Friedhöfen beschränke sich auf ein paar schöne Luftbilder und eine Excel-Tabelle, der irrt gewaltig. Vielmehr handelt es sich um ein technologisches Ökosystem, in dem unterschiedlichste Datenquellen und Tools zusammenarbeiten. Die Basis bildet in der Regel ein leistungsfähiges Geoinformationssystem (GIS), das Flächen, Wege, Parzellen, Bäume und bauliche Anlagen kartiert und in einem digitalen Stadtplan verortet. Mithilfe mobiler Endgeräte dokumentieren Mitarbeiter Veränderungen direkt vor Ort, während 3D-Laserscans und Drohnen hochpräzise digitale Modelle erstellen, die weit über klassische Lagepläne hinausgehen.

Diese digitalen Zwillinge sind nicht nur hübsch anzusehen, sondern dienen als Planungsgrundlage für unterschiedlichste Fragestellungen. Wo gibt es Leerstände? Welche Grabflächen laufen demnächst aus? Wie entwickelt sich die Biodiversität auf dem Areal? Kann ein Teil des Friedhofs temporär für urbane Landwirtschaft oder als Park genutzt werden, ohne das kulturelle Erbe zu gefährden? Datenbanken verknüpfen dabei historische Quellen, Grabnutzungsfristen, Vegetationsdaten und rechtliche Rahmenbedingungen zu einem intelligenten Archiv, das auf Knopfdruck Auswertungen ermöglicht.

Ein besonders spannendes Feld ist die Verknüpfung von Friedhofsdaten mit anderen städtischen Informationssystemen. So lassen sich etwa Baumkataster, Klimadaten oder Katasterinformationen aus dem Denkmalschutz in die Planung einbeziehen. Plötzlich wird sichtbar, welche Friedhöfe als Kaltluftschneisen dienen, wo seltene Arten siedeln oder welche Gräber denkmalgeschützt sind. Diese Daten helfen nicht nur der Verwaltung, sondern sind auch für Landschaftsarchitekten, Planer und Umweltämter von unschätzbarem Wert. Sie erlauben es, Friedhöfe als multifunktionale Grünräume zu denken, die weit über ihre primäre Funktion hinausgehen.

Mit der Digitalisierung entstehen zudem völlig neue Wege der Partizipation und Vermittlung. Digitale Friedhofsarchive können für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden – als Online-Plattformen, Apps oder sogar in Form von Augmented Reality-Führungen vor Ort. So wird aus dem Friedhof ein Erlebnisraum für Bildung, Erinnerung und Stadtgeschichte. Gleichzeitig erleichtern digitale Werkzeuge die Bürgerbeteiligung, etwa bei der Umgestaltung von Anlagen oder der Pflege historischer Grabstätten. Die Grenze zwischen Verwaltung und Öffentlichkeit wird durchlässiger, der Friedhof rückt ins Zentrum des urbanen Gedächtnisses.

Natürlich geht damit auch eine Verantwortung einher: Die Qualität der Daten, die Pflege der Systeme und der Schutz sensibler Informationen müssen gewährleistet sein. Nicht zuletzt fordert die technische Komplexität eine kontinuierliche Weiterbildung aller Beteiligten – von der Friedhofsverwaltung über Planungsbüros bis hin zu IT-Dienstleistern. Doch wer sich dieser Herausforderung stellt, gewinnt einen entscheidenden Vorsprung: Die Fähigkeit, Friedhöfe als lebendige Teile der Stadt zu managen, zu entwickeln – und zu bewahren.

Stadtgrün unter Druck: Chancen und Konflikte des digitalen Archivierens

Friedhöfe genießen in Deutschland, Österreich und der Schweiz einen besonderen Status. Sie sind nicht nur religiöse oder kulturelle Orte, sondern auch Teil der grünen Infrastruktur – oft mit einer beeindruckenden Vielfalt an Flora und Fauna, seltenen Biotopen und wertvollen Altbaumbeständen. Gleichzeitig werden sie immer häufiger als Flächenreserve für Wohnungsbau, neue Parks oder Verkehrsprojekte betrachtet. Der digitale Friedhof ist hier nicht bloß ein Werkzeug zur Bestandserfassung, sondern ein strategischer Hebel im Wettbewerb um den urbanen Raum.

