Wie Baustellen Mikroklimata beeinflussen – ein unterschätzter Faktor

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Graue Betongebäude mit nachhaltiger, moderner Architektur in der Stadt. Foto von Andreeew Hoang auf Unsplash.

Mikroklimata auf Baustellen? Für viele Planer noch ein blinder Fleck – dabei entscheidet das lokale Klima oft über den Erfolg von Projekten, das Wohlbefinden auf der Fläche und sogar die Zukunftsfähigkeit ganzer Quartiere. Wer die Auswirkungen von Bauprozessen auf das Stadtklima ignoriert, plant an der Wirklichkeit vorbei. Zeit, den unterschätzten Faktor Baustelle unter die Lupe zu nehmen.

  • Was Mikroklimata sind und warum sie im urbanen Kontext mehr als nur ein Nischenthema sind.
  • Wie Baustellen das lokale Klima beeinflussen – von Staubemissionen bis zur Veränderung von Windströmen.
  • Welche Rolle Oberflächenversiegelung, temporäre Bebauung und Materiallagerung spielen.
  • Wie Planer die Mikroklima-Effekte während der Bauphase prognostizieren und steuern können.
  • Relevante rechtliche und normative Vorgaben im deutschsprachigen Raum.
  • Best-Practice-Beispiele aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.
  • Welche Möglichkeiten digitale Werkzeuge und Simulationen bieten – und wo ihre Grenzen liegen.
  • Warum Mikroklimata auf Baustellen auch ein Thema für soziale Gerechtigkeit und Gesundheit sind.
  • Wie ein ganzheitlicher Planungsansatz den Mikroklima-Faktor vom Störfaktor zum Innovationsmotor machen kann.

Das unterschätzte Phänomen: Mikroklimata und ihre Bedeutung in der Stadtplanung

Wer heute von Stadtklima spricht, denkt meist an große Zusammenhänge: Hitzestress in Innenstädten, urbane Wärmeinseln oder die Wirkung von Grünflächen auf das Gesamtklima. Doch das eigentliche Klimaerlebnis der Menschen findet auf der Mikroebene statt – im Schatten eines Bauzauns, in der staubigen Hitze einer Baustelle oder im Windkanal zwischen Rohbauten. Mikroklimata bezeichnen jene kleinteiligen, lokal ausgeprägten Klimaverhältnisse, die sich durch spezifische physikalische, bauliche und betriebliche Bedingungen auf engem Raum ergeben. Sie entstehen überall dort, wo Oberflächen, Gebäude, Vegetation und Nutzungen aufeinandertreffen – und sie sind hochdynamisch, oft sogar tageszeitabhängig.

Im Kontext der Stadtplanung ist das Mikroklima ein entscheidender Gradmesser für Aufenthaltsqualität, Gesundheit und ökologische Resilienz. Während sich großräumige Klimamodelle für die Entwicklung von Stadtteilen oder Infrastrukturprojekten eignen, entscheidet das Mikroklima vor Ort darüber, ob Menschen sich wohlfühlen, Pflanzen gedeihen oder Baustoffe altern. Gerade auf Baustellen, wo massive Eingriffe in die Oberfläche, temporäre Nutzungen und hohe Emissionen zusammentreffen, sind Mikroklimata besonders ausgeprägt – und werden doch viel zu selten in der Planung beachtet.

Der Grund dafür ist einfach: Mikroklimata sind komplex zu erfassen, schwer zu prognostizieren und unterliegen schnellen Veränderungen. Sie werden von Faktoren beeinflusst, die in klassischen Planungsmodellen kaum auftauchen – etwa die temporäre Versiegelung von Flächen, die Lagerung von Baumaterialien, der Einsatz von Maschinen oder die Veränderung von Windströmen durch Baukörper in unterschiedlichen Stadien. Wer hier nicht genau hinsieht, riskiert Fehlplanungen, Nutzungskonflikte und sogar langfristige Schäden an Umwelt und Gesundheit.

Doch das Thema ist aktueller denn je. Mit dem Klimawandel nehmen Extremwetterereignisse zu, die Stadträume werden dichter, und Baustellen werden immer komplexer. Gleichzeitig steigen die Ansprüche an Bauprojekte: Sie sollen nachhaltig, sozial verträglich und klimaresilient sein. Das Mikroklima wird damit zum Prüfstein für gute Planung – und zur Chance, innovative Lösungen zu entwickeln.

