Regenwasser, das auf versiegelte Flächen trifft, wird in konventionellen Entwässerungssystemen so schnell wie möglich abgeleitet. Das Mulden-Rigolen-System verfolgt das genaue Gegenteil: Es hält Niederschlag dort, wo er fällt, verlangsamt seinen Abfluss, gibt ihn kontrolliert an den Boden ab und entlastet damit Kanalnetze, Gewässer und das städtische Mikroklima gleichermaßen. Wer dieses Prinzip versteht, versteht einen der wirkungsvollsten Bausteine der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung in der modernen Stadtplanung.
- Was ein Mulden-Rigolen-System ist und wie es sich von anderen Entwässerungskonzepten unterscheidet
- Welche hydraulischen und ökologischen Grundlagen das System tragen
- Wie Mulden, Rigolen und ihre Verbindungselemente konstruktiv aufgebaut sind
- Welche Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen in Deutschland gelten
- Wo das System sinnvoll eingesetzt wird und welche Standortvoraussetzungen erfüllt sein müssen
- Welche Vorteile gegenüber konventioneller Kanalisation bestehen und wo Grenzen liegen
- Wie Pflege und Betrieb langfristig gesichert werden
- Welche typischen Planungsfehler auftreten und wie sie vermieden werden
Definition und Einordnung: Was ist ein Mulden-Rigolen-System?
Ein Mulden-Rigolen-System ist eine Anlage zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung, die aus zwei funktional verschiedenen, aber hydraulisch verbundenen Elementen besteht: der oberirdischen Mulde und der unterirdischen Rigole. Die Mulde ist eine flache, begrünte Geländevertiefung, die Niederschlagswasser aus angrenzenden befestigten Flächen aufnimmt, kurzfristig zwischenspeichert und schrittweise in den Boden versickert. Die Rigole ist ein unterirdischer, mit Kies oder Kunststoffkörpern gefüllter Hohlraumkörper, der das Wasser aufnimmt, das die Mulde entweder durch Versickerung nach unten oder durch einen Überlauf seitlich weitergibt. Beide Elemente zusammen bilden ein zweistufiges System, das Niederschlagsspitzen puffert, Schmutzfrachten durch Filtration mindert und das Wasser dem natürlichen Wasserkreislauf zurückgibt.
Die Einordnung des Mulden-Rigolen-Systems in die Systematik der Regenwasserbewirtschaftung ist eindeutig: Es gehört zur Gruppe der dezentralen, naturnahen Entwässerungsverfahren, die im englischsprachigen Raum unter dem Begriff „Sustainable Urban Drainage Systems“ (SUDS) oder „Low Impact Development“ (LID) zusammengefasst werden. Im deutschen Fachdiskurs ist der Begriff „dezentrale Regenwasserbewirtschaftung“ gebräuchlich, der alle Verfahren umfasst, die Niederschlag möglichst nah am Entstehungsort behandeln, speichern, versickern oder verdunsten lassen, anstatt ihn in ein zentrales Kanalnetz einzuspeisen. Das Mulden-Rigolen-System ist innerhalb dieser Gruppe eine der leistungsfähigsten und am häufigsten eingesetzten Kombinationslösungen, weil es Versickerung, Speicherung und Filtration in einem einzigen Bauwerk vereint.
Historisch entstand das Konzept als Reaktion auf die Überlastung städtischer Mischkanalnetze, die in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts durch zunehmende Flächenversiegelung und Starkregenereignisse an ihre Kapazitätsgrenzen stießen. Die Forschung und Normierung in Deutschland, maßgeblich durch die Deutsche Vereinigung für Wasserwirtschaft, Abwasser und Abfall (DWA) vorangetrieben, entwickelte ab den 1980er Jahren systematisch Planungsgrundlagen für solche Anlagen. Heute ist das Mulden-Rigolen-System fester Bestandteil der Regenwasserbewirtschaftung in Bebauungsplänen, Erschließungskonzepten und Freiraumplanungen.