Die systematische Digitalisierung von Friedhöfen ermöglicht es erstmals, deren ökologische, historische und stadtklimatische Bedeutung präzise zu analysieren. Welche Flächen sind ökologisch besonders wertvoll? Wo bestehen Nutzungskonflikte zwischen Bewahrung und Entwicklung? Wie kann man den Spagat zwischen Trauerkultur und öffentlichem Parkinteresse meistern? Digitale Archive machen diese Fragen transparent und bieten eine solide Grundlage für politische Entscheidungen. Gleichzeitig helfen sie, die Flächenkonkurrenz zu entschärfen: Statt pauschal zu verdichten oder zu entsiegeln, können gezielt Bereiche identifiziert werden, die für neue Nutzungen geeignet sind – ohne das kulturelle Erbe zu gefährden.

Besonders relevant wird das digitale Friedhofsmanagement, wenn es um die Integration in die Gesamtentwicklung der Stadt geht. Im Kontext von Klimaanpassung, Schwammstadt-Strategien oder der Förderung von Biodiversität sind Friedhöfe als grüne Lungen unverzichtbar. Mit präzisen Daten lässt sich ihr Beitrag zum Stadtklima, zur Artenvielfalt oder als sozialer Begegnungsraum belegen – und gegenüber anderen Flächennutzungen argumentativ verteidigen. Gleichzeitig eröffnen sich neue Möglichkeiten für innovative Zwischennutzungen: temporäre Gemeinschaftsgärten, Bildungsprojekte oder Kunstaktionen, die das Bewusstsein für den Wert des Stadtgrüns stärken.

Doch der digitale Friedhof ist nicht frei von Risiken. Die Gefahr der Kommerzialisierung liegt auf der Hand: Wenn Datenbanken als Geschäftsmodelle vermarktet werden, droht ein Verlust an öffentlicher Kontrolle und Authentizität. Auch Datenschutz und Persönlichkeitsrechte spielen eine zentrale Rolle – schließlich handelt es sich oft um hochsensible Informationen, die mit größtem Respekt behandelt werden müssen. Die Balance zwischen Transparenz und Schutz der Privatsphäre ist eine ständige Herausforderung, die rechtlich und ethisch sauber gelöst werden muss.

Hinzu kommt die Gefahr der Entfremdung: Wenn Erinnerung nur noch digital verwaltet wird, droht der reale Ort in den Hintergrund zu treten. Die Herausforderung besteht darin, digitale Werkzeuge so einzusetzen, dass sie den Friedhof als physischen und sozialen Raum stärken – und nicht ersetzen. Nur so bleibt der Friedhof ein lebendiger Teil der Stadt, in dem Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft miteinander verbunden sind.

Rechtliche, ethische und kulturelle Dimensionen des digitalen Friedhofs

Die Digitalisierung von Friedhöfen wirft eine Vielzahl von juristischen und ethischen Fragen auf, die weit über technische Aspekte hinausgehen. Wer darf auf die Daten zugreifen? Wie lange dürfen personenbezogene Informationen gespeichert werden? Was passiert mit digitalen Archiven, wenn Grabnutzungsrechte auslaufen oder Friedhöfe umgewidmet werden? Diese Fragen sind keineswegs trivial und erfordern eine enge Abstimmung zwischen Verwaltung, Datenschutzbeauftragten und gesellschaftlichen Akteuren.

Ein zentrales Thema ist die Wahrung der Totenruhe im digitalen Raum. Während das Grab als physischer Ort durch Gesetze geschützt ist, fehlt es für digitale Abbilder oft an klaren Regelungen. Wie geht man mit sensiblen Informationen um, die Rückschlüsse auf Familienstrukturen, Religion oder soziale Herkunft zulassen? Wie verhindert man Missbrauch, etwa durch kommerzielle Ahnenforschung oder Datenhandel? Hier sind Standards und Leitlinien gefragt, die sowohl die Rechte der Verstorbenen als auch die Interessen der Gesellschaft wahren.

Auch kulturell ist der digitale Friedhof ein sensibles Terrain. Er verändert die Art und Weise, wie wir trauern, erinnern und uns mit der Geschichte unserer Städte auseinandersetzen. Während digitale Archive einen niederschwelligen Zugang zu Informationen ermöglichen, bergen sie die Gefahr, die emotionale und soziale Dimension von Trauer zu entwerten. Die Herausforderung liegt darin, digitale Angebote als Ergänzung – nicht als Ersatz – für reale Rituale und Begegnungen zu begreifen. Nur so kann die Digitalisierung zur Bereicherung der Trauerkultur beitragen, anstatt sie zu entleeren.