Professionelle Stadtplaner, Landschaftsarchitekten und Bauherren sind daher gut beraten, sich intensiv mit den Auswirkungen ihrer Baustellen auf das Mikroklima auseinanderzusetzen. Das beginnt bei der Analyse der Ausgangssituation, reicht über die Prognose der Bauphase bis hin zur Integration mikroklimatischer Aspekte in die gesamte Prozessarchitektur. Nur so lässt sich gewährleisten, dass Baustellen nicht zum blinden Fleck der Stadtklimatologie werden – sondern zu Laboren für zukunftsfähiges Bauen.

Die Frage ist also nicht mehr, ob Mikroklimata auf Baustellen relevant sind, sondern wie sie intelligent genutzt werden können. Denn in der Summe vieler kleiner Klimaräume entscheidet sich, wie lebenswert, gesund und nachhaltig unsere Städte wirklich sind.

Wie Baustellen das Mikroklima verändern: Dynamik, Risiken und Chancen

Der Start eines Bauprojekts ist gleichbedeutend mit einer massiven Störung des lokalen Klimas. Schon die Baustelleneinrichtung verändert die Strahlungsbilanz: Versiegelte Flächen absorbieren mehr Sonnenenergie, provisorische Gebäude werfen neue Schatten, und ungeschützte Böden trocknen schneller aus. Die Entfernung von Vegetation, das Umgraben von Erde und das Aufbringen von Kies oder Asphalt setzen Prozesse in Gang, die das Mikroklima oft dramatisch beeinflussen. Besonders kritisch ist der Verlust an Verdunstungskühle, denn Pflanzen mindern nicht nur die Temperatur, sondern filtern auch Staub und Schadstoffe aus der Luft.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind Emissionen. Baustellen produzieren Feinstaub, Abgase und Lärm – eine Mischung, die das lokale Klima nicht nur subjektiv als unangenehm erscheinen lässt, sondern auch objektiv die Luftqualität verschlechtert. Gerade in engen Stadtquartieren können sich diese Emissionen stauen, was zu erhöhten Belastungen für Anwohner und Arbeitskräfte führt. Die temporäre Versiegelung von Flächen – etwa durch Baustraßen, Container oder Lagerplätze – verstärkt das Problem, weil Regenwasser schlechter versickert, Hitze gespeichert wird und die natürliche Durchlüftung eingeschränkt ist.

Windverhältnisse verändern sich während der Bauphase oft radikal. Rohbauten wirken wie Windleitbleche, erzeugen Turbulenzen und können an manchen Stellen sogar Windkanäle entstehen lassen. Für die Planung bedeutet das: Bereiche, die vorher windstill waren, können plötzlich zugig oder sogar gefährlich werden. Umgekehrt kann die Abschirmung durch hohe Baukörper dazu führen, dass Frischluftschneisen blockiert werden, was wiederum die Konzentration von Schadstoffen erhöht. Diese Effekte sind nicht nur temporär relevant, sondern können auch die spätere Nutzung beeinflussen, wenn sie nicht frühzeitig erkannt und kompensiert werden.

Ein oft unterschätztes Thema ist die Wärmeentwicklung auf Baustellen. Maschinen, Fahrzeuge und temporäre Stromaggregate erzeugen Abwärme, die sich – vor allem bei sommerlichen Temperaturen – in Bodennähe staut. Ohne ausreichende Verschattung oder Verdunstungskühlung kann das dazu führen, dass sich die Baustelle zu einer echten Hitzefalle entwickelt. Für Arbeiter bedeutet das eine erhöhte Gesundheitsgefahr, für Anwohner eine zusätzliche Belastung, und für die Umwelt einen weiteren Stressfaktor in ohnehin überhitzten Stadträumen.

Doch Baustellen bieten auch Chancen für positives Mikroklima-Management. Temporäre Begrünung von Lagerflächen, mobile Schattenspender oder gezielte Befeuchtung können helfen, extremen Klimaeffekten entgegenzuwirken. Wer das Mikroklima aktiv steuert, kann nicht nur die Lebensqualität rund um die Baustelle verbessern, sondern auch wertvolle Erkenntnisse für die spätere Nutzung sammeln. In diesem Sinne wird die Baustelle vom Störfaktor zum Experimentierfeld – vorausgesetzt, die Verantwortlichen wissen, worauf es ankommt.

In der Summe zeigt sich: Baustellen sind Hotspots mikroklimatischer Dynamik. Wer ihre Effekte ignoriert, riskiert nicht nur Beschwerden und Verzögerungen, sondern verschenkt auch die Chance, die Stadt der Zukunft an Ort und Stelle zu testen und zu verbessern.