Hydraulische und ökologische Grundlagen
Das hydraulische Funktionsprinzip des Mulden-Rigolen-Systems beruht auf der Kombination aus Retentionswirkung und Versickerungsleistung. Retentionswirkung bezeichnet die Fähigkeit eines Systems, Wassermengen vorübergehend zu speichern und damit den Abfluss zeitlich zu strecken. Versickerungsleistung beschreibt die Fähigkeit des Bodens oder des Füllmaterials, Wasser aufzunehmen und in den Grundwasserleiter weiterzugeben. Der entscheidende Kennwert für die Versickerungsleistung ist der gesättigte hydraulische Leitfähigkeitswert kf (in Metern pro Sekunde), der die Durchlässigkeit des anstehenden Bodens beschreibt. Das DWA-Merkblatt M 153 und das DWA-Arbeitsblatt A 138 definieren Mindestanforderungen an diesen Wert: Böden mit einem kf-Wert unterhalb von etwa 1 x 10 hoch minus 6 Metern pro Sekunde gelten in der Regel als zu wenig durchlässig für eine reine Versickerungsanlage. Das Mulden-Rigolen-System kann jedoch auch bei geringerer Bodendurchlässigkeit sinnvoll sein, wenn die Rigole als Retentionskörper mit gedrosseltem Ablauf betrieben wird.
Die ökologische Leistung des Systems geht weit über die reine Entwässerungsfunktion hinaus. Durch die Versickerung wird der natürliche Wasserkreislauf nachgebildet: Grundwasser wird angereichert, Gewässer werden vor hydraulischer Überlastung geschützt, und die Verdunstungsleistung der begrünten Mulde trägt zur Kühlung des Stadtklimas bei. Letzteres ist im Kontext der Klimaanpassung von besonderer Bedeutung, da Verdunstungskälte in urbanen Wärmeinseln einen messbaren Kühleffekt erzeugt. Gleichzeitig filtert der Boden und das Pflanzensystem der Mulde Schadstoffe aus dem Niederschlagswasser: Schwermetalle, Kohlenwasserstoffe und Feinstäube, die von Verkehrsflächen in das Wasser eingetragen werden, werden durch Adsorption an Bodenpartikel und biologischen Abbau zurückgehalten. Diese Reinigungsleistung ist allerdings standort- und belastungsabhängig und muss bei der Planung sorgfältig bewertet werden.
Für die Biodiversität in der Stadt bieten die begrünten Mulden eines Mulden-Rigolen-Systems zusätzliche Lebensräume. Wechselfeuchte Standorte, die periodisch überstaut und dann wieder trocken fallen, sind in der urbanen Landschaft selten und ökologisch wertvoll. Angepasste Pflanzengesellschaften aus Röhrichtarten, Seggen, Binsen und Wiesenstauden können hier Fuß fassen und Insekten, Amphibien sowie Bodenorganismen Lebensraum bieten. Diese ökologische Mehrfachfunktion macht das Mulden-Rigolen-System zu einem Instrument, das Entwässerungstechnik, Freiraumgestaltung und Naturschutz verbindet.
Konstruktiver Aufbau: Mulde, Rigole und Verbindungselemente
Die Mulde ist das sichtbare, oberirdische Element des Systems. Sie wird als flache Geländesenke mit einer Tiefe von in der Regel zehn bis dreißig Zentimetern ausgebildet, deren Böschungen flach geneigt sind, um eine sichere Begehbarkeit und eine gleichmäßige Wasserverteilung zu gewährleisten. Der Muldenboden wird mit einem durchwurzelbaren, versickerungsfähigen Substrat aufgebaut, das eine ausreichende Filterleistung besitzt, ohne zu schnell zu kolmatieren. Kolmatierung bezeichnet die Verstopfung der Bodenoberfläche durch eingetragene Feinstpartikel, die die Versickerungsleistung dauerhaft reduziert. Um Kolmatierung zu verlangsamen, werden Mulden häufig mit einer Vegetationsdecke aus robusten Gräsern oder Stauden belegt, deren Wurzeln die Bodenstruktur offen halten. Die Mulde ist so dimensioniert, dass sie Niederschlagsereignisse bis zu einer definierten Jährlichkeit vollständig aufnehmen kann, ohne überzulaufen.