Ein weiteres Spannungsfeld ergibt sich aus dem Verhältnis zwischen öffentlicher Zugänglichkeit und individueller Privatsphäre. Während offene Datenbanken Transparenz und Beteiligung fördern, muss der Schutz personenbezogener Daten jederzeit gewährleistet sein. Insbesondere bei historischen Grabstätten, die auch für Forschung und Bildung von Interesse sind, ist eine sorgfältige Abwägung erforderlich. Innovative Ansätze wie differenzierte Zugriffsrechte, Pseudonymisierung oder die Einbindung von Angehörigen können hier helfen, einen fairen Ausgleich zu schaffen.

Schließlich spielt auch die Frage der Nachhaltigkeit eine Rolle. Digitale Friedhöfe sind nur dann dauerhaft wertvoll, wenn ihre Daten aktuell, gepflegt und zugänglich gehalten werden. Das erfordert nicht nur technische Ressourcen, sondern auch ein langfristiges Engagement von Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft. Nur so kann der digitale Friedhof zu einem lebendigen Archiv werden, das die Vergangenheit bewahrt, die Gegenwart gestaltet – und die Zukunft inspiriert.

Perspektiven: Friedhöfe als urbane Gedächtnislandschaften der Zukunft

Was bleibt also vom digitalen Friedhof, wenn der erste Hype verklungen ist und die Systeme ihren Weg aus den Pilotprojekten in den Alltag gefunden haben? Vor allem eines: das Potenzial, Friedhöfe als urbane Gedächtnislandschaften neu zu denken – und sie als dynamische Bausteine einer nachhaltigen Stadtentwicklung zu etablieren. Digitale Archive machen es möglich, Erinnerung, Biodiversität und gesellschaftlichen Wandel intelligent zu verknüpfen. Sie eröffnen neue Perspektiven für Forschung, Bildung und Bürgerbeteiligung – und helfen, das kulturelle Erbe unserer Städte lebendig zu halten.

Gleichzeitig fordern sie uns heraus, über den Tellerrand klassischer Verwaltung hinauszuschauen. Die digitale Transformation macht den Friedhof zum Experimentierfeld für innovative Formen der Partizipation, des Wissensaustauschs und der kreativen Nutzung. Sie zwingt uns, den Wert von Stadtgrün nicht nur als Erholungsfläche, sondern als identitätsstiftenden und verbindenden Raum zu begreifen. Und sie erinnert uns daran, dass nachhaltige Stadtentwicklung immer auch eine Frage der Erinnerungskultur ist.

Natürlich bleibt die Digitalisierung ein Balanceakt zwischen Effizienz, Authentizität und Respekt. Es gilt, die Chancen zu nutzen, ohne die Risiken aus dem Blick zu verlieren. Erfolgreich ist der digitale Friedhof nur dann, wenn er als Werkzeug für mehr Transparenz, Teilhabe und Nachhaltigkeit verstanden wird – und nicht als Selbstzweck oder technokratische Spielerei. Die besten Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zeigen, dass dies möglich ist, wenn Verwaltung, Zivilgesellschaft und Fachleute an einem Strang ziehen.

Für Planer, Landschaftsarchitekten und Stadtverwaltungen eröffnet sich damit ein neues Spielfeld: Wer die Potenziale digitaler Friedhöfe erkennt und aktiv gestaltet, kann das Stadtgrün von morgen sichern und die Erinnerungskultur der Stadtgesellschaft neu definieren. Die Herausforderung liegt darin, digitale Innovationen mit fachlicher Expertise, kultureller Sensibilität und gesellschaftlicher Verantwortung zu verbinden. Nur so werden aus Daten echte Geschichten – und aus Friedhöfen lebendige Gedächtnislandschaften.

Der digitale Friedhof ist also weit mehr als ein Archiv vergangener Leben. Er ist ein Spiegel unserer Zeit, ein Labor für urbane Zukunftsfragen – und ein Beweis dafür, dass die Verbindung von Tradition und Innovation das Stadtgrün nicht nur erhält, sondern neu erfindet. Wer hätte gedacht, dass ausgerechnet die letzte Ruhe zum Motor für nachhaltige Stadtentwicklung werden könnte?