Planung, Prognose, Prävention: Wie sich mikroklimatische Auswirkungen steuern lassen

Wer Mikroklimata auf Baustellen ernst nimmt, muss sie nicht nur analysieren, sondern aktiv gestalten. Die Grundlage dafür ist eine fundierte Bestandsaufnahme. Schon in der frühen Planungsphase sollten die klimatischen Ausgangsbedingungen erfasst werden: Sonneneinstrahlung, Windrichtungen, vorhandene Vegetation und Bodenbeschaffenheit bestimmen maßgeblich, wie sich das Mikroklima während der Bauphase entwickelt. Moderne Messtechnik, wie mobile Wetterstationen oder Drohnen mit Multispektralsensoren, liefert belastbare Daten – und eröffnet Planern die Möglichkeit, Prognosemodelle zu erstellen, die weit über die klassische Bauablaufplanung hinausgehen.

Die Prognose mikroklimatischer Veränderungen ist inzwischen technisch möglich, erfordert aber eine enge Verzahnung von Bau-, Klima- und Umweltplanung. Digitale Werkzeuge wie Computational Fluid Dynamics (CFD)-Simulationen oder GIS-gestützte Szenariomodelle machen sichtbar, wie sich Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Wind und Schadstoffbelastung auf der Baustelle verändern werden. Entscheidend ist dabei die Integration aller relevanten Faktoren: Materialwahl, Bauzeiten, Emissionsquellen und temporäre Begrünungsmaßnahmen müssen im Modell genauso abgebildet werden wie die geplante Endnutzung.

Prävention beginnt mit kluger Flächenorganisation. Wer Baustellenbereiche so plant, dass Verkehrswege, Lagerflächen und Aufenthaltszonen optimal platziert sind, kann Hotspots vermeiden und Frischluftschneisen erhalten. Der gezielte Einsatz von Schattenspendern, Verdunstungselementen oder mobilen Grüninseln hilft, Temperaturspitzen abzufedern und die Aufenthaltsqualität für Arbeiter und Anwohner zu steigern. Auch der Schutz von Bestandsbäumen, der Verzicht auf großflächige Bodenversiegelung und die Begrenzung von Emissionen durch moderne Baumaschinen sind wirksame Hebel.

Ein oft unterschätztes Instrument ist das Baustellenmonitoring. Durch kontinuierliche Messung von Temperatur, Feuchtigkeit und Luftqualität können Planer frühzeitig auf problematische Entwicklungen reagieren – etwa indem sie Arbeitszeiten anpassen, zusätzliche Verschattung installieren oder Staubbindung intensivieren. In einigen Städten sind Baustellen sogar Teil urbaner Klimanetzwerke, die Echtzeitdaten liefern und eine schnelle Reaktion ermöglichen. So wird die Baustelle zum Baustein einer vernetzten, klimaintelligenten Stadt.

Schließlich ist auch die Kommunikation entscheidend. Transparente Information der Anwohner, gezielte Beteiligung am Baustellenmanagement und frühzeitige Einbindung der Umweltbehörden helfen, Akzeptanz zu schaffen und Konflikte zu vermeiden. Wer das Mikroklima als öffentliches Gut begreift, kann innovative Lösungen entwickeln – und aus der Baustelle ein Labor für nachhaltige Stadtentwicklung machen.

Insgesamt gilt: Die Steuerung mikroklimatischer Effekte auf Baustellen ist kein Hexenwerk, sondern eine Frage von Wissen, Technik und Haltung. Wer sie meistert, schafft die Grundlage für gesunde, lebenswerte und zukunftsfähige Städte.

Regeln, Normen, Innovationen: Rechtlicher Rahmen und Best-Practice aus dem DACH-Raum

Auch wenn der mikroklimatische Fokus in der Bauleitplanung noch nicht überall Standard ist, gibt es im deutschsprachigen Raum eine Reihe relevanter Vorgaben und Empfehlungen. Die DIN 1946 zur Raumlufttechnik, die TA Luft sowie verschiedene Regelwerke zur Luftreinhaltung und Staubemissionen geben klare Grenzwerte für Baustellen vor. In den Umweltverträglichkeitsprüfungen (UVP) großer Projekte müssen mittlerweile auch mikroklimatische Effekte dargestellt und bewertet werden. Kommunale Satzungen, etwa zur Erhaltung von Grünstrukturen oder zum Baumschutz, können zusätzliche Anforderungen stellen und den Spielraum für temporäre Nutzungen begrenzen.