Die Rigole liegt unterhalb oder seitlich der Mulde und ist durch eine Filterschicht oder ein Geotextil von ihr getrennt. Geotextilien sind wasserdurchlässige, synthetische Vliesstoffe, die Feinpartikel zurückhalten und den Übergang zwischen Muldensubstrat und Rigolenfüllung schützen. Als Füllmaterial kommen Kies (Körnung 16/32 oder 32/63 Millimeter), Schotter oder Kunststoff-Sickerkörper in Betracht. Kunststoff-Sickerkörper, auch als Rigolenkörper oder Sickertunnel bezeichnet, bieten gegenüber Kies einen deutlich höheren Hohlraumanteil (bis zu 95 Prozent gegenüber etwa 30 bis 35 Prozent bei Kies) und reduzieren damit das erforderliche Erdaushubvolumen erheblich. Sie sind jedoch teurer in der Anschaffung und stellen höhere Anforderungen an den Einbau.
Die Verbindung zwischen Mulde und Rigole erfolgt über Einlaufbauwerke, Schlitze oder perforierte Rohre, die das Wasser aus der Mulde in die Rigole leiten, sobald die Versickerungskapazität der Mulde überschritten ist. Ein Notüberlauf, der bei Extremereignissen das Wasser kontrolliert ableitet, ist ein unverzichtbares Sicherheitselement jeder Anlage. Dieser Überlauf führt entweder in ein Regenwasserkanalnetz, in ein Gewässer oder in eine nachgelagerte Versickerungsanlage. Die Rigole selbst ist mit einem Inspektionsrohr ausgestattet, das Wartung, Spülung und Kontrolle des Füllstands ermöglicht. Ohne dieses Element ist eine sachgerechte Betriebsführung nicht möglich.
Systemvarianten und Kombinationsmöglichkeiten
Das Mulden-Rigolen-System tritt in der Praxis in verschiedenen Varianten auf. Die einfachste Form ist die Einzelanlage, bei der eine Mulde direkt über einer Rigole liegt und das Wasser einer einzelnen Fläche, etwa eines Parkplatzes oder eines Daches, aufnimmt. Komplexere Anlagen verbinden mehrere Mulden über ein unterirdisches Rigolennetz, das linienförmig unter Gehwegen, Grünstreifen oder Parkflächen verläuft. Diese Linienrigolen, auch als Rigolenstränge bezeichnet, können größere Einzugsgebiete entwässern und sind besonders in Erschließungsstraßen mit begleitenden Grünstreifen effizient zu integrieren. Eine weitere Variante ist die Kombination mit Gründächern: Das Dach übernimmt die erste Retention und Filtration, das Mulden-Rigolen-System am Boden die zweite Stufe. Diese Kaskade erhöht die Gesamtleistung erheblich und ist in dichten urbanen Situationen besonders wertvoll.
Normen, Regelwerke und Planungsgrundlagen
Die Planung von Mulden-Rigolen-Systemen in Deutschland stützt sich auf ein klar definiertes Regelwerk. Das zentrale Dokument ist das DWA-Arbeitsblatt A 138 „Planung, Bau und Betrieb von Anlagen zur Versickerung von Niederschlagswasser“, das Anforderungen an Standorteignung, hydraulische Bemessung, Konstruktion und Betrieb formuliert. Ergänzt wird es durch das DWA-Merkblatt M 153 „Handlungsempfehlungen zum Umgang mit Regenwasser“, das Bewertungsmaßstäbe für die Schadstoffbelastung von Niederschlagswasser und die daraus abzuleitenden Behandlungsanforderungen liefert. Beide Dokumente sind für Planungsbüros, Kommunen und Genehmigungsbehörden die verbindliche Arbeitsgrundlage.
Für die wasserrechtliche Genehmigung ist das jeweilige Landeswassergesetz maßgeblich, da Versickerungsanlagen in Deutschland als Gewässerbenutzung im Sinne des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) gelten. Die Anforderungen variieren zwischen den Bundesländern, insbesondere hinsichtlich der Schwellenwerte für genehmigungsfreie Kleinanlagen und der Nachweispflichten für die Schadlosigkeit der Versickerung. In vielen Bundesländern existieren ergänzende Erlasse oder Leitfäden der Umweltministerien, die die Anwendung des WHG für Versickerungsanlagen konkretisieren. Planer müssen diese länderspezifischen Regelungen kennen und frühzeitig mit den zuständigen Wasserbehörden abstimmen.