Zusammenfassung: Die Digitalisierung der Friedhöfe eröffnet völlig neue Horizonte für das Management und die Entwicklung von Stadtgrün im deutschsprachigen Raum. Durch präzise Erfassung, intelligente Vernetzung und innovative Nutzung der Daten wird der Friedhof zum multifunktionalen Archiv urbaner Erinnerung, Biodiversität und Identität. Die damit verbundenen Chancen – von effizienter Verwaltung bis zu neuer Bürgerbeteiligung – sind enorm, verlangen aber nach klaren Regeln, ethischer Sensibilität und technischer Exzellenz. Nur wenn digitale Friedhöfe als Werkzeuge für Nachhaltigkeit, Transparenz und gesellschaftlichen Dialog verstanden werden, können sie ihr volles Potenzial entfalten. Garten und Landschaft bleibt am Puls dieser Entwicklungen – und fragt weiter: Wie viel Zukunft steckt in unserem Stadtgrün? Und wie viel Stadt steckt in der Erinnerung?

Die Neuigkeiten im Januar

Feministische Mobilität à la Lisa Badum

Was passiert in der Welt der Planung? Worüber sprechen Ihren Kolleg*innen morgens an der Kaffeemaschine? In unserer Presseschau fassen wir wöchentlich die wichtigsten Neuigkeiten aus der Landschaftsarchitektur und Stadtplanung für Sie zusammen. Diese Woche: Feministische Mobilität à la Lisa Badum, Stadtplanung auf Clubhouse und #NeverAgain #WeRemember.

Bernie Sanders und der Freiraum. Viral betrachtet war die wichtigste Person bei Joe Bidens Amtseinführung vergangene Woche Bernie Sanders. Das Bild des Demokraten in Strickhandschuhen während der Zeremonie ging und geht noch immer in unzähligen Variationen um die Welt. G+L-Redakteurin Vera Baeriswyl fasst die besten Bernie-Sanders-Memes zusammen – mal mit mehr, mal mit weniger Planungsbezug, aber definitiv mit viel Augenzwinkern.

Stadtplanung auf Clubhouse. Die Audio-Chat-App „Clubhouse“ erobert seit knapp zwei Wochen die deutsche Social-Media-Welt. Bei dem sozialen Netzwerk kann man sich zwar nur mit persönlicher Einladung anmelden, die neue Hype-App bleibt aber dennoch nicht alleine pseudo-hippen Medienmacher*innen oder aus dem Nähkästchen plaudernden Politiker*innen wie Bodo Ramelow vorbehalten. Auch die Planerschaft diskutiert inzwischen fleißig auf Clubhouse mit. Mehr dazu hier.

Leo DiCaprio und der Fiat 500e. Er ist wohl einer der prominentesten Umweltaktivist*innen unserer Zeit – Leonardo di Caprio. In der europaweiten Kampagne „Welcome back, future“ wirbt der US-amerikanische Schauspieler nun für den neuen, vollelektrisch angetriebenen Fiat 500e und aktiv für den Klimawandel. Unserer Meinung nach sollte die Kampagne eher „Hollywood for Future“ heißen und bestätigt mal wieder: Reichweite ist gut, Relevanz besser. Aber machen Sie sich bei den Kolleg*innen von W&V selbst ein Bild.

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Feministische Mobilität à la Lisa Badum. Im Interview mit Tagesspiegel Background spricht sich die Grünen-Bundestagsabgeordnete Lisa Badum für eine feministische und klimafreundliche Mobilitätspolitik aus. Sie kritisiert den politischen Fokus auf das männliche Mobilitätsverhalten und das Dienstwagenprivileg, von dem vor allem Männer profitieren würden. Macht sie es sich zu einfach?

Münchner Stadtplanungs-Ausstellung in digital

Weltwirtschaftsforum im Ticker. Beim digitalen Weltwirtschaftsforum (WEF) 2021 – dieses Mal eben nicht in Davos – rückten Angela Merkel, Ursula von der Leyen und Greta Thunberg den Klimaschutz in den Mittelpunkt. Klimaaktivistin Thunberg machte mit den Worten „Ihr hattet jetzt drei Jahrzehnte voller bla, bla, bla“ auf sich aufmerksam, gestern sprach Wladimir Putin, und Angela Merkel räumte am Dienstag mangelnde Schnelligkeit im Kampf gegen Corona ein. Die Kolleg*innen vom Münchner Merkur haben einen Live-Ticker eingerichtet, informieren Sie sich hier tagesaktuell zum Geschehen.