In der Praxis zeigt sich, dass innovative Städte den gesetzlichen Rahmen oft durch eigene Standards ergänzen. München etwa fordert für Großbaustellen einen „Klimaplan Baustelle“, der Maßnahmen zur Staubreduzierung, Verschattung und temporären Begrünung verbindlich macht. Zürich setzt auf digitale Baustellentagebücher, die neben Emissionen auch mikroklimatische Parameter erfassen und auswerten. In Wien werden temporäre Verdunstungssysteme und mobile Grünflächen als Teil des Baustellenmanagements gefördert, um Hitzeinseln während der Bauphase zu vermeiden. Diese Ansätze zeigen: Der rechtliche Rahmen ist wichtig, aber echte Innovation entsteht meist dort, wo ambitionierte Akteure eigene Wege gehen.

Technologisch bieten sich inzwischen ganz neue Möglichkeiten. Sensorbasierte Monitoring-Systeme liefern Echtzeitdaten zu Temperatur, Feuchtigkeit und Luftqualität. Mobile Apps informieren Bauleiter und Anwohner über aktuelle Belastungen – und helfen, Maßnahmen flexibel anzupassen. Simulationen auf Basis von digitalen Zwillingen machen sichtbar, wo Hotspots entstehen, und erlauben gezieltes Gegensteuern. Besonders spannend ist die Kopplung von Baustellen- und Stadtklimamodellen: So lassen sich nicht nur lokale Effekte erkennen, sondern auch Wechselwirkungen mit dem umliegenden Quartier.

Doch auch die besten Instrumente nutzen wenig ohne eine Kultur der Zusammenarbeit. Erfolgreiches Mikroklima-Management auf Baustellen erfordert die enge Abstimmung zwischen Bauherren, Planern, Umweltbehörden und ausführenden Unternehmen. Schulungen, Leitfäden und klare Verantwortlichkeiten sind unverzichtbar – ebenso wie eine offene Fehlerkultur, die aus Problemen lernt und Verbesserungen schnell umsetzt. Best-Practice-Beispiele zeigen, dass insbesondere interdisziplinäre Teams in der Lage sind, innovative Lösungen zu entwickeln und umzusetzen.

Der Blick über die Landesgrenzen lohnt sich: In der Schweiz sind Baustellen zunehmend Teil städtischer Klimastrategien, etwa durch temporäre Begrünungen oder die Integration von Baustellenmonitoring in Smart-City-Plattformen. Österreich setzt auf Bürgerbeteiligung und die transparente Kommunikation mikroklimatischer Effekte. Deutschland wiederum punktet mit technischen Innovationen und der Entwicklung neuer Standards. Gemeinsam zeigen diese Ansätze, dass das Thema überall dort an Fahrt gewinnt, wo es als integraler Bestandteil nachhaltiger Stadtentwicklung verstanden wird.

Fazit: Der rechtliche Rahmen ist die Basis, aber die Zukunft gehört den Innovatoren. Wer Mikroklimata auf Baustellen als Chance begreift, findet im DACH-Raum eine Fülle von Werkzeugen, Erfahrungen und Partnern – und kann den unterschätzten Faktor zum Motor guter Planung machen.

Von der Pflicht zur Kür: Mikroklimata als Innovationsmotor in der nachhaltigen Stadtentwicklung

Die Auseinandersetzung mit Mikroklimata auf Baustellen markiert einen Paradigmenwechsel in der Stadtplanung. Was lange als lästiges Randthema galt, entwickelt sich zum Gradmesser für Qualität und Zukunftsfähigkeit. Die Integration mikroklimatischer Aspekte in den gesamten Bauprozess eröffnet nicht nur neue Perspektiven für die Planung, sondern auch für die Gestaltung urbaner Räume. Hier entstehen Experimentierfelder, auf denen innovative Materialien, temporäre Begrünungen und digitale Werkzeuge in der Praxis getestet werden können – mit unmittelbaren Rückkopplungen für die spätere Nutzung.

Ein entscheidender Vorteil liegt in der direkten Rückmeldung: Was auf der Baustelle funktioniert, lässt sich oft mit wenig Aufwand in die dauerhafte Gestaltung übernehmen. So können temporäre Schattenspender zum Vorbild für dauerhafte Verschattungskonzepte werden, mobile Grüninseln den Anstoß für neue Pocket-Parks geben und innovative Staubbinde-Methoden in die Standardpraxis übergehen. Die Baustelle wird damit zum Reallabor für nachhaltige Stadtentwicklung – und zum Schaufenster für zukunftsfähige Lösungen.