Die Bemessung der Anlage erfolgt auf Basis von Bemessungsregenspenden, die aus statistischen Auswertungen von Niederschlagsdaten gewonnen werden. Das KOSTRA-DWD-Datensatz (Koordinierte Starkregenregionalisierung und -auswertung des Deutschen Wetterdienstes) liefert standortspezifische Bemessungsregen für unterschiedliche Jährlichkeiten und Dauerstufen. Die Wahl der Bemessungsjährlichkeit, also wie selten ein Regenereignis statistisch auftreten darf, das die Anlage überlastet, ist eine planerische Entscheidung, die von der Nutzung der entwässerten Fläche und den Folgen einer Überlastung abhängt. Für Wohngebiete wird häufig eine Jährlichkeit von zwei bis fünf Jahren angesetzt, für sensiblere Bereiche entsprechend höher.
Standortvoraussetzungen, Einsatzbereiche und Grenzen
Nicht jeder Standort eignet sich für ein Mulden-Rigolen-System. Die wichtigste Voraussetzung ist eine ausreichende Bodendurchlässigkeit, die durch Versickerungsversuche nach DIN 18130 oder durch Pumpversuche ermittelt wird. Lehmige oder tonige Böden mit sehr geringen kf-Werten scheiden für reine Versickerungsanlagen aus, können aber als Retentionsanlagen mit gedrosseltem Ablauf genutzt werden. Der Grundwasserstand ist ein weiteres Ausschlusskriterium: Zwischen dem Boden der Rigole und dem höchsten Grundwasserstand muss ein ausreichender Abstand eingehalten werden, um eine Rückverstauung und eine Beeinträchtigung des Grundwassers zu vermeiden. Das DWA-Arbeitsblatt A 138 gibt hier konkrete Mindestabstände vor.
Einsatzbereiche des Mulden-Rigolen-Systems sind vielfältig. In Wohngebieten werden Straßenbegleitgrün und Vorgärten als Mulden genutzt, die Dach- und Straßenwasser aufnehmen. In Gewerbegebieten entwässern großflächige Mulden-Rigolen-Systeme Parkplätze und Betriebsflächen, wobei die Schadstoffbelastung des Abflusses besondere Beachtung erfordert. Im öffentlichen Raum, etwa in Parks, auf Schulgeländen oder entlang von Stadtstraßen, sind Mulden-Rigolen-Systeme zunehmend als gestalterisches Element integriert, das Entwässerungsfunktion und Aufenthaltsqualität verbindet. Besonders in Neubaugebieten, wo die Erschließungsplanung frühzeitig auf dezentrale Entwässerung ausgerichtet werden kann, lassen sich Mulden-Rigolen-Systeme wirtschaftlich und funktional optimal einbinden.
Grenzen des Systems liegen dort, wo die Schadstoffbelastung des Niederschlagswassers so hoch ist, dass eine unkontrollierte Versickerung das Grundwasser gefährden würde. Das DWA-Merkblatt M 153 klassifiziert Flächen nach ihrer Abflussbelastung und definiert, ab welcher Belastungsklasse eine Vorbehandlung des Wassers erforderlich ist, bevor es versickert werden darf. Stark befahrene Straßen, Tankstellen, Umschlagplätze für wassergefährdende Stoffe und bestimmte Industrieflächen erfordern entweder eine vorgeschaltete Behandlungsanlage oder scheiden für die direkte Versickerung aus. Auch in Wasserschutzgebieten der Zone I und II gelten besondere oder vollständige Einschränkungen für Versickerungsanlagen.
Pflege, Betrieb und häufige Planungsfehler
Ein Mulden-Rigolen-System ist kein wartungsfreies Bauwerk. Die Langzeitfunktion hängt entscheidend von einer regelmäßigen und fachgerechten Pflege ab. Die Mulde muss von Sedimenten befreit werden, die sich durch eingetragene Feinstpartikel aus dem Niederschlagswasser ablagern und die Versickerungsleistung mindern. Empfohlen wird eine visuelle Inspektion nach jedem größeren Regenereignis sowie eine gründliche Reinigung mindestens einmal jährlich. Die Vegetation der Mulde ist so zu pflegen, dass sie die Bodenstruktur offenhält, ohne durch übermäßigen Laubfall oder Wurzeldruck die Geotextilschicht zu beschädigen. Gehölzpflanzungen in unmittelbarer Nähe der Rigole sind zu vermeiden, da Wurzeln das Füllmaterial und die Rohrleitungen beschädigen können.