Ausstellung „Einfach Grün. Greening The City“ im DAM. Selten waren Grünräume derart gefragt wie seit der Konfrontation mit Corona. Die seit dieser Woche digital eröffnete Ausstellung „Einfach Grün. Greening The City“ im Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt widmet sich den Vorteilen und Herausforderungen urbanen städtischen Grüns – insbesondere der Haus- und Dachbegrünung im Bestand und Neubau. Alles dazu bei den Kolleg*innen von NXT A.

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Münchner Stadtplanungs-Ausstellung in digital. Auch die Jahresausstellung des Münchner Referat für Stadtplanung und Bauordnung „Die nachhaltige Stadt – Stadtentwicklung, Freiraum, Klimaschutz“ sowie deren Abendveranstaltungen wurden im Zuge der Corona-Pandemie in den digitalen Raum verlegt. Heute um 18 Uhr findet das erste digitale Event „Stadt der Zukunft – Zukunft der Stadt“ statt. Mit dabei Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Andrea Gebhard.

Deutscher Städtetag unterstützt Lockdown-Verlängerung

Planung ist wertvoll #HOAI. Seit 1. Januar ist die reformierte HOAI in Kraft. Auf dabonline.de beantwortet die Bundesarchitektenkammer die wichtigsten Fragen dazu.

#NeverAgain #WeRemember. Anlässlich des Holocaust-Gedenktags erinnerte sich unsere Gesellschaft gestern vor allem auf digitalen Kanälen an den nationalsozialistischen Völkermord von 5,6 bis 6,3 Millionen europäischen Juden und Jüdinnen sowie an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau. Allen Twitter-Hashtags wie #NeverAgain #WeRemember zum Trotz finden aber weiterhin immer wieder antisemitische Übergriffe statt – sowohl im öffentlichen als auch privaten Raum, in Groß- wie in Kleinstädten. Die Kolleg*innen von tagesschau.de stellen sich der Frage, wie und ob Juden und Jüdinnen heute in Deutschland „normal“ leben können.

Deutscher Städtetag unterstützt Lockdown-Verlängerung. Im Gespräch mit der dpa spricht sich Burkhard Jung, Präsident des Deutschen Städtetags und Leipziger Oberbürgermeister, für die Beschlüsse von Bund und Ländern von diesem Dienstag sowie für Homeoffice und flächendeckende Impfungen aus. Hier der Bericht auf staedtetag.de.

Hallo Flächenversiegelung

Difu-Studie zu Bodenpolitik. In Kooperation mit 14 Städten hat das Deutsche Institut für Urbanistik eine Studie zur kommunalen Bodenpolitik durchgeführt. Demnach können Städte und Gemeinden mittels konkreter Handlungsstrategien in der Bodenpolitik verloren gegangene Handlungsfähigkeiten sowie Gestaltungsoptionen für die Stadtentwicklung zurückgewinnen.

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Stadtentwicklung à la Joe Biden. Gestern fand die Amtseinführung des neuen US-Präsidenten Joe Biden statt. Was die neue Administration für die US-amerikanische Stadtentwicklung plant – unter anderem einen 100-Milliarden-Dollar-Fonds für bezahlbaren Wohnraum – haben die  Kolleg*innen von CNU zusammengefasst.

Hallo Flächenversiegelung. Wie die Thüringer Allgemeine vergangene Woche berichtete, setzt Erfurts Stadtplanungsleiter Paul Börsch künftig verstärkt auf Eigenheime. Demnach soll der Anteil von Einfamilienhäusern von aktuell 20 auf 50 Prozent wachsen. Grund hierfür wären die mangelnden Wohnangebote für junge Familien und deren Abwanderung aus der thüringischen Landeshauptstadt.

Neues Zeitalter für Schönberger Gasometer

Toyota City à la BIG. Der Autohersteller Toyota will am Fuße des Mount Fuji in Japan auf 200 Hektar eine Smart-City-Modellmetropole mit dem schwungvollen Namen „Woven City“ bauen. Für die Planung und Entwicklung der smarten „Toyota City“ wurde niemand anderes als Bjarke Ingels beauftragt. Baubeginn soll noch Anfang dieses Jahres sein. Alles zum Projekt hier bei den Kolleg*innen von wohnnet.at.

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Trotz Pandemie Bock auf Paris, Kopenhagen oder Rotterdam? Guiding Architects bietet diesen Januar und Februar kostenlose Online-Führungen durch die drei Metropolen an.