Auch die soziale Dimension gewinnt an Bedeutung. Mikroklimata betreffen nicht nur die Bauarbeiter, sondern das gesamte Quartier. Wer die Belastungen minimiert, schafft Akzeptanz für Bauprojekte und stärkt das Vertrauen in die Planungsverantwortlichen. Beteiligungsformate, bei denen Anwohner ihre Erfahrungen und Wünsche einbringen können, führen zu besseren Ergebnissen – und machen das Mikroklima zur gemeinsamen Aufgabe. Gerade in sozial sensiblen Stadtteilen kann aktives Mikroklima-Management einen Beitrag zur Gesundheitsvorsorge und zur Reduktion von Nutzungskonflikten leisten.

Die Digitalisierung eröffnet völlig neue Möglichkeiten, mikroklimatische Effekte sichtbar und nachvollziehbar zu machen. Digitale Zwillinge, Sensor-Netzwerke und Echtzeitdaten schaffen Transparenz – und erlauben es, Maßnahmen flexibel und zielgenau zu steuern. Damit wird das Mikroklima nicht mehr zum bloßen Nebeneffekt der Baustelle, sondern zum regulierbaren Faktor guter Planung. Gleichzeitig stellen diese Technologien neue Anforderungen an Datenschutz, Governance und Interdisziplinarität – Themen, die in der Ausbildung und im Berufsalltag künftig an Gewicht gewinnen werden.

Am Ende steht ein neuer Anspruch: Mikroklimata auf Baustellen sind kein lästiges Muss, sondern eine Chance zur Innovation. Wer sie ernst nimmt, gestaltet nicht nur bessere Baustellen, sondern bessere Städte. Die Zukunft gehört den Planern, die bereit sind, auch auf kleinstem Raum das große Ganze im Blick zu behalten – und aus dem unterschätzten Faktor Mikroklima einen Wettbewerbsvorteil zu machen.

Für die Fachwelt heißt das: Es ist Zeit, Mikroklimata als festen Bestandteil der Bau- und Stadtentwicklung zu etablieren – von der Ausbildung über die Planung bis zur Ausführung. Denn nur so gelingt es, Städte zu schaffen, die nicht nur gebaut, sondern auch gelebt werden können.

Fazit: Mikroklimata auf Baustellen – der Schlüssel zu gesunden, resilienten Städten

Die Rolle der Baustelle als Klimamotor wird oft unterschätzt – dabei entscheidet das Mikroklima vor Ort über die Qualität, Akzeptanz und Zukunftsfähigkeit städtischer Räume. Wer die Wechselwirkungen zwischen Bauprozess und lokalem Klima versteht, kann nicht nur Risiken minimieren, sondern neue Chancen für Innovation und Nachhaltigkeit schaffen. Die Integration mikroklimatischer Aspekte in die Planung, Ausführung und Kommunikation von Bauprojekten ist damit kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit für alle, die Städte verantwortungsvoll gestalten wollen.

Der rechtliche Rahmen bietet die Basis, doch echte Qualität entsteht erst durch interdisziplinäres Denken, digitale Werkzeuge und den Mut, neue Wege zu gehen. Best-Practice-Beispiele aus dem DACH-Raum zeigen, wie Mikroklima-Management auf Baustellen gelingt – und wie aus einem unterschätzten Faktor ein Innovationsmotor werden kann. Am Ende steht die Erkenntnis: Wer das Mikroklima auf der Baustelle im Blick hat, baut nicht nur Häuser, Straßen und Plätze, sondern gestaltet das Fundament für gesunde, lebenswerte und zukunftsfähige Städte. Und genau das ist es, was zeitgemäße Stadtplanung ausmacht – heute und in Zukunft.