Die Rigole selbst ist über die Inspektionsrohre regelmäßig auf Verstopfungen, Setzungen und Füllstandsveränderungen zu überprüfen. Spülungen des Rigolenkörpers können bei nachlassender Versickerungsleistung die Funktion wiederherstellen, sofern die Kolmatierung nicht zu weit fortgeschritten ist. In der Praxis zeigt sich, dass Anlagen, die von Beginn an mit einem durchdachten Betriebskonzept geplant werden, deutlich länger funktionsfähig bleiben als solche, bei denen die Betriebsphase in der Planung vernachlässigt wurde.
Zu den häufigsten Planungsfehlern zählt die Unterschätzung der Sedimentbelastung des Zulaufs. Wenn Straßen- oder Parkplatzwasser ohne Vorbehandlung direkt in die Mulde eingeleitet wird, kolmatiert die Muldenoberfläche innerhalb weniger Jahre. Ein einfaches Sandfang-Bauwerk oder ein belebter Bodenfilter als Vorbehandlungsstufe kann die Lebensdauer der Anlage erheblich verlängern. Ein weiterer Fehler ist die unzureichende Berücksichtigung des Notüberlaufs: Fehlt dieser oder ist er zu klein dimensioniert, kann es bei Extremereignissen zu unkontrollierten Überflutungen kommen, die benachbarte Gebäude oder Verkehrsflächen gefährden. Schließlich wird die Bedeutung der Einzugsgebietsgrenzen häufig unterschätzt: Wenn durch nachträgliche Bebauung oder Flächenveränderungen mehr Wasser in das System eingeleitet wird als ursprünglich bemessen, versagt die Anlage hydraulisch.
Das Mulden-Rigolen-System als Baustein der klimaresilienten Stadt
Das Mulden-Rigolen-System ist mehr als ein technisches Entwässerungsbauwerk. Es ist ein Instrument, das städtische Wasserkreisläufe renaturiert, Kanalnetze entlastet, Grundwasser anreichert und gleichzeitig Freiräume gestaltet. In einer Zeit, in der Starkregenereignisse häufiger werden und Städte nach Strategien zur Klimaanpassung suchen, gewinnt das Prinzip der dezentralen Regenwasserbewirtschaftung an Bedeutung, das dieses System verkörpert. Kommunen, die konsequent auf Mulden-Rigolen-Systeme setzen, reduzieren nicht nur die Kosten für Kanalausbau und Kläranlagenkapazität, sondern schaffen auch Freiräume mit ökologischer Qualität und Aufenthaltsattraktivität.
Die Integration in die Stadtplanung gelingt am besten, wenn das Mulden-Rigolen-System nicht als nachträgliche Ergänzung, sondern als strukturierendes Element der Erschließung gedacht wird. Straßenräume, die von Beginn an mit begleitenden Versickerungsmulden geplant werden, sind nicht nur funktional überlegen, sondern auch gestalterisch kohärenter als Straßen, in die nachträglich Entwässerungselemente eingefügt werden. Landschaftsarchitekten, Stadtplaner und Tiefbauingenieure müssen dabei eng zusammenarbeiten, weil das System an der Schnittstelle zwischen Freiraum, Verkehrsraum und Entwässerungstechnik liegt.
Die Zukunft des Mulden-Rigolen-Systems liegt in seiner Weiterentwicklung zu multifunktionalen Blau-Grün-Infrastrukturen, die Wasserrückhalt, Verdunstungskühlung, Biodiversitätsförderung und Aufenthaltsqualität in einem integrierten Konzept vereinen. Städte wie Berlin, Hamburg und München haben in ihren Stadtentwicklungskonzepten und Bebauungsplänen bereits Vorgaben verankert, die dezentrale Regenwasserbewirtschaftung als Standard definieren. Das Mulden-Rigolen-System ist dabei nicht das einzige, aber eines der bewährtesten und vielseitigsten Werkzeuge, das Planern zur Verfügung steht. Wer es richtig anwendet, schreibt an einem Stadtbild mit, das Wasser nicht als Abfall behandelt, sondern als Ressource begreift.
