Neues Zeitalter für Schönberger Gasometer. Die berühmte Kuppel in Berlin-Schöneberg wird abgebaut. Bis 2023 sollen im Inneren des denkmalgeschützten rund 80 Meter hohen Stahlzylinders ein Konferenzzentrum und ein Bürohaus entstehen. Kostenfaktor: 200 Millionen Euro. Alles dazu bei den Kolleg*innen von monopol.de.

Internationaler Innovationswettbewerb gegen die Coronakrise

Pinguine zählen für den Artenschutz. Mittels eines Online-Tools der University of Oxford kann man auf penguinwatch.org für den Artenschutz von Pinguinen die watschelnden Zeitgenossen auf Fotos suchen und entsprechend markieren. Die Bilder stammen von rund 140 Kameras, die ein Forschungsteam in der Antarktis aufgestellt hat. Alles hierzu bei den Kolleg*innen von Deutschlandfunk Nova.

Internationaler Innovationswettbewerb gegen die Coronakrise. Mit der „Global Mayors Challenge 2021“ sucht das Bloomberg Cities Network 50 innovative städtische Lösungen, die auf die Corona-Pandemie reagieren. Bewerben können sich bis zum 21. März 2021 Städte mit über 100 000 Einwohner*innen. Es werden 15 Hauptpreisträger*innen mit jeweils einer Million US-Dollar ausgezeichnet. Unterstützt wird der Wettbewerb von der Johns Hopkins University.

Interdisziplinäres Forschungsprojekt zur „urbanen Walkability“

BAK-Präsidium pro „Europäisches Bauhaus“. In einem Kommentar zum Jahreswechsel spricht sich das BAK-Präsidium deutlich für das Europäische Bauhaus aus. Dieses stehe demnach als „Synonym für die Notwendigkeit aller Fachdisziplinen, die notwendige Um- und Neugestaltung der gebauten Umwelt in Material, Form, Funktion, Struktur und Kultur zu beschleunigen“.

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Interdisziplinäres Forschungsprojekt zur „urbanen Walkability“. Mit der HAW Hamburg untersucht das Institut für Stadtforschung, Planung und Kommunikation (ISP) an der FH Erfurt in den kommenden drei Jahren, wie bewegungsfreundlich Städte und Quartiere sind. Das Projekt mit dem Titel „Gesundheitsfolgenabschätzung in der Stadtentwicklung“ wird vom BMBF mit mehr als 400 000 Euro gefördert.

Klimaschutz nach Faltplan

ARTE Journal zu Kunsthaus Zürich. David Chipperfield Architekten haben nach zwölf Jahren Bearbeitung den Anbau des Kunsthauses Zürich fertiggestellt. Das ARTE Journal gewährt einen ersten Blick.

Jacques Herzog zum Tod von Luigi Snozzi. Ende Dezember ist der Schweizer Architekt Luigi Snozzi im Alter von 88 Jahren an den Folgen einer Coronavirus-Infektion gestorben. Bei den Kolleg*innen von SRF erinnert sich Jacques Herzog an ihn als außergewöhnliche, auratische Persönlichkeit. Gerhard Matzig bezeichnet den Tessiner in seinem Nachruf auf SZ.de als „Meister einer geschichtsbewussten Baukultur“.

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Klimaschutz nach Faltplan. Die Initiative „Klima Konkret“ hat Ende November einen Faltplan an insgesamt 2 095 österreichische Gemeinden verschickt, der 46 Klimaschutzideen in den Bereichen Grünraum, nachhaltige Mobilität, Umgang mit Wasser und klimagerechtes Planen und Bauen auf einem intelligent illustrierten DIN-A1-Plakat skizziert. Auf Der Standard stellt Wojciech Czaja das Projekt vor.

Vatikan aus 67 000 Legosteinen

Bauwende JETZT! Architects for Future hat die Petition „Bauwende JETZT!“ ins Leben gerufen. Die Initiative fordert ein grundlegendes Umdenken in der Baubranche, um die Pariser Klimaziele zu erreichen. Mehr dazu bei den Kolleg*innen von NXT A.

Vatikan aus 67 000 Legosteinen. Der US-Architekt und Legobauer Rocco Buttliere hat mit Legosteinen auf 1,30 x 1,70 Meter im Maßstab 1:650 die Vatikanstadt im Kleinformat nachgebaut. Hier können Sie sich das Modell im Video ansehen.

Hier geht es zu den Neuigkeiten im Dezember.

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