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bhm Planungsgesellschaft: Rennbahnpark in Frankfurt am Main

Die Umgestaltung der ehemaligen Rennbahn nutzt den Aushub des Geländes für die Schaffung einer dynamischen Dünenlandschaft, die bewusst der natürlichen Sukzession überlassen wird. © BHM Planungsgesellschaft mbH, N. Benner

Der Frankfurter Rennbahnpark ist ein Paradebeispiel für die moderne Landschaftsarchitektur, die ökologische Nachhaltigkeit mit urbaner Freizeitgestaltung vereint. Inmitten der Stadt wurde eine ehemalige Rennbahn zu einem Park umgestaltet, der nicht nur Erholungsflächen bietet, sondern auch zur Klimaanpassung und Förderung der Biodiversität beiträgt. Der Park wurde so konzipiert, dass er in seiner Struktur sowohl den ökologischen als auch den sozialen Anforderungen gerecht wird und dabei neue, zukunftsfähige Freiräume für die Stadtbevölkerung schafft. Wie der Park diese Herausforderung meistert, stellt das Büro bhm Planungsgesellschaft in der folgenden Projektvorstellung selbst vor.

Oase inmitten der Stadt

Die Landschaftsarchitektur ist heute geforderter denn je, wichtige Beiträge zur Klimaanpassung und ökologischen Funktionsfähigkeit unserer Städte zu leisten. Der Frankfurter Rennbahnpark ist aus dieser Perspektive ein richtungsweisendes Projekt, da hier eine urbane Brache revitalisiert wurde. Angebote für Erholung und Freizeit wurden verknüpft und mit dem Erhalt und der Entwicklung ökologisch wertvoller Flächen und dem urbanen Naturerlebnis kombiniert. So entstand eine ästhetische Einheit mit vielfältigen Freiraumangebote, die das Areal zu einem besonderen Parktypus werden ließen. Zentrale Aspekte des Entwurfes waren Nachhaltigkeit, Ressourcenschonung, Entwicklung der vorhandenen Biodiversität sowie Klimaresilienz. Die landschaftlichen und ökologischen Qualitäten des Ortes spiegeln sich in einer besonderen Struktur und Gestaltsprache des Parks wider. Mit seiner urban-ökologischen Ausrichtung steht der Rennbahnpark im Zeichen einer nachhaltigen Koexistenz von menschlicher Freizeitgestaltung und ökologisch wertvollem Raum für die Natur.

Park in drei Zonen

Leitidee war, den Raum in drei ablesbare Zonen mit differenzierten Nutzungen zu gliedern: der ruhige Waldsaum, der Bereich der ehemaligen Rennbahnfläche und die große naturnahe Wiesenfläche mit den Magerrasenflächen im Zentrum. Im Band der ehemaligen Rennbahn wurden die nutzungsintensiven Sport- und Spielbereiche mit einer Calisthenics-Anlage, Kinderspielbereiche und Bolzplatz in einer lockeren Struktur von Wiesen und bänderartigen Baumhainen eingebunden, die die Form der Rennbahn aufnehmen. Spielgeräte erinnern aufgrund ihrer Gestaltung an die Geschichte und Nutzung des Ortes. Die Übergänge zur zentralen Fläche wurden durch Modellierungen und einzelne Objekte betont. Diese öffnen Blickpunkte, geben Orientierung und schaffen besondere Orte im Park. Die Modellierungen sind Teil eines nachhaltigen Bodenmanagements. Der Aushub wurde innerhalb des Parks wiederverwendet und beispielsweise zu einer dynamischen Dünenlandschaft im Osten geformt, die bewusst Sukzession zulässt. Eine in die Dünen integrierte Aussichtstreppe erinnert an die historischen Schiedsrichtertürme. Der „Skylineview“ gibt das Panorama auf die Frankfurter Hochhauskulisse frei und dient als Treffpunkt. Eine Treppe mit Sitzstufen am Teich und eine Aussichtsplattform wurden durch ihre Gestaltung zum besonderen Treffpunkt.

Weite als Grundbaustein für Aufenthaltsqualität und Zukunftsfähigkeit

Die Besonderheit des Ortes besteht vor allem in der Weite inmitten des städtischen Umfeldes. Zudem wurden alle Gestaltungsmittel auf die Gegebenheiten vor Ort ausgerichtet. Teilaspekte wurden weiterentwickelt und eine klare Gliederung der Fläche vorgenommen. So bleiben die vorhandenen Qualitäten des Ortes erhalten bzw. wurden zu einem besonderen Park weiterentwickelt. Hierbei stand der Ökologieaspekt, das Naturerlebnis inmitten der Stadt und die Integration von verschiedensten Aktivitätsangeboten wie Calisthenics, Spiel- und Sportmöglichkeiten und Ruhebereichen im Vordergrund der Planung und sorgen seither für Aufenthaltsqualität bzw. stärken die Zukunftsfähigkeit des städtischen Raumes. Der Wert der zentralen Wiesen und Rasenflächen und die daraus resultierende Weite sind dabei ebenso Rückgrat des Entwurfes, wie der umgebende Saum aus dichten Waldbereichen und der Blick auf die Skyline von Frankfurt.

Langfristige Gestaltung mit natürlicher Integration

Neben der Weiterentwicklung der vorhandenen Struktur und der Qualität des Bestandes ergab sich die wesentliche Aufgabe, große Flächen die der Naturentwicklung gewidmet sind, behutsam in ein robustes Parkkonzept zu überführen. Gleichzeitig galt es dem Park ein langfristiges, robustes Raumgerüst zu geben, welches auf den weiten Flächen neue Aufenthaltsqualitäten bietet und die Veränderung zu einem öffentlichen Park ablesbar macht. Der Entwurf erhält dabei die Geschichte des Ortes als Rennbahn, akzentuiert und ergänzt sie durch neue Parkelemente, und schafft so die Neuinterpretation der Fläche als städtische Parkanlage. Die Elemente wurden durch die dominierende Weite des Ortes und ein klar ablesbares Erschließungskonzept verknüpft und gestalterisch eingebunden.

Innovative Pflanzenverwendung, robuste Materialien als Schlüsselfaktoren

Auch das Vegetationskonzept trägt zum Erfolg der Parkanlage bei. Es lässt sich in einfachen Worten beschreiben: Erhalt, Förderung, Nachhaltigkeit, Entwicklung. So blieben der umgebende Gehölzsaum, die ehemalige Rennbahn und die zentrale Wiesenfläche des ehemaligen Golfplatzes räumlich und strukturell bestehen und funktional miteinander verbunden. Für die im Zentrum vorhandenen, ökologisch wertvollen Sandmagerrasen wurden Maßnahmen ergriffen, die den Bestand langfristig sichern. Generell wurde für alle Vegetationsflächen ein detailliertes Pflegemanagement erarbeitet, dass neben sämtlichen Pflanzungen auch auf die Ansaaten eingeht. Ziel dieses Konzeptes ist es, den Park behutsam aus dem Bestand zu entwickeln.

Langfristige Bepflanzung

Die ehemalige Rennbahn wurde zum nutzbaren Parkbereich umgebaut, in dem neben zahlreichen Nutzungsangeboten auch wichtige Erschließungs- und Vegetationselemente ihren Platz fanden. Längliche, die Form der Rennbahn aufnehmende Streifen gliedern die jetzige Rasenfläche. Diese Streifen treten durch blühende, insektenfreundliche Ansaaten und Gehölz- bzw. Stauden- und Gräserpflanzungen in Erscheinung. Durch die bewusste Auswahl von Gehölzen wurde ein differenziertes, sich über mehrere Jahre hinweg entwickelndes Vegetationskonzept umgesetzt, das langfristig eine klare Gliederung der Parkfläche sichert und so Räume für eine Vielzahl an Nutzung schafft. Ergänzt wurden diese Pflanzungen durch Bäume, die die übergeordnete Struktur aufgreifen und dank der Pflanzung in Reihen die Bewegungen der Pferde in den Kurven assoziativ aufnehmen. Bewusst wurden nur standortheimische Baum- und Gehölzarten gewählt, die gleichzeitig auf die Anforderungen des Klimawandels reagieren können.

 

Nachhaltige Materialien

Neben Pflanzungen war auch die Materialauswahl entscheidend. Auch sie lässt sich mit wenigen Schlagworten zusammenfassen: robust, langlebig, regional, nachhaltig. Der prägende Rundweg, der die Form der Rennbahn aufnimmt, wurde als wassergebundene Wegedecke ausgeführt, um so die versiegelte Oberfläche zu minimieren und die Optik eines Parks zu unterstreichen. Der westlich gelegene Skyview, dessen Plattform durch Massivholz- und Natursteinblöcken geprägt ist, lädt zum Verweilen ein und gibt den Blick auf die Skyline von Frankfurt frei. Er ist wahlweise über eine Treppe aus regionalem Sandstein oder einen barrierefreien Weg erreichbar. Die Trainingselemente der Calistehnicsanlage wurden bewusst in Metall ausgeführt. Der notwendige Fallschutzbelag fügt sich aufgrund der Farbgestaltung in den Park ein.  Die Gestaltung des Spielplatzes orientiert sich an der Geschichte der ehemaligen Pferderennbahn. Das EPDM-Spielfeld des Bolzplatzes wird an den langen Seiten von Natursteinelementen gerahmt, die als Sitzmöglichkeiten und als Bande dienen. Neben Naturstein und Holz, welches nochmals in Form von Stelen an den Zugängen des Parks in Erscheinung tritt, kam auch Metall zum Einsatz. Sowohl die Aussichtsplattform im Osten des Areals, als auch das Landschaftsfenster am Teich wurden aus Metall hergestellt. Die Aussichtsplattform ist geprägt durch eine Treppenwange aus Cortenstahl, in die die Silhouette von Rennpferden integriert wurde. Das Landschaftsfenster besticht hingegen durch einen Steg, der sich über den Teich zieht und von großen Metallbögen gerahmt wird.

Innovative Pflegekonzepte

Bei der Auswahl und Konzeption der Materialien bzw. Bepflanzung wurden stets Themen der Pflege und des Unterhalts mitgedacht. Alle Materialien sind langlebig und robust. Die Pflanzungen wurden entsprechend der Anforderungen durch den Klimawandel ausgewählt und ein langfristiges Entwicklungs- und Pflegekonzept erstellt. Der Kernbereich mit den prägenden Sandmagerrasenflächen blieb erhalten und wurde durch rund 7 300 Quadratmeter neuer Sandmagerrasenfläche ergänzt. Um diese sehr wertvollen mageren Standorte langfristig zu erhalten und zu pflegen, wurde ein Beweidungskonzept entwickelt. Fest in die Gestaltung des Parks integrierte Weidezaunpfosten dienen als Fixpunkte für Schafzäune. Die großen Rasenflächen im intensiv genutzten Randbereich wurden durch Wiesen-, Stauden- und Gehölzbänder strukturiert, deren Dimension und Abstand zueinander so gewählt wurde, dass die Flächen problemlos mit Aufsitzmähern gepflegt werden können.

Berücksichtigung demografische Entwicklung und sozialer Aspekte

Soziale Aspekte spielten eine große Rolle bei der Konzeption des Rennbahnparks. Die vielen Freizeitangebote und großzügigen Aufenthaltsbereiche bieten ausreichend Platz zur Zusammenkunft und für sportliche Aktivitäten. Der Aufbau einer Kinderfarm im Norden des Areals dient als zusätzliches Angebot und soll den Kindern und Jugendlichen der angrenzenden Stadtteile als Lernort und Treffpunkt zur Verfügung stehen. Bereits in der Planung wurden sehr viele Nutzergruppen und Akteure (UNB, Grünflächenamt, Calisthenics-Gruppe, Verein der Kinderfarm etc.) in einen intensiven, interdisziplinären und partizipativen Planungsprozess eingebunden. Auch durch eine aktive Bürgerinfo mit eigener Projekthomepage, Kinder- und Jugendbeteiligung und Presseterminen konnte ein breiter Konsens über die Ziele und die besondere Struktur des Parks erreicht werden.

bhmp – Stadt, Landschaft, Denken, Entwerfen.

Die Weiterentwicklung unserer Lebensumwelt stellt eine komplexe Planungsaufgabe dar. Bei bhmp arbeiten wir daher ganz bewusst in interdisziplinären Teams mit engagierten Mitarbeiter*innen unterschiedlicher Fachdisziplinen. So bearbeiten wir Fragestellungen aus mehreren Perspektiven heraus und entwickeln ganzheitliche Lösungsansätze. Dabei ist der intensive Dialog mit unseren Auftraggebern ein zentrales Element unserer Unternehmenskultur. Zentrale Grundlage unserer Arbeit ist ein breit gefächertes und hohes Wissensniveau, auf dessen Grundlage wir auch besondere Aufgaben übernehmen: Übergeordnete Analysen, Gutachten, Projektmanagement führen wir ebenso wie Bürgerbeteiligungsverfahren erfolgreich durch. Über die reine Fachplanung hinaus, können wir damit in der Beratung von Kommunen und Unternehmen, sowie der Projektbegleitung Verantwortung übernehmen. Wir legen Wert auf gute handwerkliche Qualität und die Angemessenheit der Lösung für den Ort und den Kontext der Aufgabe. Bei der Planung und Umsetzung ist für uns Verlässlichkeit selbstverständlich. Auch deshalb können wir auf langjährige und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit unseren zahlreichen gewerblichen und kommunalen Auftraggebern zurückblicken.

In unserer Septemberausgabe dreht sich alles um Stadtoasen. Finden Sie hier weitere spannende Projekte.  

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